Aktuell

fracking / 28.Aug 2015

Bohren bis der Boden bebt

Fracking sei unbedenklich, beharren Energieunternehmen. Eine kanadische Behörde bestätigt jetzt das Gegenteil: Die Firma Progress Energy habe mit ihren Bohrungen letztes Jahr ein Erdbeben von der Stärke 4,4 ausgelöst. In den USA kündigen Umweltschützer an, die Regierung zu verklagen, wenn sie die Technologie nicht schärfer reguliert.

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der Woche
Sa, 2015-08-29 09:50
Damaskus (dpa)

Lokale Waffenruhe in Syrien zwischen Regime und Rebellen gebrochen

Damaskus (dpa) - Eine Waffenruhe in der strategisch wichtigen syrischen Stadt Sabadani westlich von Damaskus ist einen Tag vor ihrem Ablauf gebrochen worden. Kräfte des Regimes hätten den von Rebellen kontrollierten Ort nahe der Grenze zum Libanon beschossen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Beide Seiten hatten sich am Donnerstag auf eine zweitägigen Waffenruhe geeinigt, die noch einmal um einen Tag verlängert wurde.

Regimekräfte und die mit ihre verbündete libanesische Schiitenmiliz Hisbollah versuchen seit Wochen, Sabadani einzunehmen. Die Stadt ist strategisch bedeutsam, weil sie nahe einer wichtigen Verbindung zwischen dem Libanon und der syrischen Hauptstadt Damaskus liegt. Sabadani ist die letzte Hochburg der Rebellen in der Region.

Sa, 2015-08-29 09:21
Pirna/Heidenau (dpa)

Büro der Linken in Pirna angegriffen - ruhige Nacht in Heidenau

Pirna/Heidenau (dpa) - Im sächsischen Pirna ist in der Nacht zu Samstag ein Büro der Linkspartei angegriffen worden. Unbekannte warfen in der Kreisgeschäftsstelle fünf Scheiben ein und beschädigten die Eingangstür, wie die Polizei in Dresden mitteilte. Hinweise auf die Täter gibt es nicht. Ob es einen Zusammenhang mit den ausländerfeindlichen Protesten im benachbarten Heidenau gibt, konnte die Polizei nicht sagen. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

In Heidenau selbst ist es nach rechten Protesten am Freitagabend ruhig geblieben. Bis zum Samstagmorgen habe es keine Zwischenfälle gegeben, teilte die Polizei in Dresden mit. In Heidenau gilt noch bis Montag ein Versammlungsverbot.

Am Freitagnachmittag hatte es ein friedliches Willkommensfest für die dort untergebrachten Flüchtlinge gegeben. Später kesselte die Polizei rund 180 rechte Demonstranten ein, die sich in der Nähe versammelt hatten. Sie erhielten Platzverweise.

Für den heutigen Samstag haben linke Gruppen in Dresden zu einer Demonstration für den Schutz von Flüchtlingen und gegen die aktuelle Asylpolitik in Deutschland aufgerufen. Die Veranstalter vom Bündnis «Dresden Nazifrei» haben 1000 Teilnehmer angemeldet und erwarten auch Demonstranten aus Leipzig, Berlin, Frankfurt und Jena.

Sa, 2015-08-29 08:55
Berlin (dpa)

In Berlin öffnet ein Heim für besonders traumatisierte Flüchtlinge Von Kirsten Baukhage, dpa

Sie haben alles verloren und ihre Heimat verlassen. Oft haben sie Erschütterndes auf der Flucht erlebt. Berlin hat eine spezielle Unterkunft für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge gebaut.

Berlin (dpa) - Im oberen Stock sonnengelb, in der Mitte meerblau, im Erdgeschoss grasgrün - die Bodenfarben sollen an die verlorene Heimat vieler Flüchtlinge erinnern und auf die neue vorbereiten. Erbauer und Betreiber haben viele Details bewusst gewählt. Das letzte der sechs Wohncontainerheime, das der Berliner Senat für Asylbewerber errichtet hat, sticht heraus: durch seine Bauweise, durch seine Bewohner, durch das Angebot.

