Di, 2015-04-28 07:27
Singapur (dpa)

Ölpreise gefallen

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Dienstag gefallen. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Morgen 64,11 US-Dollar und damit 72 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI sank um 78 Cent auf 56,21 Dollar.

Händler verwiesen auf die weltweit reichliche Versorgung mit Rohöl. Saudi-Arabien will zudem seine hohe Fördermenge beibehalten. Der Ölmarkt sei in einem «exzellenten Zustand», und man wolle die Kunden weiter zufriedenstellen, ließ das Ölministerium des Königreichs verlauten. Die Weigerung des Landes, seine Fördermenge zu drosseln, gilt als eine der Ursachen der seit Mitte 2014 stark gefallenen Ölpreise.

Di, 2015-04-28 05:58
Kathmandu (dpa) 

Zehntausende verlassen nach Erdbeben Kathmandu

In Nepals Hauptstadt Kathmandu mangelt es drei Tage nach dem schweren Erdbeben an allem: Strom, Wasser, Essen. Zehntausende Menschen verlassen die Stadt. Doch in den Dörfern könnte es noch schlimmer sein.

Kathmandu (dpa) - Auf der Suche nach Wasser und Nahrung haben Zehntausende Menschen das von einem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen. Die nepalesische Zeitung «Himalayan Times» gab ihre Zahl am Dienstag mit mehr als 72 000 an. In der Hauptstadt des Himalaya-Landes gebe es derzeit keinen Strom und kaum Trinkwasser, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision vor Ort. Bei dem Himalaya-Erdbeben starben mindestens 3900 Menschen.

Alle großen Geschäfte und Banken in Kathmandu seien geschlossen, sagte Ewert. «Außerdem wollen viele Menschen in ihre Heimatdörfer fahren und schauen, wie es ihren Familien geht.» Auf Fotos waren Lastwagen und Busse voller Menschen zu sehen. Lokale Medien sprachen mit vielen Bewohnern, die sich bitter über die mangelnde Vorbereitung und Koordination der Behörden beklagten. Auch würden die Hilfsgüter nicht gleichmäßig verteilt.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile Nepals sowie die angrenzenden Länder Indien und das chinesische Tibet erschüttert. Auf chinesischer Seite stieg die Zahl der Toten auf 25; in Indien starben 72 Menschen. Im Bebengebiet leben nach UN-Angaben etwa 6,6 Millionen Menschen. Wie viele davon wirklich stark betroffen sind, ist laut Ewert noch nicht abzusehen. Seine Organisation höre immer wieder, dass im Epizentrum die meisten Häuser zerstört seien. «Aber die Region ist noch völlig unzugänglich.»

Am frühen Morgen starteten mehrere Flugzeuge von Kathmandu und machten somit Parkpositionen für ankommende Flieger frei. Der einzige internationale Flughafen Nepals war am Vortag wegen des Andrangs überlastet. Mehrere Maschinen mit Hilfsgütern und Helfern mussten umkehren. Viele Touristen konnten auch nicht ausfliegen. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen schicken auch Teams über beschwerlichen Landweg in die betroffenen Gebiete - von Indiens Hauptstadt Neu Delhi dauert es drei bis fünf Tage.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef machte darauf aufmerksam, dass vom Beben auch eine Million Kinder betroffen sind. Sie litten besonders unter Naturkatastrophen, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, der «Passauer Neuen Presse». «Etwa 40 Prozent aller Kinder in Nepal sind chronisch mangelernährt. Sie sind ohnehin geschwächt. Wenn sie nun einige Nächte bei Regen draußen in der Kälte verbringen müssen, können sie leicht gefährliche Atemwegserkrankungen bekommen», warnt Schneider. Auch Durchfallerkrankungen könnten zum Problem werden.

