So, 2015-04-26 10:11
Ankara/Berlin (dpa)

Türkische Diplomatie: Kein Vergessen, kein Verzeihen Von Can Merey und Georg Ismar, dpa

Ankara droht, die Türken würden Bundespräsident Gauck seine Aussagen zum «Völkermord» an den Armeniern «nicht verzeihen». Auch Obama, Hollande und Putin werden angegangen. Folgen den Worten auch Taten?

Ankara/Berlin (dpa) - Das Geschäft des Außenministeriums in Ankara ist eigentlich die Diplomatie. Umso bemerkenswerter sind die Formulierungen, die das Ministerium für Joachim Gauck wählte, nachdem der Bundespräsident die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren «Völkermord» genannt hatte. «Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen», hieß es wenig diplomatisch in einer Mitteilung. Der Ton lässt kaum erahnen, dass sich Deutschland und die Türkei eigentlich als befreundete Staaten verstehen.

In Berlin gab es am Wochenende offiziell vor allem eine Reaktion auf den verbalen Rundumschlag aus Ankara: Schweigen. Das Auswärtige Amt? Kein Kommentar. Ebenso vom Bundeskanzleramt. Das scharfe Echo war so in etwa erwartet worden. Und vermutlich heißt die Devise in Berlin nun, nachdem der Gedenktag für die Massaker an den Armeniern am 24. April vorbei ist: Kein weiteres Öl ins Feuer gießen.

Nicht nur Gauck geriet ins Visier der Türken. Wer auch immer vor dem Gedenktag am Freitag vom «Völkermord» an den Armeniern sprach, musste sich auf eine verbale Breitseite aus Ankara gefasst machen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warf Papst Franziskus vor, «Unsinn» zu reden. Das EU-Parlament wurde als irrelevant abgetan, dem österreichischen Parlament «Verleumdung» vorgeworfen.

In der Nacht zu Samstag feuerte das Außenministerium in Ankara dann gleich eine ganze Salve von Mitteilungen ab. Die Adressaten: Gauck und seine Amtskollegen François Hollande (Frankreich), Wladimir Putin (Russland) und Barack Obama (USA) - eine Gruppe, die außer der jüngsten Kritik aus Ankara wenig eint.

Gauck habe «kein Recht, das türkische Volk mit Verbrechen in Verbindung zu bringen, die es nicht begangen hat», schimpfte das Ministerium. Hollande habe an der Gedenkveranstaltung in der armenischen Hauptstadt Eriwan teilgenommen, die «eine Verunglimpfung der türkischen Identität, Geschichte und Gesellschaft» gewesen sei.

Nicht nur Hollande, auch Putin gedachte der Opfer des «Völkermords» in Eriwan, und natürlich geriet auch er in die Schusslinie. Russland dürfte angesichts eigener Gräueltaten an Minderheiten am besten wissen, «was genau ein «Völkermord» und seine rechtliche Dimension ist», meinte das Ministerium. Dass Putin dann im Umkehrschluss eigentlich wissen müsste, wovon er im Fall des «Völkermords» an den Armeniern spricht, war vermutlich nicht gemeint.

Dass Logik im erbitterten Kampf Ankaras gegen das V-Wort nicht im Vordergrund steht, bekam auch Obama zu spüren. Er erinnerte zwar an die «massenhaften Gräueltaten» an den Armeniern, vermied es aus Rücksicht auf den wichtigen Nato-Partner Türkei aber, von «Genozid» zu sprechen. Dennoch bekam auch Obama sein Fett ab: «Wir weisen dieses selektive und voreingenommene Gerechtigkeitsverständnis zurück», verkündete das türkische Außenministerium.

Dass den harschen Worten auch Taten folgen, ist allerdings unwahrscheinlich. Zwar zog die türkische Regierung die Botschafter aus Österreich und dem Vatikan ab. Das sind aus ihrer Sicht allerdings vergleichsweise unwichtige Länder. Die Botschafter in Washington, Moskau, Paris und Berlin wurden dagegen nicht nach Ankara zurückbeordert. Kaum zu erwarten ist, dass die Türkei es wagen würde, die Beziehungen etwa zum Energielieferanten Russland oder zu ihrem wichtigsten Handelspartner Deutschland dauerhaft zu belasten.

