Di, 2015-07-07 18:27
Havanna (dpa)

Dringender Friedensappell nach jüngster Gewaltwelle in Kolumbien

Havanna (dpa) - Nach der jüngsten Gewaltwelle in Kolumbien haben die Garantenstaaten des Verhandlungsprozesses einen dringenden Friedensappell an die Regierung und die linken Rebellen gerichtet. Es müsse wieder ein günstiges Klima für Gespräche geschaffen werden, schrieben die Regierungen Kubas und Norwegens an die Adresse der marxistischen Guerillaorganisation Farc und der kolumbianischen Regierung am Dienstag in Kubas Hauptstadt Havanna.

Ende Mai hatten die Farc-Rebellen als Antwort auf mehrere Angriffe des Militärs eine einseitige Feuerpause für beendet erklärt. Seitdem haben sie unter anderem Erdöl- und Stromleitungen in dem Andenstaat angegriffen.

Wegen der Eskalation sind die im Oktober 2012 in Oslo begonnenen und seit Ende 2012 in Havanna fortgeführten Friedensgespräche nach Ansicht des Chefunterhändlers der kolumbianische Regierung an einem Tiefpunkt angelangt. Für die Zeit der Verhandlungen war kein Waffenstillstand vereinbart worden. Die Gespräche sollen den vor mehr als 50 Jahren begonnenen Bürgerkrieg in Kolumbien beenden.

Di, 2015-07-07 18:23
Freital (dpa)

Freital und das Flüchtlingsheim - Darf man mit Rassisten reden? Von Martin Fischer, dpa

Seit Wochen sorgen die ausländerfeindlichen Proteste in Freital bei Dresden für Aufsehen. In der aufgeheizten Stimmung sollte eine Bürgerversammlung Druck vom Kessel nehmen. Gelungen ist das nicht.

Freital (dpa) - Besorgte Bürger sehen anders aus: Viele von denen, die da zur Bürgerversammlung ins Freitaler Kulturhaus gekommen sind, wollen nicht über Asyl diskutieren. Sie haben eine Meinung zu den Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft, und die schreien sie heraus. «Schmarotzer», «Wirtschaftsflüchtlinge», «Kriminelle». Die Politiker von Land, Kreis und Stadt, die am Montagabend mit ihnen über Sorgen und Probleme sprechen wollen, sind «Lügner». Zwei Mitbürgerinnen, die es trotz der aggressiven Stimmung im Saal wagen, ihre Stimme für Flüchtlinge und gegen stumpfe Ausländerfeindlichkeit zu erheben, werden niedergebrüllt; einer Frau wird das Mikrofon weggenommen.

Die Beschimpfungen und Vorurteile sind dieselben, die man in den vergangenen Wochen schon bei den Demonstrationen vor dem zur Asylunterkunft umgewandelten früheren Hotel «Leonardo» hören konnte, und die die Stadt vor den Toren Dresdens in die Schlagzeilen brachten.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) wird ausgebuht, noch bevor er die aktuelle Situation bei der Unterbringung der Flüchtlinge schildern kann. «Es gibt immer wieder Menschen, bei denen man den Eindruck hat, dass sie nicht bereit sind, Dinge aufzunehmen», sagt er später. Dennoch sei die Veranstaltung wichtig gewesen. Vor allem, da eine Gesprächsgrundlage für die weitere Kommunikation gefunden worden sei. Damit meint er ein Papier der Stadtrats-Fraktionsvorsitzenden, in dem sie sich gegen Rassismus und für ein friedliches Miteinander einsetzen. Als die Erklärung verlesen wird, gibt es Buh-Rufe.

Bei der Opposition im Landtag kommt Ulbigs Auftritt in Freital nicht gut an. Spätestens als der Frau von der Initiative für Weltoffenheit und Toleranz das Rederecht entzogen wurde, hätte er den Saal verlassen müssen, sagt Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt. «Mit dem Sitzenbleiben toleriert man einfach, dass der Mob das Sagen hat.»

«Ich glaube nicht, dass man mit Rassisten reden kann», sagt auch sein Grünen-Kollege Volkmar Zschocke. Wenn ältere Anwohner von «Schmarotzern» und dem «Abschaum der Nation» in Zusammenhang mit Flüchtlingen sprächen, zeige das, wie «brandgefährlich» die Situation in Freital sei. «Das sind ja nicht ausgemachte Neonazis.» Angesichts der Lage könne die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Klare Worte des Ministerpräsidenten seien gefragt.

Ulbig nennt Gebhardts Vorwurf «politische Stänkerei», schließlich habe er in Freital deutlich gemacht, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit inakzeptabel seien. Aber darf man mit Rassisten reden? «Was nicht sein kann, ist, dass der Eindruck entsteht, «je lauter wir dagegen sind, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterbringung an diesem Ort erfolgt»», sagt Ulbig. Deshalb habe er in Freital ja auch klar gemacht, dass die Erstaufnahmeeinrichtung in dem Ex-Hotel zumindest noch bis Ende des Jahres bestehen bleiben werde und die Verträge eventuell auch darüber hinaus noch verlängert werden könnten.