Di, 2015-04-28 05:25
Kathmandu (dpa) 

Zehntausende verlassen nach Erdbeben Kathmandu

Kathmandu (dpa) - Auf der Suche nach Wasser und Nahrung haben Zehntausende Menschen das von einem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen. Die nepalesische Zeitung «Himalayan Times» gab ihre Zahl am Dienstag mit mehr als 72 000 an. In der Hauptstadt des Himalaya-Landes gebe es derzeit keinen Strom und kaum Trinkwasser, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision vor Ort. Alle großen Geschäfte und Banken seien geschlossen. «Außerdem wollen viele Menschen in ihre Heimatdörfer fahren und schauen, wie es ihren Familien geht», sagte Ewert. Auf Fotos waren völlig überladene Lastwagen und Busse zu sehen, die Kathmandu verließen.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile Nepals sowie die angrenzenden Länder Indien und China erschüttert. Im Bebengebiet leben nach UN-Angaben etwa 6,6 Millionen Menschen. Wie viele davon wirklich stark betroffen sind, ist laut Ewert noch nicht abzusehen. Seine Organisation höre immer wieder, dass im Epizentrum die meisten Häuser zerstört seien. «Aber die Region ist noch völlig unzugänglich.»

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2015-04-28 05:31
Hamburg (dpa)

Spektakuläre Aktionen von Rüdiger Nehberg

Hamburg (dpa) - Der Menschenrechtler und Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg hat viele Abenteuer erlebt. Einige spektakuläre Aktionen:

- Blauer Nil: Nach einem ersten Versuch 1970 gelingt Nehberg 1972 die Erstbefahrung des Blauen Nils in Äthiopien. Bei einer weiteren Fahrt 1975 wird sein Kameramann Michael Teichmann erschossen.

- Deutschlandmarsch: 1981 wandert er 1000 Kilometer ohne Geld und Nahrung von Hamburg nach Oberstdorf. Er trainiert damit für das Überleben im brasilianischen Regenwald, wo er Kontakt zu den bedrohten Yanomami-Indianern aufnimmt.

- Atlantik: 1987 überquert er per Tretboot den Atlantik, 1992 segelt er mit einem Bambusfloß, im Jahr 2000 auf einer 18 Meter langen, massiven Tanne - alles Aktionen für das Überleben der Yanomami.

- Urwald: 2003 lässt sich Nehberg von einem Hubschrauber per Seil im brasilianischen Regenwald absetzen - ohne Ausrüstung und Nahrung. Alles was er braucht, soll der Urwald liefern. Er baut sich ein Floß, treibt einen Fluss abwärts und findet nach rund drei Wochen zurück.

- Karawane der Hoffnung: 2005 ziehen Nehberg und seine Lebensgefährtin Annette Weber mit einer Kamelkarawane 500 Kilometer von Oase zu Oase durch die mauretanische Wüste. Damit wollen sie ein neues religiöses Rechtsgutachten (Fatwa) bekanntmachen. Die Botschaft steht in weißer Schrift auf grünen Fahnen: «Der Islam sagt Nein zur weiblichen Genitalverstümmelung. Sie ist Sünde.»

Di, 2015-04-28 05:00
London (dpa)

Wahl in Großbritannien: Schottland dominiert die Debatte Von Michael Donhauser, dpa

Die schottischen Nationalisten schöpfen Kraft aus dem verlorenen Unabhängigkeitsreferendum. Nach der Wahl am 7. Mai erlangen sie laut Umfragen auch in ganz Großbritannien großes Gewicht. Die Regierungsbildung dürfte dies erschweren.

London (dpa) - Großbritannien hatte einiges durchzustehen in den vergangenen 100 Jahren: Zwei Weltkriege, die Abdankung eines Königs und mehrere verlorene Elfmeterschießen der englischen Fußball-Nationalelf. Das mit Abstand Schlimmste aber - glaubt man den Mitgliedern der Konservativen Partei von Premierminister David Cameron - könnte noch bevorstehen: ein Bündnis der sozialdemokratischen Labour-Partei mit der ebenfalls sozialdemokratischen Schottischen Nationalpartei (SNP) nach der Parlamentswahl am 7. Mai.

Die Stärke der schottischen Nationalisten ist die eigentliche Sensation des Wahlkampfes 2015 - auch wenn Experten die jetzige Verwunderung nicht immer nachvollziehen können. «Schottland hat 2011 mit 45 Prozent für die SNP gestimmt, Schottland hat 2014 mit 45 Prozent für die Unabhängigkeit gestimmt - warum sollte es jetzt nicht wieder 45 Prozent für die SNP geben?», fragt etwa Professor John Curtice von der schottischen Universität Strathclyde.

Das gesamte Parteienspektrum stellt sich die Frage: Welcher Wind weht aus den Highlands nach dem 7. Mai in Richtung Süden? Die SNP könnte dafür verantwortlich sein, dass Großbritannien keine stabile Regierung bilden kann.

