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So, 2015-08-02 19:00
Celle (dpa)

Zwei mutmaßliche IS-Kämpfer aus Wolfsburg vor Gericht

Celle (dpa) - Zwei IS-Rückkehrer aus Wolfsburg müssen sich ab Montag (10.00 Uhr) vor dem Oberlandesgericht in Celle verantworten. Den beiden 26 und 27 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, sich im vergangenen Jahr der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen zu haben. Sie sollen Ende Mai 2014 über die Türkei nach Syrien gereist sein. Ayoub B. (27) soll im Irak gekämpft haben, Ebrahim H. B. stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Die Beschuldigten sind nach Angaben der Behörden weitgehend geständig. Bisher hat das Gericht 33 Verhandlungstage veranschlagt.

So, 2015-08-02 19:00
Kairo (dpa) 

USA und Ägypten nehmen Sicherheitsgespräche wieder auf

Ägypten hat ein Terrorproblem - und soll gleichzeitig der Anker in einer instabilen Weltregion sein. US-Außenminister Kerry rüffelt seinen wichtigen Partner beim Besuch in Kairo aber auch.

Kairo (dpa) - Die Vereinigten Staaten und Ägypten haben im Kampf gegen den Terror nach Jahren wieder gemeinsame Sicherheitsgespräche aufgenommen. «Die Freundschaft zwischen unseren Ländern ist nicht auf einem vollendeten Einvernehmen aufgebaut, sondern auf dem Bewusstsein unserer gemeinsamen Interessen in den Bereichen der regionalen Sicherheit und der Terrorismusbekämpfung», sagte US-Außenminister John Kerry bei dem Treffen mit seinem ägyptischen Amtskollegen Samih Schukri am Sonntag in Kairo. Später am Tag war zudem ein Treffen mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi geplant.

Kerry äußerte gleichzeitig Besorgnis über die Menschenrechtslage in dem Land. Wenn kein Vertrauen zwischen Behörden und der Öffentlichkeit aufgebaut würde, radikalisierten sich Menschen zunehmend und es werde mehr Anschläge geben. Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 kommt es regelmäßig zu Terroranschlägen. Die Regierung reagierte darauf bislang mit der Einschränkung von Freiheitsrechten. Seit 2013 sind zum Beispiel Tausende Mitglieder von Mursis Muslimbrüdern verhaftet worden, die Bruderschaft wurde als Terrororganisation eingestuft und verfolgt.

Kerry fügte nach Angaben der staatlichen Zeitung «Al-Ahram» hinzu, es sei die Aufgabe der Regierung, die Sicherheit des ägyptischen Volkes vor Angriffen etwa von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu schützen. Zuletzt hatte sich der IS zu blutigen Anschlägen auf der Halbinsel Sinai und in Kairo bekannt. Vor einigen Tagen hatten die USA angekündigt, das Land mit der Lieferung von acht F-16 Kampfjets militärisch zu unterstützen. Zuletzt hatte es 2009 gemeinsame Sicherheitsgespräche zwischen den USA und Ägypten gegeben.

Am Montag wird Kerry im katarischen Doha zu Gesprächen mit den Außenministern des Golf-Kooperationsrates (GCC) erwartet.

So, 2015-08-02 18:34
Berlin (dpa)

Seehofer: Flüchtlingstreffen im September - Schnellere Asylverfahren

Immer mehr Flüchtlinge werden in Zelten untergebracht. Im Winter geht das nicht mehr. Horst Seehofer will daher schon im September ein Flüchtlingstreffen. Zudem sollen die Asylverfahren schneller abgearbeitet werden.

Berlin (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die Bundesregierung aufgefordert, das für den Herbst geplante Bund-Länder-Flüchtlings-Treffen auf September vorzuziehen. Seehofer verlangte am Sonntag im ARD-«Sommerinterview» vom Bund zugleich dauerhaft spürbar mehr Hilfe für Länder und Kommunen. Die derzeit vorgesehene eine Milliarde Euro im Jahr müsse mindestens verdoppelt werden. Zudem bedürfe es bundesweit eines Wohnungsbauprogramms.

Ein Treffen erst im Oktober oder November verbiete sich, machte Seehofer deutlich. Jetzt sei gutes Wetter, im Winter könnten die Menschen aber nicht in Zelten wohnen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) schlug vor, Auflagen für die Nutzung bestehender Gebäude zu lockern. Dazu zählten Vergaberecht, Vorschriften zur energetischen Sanierung und Baurecht, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Mehrere Länderregierungschefs verlangten, dass die Asylanträge endlich schneller bearbeitet werden. Seehofer verwies auf einen Stau von 250 000 unbearbeiteten Anträgen. Allein im Juli sind so viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen wie noch nie in einem Monat.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) räumte in der «Bild»-Zeitung (Montag) ein, das Thema sei von der Politik nicht richtig erkannt worden: «Wir hatten rund zehn Jahre lang sehr niedrige Flüchtlingszahlen. Dadurch haben viele die neue Dynamik unterschätzt.»

