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Rechtsaußen in Europa: Warum die Wahl über den Klimaschutz entscheidet

Rechtsaußen in Europa: Warum die Wahl über den Klimaschutz entscheidet

Es gibt viele Probleme in der EU, der Klimawandel ist eines der drängendsten. Bei der Wahl zum Europaparlament wird sich zeigen, ob die Zukunft Europas von Klima-Leugnern und Reform-Bremsern bestimmt wird – oder ob die nächste Generation eine Chance bekommt.

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Dienstag, 21. Mai 2019

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Kaum neue Windräder, Australien wählt Koh­le­freun­de und Ab­fall­be­sei­ti­gung im All

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wie hältst du’s mit dem Schuhausziehen?“ ist gewissermaßen die Gretchenfrage der Spießigkeit. Wer seinen Gästen abverlangt, vor dem Betreten der eigenen Wohnung ganz unten blank zu ziehen, muss damit rechnen, als unsympathischer Sauberkeitsfanatiker abgestempelt zu werden. Die amerikanische Umweltagentur EPA bricht jetzt allerdings auf wissenschaftlicher Basis eine Lanze für das Schuhausziehen an der Wohnungs- oder Haustür: Denn einer Studie der EPA zufolge können über die Schuhsohlen Umweltgifte wie Glyphosat in das eigene Heim gelangen. Auch noch Tage nachdem das Mittel draußen etwa in Parkanlagen, an Bahndämmen oder in Kleingärten versprüht wurde, könne eine solche Kontamination stattfinden, schreibt das Global Magazin unter Berufung auf die amerikanische Untersuchung. 

Ende vergangener Woche lief im Übrigen die Einspruchsfrist des Glyphosat-Herstellers Monsanto gegen ein Urteil des europäischen Gerichts ab – die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit muss jetzt alle bisher geheimen Glyphosat-Studien ohne Streichungen und in Gänze veröffentlichen. Demnächst dürfte also (noch) klarer sein, wie gefährlich das Herbizid ist. Wie Sie's künftig mit dem Schuhausziehen halten, bleibt Ihnen natürlich trotzdem selbst überlassen.

Wir kommen Ihnen morgen wieder ganz ohne Risiken ins Haus – wie immer via E-Mail. Bis dahin!

Das Team vom Navigator 

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Es werden kaum noch Windräder gebaut

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In Deutschland werden Flächen für neue Windparks knapp. Und wo es Flächen gibt, ziehen sich die Genehmigungsverfahren in die Länge. Gegner der Windenergie haben mittlerweile Erfahrung ge­sammelt, wie sich neue Windräder vereiteln lassen. Derzeit werden min­destens 200 Anlagen be­klagt. Diese Entwicklungen gefähr­den zunehmend die Energie­wende – denn der Ausbau der erneuerbaren Energien soll eigentlich die Lücke füllen, die durch den Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom entsteht. Doch während in den ersten Quar­ta­len der Jahre 2016, 2017 und 2018 noch jeweils mehr als 300 Windräder in Betrieb genommen wurden, waren es im ers­ten Quartal 2019 nur 41 neue Windräder. Die Fachagentur Windenergie spricht vom „mit Ab­stand ausbauschwächsten Quartal in diesem Jahrtausend“. Als die Bundesnetzagentur jüngst die För­derung für 650 Megawatt neue Windenergie ausschrieb, fanden sich nur 41 Bewerber – die Aus­schrei­bung war um 55 Prozent unterzeichnet. „Unsere Befürchtung ist, dass wir in ein paar Jahren statt Zubau einen Rückgang erleben“, heißt es beim Regensburger Projektierer Ostwind. Hintergründe bei der SZ.

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Australien wählt Kohlefreunde

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Die Welt brennt – und Australien entscheidet sich für eine Grillparty. Das Land mit den rekordhohen Klimaemissionen hat eine Regierung wiedergewählt, die dem Nichtstun verpflichtet ist – und der Koh­le­industrie. Noch Stunden vor dem Urnengang hatten die Umfragen einen Sieg der oppo­sitio­nellen Labour Party signalisiert. Deren Chef Bill Shorten hatte versprochen, die Klimakrise end­lich ernst zu nehmen: höhere CO2-Reduktionsziele, die Förderung erneuerbarer Energien, Elek­tro­fahr­zeuge. Doch die vermeintliche „Klimawahl“ wurde zu einer Klimakatastrophe. Premierminister Scott Morrison, früher Marketingmanager, schaffte es, die Bevölkerung mit einer bewährten Mi­schung aus Angst vor staatlicher Intervention und Warnungen vor persönlichen Kosten zu verunsi­chern. In seinem Kabinett dominieren Klimawandel-Leugner, viele mit engen Verbindungen zur Kohleindustrie. Morrison selbst kam mit einem Klumpen Kohle in der Hand ins Parlament, um zu zeigen, wie „harmlos“ der Rohstoff sei. Seine Regierung wird nun wohl den Bau einer gigantischen Kohlemine im Norden des Kontinents vorantreiben, schreibt Korrespondent Urs Wälterlin im Handelsblatt.