Gut eine Woche vor der Abstimmung, die Meinungsforscher als knappste seit Jahrzehnten bezeichnen, ist im Wahlkampf die Zeit der Sprücheklopfer angebrochen. Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson verglich die Schottische Nationalpartei mit dem historischen König Herodes, dem man eine Kindereinrichtung anvertraue. Seine Tory-Parteifreundin, Innenministerin Theresa May, legte nun nach und erklärte, ein Bündnis von Labour-Chef Ed Miliband mit der charismatischen SNP-Vorsitzenden Nicola Sturgeon würde die «größte Verfassungskrise seit der Abdankung von König Edward VIII.» im Jahr 1936 auslösen. Und das, obwohl Sturgeon gar nicht zur Wahl steht.

Der Grund für die Aufregung bei den Konservativen liegt auf der Hand. Kaum eine Umfrage oder Projektion sieht derzeit eine Konstellation, in der David Cameron nach dem 7. Mai nochmals eine Mehrheit für eine zweite Amtszeit in der Downing Street zusammenbringen könnte. Sein Labour-Herausforderer Ed Miliband kann dagegen auf eine vergleichsweise stabile Mehrheit hoffen - wenn er denn die Schotten mit an Bord nimmt. Da diese allerdings auch nach dem verlorenen Referendum im vergangenen Jahr die Abspaltung ihres Landesteils von Großbritannien anstreben, gelten sie im politischen London als Staatsfeinde.

Das Volk jedoch scheint anders zu denken, als das politische Establishment. Nicola Sturgeon (44), gefeierte Rednerin und seit einem halben Jahr Ministerpräsidentin im Land von Karo und Dudelsack, ist zum Superstar des Wahlkampfes geworden. In allen landesweiten Fernsehdebatten schnitt sie überdurchschnittlich gut ab. Viele Engländer wollen in Sozialen Netzwerken wissen: «Kann ich auch die SNP wählen?»

Sturgeons Mischung aus Rebellentum, mutigen Versprechen und klarer sozialdemokratischer Linie scheint zu verfangen. Zu ihrem Programm gehören höhere Steuern für Reiche Umweltschutz. Ihr Auftreten ist bisher taktisch ohne Fehl und Tadel. Die Blazer in täglich wechselnder Farbgebung scheinen - anders als die Stilettos - von Angela Merkel kopiert zu sein. Nur halt eine Nummer kleiner.

Sturgeon hält ihre Partei in der schottischen Heimat konstant zwischen 40 und über 50 Prozent der Stimmen. Nach Lage der Dinge wird ein Stimmenanteil von landesweit etwa vier Prozent ausreichen, um 50 Abgeordnete nach Westminster zu schicken - sie selbst würde nicht dazugehören.

Eine Umfrage am Montag ergab sogar, dass 57 der 59 schottischen Parlamentssitze von der SNP besetzt werden könnten - Wahlforscher pflegen so etwas «Erdrutsch» zu nennen. «Westminster hat Schottland signifikant unterschätzt», sagt etwa der Gründer des Institutes Ipsos Mori, Robert Worcester.

Die Konservativen kontern mit einer waghalsigen Drohung. Sie wollen im Falle eines Wahlsieges unter dem Motto «english votes for english laws» nicht-englische Abgeordnete im Westminster-Parlament von der Abstimmung über Gesetze ausklammern, die ausschließlich England und Wales betreffen.

Sturgeon schließt auch in dieser Hinsicht schon wieder die Reihen. Die Regionalparteien wie Plaid Cymru in Wales und die nordirische DUP sehen solch eine Bevormundung der kleinen Landesteile aus dem großen England gar nicht gern. «Das ist nicht nur eine falsche politische Taktik, das ist auch ein verfassungsmäßiges Chaos», wetterte der DUP-Abgeordnete Nigel Dudds in einem Brief an den «Guardian». Einen «Pakt der Kleinen» unter Führung der SNP nach der Wahl, um die Stimme der kleinen Landesteile zu stärken, ist nicht ausgeschlossen.

Di, 2015-04-28 05:00
Berlin (dpa)

Laute Schule und Musik aufs Ohr: Mehr Lärmschutz für Kinder nötig Von Andrea Barthélémy, dpa

Kinder sind oft und gerne laut - doch Dauerlärm macht auch ihnen zu schaffen. Der diesjährige Tag gegen Lärm stellt das Problem in den Mittelpunkt.