Dass die These vom «Völkermord» an den Armeniern immer mehr Zuspruch findet, ist auch der türkischen Außenpolitik geschuldet. Ihr ist es nicht gelungen, die türkische Sicht überzeugend darzustellen, nach der es zwar Gräueltaten gab, aber keinen geplanten Völkermord. Ganz generell zweifeln inzwischen westliche Staaten daran, ob Erdogans Türkei noch ein verlässlicher Bündnispartner ist.

Auch aus dieser zunehmenden Isolation dürften sich die aggressiven Reaktionen des Außenministeriums erklären lassen - für die sonst Präsident Erdogan zuständig ist. Er hatte für Freitag und Samstag Staats- und Regierungschefs zum Gedenken an die Schlacht von Gallipoli eingeladen. Armeniens Präsidenten Sersch Sargsjan meinte dazu: «Würde die Türkei auch nur eine Spur den Wunsch hegen, die Beziehungen in Richtung Normalität zu lenken, würde sie jetzt keine Feier und kein Volksfest abhalten, während der Nachbar trauert.»

Solange die Gallipoli-Gedenkfeiern andauerten, hielt sich Erdogan mit Kritik auffallend zurück. Danach aber lief er zu bekannter Form auf - und rief Deutschland, Russland und Frankreich auf, sich mir der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Am Samstag sagte der Staatspräsident: «Zuerst müssen sie, einer nach dem anderen, die dunklen Punkte ihrer eigenen Geschichte bereinigen.»

So, 2015-04-26 10:04
Kathmandu (dpa) 

Mindestens 1900 Tote bei Himalaya-Erdbeben - Drama am Mount Everest

Auch 24 Stunden nach dem gewaltigen Erdbeben zittert die Erde im Himalaya noch immer. Und die Zahl der Todesopfer steigt weiter. An vielen Orten bergen die Helfer Tote - auch am Mount Everest.

Kathmandu (dpa) - Nach dem verheerenden Himalaya-Erdbeben haben die Helfer in Nepal und Indien bislang mehr als 1900 Leichen geborgen. Mindestens 18 Menschen starben am Mount Everest, wo eine gewaltige Lawine über das Basislager hinwegfegte. Große Teile der Infrastruktur Nepals und viele Häuser wurden zerstört. Die Behörden sprachen am Sonntag von Tausenden Verletzten. Und sie fürchteten, dass die Zahl der Toten weiter steigen werde. Nepal war am Vortag von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Auch in den umliegenden Ländern China, Indien und Bangladesch starben Menschen, als ihre Häuser über ihnen zusammenfielen. Am Sonntag erschütterte ein heftiges Nachbeben die Region.

Nepal hat den Notstand in den betroffenen Gebieten ausgerufen, in denen nach UN-Angaben 6,6 Millionen Menschen leben. Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Zum Zeitpunkt des Lawinenunglücks hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Bergsteiger und Träger am Mount Everest auf. Die Leichen im Basislager seien von einem Expeditions-Team der indischen Armee gefunden worden, erklärte diese. Nach Angaben der Polizei in Lukla klärte sich das schlechte Wetter am Morgen auf und Helikopter konnten ins Basislager starten. 61 Verletzte seien ins Tal gebracht worden.

Derzeit ist die Hauptsaison am 8848 Meter hohen Berg in vollem Gange. Nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen sind unter den Toten am Mount Everest ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese. Der Bergsteiger Alex Gavan berichtete aus dem Basislager, die Helikopter brächten derzeit Seile und Eisschrauben in die höher gelegenen Camps. Dort säßen viele Bergsteiger fest, da die Aufstiegsroute zerstört sei, schreibt er auf seiner Homepage.

