Aktuell

verbraucherschutz / 01.Sep 2015

Margarine-Streit geht vor EU-Kommission

Unilever behauptet, die Margarine Becel pro.activ senke den Cholesterinspiegel – natürlich ohne Nebenwirkungen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch behauptet das Gegenteil und klagte. Nachdem heute zum zweiten Mal ein Gericht gegen Foodwatch entschieden hat, setzt die Organisation ihre Hoffnungen nun auf die EU-Kommission.

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PRODUKT
der Woche
Di, 2015-09-01 17:06
Hamburg (dpa)

Prominente «Stimmen des Nordens» gegen Fremdenfeindlichkeit

Er ist kein Filmstar, sondern Schauspielstudent im dritten Semester. Dennoch hat ein 20-Jähriger in Hamburg zahlreiche Prominente für eine Kampagne als Willkommenszeichen für Flüchtlinge mobilisieren können.

Hamburg (dpa) - Prominente des Nordens wie Jörg Pilawa, Lilo Wanders und Gunter Gabriel rufen gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit auf. Zahlreiche Musiker, Schauspieler, Moderatoren, Künstler und Politiker unterstützen die Aktion «Stimmen des Nordens». Auf der gleichnamigen Internetseite ( www.stimmen-des-nordens.de), die am Dienstag an den Start ging, können in Videobotschaften Statements für Weltoffenheit und gegen Rechtsextremismus abgegeben werden. Initiator ist der 20 Jahre alte Hamburger Schauspielschüler Max-Fabian Wolff-Jürgens. Er stellte das Projekt gemeinsam mit einigen Unterstützern vor.

Zu den Ersten, die ihre Videobeiträge abgaben, gehörten nicht nur Stars aus Musik und Show wie die Musiker Roger Cicero und Gottfried Böttger sowie Dragqueen Olivia Jones. Auch Bischöfin Kirsten Fehrs und die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano sind dabei, ebenso Politiker wie die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und Niedersachsen, Torsten Albig und Stephan Weil (beide SPD).

Wolff-Jürgens, der 2011 einen Auftritt als Balanciertalent in «Wetten, dass...?» hatte, studiert an der Schule für Schauspiel Hamburg und ist bereits Gründer der Initiative «Jung gegen Rechts». «In den vergangenen Wochen konnte ich über 70 bekannte Stimmen aus Kultur, Gesellschaft und Politik gewinnen, um sich an unserer Kampagne zu beteiligen», berichtete er. Mit den Videobotschaften und der Internetseite solle «ein deutliches und vor allem erstmals gebündeltes Zeichen» gegen Hass und Gewalt gesetzt werden.

Jeder kann ab sofort sein Statement per Video-Selfie abgeben, erklärten die Initiatoren. «Ausgewählte Beiträge werden auf der Webseite, bei Facebook und bei YouTube zu sehen sein, nachdem sie - um Missbrauch zu verhindern - geprüft sind», hieß es.

Di, 2015-09-01 16:56
München/Budapest (dpa)

Neue Flüchtlingszüge nach Bayern - Dramatische Lage bei Griechen

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt nicht ab - trotz neuer Erschwernisse für die Migranten in Ungarn. Und in Griechenland treffen unterdessen immer neue Flüchtlinge ein, die über die Balkanroute in den Westen wollen.

München/Budapest (dpa) - Trotz einer vorübergehenden Totalsperrung des Ostbahnhofs in Budapest hat sich in Deutschland die Lage im Flüchtlingsdrama nur leicht entspannt. In Bayern kamen am Dienstag weitere 2500 Migranten an. Insgesamt waren es seit Wochenbeginn fast 4300 Menschen. Zigtausende weitere Flüchtlinge warten in Ungarn und auf dem Balkan auf eine Möglichkeit zur Weiterreise in den Westen. Dramatisch bleibt die Lage in Griechenland, wo immer neue Migranten mit Booten aus der Türkei eintreffen.

In Budapest wurde der Ostbahnhof am Dienstagvormittag für zwei Stunden total gesperrt, die Behörden forderten Reisende und Flüchtlinge auf, das Gelände zu verlassen. Als der Bahnhof wieder geöffnet wurde, kontrollierten die Behörden die Zugänge und ließen keine Flüchtlinge mehr ein. Am Vortag hatte die Polizei überraschend auf die Bahnsteigkontrollen verzichtet, die verhindern sollen, dass visumpflichtige Reisende ohne gültiges Visum für Österreich oder Deutschland an Bord der internationalen Züge gelangen. Daraufhin stürmten Hunderte Flüchtlinge die Züge Richtung Westen.