Berlin (dpa) - Der Klassenraum brummt: Schüler arbeiten in Gruppen, rufen sich etwas zu, diskutieren lebhaft. Der Lehrer muss lauter werden, um Fragen zu beantworten und sich in dem hallenden Raum noch Gehör zu verschaffen. Schon ein ganz normaler Schulvormittag kann so zu Lärmstress führen. Liegt die Schule dann noch in der Nähe eines Flughafens oder an einer Hauptstraße, kommt weiterer Krach hinzu. Nicht gut für die Ohren und die Konzentrationsfähigkeit des Nachwuchses. Der diesjährige Tag gegen Lärm am 29. April stellt deshalb Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt. Sein Motto: «Lärm - voll nervig!»

«Kindern scheint Lärm oft relativ wenig auszumachen, aber schon der Pegel in einem Klassenzimmer kann belastend sein, noch heftiger ist die Pausenhalle, wenn es kalt ist oder regnet», sagt Prof. Brigitte Schulte-Fortkamp, Akustik-Spezialistin an der TU Berlin und Leiterin des Aktionstages in Deutschland. Denn Rufen, Lachen und Schreien der Kinder, das 80 Dezibel erreichen kann und damit deutlich über der normalen Gesprächslautstärke von etwa 60 Dezibel liegt, werden durch ungünstigen Raumhall noch verstärkt. «Akustisch und optisch kann man da einiges verbessern. Wir haben für einen Wettbewerb 800 Architekten angeschrieben, um ein leises Klassenzimmer zu gestalten», sagt Schulte-Fortkamp. Das soll nun beispielhaft an einer Berliner Grundschule geschehen.

Doch nicht nur der selbstproduzierte und dann räumlich verstärkte Lärm beschallt den Nachwuchs. Starker Verkehrslärm, vor allem durch Flugzeuge, kann schulische Leistungen mindern. So wies bereits die RANCH-Studie (2005) auf verschlechterte Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion bei Dauerlärm hin. Ende 2014 zeigte die langfristig angelegte NORAH-Studie, dass die Leseleistung von Kindern in fluglärmbelasteten Schulen schlechter ist als in leiseren Lernumgebungen.

Getestet wurden über 1200 Zweitklässler aus 29 Grundschulen im Rhein-Main-Gebiet mit Dauerschallpegeln zwischen 39 bis 59 Dezibel. Dabei zeigte sich: 10 Dezibel mehr entsprachen einem Monat Rückstand in der Leseleistung. «Das erscheint vielleicht erstmal nicht so relevant, aber entscheidend ist: Man nimmt diese Verzögerung mit in die nächste Schulstufe, sie setzt sich fort», sagt Schulte-Fortkamp.

Mit ausleihbaren «Lärmkoffern» will die Deutsche Gesellschaft für Akustik die Aufmerksamkeit für das, was man sich so aufs Ohr gibt, auch bei Schülern steigern: Neben Schallpegelmessgerät und Stimmgabeln finden sie in dem Koffer auch ein überdimensionales Silikonohr. Dort können sie ein MP3-Gerät anstöpseln und sehen, was dann im Innenohr geschieht. «MP3 ist nach wie vor ein großes Thema, denn für alles, was direkt ins Ohr geht, hat man keine Kompensationsmöglichkeiten - und die voreingestellten Höchstlautstärken sind leicht zu knacken», sagt die Akustikexpertin.

Fünf Minuten laute Musik seien ok. «Aber bitte nicht dauerhaft», warnt die Schulte-Fortkamp. Wer stundenlang einen Knopf im Ohr hat, sollte 60 Dezibel nicht überschreiten. Auf Konzerten und in Clubs erreicht der Schallpegel sogar etwa 110 Dezibel, was ungefähr dem Tanzen direkt neben einem Presslufthammer entspricht.

Hörschäden bei Jugendlichen sind seit Jahren schon messbar. «Auch wenn man nie genau nachweisen kann, woher sie kommen». räumt Schulte-Fortkamp ein. Schon der Kinder-Umwelt-Survey (2003/2006) des Umweltbundesamtes zeigte, dass etwa jeder achte Heranwachsende zwischen 8 und 14 Jahren einen Hörverlust von 20 Dezibel bei mindestens einer Testfrequenz hatte. «Freizeitlärm könnte eine der Ursachen für diese Hörverluste sein», so das UBA. Therapierbar seien diese Schäden nicht.