Den zornigen Asylgegnern im Saal und rund 100 weiteren, nicht minder wütenden Freitalern vor der Tür, die wegen Überfüllung gar nicht erst ins Kulturhaus eingelassen wurden, ist jeder Tag zu viel. Die Asylbewerber würden ihren Frieden stören. «Die verursachen nur Dreck und Müll und schmeißen alles aus dem Fenster», sagt eine Anwohnerin. Eine andere gibt an, wegen des Lärms nachts ohne Schlaftabletten kein Auge mehr zuzumachen. Geld würde «für Asylbewerber verschwendet» und fehle beim Kitabau oder für marode Schulen.

Die Forderung der Stadträte, dass anerkannte Flüchtlinge in Freital ein sicheres Zuhause finden müssten, klingt angesichts solcher Aussagen wie ein frommer Wunsch. «Wir müssen erst mal in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren», räumt Freitals Erster Bürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan (parteilos) ein. «Erst dann können wir uns um die Integration (der Flüchtlinge) kümmern.»

Di, 2015-07-07 17:56
London (dpa)

London gedenkt der Opfer des U-Bahn-Terrors von 2005

Knapp vier Jahre nach dem 11. September in den USA erlebte auch London sein Terror-Drama. Selbstmordattentäter sprengten sich in U-Bahnen und einem Doppeldecker-Bus in die Luft. Zehn Jahre danach gedenkt London seiner Toten.

London (dpa) - Mit Gottesdiensten, Kranzniederlegungen und Schweigeminuten hat Großbritannien am Dienstag der Opfer der Selbstmordanschläge auf U-Bahnen und Busse in London vor zehn Jahren gedacht. Am 7. Juli 2005 hatten vier Selbstmordattentäter in der morgendlichen Stoßzeit mehrere Sprengsätze gezündet und 52 Menschen in den Tod gerissen.

Mehr als 700 Menschen trugen zum Teil schwerste Verletzungen davon. Die Attentäter, die die Bomben in Rucksäcken trugen und sich auch selbst in die Luft sprengten, wurden später von den Sicherheitsbehörden dem Umfeld des Terrornetzwerkes Al-Kaida zugeordnet. Es war eine der Aufsehen erregendsten Terrorattacken nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten.

«Zehn Jahre mögen vergangen sein, aber unsere Erinnerung ist frisch», schrieb Londons Bürgermeister Boris Johnson auf eine Kondolenzkarte. «Heute kommt das Land zusammen, um der Opfer eines der tödlichsten Terroranschläge zu gedenken», sagte Cameron bei einer Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer im Hyde Park. «Die Bedrohung durch den Terrorismus ist genauso real wie sie tödlich ist», bemerkte er mit Blick auf den jüngsten Anschlag auf Touristen in Tunesien. Nahe der Stadt Sousse waren 30 Briten unter den 38 getöteten Urlaubern.

Prinz William kam während einer Gedenkveranstaltung im Hyde Park mit 400 Teilnehmern mit Überlebenden der Attentate und Angehörigen der Opfer zusammen. «Wir alle haben an diesem Tag unsere Unschuld verloren, unsere Naivität, den Gedanken, «so etwas könnte mir nie passieren»», sagte Emma Craig, die als 14-Jährige die Explosion in einem der U-Bahn-Züge überlebte. «London ist daran nicht zerbrochen, aber einige von uns.»

Anlässlich des Jahrestages hatten sich auch zahlreiche religionsübergreifende Initiativen aus Christen, Juden und Muslimen gebildet, die der Opfer gedachten und jegliche Anwendung terroristischer Gewalt verurteilten. Die Religionen seien vereint, «in dem Entschluss, das Übel des Terrorismus zu überwinden», sagte der anglikanische Bischof von London, Richard Chartres.

Viele Londoner legten an den betroffenen U-Bahnstationen Aldgate, Edgeware Road und Russel's Square Blumen nieder oder versammelten sich zu Schweigeminuten.

Die Attentäter stammten aus dem nordenglischen Leeds und hatten pakistanische Wurzeln. Sie hatten sich zuvor in der Stadt Luton nördlich von London aufgehalten, wo sich damals ein Teil der islamistischen Szene Großbritanniens getroffen hatte.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Di, 2015-07-07 18:47
Jüterbog (dpa)

Waldbrand vernichtet 200 Hektar Natur in Brandenburg

Jüterbog (dpa) - Ein Waldbrand hat etwa 200 Hektar Natur auf einer Militärbrache in Brandenburg vernichtet. Die Flammen loderten auch am Dienstag weiter. «Jetzt geht es darum, den Brandschutzstreifen zu halten und ein Überschwappen der Flammen auf ein Areal außerhalb des ehemaligen Schießplatzes zu verhindern», sagte der Brandenburger Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel der Deutschen Presse-Agentur.