In der «Transitzone» neben dem Ostbahnhof warten nach Angaben von Helfern und Aktivisten derzeit 1500 bis 2000 Flüchtlinge auf die Möglichkeit einer Weiterreise nach Deutschland. Am Morgen reisten von Salzburg aus bis zu 2000 Migranten in Zügen weiter nach Deutschland.

Dramatisch ist die Lage auch in Griechenland: Nach vorläufigen Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex trafen dort allein vergangene Woche mehr als 23 000 Bootsflüchtlinge ein. Auf der Ostägäisinsel Lesbos harren seit Tagen mehr als 15 000 Flüchtlinge aus - und jeden Tag kommen Hunderte hinzu. An der ungarisch-serbischen Grenze wiederum kamen laut Frontex in der Vorwoche rund 9400 Flüchtlinge an.

Der ungarische Botschafter in Deutschland, Jozsef Czukor, wies die Kritik am Grenzzaun zwischen Serbien und Ungarn zurück. «Mit der Grenzbarriere hält sich Ungarn an EU-Regeln zum Umgang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen», sagte er hr-Info. «Der Zaun ist errichtet worden, damit wir einen geregelten Grenzverkehr organisieren können.» Vor 26 Jahren noch war Ungarns damaliger Außenminister Gyula Horn gefeiert worden, als er symbolisch den Grenzzaun zwischen dem Ostblock und dem Westen zerschnitt. Erst vor wenigen Tagen hat Ungarn einen mit Nato-Stacheldraht verstärkten Grenzzaun zu Serbien errichtet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte die EU-Kommission zum Handeln auf: Europa brauche eine gemeinsame Asylpolitik - mit Registrierungszentren für Flüchtlinge in Griechenland und Italien, einer einheitlichen Einstufung sicherer Herkunftsländer und fairen Verteilung von Asylbewerbern auf alle 28 EU-Mitgliedstaaten. Nach der Dublin-Verordnung ist eigentlich derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat.

Die EU-Kommission drohte unterdessen Mitgliedstaaten neue Strafverfahren wegen Verstößen gegen gemeinsame Asylregeln an. Nach Angaben einer Sprecherin wies EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker seine Behörde an, entsprechende Briefe zu verschicken. Es gehe unter anderem um die Einhaltung der Richtlinien zu Aufnahmebedingungen.

Ein Großteil der Migranten kommt aus den Kriegsgebieten Syriens und Nordiraks sowie aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht in der EU. Speziell für sie eröffnete Bayern am Dienstag das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge in einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt.

Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland erhöhen sich auch die staatlichen Ausgaben. Für Lebensunterhalt, Spracherwerb und Qualifizierung von Flüchtlingen hält Bundessozialministerin Andrea Nahles im kommenden Jahr 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro zusätzlich für nötig. Diese Kosten würden auf rund 7 Milliarden Euro im Jahr 2019 steigen, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin.

Di, 2015-09-01 17:08
Hannover (dpa)

Investor will wieder Schiffbau bei Nordseewerken ermöglichen

Hannover (dpa) - Für die kriselnde frühere Traditionswerft Emder Nordseewerke zeichnet sich eine Rückkehr in den Schiffbau ab. Die im Schifffahrtssektor spezialisierte Hamburger Beteiligungsgesellschaft Seafort Advisors will eine neue Gesellschaft gründen und dafür einen Teil der 180 Beschäftigten übernehmen. Für den niedersächsischen Standort Emden dürfte damit zunächst das Aus abgewendet sein. Die Stimmung in der Belegschaft ist dennoch gedrückt. «Ähnliche Versprechen haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder gehört», sagte Betriebsrat Heinz-Günter Schäfer am Dienstag.

Die im Jahr 1903 gegründeten Nordseewerke aus dem ostfriesischen Emden hatten Ende Mai Insolvenzantrag gestellt. Am Montag lief das schon um einen Monat verlängerte Insolvenzverfahren ab. Zuletzt waren die Nordseewerke im Bereich der Offshore-Zulieferungen aktiv.

«Die neue Gesellschaft soll im Stahl- und Schiffbau aktiv sein», sagte Seafort-Gründer Patrick Hennings Huep der Deutschen Presse-Agentur. In Emden sollten künftig auch wieder Schiffssegmente hergestellt werden. «Die Nachfrage dafür ist da - für einen Dienstleister mit guten Leuten gibt es europaweit Bedarf.»

