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Di, 2015-08-04 16:29
Francisco (dpa)

Feuer springt über Highway - Rückschlag in Kalifornien

An den Feuerfronten in Kalifornien ist keine Entspannung in Sicht. Ganz im Gegenteil. Ein Brand bei San Francisco frisst sich in knochentrockenem Wald-und Buschland rapide voran. Sprühende Funken lösen immer neue Feuerherde aus.

San Francisco (dpa) - Die Feuerwehr in Kalifornien hat einen Rückschlag erlitten: Ein heftiger Busch- und Waldbrand bei San Francisco breitet sich ungeachtet aller Löschversuche weiter aus. Das Feuer sprang am Montagabend (Ortszeit) über einen Highway, der Brandbekämpfern bisher als Schneise gedient hatte, wie der «San Francisco Chronicle» berichtete.

Das sogenannte Rocky Fire rund 160 Kilometer nördlich der Küstenmetropole hat schon ungefähr 250 Quadratkilometer Wald- und Buschland vernichtet. Etwa 13 000 Menschen flohen aus ihren Häusern. Der Brand ist der größte von 21 Feuern, die zurzeit im dürregeplagten US-Westküstenstaat lodern, und war am Dienstagmorgen (Ortszeit) erst zu 12 Prozent eingedämmt.

Am Montagnachmittag hatten etwas kühlere Temperaturen und nachlassender Wind den etwa 3000 eingesetzten Feuerwehrleuten zunächst geholfen, den Brand bei San Francisco in Schach zu halten. Dann änderte sich dem «Chronicle» zufolge die Windrichtung plötzlich. Funken seien über die Köpfe der Brandbekämpfer auf die andere Seite des Highways geflogen und hätten im Nu das knochentrockene Gras in Flammen gesetzt.

«Es gab zu viele Feuerstellen, um damit mithalten zu können», zitierte die Zeitung Carl Schwettmann von der kalifornischen Waldbehörde. Angesichts der extremen Trockenheit fräßen sich die Flammen mit hoher Geschwindigkeit voran.

Di, 2015-08-04 16:18
Genf (dpa)

UNHCR-Direktor: «Wirtschaftsmigranten» blockieren Asylsysteme

Weltweit fliehen immer mehr Menschen vor Gewalt und Verfolgung. Gleichzeitig hoffen auch etliche Menschen aus ärmeren Staaten auf eine Zukunft etwa in Mitteleuropa. Der Europa-Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks plädiert für effizientere Asylsysteme.

Genf (dpa) - «Wirtschaftsmigranten», die kaum Chancen auf Asyl haben, sollten nach Ansicht des Europa-Direktors des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) schneller in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden. «Es braucht faire und effiziente Systeme, die Asylanträge schnell bearbeiten und nicht schutzbedürftige Menschen zurückschaffen», sagte Vincent Cochetel im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutschland sei dies etwa ein Problem. «Nur wenige europäische Länder haben in den vergangenen zwei Jahren so viel getan wie Deutschland», sagte Cochetel. «Viele Asylsuchende aus dem Balkan blockieren aber das System, da sie keinen internationalen Schutz benötigen. Sie sollten schneller zurückgeschafft werden, um Platz für wirklich Schutzbedürftige zu gewähren.»

Nur so verstehe die Bevölkerung, dass diejenigen, die blieben, wirklich schutzbedürftig seien, sagte Cochetel weiter. «Das ist die beste Antwort an fremdenfeindliche Leute.»

Der größte Teil an Flüchtlingen und Zuwanderern in die EU kam 2015 laut UNHCR mit Booten in Italien oder Griechenland an. Die meisten der Flüchtlinge stammten aus Syrien, sehr viele Menschen kamen außerdem aus Afghanistan und Eritrea. Die überwiegende Mehrheit von ihnen sei wegen Krieg, Konflikten und Verfolgung geflohen.

Die Empfangssituation in Griechenland sei «fürchterlich», sagte Cochetel. Flüchtlinge müssten selbst nach Wasser, Essen und Obdach suchen. Wegen den Sparmaßnahmen fehle das Personal, um Hilfsgüter schnell zu verteilen. Dieses Jahr hätten von über 110 000 Ankömmlingen nur 5000 Asyl in Griechenland gesucht. «Viele wurden nicht richtig registriert und gingen irregulär weiter in andere europäische Länder.» Griechenland und auch Italien müsse mehr Solidarität entgegengebracht werden. «EU-Politiker müssen entscheiden, ob sie einen geregelten Prozess wollen oder das jetzige Chaos».

Di, 2015-08-04 16:52
Minsk/Moskau (dpa)

Warten auf Waffenabzug in der Ostukraine - Kiew warnt vor Eskalation

Der Friedensprozess in der Ostukraine steckt in der Sackgasse. Tiefes Misstrauen verhindert bei Gesprächen der Konfliktparteien einen Durchbruch. Kiew warnt die Separatisten vor Wahlen, die den Prozess vollends scheitern lassen könnten.

