Aktuell

gentechnikfrei / 28.Apr 2016

Danone steigt in den USA aus der Gentechnik aus

Die US-Tochter von Danone will künftig auf gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe in ihren Produkten verzichten. Andere Unternehmen kündigen immerhin eine landesweite Kennzeichnung von Gen-Food an, nachdem der US-Staat Vermont diese Information für Verbraucher vorschreibt. 

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Fr, 2016-04-29 00:03
Berlin (dpa)

Höcke widerspricht Petry: AfD benötigt keine Abgrenzung nach rechts

Berlin (dpa) - Vor dem AfD-Bundesparteitag an diesem Wochenende ist der Richtungsstreit zwischen Parteichefin Frauke Petry und dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke neu ausgebrochen. Petry hatte dem Magazin «Stern» gesagt: «Die AfD wird sich entscheiden müssen, wo sie hin will. Will sie eine konservativ-liberale oder eine nationalkonservativ-soziale Partei sein?» Höcke entgegnete nun: «Ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit für die AfD, sich grundsätzlich für einen bestimmten Kurs zu entscheiden.» In der «Thüringer Allgemeinen» (Freitag) erklärte er weiter: «Im Gegenteil: Die Partei muss sich möglichst breit aufstellen und das Beste aus konservativen, liberalen und sozialen Traditionen in einem neuen Patriotismus verbinden.»

Gegen den Thüringer Landeschef war ein - inzwischen wieder eingestelltes - Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden, weil er behauptet hatte, dass nicht alle NPD-Mitglieder als rechtsextrem einzuschätzen seien.

Höcke plädierte dafür, die AfD zur «Partei der sozialen Gerechtigkeit» zu machen. «Gerade in Ostdeutschland gibt es besonders viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse und gebrochene Erwerbsbiografien», erklärte er. Die müsse die Partei in den Mittelpunkt stellen.

Die Partei will auf ihrem Parteitag am Samstag und Sonntag in Stuttgart ihren Kurs neu justieren und dazu zumindest Teile eines Grundsatzprogramms beschließen.

Fr, 2016-04-29 00:01
Berlin (dpa)

EU-Staaten wollen wieder Europawahl ohne Spitzenkandidaten

Berlin (dpa) - Die große Mehrheit der EU-Staaten will einem Medienbericht zufolge bei der nächsten Europawahl die Spitzenkandidaten wieder abschaffen. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» (Freitag) unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente.

Das Modell war 2014 neu ausprobiert worden, um stärkeres Interesse der Bürger an der Wahl zu wecken. Die großen Parteien hatten Kandidaten benannt. Wessen Partei die meisten Stimmen holte, sollte auch Chef der EU-Kommission werden. Auf diese Weise wurde Jean-Claude Juncker als Kandidat der Christdemokraten gewählt - trotz Skepsis etwa von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder des britischen Premiers David Cameron.

Die EU-Abgeordneten wollen das Modell nun mehrheitlich auf Dauer festschreiben. Einer gesetzlichen Verankerung widersetzen sich laut «SZ» aber die Staats- und Regierungschefs - und zwar «alle bis auf eine» Regierung, wie es in einem Bericht der niederländischen EU-Präsidentschaft heiße.

In den Hauptstädten werden demnach rechtliche Argumente gesammelt, um das Europaparlament zu stoppen. Gelingt das, blieben die Spitzenkandidaten ein einmaliger Test - und über den Kommissionschef würde wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit quasi «im Hinterzimmer» entschieden.

Der sozialdemokratische Europaabgeordnete Jo Leinen sagte dem Blatt, die Spitzenkandidaten seien ein Meilenstein auf dem Weg zu echten europäischen Wahlen gewesen. «Umso wichtiger wäre es, das bei der Wahl 2019 fortzusetzen.» Es müsste «einen Aufschrei in Europa geben».