Aus dem Schiffbaustandort Emden hatte sich der frühere Eigentümer ThyssenKrupp 2010 weitgehend zurückgezogen, als er die Nordseewerke an den inzwischen insolventen Offshore-Zulieferer Siag verkaufte.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Di, 2015-09-01 17:11
Berlin/München (dpa)

Kritik an Minister Herrmann wegen Äußerung über «wunderbaren Neger»

«Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger.» Dieser Satz beschert dem bayerischen Innenminister Herrmann ein «Holla» von Moderator Plasberg und einen Shitstorm. Er betont, die Aussage habe sich auf einen Einspieler bezogen, doch die Kritik reißt nicht ab.

Berlin/München (dpa) - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat den Sänger Roberto Blanco einen «wunderbaren Neger» genannt und damit eine heftige Debatte ausgelöst. In der ARD-Talkshow «Hart aber fair» mit Frank Plasberg diskutierten die Gäste am Montagabend über das Thema Flüchtlinge. Als «Focus»-Chefredakteur Ulrich Reitz Erfolgsgeschichten von Einwanderern einbrachte, sagte Herrmann ergänzend: «Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat.» Beim FC Bayern spielten auch Sportler mit schwarzer Hautfarbe, und das fänden die Fans des Vereins auch gut, fügte Herrmann noch hinzu.

Angesichts empörter Reaktionen versuchte sich der Minister am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin» an einer Erklärung und betonte, er habe «Neger» nur als Reaktion auf einen Einspieler benutzt, in dem das Wort zuvor gebrauht worden war. «Ich verwende das Wort «Neger» sonst überhaupt nicht», sagte er. «Ich habe das nur als unmittelbare Reaktion auf diese abwertende Äußerung gemacht. Wir haben auch wunderbare Mitbürger mit schwarzer Hautfarbe in Bayern.» Ähnlich äußerte er sich auch bei N24.

Blanco reagierte gelassen: «Ich fühle mich nicht negativ betroffen. Wenn er gesagt hätte «Ein wunderbarer Farbiger», hätte es nicht so viele Probleme gegeben», sagte der 78-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Später kam es im Radiosender Antenne Bayern zu einem Gespräch Herrmanns mit dem telefonisch zugeschalteten Blanco. Herrmann erklärte die Formulierung erneut aus dem Kontext der Situation und äußerte sein Bedauern: «Ich möchte noch mal sagen, dass ich Sie wirklich sehr, sehr schätze und ich auch klar sonst die Verwendung dieses Wortes absolut ablehne. Das will ich Ihnen noch mal ausdrücklich sagen und dass ich dies ausdrücklich bedauere.»

Blanco entgegnete: «Ich habe das nicht persönlich genommen, und ich weiß, Sie haben das nicht so gemeint. Über dieses Wort «Neger» wird so ein Theater gemacht.»

Herrmanns Wortwahl bei Plasberg hatte vielfach Empörung ausgelöst. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner warf Herrmann laut «Bild»-Zeitung (Mittwoch) die «Sensibilität einer Planierraupe» vor. Von einer «ungeheuerlichen Entgleisung» sprach der SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher: «Dafür sind schon Leute verurteilt worden.» Auch aus der Union gab es Kritik. Der Bundestagsabgeordnete Charles Huber (CDU) sagte dem «Tagesspiegel»: «Das hat unser Land nicht verdient.»

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Jan Korte, forderte den Rücktritt des Ministers: «Der bayerische Innenminister muss die Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Wer rassistische Sprachmuster bedient, ist eines politischen Amtes nicht würdig.»

Im Internet brach ein Shitstorm über Herrmann herein. Der Berliner Politiker Christopher Lauer, der 2014 aus der Piratenpartei Deutschland austrat, twitterte: «Merkel so: Rassismus bekämpfen - Herrmann so: Neger.»

Di, 2015-09-01 17:25
Berlin (dpa)

CDU-Haushälter: Keine neuen Schulden wegen Flüchtlingszahlen

Berlin (dpa) - Die Haushaltspolitiker von Union und SPD haben sich für eine faire Kostenteilung von Bund, Ländern und Kommunen bei der Bewältigung der steigenden Flüchtlings- und Asylzahlen ausgesprochen. Neue Schulden des Bundes angesichts wachsender Ausgaben schloss der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Eckhardt Rehberg (CDU), aus. Im laufenden Jahr gebe es finanzielle Spielräume, mit denen ein Teil der notwendigen Kosten gestemmt werden könne, sagte Rehberg am Dienstag nach Beratungen der Haushaltsexperten der Koalition.

«Dabei muss klar sein, dass zusätzliche Bundesmittel auch bei den entsprechenden Kostenträgern ankommen.» Zudem müsse den Bürgern signalisiert werden, dass trotz der Herausforderungen bei der Flüchtlingspolitik andere wichtige Projekte - etwa in der Verkehrs-, Umwelt- oder Bildungspolitik - nicht aufgegeben würden. Richtschnur der Haushaltspolitiker sei aber, dass der Bund keine neuen Schulden aufnehmen wolle.