Minsk/Moskau (dpa) - Im Kriegsgebiet Ostukraine kommt der vereinbarte Waffenabzug von der Frontlinie nicht voran. Die Konfliktparteien konnten sich auch bei rund zehnstündigen Gesprächen nicht auf die Einzelheiten verständigen, wie Separatistensprecher Wladislaw Dejnego am Dienstag in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sagte. Er machte die ukrainische Regierung für die Verzögerung verantwortlich. Die prowestliche Führung in Kiew wies dies zurück. Bei weiteren Gefechten in der Konfliktregion wurden fünf Soldaten getötet und acht verletzt.

Der Kreml wies Berichte über angebliche russische Soldaten im Unruhegebiet erneut zurück. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten mitgeteilt, ein Kämpfer in Reihen der Aufständischen habe sich als Angehöriger einer russischen Fallschirmjägerbrigade bezeichnet. Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte mit Skepsis. «Das muss man prüfen, aber in der Vergangenheit fanden sich für solche Behauptungen nie Beweise», sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin der Agentur Tass zufolge.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warnte die prorussischen Aufständischen mit Nachdruck vor selbst organisierten Kommunalwahlen in den Separatistengebieten. Die für Oktober geplante Abstimmung könnte den Friedensprozess zum Scheitern bringen. Wegen zunehmender Spannungen in der Ostukraine befahl der Staatschef der Armeeführung, auch auf eine mögliche neue Eskalation der Gewalt gefasst zu sein.

In Minsk bekräftigte Separatistensprecher Dejnego, die Verhandlungen über eine entmilitarisierte Zone würden fortgesetzt. Dabei soll auch über einen weiteren Gefangenenaustausch sowie über einen Sonderstatus der von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Donezk und Luhansk diskutiert werden. Der OSZE-Vertreter in der Ukraine-Kontaktgruppe, Martin Sajdik, mahnte eine Wiederherstellung der von Gefechten ruinierten Wasserversorgung an. Eine Expertengruppe werde Zisternen und Rohre untersuchen, kündigte der österreichische Diplomat an.

Inmitten des schweren Konflikts appellierte der Bürgermeister der sibirischen Millionenstadt Omsk öffentlich für mehr «Vernunft». Dass es etwa beim Jahrmarkt in seiner Stadt Schießbuden mit Poroschenko-Zielscheiben gebe, gefalle ihm gar nicht, sagte Wjatscheslaw Dworakowski. «Das weckt nur weiteren Hass», meinte er.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Di, 2015-08-04 16:11
Rom (dpa)

Tödliche Flucht: Mehr als 2000 Migranten sterben 2014 im Mittelmeer

Sie erstickten, ertranken oder verdursteten: Über 2000 Migranten sind in diesem Jahr auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Die gefährlichste Route für Flüchtlinge führt von Libyen nach Italien.

Rom (dpa) - Mehr als 2000 Migranten sind in diesem Jahr bislang bei ihrer Flucht über das Mittelmeer nach Europa ums Leben gekommen. Das sind knapp 400 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag mitteilte. Damit sei der Weg über das Mittelmeer die gefährlichste Route für Menschen, die ihre Heimat in der Hoffnung auf ein besseres Leben verließen. Demnach kamen die meisten Menschen bei der Flucht von Libyen nach Italien ums Leben.

«Es ist nicht hinnehmbar, dass im 21. Jahrhundert Menschen, die vor Konflikten, Verfolgung und Elend fliehen, solche schrecklichen Erfahrungen in ihrer Heimat machen müssen, ganz zu schweigen von denen unterwegs, um dann an der Türschwelle zu Europa sterben», sagte IOM-Generaldirektor William Lacy Swing. Im gesamten vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Hilfsorganisation im Mittelmeer 3279 Menschen ums Leben, bis August waren es 1607. Ein Grund für die steigenden Zahlen sind die meist eingesetzten nicht seetüchtigen Boote der Schleuser, die die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen erhöhen.

Obwohl in Italien mit etwa 97 000 und in Griechenland mit 90 500 in diesem Jahr bislang in etwa die gleiche Zahl an Bootsflüchtlingen angekommen ist, sterben deutlich mehr Menschen auf dem Weg nach Italien. Etwa 1930 Menschen waren es auf dieser Route, auf dem Weg nach Griechenland etwa 60.

IOM berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, vergangene Woche seien 19 Menschen wegen Erschöpfung und Durst ums Leben gekommen, nachdem ihr Trinkwasser verwendet werden musste, um den überhitzten Motor des Bootes zu kühlen.