Über dem ehemaligen Militärgelände «Altes Lager» bei Jüterbog hätten sich dichte Rauchschwaden gebildet. Vermutlich seien in der Hitze auf der Militärbrache erneut Blindgänger von allein detoniert, erklärte Engel. Bereits am Sonntag waren auf dem Areal 104 Hektar durch ein Feuer vernichtet worden. «Der Regen hat die Lage bis Montagmorgen ein wenig beruhigt. Das war aber nur von kurzer Dauer. Bis Dienstagabend sind insgesamt 200 Hektar abgebrannt.»

Nach Angaben der Regionalleitstelle Brandenburg/Havel waren mehr als 100 Feuerwehrleute und 45 Fahrzeuge im Löscheinsatz. Der Landkreis hat nach Angaben des Innenministeriums eine Koordinierungsgruppe zur Unterstützung der Rettungskräfte eingerichtet. Ein Polizeihubschrauber beobachtet aus der Luft das Brandgeschehen.

Di, 2015-07-07 18:07
Wien (dpa)

Iran-Atomgespräche werden verlängert

Der Verhandlungsmarathon mit dem Iran geht in eine weitere Verlängerung. Aus «jetzt oder nie» wurde «in einigen Tagen». Sind die Differenzen zwischen Teheran und dem Westen doch zu groß?

Wien (dpa) - Die Atomverhandlungen der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran werden noch einmal um einige Tage verlängert. Das teilten die sieben verhandelnden Staaten am Dienstag - wenige Stunden vor Ablauf einer Frist um Mitternacht - mit. Von einem Scheitern der Verhandlungen in Wien war aber nicht die Rede. «Wie erwartet ist es nicht einfach», sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. «Es gab Zeiten der Spannung, aber die Verhandlungen gehen weiter.» Eine neue Deadline wurde offiziell nicht genannt.

«Wir interpretieren die Frist flexibel», sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. «Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.» Vieles deutet aber darauf hin, dass die Verhandler bis zum Freitag (10. Juli) weiterarbeiten wollen. Bis dahin wurde eine Übergangslösung, der sogenannte «Gemeinsame Aktionsplan» verlängert. Mit dieser, ursprünglich im November 2013 in Genf geschlossenen und schon mehrmals verlängerten Vereinbarung hat der Iran den Ausbau seines Atomprogramms gestoppt. Dafür wurden einige Sanktionen gelockert.

Der Iran verhandelt mit der 5+1-Gruppe - das sind die UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland - über eine Begrenzung seines Atomprogramms. Es geht darum, dass Teheran keine Atombombe bauen kann. Der Iran will seinerseits die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen erreichen. Die Frist für eine Beilegung des Konflikts wurde schon mehrmals verlängert.

«Wir müssen die letzen, schwierigen politischen Punkte lösten», betonte Mogherini. Trotz Fortschritten gebe es noch sehr schwierige letzte Punkte zu klären, fügte sie hinzu. Auch wenn einige der Außenminister der beteiligten Länder nun zunächst abreisten, bedeute das keine Unterbrechung der Gespräche. Weiterhin sei das Ziel, in dieser Runde zu einem Abschluss zu kommen. «Wenn, dann jetzt», sagte Mogherini.

Einige Chefdiplomaten der 5+1-Gruppe wollen in den kommenden Tagen wieder zu Gesprächen nach Wien reisen. US-Außenminister John Kerry werde in Wien bleiben und weiter mit seinem iranischen Gegenpart Mohammed Dschawad Sarif verhandeln, teilte seine Sprecherin mit. «Wir sind mehr an der Qualität eines Übereinkommens interessiert, als am Zeitpunkt.» Frankreichs Außenminister Fabius kündigte an, am Mittwochabend wieder nach Wien reisen zu wollen.

Es blieben weniger als zehn offene Punkte, wurde der russische Außenminister Sergej Lawrow von russischen Medien zitiert. «Wir haben beträchtliche Fortschritte gemacht.» Die Experten der Delegationen arbeiteten daran, die strittigen Fragen auszuräumen.

Die Verlängerung hat Konsequenzen: Liegt dem US-Kongress eine Übereinkunft bis Donnerstag vor, hätten die Abgeordneten 30 Tage Zeit zur Überprüfung. Bei weiteren Verzögerungen verdoppelt sich diese Zeit, denn der Kongress geht dann in die Sommerpause. Das würde Gegnern eines Abkommens - besonders in den USA, im Iran und auch in Israel - mehr Zeit geben, die Übereinkunft zu torpedieren.

Knackpunkte der Verhandlungen sind das Ende der Sanktionen gegen iranische Raketenprogramme und Handelsverbote für konventionelle Waffen. Eine Übereinkunft in diesem Punkt sei besonders wichtig, sagte Lawrow.

Ungeklärt sind ferner Fragen zu den Zeiten für die Aufhebung weiterer Sanktionen. Auch Untersuchungen zur angeblichen früheren Atomwaffenforschung des Irans durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sind umstritten. Bei einem Besuch einer IAEA-Delegation in Teheran habe es aber Fortschritte in dieser Frage gegeben, berichten iranische Medien.