Do, 2016-04-28 21:53
Washington (dpa)

US-Militär verhängt Strafen wegen Angriffs auf Klinik in Kundus

Washington (dpa) - Das US-Militär hat für den fatalen Angriff auf ein Krankenhaus im afghanischen Kundus nach Medienberichten Disziplinarmaßnahmen gegen 16 Armeeangehörige verhängt. Das Pentagon wollte am Donnerstag zu einem entsprechenden Bericht der «Los Angeles Times» keine Stellung nehmen und verwies auf eine bevorstehende Stellungnahme an diesem Freitag.

Bei dem Angriff auf das Hospital der Organisation «Ärzte ohne Grenzen» waren am 3. Oktober vergangenen Jahres 42 Menschen getötet worden, darunter 24 Patienten und 18 Mitarbeiter. Die USA hatten schwere Fehler eingeräumt.

Nun sei ein Offizier suspendiert und aus Afghanistan abkommandiert worden, hieß es in dem Bericht ohne weitere Quellenangaben. Die anderen müssten sich Beratungs- und Trainingsmaßnahmen unterziehen.

Nach dem Angriff hatte das US-Militär mehrere Untersuchungen eingesetzt. Menschenrechtsorganisationen kritisierten, dass es keine strafrechtlichen Konsequenzen, sondern lediglich Disziplinarmaßnahmen gebe.

Do, 2016-04-28 21:03
York (dpa)

UN-Friedensmission in der Elfenbeinküste soll 2017 auslaufen

New York (dpa) - Zwölf Jahre nach Entsendung der ersten UN-Truppen in die damals von einem Bürgerkrieg geplagte Elfenbeinküste leiten die Vereinten Nationen das Ende der Friedensmission ein. Die derzeit fast 7000 Soldaten, Polizisten, Beobachter und andere Mitarbeiter sollen ihren Einsatz bis Ende Juni 2017 beenden, wie der UN-Sicherheitsrat am Donnerstag einstimmig entschied. Zugleich sollen die Ende 2004 verhängten Sanktionen aufgehoben werden - darunter ein Waffenembargo, Reisebeschränkungen und eingefrorenes Vermögen.

Frankreichs UN-Botschafter François Delattre sprach von dem «beeindruckenden Weg, den die Elfenbeinküste auf dem Weg zu Frieden, Versöhnung und Sicherheit zurückgelegt hat». Paris hatte sich lange für ein Ende der Gewalt in dem von tiefen politischen Krisen geschüttelten Land in Westafrika eingesetzt. Der ivorische UN-Botschafter Claude Stanislas Bouah-Kamon sagte, dass sein Land nun die verbleibende Probleme anpacken wolle.

Die Elfenbeinküste war einst der wohlhabendste Staat Westafrikas. Millionen Zuwanderer aus Nachbarländern wie Burkina Faso führten zu Spannungen, bis ein Militärputsch das Land 1999 in eine schwere Krise stürzte und ein Soldatenaufstand 2002 schließlich im Bürgerkrieg eskalierte. Nach umstrittenen Wahlen im Jahr 2010 brach erneut ein Bürgerkrieg aus, dem etwa 3000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in dieser Zeit muss sich Ex-Präsident Laurent Gbabgo vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.

Do, 2016-04-28 20:11
Paris (dpa)

Keine Abgastäuschung bei Tests in Frankreich festgestellt

Paris (dpa) - Nach Auswertung erster Abgastests sind in Frankreich bisher keine Täuschungsversuche der Fahrzeughersteller festgestellt worden. Gleichzeitig wurden deutliche Abweichungen bei den Werten unter realen Straßenbedingungen gemessen, wie das federführende Umweltministerium am Donnerstag in Paris mitteilte. Dies gelte vor allem bei den Stickoxid-Werten.

Umweltministerin Ségolène Royal hatte nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals bei Volkswagen Stichproben bei insgesamt 100 Fahrzeugen angeordnet. Inzwischen sind 52 davon getestet worden. Die Experten stellten Autos von Renault (12), Peugeot (9), Citroën (6), VW (5), Ford (4), Mercedes (3), Opel (3), Toyota (2), Nissan (2) sowie Dacia, Audi, BMW, Jeep, Kia und Fiat (je 1) auf den Prüfstand.