An diesem Montag sollen die ersten der künftig 300 Asylbewerber am Ostpreußendamm in Steglitz-Zehlendorf einziehen. Es ist für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge vorgesehen. Dazu zählen nicht nur traumatisierte Menschen, sondern auch Mütter mit Kindern, hochschwangere Frauen oder homosexuelle Paare. Dort sollen sie Ruhe, Schutz und Betreuung finden.

Betreiber des im gutbürgerlichen Zehlendorf an einem Waldrand gelegenen Gemeinschaftsheimes ist der Diakonie-Tochterverein «Miteinander leben, aber anders» (Milaa). «Die Menschen haben oft Folter, Verfolgung, Krieg und eine lebensbedrohliche Flucht übers Mittelmeer hinter sich. Sie leiden unter Depressionen, Ängsten, Albträumen und Schlafstörungen», sagt Milaa-Geschäftsführerin Gisela Netzeband. Die Diakonie und ihre Tochter hätten jahrelange Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit.

Die besondere Schutz- und Ruhebedürftigkeit spiegelt sich auch in der Bauweise wieder. «Wir haben hier vieles zum ersten Mal ausprobiert und aus den Erfahrungen in den anderen Heimen gelernt», erzählt Detlef Cwojdzinski, der Leiter der Task Force Notunterbringung des Senats. Stolz ist er darauf, dass Berlin innerhalb eines Jahres sechs Wohncontainerdörfer mit 2200 Plätzen hinstellte und jetzt besser mit neuen Heimen gerüstet ist als andere Bundesländer. «Der Wohncontainermarkt ist inzwischen leer gefegt», sagt Cwojdzinski.

Von außen sähen sie zwar noch wie Container aus, aber von innen wie ein modernes Fertighaus, betont der Bauleiter. Mehr Privatsphäre ist bei all dem das Motto. Das summiere sich am Ostpreußendamm auf Zusatzkosten pro Platz von 1000 Euro.

So erhalten bei Bedarf Frauen auf der einen, Männer auf der anderen Seite ihre Zimmer. Dazwischen sind Familien untergebracht. In einem Haus wurden auch kleine Wohngemeinschaften für Behinderte geschaffen, je zwei in behindertengerechten Zimmern mit eigenem Bad dazwischen.

30 Quadratmeter groß sind auch die Gemeinschaftsküchen mit je sechs Spülen und Herden, die ausreichend Platz für gemeinsames Kochen und Essen bieten. Die Herde schalten sich nach gewisser Zeit selbst ab. Unbeaufsichtigte Herde führten in anderen Heimen schon zu brenzligen Situationen. Die großen Dusch- und Toilettenbereiche wurden mit Umkleidekabinen ausgestattet. Erstmals ist auch je Einheit eine Hocktoilette eingebaut.

Netzeband freut sich besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtteil Zehlendorf und den Anwohnern. Es gebe schon viele Hilfsangebote von Sprach- bis Nähkursen. «Vor Sachspenden können wir uns gar nicht retten.»

Auf dem Gelände ist seit langem ein Jugendclub ansässig, der eine Bahn für BMX-Räder angelegt hat. Die werde künftig von Jugendlichen des Bezirks und den Flüchtlingen gemeinsam genutzt, sagt die Diakonie-Mitarbeiterin. Als Plus obendrauf: «Wir wollen den Garten gemeinsam mit den Flüchtlingen anlegen», erzählt Netzeband. «Die Selbstversorgung mit Gemüse und Obst gehört zu vielen Kulturen der Flüchtlinge.»