Di, 2015-07-07 17:17
Freital (dpa)

Freital und das Flüchtlingsheim - Darf man mit Rassisten reden? Von Martin Fischer, dpa

Seit Wochen sorgen die ausländerfeindlichen Proteste in Freital bei Dresden für Aufsehen. In der aufgeheizten Stimmung sollte eine Bürgerversammlung Druck vom Kessel nehmen. Gelungen ist das nicht.

Freital (dpa) - Besorgte Bürger sehen anders aus: Viele von denen, die da zur Bürgerversammlung ins Freitaler Kulturhaus gekommen sind, wollen nicht über Asyl diskutieren. Sie haben eine Meinung zu den Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft, und die schreien sie heraus. «Schmarotzer», «Wirtschaftsflüchtlinge», «Kriminelle». Die Politiker von Land, Kreis und Stadt, die am Montagabend mit ihnen über Sorgen und Probleme sprechen wollen, sind «Lügner». Zwei Mitbürgerinnen, die es trotz der aggressiven Stimmung im Saal wagen, ihre Stimme für Flüchtlinge und gegen stumpfe Ausländerfeindlichkeit zu erheben, werden niedergebrüllt; einer Frau wird das Mikrofon weggenommen.

Die Beschimpfungen und Vorurteile sind dieselben, die man in den vergangenen Wochen schon bei den Demonstrationen vor dem zur Asylunterkunft umgewandelten früheren Hotel «Leonardo» hören konnte, und die die Stadt vor den Toren Dresdens in die Schlagzeilen brachten.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) wird ausgebuht, noch bevor er die aktuelle Situation bei der Unterbringung der Flüchtlinge schildern kann. «Es gibt immer wieder Menschen, bei denen man den Eindruck hat, dass sie nicht bereit sind, Dinge aufzunehmen», sagt er später. Dennoch sei die Veranstaltung wichtig gewesen. Vor allem, da eine Gesprächsgrundlage für die weitere Kommunikation gefunden worden sei. Damit meint er ein Papier der Stadtrats-Fraktionsvorsitzenden, in dem sie sich gegen Rassismus und für ein friedliches Miteinander einsetzen. Als die Erklärung verlesen wird, gibt es Buh-Rufe.

Bei der Opposition im Landtag kommt Ulbigs Auftritt in Freital nicht gut an. Spätestens als der Frau von der Initiative für Weltoffenheit und Toleranz das Rederecht entzogen wurde, hätte er den Saal verlassen müssen, sagt Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt. «Mit dem Sitzenbleiben toleriert man einfach, dass der Mob das Sagen hat.»

«Ich glaube nicht, dass man mit Rassisten reden kann», sagt auch sein Grünen-Kollege Volkmar Zschocke. Wenn ältere Anwohner von «Schmarotzern» und dem «Abschaum der Nation» in Zusammenhang mit Flüchtlingen sprächen, zeige das, wie «brandgefährlich» die Situation in Freital sei. «Das sind ja nicht ausgemachte Neonazis.» Angesichts der Lage könne die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Klare Worte des Ministerpräsidenten seien gefragt.

Ulbig nennt Gebhardts Vorwurf «politisches Geplänkel», schließlich habe er in Freital deutlich gemacht, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit inakzeptabel seien. Aber darf man mit Rassisten reden? «Was nicht sein kann, ist, dass der Eindruck entsteht, «je lauter wir dagegen sind, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterbringung an diesem Ort erfolgt»», sagt Ulbig. Deshalb habe er in Freital ja auch klar gemacht, dass die Erstaufnahmeeinrichtung in dem Ex-Hotel zumindest noch bis Ende des Jahres bestehen bleiben werde und die Verträge eventuell auch darüber hinaus noch verlängert werden könnten.

Den zornigen Asylgegnern im Saal und rund 100 weiteren, nicht minder wütenden Freitalern vor der Tür, die wegen Überfüllung gar nicht erst ins Kulturhaus eingelassen wurden, ist jeder Tag zu viel. Die Asylbewerber würden ihren Frieden stören. «Die verursachen nur Dreck und Müll und schmeißen alles aus dem Fenster», sagt eine Anwohnerin. Eine andere gibt an, wegen des Lärms nachts ohne Schlaftabletten kein Auge mehr zuzumachen. Geld würde «für Asylbewerber verschwendet» und fehle beim Kitabau oder für marode Schulen.

Die Forderung der Stadträte, dass anerkannte Flüchtlinge in Freital ein sicheres Zuhause finden müssten, klingt angesichts solcher Aussagen wie ein frommer Wunsch. «Wir müssen erst mal in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren», räumt Freitals Erster Bürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan (parteilos) ein. «Erst dann können wir uns um die Integration (der Flüchtlinge) kümmern.»