Die meisten Menschen in Nepals Hauptstadt Kathmandu verbrachten die Nacht im Freien, eingewickelt in Decken gegen die Himalaya-Kälte. Tausende haben ihre Häuser verloren oder fürchten sich, in die Gebäude zurückzukehren. Laut Augenzeugen zitterte die Erde 24 Stunden nach dem ersten Beben noch immer. Selbst der Präsident Ram Baran Yadaf habe in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio. Am Sonntag kam es zu einem heftigen Nachbeben, das laut US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,7 hatte.

Länder aus aller Welt schickten Flugzeuge mit Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Medikamente und Kommunikationsgeräten. Allein der große Nachbar Indien flog 43 Tonnen Material ein, darunter Zelte und Wasser. Auch mehrere Helikopter wurden zur Verfügung gestellt.

Aus Deutschland machten sich ebenfalls Helfer auf den Weg. Millionenbeträge verschiedener Regierungen und von Google sollen ebenfalls die Not lindern helfern.

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen. «Wir laden unsere Handys an Autobatterien auf», sagte Alina Shrestha von World Vision, die selbst betroffen ist. Etwa 30 Nachbarn hätten die Nacht in Zelten in ihrem Hof verbracht. Sie höre Helikopter, aber Soldaten oder Polizisten habe sie in ihrem Stadtviertel noch nicht gesehen.

Wie es in vielen abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussieht, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. «Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren», sagte eine Frau auf Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. «Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.»

Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf. Care etwa plant, bis zu 75 000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

Augenzeugen berichten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser ausgeht. Auch die Ärzte sind an vielen Orten bereits überlastet. «Unter den Toten sind viele Kinder», sagte Doktor Pratab Narayan aus dem Teaching-Krankenhaus. «Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen.»

Die deutsche Botschaft in Kathmandu wurde ebenfalls beschädigt. Das Auswärtiges Amt rät Touristen von Touren in die Erdbebengebiete zunächst ab.

So, 2015-04-26 10:47
Kabul (dpa)

Polizeichef im Süden Afghanistans erschossen

Kabul (dpa) - Unbekannte haben den Polizeichef der südafghanischen Provinz Urusgan erschossen. General Gulab Chan sei bei der Kontrolle von Polizeiposten in der Provinzhauptstadt Tirin Kot getötet worden, erklärte Provinzsprecher Dost Mohammad Najab am Sonntag. Es habe ein weiteres Opfer gegeben, sagte Najab ohne Details zu nennen.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff. Chan war vor rund zwei Monaten zum Polizeichef ernannt worden. Sein Vorgänger Mutiullah Chan war zuvor bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-04-26 10:11
Iqaluit (dpa)

Arktis-Staaten wollen sich für Stabilität in der Region einsetzen

Der Westen und Russland beäugen sich derzeit kritisch. Argwöhnisch achtet jeder darauf, dass der andere sich nicht einseitig Ressourcen in der Arktis aneignet. Nun unterzeichnen die Arktis-Anrainer eine versöhnliche Erklärung. Doch bindend ist sie nicht.

Iqaluit (dpa) - Die acht Mitgliedsstaaten des Arktischen Rates wollen sich trotz interner Spannungen des Westens mit Russland gemeinsam für Frieden und Stabilität in der Arktis einsetzen. Vertreter Russlands und der USA, Kanadas, Islands, Dänemarks, Finnlands, Norwegens und Schwedens vereinbarten dazu eine «konstruktive Zusammenarbeit». Die Erklärung wurde am Samstag zum Abschluss des zweitägigen Treffen des Rates in der nordkanadischen Stadt Iqaluit unterzeichnet.

Der Arktische Rat spricht lediglich Empfehlungen aus und seine Abkommen sind nicht bindend. Trotzdem sei solch ein Satz, der Russland miteinschließe, «in Zeiten der geopolitischen Spannungen durchaus bemerkens- und begrüßenswert», sagte die Arktisexpertin Kathrin Keil vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. Das Verhältnis der westlichen Staaten zu Russland ist wegen der Ukrainekrise gespannt.