Positiv bewertet die Hilfsorganisation die Ausweitung der EU-Grenzschutzmissionen «Triton», deren Budget nach einem der bislang schlimmsten Flüchtlingsdramen mit mehreren Hundert Toten im April verdreifacht worden war. Auch deutsche Schiffe beteiligen sich an den Rettungseinsätzen im Mittelmeer. Den Angaben der IOM zufolge sind in diesem Jahr bislang 188 000 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Di, 2015-08-04 16:05
München (dpa)

Noch kein Lichtblick für BMW in China

Der neue BMW-Chef hat die Anleger mit seiner ersten Zwischenbilanz enttäuscht: In China läuft es weiter mau, in den USA verlangen die Käufer Rabatte, hohe Investitionen drücken auf den Gewinn. Es gibt aber auch eine positive Botschaft.

München (dpa) - Die sinkende Nachfrage in China und höhere Investitionen haben BMW die Quartalsbilanz verhagelt - dennoch hält der Autobauer an seiner Jahresprognose fest. Der Absatz und das Ergebnis vor Steuern sollen um mindestens fünf Prozent steigen.

«Wir halten Kurs für unsere Ziele im Gesamtjahr 2015», sagte der neue Vorstandschef Harald Krüger zur Vorlage seiner ersten Zwischenbilanz am Dienstag in München. Allerdings sei auf dem wichtigsten Markt China keine Besserung in Sicht. Und das zweite Halbjahr werde von noch höheren Investitions- und Entwicklungskosten geprägt sein.

Die Börse reagierte enttäuscht, die BMW-Aktie gab spürbar nach. Von April bis Juni verkaufte der Oberklasse-Anbieter zwar deutlich mehr Autos und steigerte den Umsatz dank des schwachen Euro um ein Fünftel auf 24 Milliarden Euro. Aber das Betriebsergebnis im Auto-Kerngeschäft fiel gleichzeitig um 16 Prozent.

Dazu trug auch der ungünstigere Fahrzeug-Mix bei - BMW verkaufte mehr Minis und kleine BMWs wie den neuen 2er-Van, die weniger Rendite abwerfen als große Wagen. Das erfolgreiche Kredit- und Leasinggeschäft konnte die Lücke nur teilweise ausgleichen: Unter dem Strich sank der Konzerngewinn um 1 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro.

BMW verkauft derzeit jedes fünfte Fahrzeug in China. Auf dem bisher besonders profitablen Markt hatten BMW und Audi im Juni aber weniger Autos verkauft als vor einem Jahr, während der Konkurrent Mercedes kräftig zulegen und seinen Rückstand verkleinern konnte. Krüger sagte: «In China sehen wir keine zusätzlichen Nachfrage-Impulse - eher das Gegenteil.» Wegen der Kaufzurückhaltung und des schärferen Wettbewerbs sei «auch das Preisniveau in China unter Druck geraten», wie Finanzvorstand Friedrich Eichiner erklärte.

Zweistellige Wachstumsraten könnten zwar kein Dauerzustand sein, aber «die Normalisierung verläuft schneller als erwartet», sagte Eichiner. Um übervolle Höfe bei den BMW-Händlern zu vermeiden, wurde die Produktion des 3ers in China bis zum Start des überarbeiteten Modells gedrosselt. In den nächsten Monaten baut BMW Lagerbestände ab. Die Händler, die ihr Geld bisher mit dem Verkauf von Neuwagen verdienen, sollen nun das Gebrauchtwagen-, Kredit- und Servicegeschäft ausbauen.

«China bleibt für uns ein bedeutender Markt mit Potenzial», betonte Krüger. Investitionen in ein neues Motorenwerk und die Erweiterung der lokalen Produktion von drei auf sechs Modelle habe das Ergebnis des Gemeinschaftsunternehmens in China jedoch stark gedrückt.

Weil Hersteller von China in die Vereinigten Staaten auswichen, werde «der Wettbewerb in USA intensiver, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise», sagte Krüger. Der Forderung nach Rabatten könne man sich nicht entziehen. Am erfolgreichsten war BMW in Europa unterwegs - hier macht der Autobauer 44 Prozent seines Geschäfts.

Seit Januar hat BMW weitere 3200 Stellen geschaffen und beschäftigt jetzt weltweit 119 500 Mitarbeiter - mehr als 83 000 davon in Deutschland. Neben gestiegenen Personalkosten belasten vor allem höhere Investitionen und Entwicklungskosten den Konzern. Spartanburg in den USA wird gerade für eine Milliarde Dollar ausgebaut und soll nächstes Jahr Dingolfing als größte BMW-Fabrik ablösen. Für eine weitere Milliarde Dollar wird ein Werk in Mexiko errichtet.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 3 Prozent und sollen im zweiten Halbjahr weiter zulegen, wie Eichiner ankündigte. Ein großer Baustein dabei ist die Digitalisierung des Autos. Soeben haben BMW, Audi und Mercedes gemeinsam für 2,8 Milliarden Euro Nokias Kartendienst Here gekauft - «die Basis für neue Assistenzsysteme bis hin zum automatisierten Fahren», erklärte Krüger.

