Mo, 2015-05-25 08:00
Leipzig (dpa)

Im Mäusezirkus: Direktor, Dompteur und Futtermeister in einer Person Von Sabine Fuchs, dpa

Gerald Ruppert ist Direktor, Dompteur und Futtermeister in einem. Seine Stars sind Mäuse.

Leipzig (dpa) - «Monica von Monaco» springt durch einen Feuerreifen, die «Schöne Angela» und der «Dicke Helmut» üben das Balancieren auf einer Stange. Es ist Probe in «Original Rupperts Mäusezirkus», der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. «Ich bin hier Direktor, Dompteur und Futtermeister», sagt Gerald Ruppert, der seine Karriere mit ersten Dressuren in einer Garage begann.

Etwa 20 Artisten gehören derzeit zu seinem Ensemble. «Es gibt Stars und es gibt Statisten», sagt der 64-Jährige, der ursprünglich Maler gelernt hat. Schnell zeige sich, welche Maus Talent für die hohe Zirkuskunst hat und zum King in der Manege tauge. Dazu zähle «Heidi»: Die Maus schafft nach langer Übung den «Todessprung» aus einer Höhe von 1,30 Metern - und lässt sich dann vom Chef auffangen. Todessprung wieder überlebt.

«Der Zirkus von Ruppert ist klein, aber der winzigste in Deutschland ist er nicht», sagt Gerhard Mette, Chef des Betreibervereins des Zirkusmuseums in Magdeburg. So gebe es noch den «Flohzirkus Freddy» in Hamburg mit einem Dompteur und einem Artisten. Es sei nicht genau bekannt, wie viele Mini-Zirkusse derzeit in Deutschland durch die Lande zögen. Schätzungsweise seien es 350 bis 400 mit drei bis fünf Akteuren und ein paar Tieren. Sie träten häufig in kleinen Städten auf, in die große Zirkusse nie kämen.

«Treten Sie zurück, halten Sie Sicherheitsabstand. Sie sehen eine einmalige gefährliche Zirkusnummer» kündigt Ruppert seine Shows an. Drei Monate braucht es nach seinen Worten, bis eine neugeborene Maus Bühnenreife erlangt. Mit dem berühmten Speck oder mit Käse sind sie zu artistischen Höchstleistungen nicht zu bewegen, Gemüse und Äpfel müsse er für kühne Taten bieten. Und gutes Zureden sei notwendig. Nach etwa drei Jahren sei die Karriere für eine Maus vorbei. Dann gibt es Gnadenbrot.

Obwohl bei Mäusen - anders als bei Wildtieren - eine artgerechte Haltung im Zirkus möglich und durchaus leichter zu gewährleisten sei, müsse der Betreiber sehr verantwortungsbewusst handeln, sagt eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Dazu zähle ausgewogenes Futter und Hygiene. Außerdem müssten die Tieren ausreichend Platz haben, um sich zurückzuziehen zu können.

«Das haben die Tiere bei mir», versichert Ruppert. Zwei- bis dreimal in der Woche würden die Käfige gereinigt, die Mäuse erhielten gesundes Futter und hätten ihre Nischen. Tiere, die sich nicht für die Manege eigneten, gebe er an Zoohandlungen oder private Interessenten ab. Mitunter gibt der Zirkusdirektor auch Mäuse-Vorstellungen vor kleinen Klinikpatienten - bei Veranstaltungen in Parks und Höfen der Krankenhäuser.

Mo, 2015-05-25 08:14
Berlin (dpa)

Neuer BKA-Präsident will weitere Lehren aus NSU-Morden ziehen

Als die Rechtsterroristen des NSU mordeten, tappten die Sicherheitsbehörden im Dunkeln. Auch das BKA löste den Fall nicht. So blind soll das Amt nicht noch einmal dastehen, sagt der neue Chef.

Berlin (dpa) - Als Lehre aus der rechtsterroristischen NSU-Mordserie will das Bundeskriminalamt (BKA) seine Arbeit weiter verändern. Dabei gehe es um Ermittlungstaktiken, um Personalauswahl und interkulturelle Kompetenz in Deutschlands oberster Polizeibehörde, sagte der neue BKA-Präsident Holger Münch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der 53-jährige Bremer leitet das Amt seit knapp einem halben Jahr.

Auch die Zerschlagung der «Oldschool Society» Anfang Mai - eines neuen rechten, mutmaßlich gewaltbereiten Netzwerks - sieht Münch als Fortschritt nach früheren Fehlern der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsterroristen. «Eine der wesentlichen Lehren aus dem Fall NSU ist doch, dass wir nichts für unmöglich halten dürfen. Die zweite ist, dass wir möglichst früh und konsequent gegen solche Strukturen vorgehen müssen.»

Die bisherigen Ermittlungen hätten den Verdacht der Gründung weiterer terroristischer Vereinigungen nicht bestätigt. Münch beschrieb den harten Kern der rechten Szene: «Wir haben elf Personen, die als Gefährder eingestuft sind in Deutschland. Und wir haben gute hundert «relevante Personen», also Unterstützer, Organisatoren oder Finanziers.» Sorge bereite ihm, dass Rechtsextremisten die steigende Zahl von Asylbewerbern zum Anlass von Angriffen auf Flüchtlingsheime nähmen. «Wir müssen sehr wachsam sein.»

Als der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) von 2000 bis 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete, hatte auch das BKA das ausländerfeindliche Motiv der Serie verkannt. BKA-Ermittlungen zur Tatwaffe, einer Ceska-Pistole, liefen weitgehend ins Leere. «Wir fragen uns, wie wir mit Ermittlungsverfahren umgehen, bei denen wir am Ende nicht mehr weiterkommen», sagte Münch. Deshalb wolle das BKA künftig in solchen Fällen ein erweitertes Ermittlerteam einsetzen, das auch von einer Gegenhypothese ausgehe.