Do, 2016-04-28 20:14
(dpa)

Zirkus-Löwen aus Südamerika werden in Südafrika ausgewildert

Bogotá (dpa) - 33 Zirkus-Löwen aus Südamerika sollen in einem Naturreservat in Südafrika eine neue Heimat finden. Neun Großkatzen wurden am Donnerstag von einer Tierauffangstation im Nordosten Kolumbiens in die Hauptstadt Bogotá gebracht. Am Freitag geht es weiter nach Peru, wo bereits 24 weitere Löwen auf ihren Flug nach Südafrika warten. Dort sollen sie im Tierschutzpark Emoya Big Cat Sanctuary ausgewildert werden.

Die Löwen aus Peru seien bei Razzien in verschiedenen Zirkussen befreit worden, teilte der Tierschutzverein Animal Defenders International mit, der die Umsiedlung organisiert. Die Löwen aus Kolumbien seien freiwillig abgegeben worden. In den beiden südamerikanischen Ländern waren Wildtiere in Zirkussen zuletzt verboten worden.

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Do, 2016-04-28 20:45
Juba (dpa)

Nach zwei Jahren Konflikt: Südsudan bildet Einheitsregierung

Juba (dpa) - Präsident Salva Kiir und Oppositionsführer Riek Machar haben im krisengeschüttelten Südsudan nach zwei Jahren Konflikt mit zehntausenden Toten eine Einheitsregierung gebildet. Der Präsident verkündete die Zusammenstellung des neuen Kabinetts am Donnerstagabend.

Am Vortag war Machar, ein ehemaliger Rebellenführer, unmittelbar nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt Juba als Vizepräsident vereidigt worden. Machar hatte sich zuletzt im benachbarten Äthiopien und im Norden des Südsudans aufgehalten. Seine Rückkehr hatte er mehrfach aufgeschoben, nachdem ein im August unter internationalem Druck unterzeichnetes Friedensabkommen von beiden Seiten mehrfach gebrochen worden war.

Machar diente bereits unter der ersten Regierung des erst seit 2011 unabhängigen Südsudans als Stellvertreter von Präsident Kiir. Dieser entließ ihn am 23. Juli 2013. Eine Eskalation des Machtkampfes zwischen den beiden Männern leitete einen vor allem ethnisch motivierten Konflikt in dem ostafrikanischen Land ein. Machar gehört zum Volk der Nuer, Kiir zu den zahlenmäßig überlegenen Dinka. Der Konflikt forderte seither mindestens Zehntausende Menschenleben. Mehr als 2,3 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht.

Do, 2016-04-28 20:00
Berlin (dpa)

Atom-Risiken und Straßenbau im Bundestag

Berlin (dpa) - Der Bundestag befasst sich an diesem Freitag (0900) mit den Risiken der Atomkraft. Die Opposition aus Linkspartei und Grünen fordert mit Blick auf den 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, alte Reaktoren in Frankreich und Belgien schnellstmöglich abzuschalten. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bat zuletzt die belgische Regierung, die beiden Atomkraftwerksblöcke Tihange 2 und Doel 3 wegen Sicherheitsbedenken vorübergehend vom Netz zu nehmen. Das AKW Tihange liegt rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, Doel rund 130 Kilometer. Die Belgier wollen davon nichts wissen und halten die Anlagen für sicher.

Die Grünen wollen im Parlament auch über eine Reform von langfristigen Verkehrs-Investitionsprojekten reden.