Die Beratungen des Bundestages über den Etat des Bundes für 2016 beginnen in der nächsten Woche mit der ersten Lesung. Bis Ende September soll der Umfang der künftig dauerhaften Kostenbeteiligung des Bundes in der Flüchtlingspolitik feststehen. Am 12. November wird der Etat für 2016 in der sogenannten Bereinigungssitzung endgültig festgezurrt und Ende November dann vom Parlament verabschiedet werden.

Di, 2015-09-01 17:26
Aviv (dpa)

Jüdischer Israeli wollte angeblich zur IS-Terrormiliz

Tel Aviv (dpa) - Ein 21-jähriger jüdischer Israeli wollte sich nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen. Mithilfe der türkischen Behörden sei es jedoch gelungen, den jungen Mann auf dem Weg nach Syrien zu stoppen und zurück zu seiner Familie nach Israel zu bringen, teilte ein Sprecher am Dienstag mit.

Obwohl der Mann bereits volljährig ist, seien seine Eltern noch seine rechtlichen Betreuer. Zu einer möglichen seelischen Krankheit des 21-Jährigen wollte das Ministerium aber keine Angaben machen.

Die Familie des jungen Mannes habe sich am Donnerstag an das Außenministerium gewandt, nachdem er nach Kreta geflogen war. Nach ihrer Darstellung bekundete der Israeli per Internet seine Absicht, sich IS-Aktivisten anzuschließen. Von Kreta sei er in die Türkei und von dort aus in Richtung der syrischen Grenze gereist. Gemeinsam mit der türkischen Polizei habe man ihn in der Hafenstadt Iskenderun ausfindig machen können. Er sei am Dienstag nach Israel zurückgebracht worden.

Die genauen Motive des jungen Mannes sind unklar.

Di, 2015-09-01 17:32
Berlin (dpa)

Grüne: Bleibeperspektive auch für Menschen vom Westbalkan

Berlin (dpa) - Die Grünen haben sich dafür ausgesprochen, dass auch Menschen aus den Westbalkan-Ländern eine Bleibeperspektive in Deutschland haben. Dies könnte zum Beispiel durch einen Statuswechsel erreicht werden, sagte Grünen-Chefin Simone Peter am Dienstag in Berlin am Rande einer Klausur des Parteivorstandes.

«Deutschland braucht Fachkräfte, die durch Einwanderungskorridore den Weg zu uns finden können.» Gerade den Ländern mit EU-Beitrittsperspektive könne dieser Zugang in Anlehnung an die EU-Freizügigkeitsregelung ermöglicht werden. Zudem stehe Deutschland in der Verantwortung, diskriminierten Gruppen wie den Roma Zufluchtsmöglichkeiten zu geben.

Mit Blick auf sinkende Flüchtlingszahlen vom Westbalkan sagte Co-Parteichef Cem Özdemir, dies liege auch daran, dass sich die Anerkennungsquoten herumgesprochen hätten. Die Europäische Union könne eine Menge tun, um die Situation zu verbessern, sagte Özdemir weiter: Es gebe nach wie vor fünf Staaten in der EU, die dem Kosovo die Anerkennung verweigerten: «Wie sollen Investitionen stattfinden in einem Land, das nicht anerkannt wird?»

Mazedonien werde durch Griechenland der Name verweigert. Athen blockiere, dass Mazedonien auf dem Weg in die Europäische Union vorwärtskomme. Über ein Einwanderungsgesetz müsse geregelt werden, dass Menschen aus wirtschaftlicher Not herauskommen und einen legalen Weg nach Deutschland finden, forderte der Grünen-Chef.

Di, 2015-09-01 17:12
Mainz (dpa)

Studie: Kohlekraftausstieg auch parallel zu Atomausstieg möglich

Mainz (dpa) - Die Kohlekraftwerke in Deutschland könnten nach einer Studie bis 2040 abgeschaltet werden, ohne die Stromversorgung zu gefährden. Dafür müssten zusätzlich zum bereits vom Bund geplanten Ausbau erneuerbarer Energien - etwa der Windkraft - neue Gaskraftwerke gebaut werden. Dies ging aus einer Studie im Auftrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung hervor, die am Dienstag in Mainz vorgestellt wurde.

