Aktuell

kohle / 08.Feb 2016

UN-Abkommen: Plan B für deutschen Ausstieg

Sollte eine politische Einigung über den Kohleausstieg scheitern, könnten strengere Grenzwerte das Aus für alte Kraftwerke bedeuten. Grundlage wäre die Quecksilber-Konvention der Vereinten Nationen, die Deutschland bald ratifizieren will.

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Mo, 2016-02-08 12:44
Berlin (dpa)

Steinmeier warnt vor Syrien-Krieg als Dauerzustand

Berlin (dpa) - Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat vor einer Verlängerung des Syrien-Konflikts um mehrere Jahre gewarnt. «Wer immer auf eine militärische Lösung setzt, wird fünf Jahre weiteren Bürgerkrieg erleben. Das kann keine Alternative sein», sagte Steinmeier am Montag in Berlin. Der Minister rief deshalb dazu auf, die nächste Runde der internationalen Syrien-Gespräche am Donnerstag in München für neue Vereinbarungen in Richtung Frieden zu nutzen.

Steinmeier sagte nach einem Treffen mit seinem kroatischen Kollegen Miro Kovac, er mache sich über die Lage in Syrien und die Aussichten des Treffens «keine Illusionen». «Wir werden nicht mit einem Waffenstillstand starten.» Ziel sei aber, eine «signifikante Reduzierung des Kampfgeschehens und Zugang zu humanitären Leistungen» zu erreichen. Falls dies am Donnerstag noch nicht gelinge, solle es ein weiteres Treffen geben.

An den Gesprächen, die vor der Münchner Sicherheitskonferenz stattfinden, nehmen die Außenminister aus mehr als einem Dutzend Staaten teil, darunter die wichtigsten Schutzmächte des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad, Russland und der Iran. Die eigentlichen Friedensgespräche zwischen Assad-Regime und syrischer Opposition, die im Januar in Genf begannen, liegen derzeit auf Eis.

Mo, 2016-02-08 13:29
Wolfsburg (dpa)

VW-Boss Müller stutzt Topmanager-Berichtswesen auf die Hälfte zurecht

Wolfsburg (dpa) - Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller hat die Abstimmungswege mit seinem Top-Management wie angekündigt erheblich verschlankt. Die Zahl der direkt an ihn berichtenden Führungskräfte sei wie geplant «nahezu halbiert», teilte VW am Montag in Wolfsburg mit. Mitte Dezember hatte der Autobauer bekanntgegeben, die «Direct Reports» von mehr als 30 auf 19 Posten senken zu wollen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist dieser Prozess nun abgeschlossen, Müllers Kernteam mit einer Direktberichtsfunktion unterhalb des Vorstands ist komplett - es besteht aus zwölf Posten.

Der VW-Konzern kämpft derzeit im Abgas-Skandal mit der größten Krise seiner Unternehmensgeschichte. Müller hat weitreichende Reformen für die Organisation des Zwölf-Marken-Konzerns angekündigt. So sollen etwa die Marken und Regionen mehr Entscheidungsfreiheiten erhalten.

Als jüngste Folge der großen Neuaufstellung übernimmt Hans-Joachim Rothenpieler, bisher Entwicklungschef bei VW-Nutzfahrzeuge (VWN), zum 15. Februar die Leitung der Qualitätssicherung im gesamten Konzern. Er folgt auf Frank Tuch, der Volkswagen auf eigenen Wunsch verlasse.

Tuch war Mitte 2010 auf den Posten gekommen - als Nachfolger von Rothenpieler, der damals nach Sachsen gewechselt war und später schließlich als neuer Entwicklungsvorstand zu VWN stieß. Dort folge nun wiederum Harald Ludanek als Rothenpielers Nachfolger. Ludanek war bisher Vorstand für Technische Entwicklung bei der VW-Tochter Scania.

Mo, 2016-02-08 15:09
Nürnberg (dpa)

Nur wenige junge Flüchtlinge erhalten subsidiären Schutz

Nürnberg (dpa) - In der Asylpolitik streitet sich die Regierungskoalition darüber, ob minderjährigen Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutz verboten werden soll, ihre Eltern nach Deutschland nachzuholen. Nach Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg betrifft dies nur eine relativ kleine Gruppe.

Im vergangenen Jahr hat die Nürnberger Behörde über rund 2900 Asylanträge von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen entschieden. Die meisten von ihnen (mehr als 2200) bekamen demnach einen Flüchtlingsschutz. In knapp 260 Fällen wurde ein Abschiebungsverbot erlassen. Sogenannten subsidiären oder eingeschränkten Schutz erhielten 105 jugendliche Flüchtlinge. Asyl bekamen 21. Abgelehnt wurden knapp 200 Anträge. Weitere 100 Verfahren wurden eingestellt.

Einen Asylantrag gestellt haben im Jahr 2015 mehr als 14 400 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind. Hauptherkunftsländer der jungen Flüchtlinge waren Afghanistan (rund 4700 Anträge), Syrien (rund 4000 Anträge), Eritrea und Irak (jeweils rund 1300 Anträge).

Mo, 2016-02-08 14:22
Berlin (dpa)

Beweismaterial nach Anti-Terror-Razzien wird ausgewertet

Berlin (dpa) - Nach den Anti-Terror-Razzien in drei Bundesländern dauern die Ermittlungen an. Eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, das sichergestellte Beweismaterial werde noch ausgewertet. Berlin hat die Federführung in dem Verfahren. Zu Einzelheiten hielt sich die Sprecherin bedeckt.

Ermittelt wird gegen vier Algerier zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der 34-jährige Hauptverdächtige wurde in Nordrhein-Westfalen festgenommen, weil gegen ihn ein algerischer Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorlag.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die vier Algerier womöglich einen Anschlag in Berlin geplant haben. Ihr Vorhaben soll aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Frühstadium durchkreuzt worden sein, Anschlagziele waren noch nicht ausgekundschaftet.

Mo, 2016-02-08 15:34
Berlin/Karlsruhe (dpa)

Nach Anti-Terror-Razzien: Gefährlichkeit Festgenommener noch unklar

Vier Tage nach Anti-Terror-Razzien in mehreren Bundesländern halten sich die Behörden weiter bedeckt. Unklar ist, wie groß das Risiko von Anschlägen durch die Festgenommenen tatsächlich war.