Russland erhebt territoriale Ansprüche auf den Nordpol und baut derzeit seine Militärpräsenz aus. Auch die westlichen Länder sind nicht untätig. Westliche Vorwürfe einer Militarisierung der Arktis weist Moskau zurück.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte sich beim Treffen von Umweltminister Sergej Donskoj vertreten lassen. Das dürfe allerdings «nicht überinterpretiert» werden, sagte Keil. Auch andere Länder - und in diesem Fall auch Schweden - würden sich nicht immer von ihren Außenministern vertreten lassen.

Bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Ministertreffen ging der Vorsitz des Rates turnusgemäß von Kanada auf die USA über. «Die Menschen in der Region sind unsere größte Priorität», sagte US-Außenminister John Kerry. «Sie sollen unseren Vorsitz prägen.» Es sei eine «entscheidende Zeit» für die Arktis und den Arktischen Rat, sagte Kerry weiter. Anders als Kanada, das den Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region gelegt hatte, wollen die USA vor allem den Kampf gegen den Klimawandel vorantreiben.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Ankündigung. «Allerdings müssen die USA nun selber mit gutem Beispiel voran gehen, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen», sagte die Arktisexpertin der Organisation, Larissa Beumer, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Staaten des Arktis-Rates besprachen auch Wirtschafts-, Umwelt- und Infrastrukturthemen. Die Arktis könnte mit fortschreitender Klimaerwärmung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte im Sommer eisfrei werden. Damit würden vermutlich große unerschlossene Öl- und Gasvorkommen wirtschaftlich nutzbar. Deutschland ist als Beobachter im Rat dabei und wurde vom stellvertretenden Botschafter in Kanada vertreten.

So, 2015-04-26 10:54
Berlin (dpa)

Impulse geben: Gauck scheut keine Konflikte Von Thomas Lanig, dpa

Der Krach mit der Türkei war vorprogrammiert. Der Bundespräsident nimmt ihn in Kauf. Klare Worte sind Teil seines Jobs, meint er. Einen Konflikt zur Kanzlerin will er aber auf alle Fälle vermeiden.

Berlin (dpa) - Man darf sich Joachim Gauck als zufriedenen Menschen vorstellen, jedenfalls was das Echo auf seine Rede zum Thema «Völkermord an den Armeniern» angeht. Zufrieden etwa darüber, dass ihn Grünen-Chef Cem Özdemir am Samstag als «großartigen Bundespräsidenten» lobt, und sogar die Unterstützung der Oppositionspartei für eine Wiederwahl Gaucks 2017 in Aussicht stellt.

Die Reaktion der Türkei auf Gaucks Rede im Berliner Dom dürfte seinen Erwartungen entsprochen haben. Am Donnerstagabend hatte das deutsche Staatsoberhaupt erstmals eindeutig vom Völkermord an den Armeniern gesprochen. «Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen», heißt es aus Ankara. Die Türkei lehnt die Bewertung der Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord entschieden ab.

Von Anfang an hatte Gauck der Debatte in Deutschland Dynamik gegeben. Druck aufgebaut, was Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zumindest am Anfang nicht recht gewesen sein kann. Denn lange schon vor dem 100. Jahrestag des Beginns der Gräuel am 24. April hatte Gauck seine Teilnahme an dem Gedenkgottesdienst der christlichen Kirchen zugesagt. Thema der Veranstaltung: «Gedenken an an den Völkermord an den Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen».

Noch zehn Tage vor dem Gedenktag hatten führende Koalitionspolitiker wohl gedacht, sie kämen um ein klares Bekenntnis zum «Völkermord» an den Armeniern herum. Der Antrag für den Bundestag vermied das V-Wort, um die Beziehungen zum Nato-Partner und EU-Beitrittskandidaten Türkei nicht zu belasten. Doch in den Fraktionen von Union und SPD rumorte es. Über das Wochenende wurde an dem Antrag gearbeitet, es habe «Impulse» des Bundespräsidenten gegeben, hieß es am Montag.