Die damit verbundene Strompreissteigerung sei moderat, sagte die Energieministerin von Rheinland-Pfalz, Eveline Lemke (Grüne). Je nach Entwicklung der Kosten für Kohlenstoffdioxid-Emissionen würde der Strompreis bis 2030 lediglich um 0,7 bis 2,7 Cent pro Kilowattstunde steigen.

Die Studie wurde von den Professoren Uwe Leprich vom Institut für Zukunftsenergiesysteme in Saarbrücken und Stefan Klinski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin erstellt.

Di, 2015-09-01 17:26
Brüssel/Berlin (dpa)

Eine Ansage mit Folgen Von Marion Trimborn und Christiane Jacke, dpa

Deutschland sorgt mit einer neuen Leitlinie seiner Asyl-Behörde für Aufsehen in Europa: Eine Spezial-Regelung für Syrer irritiert manchen Mitgliedsstaat. Die Auseinandersetzung zeigt einmal mehr, dass es an vielen Stellen hakt im europäischen Asylsystem.

Brüssel/Berlin (dpa) - Die Flüchtlingskrise stellt die EU auf die Probe. Die Mitgliedsstaaten streiten heftig über die Verteilung von Asylbewerbern und über die Anwendung der europäischen Asylregeln. Deutschland hat beschlossen, syrische Flüchtlinge nicht mehr in andere EU-Staaten zurückzuschicken. Ungarn reagierte mit einer Provokation. Das Problem zeigt, dass die europäische Solidarität der Staaten in der Krise nicht funktioniert.

Was hat Deutschland im Umgang mit syrischen Flüchtlingen geändert?

Seit dem Beginn des Syrien-Konflikts 2011 haben fast 110 000 Menschen von dort in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Sie werden zu fast 100 Prozent als Flüchtlinge anerkannt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat für sie schon Ende 2014 ein beschleunigtes Verfahren eingeführt: Sofern keine Zweifel an ihrer Identität bestehen, müssen Syrer keine persönliche Anhörung mehr mitmachen, sondern können ihre Fluchtgründe schriftlich erklären. Nun kam eine weitere Lockerung hinzu: Das BAMF verzichtet bei Syrern auf die sogenannte Dublin-Prüfung. Normalerweise wird bei jedem Asylbewerber gecheckt, ob er zuerst in einem anderen EU-Land europäischen Boden betreten hat. Ist dem so, muss er dorthin zurück. Deutschland will Syrer aber nicht mehr in andere europäische Länder zurückschicken, über die sie in die Europäische Union eingereist sind.

Heißt das, dass Deutschland nun in deutlich größerem Umfang syrische Flüchtlinge aufnehmen will?

Der Bund wollte mit der Änderung nicht das Signal an Syrer aussenden: Kommt alle nach Deutschland. Es geht der Regierung vielmehr darum, die Verfahren für jene, die schon im Land sind oder ohnehin herkommen, zu beschleunigen. Außerdem betont das Innenministerium die humanitäre Verantwortung für Syrer. Schon vorher hat Deutschland kaum syrische Asylbewerber in andere EU-Staaten zurückgeschickt. Die neue Verfahrensvereinfachung setze keineswegs die Dublin-Verordnung in Europa außer Kraft, mahnt das Innenressort. Jeder Flüchtling müsse sich in dem Land registrieren lassen, über das er in die EU einreise.

Wie haben andere EU-Staaten reagiert?

Die deutsche Ankündigung sorgte für Irritationen. Denn das eherne Dublin-Prinzip der EU wird - für eine bestimmte Flüchtlingsgruppe - kurzerhand ausgesetzt. Manch ein Land sieht dies als Freibrief dafür an, Flüchtlinge einfach nach Deutschland durchzuwinken. Ungarn warf Deutschland Nachgiebigkeit mit den Dublin-Vorschriften vor und ließ am Montag Hunderte Migranten mit überfüllten Zügen ungehindert Richtung Wien und München ausreisen. Der tschechische Innenminister Milan Chovanec brachte die Idee eines humanitären Flüchtlingskorridors für Syrer direkt nach Deutschland ins Spiel. Beides ist keineswegs im Sinne der Bundesregierung.

Was passiert mit den Flüchtlingen, die nun mit dem Zug aus Ungarn nach Deutschland gekommen sind?

Sie können ganz normal einen Asylantrag stellen. Für syrische Flüchtlinge gilt dabei das vereinfachte Verfahren - und für sie besteht eine sehr große Chance, dass sie in Deutschland bleiben dürfen. Dass sie vorher in Ungarn waren, spielt bei Syrern keine Rolle - selbst wenn sie dort registriert worden wären.

Verstößt Deutschland mit der Neuerung gegen EU-Recht?