Derzeit werde im Bundeskriminalamt erhoben, wie hoch der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund sei und wie sich dieser Anteil strategisch entwickeln lasse, sagte Münch. Der BKA-Präsident bescheinigte dem Amt eine Offenheit für Veränderungen: «Wichtig ist die Frage der Fehlerkultur. Da stoße ich aber, das ist meine Beobachtung aus dem ersten halben Jahr in der Behörde, auf eine sehr gute Grundkultur.»

Mo, 2015-05-25 08:15
Berlin (dpa)

Das Bundeskriminalamt - die zentrale Polizeibehörde

Berlin (dpa) - Das Bundeskriminalamt (BKA) ist Deutschlands zentrale Polizeibehörde. Polizei ist in der Bundesrepublik im Grundsatz Ländersache - das 1951 gegründete BKA koordiniert den Kampf gegen die Kriminalität auf nationaler Ebene.

Selbstständig ermittelt die Behörde, wenn es grenzüberschreitend um Terrorismus, Falschgeld oder den illegalen Handel mit Waffen und Drogen geht. Sie führt die Kontakte der deutschen Polizei ins Ausland und gehört zu Interpol. Auch der Schutz von Bundespräsident, Bundesregierung, Bundestag und ausländischen Staatsgästen gehört zu den Aufgaben des BKA.

Die Bundesbehörde hat mehr als 5500 Bedienstete an den Standorten Wiesbaden, Berlin und Meckenheim bei Bonn. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kriminalpolizisten. Seit Januar 2005 ist das BKA in neun Abteilungen gegliedert. An seiner Spitze steht der Präsident - bis November 2014 Jörg Ziercke, seitdem Holger Münch.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-05-25 08:00
Berlin (dpa)

Vom Blog ins Bücherregal: Verlage schnappen sich Online-Stars Von Rebecca Krizak, dpa

Egal ob es ums Kochen, Möbel zimmern oder den nächsten Modetrend geht - zu fast jedem Thema gibt es Blogs im Internet. Mittlerweile finden sich die oft in ausgedruckter Form als Buch im Bücherregal. Warum eigentlich?

Berlin (dpa) - Wer wissen möchte, was Hipster in Stockholm auf der Straße anhaben oder was man Veganes kochen kann, kann auf Blogs im Internet nachsehen - man könnte aber auch ein Buch aufschlagen. Vielleicht begegnet den Lesern dort sogar ein bekanntes Gesicht aus dem Internet: Denn immer mehr Blogger veröffentlichen ihr Werk als sogenannte Blogbücher.

Auf den ersten Blick scheint es paradox, das Internet auszudrucken und es zwischen zwei Buchdeckel zu stecken. Sophia Hoffmann sieht das aber anders: «Etwas Schönes in die Hand zu nehmen - das hat einfach eine andere Qualität», sagt sie. Die Berlinerin trägt hellblonde Haare, bunte Tattoos auf den Armen und häufig eine Kochschürze. Seit 2011 schreibt sie online über das Kochen, mittlerweile sind vegane Gerichte Thema ihres Blogs. Und sie sind Thema ihres Kochbuchs «Sophias vegane Welt», das vor einem halben Jahr erschienen ist.

Der Trend der Digitalisierung scheint sich hier umgedreht zu haben. Blogs galten als Trendsetter. Jetzt ist das gedruckte Buch der Ritterschlag für Blogger. «Das Buch war ein Traum, der in Erfüllung ging», sagt auch Hoffmann. Anders als bei manch anderem Blog ist Hoffmanns Kochbuch kein Eins-zu-Eins-Nachdruck ihres Internetauftritts. Für das Buch hat sie sich auch neue Rezepte überlegt, die man noch nicht auf ihrem Blog lesen konnte.

Gerade bei Livestyle-Themen wie Mode, Design oder Kochen boomen die Nachdrucke. Auch alles unter dem Label «Geschenkbuch» ist beliebt. Eines der erfolgreichsten Blogbücher ist «SMS von gestern Nacht». Lustige oder peinliche Textnachrichten wurden zuerst auf einem Blog gesammelt und dann als Buch herausgebracht. Inhalte kommentieren oder in Online-Netzwerken teilen, das geht mit den SMS-Büchern allerdings nicht mehr. Trotzdem verkaufen sie sich sehr gut. Vier Bände der peinlichen und lustigen Kurznachrichten gibt es mittlerweile.

«Die Bücher sind häufig Fanartikel, die sich die Fans dann gerne ins Regal stellen», erklärt eine Sprecherin des Münchner Riva-Verlags den Erfolg der Blogbücher. Darin sei außerdem das Beste zusammengefasst: «Wer sich sonst durch solche Seiten und Blogs scrollt, hat nach einer Stunde schon wieder alles vergessen.»

Ein Blogbuch, dass tatsächlich etwas gegen das Vergessen getan hat, ist das des chinesischen Künstlers und Aktivisten Ai Weiwei. Im Internet veröffentlichte Ai seine Kritik an der chinesischen Führung. Die Texte wurde übersetzt und als Buch veröffentlicht, kurz bevor sein Blog 2009 der Zensur zum Opfer fiel und gelöscht wurde.

Bei den meisten Blogbüchern handelt es sich jedoch um einen lukrativen Zweitverwertungsmarkt. Das geht sogar ohne großen Aufwand: Viele Blogger veröffentlichen ihre Blogbücher selbst, ohne dass ein großer Verlag hinter ihnen steht.