Impulse für politische Debatten zu geben ist aus Gaucks Sicht eine zentrale Aufgabe des Bundespräsidenten. Am Ende übernahmen die Fraktionen genau die von ihm angeregte Formulierung. Und auch die Frage nach der deutschen Verantwortung ging in den Antrag ein. Das entspricht ebenfalls einem Kernanliegen Gaucks. «Wie gehen wir mit der historischen Wahrheit um?» Diese Frage stellt er immer wieder, ob in Deutschland oder in Peru. Und auch in Moskau würde er sie gerne stellen.

Nicht jedem gefällt das aktive außenpolitische Engagement Gaucks. Im Herbst 2014 machte ein Gutachten aus dem Bundestag Schlagzeilen, wonach der Bundespräsident in seinen Äußerungen nicht gänzlich frei sei, sondern verpflichtet, keine «Nebenaußenpolitik» betreiben. Es gebe auch die Pflicht zu einer engen Abstimmung im Bereich der Außenpolitik.

Genau diese Abstimmung aber, so heißt es aus Gaucks Umgebung immer wieder, findet regelmäßig statt. Alle Versuche, sich in einen Gegensatz zu Kanzlerin Merkel interpretieren zu lassen, weist Gauck immer wieder zurück. Eher trifft schon die Vorstellung einer Arbeitsteilung die Realität, wobei die pragmatische Kanzlerin Gauck durchaus Spielraum für Grundsätzliches eröffnet. Das gilt auch für seine klaren Worte gegenüber Russland in der Ukrainekrise, etwa auf der Westerplatte in Danzig.

Es ist wohl einer dieser Berliner Zufälle, dass Außenminister Steinmeier ausgerechnet an diesem Samstag im «Spiegel» mit dem Wunsch zitiert wird, Gauck möge 2017 eine zweite Amtszeit antreten. Und Grünen-Chef Özdemir ergänzt: «Wenn er möchte, hat er unsere 100-prozentige Unterstützung.» Der heute 75-Jährige wird sich dazu noch ziemlich lange nicht äußern, vielleicht Ende 2016, heißt es. Am Ende kommt es wohl doch wieder auf die Kanzlerin an.

So, 2015-04-26 10:29
Berlin (dpa)

Mehr als tausend Menschen demonstrieren gegen Tierversuche

Berlin (dpa) - Rund 1200 Menschen haben sich in Berlin gegen Tierversuche starkgemacht. Sie trafen sich am Samstag unter dem Motto «Forschung ja, Tierversuche nein» am Breitscheidplatz in Charlottenburg und liefen dann über den Kurfürstendamm. Das Berliner Bündnis Tierschutzpolitik und der Deutsche Tierschutzbund hatten zu der Demonstration aufgerufen.

«Lassen Sie uns gemeinsam für ein Ende der Tierversuche und eine tierversuchsfreie Forschung eintreten», hieß es in einer Mitteilung. Mehrere Teilnehmer protestierten in Tierkostümen und mit Masken. Die Demonstranten konnten sich mit veganer Kost stärken.

2013 wurden nach Angaben des Tierschutzbundes deutschlandweit fast drei Millionen Mäuse, Fische, Hunde, Kaninchen, Katzen und Affen für Forschungszwecke «verbraucht». Dies sei zwar ein leichter Rückgang der Zahlen, die Versuchstiere litten aber weiter.

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So, 2015-04-26 10:46
Lumpur (dpa)

Philippinen fordern Asean-Staaten zu Einigkeit gegen China auf

Kuala Lumpur (dpa) - Im Territorialkonflikt mit China werfen die Philippinen Peking eine Militarisierung des Südchinesischen Meeres vor. Die Nachbarstaaten müssten sich den Forderungen Chinas in den umstrittenen Gebieten zur Wehr setzen, verlangte der philippinische Außenminister Albert Del Rosario am ersten Tag des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean. «Die massive Rückgewinnung zielt eindeutig darauf ab, den Status quo in der Region zu ändern», sagte Del Rosario am Sonntag vor Beginn des Gipfels in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

Mehrere Asean-Staaten wie Brunei, Malaysia, die Philippinen und Vietnam erheben Ansprüche auf Teile des Südchinesischen Meeres, das allerdings Peking weitgehend für sich beansprucht. Seit Jahren ringen sie um einen Verhaltenskodex, wie die Konflikte zu lösen sind. Allerdings zieht Peking es vor, Streitigkeiten bilateral zu lösen.