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der Woche
Di, 2015-04-28 05:01
München (dpa)

Gesundheitsrisiko Lärm

München (dpa) - Zu viel Lärm schadet der Gesundheit. Ein Überblick:

40 Dezibel (dB), etwa durch Flüstern, stören bereits den Schlaf.

60 dB, wie bei einem Gespräch oder leisem Radio, stören die Konzentration und verursachen erste Belastungsreaktionen.

80 dB entsprechen dem Geräuschpegel an einer Hauptverkehrsstraße, in einem Klassenzimmer, dem Triebwerkslärm eines startenden Jets in 300 Metern Entfernung oder bei Kirchenglocken in 200 Metern. Das sorgt bei Dauerbelastung für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.

100 dB wie in einer lauten Fabrikhalle, von einer Kreissäge oder einem Presslufthammer können bei jahrelanger Belastung Gehörschäden zur Folge haben.

120 dB wie beim Überschallknall eines Flugzeugs in 100 Metern Höhe, neben einem Martinshorn oder einer Vuvuzela können Ohrenschmerzen verursachen.

140 dB entsprechen einer Trillerpfeife oder dem Startgeräusch eines Flugzeugs in 40 Metern Entfernung und machen Gehörschäden schon nach kurzer Zeit möglich.

160 dB etwa bei einem Gewehrschuss in Mündungsnähe können Gehörschäden schon bei einmaliger Einwirkung zur Folge haben.

Di, 2015-04-28 05:02
Nürnberg (dpa)

Piepen, summen, kreischen: Die fiesesten Geräusche Von Roland Beck, dpa

Die Mücke in der Nacht, das piepende Müllfahrzeug. Alltagsgeräusche können richtig nervig sein. Sogar Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem fiesen Lärm. Und es gibt meistens nur eine Abhilfe: Ohren zu!

Nürnberg (dpa) - Lärm macht selten Spaß. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) stellt er «eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit dar». Als stärkste Belästigung werde Verkehrslärm empfunden, gefolgt von Fluglärm, wie die DEGA vor dem Internationalen Tag gegen Lärm am 29. April mitteilt. Auch diese Geräusche sind einfach unerträglich:

KREIDE TRIFFT AUF TAFEL: Generationen von Schülern mussten dieses Horror-Geräusch schon ertragen: Quietschende Kreide auf der Schultafel. Wenn dann auch noch die Fingernägel versehentlich - oder gar absichtlich! - zum Einsatz kommen, hilft nur noch Ohren zuhalten. Mindestens genauso schlimm: wenn Messer oder Gabel auf Glas oder Keramik kratzen. Auf diese Weise entstehen hohe Töne von bis zu 5000 Hertz. Das menschliche Gehirn verbindet damit ein Alarmsignal: Ähnliche Töne werden auch beim Kreischen in Gefahrensituationen erzeugt.

BEI DEM PIEPT ES DOCH: Eine enge Straße, ein großer Lastwagen und der Rückwärtsgang: Das sind die Zutaten für das durchdringende und scheinbar nie enden wollende «piep, piep, piep». Wer da noch ruhig bleibt, hat Nerven wie Drahtseile. Das Piep-Signal vom Lkw soll beim Rückwärtsfahren Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern verhindern. Der Nutzen ist umstritten: So können Kinder und Ältere das Signal oft nicht richtig deuten. Die Wirkung auf ruheliebende Menschen ist dagegen sehr eindeutig: einfach nervig!

SUMMENDE MÜCKEN: Forscher sind vom Summen fasziniert, die meisten von uns könnten dagegen auf dieses Naturphänomen getrost verzichten. Wenn Mücken im nächtlichen Schlafzimmer zum Angriff übergehen, entsteht das fiese Summen durch ein komplexes Zusammenspiel von winzigen Muskeln und schnellem Flügelschlag. Ausschalten lässt es sich nur durch einen gezielten Schlag mit der Fliegenklatsche. Die Suche nach den kleinen Biestern endet allerdings fast immer ergebnislos.