Auch um den CO2-Ausstoß zu senken, werde investiert. BMW bringt zudem in diesem Jahr 15 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt - im Herbst startet etwa der neue 7er als Flaggschiff. «Wir streben 2015 bei den Auslieferungen und dem Konzernergebnis vor Steuern weiterhin solide Zuwächse auf jeweils neue Bestmarken an», sagte Eichiner - also Zuwächse von mindestens 5 Prozent. Im Fall von Hiobsbotschaften aus China sei eine neue Prognose aber nicht auszuschließen.

Di, 2015-08-04 16:26
Erbil (dpa)

Bericht: Tausende Jesiden ein Jahr nach IS-Überfall weiter vermisst

Erbil (dpa) - Ein Jahr nach dem Überfall der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die religiöse Minderheit der Jesiden im Nordirak werden nach kurdischen Angaben noch immer fast 3000 Menschen vermisst. Wie das Nachrichtenportal Rudaw am Dienstag unter Berufung auf Behörden der irakischen Autonomieregion Kurdistan berichtete, sollen mindestens 2500 verschleppte Jesiden noch am Leben, aber in der Gewalt der Dschihadisten in Syrien oder im Irak sein. 1850 Jesiden seien freigekommen - häufig gegen Lösegeld. Die Behörden befürchten demnach, dass rund 1000 jesidische Männer schon tot sind.

Im August 2014 hatte der IS-Vormarsch im Irak auch Zehntausende kurdische Jesiden in die Flucht getrieben. Viele retteten sich zunächst ins Sindschar-Gebirge (kurdisch: Schingal) nahe der syrischen Grenze, wo sie aber von Hunger und Durst geplagt, bei über 40 Grad Celsius auf Hilfe warteten. In der Region lebten damals die meisten der weltweit etwa 800 000 Jesiden - rund 500 000.

IS-Extremisten sehen Angehörige dieser Gemeinschaft als «Teufelsanbeter» an: Viele Männer, die nicht fliehen konnten, wurden geköpft, Frauen vergewaltigt und zwangsverheiratet. Im Internet tauchten Bilder auf, die zeigten, wie Jesidinnen auf Sklavenmärkten verkauft wurden.

Di, 2015-08-04 16:05
Celle (dpa)

IS-Anwerber löste Sog unter radikalen Wolfsburger Muslimen aus

Mit Gebetstreffen beginnt die Radikalisierung junger Muslime in Wolfsburg. Ein Anwerber des Islamischen Staates habe dann von einem neuen Land nur für Muslime geschwärmt und eine Ausreisewelle nach Syrien in Gang gesetzt, sagt ein IS-Rückkehrer vor Gericht aus.

Celle (dpa) - Ein IS-Anwerber soll in Wolfsburg immer mehr junge Muslime in seinen Bann gezogen und für die Terrorgruppe Islamischer Staat begeistert haben. Der angeklagte IS-Rückkehrer Ayoub B. berichtete am Dienstag in seinem Prozess vor dem Oberlandesgericht Celle, der Mann habe von einem neuen, gerechten Staat nur für Muslime erzählt, der Unterstützung brauche. Der Aufbruch erster radikalisierter Wolfsburger Muslime nach Syrien habe eine Sogwirkung auf andere der Gruppe ausgeübt, so dass immer mehr dorthin gereist seien. Manche hätten vom Dschihad, andere von humanitärer Hilfe gesprochen, sagte der 27-Jährige in seiner Vernehmung aus.

Bekannt gewesen sei, dass der aus Syrien gekommene Anwerber zunächst eine Al Kaida nahestehende Terrorgruppe unterstützt habe. Wegen seiner großen Kenntnis des Islams sei er «der wissende Bruder» genannt und von allen der Gruppe geliebt worden. «Jeder wollte sein bester Kumpel sein.» Geschickt habe der Anwerber alle um den Finger gewickelt, sagte Ayoub B..

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen IS-Heimkehrern Ayoub B. und Ebrahim H. B. (26) die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Ayoub B. ist auch wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt, weil er an Kampftrainings teilgenommen und laut Anklage auch zur Waffe gegriffen haben soll. Ebrahim H. B. stand nach den Ermittlungen kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen.

«Ich würde lügen wenn ich sage, ich bin blind nach Syrien gegangen», sagte der 27-jährige Deutsch-Tunesier Ayoub B., dem es nach eigenen Angaben aber nicht um den bewaffneten Kampf sondern um das Studium des Islams ging. «Du wirst die Lichter der Türkei sehen, du kannst jederzeit zurück», sei ihm weiß gemacht worden. «Er hat nicht gesagt, dass Leute geköpft und versklavt werden und Muslime sich untereinander umbringen.»

Die radikalen Umtriebe in Wolfsburg seien in der tunesischen Moschee, in deren Vorstand sein Vater sitze, schnell aufgefallen, sagte der Angeklagte. Der Prediger und einige andere, die einen radikalen Islam vertreten, hätten dort Hausverbot erhalten. Sein Vater habe ihn vor diesen Männer gewarnt und klar von Terroristen gesprochen. Die Gruppe traf sich daraufhin in der türkischen Moschee, wo man nicht verstand, was sie auf Arabisch besprachen.