Berlin/Karlsruhe (dpa) - Nach den Anti-Terror-Razzien vergangene Woche in drei Bundesländern haben die Behörden bis Montag noch keine Ermittlungsergebnisse veröffentlicht. Eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft teilte mit, das sichergestellte Beweismaterial werde noch ausgewertet. Berlin hat die Federführung in dem Verfahren. Zu Einzelheiten hielt sich die Sprecherin bedeckt. Damit blieb unklar, wie groß das Risiko von Anschlägen durch die Festgenommenen war.

Ermittelt wird gegen vier Algerier zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der 34-jährige Hauptverdächtige wurde in Nordrhein-Westfalen festgenommen, weil gegen ihn ein algerischer Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorlag.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die vier Algerier womöglich einen Anschlag in Berlin geplant haben. Ihr Vorhaben soll aber nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Frühstadium durchkreuzt worden sein, Anschlagziele waren noch nicht ausgekundschaftet.

Zwei weitere am Sonntag bei einer Anti-Terror-Razzia in der Nähe von Mainz festgenommene Männer sollen nach Auskunft der Bundesstaatsanwaltschaft nach einer Befragung wieder frei gelassen werden. Die Verdachtslage rechtfertige keinen Haftbefehl. Nach wie vor gebe es in diesem Fall keine Hinweise auf Anschlagspläne.

Bei der Durchsuchungsaktion im rheinhessischen Sankt Johann waren am Sonntag die Wohnungen zweier Männer durchsucht worden. Sie stehen unter Verdacht, sich im syrischen Bürgerkrieg an einer ausländischen terroristischen Vereinigung beteiligt zu haben.

Nach Informationen von «Spiegel TV» soll es sich bei einem der Männer um einen ehemaligen Kommandanten der IS-Terrormiliz handeln. Der 32-Jährige lebe seit Herbst als Flüchtling in Deutschland. Auf Anfrage von «Spiegel TV», die noch vor der Razzia stattfand, habe er bestritten, jemals beim IS gewesen zu sein.

Mo, 2016-02-08 12:10
Kabul (dpa)

Afghanische Taliban erschießen Frau für Sex außerhalb der Ehe

Kabul (dpa) - Die Taliban haben in der zentralafghanischen Provinz Ghor eine Frau für außerehelichen Sex erschossen. Das sagte am Montag ein Sprecher des Provinzgouverneurs der Deutschen Presse-Agentur. Es war unklar, ob die Frau verheiratet oder ledig war. Ihr Partner sei zunächst entkommen, dann aber angeschossen worden und erwarte nun «in den Händen der Taliban sein Gerichtsverfahren».

Der Sprecher sagte, die Provinzregierung könne nichts tun. Die Gegend sei schon seit mehr als einem Jahr unter der Kontrolle der Taliban.

Erst im November sollen die Taliban ein 19-jähriges Mädchen für außerehelichen Sex zu Tode gesteinigt haben. Im Februar 2013 hatten sie ein nicht verheiratetes Paar öffentlich ausgepeitscht.

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Mo, 2016-02-08 14:15
Berlin/Hannover (dpa)

Sieben EU-Staaten fordern Schutz der europäischen Stahlindustrie

Ein Kollaps des europäischen Stahlsektors? Ist nicht mehr auszuschließen, denn die Risiken mehren sich bedrohlich, warnt die Branche. Sie stellt nun die Weichen für politische Hilfe. Allen voran geht es um ein Eindämmen der Importe mit Kampfpreisen aus China.

Brüssel/Berlin/Hannover (dpa) - Angesichts der Krisenstimmung in der europäischen Stahlindustrie fordern Deutschland und sechs weitere Länder die EU zum Handeln auf. Die heimische Industrie müsse gegen «unfaire Handelspraktiken» geschützt werden, verlangen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie Minister aus Italien, Großbritannien, Frankreich, Polen, Belgien und Luxemburg.

Das Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, ist vom 5. Februar datiert. Zuvor hatte das «Handelsblatt» (Montag) darüber berichtet. Der Brandbrief reiht sich ein in mehrere Aktionen, mit der die Branche derzeit Druck auszuüben versucht. Für den 15. Februar ist zum Beispiel ein Protestmarsch mit Tausenden Menschen in Brüssel geplant.

In dem Schreiben von Gabriel und seinen Kollegen heißt es: «Die Europäische Union kann nicht passiv bleiben, wenn wachsende Arbeitsplatzverluste und Schließungen von Stahlwerken zeigen, dass es eine erhebliche und drohende Gefahr eines Zusammenbruchs des europäischen Stahlsektors gibt.»

Die EU solle sich gegen günstige Stahlimporte wehren, fordern die Unterzeichner. Laufende Anti-Dumping-Verfahren, in denen untersucht wird, ob Produkte aus China und Russland zu einem unrealistisch niedrigen Preis auf den europäischen Markt gespült wird, müssten schneller vorankommen. Auch gegen mutmaßliche unerlaubte Subventionen für die Stahlindustrie in Drittländer müsse die EU entschiedener vorgehen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission versicherte, die Behörde handle «so schnell wie möglich» und verwies auf insgesamt 35 Anti-Dumping oder Anti-Subventionsbeschüsse gegen Billigstahl aus Drittländern.

Die Stahlbranche in Europa ächzt unter einem Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise. Branchengrößen wie ArcelorMittal und ThyssenKrupp kämpfen mit dem schwierigen Umfeld.

Auch in Niedersachsen wächst der Protest. Das Bundesland sorgt unter anderem mit der deutschen Nummer zwei hinter ThyssenKrupp, der Salzgitter AG, für 17 Prozent der deutschen Produktion. Am Montag trafen sich in Hannover Politik, Wirtschaft und Arbeitnehmer für das Verabschieden einer gemeinsamen Resolution, die im Kampf gegen Billig-Importe aus China die EU um Hilfe aufruft.

Chinas Stahlindustrie behindere mit staatlich gestützten Dumping-Preisen den fairen Wettbewerb, heißt es in der Erklärung des Wirtschaftsministeriums, der Gewerkschaft IG Metall und der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Das Bündnis kritisiert die europäische Handelspolitik als viel zu schwerfällig. So liefen Klageverfahren überhaupt erst an, wenn der Nachweis einer «erheblichen Schädigung über einen Zeitraum von 12 Monaten» erbracht ist. Daher dauere es in der Europäischen Union rund 20 Monate und damit doppelt so lang wie in den USA, bis Bemühungen zum Schutz der heimischen Industrie greifen. «Das Prüfverfahren muss daher deutlich verkürzt werden.»