Doch die Verlage wollen den Markt nicht aus der Hand geben. Sie gehen auch mal ungewöhnliche Wege, so wie bei Architekt Van Bo Le-Mentzel. Auf seinem Blog hartzivmoebel.blogspot.com erklärt Le-Mentzel, wie man Möbel günstig selber baut und damit Geld und Ressourcen schont. Seine Fans schlugen vor, daraus ein Buch zu machen. In seiner Facebook-Gruppe fanden sich Menschen, die das geplante Buch mit Ideen und Geld unterstützen und auch kaufen wollten. Sowohl die Finanzierung als auch die Käufer standen bereit, da meldete sich der Hatje Cantz Verlag und wollte das Buch verlegen. «Den Verlag haben wir nicht gebraucht», sagt Le-Mentzel.

Deshalb musste die Geschäftsführerin des Verlags die Unterstützer erst einmal über Facebook überzeugen, sie mit ins Boot zu holen und mehr Bücher zu drucken als geplant. «Für den Verlag war der Schritt, über die Facebook-Gruppe zu gehen, sicher komisch. Aber es ist der Weg in die Zukunft», sagt Le-Mentzel.

Koch-Bloggerin Hoffmann hat dagegen ihr Buch-Konzept von sich aus an Verlage geschickt. Angst, dass ihre Fans ihr Blog nach dem Buchkauf nicht mehr lesen, hat sie nicht. Als nächstes will sie bei YouTube ihren eigenen Foodkanal starten. «Dort werden die Inhalte des Buchs dann zum Leben erweckt.» Ein interaktiver Buchblogkanal also.

Mo, 2015-05-25 07:00
Yvette (dpa)

Allergie-Auslöser Ambrosia breitet sich in Europa aus

ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR ABLAUF DER SPERRFRIST, 25. MAI 17.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! DIE NICHTEINHALTUNG DES EMBARGOS HÄTTE EMPFINDLICHE EINSCHRÄNKUNGEN DER BERICHTERSTATTUNG ÜBER WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN ZUR FOLGE.

Ambrosia kann starke Allergien und Asthma auslösen. Auch in Deutschland breitet sich die Pflanze aus. Damit nimmt die Pollenlast in der Luft zu - wie stark, hängt von Faktoren wie Klimawandel und Autoverkehr ab.

Gif sur Yvette (dpa) - Die starke Allergien auslösende Pflanze Ambrosia breitet sich in Europa rasant aus: Im Jahr 2050 könnte die Pollenkonzentration in Europa viermal so hoch sein wie derzeit, haben französische Forscher in einer Computersimulation berechnet. Wie schnell sich Ambrosia artemisiifolia ausbreitet, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Klimawandel und der vom Menschen begünstigten Ausbreitung der Samen.

Je nach Szenario könnte die Pollenbelastung in 35 Jahren doppelt so hoch sein - oder auch zwölfmal so stark wie heute, schreibt das Team um Lynda Hamaouli-Laguel vom Labor für Klima- und Umweltwissenschaften im französischen Gif sur Yvette im Fachmagazin «Nature Climate Change». Aktuell sind in Europa der Westen Ungarns, Norditalien und der Südosten Frankreichs am stärksten belastet.

In Deutschland, schreiben die Autoren, «wird die Konzentration stark zunehmen und so hoch werden wie heute in Südfrankreich». Die Verteilung des Samens habe entscheidenden Einfluss auf die künftige Pollenbelastung. «Aber auch der Klimawandel wird die wachsende Pollenlast vorantreiben».» Der stärkere Faktor ist nach Einschätzung der Forscher die Temperatur: Der Klimawandel trage zu zwei Drittel, die Samen-Verbreitung zu einem Drittel zur künftigen Pollenlast bei.

Deutsche Wissenschaftler plädieren seit langem dafür, die auch Beifußblättriges Traubenkraut oder Beifuß-Ambrosie genannte Pflanze stärker zu bekämpfen. Sie fordern ein Frühwarnsystem, eine Meldepflicht und staatliche Maßnahmen zur Eindämmung wie in der Schweiz. Ambrosia breitet sich nicht nur mit dem Wind aus, sondern wird vermutlich auch über Autoreifen weitertransportiert. Dafür spricht, dass die Pflanze vorwiegend an Straßenrändern wächst und sich entlang von Autobahnen ausbreitet.

Ihre Pollen sind starke Allergene, sie können zu Heuschnupfen und Asthma führen. Weil die Pflanze spät im Jahr blüht, verlängert sie die Leidenszeit von Allergikern in den Herbst hinein. Die Berührung kann Juckreiz und Hautrötungen auslösen. Besonders stark betroffen ist laut der Technischen Universität München derzeit der Raum Berlin.

In Europa fühlt sich die Pflanze, die vor mehr als 150 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt wurde, besonders wohl. Wissenschaftler des Frankfurter Biodiversitäts- und Klima-Forschungszentrums hatten 2014 festgestellt, die Samen seien hier größer und die Keimrate höher als im Herkunftsland. Natürliche Feinde und Krankheiten fehlten.