AKUSTISCHER TEUFELSKREIS: Test 1,2, quiiiiiietsch. Die Gäste im Saal halten sich die Ohren zu und verziehen die Gesichter. Die Rückkopplung eines Mikrofons kann die beste Konzertlaune in Millisekunden zunichtemachen. Schuld an dem fiesen Geräusch ist ein akustischer Teufelskreis: Der Schall aus dem Lautsprecher kommt übers Mikrofon wieder in die Verstärkeranlage und erneut aus dem Lautsprecher. Das Signal schaukelt sich immer weiter hoch. Das Ergebnis ist ein schmerzender Pfeifton.

DAS WISSENSCHAFTLICH SCHLIMMSTE GERÄUSCH: Der Akustik-Professor Trevor Cox von der britischen Universität Salford fragte Internet-Nutzer nach dem für sie schlimmsten Geräusch. Eine Million Antworten bekam er zurück. Auf Platz 1: Das Geräusch, wenn sich ein Mensch übergeben muss. Hartgesottene können sich die widerlichen Geräusche der Studie im Netz anhören: http://dpaq.de/PayzG

WENN GERÄUSCHE ANGST MACHEN: Für Menschen mit einer Phonophobie kann grundsätzlich jedes Geräusch zur Qual werden - selbst wenn es gar nicht laut ist. Meistens entsteht eine Phonophobie, wenn ein Geräusch mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung gebracht wird. Aber auch Stress kann zu einer Phonophobie führen. So stellten Wissenschaftler beispielsweise bei Kindergärtnerinnen fest, dass sie nach einem langen Arbeitstag am Abend ängstlich oder gestresst auf Kinderstimmen reagieren können. 

Di, 2015-04-28 05:47
Berlin (dpa)

Wichtige Daten des Zweiten Weltkriegs

Berlin (dpa) - Als der Zweite Weltkrieg in Europa und Asien nach sechs Jahren zu Ende war, hatten mindestens 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Wichtige Daten:

1. September 1939: Hitler-Deutschland überfällt Polen. Der Kriegsbeginn ist auch Auftakt zum Juden- und Völkermord. Zwei Tage danach erklären Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg.

9. April 1940: Die Wehrmacht besetzt Dänemark und später Norwegen. Beide Länder waren neutral.

10. Mai 1940: Beginn der deutschen Westoffensive mit dem Einmarsch in die Benelux-Länder. Nach neuntägigem «Blitzkrieg» erobert die Wehrmacht am 14. Juni Paris.

15. Mai 1940: Duisburg wird als erste deutsche Großstadt schwer bombardiert. Die Deutschen greifen London im August an.

27. September 1940: Dreimächte-Pakt zwischen Deutschland, Italien und Japan. Italien scheidet 1943 aus. Japan war im Juli 1937 in China einmarschiert.

11. Februar 1941: Deutsche Truppen kommen den Italienern in Nordafrika zu Hilfe. Der Afrikafeldzug endet im Mai 1943 mit der Kapitulation.

22. Juni 1941: Nach der Eroberung von Jugoslawien und Griechenland überfällt Deutschland die Sowjetunion - trotz des Nichtangriffspakts von 1939. Im Dezember stockt der «Blitz»-Feldzug kurz vor Moskau.

7. Dezember 1941: Die Japaner bombardieren den US-Stützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii. Rom und Berlin erklären den USA den Krieg. Japans Siegeszug stockt im Juni 1942 nach der verlorenen Seeschlacht bei den pazifischen Midway-Inseln.

31. März 1943: In Stalingrad (heute Wolgograd) ergeben sich die eingekesselten Reste der 6. deutschen Armee. Die Sowjets drängen die Wehrmacht immer weiter zurück.

6. Juni 1944: Alliierte Truppen landen in der Normandie. Im September/Oktober erreichen sie im Westen und Osten das Reichsgebiet.

30. April 1945: Adolf Hitler begeht in Berlin Selbstmord. Rotarmisten hissen die Sowjetfahne auf dem Reichstag.

7./9. Mai 1945: Im französischen Reims und in Berlin wird die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Nach US-Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki im August kapituliert am 2. September auch Japan.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Di, 2015-04-28 05:30
Rausdorf (dpa)

Abenteurer und Aktivist Nehberg wird 80 - «Ich muss mich beeilen» Von Dorit Koch, dpa

Als Konditor Rüdiger Nehberg Marzipan gegen Moskito tauscht und seine Backstube für immer verlässt, hat er bereits medienwirksam die Welt erobert. Der Abenteurer ist zu einem Augenzeugen geworden.