Mo, 2016-02-08 12:45
Düsseldorf (dpa)

Altstadtwirte rechnen mit weniger Umsatz als sonst am Rosenmontag

Düsseldorf (dpa) - Die Düsseldorfer Altstadtwirte rechnen wegen der Absage des Rosenmontagszugs mit deutlichen Einbußen für das Geschäft. Das sagte Sprecherin Isa Fiedler der Deutschen Presse-Agentur. Bis zum Mittag seien erschreckend wenige Besucher in die Kneipen gekommen. «Die tagelange Diskussion, ob der Zug stattfindet oder nicht: Das hat die Leute davon abgehalten zu kommen.» Als der Rosenmontagszug 1990 wegen Sturms abgebrochen wurde, sei das anders gewesen, sagte Fiedler. «Da hatten sich viele schon auf den Weg gemacht. Als der Zug dann wegen des Unwetters abgebrochen wurde, sind alle in die Kneipen gezogen.»

Mo, 2016-02-08 14:33
Kairo (dpa)

HRW verurteilt ägyptische Äußerungen zu Tötung von Muslimbrüdern

Kairo (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Äußerungen des ägyptischen Justizministers zur massenhaften Tötung von Muslimbrüdern verurteilt. Ahmed al-Sind hatte in einem TV-Interview Ende Januar gesagt, er werde nicht zufrieden sein, bis mindestens 10 000 der Islamisten für jedes getötete Mitglied der Sicherheitskräfte sterben würden.

Diese Aussagen zeigten, dass die Frage der Gerechtigkeit staatlichen Handelns einigen Mitgliedern der ägyptischen Regierung völlig egal sei, sagte HRW-Nahostdirektorin Sarah Leah Whitson in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Wie real die Bedrohung sei, zeige sich unter anderem darin, dass Muslimbrüder in Ägypten massenhaft zum Tode verurteilt würden.

Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 durch das Militär wurden die Muslimbrüder verboten und als Terroristen verfolgt. Immer wieder gibt es in dem Land auch Anschläge auf Sicherheitskräfte, für die die Islamisten verantwortlich gemacht werden. HRW rief Präsident Abdel Fattah al-Sisi auf, klarzustellen, dass jedes Verbrechen gegen Muslimbrüder oder andere politische Gruppen verfolgt werde.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

Großbritannien: Schlafende Konten

Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Finnlands Hauptstadt Helsinki soll die Verkehrsdichte lindern und Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA – Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen – Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

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Mo, 2016-02-08 12:35
Ankara (dpa)

Davutoglu: Türkei und Deutschland helfen Menschen an Syrien-Grenze

Ankara (dpa) - Deutschland und die Türkei wollen sich in einer gemeinsamen Soforthilfe-Aktion an der türkisch-syrischen Grenze um die dort ausharrenden Flüchtlinge kümmern. Eine entsprechende bilaterale Aktion gemeinsam mit Hilfsorganisationen werde umgehend beginnen, kündigte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Montag nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Ankara an. Von deutscher Seite soll das Technische Hilfswerk, von türkischer Seite die staatliche Katastrophenhilfe eingesetzt werden.

Mo, 2016-02-08 15:23
Istanbul/Kilis (dpa)

Dutzende Flüchtlinge vor türkischer Küste ertrunken

Erneut sterben Migranten, die die Türkei übers Meer verlassen wollen. Gleichzeitig warten Zehntausende an der Südgrenze des Landes auf Einlass. Es fehlt an Unterkünften und Trinkwasser.

Istanbul/Kilis (dpa) - Beim Untergang von zwei Flüchtlingsbooten sind in der türkischen Ägäis mindestens 38 Menschen ertrunken, darunter elf Kinder. Vier Migranten seien gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA am Montag. Ein Boot sei von der Küste des westtürkischen Bezirks Edremit aus gestartet, das zweite weiter südlich vom Bezirk Dikili bei Izmir. Ziel sei die nur wenige Kilometer entfernt liegende griechische Insel Lesbos gewesen. Zur Nationalität der Flüchtlinge machte DHA zunächst keine Angaben.

Die Türkei ließ am Montag die Grenze für Zehntausende Syrer aus dem umkämpften Aleppo weiterhin geschlossen. Nach eigenen Angaben hat die Türkei bereits rund 2,5 Millionen Flüchtlinge alleine aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufgenommen. Viele Migranten wagen trotz schlechter Wetterbedingungen die gefährliche Überfahrt über die Ägäis zu den in der Nähe der türkischen Küste gelegenen griechischen Inseln - und damit auf das Gebiet der Europäischen Union (EU).

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich am Montag mit der türkischen Führung, um über die Flüchtlingskrise zu sprechen und plädierte unter anderem für eine Nato-Beteiligung bei der Seeüberwachung. Die Türkei hatte der EU Ende vergangenen Jahres zugesagt, die Seegrenzen besser zu schützen. Im Gegenzug hat die EU der Türkei mindestens drei Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge versprochen.

An der Grenze zu Syrien wird die Situation für Zehntausende Flüchtlinge, die auf Einlass in die Türkei warten, inzwischen immer schwieriger. Es mangele an Unterkünften, Trinkwasser und sanitären Einrichtungen, sagte die Leiterin der Syrien-Mission von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Muskilda Zancada, am Montag.

Ein syrischer Medienaktivist, der ungenannt bleiben wollte, berichtete der Deutschen Presse-Agentur aus der Region um Asas, die Flüchtlinge suchten in Zelten, Moscheen oder anderen Gebäuden Zuflucht, um sich vor Regen und Kälte zu schützen. Sie lebten von den Vorräten, die sie auf die Flucht mitgenommen hätten.

Die russischen Luftangriffe nördlich von Aleppo in den vergangenen Tagen seien die heftigsten gewesen, die er bislang erlebt habe. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, bei den Bombardements auf Aleppo seien am Montag mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen.

Die Türkei verweigert den Flüchtlingen bislang den Grenzübertritt, versorgt sie jedoch nach eigenen Angaben auf der syrischen Seite. Der Sprecher der regierungsnahen Hilfsorganisation IHH, Mustafa Özbek, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, es seien in Syrien zwei neue Flüchtlingslager - zusätzlich zu 18 schon bestehenden - errichtet worden.