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Sa, 2015-08-29 09:30
München (dpa)

Milchbauern erwarten katastrophales Jahr - Viele Betriebe geben auf Von Daniela Wiegmann, dpa

Die stark sinkenden Milchpreise bringen viele Bauern in Not. Der Bauernverband befürchtet, dass Tausende Betriebe aufgeben müssen. Am Dienstag wollen Milchbauern aus ganz Deutschland sich bei einer Protestaktion in München Gehör verschaffen.

München (dpa) - Während sich viele Verbraucher in Deutschland über niedrige Milchpreise freuen, bangen Bauern um ihre Existenz:  Tausende Milchbauern müssen ihren Betrieb nach Einschätzung des bayerischen Bauernverbandes in diesem Jahr aufgeben. Der stark gesunkene Milchpreis beschleunige den langjährigen Trend nochmals deutlich, sagte der Milchpräsident des bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, der Deutschen Presse-Agentur in München. «Auf den Milchbauernhöfen brennt es im Moment lichterloh.» Als wichtiges Erzeugerland für Milch sei Bayern mit seinen rund 33 000 Milchbetrieben davon besonders betroffen.

Seit dem vergangenen Jahr ist der Auszahlungspreis, den die Landwirte von den Molkereien erhalten, um rund zehn Cent gesunken und liege derzeit teilweise bei weniger als 30 Cent pro Kilo Rohmilch. Viele Betriebe könnten damit nicht einmal ihre Futterkosten decken, sagte Felßner. «Sie zahlen jeden Tag drauf, wenn sie ihre Kühe melken. Das wird ein katastrophales Jahr für die Betriebe.»

Felßner selbst hält auf seinem Hof im fränkischen Lauf an der Pegnitz 120 Milchkühe und rechnet 2015 wegen des Preisverfalls mit rund 80 000 Euro weniger Einnahmen als im Vorjahr, das allerdings dank eines hohen Milchpreises sehr gut ausfiel. «Man lebt von der Substanz», sagte er. Auf Dauer sei das derzeitige Preisniveau aber nicht durchzuhalten.

Die Politik müsse den rund 80 000 Milchviehhaltern in Deutschland stärker unter die Arme greifen, um die drastischen Marktschwankungen abzufedern. Unter anderem fordert der Bauernverband seit langem Änderungen bei der Besteuerung der Betriebe, um aus Überschüssen in guten Jahren besser Rücklagen für schlechte Zeiten bilden zu können. Ein einheitlicher Mindestpreis von 40 Cent für das Kilo Rohmilch greift aus Sicht von Felßner hingegen zu kurz, da kleine Betriebe eine ganz andere Kostenstruktur hätten als Großbetriebe. «Damit würden Agrarstrukturen entstehen, die niemand haben will.»

An diesem Dienstag (1. September) wollen zahlreiche Bauern aus ganz Deutschland sich zu einer Kundgebung in München versammeln, um sich Gehör zu verschaffen. Zu der Staffelfahrt aus mehreren Städten hatte der Bundesverband deutscher Milchviehhalter aufgerufen.

In den vergangenen Jahren hat eine Milchkrise nach der anderen die deutschen Landwirte getroffen. Derzeit wird mehr Milch produziert als benötigt - das drückt den Preis. Gründe für das Überangebot sind etwa das Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte in Russland und weniger Nachfrage aus China. Die Bauern werfen dem Lebensmittelhandel vor, dieses Überangebot auszunutzen, um die Preise knallhart zu drücken. Die Produktion der Milchmenge ist den Bauern seit dem Wegfall der Milchquote selbst überlassen: Seit April schreibt die EU ihnen nicht mehr vor, wie viel sie produzieren dürfen.

Sa, 2015-08-29 08:30
Essen (dpa)

Retter dringend gesucht - RWE braucht neuen Spitzenkontrolleur Von Rolf Schraa, dpa

RWE sucht schon lange einen neuen Aufsichtsratschef. Jetzt rückt das Ausscheiden des Vorgängers näher, RWE steckt dramatisch in der Krise - und noch immer gibt es keine Lösung.