Do, 2016-04-28 19:32
Washington (dpa)

USA: Angriff auf Krankenhaus in Syrien in jeder Hinsicht verwerflich

Washington (dpa) - Die USA haben die Luftangriffe auf ein syrisches Krankenhaus mit mindestens 30 Todesopfern als «in jeder Hinsicht verwerflich» verurteilt. Das sagte der Sprecher der US-Außenministeriums, John Kirby, am Donnerstag in Washington. Einmal mehr appelliere man an die Regierung in Damaskus, alles zu tun, um die Situation im Land zu beruhigen.

Der Angriff in Aleppo traf nach Angaben örtlicher Helfer ein wichtiges Zentrum für Kinderheilkunde. Es liegt in einem von Rebellen gehaltenen Gebiet. Wer für die Bombardements verantwortlich ist, blieb zunächst unklar.

Für Angriffe in den vergangenen Tagen hatten Aktivisten und Menschenrechtler Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seine Verbündeten verantwortlich gemacht.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Do, 2016-04-28 19:55
Wolfsburg (dpa)

VW-Chef Müller: Keine Entschädigungen in Europa wie in den USA

Wolfsburg (dpa) - VW-Chef Matthias Müller hat für Deutschland und Europa Entschädigungen im gleichen Umfang wie in den USA ausgeschlossen. Es werde keine eins zu eins Übertragung der Lösung geben, die in den USA diskutiert werde, sagte Müller am Donnerstag in Wolfsburg. Unbestätigten Berichten zufolge ist in den Vereinigten Staaten eine Zahlung von bis zu 5000 US-Dollar (gut 4400 Euro) für jeden Besitzer eines betroffenen Diesel im Gespräch. Bereits in der vergangenen Woche hatte VW mitgeteilt, «die sich nun abzeichnenden Regelungen in den USA werden in Verfahren außerhalb der USA keine rechtlichen Wirkungen entfalten.»

Do, 2016-04-28 19:23
Nürnberg (dpa)

BAMF-Chef Weise: Alle Asylanträge bis Jahresende bearbeitet

Nürnberg (dpa) - Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird nach den Worten des Behördenleiters Frank-Jürgen Weise bis zum Jahresende alle Asylanträge - auch die Altfälle - bearbeiten können. «Es sieht alles danach aus, dass wir das schaffen», sagte Weise dem ZDF-«heute journal» (Donnerstag). Danach sei seine Doppelrolle als Leiter des BAMF und der Bundesagentur für Arbeit erfüllt. Andere könnten dann seine Arbeit beim BAMF fortsetzen.

Do, 2016-04-28 19:47
Aleppo/Genf (dpa)

Mindestens 30 Tote nach Luftangriffen auf Klinik in Aleppo

Seit Tagen eskaliert die Gewalt in Syrien - ungeachtet der eigentlich geltenden Waffenruhe. Und wieder sterben Dutzende Menschen bei einem Angriff auf ein Krankenhaus. Unter den Opfern: Patienten und Ärzte.

Aleppo/Genf (dpa) - Bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind trotz einer eigentlich geltenden Waffenruhe Dutzende Menschen getötet worden. Rettungshelfer vor Ort berichteten am Donnerstag von mindestens 30 Toten und 50 Verletzten bei dem Bombardement der Klinik, die ein wichtiges Zentrum für Kinderheilkunde beherbergte. Die USA nannten die Angriffe abscheulich.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 27 Toten, darunter seien mindestens drei Kinder sowie einer der letzten Kinderärzte in dem Bezirk. Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge starben in dem von der Organisation unterstützten Krankenhaus allein 14 Patienten und Ärzte.

«Dieser schlimme Angriff hat ein unverzichtbares Krankenhaus in Aleppo und das wichtigste Zentrum für Kinderheilkunde in der Gegend zerstört», teilte der MSF-Leiter in Syrien, Muskilda Sankada, mit. Die Al-Kuds-Klinik im Stadtteil Al-Sukari werde von MSF mit medizinischer Ausstattung versorgt.

Aktivisten aus der Region sprachen sogar von 50 Todesopfern bei den Angriffen auf die Klinik am Mittwochabend. Anderswo in der Stadt seien mindestens 20 weitere Zivilisten in von der Opposition kontrollierten Gebieten umgekommen, so die Menschenrechtsbeobachter.