Mo, 2015-05-25 07:28
Berlin (dpa)

Neuer BKA-Präsident will weitere Lehren aus NSU-Morden ziehen

Berlin (dpa) - Als Lehre aus der rechtsterroristischen NSU-Mordserie will das Bundeskriminalamt (BKA) seine Arbeit weiter verändern. Dabei gehe es um Ermittlungstaktiken, um Personalauswahl und interkulturelle Kompetenz in Deutschlands oberster Polizeibehörde, sagte BKA-Präsident Holger Münch der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Zerschlagung der «Oldschool Society» Anfang Mai - eines neuen rechten, mutmaßlich gewaltbereiten Netzwerks - sieht Münch als Fortschritt nach früheren Fehlern der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsterroristen. «Eine der wesentlichen Lehren aus dem Fall NSU ist doch, dass wir nichts für unmöglich halten dürfen. Die zweite ist, dass wir möglichst früh und konsequent gegen solche Strukturen vorgehen müssen.» Die bisherigen Ermittlungen hätten den Verdacht der Gründung weiterer terroristischer Vereinigungen nicht bestätigt.

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Mo, 2015-05-25 06:00
Berlin (dpa)

Mückenatlas: Forscher fahnden nach neuen Stechmückenarten Von Gisela Gross, dpa

Bald geht die Blutsauger-Saison wieder richtig los: Wer gerne Mücken jagt, kann das inzwischen auch im Dienst der Wissenschaft tun. Vor allem Exoten haben Experten im Blick.

Berlin (dpa) - Hauchdünne Beinchen, bräunliche Borsten und ein fieser Saugrüssel zum Stechen: Bis zu 50 Mücken verschiedener Arten landen im Sommer pro Tag bei Doreen Werner im Labor - tot in der Post. Bürger unterstützen die Arbeit der Biologin, indem sie ihr erlegte Mücken schicken, in Einmachgläsern, Schächtelchen oder Küchenkrepp.

Wichtig: Intakt, etwa im Tiefkühlfach eingefroren, statt zerquetscht sollten die Mücken sein. Denn die Experten um Werner in Müncheberg in Brandenburg wollen unter dem Mikroskop die jeweilige Art bestimmen. All das kommt dem sogenannten Mückenatlas zugute: Doreen Werner leitet das 2012 gestartete Projekt. Weitere Förderung dafür kommt in den kommenden drei Jahren von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Einen Überblick zu gewinnen über die Verbreitung von Mückenarten in Deutschland ist eines der Ziele des Teams am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und Kollegen des Friedrich-Löffler-Instituts. Experten gehen von rund 50 Arten von Stechmücken hierzulande aus.

Allein für 2014 hat Werners Team bundesweit mehr als 1250 Mücken-Fangorte mit Datum und Art auf einer Online-Karte verzeichnet. Seit Projektbeginn 2012 schickten Bürger mehr als 25 000 Mücken mehr als 40 verschiedener Arten ein. «Jede Mücke landet in der Referenzsammlung», sagt Werner. Mit deren Hilfe könnten eines Tages weitergehende Untersuchungen zu Mücken aus bestimmten Regionen gemacht werden.

Richtig los geht es für die Forscher im Juni und Juli. «Bisher ist die Mückensaison lau. Wenige, manchmal keine, sind uns bisher in die Fallen gegangen», sagt der Parasitologe Egbert Tannich vom Hamburger Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). «Für die Larvenentwicklung im Wasser braucht es bestimmte Temperaturen, noch ist es zu kalt.»

Exoten gehen Bürgern wie Profi-Forschern immer wieder mal ins Netz: etwa die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich seit einigen Jahren vor allem in westdeutschen Bundesländern ausbreitet. Noch nicht umfassend angesiedelt hat sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die warme Temperaturen liebt. Einzelne Exemplare mit den charakteristisch schwarz-weißen Beinchen hat Werner allerdings 2014 aus dem Raum Freiburg in Baden-Württemberg zugeschickt bekommen. Ob Mücken dieser Art oder ihre Eier vielleicht überwintert haben?

Das will Werner im Sommer mit mindestens 500 Fallen prüfen, auf denen Mückenweibchen ihre Eier ablegen können. Hinzu kommen zehn Lebendfallen. «Die Bürger-Hinweise waren genial für uns, weil wir jetzt gezielt suchen können», sagte Werner. Auf diese Weise muss sie auch ausschließen, dass Urlaubsmitbringsel als deutscher Fang deklariert wurden. Ergebnisse gebe es frühstens Ende August.

Auch die Forscher um Tannich betreiben mit Partnern rund 150 Fallen in Deutschland. Im Blick haben sie ebenfalls die Tigermücke, die in anderen Ländern das Dengue- und das Chikungunya-Fieber übertragen kann. Spezielle Fallen haben sie entlang von Autobahnen aufgestellt. «Tigermücken kommen immer wieder in Autos über die Alpen und werden an Raststätten freigesetzt», sagt Tannich. Die Mücke selbst könne den deutschen Winter schwerlich überstehen, glaubt er. Ihre Eier an geschützten Orten hingegen schon. «Die Mücken haben dann einen frühen und guten Start in die Saison. So können mehr Nachkommen entstehen, als wenn ein Exemplar spät im Jahr aus Italien mitgebracht wird.»

Sollte das passieren, wollen es die Wissenschaftler so früh wie möglich mitbekommen. Sie setzen auf ausgetüftelte Fallen - nicht jede Mücke reagiere auf jedes Lockmittel. Verschiedene Mischungen aus Duftstoffen und Kohlendioxid sollen die Plagegeister anlocken.

Für Laien dürfte der Mücken-Fang schwieriger sein, doch der Forscherdrang überwiegt offenbar bei vielen. Der Direktor des Potsdamer Naturkundemuseums Detlef Knuth etwa erzählt, dass er vor allem Mücken aus Gebieten mitbringe, in die sonst kaum jemand komme. Die Regionen an der Elbe und der Oder und das an Gewässern reiche Brandenburg seien wichtige Areale für die Forschung - auch, da sich dort Entwicklungen aus Osteuropa zuerst bemerkbar machten, sagt er.