Essen (dpa) - Abgestürzte Gewinne, schmerzhafter Stellenabbau und gewaltsame Bürgerproteste vor Braunkohlebaggern - der einst so stolze RWE-Konzern wankt wie lange nicht mehr. Die Essener brauchen bei ihrem geplanten Konzernumbau in den nächsten Jahren dringend eine klare Führung - doch der Aufsichtsratsvorsitz, die wichtigste Spitzenposition im Konzern neben Vorstandschef Peter Terium, ist nur noch auf Abruf besetzt.

Der langjährige Chefkontrolleur Manfred Schneider (76) hat schon lange angekündigt, im Frühjahr 2016 aus Altersgründen auszuscheiden. Aber die Suche nach einem Nachfolger verlief bisher alles andere als reibungslos: Deutsche-Bank-Kontrolleur Paul Achleitner, Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle, Ex-BDI-Präsident Hans-Peter Keitel - sie alle gaben Schneider dem Vernehmen nach einen Korb. Sogar Headhunter sollen ergebnislos nach Kandidaten für den Job gesucht haben, der immerhin mit 300 000 Euro im Jahr plus Spesen dotiert ist.

Jetzt gilt der Ex-SAP-Finanzvorstand Werner Brandt (61), der bereits einfaches RWE-Aufsichtsratsmitglied ist, als Favorit. Doch entschieden ist die Sache noch lange nicht. Die einflussreichen Kommunen - mit knapp einem Viertel der Anteile RWE-Hauptaktionär - wollen laut Konzernkreisen den früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, Chef der RAG-Stiftung, als Aufsichtsratsvorsitzenden.

Müller, der mit der milliardenschweren Steinkohlestiftung einen Lebenstraum erreicht hat, würde für ein weiteres Engagement bei RWE sicher nicht in eine Kampfabstimmung gehen, heißt es. Doch wenn der RWE-Aufsichtsrat kräftig genug werben würde und es eine klare Mehrheit für Müller gäbe, nähme er die Aufgabe vielleicht an.

Müller ist ein Spezialist für große Lösungen in schwieriger Lage und hat weiter beste Kontakte zur Politik. Die sozialverträgliche Abwicklung der deutschen Steinkohle mit Zehntausenden Jobs über eine Stiftungslösung und praktisch ohne Proteste gilt als eine seiner Leistungen.

Allerdings haben die Kommunen, die Müller wollen, im Aufsichtsrat gerade einmal 4 von 20 Sitzen. Und auch Brandt ist ein hervorragender Kandidat, wie ein langjähriger Wegbegleiter sagt. Als analytisch, ruhig und gelassen wird er geschildert - ein Mann mit Einfühlungsvermögen, der sehr unterschiedliche Interessen zusammenführen kann. Das dürfte bei RWE in den nächsten Jahren dringend gebraucht werden. Anders als Müller, der von außen käme, hätte Brandt als Aufsichtsratsmitglied auch den nötigen Stallgeruch, heißt es.

Vom Tisch zu sein scheint die Spekulation, dass der hoch angesehene Aufsichtsratschef Schneider aus Mangel an mehrheitsfähigen Kandidaten das RWE-Kontrollgremium noch einige Jahre weiterführt. Der neue Mann soll schließlich den umfassenden Strukturwandel bei RWE zusammen mit Terium von Anfang bis Ende begleiten. Den langwierigen und kraftraubenden Job will dem bereits 76-jährigen Schneider niemand mehr zumuten. «Es braucht einen Neuen», heißt es von einem Aktionärsvertreter - und das möglichst bald.