Von wem die Bombardements ausgeführt wurden, blieb zunächst unklar. Die Opposition beschuldigte das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen Verbündeten Russland. Ein Vertreter des syrischen Militärs bestritt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, dass die Klinik von Flugzeugen der syrischen Regierung bombardiert worden sei.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wies der Agentur Interfax zufolge Berichte zurück, wonach russische Kampfflugzeuge an den Bombardements beteiligt gewesen sein sollen.

US-Außenminister John Kerry erklärte, es sehe alles nach einer absichtlichen Attacke auf eine bekannte medizinische Einrichtung aus. Er wiederholte seine Forderung an die Adresse Russlands, alles dafür zu tun, damit sich das syrische Regime an die Waffenruhe halte. 

Den Rettungshelfern zufolge traf das Bombardement auch umliegende Gebäude, in denen medizinisches Personal untergebracht war. Es würden noch Menschen unter den Trümmern vermisst. Videoaufnahmen zeigten zerstörte Häuserfronten, brennende Gebäude und Helfer, die Leichen und Verletzte wegtrugen.

Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen haben sich Analysten zufolge zu einer Kriegstaktik in Syrien entwickelt. Bei einem Angriff im Februar auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen waren nach UN-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

Aleppo gilt als das wichtigste Schlachtfeld in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Konflikt. Die Stadt wird teilweise von Einheiten Assads, teils von Rebellengruppen kontrolliert. Das Regime versucht, die letzte Nachschubroute der Aufständischen zu kappen und diese damit in Aleppo einzuschließen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, in Genf gewarnt, die derzeit geltende Waffenruhe sei «in großer Gefahr» und könne «jederzeit kollabieren». Er rief deshalb die USA und Russland zu einer neuen gemeinsamen Friedensinitiative «auf höchster Ebene» auf. Washington und Moskau hatten die über Wochen stabile Waffenruhe im Februar durchgesetzt.

De Mistura sagte, erst wenn die anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhören, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen. Aus Protest waren die Vertreter der Opposition Ende vergangener Woche abgereist.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich besorgt über die eskalierende Gewalt. Sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault verurteilte die Bombardierung und forderte ein kurzfristiges Ministertreffen der internationalen Unterstützergruppe für Syrien. Die Vereinten Nationen warnten vor einer massiven Verschlechterung der humanitären Lage im Bürgerkriegsland.

Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge sind seit vergangenen Freitag mehr als 150 Zivilisten bei Angriffen von Regimekräften und Rebellen in Aleppo umgekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schätzte die Zahl am Mittwoch auf 89 Zivilisten.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Do, 2016-04-28 19:00
Düsseldorf (dpa)

Im Prozess um Reker-Attentat Kölns Oberbürgermeisterin als Zeugin

Düsseldorf (dpa) - Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker soll an diesem Freitag (10.00 Uhr) im Prozess um das Attentat auf sie als Zeugin aussagen. Dabei tritt sie im Düsseldorfer Oberlandesgericht dem Angeklagten gegenüber, der die Messerattacke auf sie bereits gestanden hat. Der 44-jährige Frank S. hatte der parteilosen Kommunalpolitikerin bei einem Wahlkampftermin im Oktober ein Messer in den Hals gerammt. Die lebensgefährlich Verletzte wurde einen Tag später zur Oberbürgermeisterin gewählt. Dem Angeklagten droht wegen versuchten Mordes lebenslange Haft.

Do, 2016-04-28 18:23
York (dpa)

UN-Sicherheitsrat will über Raketentests in Nordkorea beraten

New York (dpa) - Nach mutmaßlich erneuten Tests von Mittelstreckenraketen in Nordkorea will der UN-Sicherheitsrat in einer kurzfristig einberufenen Sitzung über den Konflikt beraten. Das höchste UN-Gremium nahm den Punkt am Donnerstagmittag (Ortszeit) auf die Tagesordnung.