Di, 2015-08-04 16:49
Celle (dpa)

Aufbruch in ein neues Land: IS-Prediger mobilisierte in Wolfsburg Von Michael Evers, dpa

Es herrschte euphorische Aufbruchstimmung: Unter radikalisierten Wolfsburger Muslimen warb ein IS-Prediger für die Ausreise nach Syrien. Es entstand ein Sog, sagt ein Rückkehrer vor Gericht.

Celle (dpa) - Fast drei Stunden lang sagt der wegen Terrorverdachts angeklagte IS-Rückkehrer Ayoub B. vor dem Oberlandesgericht Celle aus. Detailreich gibt der 27-jährige Deutsch-Tunesier am Dienstag Einblick, wie Dutzende junge Wolfsburger in die Fänge des Islamischen Staates gerieten. Nur auf die Frage, ob er sich auch wegen seiner Verlobten Gedanken gemacht habe, bleibt er eine Antwort schuldig.

Eltern und der Moscheevorstand warnten demnach vergeblich vor der Gefahr. Immer mehr radikalisierte Muslime - später nannte man sie die Wolfsburger Zelle - brachen nach Syrien auf. Ayoub B. und der Mitangeklagte Ebrahim H. B. (26) kamen zurück nach Niedersachsen, viele andere sind tot.

Ein charismatischer Prediger, «der wissende Bruder», habe die Gruppe radikalisierter Muslime in seinen Bann gezogen, erzählt Ayoub B. Weil sie mit ihrem radikalen Gerede in der tunesischen Moschee rausflogen, trafen sie sich in der türkischen Moschee, wo niemand sie verstand. Sein Vater sei gegen die Salafisten gewesen. Er habe von Terroristen gesprochen und ihn gewarnt, dass er in Syrien sterben werde, sagt der 27-Jährige. Aber der Prediger habe ihm versichert, dass die alten Leute nichts vom Islam verstünden. Allerdings sei Einigen bekannt gewesen, dass der Prediger zunächst wohl eine Al Kaida nahestehende Terrorgruppe unterstützte.

«Das ist der wahre Islam, alle kommen rüber gerade, das ist ein neues Land», habe der Prediger gesagt und euphorisch für eine Reise in das IS-Gebiet geworben. «Der geht, der geht, der vielleicht, da wollte ich auch mit», beschreibt der Angeklagte den Sog, der unter den jungen Muslimen im Laufe des vergangenen Jahres entstand.

Manche redeten von humanitärer Hilfe, andere vom Heiligen Krieg, auf jeden Fall wussten die Männer, dass die Polizei sie im Visier hatte, meint Ayoub. Auch weil klar war, dass viele Eltern sich damals bereits um ihre radikalisierten Kinder sorgten, fädelten sie die Ausreise im Geheimen ein. «Du wirst die Lichter der Türkei sehen, Du kannst jederzeit zurück», sei ihm vorgegaukelt worden, sagt Ayoub, dem es nach eigenen Worten nur um das Studium des Islams ging.

Wie ein Terrorist sieht der schmächtige Ayoub mit seinem schwarzen Lockenkopf eigentlich nicht aus. Differenziert kann er seinen Weg vom Jugendlichen mit Schul- und Drogenproblemen bis hin aufs Schlachtfeld im Irak und zurück in die deutsche Haft beschreiben. Immer wieder muss er lachen und bringt auch Gericht und Zuhörer mit mancher Schilderung zum Schmunzeln. Voller Widersprüche ist auch, was er zu seinem Leben sagt. «Aladin-Hosen trage ich nicht, ich habe Designer-Klamotten», begründet er seine Ablehnung der für Salafisten typischen Hosen. «Wieso ist ein Auto auf Kredit haram (aus muslimischer Sicht tabu), wie soll ich mir sonst einen Audi leisten?»

Anders als sein Mitangeklagter habe er nicht von vier Frauen gleichzeitig und einem tollen Auto in Syrien geträumt. Mit seinem Gehalt und Job bei Volkswagen hätte er sich daheim gleich zwei Geländewagen leasen können. Und auch bei seiner Reise zu seiner Verlobten gab er sich eher weltlich: Den Islamistenbart rasierte er sich ab und beschaffte sich ein Cabriolet - «weiß, schwarze Sitze, Leder», wie er dem Richter erläutert.

Di, 2015-08-04 16:06
Berlin/Nürnberg (dpa)

Zusätzliche Entscheidungszentren für schnellere Asylverfahren

Um die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen zu senken, wird seit längerem über eine Beschleunigung der Asylverfahren debattiert. Das zuständige Bundesamt will das Tempo nun noch einmal erhöhen.