So, 2015-04-26 09:57
Tschernobyl (dpa)

Tschernobyl-Gedenken - Ukraine hofft auf Geld für Schutzhülle

Tschernobyl (dpa) - 29 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die Ukraine die internationale Gemeinschaft zur Finanzhilfe für den Fertigbau der Schutzhülle aufgerufen. Die Anstrengungen der Geber-Länder seien wichtig, um die Folgen der Tragödie vom 26. April 1986 zu beseitigen, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Sonntag.

Die krisengeschüttelte Ex-Sowjetrepublik steht in einem schwelenden Bürgerkrieg mit Separatisten im Osten und ist auf Finanzhilfen angewiesen. Poroschenko erinnerte zum Jahrestag an die Opfer des schwersten Unglücks in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie.

Der neue 100 Meter hohe Sarkophag soll die brüchige Schutzhülle aus Beton ersetzen, die über den Reaktortrümmern errichte worden war. Bis November 2017 soll das Projekt fertig sein. Allerdings fehlen Schätzungen zufolge noch mindestens 615 Millionen Euro zur Fertigstellung. Unter Vorsitz Deutschlands ist am Mittwoch (29. April) bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London eine Geberkonferenz geplant.

«Wir hoffen, das wir gemeinsam mit den Geberländern eine zuverlässige und ungefährliche Abdeckung über den zerstörten Reaktorblock errichten, damit die Ukraine und andere Völker von einer Wiederholung der Tragödie von 1986 geschützt werden», sagte Poroschenko der Mitteilung des Präsidentenamtes zufolge.

So, 2015-04-26 10:05
Berlin/Bordeaux (dpa)

Kanzlermaschine wird «Kotzbomber» Von Christoph Sator und Sebastian Kunigkeit, dpa

Fast ein Vierteljahrhundert lang wurde die alte «Konrad Adenauer» als Regierungsflieger genutzt. Jetzt kommt die Kanzlermaschine in den Dienst der Wissenschaft. Und einen neuen Namen kriegt sie auch.

Berlin/Bordeaux (dpa) - Die Maschine war schon ziemlich überall. Mit Helmut Kohl in Moskau, mit Gerhard Schröder in Peking, mit Angela Merkel in Washington. Als «Konrad Adenauer» gehörte der Airbus A310 - Baujahr 1989 und zu Beginn noch in Diensten der DDR-Linie Interflug - über viele Jahre hinweg zur Flugbereitschaft der Bundeswehr. Kanzlermaschine werden solche Flugzeuge genannt, obwohl auch die Bundespräsidenten damit im Ausland unterwegs sind. Und viel häufiger noch die Außenminister.

Jetzt allerdings, vier Jahre nach der Ausmusterung aus Altersgründen, bekommt die Maschine einen anderen Namen. Künftig ist sie als «A310 Zero G» zu sogenannten Parabelflügen im Einsatz. Dabei wird durch achterbahnartige Manöver nahezu Schwerelosigkeit erzeugt, auch wenn das dann jeweils nur 22 Sekunden dauert. In der Fliegersprache gibt es für solche Maschinen allerdings auch einen anderen Namen: «Kotzbomber». Man muss das nicht unbedingt näher erläutern.

Von Montag an will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die alte «Adenauer» zum ersten Mal für die neuen Zwecke nutzen. Wissenschaftler bringen dann Experimente an Bord, der erste Forschungsflug ist für den 5. Mai geplant. 

Die Maschine steht heute in Bordeaux und gehört der französischen Firma Novespace, die für Europas Raumfahrtbehörden Parabelflüge betreibt. 2,5 Millionen Euro bekam der Bund noch dafür - keineswegs zu viel für ein Flugzeug, das als Muster an Zuverlässigkeit galt.