Die diesjährige Mückensaison jedenfalls könnte relativ harmlos werden, vorausgesetzt, es bleibt kühl und trocken. Entscheiden werde sich das aber erst in den nächsten Wochen, sagt Egbert Tannich.

Mo, 2015-05-25 06:30
Yvette (dpa)

Allergie-Auslöser Ambrosia breitet sich in Europa aus

ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR ABLAUF DER SPERRFRIST, 25. MAI 17.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! DIE NICHTEINHALTUNG DES EMBARGOS HÄTTE EMPFINDLICHE EINSCHRÄNKUNGEN DER BERICHTERSTATTUNG ÜBER WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN ZUR FOLGE.

Gif sur Yvette (dpa) - Die starke Allergien auslösende Pflanze Ambrosia breitet sich in Europa rasant aus: Im Jahr 2050 könnte die Pollenkonzentration in Europa viermal so hoch sein wie derzeit, haben französische Forscher in einer Computersimulation berechnet. Wie schnell sich Ambrosia artemisiifolia ausbreitet, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Klimawandel und der vom Menschen begünstigten Ausbreitung der Samen.

Mo, 2015-05-25 05:59
Berlin (dpa)

Forscher suchen Asiatische Tigermücken in Süddeutschland

Berlin (dpa) - Forscher wollen im Sommer in Süddeutschland nach Exemplaren der Asiatischen Tigermücke suchen. Im Vorjahr hätten Bürger Hinweise auf ein Vorkommen des Insekts in der Region Freiburg gegeben, sagte die Biologin Doreen Werner der Deutschen Presse-Agentur. Sie leitet das Projekt Mückenatlas des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg und des Friedrich-Löffler-Instituts. Mit Fallen soll gezielt geprüft werden, ob Tigermücken oder deren Eier überwintert haben. Die Stechmücken waren ursprünglich in den Tropen beheimatet, kommen inzwischen aber auch in Südeuropa vor. Sie können Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen.

Mo, 2015-05-25 05:05
Münster/Amsterdam (dpa)

Kampf den Fahrradwracks: Rollt das noch oder kann das weg? Annette Birschel und Florentine Dame, dpa

Nicht jedes abgestellte Fahrrad hat auch einen Besitzer: Herrenlose und dem Verfall preisgegebene Drahtesel blockieren zu Tausenden begehrte Stellplätze in Städten. Die Ordnungshüter gehen verschiedene Wege, um der Wracks Herr zu werden.

Münster/Amsterdam (dpa) - Dem Vorderreifen ist längst die Luft ausgegangen, die Kette hängt schlaff durch, Rost nagt am Rahmen: Verstoßen im Drahteselgetümmel sterben zahllose Fahrräder einen langsamen Tod. Besonders in Groß- und Studentenstädten, wo das Rad zum Straßenbild zählt, gibt es Tausende solcher Fahrradleichen. Für die Ordnungsämter sind sie eine echte Herausforderung. Immer stellt sich die Frage: Gehört das wem? Oder kann das weg?

Städtische Mitarbeiter in Münster fragen sich das täglich: Statistisch gesehen hat jeder der 300 000 Einwohner in der Unistadt fast zwei Fahrräder. Gerade für Studenten sei das günstig erworbene Gebrauchtrad ein Lebensabschnittsgefährt, erklärt Regina Dittmer, die für das städtische Fahrradfundbüro zuständig ist. «Ist das Studium vorbei, bleibt auch das Rad stehen.»

Zwei Mitarbeiter des Fahrradkontrolldienstes sind ständig auf Patrouille, um die Flut der Drahtesel in den Griff zu bekommen. «Da sieht man täglich Räder, die wahrscheinlich nicht mehr bewegt werden», sagt der Leiter des Dienstes, Bernhard Korthues. Doch um ein festgekettetes Rad als Fahrradleiche und damit als herrenlos zu klassifizieren und bestatten zu können, braucht es eindeutige Zeichen der Verwesung. «Wir warten eigentlich nur darauf, dass sie irgendwann Moos ansetzen», sagt Korthues. Erst was eindeutig aussieht wie Schrott, kann losgeschnitten und entsorgt werden. 900 Räder wandern pro Jahr auf den Müll. «Es ist ein Kampf gegen Windmühlen», sagt Korthues.

Ärger mit den Schrotträdern gibt es auch in der Radl-Stadt Freiburg im Breisgau, sagt Rathaussprecherin Martina Schickle. Es gebe regelmäßig Beschwerden von Einheimischen oder Touristen. Sie reagierten auf das abgestellte Blech allergisch.

Auch anderswo, wo viel geradelt wird, ist das Problem bekannt: Die Hauptstadt Berlin entsorgte 2014 mehr als 2500 Wracks, in Hamburg waren es 3000, mehr als 1800 in Köln. Noch heftiger geht es in der niederländischen Radel-Hochburg schlechthin zu: In Amsterdam rotten rund 55 000 «fietsen» vor sich hin - von Waisenrädern sprechen die Niederländer.

Täglich sind die sogenannten Fiets-knipser unterwegs, um Fahrradwaisen aufzuspüren und Platz zu schaffen. Mit Schneidbrennern öffnen sie die Schlösser. Bei Falsch- und Dauerparkern kennen sie kein Pardon. Räder, die Wege versperren oder länger als zwei Wochen in einer öffentlichen Garage stehen, werden weggeschafft. Insgesamt landen pro Jahr 73 000 Räder beim zentralen Rad-Depot. Nur jedes vierte «fiets» wird auch wieder abgeholt.