Die IHH versorge Tausende Menschen mit Essen, Decken und Zelten. Er räumte jedoch ein, dass einige Hilfesuchende unter freiem Himmel schlafen müssten. Die Menschen hätten zudem Angst vor Luftangriffen und Kämpfen in der Region.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten waren in der vergangenen Woche mit Hilfe russischer Luftschläge im Norden des Landes vorgerückt und hatten die neue Massenflucht ausgelöst.

Nach Schätzungen von Ärzte ohne Grenzen sind fast 80 000 Syrer auf der Flucht in Richtung des türkischen Grenzübergangs Kilis. Dort warteten bereits rund 10 000 Menschen. In den vergangenen Tagen hatte es nach unterschiedlichen Angaben geheißen, in der Nähe von Asas harrten zwischen 30 000 und 50 000 Menschen aus.

Mo, 2016-02-08 15:34
Wolfsburg (dpa)

VW muss Jahreszahlen bis Ende April vorlegen

Wolfsburg (dpa) - Volkswagen muss seine Bilanz für das abgelaufene Jahr bis Ende April vorlegen. Laut Handelsgesetzbuch hat VW als Kapitalgesellschaft höchstens vier Monate nach dem Abschlussstichtag Zeit, um die Jahreszahlen offenzulegen. Bei VW läuft diese Frist Ende April ab, wie ein VW-Sprecher am Montag bestätigte.

Am Freitag hatte der Konzern den angepeilten Termin im März abgesagt. Bei VW gibt es derzeit viele Unklarheiten bezüglich der Kosten des Abgas-Skandals. Es ist möglich, dass zum Beispiel für mögliche Auto-Rückkäufe in den USA noch Geld zurückgelegt werden muss.

Mit der ursprünglich für April geplanten Hauptversammlung kann sich VW mehr Zeit lassen. Auch das Aktionärstreffen hatte VW auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Aktiengesetz schreibt hier lediglich vor, dass die Hauptversammlung in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres stattfinden muss. So lange dürfte VW seine Aktionäre allerdings kaum hinhalten, denn bei vielen Anlegern gibt es Redebedarf: Die VW-Vorzugsaktie hat seit Ausbruch des Skandals um manipulierte Abgas-Werte im September rund 40 Prozent an Wert verloren.

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

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Mo, 2016-02-08 15:41
Reichertshausen (dpa)

Panzerattrappe «Asylabwehr» - Fastnacht und ihre Grenzen Von Paul Winterer, dpa

Eine Panzerattrappe mit der Aufschrift «Asylabwehr» und ein «Balkan-Express» mit dem Zusatz «Die Plage kommt» - erlaubte Gaudi im Karneval oder ausländerfeindliche Entgleisung? Zwei Motivwagen bei Umzügen erhitzen die Gemüter.

Reichertshausen (dpa) - Die kleine Gemeinde unweit von Ingolstadt taugt normalerweise nicht für Schlagzeilen. Reichertshausen mit seinen 5000 Einwohnern hat zwei Schulen, ein Arzt versorgt die Kranken, im einzigen Supermarkt decken sich die Bewohner mit dem Nötigsten ein. Der ICE von München nach Nürnberg rauscht durch. Es halten nur Nahverkehrszüge. Im Ort geht es gemütlich zu. Seit Sonntag ist alles anders.

Eine Panzerattrappe mit der Aufschrift «Ilmtaler Asylabwehr», die beim Faschingsumzug mitfuhr, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gerade eine Woche ist es her, dass die AfD-Vorsitzende Frauke Petry den Einsatz von Waffen gegen Flüchtlinge an den deutschen Grenzen zum Thema machte. Der zum Wehrmachtspanzer gestaltete Wagen samt Spruch kann als Unterstützung der Forderung aus der rechtspopulistischen Partei gesehen werden.

Der Wagen in Oberbayern ist kein Einzelfall. Auch im thüringischen Wasungen gibt es Ärger um einen Motivwagen mit ausländerfeindlichem Zungenschlag. Dargestellt wurde eine riesige Lokomotive, auf der die Worte «Balkan-Express» und «Die Plage kommt» zu lesen waren. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie muss herausfinden, ob Volksverhetzung vorliegt. In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. «Ich schäme mich für Euch» ist noch einer der harmloseren Kommentare, der sich an die Veranstalter in Oberbayern richtet.

Der «Oberilmtaler Carneval-Verein» (OCV) ist eine honorige Gesellschaft. Zum «Hofstaat» gehört auch Konrad Moll, der für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Gemeinderat von Reichertshausen sitzt. Jahr für Jahr organisiert der 52-Jährige den Faschingszug, auf den alle im Ort mächtig stolz sind.

Vielen Zuschauern war die Panzerattrappe schon von den beiden vergangenen Jahren bekannt, als sie ebenfalls mitfuhr - 2015 in Anspielung auf die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr. «Das sind friedliebende Burschen», sagt Moll über das Brüderpaar aus der Nachbargemeinde Petershausen, das den Wagen fuhr. Fremdenhass will er den jungen Männern jedenfalls nicht unterstellen.

Die seitlich angebrachten Schriftzüge «Ilmtaler Asylabwehr» und «Asylpaket III» seien ihm in der Hektik bei der Abnahme der Wagen gar nicht aufgefallen, rechtfertigt sich Moll. Auch ein anwesender Polizeibeamter habe keine Einwände erhoben. An der Spitze des sechs Kilometer langen «Gaudiwurms» seien Asylbewerber mitmarschiert. «In der Kindergarde tanzt ein Mädchen mit schwarzer Hautfarbe mit», sagt Moll. Und dennoch: «Ich muss mich entschuldigen», sagt er, «mir war die Tragweite nicht bewusst.»

Auch Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) lässt auf seine Narren nichts kommen. Der OCV trage maßgeblich zur Brauchtumspflege im Ort bei, lobt der Rathauschef den Verein. Und doch spricht er von einem großen Schaden, der durch die Teilnahme der Panzerattrappe entstanden sei.