Berlin/Nürnberg (dpa) - Mit vier neuen Entscheidungszentren will das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Berg von unbearbeiteten Asylanträgen abbauen. «In den Entscheidungszentren finden keine Anhörungen und kein Publikumsverkehr statt, sondern wir werden tatsächlich nur über die anhängigen Verfahren entscheiden», sagte der Chef des Bundesamtes, Manfred Schmidt, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. In Nürnberg habe die erste derartige Einrichtung bereits ihre Arbeit aufgenommen. Weitere Zentren seien in Berlin und Unna geplant sowie in Mannheim oder Freiburg.

Ende Juni lag die Zahl der noch nicht entschiedenen Asylverfahren bei knapp 240 000. Durch die neuen Zentren mit jeweils 50 Entscheidern erhofft sich Schmidt einen beschleunigten Abbau des Bergs von Altanträgen. Vor allem sollen dort Asylanträge aus Syrien, Eritrea und dem Irak bearbeitet werden, wo die Schutzquote bei knapp 100 Prozent liegt.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen warb dafür, Armutsflüchtlinge mit geringen Asyl-Chancen schneller in ihre Heimatländer zurückzubringen. «Nur so versteht die Bevölkerung, dass diejenigen, die bleiben, wirklich schutzbedürftig sind», sagte UNHCR-Europadirektor Vincent Cochetel der dpa. «Das ist die beste Antwort an fremdenfeindliche Leute.»

Unterdessen reißt die Diskussion um finanzielle Hilfen für die Bundesländer und Kommunen nicht ab. So forderte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) in der Tageszeitung «Die Welt» eine feste Pauschale für jeden einzelnen Flüchtling. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel machte sich in Berlin dafür stark, die Zuschüsse des Bundes für die Flüchtlingshilfe mindestens zu verdoppeln: «Wir stehen vor einer der größten innenpolitischen Herausforderungen, die Deutschland aber auch gemeinsam bewältigen kann.»

Der Linken gehen derartige Vorschläge nicht weit genug. «Es ist notwendig, die Kosten vollständig auf den Bund zu übertragen», sagte die innenpolitische Sprecherin der Bundestags-Linksfraktion, Ulla Jelpke. Damit hätte das aufwendige «Auseinanderpuzzeln» von Kosten und Zuständigkeiten ein Ende, und die Kommunen müssten nicht mehr um zusätzliches Geld betteln.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) veröffentlichte am Dienstag neue Zahlen. Demnach starben allein in diesem Jahr mehr als 2000 Bootsflüchtlinge auf dem Weg über das Mittelmeer. Für Migranten sei es inzwischen die tödlichste Route, berichtete die IOM. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum seien insgesamt 1607 Migranten gestorben, im Gesamtjahr 2014 seien es 3279 gewesen. Die meisten Opfer habe es in den beiden Jahren in der Straße von Sizilien auf der Strecke zwischen Italien und Libyen gegeben, hieß es weiter. Von Schleppern eingesetzte, nicht seetüchtige Boote hätten erheblich zu den Opferzahlen beigetragen.

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Di, 2015-08-04 16:35
Damaskus/Bagdad (dpa)

Al-Kaida verschleppt US-nahe Rebellen - Tausende Jesiden vermisst

Im syrischen Bürgerkrieg setzt die USA auf gemäßigte Rebellen, die den Dschihadisten nach und nach Paroli bieten. Doch Al-Kaida-treue Milizen machen Washington einen Strich durch die Rechnung.

Damaskus/Bagdad (dpa) - Die USA haben beim Aufbau einer gemäßigten Rebellentruppe in Syrien einen weiteren Rückschlag erlitten. Wie die syrischen Beobachter für Menschenrechte am Dienstag mitteilten, verschleppten Kämpfer der dschihadistischen Al-Nusra-Front in der nördlichen Provinz Idlib mindestens fünf Mitglieder der sogenannten «Division 30». In dieser Gruppe kämpfen von den USA ausgebildete Rebellen gegen Terrorgruppen in Syrien.

Die in der Türkei von US-Soldaten ausgebildete Einheit soll in Syrien vor allem gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen. Die USA wollen dafür jährlich rund 5000 syrische Rebellen ausbilden. Weil das Militär aber Probleme hat, vertrauenswürdige Kämpfer zu finden und diese dann auch noch unbeschadet durch das Bürgerkriegsgebiet in die Türkei zu schaffen, sind US-Medienberichten zufolge bisher nur 54 Mann trainiert worden.

Am vergangenen Donnerstag war bereits der Kommandeur der Brigade, Nadim al-Hassan, gemeinsam mit sieben weiteren Kämpfern nördlich von Aleppo in die Hände der Al-Kaida-nahen Miliz gefallen. Einen Tag später wurden bei Gefechten zwischen den islamischen Extremisten und den Rebellen sechs Angehörige der Division getötet.