Ähnliches probieren auch deutsche Kommunen mit dem Anbringen von Warnaufklebern. Etwa in Köln, Freiburg, einigen Berliner Bezirken und in Hamburg sind neonfarbene Banderolen die letze Warnung vor der baldigen Entsorgung. Allerdings: «Das Rad muss sichtbar nicht mehr benutzbar sein», sagt der Kölner Stadtsprecher Jürgen Müllenberg.

Die Banderolenlösung habe sich inzwischen in mehreren Städten bewährt, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Zwar gibt es keine Höchstparkdauer auf öffentlichen Plätzen, aber Räder, die nicht mehr rollen, parken auch nicht im eigentlichen Sinne. Die Ordnungskräfte können dann argumentieren, dass es sich um unerlaubte Sondernutzung handelt, erläutert Filippek. Die Räder sind Abfall, keine Fahrzeuge mehr. Wirklich aufgegebene Räder von solchen zu unterscheiden, die nur auf Reparatur warten, sei aber nicht immer einfach. Im Zweifel gelte es, das Rad auch mal bis zur nächsten Aktion stehenzulassen.

Münster versucht einen anderen Weg, um dauerparkende, aber noch nicht schrottreife Exemplare aus dem Weg zu schaffen: Regelmäßig kündigt die Stadt mit Schildern das große Putzen rund um zentrale Fahrradständer an. Räder, die bei der Reinigungsaktion im Weg sind, werden umgesetzt oder zur Fahrradfundstation gebracht. «Das hat den positiven Begleiteffekt, dass wir Radleichen herausfischen», sagt Korthues. Es sind jene, die nicht abgeholt werden. Besitzer, die ihr Fahrrad nicht aufgegeben hätten, meldeten sich dagegen meist sehr schnell, sagt Fachstellenleiterin Dittmer. Was ein halbes Jahr vergeblich wartet, geht in den Besitz der Stadt über.

Manche Fahrradleiche oder einstige Fundsache ist so brauchbar, dass sie dann ein zweites Leben bekommt: 400 Räder pro Jahr kommen bei Versteigerungen unter den Hammer, rund 100 werden zu Diensträdern der Stadt. So lässt sich immerhin ein Teil des hohen Verwaltungs- und Personalaufwands im Kampf gegen die Fahrradwracks gegenrechnen.

Mo, 2015-05-25 04:30
Madrid (dpa)

Neue Zeiten in Spanien: Rückschlag für Rajoys Konservative

Die Konservativen von Ministerpräsident Rajoy behaupten sich in Spanien als stärkste politische Kraft. Dennoch sind sie der große Verlierer der Regional- und Kommunalwahlen. Sie müssen befürchten, in mehreren Regionen und Städten von der Macht verdrängt zu werden.

Madrid (dpa) - Die konservative Volkspartei (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy hat etwa ein halbes Jahr vor der Parlamentswahl einen schweren Rückschlag erlitten. Bei den mit Spannung erwarteten Regional- und Kommunalwahlen musste die Regierungspartei kräftige Einbußen hinnehmen. Nach den in der Nacht zum Montag veröffentlichten Ergebnissen behauptete die PP sich zwar als stärkste politische Kraft in Spanien, blieb landesweit mit 27,0 Prozent der Stimmen aber um mehr als zehn Prozentpunkten hinter ihrem Ergebnis von 2011 zurück.

Damit liefen die Konservativen Gefahr, in mehreren Regionen und Stadtregierungen von Koalitionen linker Parteien von der Macht verdrängt zu werden. Die neue Linkspartei Podemos (Wir können) errang in der Hauptstadt Madrid und der katalanischen Metropole Barcelona überraschende Erfolge. In Barcelona erhielt ein von Podemos unterstütztes Linksbündnis nach dem vorläufigen Endergebnis die meisten Stimmen.

In Madrid behauptete die PP sich zwar als stärkste Kraft, errang aber nur einen Sitz mehr als ein von Podemos angeführtes Bündnis. Damit haben die linken Parteien die Chance, der PP erstmals seit 1991 den symbolisch wichtigen Posten des Bürgermeisters der Hauptstadt abzunehmen.

Die Abstimmungen am Sonntag galten als ein wichtiger Test für die landesweite Parlamentswahl im Herbst. Die Sozialisten (PSOE) kamen landesweit auf 25,0 Prozent. Damit büßten sie im Vergleich zu 2011 zwar 2,8 Prozentpunkte ein, konnten den Rückstand zur PP aber deutlich verkürzen. Außerdem kann die PSOE darauf hoffen, die PP im Bündnis mit anderen Parteien in mehreren Regionen und Kommunen von der Macht zu verdrängen.

Die aufstrebende liberale Partei Ciudadanos (Bürger) ging aus den Wahlen mit 6,6 Prozent der Stimmen landesweit als drittstärkste Kraft hervor. Podemos war nicht flächendeckend angetreten, sondern nur in einzelnen Regionen und Kommunen im Bündnis mit anderen Gruppierungen.   In 13 von 17 spanischen Regionen waren am Sonntag regionale Parlamente und im ganzen Land neue Stadträte und Gemeindevertretungen gewählt worden. Die PP hatte mit ihrer Sparpolitik und infolge einer Reihe von Korruptionsskandalen in der Wählergunst starke Einbußen erlitten. Rajoy hatte darauf gehofft, dass die zuletzt verbesserte Wirtschaftslage des Landes seiner Partei zugutekommen würde.

Da die großen Parteien PP und PSOE fast nirgendwo absolute Mehrheiten gewannen, dürften neue Parteien wie Podemos oder Ciudadanos in vielen Regionen und Kommunen bei der Regierungsbildung künftig eine Schlüsselrolle spielen. 