Weniger kritisch sieht es Rainer Wehse, ehemals Dozent am Institut für Volkskunde und Europäische Ethnologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Die Fastnacht sei schon immer gesellschaftskritisch gewesen. «Diese Rügefunktion ist eine ganz wichtige Funktion der Fastnacht», so Wehse. An Fasching sei daher sehr vieles, auch politisch Unkorrektes, erlaubt. Wehse wohnt selbst in Reichertshausen und hat den Panzer am Sonntag nur kurz gesehen - die Attrappe sei «grenzwertig», aber «relativ harmlos», empfindet er. Sie spiegele wider, was große Teile der Bevölkerung derzeit über die Flüchtlingskrise dächten.

Mo, 2016-02-08 14:15
Düsseldorf/Mainz (dpa)

Köln triumphiert über den Sturm - und über Düsseldorf Von den dpa-Korrespondenten

In Köln lief es in letzter Zeit nicht richtig rund. Aber an Rosenmontag berappelt sich die gebeutelte Stadt: Während Düsseldorf und Mainz ihre Züge absagen, sagen die Kölner den Sturm ab.

Köln/Düsseldorf/Mainz (dpa) - Selbst Köln-Liebhaber konnten in letzter Zeit an ihrer Stadt verzweifeln. Doch eine Gewissheit hat ihnen in den dunkelsten Stunden seit der Silvester-Nacht immer wieder Hoffnung gemacht: Bald ist Karneval. Und Karneval ist immer gut in Köln. Am Rosenmontag werden sie darin eindrucksvoll bestätigt: Lang und bunt schlängelt sich der «Zoch» durch die Innenstadt. Der Himmel ist blau, der Sonnenschein überzieht die Gesichter der Feiernden mit einem warmen Bronzeton, und der Sturm... welcher Sturm?

Kaum ein Lüftchen regt sich, während in den Straßen die Kölschen Lieder erklingen: «Viva Colonia», «Drink doch ene met», «Superjeilezick» und «Wenn et Trömmelche jeit». Es wird gebützt (geküsst) und geschunkelt, nicht auf Armlänge, sondern ganz eng beineinander, weil das an Karneval nun mal so sein muss. Die Stimmung ist riesig - vor allem weil man alles schon verloren glaubte. Und vielleicht auch, weil man weiß, dass es an diesem Rosenmontag nur in Köln richtig lustig ist.

«Über Köln lacht die Sonne - über Düsseldorf die Welt.» Selbst der größte Köln-Tümler wagte diesen alten Kalauer in letzter Zeit nicht mehr zu zitieren. Denn der stromabwärts gelegene Rivale stand oft so viel besser da als das immer etwas schmuddelige, hoch verschuldete Köln. Die Übergriffe der Silvester-Nacht brachten die viertgrößte deutsche Stadt auch international in Verruf. Am Montag aber twittert der Kölner «Express»: «Düsseldorf: Zug abgesagt! Köln: Sturm abgesagt!»

Dabei ist es morgens noch eine richtig schwere Entscheidung für Zug-Chef Christoph Kuckelkorn: Mainz und Düsseldorf haben ihre Züge abgesagt - nun ist die Frage, was Köln tun wird. Bei der Pressekonferenz im Rathaus herrscht gedrückte Stimmung. Draußen geht ein Wolkenbruch nieder, und es will gar nicht richtig hell werden. Doch dann kommt Kuckelkorn herein und verkündet: keine Absage. Es bleibt dabei: «D'r Zoch kütt!»

Man merkt ihm deutlich an, welche Verantwortung nun auf ihm lastet. Freut er sich auf den Zug? «Ein bisschen.» Wie, nur ein bisschen? Sofort fängt er sich wieder: «Wir werden einen schönen Zug haben. Vielleicht kommt ja auch noch der ein oder andere aus den Nachbarstädten dazu.»

In Düsseldorf herrscht zu dieser Stunde schon Katerstimmung. Ein Rosenmontag wie Aschermittwoch - das bringt es ungefähr auf den Punkt. Natürlich, die Wagen können besichtigt werden, sie stehen später vor dem Rathaus, und sie sind so scharf und gut, wie man es aus Düsseldorf gewohnt ist. Aber trotz allem - wenn Karnevalswagen nicht fahren, dann wirken die Figuren ungefähr so lebendig wie eine Marionette mit abgeschnittenen Fäden.

Der Zug soll nachgeholt werden, sagen die Karnevals-Chefs. Auch die Mainzer erwägen das. Aber Karneval im Sommer? Die Düsseldorfer haben sowas schon mal probiert, vor 26 Jahren, als der Zug auch wegen Sturms abgesagt wurde. Damals rollte er dann zum Ersatz im Mai durch die Stadt, bei Sommertemperaturen. Es fühlte sich komisch an. «Karneval noch mal im Mai? Nie mehr!», hieß es damals.

Auch in Mainz gehen die Blicke an diesem Tag in den Himmel - denn von dort kommt nicht viel. Es nieselt ein wenig, mehr nicht. Waldemar Werner, der vor kurzem von Siegen nach Mainz gezogen ist, ärgert sich: «Sonst waren wir immer in Köln, jetzt wollten wir Mainz mal eine Chance geben und dann das!»

Im Internet kursieren Verschwörungstheorien: War eine Anti-Terror-Razzia in Mainz der Grund für die Absage? «Es gab in unserer Entscheidungsphase keine Terrorwarnung, stellt der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, klar. «Es sind auch keine Aliens gelandet.»

Unterdessen in Köln. Anfangs haben viele Jecken noch Regencapes über ihren Kostümen getragen. Aber mittlerweile haben sie sich von den lästigen Umhängen befreit. Wenn man länger in der Sonne steht, dann wird es richtig warm unter den Dingern.

«Es ist super, dass der Zug stattfindet», freut sich Harald Scholmeyer, 49, als Braunbär kostümiert. «Wir kommen aus dem Münsterland und hatten eine weite Anreise. Hut ab, dass der Zugführer das wagt.»

Fatima, 49, Verkäuferin in einem Kiosk am Dom, ist ein wenig stolz auf ihre Stadt: «Man sollte niemals aufgeben - darin sind die Kölner gut.» Und Heidi Winter weiß an diesem Tag eines ganz sicher: «Der Petrus ist doch ein Kölner.»