Analyse, 3 Minuten Lesezeit
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Welche Risiken unterirdische CO2-Speicher bergen

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Bis 2050 will Deutschland klimaneutral werden – aber wohin mit dem ganzen Kohlendioxid? Jüngst hat Kanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich die Debatte um unterirdische CO2-Speicherung neu angeheizt. Wie es um Chancen und Risiken steht, wenn CO2 unter dem Meeresboden gebun­den wird, haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel untersucht (zur Stu­die hier). In Eu­ro­pa gebe es das größte Speicherpotenzial vermutlich in tiefen salz­haltigen Grund­wasser­leitern vor der gesamten Nordseeküste sowie in weit unter dem Meeres­boden gelegenen geo­logi­schen Forma­tionen, schreiben die Wissenschaftler. Das Problem: Weil es in der Re­gion auch Boh­run­gen nach Gas und Öl gab, sind die Formationen teilweise zerlöchert. Aus vielen die­ser Löcher tritt be­reits heu­te Methangas aus – auch COkönnte so früher oder später ent­wei­chen. In der Nord­see tes­te­ten die Forscher, welche Folgen es hat, wenn Koh­len­dioxid wieder aus dem Meeresbo­den austritt. Ergebnis: Ein einziges Loch schädigt die marine Um­welt noch nicht – nur ein beständiges Austre­ten an mehre­ren Bohrlöchern würde lokale Mee­res­öko­systeme beein­träch­tigen. Mehr bei Klimareporter°.

Bericht, 3 Minuten Lesezeit
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Potenzial von Umweltparteien: Wie grün wird Europa?

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In Umfragen für die Europawahl liegen die Grünen bei 19 Prozent – sollte sich das bewahrheiten, wür­­de die Partei ihre Stimmanteile von 2014 fast verdoppeln. Aber wird Europa auch insgesamt grü­ner? „Den Grünen geht es gerade überall (...) sehr gut“, sagt Spitzenkandidatin Ska Keller (ein aus­führ­li­­ches Porträt über Keller bietet die Tagesschau). In Belgien seien die Grünen in Umfragen stärks­te Fraktion; in Finnland konnten sie die Zahl ihrer Abgeordneten im nationalen Parlament deut­lich steigern. In Schweden sind die Grünen als Juniorpartner an der Regierung beteiligt, gute Umfra­ge­werte haben sie auch in Luxemburg oder den Niederlanden. Allerdings: Von einer grünen Revolu­tion ist Europa weit entfernt. Auch im kommenden Parlament wird die grüne Fraktion voraussichtlich eine der kleinsten sein, deutlich schwächer als Konservative, Sozialdemokraten, Liberale und Rechts­ra­di­kale.„Die ‚grüne Welle‘ beschränkt sich auf die Länder in Nordwest-Europa“, schreibt der Politik­wissenschaftler Tobias Schminke. In Ost- und Südeuropa haben grüne Parteien weit weniger Zulauf – mit Ausnahme der baltischen Staaten Lettland und Litauen. Eine ausführliche Analyse hat Zeit Online.

Analyse, 6 Minuten Lesezeit
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Satellit „OSCaR“ soll im Weltraum Müll beseitigen

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Um die Erde kreist immer mehr Müll. Wissenschaftler tüfteln an unterschiedlichen Methoden, um zumindest den gefährlichsten Risikoschrott zu entfernen. Eine Lösung: ein kleiner, relativ günstiger Satellit namens „OSCaR“ (Obsolete Spacecraft Capture and Removal), der äußerlich ein bisschen an einen Legostein erinnert. Entwickelt wurde der sogenannte Cubesat am Rensselaer Polytechnic Institute in New York. OSCaR kann weitgehend autonom arbeiten: Er soll Trümmer orten, mit einem Netz einfangen und nach fünf Jahren in die Erdatmosphäre steuern – dort, so der Plan seiner Erfinder, würden OSCaR und der eingesammelte Weltraumschrott dann verglühen. OSCaR ist aber nur eine der Ideen im Rahmen der europäischen Mission „Remove Debris“. Ein anderer getesteter Satellit arbeitet mit einer Harpune, um Abfälle aus dem All zu ziehen – auch Roboterarme könnten bei der Müllbeseitigung helfen. Spiegel Online stellt verschiedene Lösungsansätze im Video vor.

Video, 2 Minuten 30 Sekunden Laufzeit

Debatte am Dienstag: „Aktuelle Jugendproteste fast schon konservativ“

Seit Wochen gehen Europas Schüler für das Klima auf die Straße. Aber ein Aufruhr? Sozialwissenschaftler Marcus Spittler winkt ab. Den Jugendlichen fehle es an Radikalität und Utopien.

Die jungen Leute setzten sich für die Bewahrung des Klimas ein oder das freie Internet – also für „den Erhalt des Status quo, was Europa betrifft“, sagt Spittler im Interview mit ZDF-heute. „Ich warne davor, daraus abzuleiten, dass sich die Jugend in Europa grundsätzlich wieder stärker politisiert.“

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Neueste Ausgabe: Greenpeace Magazin 3.19 Grüne Innovationen

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