Mo, 2015-05-25 04:53
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Mindestens drei Tote bei Überschwemmungen in den USA

Washington (sda) - Bei starken Regenfällen und Überschwemmungen in den US-Bundesstaaten Texas und Oklahoma sind am Sonntag mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Bis zu acht Menschen galten nach örtlichen Medienberichten als vermisst.

Die Fluten richteten zudem schwere Schäden an. Allein im Hays County in Texas wurden rund 400 Häuser von den Wassermassen zerstört, weitere 1000 Häuser wurden nach Angaben des Senders CNN beschädigt. «Es gibt bei uns einige Straßen, in denen noch ein oder zwei Häuser stehen, der Rest sind nur Trümmerhaufen», sagte Kharley Smith, Koordinatorin der Nothilfe. Die Bewohner wurden in Notunterkünften untergebracht.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-05-25 02:30
Washington/Bagdad (dpa)

US-Verteidigungsminister: Iraks Soldaten haben keinen Kampfeswillen

Eine einst starke Armee ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Jetzt kritisiert US-Verteidigungsminister Carter den mangelnden Kampfeswillen der irakischen Soldaten.

Washington/Bagdad (dpa) - Mit massiver öffentlicher Kritik am mangelnden Kampfeswillen der irakischen Armee hat US- Verteidigungsminister Ash Carter auf deren jüngste Niederlagen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reagiert. Beim Kampf um die Stadt Ramadi seien die Iraker der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zahlenmäßig weit überlegen gewesen, dennoch hätten sie sich zurückgezogen, sagte er in einem Interview des TV-Senders CNN.

«Die irakischen Truppen haben einfach keinen Willen zum Kampf gezeigt», sagte er am Sonntag. Dies sei ein Problem. «Wir können sie ausbilden, wir können ihnen Ausrüstung geben, aber wir können ihnen keinen Willen zum Kampf geben.» Dennoch wollten die USA weiter versuchen, die irakischen Truppen auszubilden und auszurüsten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, den IS zu bekämpfen.

Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi entgegnete darauf, dass Carter wohl «mit falschen Informationen gefüttert» worden sei. Er kündigte die Rückeroberung von Ramadi «innerhalb von Tagen» an, berichtete der Sender BBC.

Kommentatoren in Washington bezeichnen die Äußerungen Carters als die bisher härteste öffentliche Kritik an den irakischen Truppen. Zwar kritisieren US-Regierungsvertreter immer wieder den Zustand der irakischen Armee, doch meist hinter vorgehaltener Hand.

Zuletzt eroberte die Terrormiliz einen strategisch wichtigen syrisch-irakischen Grenzübergang und kontrolliert nun weite Teile der Route zwischen Bagdad und Damaskus. Die irakischen Sicherheitskräfte zogen sich von dem Posten Al-Walid komplett zurück, wie das irakische Militär am Sonntag in Bagdad erklärte.

«Sie haben die irakische Flagge runtergenommen und ihre eigene gehisst», sagte der Sprecher unter Bezug auf die schwarze Fahne des IS mit dem weißen Schriftzug, der das islamische Glaubensbekenntnis ausdrückt. Den Übergang Al-Tanf auf der syrischen Seite der Grenze hatte die Sunnitenmiliz bereits vor drei Tagen erobert, nachdem sie zuvor die antike Wüstenstadt Palmyra und andere Gebiete der Provinz Homs unter ihre Kontrolle gebracht hatte.

Die vollständige Kontrolle über die irakisch-syrische Grenze an dieser Stelle ist von enormer strategischer Bedeutung. In Friedenszeiten war Al-Walid/Al-Tanf der Grenzübergang für Reisende auf der direkten Strecke zwischen Bagdad und Damaskus. Nun kann der IS über diese Strecke beliebig Soldaten und Waffen zwischen der westirakischen Provinz Anbar und der syrischen Provinz Homs verschieben.

Mo, 2015-05-25 01:05
Berlin (dpa)

CDU-Vize wirft Gabriel im Kohlestreit Koalitionsvertragsbruch vor

Berlin (dpa) - Der CDU-Vizevorsitzende Armin Laschet hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Streit um seine geplante Kohle-Abgabe einen Bruch des Koalitionsvertrags vorgeworfen. Die Zusatzabgabe für konventionelle Kraftwerke sei in der Energie-Arbeitsgruppe zur Aushandlung des Vertrags «weder beschlossen noch jemals beraten worden», schreibt der nordrhein-westfälische CDU-Chef in einem Brief an Gabriel, der der «Welt» (Online: Montag/Print: Dienstag) vorliegt.

Allerdings hatte sich Gabriel kürzlich für Alternativen zur Kohle-Abgabe offen gezeigt, um bis 2020 im Kraftwerksbereich zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen die vereinbarten 22 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) einzusparen.

Laschet schrieb weiter: «Die Zusatzabgabe wäre überflüssig, würde das Bundeswirtschaftsministerium einfach das umsetzen, was im Koalitionsvertrag Ende 2013 beschlossen wurde.» Er nannte 25 Prozent Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung als Ziel bis 2020. Auch solle Gabriel sich für Steuervergünstigungen für energiesparende Gebäudesanierungen und moderne Heiztechnik einsetzen.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach sich für «eine CO2-Bremse» im Grundgesetz aus. In die Verfassung sei bereits eine Schuldenbremse aufgenommen worden - der Verlust an Lebensgrundlagen sei aber «noch dramatischer als das Anhäufen von Schulden», erklärte er im selben Medium.