Mo, 2016-02-08 16:00
Berlin (dpa)

Nach Reise in Zika-Gebiete: Blutspender sollen einen Monat warten

Als Sicherheitsmaßnahme sollen Reisende, die aus Zika-Gebieten zurückkommen, für eine gewisse Zeit von Blutspenden ausgeschlossen werden. In Bayern fordert Gesundheitsministerin Huml männliche Rückkehrer auf, Kondome zu benutzen.

Berlin (dpa) - Reiserückkehrer aus Zika-Gebieten sollen für eine bestimmte Zeit in Deutschland kein Blut spenden dürfen. Die Zika-Gebiete seien relativ deckungsgleich mit denen von Malaria, erklärte die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Susanne Stöcker am Montag im hessischen Langen. Wer von dort zurückkomme, dürfe ohnehin sechs Monate lang kein Blut spenden. Nun werde geprüft, welche Länder wegen des Zika-Virus ebenfalls ausgeschlossen werden. In den USA, Frankreich und Großbritannien unterlägen Reisende aus Zika-Gebieten bei der Blutspende bereits einer Karenzzeit von 28 Tagen.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) möchte sichergehen: Im Blutspendedienst Nord-Ost, der die Bundesländer Berlin, Hamburg, Brandenburg, Sachsen und Schleswig-Holstein umfasst, dürfen Heimkehrer aus Zika-Gebieten ebenfalls für vier Wochen kein Blut spenden. DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger geht davon aus, dass auch die übrigen Bundesländer entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen werden. Das sei jedoch den einzelnen Diensten überlassen.

Das Zika-Virus wird vor allem durch tropische Mücken übertragen. Es wurde aber auch in Blut, Speichel und Sperma nachgewiesen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) riet Rückkehrern aus Gebieten mit Zika-Virus-Risiko zur Verwendung von Kondomen. «In Einzelfällen ist über eine Zika-Virus-Übertragung durch sexuelle Kontakte berichtet worden», sagte Huml. Zwar sei noch nicht belegt, wie hoch das Risiko tatsächlich ist. «Es ist aber sinnvoll, wenn männliche Rückkehrer aus Risiko-Gebieten wie Brasilien vorsorglich 28 Tage lang bei sexuellen Kontakten ein Kondom verwenden.»

Die meisten Infizierten haben nur schwache Symptome. Jedoch steht der Zika-Erreger im Verdacht, bei einer Infizierung von Schwangeren starke Schädelfehlbildungen bei deren Babys auszulösen. Einen Beweis dafür gibt es aber bislang nicht.

Mo, 2016-02-08 13:21
Sylt (dpa)

Toter Schwertwal am Strand von Sylt gefunden

Sylt (dpa) - Am Strand von Sylt ist am Montag ein toter Schwertwal gefunden worden. Es handele sich um ein etwa 2,50 Meter großes Jungtier, sagte Silke Lieser vom Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt. «Es ist ein Orca», bestätigte Seehundjäger Thomas Diedrichsen. Schwertwale werden auch Orcas genannt. Der Kadaver sei bereits vom Rantumer Strand geborgen worden.

Der tote Schwertwal sollte nach Möglichkeit noch am Montag zur Untersuchung ins Büsumer Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAF) an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gebracht werden. Die «Sylter Rundschau» hatte zuvor über den Fund des Meeressäugers berichtet.

«Dass ein Orca bei uns strandet, ist eher ungewöhnlich», sagte der Leiter des Multimar-Wattforums in Tönning, Gerd Meurs. In den Weltmeeren seien Orcas aber nicht selten. Mit der Strandung der Pottwale in den vergangenen Wochen in Schleswig-Holstein habe der Fund nichts zu tun, fügte der Experte hinzu. Die Bergung der Pottwale war in der Nacht zum Samstag abgeschlossen worden.

Mo, 2016-02-08 13:45
Hannover/Brüssel (dpa)

Stahlbündnis ruft EU um Hilfe gegen Dumping aus China Von Heiko Lossie, dpa

Die Wirtschaftsmacht China drängt mit billigem Stahl auf Europas Märkte. Die dortigen Hersteller fürchten das Schlimmste und sehen den fairen Wettbewerb in Gefahr. Daher soll es die Politik nun richten.

Hannover/Brüssel (dpa) - Bei Europas Stahlkochern geht die Angst um. Schon seit Jahren herrscht Krisenstimmung, denn selbst bei normaler Nachfrage war zuletzt jeder vierte Hochofen in der Branche einer zu viel. Überkapazitäten und Preisverfall prägten das Bild. China wirft massenhaft Stahl auf den Markt und verschlimmert das Problem. Europa- und deutschlandweit rufen die Stahlkocher daher um Hilfe. Schutzzölle sollen es zum Beispiel richten. Ein Überblick:

- Warum ist Stahl überhaupt wichtig?

In Europa ist Stahl laut dem Branchenverband Eurofer der mit Abstand meistgenutzte industrielle Rohstoff. Die Metalllegierungen sind zum Beispiel als hochfeste Stähle wichtig für den Autobau, aber auch der erfolgreiche deutsche Maschinenbau benötigt High-Tech-Stahl oder etwa Windenergieanlagen-Hersteller wie Enercon. Auch bei Großprojekten wie Brücken oder Gas- und Ölleitungen geht oft nichts ohne Stahl.

International gilt die europäische Stahlbranche als innovativ und nachhaltig. Sie erzielte zuletzt pro Jahr 170 Milliarden Euro Umsatz und gab 330 000 Menschen direkt einen Job, davon allein rund 100 000 hierzulande. EU-weit gibt es gut 500 Produktionsorte. ThyssenKrupp und Salzgitter sind Deutschlands Branchen-Schwergewichte.

- Wie geht es den Unternehmen?

Die Negativschlagzeilen reißen nicht ab. Der ungebremste Verfall der Preise brockte dem weltgrößten Hersteller ArcelorMittal vergangenes Jahr einen Rekordverlust ein. Es gab einen Fehlbetrag von fast acht Milliarden US-Dollar (7,2 Mrd. Euro). Es ist der vierte Jahresverlust nacheinander und der höchste seit der Fusion der Stahlunternehmen Arcelor (Luxemburg) und Mittal (Niedelande) 2007. Der Konzern bittet die Aktionäre nun um frisches Geld und streicht die Dividende.

- Und hierzulande?