Rausdorf (dpa) - Diesmal steht der Dschungel in Rausdorf - und der Abenteurer zieht sich erst einmal ein wärmeres Hemd an. Rüdiger Nehberg zeigt in seinem großzügigen Garten in dem beschaulichen Ort bei Hamburg, wo er sich vorbereitet hat, bevor er zu seinen spektakulären Reisen aufbrach. Zu den Atlantiküberquerungen etwa, die er mal auf dem Tretboot, mal auf einem Bambusfloß bewältigte.

Oder zum Trip durch den brasilianischen Regenwald, bei dem er, nur mit einem Messer bewaffnet, zwischenzeitlich als verschollen galt. So einer kann sich nicht zur Ruhe setzen - auch nicht, wenn er wie Nehberg am Montag (4. Mai) 80 wird.

«Ich merke, dass es nachlässt, dass die Kräfte schwinden», sagt Nehberg zwar. Allerdings dürfte er dabei eher an solche Aktionen wie sein Abseilen vom Hubschrauber 50 Meter über dem Urwald denken. So dynamisch wie er auch jetzt noch wirkt, wie er die Treppe in seiner umgebauten Mühle nach unten rennt, wie es ihn kaum auf dem Stuhl hält - man kann sich gut vorstellen, dass dem einstigen selbstständigen Konditor die Backstube in Hamburg, die immerhin 50 Mitarbeiter beschäftigte, irgendwann zu eng wurde. Dass er 1990 - gut 20 Jahre nach seiner Bezwingung des Blauen Nils, der weitere Expeditionen folgten - endgültig Marzipan und Mürbeteig gegen Moskitos tauschte.

«Annette hat mir heute Morgen bestimmt etwas in den Kaffee getan», sagt Nehberg und grinst seine neben ihm sitzende Frau an. «Das ist schon so, dass da eine Energie da ist, die sehr anstrengend sein kann», formuliert es die 55-Jährige diplomatisch.

Seit bald sechs Jahren sind sie verheiratet, ihren gemeinsamen Weg gehen sie schon viel länger. Sie, die zweite Ehefrau an Nehbergs Seite, hielt schon 2003 in Rausdorf die Stellung, als er zur Regenwaldexpedition in Brasilien aufbrach. «Meine Freiheit hört da auf, wo die Freiheit des Anderen beginnt», sagt sie. «Und er wäre nicht «Sir Vival», wenn ich ihn nicht lassen würde. »

Vom Begriff «Survival» hörte Nehberg in den 60er Jahren zum ersten Mal - später wurde er selbst zum deutschen «Sir Vival» schlechthin. Auch dank seiner Bücher mit Überlebenstrainingstipps wie dem bereits Ende der 70er Jahre erschienenen «Die Kunst zu überleben - Survival». Er richtete daheim Survivalcamps aus. Noch immer sind hinter seinem Haus Seile zwischen Bäumen gespannt, liegen dort große Feuersteine.

Wasser rauscht, Äste und Zweige knacken - Nehberg bahnt sich seinen Weg. Plötzlich kniet er sich hin, mit einem Feuerstein und Eisen versucht er Feuer zu machen - im Nu fliegen die Funken. «Feuer hat etwas Geborgenes», sagt er. «Es bringt einen warm durch die Nacht und hält gefährliche Tiere fern.» Gefahren, denen er so oft ausgesetzt war und letztlich seine Bekanntheit als Abenteurer verdankt.

«Früher war es die Lust, sich selbst etwas zu beweisen, und die Neugier auf die Welt», erzählt der gebürtige Bielefelder über das, was ihn antrieb. Etwa dazu, ohne Geld und Proviant Deutschland zu durchwandern und sich unter anderem von Regenwürmern zu ernähren.

Doch die Begegnung mit den von Goldgräbern bedrohten Yanomami-Indianern im brasilianischen Regenwald veränderte sein Leben. Der Abenteurer wurde zum Augenzeugen, wollte seinen Aktionen fortan einen Sinn geben - und kämpft seither als Aktivist für Menschenrechte. «Ich muss mich tierisch beeilen, denn ich habe noch viele Pläne und die kann Annette nicht alle realisieren», sagt er.

Nehberg hat ein Ziel. Er hat Target (englisch «Ziel») - so heißt der Verein, mit dem er gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien kämpft. Den Durchbruch brachte 2006 eine von Target initiierte Konferenz hochrangiger islamischer Gelehrter in Kairo, die die Genitalverstümmelung in Form einer Fatwa als nach islamischem Recht verboten deklarierte.