Mo, 2015-05-25 01:30
Peking (dpa)

Abschied vom Reich des Tabaks? Peking geht massiv gegen Raucher vor Von Stephan Scheuer, dpa

In keinem Land wird so viel geraucht wie in China. Der Staat verdient Milliarden mit der Tabak-Industrie. Peking will trotzdem ein scharfes Nichtrauchergesetz durchsetzen. Die WHO, die den 31. Mai zum Weltnichtrauchertag erklärt hat, ist begeistert.

Peking (dpa) - «Kleiner Panda», «Gute Katze», «Stolz» - hinter den harmlos klingenden Namen verbergen sich chinesische Zigarettenmarken. Frau Qian Jinglai hat rund 50 Packungen der unterschiedlichen staatlichen Zigarettenmarken in ihrem Geschäft unter der großen Glastheke aufgereiht. Bis unter die Decke sind Kartons mit Zigarettenstangen gestapelt. «Rauchen ist ein Laster, aber auch ein gutes Geschäft», sagt sie. Seit elf Jahren betreibt sie ihr Fachgeschäft in der Pekinger Innenstadt. Aber zum 1. Juni will Chinas Hauptstadt mit einem der strengsten Nichtrauchergesetze der Welt gegen Nikotinsüchtige vorgehen.

China ist das Reich des Tabaks. In keinem Land der Welt werden so viele Zigaretten produziert, gleichzeitig bringt es die Volksrepublik mit 300 Millionen auch auf die mit Abstand größte Zahl an Rauchern. Hinter der gewaltigen Produktion von mehr als zwei Billionen Zigaretten jährlich steht der Staatskonzern China National Tobacco Corporation. Ein von der Zentralregierung garantiertes Monopol sichert der Firma ihr Milliardengeschäft und dem Staat florierende Einnahmen. Die Tabakindustrie macht jährlich rund sieben Prozent von Chinas Staatseinnahmen aus.

Das machte ein wirksames Vorgehen gegen die allgegenwärtigen Raucher fast unmöglich. Denn die Tabakmonopolbehörde wacht auf der einen Seite über die Gewinne aus dem Zigarettengeschäft, auf der anderen Seite ist sie für die Anti-Raucherkampagnen zuständig. Zigaretten sind so günstig, dass sie sich jeder in fast unbegrenzten Mengen leisten kann. Während die Einkommen der Bürger seit mehr als zwei Jahrzehnten deutlich wachsen, sind die Preise für Zigaretten nahezu konstant geblieben. Eine günstige Packung Kippen gibt es schon für umgerechnet 45 Cent.

Zum 1. Juni will Peking Tausende Aufseher losschicken, um ein neues Nichtrauchergesetz durchzusetzen. Rauchen ist dann in allen öffentlichen Gebäuden, Hotels, Restaurants, Kinos und mehr verboten. Die Regel gilt ohne Ausnahmen, das bedeutet, dass auch Lounges für Süchtige nicht gestattet sind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den 31. Mai zum Weltnichtrauchertag erklärt hat, begrüßt das Vorhaben. «Das neue Gesetz ist sehr gut. Es könnte einen positiven Einfluss auf das landesweite Anti-Rauchergesetz haben», sagt der Pekinger WHO-Chef Bernhard Schwartländer. Ein strengeres Gesetz für das ganze Land ist derzeit in Vorbereitung. «Die Staatseinnahmen aus der Tabakindustrie sind gewaltig, aber die Kosten für die Gesellschaft sind wesentlich höher», sagt Schwartländer.

Die Sonne scheint durch die großen Glasfenster in den Tabakladen von Frau Qian. Vor dem Fenster schlendert ein Mann vorbei und zündet sich eine Zigarette an. «Von den neuen Regeln habe ich noch nichts gehört», sagt er. «Aber mir wird niemand so schnell das Rauchen verbieten. Das gehört doch zu unserer Kultur.» Eine Hochzeit sei ohne die obligatorischen Zigarettengeschenke gar nicht vorstellbar.

Vor vier Jahren hatte Peking schon einmal versucht, ein strengeres Rauchverbot durchzusetzen. Bis heute hängen in vielen Restaurants der chinesischen Hauptstadt noch die Schilder mit der Aufschrift «Rauchen verboten». Die meisten Nikotinkonsumenten stört das wenig. Verqualmte Restaurants sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Diesmal rechnet die WHO mit wesentlich besseren Chancen für den Erfolg der Kampagne. «Dieses Mal sind die Strafen konkret festgelegt. Außerdem werden die Eigentümer der Geschäfte belangt. Das verspricht mehr Erfolg», sagt WHO-Chef Schwartländer. Trotzdem hält er die Umsetzung nicht für einfach: «Die Tabak-Industrie ist sehr clever. Wir erwarten große Widerstände.»

In China ist es sehr wichtig, welche Behörde hinter einer Verordnung steht. Im Fall der neuen Nichtrauchervorschriften ist es das Gesundheitsministerium. Im Gegensatz zum Umweltministerium gilt die Behörde als mächtig, denn sie ist auch für die Umsetzung der gelockerten Ein-Kind-Politik zuständig. Kontrolleure der Behörde sind für ihr drakonisches Vorgehen bekannt. Sie könnten daher wenig zimperlich mit unbeugsamen Rauchern umgehen.

Qian Jinglai setzt ein ernstes Gesicht auf. «Rauchen ist schlecht für die Gesundheit. Meinen 18 Jahre alten Sohn lasse ich keine Zigarette anfassen», sagt sie. Die Gefahren seien vielen Rauchern klar. Pekings Nichtrauchervorschriften rechnet sie trotzdem keine großen Chancen aus. «Am Anfang werden die Aufseher streng kontrollieren. Aber in ein paar Monaten redet da keiner mehr von.» So sei das immer gewesen.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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