Sa, 2015-08-29 08:30
Kiel (dpa)

Kubicki: Kieler Trio würde den Bundestag bereichern

Kiel (dpa) - Im Kieler Landtag gehören FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, sein SPD-Rivale Ralf Stegner und der Grünen-Umweltminister Robert Habeck zu den prägendsten Figuren - nach der Bundestagswahl 2017 könnten die drei sich im Bundestag wiedertreffen. «Alle wären eine Bereicherung für den Bundestag», sagte Kubicki der Deutschen Presse-Agentur. Aus seiner Sicht hätten die Grünen mit Habeck die größte Chance, ihr Wählerpotenzial auszuschöpfen. «Und Ralf Stegner spielt seine Rolle als Lordsiegelbewahrer der reinen sozialistischen Lehre hervorragend.»

Die Ausgangslage für das Trio: Habeck will Spitzenkandidat der Bundes-Grünen werden, Kubicki tritt zur Landtags- und Bundestagswahl an, während Stegner erst im zweiten Halbjahr 2016 seine Entscheidung bekanntgeben will. «Er wird nach Berlin gehen, egal, was er heute sagt», meinte Kubicki. «Er weiß, dass er an Ministerpräsident Torsten Albig nicht vorbeikommt, obwohl er ihn für ersetzbar hält.» Stegner habe sich in seiner Rolle als Sprecher der SPD-Linken ordentlich eingerichtet, «nachdem er als Innenminister in Kiel noch rechts von Otto Schily stand».

Sa, 2015-08-29 08:06
Berlin (dpa)

Tillich: Sachsen geht «mit aller Härte» gegen Rechtsextremisten vor

Berlin (dpa) - Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sich erleichtert gezeigt, dass das ursprünglich verbotene Flüchtlingsfest in Heidenau am Freitag doch stattfinden konnte. «Ich bin froh, dass es gelungen ist, das Fest zu sichern», sagte er der «Bild»-Zeitung (Samstag). Zwar arbeite die Landespolizei an der Grenze ihrer Belastbarkeit, doch mit Hilfe von Beamten anderer Länder sei es trotzdem gelungen. «Das Willkommen und die Sicherheit der Flüchtlinge wie auch die Versammlungsfreiheit sind unsere Aufgabe. Deshalb haben wir die schwierigen Abstimmungen mit den Polizeibehörden der anderen Länder mit Hochdruck vorangetrieben.»

Das Willkommensfest war ursprünglich vom Landkreis wegen eines Polizeilichen Notstands verboten worden, ebenso wie rechte Kundgebungen. Nach einem juristischen Tauziehen kippte das Oberlandesgericht aber das Verbot des Festes.

Tillich bekräftigte, dass die sächsischen Behörden «mit aller Härte» gegen die rechtsextreme Szene im Land vorgingen. Er fügte hinzu: «Leute, die am Rand von NPD-Aufmärschen applaudieren, begeben sich an den Rand der Gesellschaft und beklatschen einen Ungeist, der in Deutschland nie wieder herrschen darf.»

Sa, 2015-08-29 07:30
Dresden (dpa)

AfD will unter ihrer neuen Chefin Frauke Petry mehr in die Mitte

AfD-Chefin Frauke Petry will ihre Partei für größere Wählerschichten attraktiv machen. Einen Rechtsruck in der Partei sieht sie nicht. Zugleich strebt sie mehr Demokratie von unten an.

Dresden (dpa) - Die Alternative für Deutschland (AfD) soll nach dem Willen ihrer Vorsitzenden Frauke Petry mehr in die Mitte der politischen Landschaft rücken. «Ich sehe die Aufgabe, die AfD in einem Spektrum zu verankern, in dem sie von einer wachsenden Zahl von Menschen gewählt werden kann», sagte Petry der Deutschen Presse-Agentur: «Unsere Gegner versuchen permanent, uns das Etikett einer rechten Partei anzukleben. Das wird ihnen aber nicht gelingen.» Vielleicht sei die AfD in der Wortwahl ein bisschen «frecher». Doch ihr Themenspektrum sei sehr breit.