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Der Bund hat zugesagt, die Asylverfahren zu beschleunigen. Passiert ist bisher leider zu wenig.» Ohne rechtsstaatlichen Bescheid könnten Flüchtlingen in der Regel keine Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen angeboten werden. «Wir wollen sie aber integrieren.»

Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mahnte beim Bund schnellere Verfahren an: «Wir brauchen mehr Entscheider, mehr Personal beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).» Das Amt ist für die Bearbeitung von Anträgen zuständig.

Sein Personal sollte um bis zu 2000 Stellen aufgestockt werden, wie im Frühjahr festgelegt worden war. Nach Angaben des BAMF dauert ein Asylverfahren derzeit im Schnitt 5,3 Monate. Das ist schon um einiges schneller als 2014 - damals waren es 7,1 Monate. Viele Asylbewerber müssen aber auch heute länger als ein Jahr warten.

«Ein Verfahren kann nicht sieben oder acht Monate dauern», kritisierte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir im ZDF. «Das muss nach drei Monaten abgeschlossen sein», damit die Menschen wüssten, woran sie seien. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) forderte im NDR, wenn Menschen verfolgt würden, müsse man ihnen Schutz geben. Zuwanderer, die keinen Schutz bräuchten, müssten schnell wieder in ihre Heimat zurückkehren.

In einigen Ländern wird das Personal knapp, um Flüchtlinge zu registrieren. Nordrhein-Westfalen mobilisiert dafür nun pensionierte Beamte. Auch Rheinland-Pfalz will Mitarbeiter aus Landesbehörden abstellen. Kommunen und Länder suchen zudem händeringend nach Unterkünften.

In einer überfüllten Unterkunft im thüringischen Suhl und in einem Zeltlager in Dresden kam es am Wochenende zu Massenschlägereien. In Bonn schoss die Polizei auf einen Mann, der einen Mitbewohner im Streit verletzt haben soll.

Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) schlug erneut vor, mehr Flüchtlinge im Osten Deutschlands unterzubringen. Dort gebe es leerstehende Gebäude.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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So, 2015-08-02 18:11
Berlin (dpa)

Grünen-Chef Özdemir kritisiert Erdogan scharf

Berlin (dpa) - Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen der Bombardierung von Kurden scharf angegriffen. «Was die Türkei braucht, ist ein Staatspräsident, der nicht auf Krieg setzt, um die nächsten Wahlen zu gewinnen», sagte er im ZDF-«Sommerinterview». Erdogan sei nur an seinem Machterhalt interessiert, alles andere sei ihm egal. Zudem gefährde er mit den Angriffen gegen die Kurden den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Türkei tue so, «als ob sie Isis (andere Bezeichnung für den IS) bekämpft, in Wirklichkeit bekämpft sie aber die Kurden, die im Kampf gegen Isis sind», sagte der Politiker, dessen Eltern aus der Türkei stammen.

Özdemir rief die westlichen Partner der Türkei auf, Erdogan in die Pflicht zu nehmen: «Ich glaube, wir als Westen müssen klar machen, dass die Nato auch eine Wertegemeinschaft ist.» Und wer wie die Türkei in die Europäische Union strebe, müsse wissen, dass dies nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich bringe. Allerdings habe die Türkei zurzeit keine realistische Chance auf eine EU-Mitgliedschaft. Die Möglichkeit eines EU-Beitritts müsse aber offen gehalten werden, mahnte Özdemir.

So, 2015-08-02 17:47
Berlin (dpa)

Seehofer: Absolute Mehrheit der Union mit Merkel möglich

CSU-Chef Seehofer setzt bei der Bundestagswahl voll auf Kanzlerin Merkel. Die will 2017 angeblich auch wieder kandidieren - alles andere wäre eine Überraschung: eine böse für die Union und eine schöne für die SPD.

Berlin (dpa) - CSU-Chef Horst Seehofer (CSU) hält mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Spitzenkandidatin eine absolute Mehrheit der Union bei der Bundestagswahl für möglich. Dies sagte Seehofer am Sonntag im ARD-Sommerinterview mit Blick auf einen aktuellen Umfragetrend der «Bild am Sonntag». Danach kommt die Union derzeit auf 43 Prozent, genau so viel wie die anderen im Bundestag vertretenen Parteien zusammen: SPD 24 Prozent, Linke 9 und Grüne 10 Prozent. Nicht ins Parlament kämen FDP (4 Prozent) und AfD (3).

Nach Darstellung des «Spiegels» hat sich Merkel offenbar auch schon entschieden, 2017 für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Intern habe Merkel erklärt, sie werde die Entscheidung über eine Kandidatur bei der nächsten Bundestagswahl offiziell erst Anfang 2016 bekanntgeben. In der CDU-Zentrale hieß es dazu: «Nicht jede Meldung im Sommerloch ist es wert, kommentiert zu werden.»