Branchenprimus ThyssenKrupp hat sich in den vergangenen Jahren unter dem Vorstandschef Heinrich Hiesinger aus einer schweren Krise gekämpft. Für 2015 waren die Zahlen unter dem Strich wieder schwarz. Doch von Entwarnung kann noch keine Rede sein. «Die Lage in der europäischen Stahlindustrie ist in der Tat besorgniserregend», sagte Hiesinger vor kurzem beim Aktionärstreffen in Bochum. Gerade das Schlussquartal 2015 verstärke die negativen Vorzeichen wieder.

Ähnlich die Salzgitter AG: Die deutsche Nummer zwei aus Niedersachsen fuhr in den vergangenen Jahren einen Sparkurs, strich Hunderte Jobs und baute den Konzern um. Die Reformen besserten die Zahlen, 2015 gab es mit der Ertragswende wieder den ersten Vorsteuergewinn seit 2011. Doch die Situation sei branchenweit fragil, betont auch Salzgitter.

- Wie beurteilt das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) die Lage?

Als «schwierig». Eine wesentliche Ursache sei die Beeinträchtigung der globalen Stahlmärkte durch hohe Einfuhren aus China. Das Reich der Mitte litt zuletzt nach Jahren der konjunkturellen Höhenflüge unter Dämpfern. Die chinesischen Stahlexporte waren laut BMWi im Jahr 2014 schon um 51 Prozent auf einen neuen Rekord von rund 93 Millionen Tonnen gewachsen. Im ersten Quartal 2015 habe es weitere 40 Prozent Anstieg gegeben, auch als Folge der sinkenden Inlandsnachfrage. «Das stellt unsere Stahlindustrie vor große Herausforderungen», sagt eine BMWi-Sprecherin. Überkapazitäten im Stahlsektor Chinas und unfaire Handelspraktiken dürfen die europäischen Hersteller nicht belasten.

- Was geschieht politisch hinter den Kulissen?

Deutschland und sechs weitere Länder fordern die EU zum Handeln auf. Man müsse die heimische Industrie gegen «unfaire Handelspraktiken» schützen, verlangten Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sowie Minister aus Italien, Großbritannien, Frankreich, Polen, Belgien und Luxemburg. «Die Europäische Union kann nicht passiv bleiben, wenn wachsende Arbeitsplatzverluste und Schließungen von Stahlwerken zeigen, dass es eine erhebliche und drohende Gefahr eines Zusammenbruchs des europäischen Stahlsektors gibt», heißt es in einem Schreiben vom 5. Februar. Die EU solle sich gegen günstige Importe wehren, fordern die Unterzeichner. Laufende Anti-Dumping-Verfahren zu Produkten aus China und Russland müssten schneller vorankommen. Auch gegen mutmaßliche unerlaubte Subventionen für die Stahlindustrie in Drittländer müsse die EU entschiedener vorgehen, so die Forderung.

- Was sagen die Lobby-Verbände und die Arbeitnehmervertreter?

Die Branche will am 15. Februar zu einem Protestmarsch in Brüssel zusammenkommen - mindestens 5000 Menschen werden erwartet. Die Gewerkschaft IG Metall hatte schon Ende Januar zu einer Aktionswoche aufgerufen und vor einem massiven Arbeitsplatzabbau gewarnt.

Am Montag trafen sich die wichtigsten Akteure in Niedersachsen zu einem «Stahlgipfel». Politiker, Vertreter der Wirtschaftsvereinigung Stahl und die IG Metall kritisierten unter anderem die europäische Handelspolitik als zu schwerfällig. So würden Klageverfahren erst mit dem Nachweis einer «erheblichen Schädigung über einen Zeitraum von 12 Monaten» überhaupt akzeptiert. Damit dauere es in der EU rund 20 Monate und damit doppelt so lang wie in den USA, bis Bemühungen zum Schutz der heimischen Industrie greifen. «Das Prüfverfahren muss daher deutlich verkürzt werden», fordern die Unterzeichner.

Mo, 2016-02-08 13:50
Ankara (dpa)

Davutoglu weist Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen zurück

Ankara (dpa) - Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat sich eine internationale Einmischung im Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbeten. Es gebe kein Land, das terroristische Aktivitäten innerhalb seiner Grenzen erlauben würde, sagte Davutoglu am Montag nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ankara. Die Türkei habe als demokratisches Land das Recht, gegen solche Kämpfer vorzugehen. Kein Land habe das Recht, der Türkei deswegen Menschenrechtsverletzungen vorzuwerfen. Die Türkei wird in der EU seit Jahren für Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit kritisiert.

Davutoglu verteidigte den Einsatz türkischer Regierungstruppen gegen kurdische Milizen in der Stadt Cizre, bei dem es nach unterschiedlichen Angaben in der Nacht zum Montag zwischen 10 und 60 Todesopfer gegeben haben soll. Die Türkei kämpfe als demokratischer Rechtsstaat dort gegen Terroristen und Waffenschmuggler. Er hoffe, dass die Kämpfe innerhalb kürzester Zeit beendet werden könnten.

Merkel sagte zu dem Vorwurf, die Bundesregierung verrate wegen der herausgehobenen Rolle der Türkei bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise die Menschenrechte, sie habe mit Davutoglu etwa auch über die Arbeitsbedingungen von Journalisten in der Türkei gesprochen. Deutschland habe große Hoffnung auf den Versöhnungsprozess mit Kurden und PKK gesetzt. «Man muss allerdings auch sagen, dass natürlich bei terroristischen Aktivitäten jedes Land auch das Recht hat, gegen Terrorismus vorzugehen», sagte Merkel. Man spreche mit der Türkei sehr wohl über kritische Fragen. Gegenüber vor zwei oder drei Jahren habe sich aber auch die Problemlage geändert, sagte sie mit Blick auf den Syrienkrieg und illegale Migration.

Mo, 2016-02-08 14:31
Moskau (dpa)

Russland weist Kritik an seinen Luftangriffen in Syrien erneut zurück

Moskau (dpa) - Russland hat Kritik an seinen Luftangriffen in Syrien erneut mit Nachdruck zurückgewiesen. Das Militär attackiere Stellungen von Terrororganisationen in dem Bürgerkriegsland, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau. «Niemand bestreitet, dass diese Gruppen bekämpft werden müssen», betonte er nach Angaben der Agentur Interfax. Auch deswegen gehe der Vorwurf ins Leere, dass die russischen Angriffe Schuld seien am Abbruch der Friedensgespräche in Genf, sagte der Mitarbeiter von Präsident Wladimir Putin.