Petry geht davon aus, dass die AfD nach dem Austritt ihres Gründers Bernd Lucke und seiner Anhänger wieder zu den Wurzeln zurückkehren wird. «Die große Mehrheit der AfD hat den Parteitag in Essen als Befreiungsschlag erlebt. So nach dem Motto: Jetzt können wir die AfD wieder zu der Partei machen, die sie 2013 war.» Die Auseinandersetzungen auf oberster Ebene hätten gelähmt und zu einem zerstrittenen Bild in der Öffentlichkeit geführt. Dies werde man korrigieren müssen: «Ich sehe nach wie vor keinen Rechtsruck in der AfD. Er wurde aber von jenen prognostiziert, die in Luckes Gefolgschaft ausgetreten sind.»

Nach den Worten von Petry geht es nicht nur darum, die Anfangsidee wieder mit Leben zu erfüllen: «Wir brauchen innerhalb der Partei ein lebendiges Diskussionsklima, wenngleich nicht jeder machen kann, was er möchte», sagte die 40 Jahre alte Parteichefin. Anders als bis zum Essener Parteitag werde der neue Vorstand keine willkürlichen Linien vorgeben. Den Euro will Petry wieder stärker in den Fokus rücken. Aber auch Themen wie Familie, Mittelstand, Steuern, Asyl und Energiepolitik spielten eine Rolle: «Die Mitglieder verlangen nach einer programmatischen Breite.»

Der neuen Partei von Lucke räumt Petry keine Chancen ein. «Mich hat nur geärgert, dass man mit teils menschlich perfiden Methoden versucht hat, AfD-Mitglieder abzuwerben.» Die AfD habe erwartet, bis zu 20 Prozent der Mitglieder zu verlieren: «Das scheint sich zu bewahrheiten. Wir haben auch schon wieder viele Eintrittsgesuche. Es gibt viele, die 2013 und 2014 wegen des autoritären Führungsstils ausgetreten sind und nun zurückwollen.» Petry schloss nicht aus, dass es künftig wieder eine Dreierspitze gibt. «Wir werden dies auf dem Satzungsparteitag am 28. und 29. November klären.»

Der neue Bundesvorstand werde das Prinzip der «Demokratie von unten», viel stärker vertreten: «Früher hatte er de facto ein Vetorecht bei der Programmarbeit. Wenn ein Thema in den Ausschüssen auftauchte, gab es für den Vorstand die Möglichkeit, dieses Thema und die Diskussion dazu zu verhindern.» Künftig werde der Bundesvorstand keine «diskussionshemmende Wirkung» mehr haben: «Zumindest eine Diskussion sollte stattfinden. Was am Ende auf Parteitagen eine Rolle spielt, soll unter anderem über Online-Umfragen in der Mitgliedschaft entschieden werden. Wir binden die Basis stärker ein», sagte Petry.

Sa, 2015-08-29 05:27
Berlin (dpa)

De Maizière sorgt sich wegen «Verrohung» in Flüchtlingsdebatte

Beleidigungen, Anfeindungen, Bedrohungen - dies erleben in diesen Tagen nicht nur Flüchtlinge. Auch engagierte Bürger, Politiker und Journalisten werden so attackiert. Der Bundesinnenminister sieht eine «Verrohung».

Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält die immer hitziger geführte Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen mit rassistischen Verbalattacken und Drohungen auch gegen Politiker für höchst bedenklich. «Das Maß und die Art der Verrohung unserer Sprache und unseres Umgangs mit- und untereinander macht mir Sorgen», sagte der CDU-Politiker der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag).

«Gerade im Internet in geschlossenen Gruppen, in denen sich die Menschen gegenseitig in ihren Ansichten bestätigen und aufstacheln, glauben die Menschen dann auch noch, sie würden die Meinung einer schweigenden Mehrheit zum Ausdruck bringen, wenn sie gegen Ausländer hetzen oder Presse und Politik verteufeln», kritisierte de Maizière. Denen könne er nur deutlich entgegenhalten: «Ich bin froh, dass dem nicht so ist, und stolz darauf, dass Deutschland ein offenes und tolerantes Land ist.»