Vor zwei Wochen hatte der Sicherheitsrat einen mutmaßlich gescheiterten Raketentest des kommunistischen Regimes bereits verurteilt. Zudem hatte er die Sanktionen gegen Pjöngjang nach einem neuen Atomtest des Landes im Januar und dem umstrittenen Start einer Weltraumrakete im Februar verschärft.

Nordkorea waren nach Angaben Südkoreas offensichtlich am Donnerstag zwei Tests einer Mittelstreckenrakete desselben Typs misslungen. Nach einem mutmaßlich fehlgeschlagenen Test am Morgen (Ortszeit) habe Nordkorea am Abend eine weitere ballistische Rakete abgefeuert, hieß es aus Militärkreisen in Seoul. Es könne ebenfalls eine Musudan-Rakete gewesen sein.

Do, 2016-04-28 19:01
Berlin (dpa)

Endlager-Kommission berät mit Bürgern

Berlin (dpa) - Die Kommission zur Vorbereitung der Suche nach einem Atommüll-Endlager diskutiert ab Freitag (ab 13.00) zwei Tage lang den Stand ihrer Arbeit mit interessierten Bürgern. Etwa 200 Teilnehmer werden dazu in Berlin erwartet. Im Juni soll der Bericht, in dem unter anderem Kriterien für die Suche präsentiert werden, fertig werden und an den Bundestag gehen. Es geht um ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll.

In Berlin stellt die Kommission ihre Arbeitsweise vor, präsentiert ihre Kernbotschaften und holt sich Rückmeldung. Die Fortschritte können auch online beobachtet und kommentiert werden. Einige Atomkraftgegner boykottieren den Austausch, weil sie glauben, dass der Meinung der Öffentlichkeit kein Gewicht gegeben werden.

Do, 2016-04-28 18:25
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Zitat: John Boehner über Ted Cruz

«Er hat den Teufel im Leib. Ich habe Freunde bei den Demokraten und Freunde bei den Republikanern. Ich komme mit fast jedem klar, aber ich habe noch nie in meinem Leben mit einem erbärmlicheren Hurensohn zusammengearbeitet.»

(Der frühere Vorsitzende des US-Abgeordnetenhauses, John Boehner, Republikaner, am Donnerstag in einem Town Hall Meeting an der Stanford University über den Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, Texas' Senator Ted Cruz.)

Do, 2016-04-28 18:24
Sofia (dpa)

Sofia schränkt Stimmabgabe in der Türkei bei bulgarischen Wahlen ein

Sofia (dpa) - Bulgarien hat nach Druck von Nationalisten das Recht auf Stimmabgabe für Auslandsbulgaren in der benachbarten Türkei bei bulgarischen Wahlen begrenzt. Ziel sei es, den Einfluss der Türkei auf die bulgarische Innenpolitik zu verringern, hieß es am Donnerstag. Das Parlament in Sofia verabschiedete entsprechende Änderungen des Wahlkodexes. Danach darf es Wahllokale im Nicht-EU-Ausland - außer in Botschaften und Konsulaten - nur noch in Städten mit mehr als einer Million Einwohner geben. Die Bestimmungen sollen schon für die Präsidentenwahl in diesem Herbst gelten.

Mit der Neuregelung soll verhindert werden, dass für Hunderttausende in der Türkei lebende Auslandsbulgaren mit doppelter Staatsbürgerschaft überall in der Türkei Wahllokale geöffnet werden. Die auf die Türkei abzielende Neuregelung betrifft allerdings auch  Hunderttausende in den USA, Kanada und Australien lebende Bulgaren.

In EU-Staaten erlaubt Bulgarien die Öffnung von Wahllokalen überall dort, wo sich mehr als 100 bulgarische Wähler gemeldet haben. Der Chef der oppositionellen Türkenpartei DPS, Mustafa Karadayi, lehnte die neuen Regeln als undemokratisch ab.