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Di, 2015-07-07 17:03
Behrendorf (dpa)

Dutzende Rinder verenden qualvoll auf Bauernhof

Grässliche Szenen haben sich Kontrolleuren auf einem Bauernhof in Nordfriesland geboten. Sie entdeckten 25 tote Rinder. Einige lagen wohl seit Wochen in der Hitze. Aus der Ferne wirkte alles friedlich.

Behrendorf (dpa) - Mindestens zwei Dutzend vernachlässigte Rinder sind auf einem Bauernhof in Nordfriesland verendet. Die teilweise verwesten Kadaver lagen bei Behrendorf in Ställen, in dem der Kot eine Höhe von rund 40 Zentimetern erreicht hatte, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Noch lebende Rinder wurden bei einer Routinekontrolle am Donnerstag vergangener Woche in erbärmlichem Zustand angetroffen. Schon auf dem Hofplatz und später in mehreren Ställen entdeckten Vertreter des Kreisveterinäramtes und des Ordnungsamtes Viöl die Kadaver.

Rund 150 Rinder und einige Schafe hält der Landwirt aus Nordfriesland. Die Milch lieferte der Betrieb an eine Meierei. Nach Angaben des zuständigen Veterinäramte war der Viehbetrieb bei den Milchuntersuchungen nie negativ aufgefallen.

«Es hat auch keine Anrufe von Bürgern gegeben, die das Veterinäramt auf diesen Betrieb aufmerksam gemacht hätten», teilte die Behörde mit. Und weiter: «Von der Straße aus hätte ein Passant dem Betrieb nichts angesehen: Auf der Hauskoppel liefen gesunde Rinder, es gab aus der Ferne keine besonderen Auffälligkeiten.»

Die offensichtlichen Mängel in der Tierhaltung fielen erst bei einer Routinebesichtigung am 1. Juli auf. Tags darauf rückten Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes an. Die Kontrolleure fanden insgesamt 25 verendete Rinder und 3 tote Schafe vor. Zum Teil waren nur noch Knochen übrig. Es sei mit noch mehr Kadavern zu rechnen, sagte ein Sprecher des Umweltschutzdienstes der Polizei.

Dem Besitzer wurde das Halten von Schafen und Rindern sofort verboten. Die noch lebenden Tiere musste er umgehend abgeben und die Ställe räumen. Sie kamen in andere Betriebe oder werden geschlachtet. «Man braucht sehr viel Disziplin und Selbstüberwindung, um Tierkadaver einzusammeln, die teils seit Tagen oder Wochen in der Hitze gelegen haben», sagte Kreisveterinär Dieter Schulze.

Gegen den Halter leiteten die Behörden ein Verfahren nach dem Tierschutzgesetz. Die Umweltpolizei will in Absprache mit dem Kreisveterinäramt Strafanzeige gegen ihn stellen. Ihm drohen eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft.

Di, 2015-07-07 17:39
Warschau/Berlin (dpa)

Auschwitz-Komitee: Ruck der Mitmenschlichkeit gegen Fremdenhass nötig

Warschau/Berlin (dpa) - Nach den Tumulten gegen Flüchtlinge während einer Bürgerversammlung im sächsischen Freital hat das Internationale Auschwitz Komitee vor Gleichgültigkeit gegen Fremdenhass gewarnt. «Es muss jetzt ein neuer Ruck der Mitmenschlichkeit durch Deutschland gehen», forderte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident der Organisation von Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. «Kein Demokrat sollte gleichgültig und tatenlos zusehen, wie sich ausländerfeindliche und rassistische Tendenzen immer weiter in die Gesellschaft hineinfressen.»

Die Grenzen des Zumutbaren seien überschritten, betonte Heubner am Dienstag. «Längst behetzen rechte Gruppen Bürger in der Mitte der Gesellschaft und jagen sie in Hass und Ausländerfeindlichkeit hinein.» Politik, Gewerkschaften, Medien und Kirchen seien gefordert, gemeinsame Zeichen für Toleranz zu setzen.

Auschwitz-Überlebende verfolgten Ereignisse wie in Freital mit großer Sorge, sagte Heubner: «Menschen, die in ihrem Leben unbarmherzig verfolgt wurden, deren Angehörige in den KZ-Todeslagern ermordet wurden und die bis heute das Erlebte nicht vergessen können, warnen eindringlich vor einer neuen Entwicklung rechter Gewalt in Deutschland und Europa.»

Di, 2015-07-07 16:54
Lüneburg (dpa)

Rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung

Lüneburg (dpa) - Angeklagte in Strafprozessen haben nach Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention ein Recht darauf, dass ihr Verfahren innerhalb angemessener Fristen verhandelt wird. Sind die Strafverfolgungsbehörden dazu nicht in der Lage - obwohl die Voraussetzungen dafür gegeben sind - spricht man von rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung. Sie kann sich sowohl auf die Dauer des Prozesses als auch auf die Zeit bis zur Anklageerhebung beziehen. Eine solche Verzögerung, die den Angeklagten belastet, muss das Gericht bei der Urteilsfindung berücksichtigen. Dies kann dazu führen, dass die Vollstreckungsdauer der Freiheitsstrafe verkürzt wird - der Angeklagte kommt früher aus dem Gefängnis.