Der einflussreiche russische Außenpolitiker Alexej Puschkow wies Vorwürfe zurück, Russland trage Mitschuld an der Flüchtlingskrise in Europa. «Nicht wir, sondern die US-Politik im Nahen Osten hat den Flüchtlingstsunami ausgelöst», sagte der Chef des Auswärtigen Parlamentsausschusses. Lange vor Beginn der russischen Luftangriffe Ende September habe die Massenflucht begonnen, meinte Puschkow.

Russlands Botschafter in Syrien, Alexander Kinschtschak, wies Spekulationen eines angeblich geplanten Militärbündnisses Russlands mit Syrien, dem Iran, dem Irak, Jordanien sowie mit Kurden zurück. «Wir koordinieren zwar unseren Kampf gegen den Islamischen Staat, aber ich würde nicht von einem Bündnis sprechen», sagte Kinschtschak.

Mo, 2016-02-08 13:42
Berlin (dpa)

Diskussion um Blutspenden von Reisenden aus Zika-Gebieten

Berlin (dpa) - Die Gefahr, sich über Blutspenden mit Zika-Viren zu infizieren, ist in Deutschland äußert gering. Die Zika-Gebiete seien relativ deckungsgleich mit denen von Malaria, erklärte die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Susanne Stöcker am Montag im hessischen Langen. Wer von dort zurückkomme, dürfe ohnehin sechs Monate lang kein Blut spenden. Nun werde geprüft, welche Länder wegen des Zika-Virus ebenfalls ausgeschlossen werden. In den USA, Frankreich und Großbritannien unterlägen Reisende aus Zika-Gebieten bei der Blutspende bereits einer Karenzzeit von 28 Tagen.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) möchte sichergehen: Im Blutspendedienst Nord-Ost, der die Bundesländer Berlin, Hamburg, Brandenburg, Sachsen und Schleswig-Holstein umfasst, dürfen Heimkehrer aus Zika-Gebieten ebenfalls für vier Wochen kein Blut spenden. DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger geht davon aus, dass auch die übrigen Bundesländer entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen werden. Das sei jedoch den einzelnen Diensten überlassen. Das Zika-Virus wird vor allem durch tropische Mücken übertragen, wurde aber auch im Blut, Speichel und Sperma nachgewiesen.

Mo, 2016-02-08 15:08
Berlin (dpa)

Koalition streitet um Flüchtlingskinder - CDU-Vize für Verschärfungen

Sollen unbegleitete Kinder und Jugendliche in jedem Fall ihre Eltern nachholen dürfen? Während die Koalition darüber streitet, stoßen neue Forderungen aus der CDU für Asylrechtsverschärfungen auf Kritik.

Berlin (dpa) - Noch hat die Koalition ihren Streit um den Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen nicht beigelegt - da kommen aus der Union Forderungen nach weiteren Gesetzesverschärfungen. CDU-Vize Thomas Strobl sprach sich für höhere Hürden für ein unbefristetes Aufenthaltsrecht für Asylbewerber aus. Die Opposition warf Union und SPD chaotisches Agieren vor. Das Familienministerium räumte eine Fehleinschätzung bei der Vorbereitung des Asylpakets II ein.

Für ein Daueraufenthaltsrecht sollten Asylbewerber nach Auffassung Strobls «einigermaßen ordentlich Deutsch sprechen können», Grundkenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung besitzen und keine Straftaten begangen haben. Zudem sollten sie «mit 60 Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung nachweisen können, dass sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können», sagte Strobl der «Welt» (Montag). Das unbefristete Aufenthaltsrecht dürfe es künftig frühestens nach fünf Jahren geben.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warf Strobl Wahlkampf in Baden-Württemberg auf dem Rücken der Flüchtlinge vor. Strobl ist auch CDU-Landeschef im Südwesten. «Zuerst isoliert man die Flüchtlinge und dann fordert man Integration. Das passt nicht zusammen und ist unfair», sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag).

Den Konflikt über den Elternnachzug unbegleiteter Kinder und Jugendlicher sollen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) beilegen. Noch sei nicht klar, wann die Gespräche abgeschlossen würden, sagte eine Sprecherin des Justizressorts. Der Gesetzentwurf mit mehreren Verschärfungen hatte am Mittwoch das Bundeskabinett passiert. Zuvor hatten ihn die Ministerien abgestimmt.

Das SPD-geführte Bundesfamilienministerium räumte eine Fehleinschätzung bei diesem Verfahren ein. Eine Veränderung im Gesetzentwurf sei dem Ministerium zwar aufgefallen, sagte eine Sprecherin. «Aber die Tragweite wurde anders eingeschätzt.»

Es geht darum, ob auch für unbegleitete Minderjährige wie für andere Flüchtlinge mit eingeschränktem («subsidiärem») Schutz der Familiennachzug für zwei Jahre ausgesetzt sein soll. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte moniert, mit ihm sei dies nicht verabredet gewesen.

In dem Kabinettsbeschluss ist eine Klausel zugunsten der Minderjährigen nicht enthalten. Im Familienministerium war man laut Sprecherin davon ausgegangen, dass der Elternnachzug dennoch möglich bleibt. Dies gebiete internationales Recht.

Im Jahr 2014 erhielten laut Innenministerium 214 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingeschränkten (subsidiären) Schutz. 2015 waren es bisher 105 Fälle, allerdings dürfte die Zahl noch wachsen.

Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping riet der Bundesregierung zu einem Runden Tisch mit «richtigen Experten» etwa von Menschenrechtsorganisationen oder Kommunen. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der «Berliner Zeitung» (Dienstag): «Die Regierungskoalition versinkt im Chaos anstatt ihren Job zu machen.»

SPD-Vize Ralf Stegner warf CDU und CSU auf Bayern 2 einen «Schäbigkeitswettbewerb» gegen Kinder und Jugendliche vor. Die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dem Innenministerium gelinge keine solide Arbeit.

Das Kinderhilfswerk terre des hommes mahnte: «Eine Aussetzung des Familiennachzuges für Flüchtlingskinder wäre ein schwerer Verstoß gegen das Kindeswohl gemäß der UN-Kinderrechtskonvention.»

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.


Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volks-wagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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