Nein, sagt die EU-Kommission und begrüßt die faire Lastenteilung: «Die Aussetzung der Dublin-Regeln von Deutschland hilft, den Druck von anderen EU-Staaten zu nehmen», sagt eine Sprecherin. Auch Brüssel will die Vorgaben reformieren und dauerhaft Flüchtlinge in der EU gerechter verteilen. Das stößt aber auf Widerstand vieler Staaten.

Wozu sind die EU-Staaten verpflichtet?

Nach den Dublin-Vorgaben müssen sie jeden ankommenden Migranten registrieren und Fingerabdrücke nehmen. Italien und auch Griechenland haben dies in der Praxis aber oft lasch gehandhabt und Migranten einfach weiterreisen lassen. Nun steht Ungarn im Fokus. «Die Schuld liegt aber nicht allein bei Ungarn», meint ein EU-Diplomat. Denn viele Flüchtlinge kooperierten nicht und täten alles, um nicht in Ungarn registriert zu werden - damit sie etwa in Deutschland Asyl beantragen könnten. Die EU-Kommission hat zugesagt, in Budapest ein Registrierungszentrum aufzubauen, wo Beamte Asylberechtigte von Wirtschaftsflüchtlingen trennen. Österreich fordert, EU-Staaten, die sich nicht an die Regeln halten, Fördermittel zu streichen.

Was hat die EU jetzt vor?

Das Thema bleibt ganz oben auf der Agenda. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will am 9. September Vorschläge für eine dauerhafte und gerechtere Umverteilung von Flüchtlingen auf alle EU-Staaten vorlegen. Auch eine EU-weite Liste sicherer Herkunftsstaaten soll entstehen - sie soll Rückführungen erleichtern.

Was erwartet Deutschland von der EU?

Kanzlerin Angela Merkel verlangt europäische Solidarität und will Lösungen auf EU-Ebene. Doch das dürfte schwierig werden. Denn nach wie vor sind etliche Länder - aus innenpolitischen Gründen - nicht bereit, sich von der EU vorschreiben zu lassen, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen. Zu den Gegnern verbindlicher Aufnahmequoten zählen etwa osteuropäische und baltische Staaten sowie Frankreich.

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2015-09-01 17:27
Berlin/München (dpa)

Bayerns Innenminister hat «Neger» gesagt - Nun hat er Ärger Von Britta Schultejans, dpa

Ob Heinrich Lübke es wirklich getan hat, ist nicht ganz klar. Aber Bayerns Innenminister hat es getan: Joachim Herrmann hat «Neger» gesagt. Das Echo war erwartbar.

Berlin/München (dpa) - «Meine Damen und Herren, liebe Neger». So soll der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke 1962 eine Rede beim Besuch in Liberia begonnen haben. Ob das so wirklich stimmt, ist zwar umstritten. Unstrittig ist aber, dass ein deutscher Minister im Jahr 2015 das Wort «Neger» gesagt hat - vor laufenden Kameras im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. «Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat», sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montagabend in Frank Plasbergs ARD-Talkshow «Hart aber fair». «Holla», sagt Plasberg. Und der Weg war frei für einen heftigen Shitstorm im Internet, deftige Kritik und Rücktrittsforderungen.

«Die Bezeichnung Neger gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb meist vermieden», schreibt der Duden. Diskussionen gab es in der jüngeren Vergangenheit um die Verwendung des Wortes in Kinderbüchern wie «Pippi Langstrumpf» und «Jim Knopf» oder um die «Thomas Neger Metallsystem und -bedachungen GmbH» in Mainz, deren Logo, ein gezeichnetes dunkles Männchen mit wulstigen Lippen und großen Ringen in den Ohren, Proteststürme auslöste.

Eine «ungeheuerliche Entgleisung», nennt der Chef der oppositionellen SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, am Dienstag die Wortwahl des CSU-Politikers. «Herr Herrmann muss sich als Innenminister bewusst sein, dass die Bezeichnung «Neger» eine rassistische Provokation und Zeichen eines engstirnigen, fremdenfeindlichen Menschenbildes ist. Dafür sind schon Leute verurteilt worden.» Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Jan Korte, fordert Herrmanns Rücktritt, und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner wirft ihm laut «Bild»-Zeitung (Mittwoch) die «Sensibilität einer Planierraupe» vor. Der Berliner Politiker Christopher Lauer twittert süffisant: «Merkel so: Rassismus bekämpfen - Herrmann so: Neger.»