In der nordirakischen Autonomieregion Kurdistan wurde derweil an den Überfall der IS-Dschihadisten auf die religiöse Minderheit der Jesiden vor einem Jahr erinnert. Wie das Nachrichtenportal Rudaw unter Berufung auf kurdische Behörden berichtete, sollen mindestens 2500 verschleppte Jesiden noch am Leben, aber in der Gewalt der Dschihadisten in Syrien oder im Irak sein. 1850 Jesiden seien freigekommen - häufig gegen Lösegeld.

Im August 2014 hatte der IS-Vormarsch Zehntausende kurdische Jesiden in die Flucht getrieben. Viele retteten sich ins Sindschar-Gebirge (kurdisch: Schingal) nahe der syrischen Grenze, wo sie aber von Hunger und Durst geplagt, bei über 40 Grad Celsius auf Hilfe warten mussten. In der Region lebten damals die meisten der weltweit etwa 800 000 Jesiden - rund 500 000.

IS-Extremisten sehen Angehörige dieser Gemeinschaft als «Teufelsanbeter» an: Viele Männer, die nicht fliehen konnten, wurden geköpft, Frauen vergewaltigt und zwangsverheiratet. Im Internet kursierten Bilder, die Jesidinnen auf Sklavenmärkten zeigten.

Di, 2015-08-04 16:47
Brüssel (dpa)

EU ist tief besorgt über Entwicklungen in der Türkei

Brüssel (dpa) - Die eskalierende Gewalt in der Türkei sorgt in der Europäischen Union zunehmend für Beunruhigung. In einem Gespräch mit dem türkischen EU-Minister Volkan Bozkir brachte EU-Kommissar Johannes Hahn jetzt die «tiefe Besorgnis der EU über die jüngsten Entwicklungen» zum Ausdruck. Diese hätten eine negative Auswirkung auf den Friedensprozess mit den Kurden.

Die EU erkenne an, dass die Türkei ein Recht darauf habe, auf Terrorismus zu reagieren, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Die Antwort müsse allerdings angemessen und zielorientiert sein und dürfe nicht den demokratischen politischen Dialog im Land gefährden.

«Wir erwarten von der Türkei, dass sie ihrer wichtigen und strategischen Bedeutung für die gesamte Region gerecht wird, indem sie alles unterlässt, was zu einer weiteren Destabilisierung der Region führen könnte», kommentierte Hahn.

Di, 2015-08-04 16:47
York (dpa)

Bis zu Morddrohungen: Bilder von Großwildjagd lösen Empörung aus

New York (dpa) - Nur Tage nach dem Jagdtod des Löwen Cecil in Simbabwe hat eine Facebook-Seite mit Bildern einer Großwildjagd Empörung in der Internetgemeinde ausgelöst - die Kommentare gehen hin bis zu kaum verholenen Morddrohungen. Adressatin ist eine Frau aus Idaho, die sich Sabrina Corgatelli nennt und mehrere Bilder von sich bei einer Großwildjagd in Afrika postete. Besonders empört reagierten Betrachter auf ein Foto, auf dem die Frau neben einer Giraffe posiert, die sie angeblich gerade geschossen hatte.

«Alle Kommentare, die Dich Miststück oder Bastard nennen, werden Dir nicht gerecht. Du bist viel weniger als das», heißt es in Kommentaren. Andere nennen sie «seelenlos», «widerlich», «krank» oder «einfach nur zum Kotzen» und machen sich über das Aussehen der Frau lustig. Es gibt Drohungen wie «So eine wie Du lebt gefährlich» und «Du solltest künftig gut aufpassen, wo Du hingehst» oder andere, die ihr ein Koma wünschen oder schreiben, man solle die Frau töten, um Tiere zu retten. Sachliche Beiträge gibt es praktisch gar nicht.

Corgatelli, die auch vehement ein liberales Waffenrecht auf ihrer Seite verteidigt, hatte sich zuvor im US-Fernsehen geäußert: «Jeder denkt, wir sind herzlose Jäger. Aber da gibt es eine Verbindung und nur weil wir sie jagen, heißt es nicht, dass wir sie nicht respektieren», sagte sie der NBC-Sendung «Today». Giraffen seien «gefährliche Tiere, die einen schnell sehr ernst verletzen können». Auf ihrer Facebook-Seite argumentierte sie mit der Bibel: «In der Genesis heißt es: Jedes lebende Geschöpf sei Dir Nahrung.»

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Di, 2015-08-04 16:22
Rom (dpa)

Tödliche Flucht: Mehr als 2000 Migranten sterben 2015 im Mittelmeer

Sie erstickten, ertranken oder verdursteten: Über 2000 Migranten sind in diesem Jahr auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Die gefährlichste Route für Flüchtlinge führt von Libyen nach Italien.

Rom (dpa) - Mehr als 2000 Migranten sind in diesem Jahr bislang bei ihrer Flucht über das Mittelmeer nach Europa ums Leben gekommen. Das sind knapp 400 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag mitteilte. Damit sei der Weg über das Mittelmeer die gefährlichste Route für Menschen, die ihre Heimat in der Hoffnung auf ein besseres Leben verließen. Demnach kamen die meisten Menschen bei der Flucht von Libyen nach Italien ums Leben.