«Mein letztes Ziel ist die Kooperation mit Saudi-Arabien. Dort werden Frauen zwar nicht verstümmelt, aber wenn in Mekka allen Pilgern verkündet würde: «Ihr beleidigt eure Religion, wenn ihr eure Mädchen verstümmelt», hätte das eine unglaubliche Kraft. Von dort würde die Botschaft in die Welt getragen.»

So wird es auch am Geburtstag keine Party geben, sondern einen Empfang im Hamburger Rathaus, bei dem die Ziele von Target im Mittelpunkt stehen sollen. Denn Nehberg macht weiter. «Auch wenn der erste Geier schon eingetroffen ist», sagt der Mann, der oft dem Tod entkam (allein mehr als 20 Raubüberfälle soll er überlebt haben) - und greift zu einem Stoffgeier.

Sich selbst nennt er zwar nur noch den «Reste-Rüdi», weil er so ziemlich alles, was ihm herausoperiert wurde, in einem «immer voller werdenden» Alkoholglas sammelt. Aber seine Ziele treiben ihn an. «Ich wäre selbst mit 100 noch nicht in Rente», erklärt er. Das Image als «Würmerfresser» würde ihm dann wohl immer noch anhaften - «aber damit kann ich gut leben».

Di, 2015-04-28 05:00
Berlin (dpa)

Bund unterstützt Länder mit 300 Millionen Euro beim Hochwasserschutz

Berlin (dpa) - Als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe im Frühsommer 2013 steckt der Bund in den nächsten Jahren mehr als 300 Millionen Euro in Deiche und andere Schutzvorkehrungen. Mit dem Geld werden die Länder bei Projekten unterstützt, die auch überregional Wirkung zeigen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus den beiden zuständigen Ministerien erfuhr. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) wollen die Details an diesem Dienstag in Berlin vorstellen.

Dem Vernehmen nach will der Bund zwischen 2016 und 2018 jährlich 100 Millionen Euro bereitstellen. Das Geld komme aus dem Zehn-Milliarden-Investitionspaket, mit dem die Bundesregierung die Wirtschaft ankurbeln will. Für 2015 stünden zunächst 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Hochwasserschutz ist eigentlich Ländersache. Im Herbst hatten sich Bund und Länder aber nach dem Elbe- und Donauhochwasser 2013 auf das Nationale Hochwasserschutzprogramm verständigt, das mehr als 100 Einzelprojekte umfasst. So sollen etwa Deiche zurückverlegt werden und Polder entstehen. Priorität haben dabei jene Vorhaben, die auch überregional wirken. Die Maßnahmen sollen Schritt für Schritt über mindestens 20 Jahre umgesetzt werden. Bund und Länder veranschlagen dafür insgesamt rund 5,4 Milliarden Euro.

Di, 2015-04-28 04:00
Berlin (dpa)

Zahlen und Fakten zu E-Bikes und Fahrrädern

Berlin (dpa) - Gesundheit, Umweltbewusstsein, Mobilität: Viele Menschen vertrauen reiner Pedalkraft oder einem elektrischen Hilfsmotor und fahren Rad. Zahlen und Fakten:

- Rund 32,1 Millionen Fahrräder gab es 2013 in deutschen Haushalten, zehn Jahre zuvor waren es 29,8 Millionen.

- 3,73 Millionen Fahrräder und E-Bikes kamen 2014 neu auf den Markt.

- 2,14 Millionen Fahrräder und E-Bikes wurden 2014 in Deutschland produziert.

- 480 000 E-Bikes wurden 2014 verkauft. Das entspricht etwa 12 Prozent aller Räder, für 2015 wird ein Anteil von 15 Prozent erwartet. Größte Käufergruppe laut Industrie: ältere Radfahrer.

- 71 066 Radfahrer wurden 2013 bei Unfällen verletzt (zum Vergleich 1970: 40 531), 354 wurden getötet (1970: 1835).

- Laut Automobilclub ACE werden nur 40 Prozent der Radunfälle von der Polizei erfasst.

- Nur 15 Prozent aller Radfahrer (2013) trägt laut Bundesanstalt für Straßenwesen einen Helm; bei den 6- bis 10-Jährigen sind es drei Viertel.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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