Da hilft es auch nicht, dass Herrmann sich zu erklären versucht und betont, dass er dieses Wort eigentlich nie benutze, dass er es in der Talkshow nur nach dem Einspieler eines rassistischen Kommentars wiederholt habe - um den Gegensatz aufzuzeigen und zu betonen, dass es auch Menschen mit schwarzer Hautfarbe gibt, die gut integriert in Bayern leben. «Beim FC Bayern spielen auch ne ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit» - und die Bayern-Fans fänden das in Ordnung. In seinen Rechtfertigungen benutzt er das N-Wort immer wieder.

«Das immer zu wiederholen, führt nicht zu einer Verbesserung der Diskussion», sagt der Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Tahir Della, in Berlin. «Diese Äußerung ist unerträglich für schwarze Menschen.» Herrmann zeige damit, «dass rassistischer Sprachgebrauch immer noch nicht wirklich ernst genommen wird und wie tief verwurzelt er ist». Es gehe um gesellschaftlich verankerten Rassismus in Deutschland - und das könne man nicht damit abtun, dass beim FC Bayern schwarze Fußballer spielten. «Das zeigt nochmal, wie wenig ihm bewusst ist, was er da sagt.»

Gar kein Problem hat der Mann, um den es in dem Zitat eigentlich geht: Roberto Blanco fühlt sich von Herrmann in keiner Weise beleidigt. «Der hat das nicht so gemeint», sagt der Sänger der Deutschen Presse-Agentur. Er, der einst zu CSU-Übervater Franz Josef Strauß sagte: «Wir Schwarzen müssen zusammenhalten.»

Am Nachmittag bittet dann der Radiosender Antenne Bayern zum Dialog zwischen Herrmann und dem zugeschalteten Blanco. Herrmann bemüht sich erneut um Deeskalation: «Es war gestern eine spontane Reaktion, darauf konfrontiert mit dieser unsäglichen Aussage eines Bürgers, der gesagt hat, er will, dass keine Neger in unser Land kommen.» Schließlich spricht er Blanco direkt an: «Ich möchte noch mal sagen, dass ich Sie wirklich sehr, sehr schätze und ich auch klar sonst die Verwendung dieses Wortes absolut ablehne. Das will ich Ihnen noch mal ausdrücklich sagen und dass ich dies ausdrücklich bedauere.»

Blanco bedankt sich dafür, dass Herrmann das Wort «wundervoll» verwendet hat, und fügt hinzu: «Ich habe das nicht persönlich genommen, und ich weiß, Sie haben das nicht so gemeint. Über dieses Wort «Neger» wird so ein Theater gemacht.»

Der Sänger selbst hatte die ganze Debatte in der zweiten Staffel der ZDF-Sitcom «Lerchenberg» mit dem Titel «Hitlers Hundeführer» quasi vorweggenommen. Da wird allerdings keinem deutschen Politiker vorgeworfen, das N-Wort benutzt zu haben - sondern Sascha Hehn. «Er hat Neger gesagt», behauptet Blanco in der Serie über Hehn, der wegen einer unbedachten Äußerung dort ohnehin schon am Pranger steht. In einer Fernseh-Satire ist das irgendwie lustiger als in der Realität.

«Mir hat man auch schon mal Neger gesagt, das ist einfach so», sagte der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der gemeinsam mit Herrmann bei Plasberg saß, und fügte in der Talkshow hoffnungsvoll hinzu: «Wahrscheinlich ist das ein Mangel an Differenzierung, der kommt aber mit der Zeit.»

Di, 2015-09-01 18:00
Berlin (Reporter ohne Grenzen)

Reporter ohne Grenzen kritisiert Haftstrafe für Investigativjournalistin Khadija Ismajilowa

Reporter ohne Grenzen (ROG) ist empört über die Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren  für die Investigativjournalistin Khadija Ismajilowa in Aserbaidschan. Ein Gericht in der Hauptstadt Baku befand die international bekannte Reporterin am Dienstag unter anderem der Untreue, illegaler Geschäfte und Steuerhinterziehung für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahren Haft gefordert. Richter Ramella Allahwerdijewa sprach Ismajilowa jedoch von dem Anklagepunkt frei, sie habe einen freien Journalisten in einen Selbstmordversuch getrieben.

"Khadija Ismajilowas einziges Vergehen war, dass sie mutig und beharrlich über Korruption und Vetternwirtschaft in höchsten Regierungskreisen recherchiert hat", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Das Urteil zielt eindeutig darauf ab, ein Exempel zu statuieren und alle Journalisten in Aserbaidschan einzuschüchtern. Spätestens jetzt darf es für die Bundesregierung kein business as usual mehr mit Aserbaidschan geben."

Reporter ohne Grenzen setzt sich schon seit Dezember unter anderem mit einer Protestmail-Aktion für die Freilassung der Reporterin ein.