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht die Entwicklung mit Sorge. Er war nach einem Besuch in Heidenau, wo er die Krawallmacher als «Pack» bezeichnet hatte, in sozialen Medien und per Mails unflätig beschimpft worden - - ebenso wie Kanzlerin Angela Merkel von Demonstranten bei ihrem Besuch in der sächsischen Kleinstadt.

Ihn besorgten zwei Dinge, sagte Gabriel der «Süddeutschen Zeitung»: «Das eine ist die Vermutung der Neonazis wie in Heidenau, dass sie dem sogenannten gesunden Volksempfinden Ausdruck verleihen und dass sie sich dabei für nichts mehr zu schade sind - also mittlerweile auch unter Klarnamen übelste Hetzparolen verbreiten.» Noch mehr Sorgen mache ihm aber, «dass in der Mitte der Gesellschaft der Anteil derjenigen wächst, die Politik, Politiker und Parteien verachten».

Der baden-württembergische Grünen-Politiker Alexander Bonde wirft der schwarz-roten Bundesregierung vor, die Probleme im Umgang mit den steigenden Flüchtlingszahlen nicht ernst zu nehmen. «Es ist ein schwieriges Signal, dass der Flüchtlingsgipfel erst für Ende September terminiert ist», sagte der Stuttgarter Verbraucherminister der Deutschen Presse-Agentur. «Offensichtlich spürt man auf Bundesebene nicht die Dringlichkeit des Themas.» Bund und Länder wollen sich am 24. September bei einem Spitzentreffen in Berlin beraten.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will nach einem Bericht der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Samstag) die Hilfe für jugendliche Flüchtlinge stärken. Es sei das A und O, dass Kinder so schnell wie möglich integriert werden, in Kita und Schule gehen, sagte sie. «Dazu werden wir auch die Jugendmigrationsdienste mit zusätzlich sieben Millionen Euro ausbauen.»

Der CDU-Rechtspolitiker Patrick Sensburg hält eine Verfassungsänderung für erforderlich, um den Kommunen besser bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen helfen zu können. «Wir sollten sehr schnell zu einer Grundgesetzänderung kommen, damit der Bund die Kommunen unmittelbar unterstützen kann», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Dem Bericht zufolge schließt das Bundesfinanzministerium einen solchen Schritt nicht aus: In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bund und Ländern werde derzeit auch die Frage erörtert, ob eine Grundgesetzänderung denkbar wäre, um direkte Bundeshilfen an Kommunen zu ermöglichen.

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Sa, 2015-08-29 05:00
Berlin (dpa)

Sophie Hunger kann wenig mit Begriff «Heimat» anfangen

Berlin (dpa) - Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger («Supermoon») kann wenig mit dem Begriff «Heimat» anfangen. «Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, was Heimat bedeutet», sagte die 32-Jährige in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Wenn andere Menschen darüber reden, dann merke ich, dass die etwas wissen, von dem ich nichts weiß.»

Der Begriff «Heimat» werde ihrer Ansicht nach häufig in «Zwangssituationen» gebraucht, sagte die für ihren subtilen Folk-Pop bekannte Künstlerin. Wer eine Heimat habe, gehöre jemandem oder etwas. «Das kann bestimmt auch schön sein, aber wer von Heimat spricht, sollte sich der Fülle der Bedeutungen bewusst sein», sagte die Künstlerin.

Sa, 2015-08-29 05:00
Berlin (dpa)

Thalys: Dobrindt gegen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Berlin (dpa) - Nach der Attacke in einem Thalys-Schnellzug hat sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gegen stark verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im Schienenverkehr ausgesprochen. Ein Bahnhof könne nicht zur gleichen Sicherheitszone wie ein Flughafen ausgebaut werden, sagte er der «Rheinischen Post» (Samstag). «Das würde die Mobilität und die Freiheit der Mobilität erheblich einschränken.»