Für die «Adenauer» sprach, dass sie trotz aller Einsätze im Dienst der Regierung vergleichsweise wenig Starts und Landungen hinter sich hat. Lufthansa-Maschinen im gleichen Alter haben erheblich mehr geleistet. «Beim Starten und Landen ist die Flugzeugstruktur den stärksten Belastungen ausgesetzt», sagt die DLR-Programmmanagerin Ulrike Friedrich. «Die Herausforderung war, ein bezahlbares und dennoch relativ wenig beanspruchtes Flugzeug zu finden.»

Für die neue Bestimmung musste der Airbus allerdings kräftig umgebaut werden. Auf der Lufthansa-Werft in Hamburg wurde ein halbes Jahr lang daran gearbeitet. Den VIP-Bereich mit ehemals zwei Schlafzimmern, zwölf Sitzplätzen und Nassbereich - wo ein Boulevard-Journalist zu Zeiten von Helmut Kohl angeblich sogar einmal die Toilettenschüssel vermessen haben soll - gibt es nun überhaupt nicht mehr. Auch die meisten der 22 Business- und 57 Economy-Sitze sind weg.

Neu ist eine «Experimentierzone»: etwa hundert Quadratmeter in der Mitte der Maschine, mit Haltegriffen, ohne Fenster, begrenzt von schwarzen Netzen und ausgepolstert mit weißen Matten aus Kunstleder, die gut abwischbar sind. Dort wird jetzt zum Beispiel untersucht, wie Pflanzen ohne Erdanziehungskraft wachsen oder wie sich Staub in der Schwerelosigkeit verhält. Andere Versuche bereiten Experimente für die Internationale Raumstation ISS vor.

Mitflieger versichern übrigens, dass es mit dem Brechreiz gar nicht so schlimm sei, zumal die meisten vorher ein Mittel gegen Reisekrankheit bekommen. Der unschmeichelhafte Spitzname habe für eines der ersten Parabelflugzeuge der Nasa gegolten, erzählt Friedrich - das flog noch 150 Parabeln statt der gut 30, die bei DLR-Flügen üblich sind.

Novespace will die ehemalige «Adenauer» künftig etwa alle zwei Monate zu kontrollierten Sturzflügen in die Luft schicken. In der Regel sind dann Wissenschaftler oder künftige Astronauten an Bord. Für einige tausend Euro können aber auch Privatleute einen Flug buchen.

Und irgendwann ist in der «Zero G» vielleicht auch wieder ein Gast dabei, der die Maschine schon kennt. Der Vorstandsvorsitzende der DLR, Johann-Dietrich Wörner, hat Angela Merkel schon eingeladen, noch einmal mit ihrer alten Maschine zu fliegen. Nicht nach Washington, nicht nach Moskau, sondern in die Schwerelosigkeit.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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So, 2015-04-26 10:42
Berlin (dpa)

Tausende Demonstranten für und gegen Kohle

Die einen demonstrieren für, die anderen gegen die Kohle. Sigmar Gabriels Klimaschutzpläne polarisieren.

Berlin (dpa) - Tausende Kumpel aus den deutschen Braunkohlerevieren haben in Berlin gegen die Klimaschutzpläne von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) demonstriert. Sie fürchten massive Arbeitsplatzverluste infolge der geplanten Abgabe für ältere Kohlekraftwerke. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) schätzte die Zahl der Demonstranten im Regierungsviertel auf 15 000.

Zeitgleich machten am Samstag Kohle-Gegner in Nordrhein-Westfalen mobil. Am Tagebau Garzweiler bildeten Tausende eine 7,5 Kilometer lange Menschenkette, um ein Zeichen für Klimaschutz und den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu setzen. Die Veranstalter sprachen von 6000 Teilnehmern, die Polizei von «Tausenden».

Die Kohle und die umstrittene Klimaschutz-Abgabe sollten am Sonntagabend ein Thema des Koalitionsgipfels im Kanzleramt sein. Damit Deutschland bis 2020 sein Ziel von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen als 1990 noch schafft, will Gabriel über 20 Jahre alte Kohlekraftwerke bei Überschreiten eines bestimmten Kohlendioxid- Limits zur Kasse bitten.