ISMAJILOWA IST FÜR RECHERCHEN ÜBER GESCHÄFTE DER PRÄSIDENTENFAMILIE BEKANNT

Ismajilowa ist für ihre Recherchen über die geheimen Geschäfte der Präsidentenfamilie und ähnlich brisante Themen bekannt. Um sie zu diskreditieren, lancierten regierungsnahe Medien 2012 und erneut 2013 Videoaufnahmen im Internet, die angeblich die Journalistin in ihrem Schlafzimmer beim Sex zeigten.

Anfang Dezember 2014 wurde Ismajilowa schließlich in Baku verhaftet und seither in Untersuchungshaft festgehalten. Zunächst warf man ihr vor, sie habe in ihrer früheren Position beim aserbaidschanischen Programm von Radio Free Europe einen freien Journalisten in einen Selbstmordversuch getrieben. Dieser zog jedoch seine Anschuldigungen zurück und gab an, er habe sich durch staatlichen Druck zu einer Falschaussage hinreißen lassen. Daraufhin wurde Ismajilowa zusätzlich wegen Steuerhinterziehung und illegaler Geschäfte angeklagt.

Im Prozess lehnte das Gericht fast alle Beweisanträge der Verteidigung ab. Teilweise wurde das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Mit der Begründung, dass im Gerichtssaal kein Platz sei, wurde Familienangehörigen, Freunden und unabhängigen Medien der Zugang verweigert. Laut Medienberichten war der Raum jedoch vollbesetzt mit eigens angeworbenem Publikum. Ihr Schlussplädoyer konnte Ismajilowa am Montag nicht vollständig vortragen, weil der Richter ihr das Wort abschnitt, als sie auf die Ergebnisse ihrer Recherchen über die Familie von Präsident Ilcham Alijew zu sprechen kam.

FREIER JOURNALIST UND MEDIENRECHTSAKTIVIST WIRD ZUSAMMENGESCHLAGEN UND STIRBT

Nachdem die aserbaidschanische Regierung schon seit Jahren die Spielräume für Medien und Journalisten immer weiter einengte, hat sie seit dem Sommer 2014 im Zuge einer beispiellosen Repressionswelle praktisch alle verbliebenen Oppositionsmedien und unabhängigen Journalisten zum Schweigen gebracht. Derzeit sitzen in Aserbaidschan acht Journalisten und vier Blogger wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Aserbaidschan Platz 160 von 180 Staaten.

Am 9. August 2015 starb in einem Krankenhaus in Baku der freie Journalist Rasim Alijew, nachdem er tags zuvor in einen Hinterhalt gelockt und zusammengeschlagen worden war. Alijew gehörte zu den führenden Köpfen des Institute for Reporters' Freedom and Safety, einer ROG-Partnerorganisation, die im August 2014 unter Druck der Behörden schließen musste.

BUNDESREGIERUNG SIEHT KEINEN ANLASS ZUR UNTERSTÜTZUNG VON EXIL-MEDIEN

Das Nothilfereferat von ROG hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Journalisten aus Aserbaidschan unterstützt, darunter den Fotoreporter Mehman Husejnow. Der Familie des in Aserbaidschan inhaftierten Journalisten Rauf Mirkadirow hat ROG geholfen, die Türkei zu verlassen und in die Schweiz überzusiedeln, wo sie Asyl erhalten hat. Auch mit der Familie von Khadija Ismajilowa steht ROG in Kontakt.

Das Bundesaußenministerium sieht indes keinen Anlass, unabhängige Medien für Aserbaidschan zu fördern. "Ihr Projekt entspricht nicht der Menschenrechtspolitik der Bundesregierung in Aserbaidschan", beschied es vor wenigen Monaten dem Gründer des in Berlin ansässigen Exil-Fernsehsenders Meydan TV, Emin Milli, auf dessen Bitte um Projektförderung.

Di, 2015-09-01 15:55
Hamburg (dpa)

Prominente «Stimmen des Nordens» gegen Fremdenfeindlichkeit

Hamburg (dpa) - Prominente wie Jörg Pilawa, Lilo Wanders und Gunter Gabriel rufen gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit auf. Zahlreiche Musiker, Schauspieler, Moderatoren, Künstler und Politiker unterstützen gemeinsam die Aktion «Stimmen des Nordens». Auf der gleichnamigen Internetseite, die am Dienstag an den Start ging, können in Videobotschaften Statements gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus abgegeben werden. Initiator ist der 20 Jahre alte Hamburger Schauspielschüler Max-Fabian Wolff-Jürgens. Er stellte das Projekt gemeinsam mit einigen Unterstützern vor.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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