Aus Deutschland nehmen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Dobrindt an einem Spitzentreffen über bessere Sicherheitsvorkehrungen im Bahnverkehr am Samstag in Paris teil. Das Zahlen-Verhältnis von Fluggästen zu Bahngästen zeige, dass es nicht leicht möglich sein werde, in jedem Zug Sicherheitspersonal vorzusehen, sagte Dobrindt.

Ein 25 Jahre alter Marokkaner hatte in der vergangenen Woche mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet im Zug von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und dabei zwei Menschen schwer verletzt. Der Mann war von mehreren Fahrgästen niedergerungen worden. Frankreichs Ermittler werten die Tat als Terroranschlag.

Sa, 2015-08-29 05:35
Paris (dpa)

Innen- und Verkehrsminister beraten über Terrorschutz im Bahnverkehr

Bringt eine systematische Kontrolle von Bahnreisenden mehr Sicherheit vor Terrorattacken? Laut einem Zeitungsbericht plant die EU-Kommission ein Sicherheitspaket. Minister Dobrindt ist skeptisch.

Paris (dpa) - Nach der Attacke im Hochgeschwindigkeitszug Thalys wollen Verkehrs- und Innenminister aus neun europäischen Ländern am Samstag (15.30 Uhr) in Paris über bessere Sicherheitsvorkehrungen im Bahnverkehr beraten. Geklärt werden soll, ob und wie Reisende systematischer kontrolliert werden können. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve erwartet dazu neben Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Kollegen aus Großbritannien, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Luxemburg. Auch die EU-Kommission nimmt mit den zwei zuständigen Kommissaren teil.

Die EU-Kommission will laut der Zeitung «Die Welt» (Samstag) einen Drei-Punkte-Plan für mehr Sicherheit vorlegen. Er solle für Hochgeschwindigkeitszüge wie den Thalys, ICE, TGV oder den Pendolino gelten. «Wir werden eine Videoüberwachung in allen Hochgeschwindigkeitszügen, eine bessere Schulung des Zugpersonals für den Ernstfall und bei erhöhter Gefährdungslage auch den Einsatz von bewaffneten Zugsicherheitsbegleitern (Train Marshalls) vorschlagen», hieß es laut «Welt» in gut unterrichteten Kommissionskreisen. Außerdem sollen die Passagiere samt Gepäck vor der Zugfahrt von einem Metalldetektor überprüft werden. Vorstellbar sei in besonderen Fällen aber auch der Einsatz von Ganzkörperscannern («Nacktscanner»).

Dobrindt sprach sich im Vorfeld des Treffens gegen stark verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im Schienenverkehr aus. Ein Bahnhof könne nicht zur gleichen Sicherheitszone wie ein Flughafen ausgebaut werden, sagte er der «Rheinischen Post» (Samstag). «Das würde die Mobilität und die Freiheit der Mobilität erheblich einschränken.» Das Zahlen-Verhältnis von Fluggästen zu Bahngästen zeige, dass es nicht leicht möglich sein werde, in jedem Zug Sicherheitspersonal vorzusehen, sagte Dobrindt.

Der 25 Jahre alte Angreifer hatte in der vergangenen Woche mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet im Zug von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und dabei zwei Menschen schwer verletzt. Der Mann war von mehreren Fahrgästen niedergerungen worden. Frankreichs Ermittler werten die Tat als Terroranschlag und gehen davon aus, dass der Marokkaner ein Blutbad anrichten wollte. Frankreich war auch nach der Anschlagsserie von Paris im Januar in den vergangenen Monaten mehrfach Ziel von islamistischen Attacken und Terrorplänen.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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