«Es ist nicht hinnehmbar, dass im 21. Jahrhundert Menschen, die vor Konflikten, Verfolgung und Elend fliehen, solche schrecklichen Erfahrungen in ihrer Heimat machen müssen, ganz zu schweigen von denen unterwegs, um dann an der Türschwelle zu Europa sterben», sagte IOM-Generaldirektor William Lacy Swing. Im gesamten vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Hilfsorganisation im Mittelmeer 3279 Menschen ums Leben, bis August waren es 1607. Ein Grund für die steigenden Zahlen sind die meist eingesetzten nicht seetüchtigen Boote der Schleuser, die die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen erhöhen.

Obwohl in Italien mit etwa 97 000 und in Griechenland mit 90 500 in diesem Jahr bislang in etwa die gleiche Zahl an Bootsflüchtlingen angekommen ist, sterben deutlich mehr Menschen auf dem Weg nach Italien. Etwa 1930 Menschen waren es auf dieser Route, auf dem Weg nach Griechenland etwa 60.

IOM berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, vergangene Woche seien 19 Menschen wegen Erschöpfung und Durst ums Leben gekommen, nachdem ihr Trinkwasser verwendet werden musste, um den überhitzten Motor des Bootes zu kühlen.

Positiv bewertet die Hilfsorganisation die Ausweitung der EU-Grenzschutzmissionen «Triton», deren Budget nach einem der bislang schlimmsten Flüchtlingsdramen mit mehreren Hundert Toten im April verdreifacht worden war. Auch deutsche Schiffe beteiligen sich an den Rettungseinsätzen im Mittelmeer. Den Angaben der IOM zufolge sind in diesem Jahr bislang 188 000 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Di, 2015-08-04 16:29
Kairo (dpa) 

Fünf tote Zivilisten durch Rakete auf dem Sinai

Kairo (dpa) - Bei dem Einschlag einer Rakete in ein Haus auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel sind fünf Zivilisten getötet worden. Weitere fünf Menschen seien bei dem Angriff am Dienstag nahe der Stadt Scheich Suweid verletzt worden, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte am Dienstag. Demnach sollte das Geschoss eigentlich einen Kontrollpunkt der Armee in dem militärischen Sperrgebiet treffen, verfehlte diesen aber.

Es sei zunächst unklar gewesen, wer die Rakete abgefeuert habe. Auf dem Sinai verüben Extremisten - unter anderem von einem Ableger der Terrormiliz IS - regelmäßig Anschläge auf Sicherheitskräfte. Bei einem IS-Angriff Anfang Juli waren insgesamt mehr als 100 Menschen gestorben. Die Armee startete daraufhin eine Gegenoffensive und berichtet regelmäßig von vielen getöteten Extremisten. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen nicht.

Di, 2015-08-04 14:57
Marseille (dpa)

Reederei CMA CGM: Eröffnung des neues Suez-Kanals ein großes Ereignis

Marseille (dpa) - Die weltweit drittgrößte Containerreederei CMA CGM hat die bevorstehende Eröffnung des Neuen Suez-Kanals als großes Ereignis bewertet. «Unsere Schiffe nutzen diese strategische Route, um den Hauptmärkten dieser Welt täglich zu dienen», sagte Nicolas Sartini, Chef der Asien-Europa-Dienste bei CMA CGM, in Marseille. «Der Verkehr wird durch den Neuen Kanal noch flüssiger und die Transitzeiten verkürzen sich, so dass wir unseren Kunden zukünftig einen verbesserten und verlässlicheren Service bieten können.» Im vergangenen Jahr fuhren Containerschiffe der Gruppe 637mal durch den Kanal.

Der Neue Kanal wird am Donnerstag (6.8.) mit 5000 Gästen vom ägyptischen Staatspräsidenten eröffnet. In einjährigen Bauarbeiten wurde eine Parallelstrecke von 34 Kilometern zum alten Kanal gebaut sowie die Breite des Kanals auf 37 Kilometer Länge verdoppelt. Die Kapazität soll sich bis 2023 von heute durchschnittlich 49 auf 97 Schiffe täglich verdoppeln. Die Strecke von Singapur nach Rotterdam verkürzt sich nach Angaben der Reederei um 6000 Kilometer oder neun Tage, verglichen mit der Route um Afrika. Liniendienste zwischen Asien und Europa sparen dadurch 44 Prozent CO2.

Ähnlich wie die französische Großreederei äußerte sich auch die deutsche Schifffahrtsbranche. «Täglich durchfahren mehrere deutsche Handelsschiffe den Suezkanal», sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reedern (VDR). «Bisher mussten sie bis zu einem halben Tag warten, um den Kanal im Konvoi zu passieren. Die Erweiterung erleichtert die Durchfahrt, weil sich Schiffe nun begegnen können und die Wartezeiten entfallen.»

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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