Do, 2016-04-28 18:54
Warschau (dpa)

Kontroverse Debatte über Mediengesetz in Polen

Warschau (dpa) - Hitzige Debatte über die öffentlich-rechtlichen Medien im polnischen Parlament: In der ersten Lesung des erweiterten Mediengesetzes hat die Opposition der nationalkonservativen Regierung am Donnerstag einen «Anschlag auf die Wahrheit» vorgeworfen. Laut dem Entwurf der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sollen unter anderem die öffentlichen Sender in «nationale Medien» umgestaltet werden. Überwachen soll sie ein neuer nationaler Medienrat, über dessen Besetzung der Parlamentspräsident - der von der PiS gestellt wird - entscheiden soll.

Ein erster Teil des Mediengesetzes war bereits Ende 2015 verabschiedet worden. Er gab dem Schatzminister und damit einem Regierungsmitglied die Entscheidung über die Besetzung von Führungspositionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen. 

«Dieses Gesetz reißt die Medien aus den Händen der Parteien», sagte die PiS-Abgeordnete Joanna Lichocka über die Reform. Bisher hätten die öffentlichen Medien Partei- und Lobby-Interessen gedient.

«Noch nie wurde versucht, so vulgär Einfluss auf die öffentlichen Medien zu nehmen», sagte dagegen Grzegorz Furgo von der liberalkonservativen Oppositionspartei Nowoczesna.

Do, 2016-04-28 18:40
Aleppo/Genf (dpa)

Mindestens 30 Tote nach Luftangriffen auf Klinik in Aleppo

Seit Tagen eskaliert die Gewalt in Syrien - ungeachtet der eigentlich geltenden Waffenruhe. Und wieder sterben Dutzende Menschen bei einem Angriff auf ein Krankenhaus. Unter den Opfern: Patienten und Ärzte.

Aleppo/Genf (dpa) - Bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind trotz einer eigentlich geltenden Waffenruhe Dutzende Menschen getötet worden. Rettungshelfer vor Ort berichteten am Donnerstag von mindestens 30 Toten und 50 Verletzten bei dem Bombardement der Klinik, die ein wichtiges Zentrum für Kinderheilkunde beherbergte.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 27 Toten, darunter seien mindestens drei Kinder sowie einer der letzten Kinderärzte in dem Bezirk. Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge starben in dem von der Organisation unterstützten Krankenhaus allein 14 Patienten und Ärzte. «Dieser schlimme Angriff hat ein unverzichtbares Krankenhaus in Aleppo und das wichtigste Zentrum für Kinderheilkunde in der Gegend zerstört», teilte der MSF-Leiter in Syrien, Muskilda Sankada, mit. Die Al-Kuds-Klinik im Stadtteil Al-Sukari werde von MSF mit medizinischer Ausstattung versorgt.

Aktivisten aus der Region sprachen sogar von 50 Todesopfern bei den Angriffen auf die Klinik am Mittwochabend. Anderswo in der Stadt seien mindestens 20 weitere Zivilisten in von der Opposition kontrollierten Gebieten umgekommen, so die Menschenrechtsbeobachter.

Von wem die Bombardements ausgeführt wurden, blieb zunächst unklar. Die Opposition beschuldigte das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen Verbündeten Russland. Ein Vertreter des syrischen Militärs bestritt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, dass die Klinik von Flugzeugen der syrischen Regierung bombardiert worden sei. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies der Agentur Interfax zufolge Berichte zurück, wonach russische Kampfflugzeuge an den Bombardements beteiligt gewesen sein sollen.

Den Rettungshelfern zufolge traf das Bombardement auch umliegende Gebäude, in denen medizinisches Personal untergebracht war. Es würden noch Menschen unter den Trümmern vermisst. Videoaufnahmen zeigten zerstörte Häuserfronten, brennende Gebäude und Helfer, die Leichen und Verletzte wegtrugen.

Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen haben sich Analysten zufolge zu einer Kriegstaktik in Syrien entwickelt. Bei einem Angriff im Februar auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen waren nach UN-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

Aleppo gilt als das wichtigste Schlachtfeld in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Konflikt. Die Stadt wird teilweise von Einheiten Assads, teils von Rebellengruppen kontrolliert. Das Regime versucht, die letzte Nachschubroute der Aufständischen zu kappen und diese damit in Aleppo einzuschließen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, in Genf gewarnt, die derzeit geltende Waffenruhe sei «in großer Gefahr» und könne «jederzeit kollabieren». Er rief deshalb die USA und Russland zu einer neuen gemeinsamen Friedensinitiative «auf höchster Ebene» auf. Washington und Moskau hatten die über Wochen stabile Waffenruhe im Februar durchgesetzt.

De Mistura sagte, erst wenn die anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhören, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen. Aus Protest waren die Vertreter der Opposition Ende vergangener Woche abgereist.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich besorgt über die eskalierende Gewalt. Sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault verurteilte die Bombardierung und forderte ein kurzfristiges Ministertreffen der internationalen Unterstützergruppe für Syrien. Die Vereinten Nationen warnten vor einer massiven Verschlechterung der humanitären Lage im Bürgerkriegsland.

Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge sind seit vergangenen Freitag mehr als 150 Zivilisten bei Angriffen von Regimekräften und Rebellen in Aleppo umgekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schätzte die Zahl am Mittwoch auf 89 Zivilisten.

Do, 2016-04-28 17:23
Bagdad (dpa) 

US-Vizepräsident zu Überraschungsbesuch in Bagdad

Bagdad (dpa) - US-Vizepräsident Joe Biden hat überraschend den Irak inmitten einer politischen Krise in dem Land besucht. Biden landete am Donnerstag in der Hauptstadt Bagdad und traf sich lokalen Medienberichten zufolge mit Regierungschef Haidar al-Abadi. Geplant waren Gespräche über die «Nationale Einheit» des Iraks sowie den weiteren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), teilte Bidens Sprecher mit. Außerdem sollte es um die wirtschaftliche Stabilität des Landes gehen. Al-Abadi steht momentan massiv unter Druck, nachdem es in den vergangenen Wochen landesweit immer wieder Demonstrationen für Reformen gegeben hatte.

Do, 2016-04-28 17:50
Weimar (dpa)

Doppelbezüge: Machnigs Klage kommt vor Thüringer Gericht

Weimar (dpa) - In Thüringen kommt ein Rechtsstreit zwischen dem Land und Ex-Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) über die Rückzahlung zu viel gezahlter Amtsbezüge vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Weimar kündigte am Donnerstag eine Verhandlung für den 30. August an. Auf Nachfrage teilte das Gericht mit, es gehe dabei um die Klage Machnigs gegen die Rückforderung des Landes. Nach früheren Angaben handelt es sich dabei um rund 150 000 Euro. Der 56-Jährige war bis zu seinem Rücktritt 2013 vier Jahre lang Wirtschaftsminister in Erfurt. Seit 2014 ist Machnig Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Machnig hat nach Auffassung des Landes Thüringen in dieser Zeit neben seinen Amtsbezügen als Minister auch Versorgungsbezüge aus seiner Tätigkeit als Staatssekretär im Bundesumweltministerium erhalten. Es vertritt die Ansicht, er hätte diese Bezüge mit seinem Ministergehalt verrechnen müssen. Machnig hatte erklärt, er sei von einer Abstimmung der beiden Zahlstellen untereinander ausgegangen.

Thüringens Landesfinanzdirektion hatte Machnigs Widerspruch gegen die Rückzahlungsforderung abgewiesen. 2014 hatte Thüringen zudem die Zahlung von Übergangsgeld, das ihm nach seinem Rücktritt zustand, gestoppt. Es soll um einen Betrag von etwa 90 000 Euro gegangen sein, hieß es damals.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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