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Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Di, 2015-07-07 17:29
Kabul (dpa)

Afghanische Delegation will in Pakistan mit Taliban verhandeln

Kabul (dpa) - Eine afghanische Delegation ist zu Friedensgesprächen mit den radikalislamischen Taliban in die pakistanische Hauptstadt Islamabad gereist. Das erklärte das Büro des Präsidenten Aschraf Ghani am Dienstag via Twitter. Details waren zunächst nicht bekannt. Das Treffen folgt mehreren informellen Begegnungen in den vergangenen Monaten zwischen afghanischen Vertretern und den Taliban in Katar, Norwegen und China.

Die radikalislamischen Taliban hatten Ende April eine Offensive gegen die Truppen der vom Westen unterstützten Zentralregierung in Kabul gestartet. Seither starben Hunderte Soldaten, Taliban und Zivilisten. Beobachter fürchten, dass es einer der verlustreichsten Sommer seit zehn Jahren werden könnte.

Di, 2015-07-07 16:20
Aden/Genf (dpa)

UN verurteilt tödlichen Angriff auf Flüchtlingsunterkunft im Jemen

Aden/Genf (dpa) - Die Vereinten Nationen haben den tödlichen Raketenangriff auf eine Flüchtlingsunterkunft im Süden Jemens verurteilt. Wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte, waren bei dem Bombardement auf einen umfunktionierten Kindergarten in der Stadt Aden elf Somalier und ein äthiopischer Staatsbürger gestorben - unter den Opfern waren auch fünf Kinder. Weitere zwölf Flüchtlinge seien bei dem Vorfall am Samstagabend verletzt worden.

«Das UNHCR verurteilt Angriffe auf Zivilisten im Jemen», hieß es in einer Mitteilung. Das Flüchtlingshilfswerk betonte, dass es allgemein bekannt gewesen sei, dass die von der Organisation unterstützte Unterkunft Flüchtlinge beherberge. Wer für die Tat verantwortlich ist, wurde nicht bekannt.

Aden, Jemens zweitgrößte Stadt, ist zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen, die weite Teile des Landes kontrollieren, und Anhängern des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi umkämpft. Ein saudisch geführtes Bündnis bombardiert seit Ende März Stellungen der Huthis und ihrer Verbündeten. Nach gescheiterten Friedensgesprächen bemühen sich die UN momentan darum, mit den Konfliktparteien eine humanitäre Feuerpause auszuhandeln.

Di, 2015-07-07 16:54
Wien (dpa)

Iran-Atomgespräche werden verlängert

Der Verhandlungsmarathon mit dem Iran geht in eine weitere Verlängerung. Aus «jetzt oder nie» wurde «in einigen Tagen». Sind die Differenzen zwischen Teheran und dem Westen doch zu groß?

Wien (dpa) - Die Atomverhandlungen der internationalen Gemeinschaft mit dem Iran werden noch einmal um einige Tage verlängert. Das teilten die sieben verhandelnden Staaten am Dienstag - wenige Stunden vor Ablauf einer Frist um Mitternacht - mit. Von einem Scheitern der Verhandlungen in Wien war aber nicht die Rede. «Wie erwartet ist es nicht einfach», sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. «Es gab Zeiten der Spannung, aber die Verhandlungen gehen weiter.» Eine neue Deadline wurde offiziell nicht genannt.

«Wir interpretieren die Frist flexibel», sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. «Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.» Vieles deutet aber darauf hin, dass die Verhandler bis zum Freitag (10. Juli) weiterarbeiten wollen. Bis dahin wurde eine Übergangslösung, der sogenannte «Gemeinsame Aktionsplan» verlängert. Dafür wurden einige Sanktionen gelockert.

Der Iran verhandelt mit der 5+1-Gruppe - das sind die UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland - über eine Begrenzung seines Atomprogramms. Es geht darum, dass Teheran keine Atombombe bauen kann. Der Iran will seinerseits die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen erreichen. Die Frist für eine Beilegung des Konflikts wurde schon mehrmals verlängert.

«Wir müssen die letzen, schwierigen politischen Punkte lösten», betonte Mogherini. Trotz Fortschritten gebe es noch sehr schwierige letzte Punkte zu klären, fügte sie hinzu. Auch wenn einige der Außenminister der beteiligten Länder nun zunächst abreisten, bedeute das keine Unterbrechung der Gespräche. Weiterhin sei das Ziel, in dieser Runde zu einem Abschluss zu kommen. «Wenn, dann jetzt», sagte Mogherini.