Angesichts breiter Kritik von Union, Gewerkschaften und Stromkonzernen hat er aber bereits die Bereitschaft signalisiert, seine ursprünglichen Pläne nachzubessern. Die Höhe der Abgabe soll an die Entwicklung der Preise an der Strombörse gekoppelt werden. Das könnte Betreiber entlasten.

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis sagte vor Demonstranten in Berlin: «Wir erwarten, dass alles vom Tisch geräumt wird, was das Aus der Braunkohleförderung und Braunkohleverstromung in Deutschland bedeuten würde.» Die Regierung müsse den Klimaschutz auf anderen Wegen voranbringen - «in der Gebäudesanierung, im Verkehrswesen und bei der Kraft-Wärme-Kopplung beispielsweise».

Kohlekumpel zeigten Transparente mit Aufschriften wie «Eure Pläne machen arbeitslos». Ob durch die Abgabe tatsächlich in großem Umfang Jobs verloren gehen, ist allerdings umstritten.

Im rheinischen Garzweiler forderte ein Bündnis aus Klimaschützern einen Ausstieg aus Kohlestrom und Braunkohle bis 2030. «Das Signal ist unüberhörbar, der Protest zeigt, dass die «Kohle-Vorweg-Politik» bei den Menschen auf kein Verständnis trifft», sagte Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW. Demonstranten an dem Tagebau benutzten gelbe Bänder, um sich als Glieder der Kette zu verbinden, und verharrten etwa eine halbe Stunde in ihrer Position. 

So, 2015-04-26 10:08
Berlin (dpa)

Streit um Völkermord-Aussage: Türkische Gemeinde fordert Fakten

Berlin (dpa) - Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht im Streit um die Bewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich auch die Türkei in der Pflicht. «Die türkische Politik sollte mehr in die Offensive gehen und mit Fakten bei der Aufklärung helfen», sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Gökay Sofuoglu, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag in Berlin. Sie sei in dieser Frage leider sehr defensiv und trage wenig zur Klärung bei.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte das Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord bezeichnet und damit eine diplomatische Krise mit der Türkei verursacht.

Der Streit werde dem deutsch-türkischen Verhältnis aber nur vorübergehend schaden, sagte Sofuoglu. «Denn Deutschland und Türkei haben sehr feste Beziehungen in vielen Fragen.» Er halte den Begriff Völkermord für falsch. Die Türkische Gemeinde plädiere dafür, dass «unabhängige Historiker sich der Sache widmen und für alle überzeugende Ergebnisse vorlegen, wonach alle Beteiligten sich richten müssen und die Konsequenzen tragen».

So, 2015-04-26 07:59
Jerusalem (dpa)

Neuer Auto-Anschlag nach Tod zweier Palästinenser

Jerusalem (dpa) - Nach dem Tod zweier Palästinenser hat ein arabischer Einwohner Jerusalems israelische Polizisten mit seinem Auto gerammt. Der Tatverdächtige sei am Sonntag festgenommen worden, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. Er soll sein Fahrzeug am Vorabend absichtlich in eine Gruppe von Polizisten gelenkt und dabei vier von ihnen verletzt haben. Die Tat folgte auf den Tod zweier Palästinenser, die israelische Sicherheitskräfte mit Messern angegriffen hatten.

In Hebron im Westjordanland wurde am Samstag ein Palästinenser erschossen, nachdem er auf einen israelischen Grenzpolizisten eingestochen hatte. Zuvor hatten in der Nacht zum Samstag Mitglieder der israelischen Grenzpolizei in Jerusalem einen 16-jährigen Palästinenser erschossen. In einer Mitteilung der Polizei hieß es, der junge Mann habe nahe eines Kontrollpostens ein großes Messer gezogen und sei damit auf die Sicherheitsbeamten zugerannt. Als er auf Warnschüsse nicht reagiert habe, sei er erschossen worden.

In Ost-Jerusalem kam es nach dem Vorfall zu gewaltsamen Protesten. In den vergangenen Wochen hatten sich dort zumeist junge Palästinenser immer wieder Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften geliefert.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

Keine Anzeige!

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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