Einige Chefdiplomaten der 5+1-Gruppe wollen in den kommenden Tagen wieder zu Gesprächen nach Wien reisen. US-Außenminister John Kerry werde in Wien bleiben und weiter mit seinem iranischen Gegenpart Mohammed Dschawad Sarif verhandeln, teilte seine Sprecherin mit. «Wir sind mehr an der Qualität eines Übereinkommens interessiert, als am Zeitpunkt.» Frankreichs Außenminister Fabius kündigte an, am Mittwochabend wieder nach Wien reisen zu wollen.

Es blieben weniger als zehn offene Punkte, wurde der russische Außenminister Sergej Lawrow von russischen Medien zitiert. «Wir haben beträchtliche Fortschritte gemacht.» Die Experten der Delegationen arbeiteten daran, die strittigen Fragen auszuräumen.

Die Verlängerung hat Konsequenzen: Liegt dem US-Kongress eine Übereinkunft bis Donnerstag vor, hätten die Abgeordneten 30 Tage Zeit zur Überprüfung. Bei weiteren Verzögerungen verdoppelt sich diese Zeit, denn der Kongress geht dann in die Sommerpause. Das würde Gegnern eines Abkommens - besonders in den USA, im Iran und auch in Israel - mehr Zeit geben, die Übereinkunft zu torpedieren.

Knackpunkte der Verhandlungen sind das Ende der Sanktionen gegen iranische Raketenprogramme und Handelsverbote für konventionelle Waffen. Eine Übereinkunft in diesem Punkt sei besonders wichtig, sagte Lawrow.

Ungeklärt sind ferner Fragen zu den Zeiten für die Aufhebung weiterer Sanktionen. Auch Untersuchungen zur angeblichen früheren Atomwaffenforschung des Irans durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sind umstritten. Bei einem Besuch einer IAEA-Delegation in Teheran habe es aber Fortschritte in dieser Frage gegeben, berichten iranische Medien.

Di, 2015-07-07 16:13
Wien (dpa)

Wenn Fristen zur Farce werden: Atomgespräche werden erneut verlängert Von Matthias Röder, dpa

Lange Gesichter statt fristgerechten Jubels: Die Atomverhandlungen mit dem Iran werden zum x-ten Mal verlängert - diesmal um mehrere Tage. Dabei gilt die aktuelle Runde als bisher größte Chance.

Wien (dpa) - «Bitte holen Sie ihre neuen Zimmerschlüssel so früh wie möglich an der Rezeption ab.» Als das Foto aus dem Wiener Nobel-Hotel «Imperial» auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Runde machte, wurde schon klar: Wenn die US-Delegation ihre mehr als 70 Zimmer dort verlängert, gehen die Atomgespräche mit dem Iran wieder einmal nicht fristgerecht zu Ende.

Eine halbe Stunde später trat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Dienstag vor die Presse. Auf der brutheißen Straße vor dem Verhandlungsort Palais Coburg kündigte sie spürbar unentspannt eine mehrtägige Verlängerung an. Wieder nichts mit einem historischen Atom-Deal zwischen der internationalen Gemeinschaft und der Islamischen Republik - zumindest nicht bis zum eigentlichen Frist-Ende am Dienstag um Mitternacht.

Dabei war die Zuversicht für ein Ende dieses Polit- und Verhandlungsdramas allenthalben groß. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte die «einmalige Chance» hervorgehoben. Andere Delegationen aus den sieben beteiligten Nationen bliesen ins gleiche Horn. Ein Atom-Abkommen sei fast fertig, glaubten Twitterer zu wissen. Das Ringen um eine Übereinkunft, die den Iran auf lange Zeit am etwaigen Bau einer Atombombe hindert und ihm zugleich den Weg zurück in die Weltgemeinschaft ebnet, war fast am Ziel. 

Doch bis zur eigentlichen Frist waren eben doch nicht alle Steine aus dem Weg zu räumen. Zu den letzten Hürden gehörte die zeitliche Abfolge entscheidender Schritte: Soll erst die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) durch Kontrollen bestätigen, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich ziviler Natur ist und sollen erst danach die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden? Das will die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland).

Oder soll die internationale Gemeinschaft bereits vor einer IAEA-Prüfung die Finanzsanktionen und das Ölembargo aufheben? Das will der Iran. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif spricht dabei gerne von der «Phase des Vertrauens», die endlich anbrechen müsse. Das entspricht nicht unbedingt der Lesart der Verhandlungspartner. Der Iran hat als Unterstützer extremistischer und terroristischer Gruppen keinen guten Ruf - auch wenn die Sehnsucht nach einem diplomatischen Erfolg in diesen globalen Krisenzeiten alle Außenminister umtreibt.

Derweil kann sich Israel die Hände reiben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der schärfste Kritiker einer Annäherung des Westens an den Iran - und glaubt dem Erzfeind in Teheran kein Wort. Die israelische Tageszeitung «Haaretz» berichtet über eine geplante Polit- und Medienkampagne in den USA. «Die Schlacht ist noch nicht verloren», zitiert das Blatt nach ungenannten Quellen einen Satz von Netanjahu.

Dafür hat Israel nun mehr Zeit. Denn eine - immer noch mögliche - Einigung nach dem 9. Juli verdoppelt die Dauer der Prüfphase im US-Kongress auf 60 Tage. Was immer unter den Augen der 600 akkreditierten Journalisten aus 30 Ländern in Wien herauskommt: Es wäre eine Übereinkunft unter Dauerbeschuss.  

Di, 2015-07-07 16:15
Lüchow (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg)

Atommüll: Bundeswirtschaftsminister für Nachschusspflicht

BI hegt Zweifel und fordert Taten

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will die Stromkonzerne nicht aus ihrer finanziellen Verantwortung für die Atommüllentsorgung entlassen, berichtet das Nachrichtenmagazin Spiegel."Die AKW-Betreiber müssen sämtliche Kosten für den Rückbau gemäß dem Verursacherprinzip tragen", sagte der SPD-Politiker. Dieser Grundsatz dürfe auch durch Umstrukturierungen in den Konzernen nicht ausgehebelt werden.

Seit Jahren fordern Umweltverbände und Anti-Atom-Initiativen einen öffentlich-rechtlichen Fonds, in den die Atomstromer die Rückstellungen für den Abriss von Atomkraftwerken und die Endlagerung einzahlen sollten. Bisher verbuchen Vattenfall, E.on, RWE und EnBW rund 38 Milliarden Euro. Den Verdacht, dass sie durch Umstrukturierungen sich ihrer finanziellen Verantwortung entziehen wollen, konnten sie nicht zerstreuen.

"Im Gegenteil: E.on gründet für die Kohle- und Atomsparte eine Bad Bank, der schwedische Mutterkonzern Vattenfall hat sich bereits aus der Verantwortung für die deutschen Kraftwerke entzogen und RWE liebäugelt mit ähnlichen Neustrukturierungen", hält die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) fest. Dass die 38 Milliarden Euro die Kosten nur zur Hälfte decken, sagte Gabriel offensichtlich nicht.

Wenn der Wirtschaftsminister jetzt eine "Nachschusspflicht" für Atomkonzerne ins Gespräch bringt, damit die Unternehmen tatsächlich alle Kosten für den Abriss von Atomkraftwerken und die Atommüllentsorgung zahlen, so höre man das gern. "Wir fordern derartige Schritte mantrahaft, allein uns fehlt der Glaube, die Politik muss endlich liefern, bevor es zu spät ist ", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. In der Kohlepolitik sei Gabriel auch vor den Konzernen eingeknickt. "Das sind schließlich die gleichen Player".

Di, 2015-07-07 16:15
Berlin (Oxfam)

Schleppender Wiederaufbau in Gaza untergräbt Friedenschancen

Ein Jahr nach dem Waffenstillstand: Entwicklungsorganisation besorgt über Folgen der Blockadepolitik

Zum Jahrestag des Waffenstillstands in Gaza hat die Entwicklungsorganisation Oxfam den schleppenden Wiederaufbau und die anhaltend schlechten Lebensbedingungen kritisiert. Gaza hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten der Welt: Zwei Drittel (67,9 Prozent) der Bevölkerung unter 24 Jahre haben keine Arbeit, selbst unter Akademikern liegt die Rate bei 40 Prozent. Für die, die Arbeit haben, sind seit Beginn der israelischen Blockade im Jahr 2007 die Löhne erheblich gesunken. 80 Prozent der Bevölkerung in Gaza sind abhängig von internationaler Unterstützung, viele von Krieg und Blockade traumatisierte Jugendliche benötigen psychosoziale Hilfe.

Auch der Wiederaufbau stockt: Zwar sind mittlerweile einige beschädigte Gebäude repariert, aber kein einziges der im vergangenen Krieg zerstörten Häuser ist wiederaufgebaut. Zwanzig Schulen und Kindergärten liegen nach wie vor in Trümmern, ebenso wie Krankenhäuser und andere wichtige Infrastruktur. Beim jetzigen Aufbautempo würde es über 70 Jahre dauern, bis alle in Gaza benötigten Wohnhäuser wieder hergestellt sind. Die verschiedenen politischen Palästinensergruppen müssen zusammenarbeiten, damit der Wiederaufbau gelingen kann.

Robert Lindner, Nahost-Experte von Oxfam Deutschland, kommentiert: „Durch Krieg und Blockade verlieren wir in Gaza gerade eine ganze Generation. Wenn es Hoffnung geben soll, den Gaza-Konflikt zu lösen, brauchen junge Menschen eine lebenswerte Perspektive – Bildung, Arbeit, Hoffnung für ihre Familien. Gaza benötigt umgehenden Wiederaufbau sowie Bewegungs- und Handelsfreiheit für die Bevölkerung. Für langfristigen Frieden sind wirtschaftliche Entwicklung und die Wahrung von Grundrechten unabdingbar; das aber gibt es nur, wenn die Blockade durch Israel und die Grenzschließung durch Ägypten beendet werden.“

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

Keine Anzeige!

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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