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sprach in der «Bild»-Zeitung (Montag) von «Spekulation». Die Kanzlerin werde sich zur K-Frage äußern, «wenn sie es für richtig hält». Im übrigen weigere er sich, «jetzt schon über Koalitionen zu spekulieren oder den Wahlkampf ins Visier zu nehmen». Union und SPD «sollten versuchen, so lange es eben geht, gemeinsam zu regieren» - also bis mindestens Mitte 2017. «Der Wahlkampf beginnt noch früh genug.»

Allgemein wird damit gerechnet, dass Merkel 2017 wieder antritt. Die Stärke der Union, da seien sich Meinungs- und Parteienforscher einig, liege fast ausschließlich an der Person der Kanzlerin, schreibt die «BamS». Spannend bleibt die Frage, ob sie die ganze Legislaturperiode im Amt bleiben will.

Nach Angaben des «Spiegels» besprach die CDU-Chefin bei einem Strategietreffen mit Generalsekretär Peter Tauber und CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler bereits, wer für die Kampagne der Union im Wahlkampf in gut eineinhalb Jahren zuständig sein soll. Es seien schon erste Helfer angesprochen worden.

Auch mit Bayerns Ministerpräsidenten Seehofer habe die CDU-Chefin vor einigen Wochen strategische Fragen des Wahlkampfs erörtert, so der «Spiegel». Seehofer sei dafür, dass die Union eine absolute Mehrheit als Wahlziel ausgebe. Merkel habe sich skeptisch gezeigt.

Bei einer CSU-Vorstandssitzung Ende Juni hatte Seehofer nach Angaben von Teilnehmern eindringlich unterstrichen, dass Merkel Erfolgsgarantin für die Bundestags- und Landtagswahlen 2017 und 2018 sei. Die Union dürfte also dann ein Problem haben, wenn Merkel überraschend nicht antreten würde.

Dies machte vor kurzem indirekt auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) deutlich, als er angesichts der Popularität Merkels offen einen Sieg seiner Partei 2017 infrage stellte. «Ich glaube, es ist schwer gegen diese Bundeskanzlerin zu gewinnen», sagte Albig dem NDR.

Die Debatte innerhalb der SPD, ob die Sozialdemokraten 2017 mit einem eigenen Kanzlerkandidaten gegen Merkel antreten sollten, kommentierte Altmaier jetzt in der «Bild»-Zeitung mit den Worten: «Diejenigen in der SPD, die Angela Merkel gut finden, stehen mit ihrer Meinung nicht allein. Die große Mehrheit der Deutschen sieht das genau so.»

So, 2015-08-02 17:35
Berlin (dpa)

Seehofer: Mit Merkel absolute Mehrheit der Union möglich

Berlin (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Spitzenkandidatin eine absolute Mehrheit der Union bei der Bundestagswahl für möglich. Dies sagte der CSU-Chef am Sonntag im ARD-Sommerinterview mit Blick auf einen aktuellen Umfragetrend der «Bild am Sonntag». Danach kommt die Union derzeit auf 43 Prozent, genau so viel wie die anderen im Bundestag vertretenen Parteien zusammen: SPD 24 Prozent, Linke 9 und Grüne 10 Prozent. Nicht ins Parlament kämen FDP (4 Prozent) und AfD (3).

Eine absolute Mehrheit der Union sei aber ohne ein starkes Ergebnis der CSU in Bayern nicht denkbar, fügte Seehofer hinzu. Er wies Darstellungen zurück, der Einfluss der CSU sei durch das Urteil des Bundesverfassungsgericht zum Betreuungsgeld und den Vorbehalten der EU-Kommission gegen die Pkw-Maut geschrumpft.

So, 2015-08-02 17:40
Berlin (dpa)

Seehofer: Bund-Länder-Flüchtlings-Treffen schon im September

Berlin (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die Bundesregierung aufgefordert, das für den Herbst geplante Flüchtlings-Treffen mit den Ländern auf September vorzuziehen. Seehofer verlangte am Sonntag im ARD-«Sommerinterview» vom Bund dauerhaft spürbar mehr Hilfe für Länder und Kommunen. Die derzeit vorgesehene eine Milliarde Euro im Jahr müsse mindestens verdoppelt werden. Zudem bedürfe es in ganz Deutschland eines Wohnungsbauprogramms. Ein Treffen erst im Oktober oder November verbiete sich. Jetzt sei gutes Wetter, im Winter könnten die Menschen aber nicht in Zelten wohnen.

Die Bundesregierung müsse endlich die Zuwanderung von Menschen aus dem Westbalkan eindämmen, die aus rein wirtschaftlichen Erwägungen und mit nur geringen Bleibechancen kommen. Die Zuwanderung aus dem Westbalkan übersteige um fast das Doppelte die Flüchtlinge aus Syrien. Erst die Lösung des Problems verhindere, dass «rechte Volksverführer» an Einfluss zulegen könnten.

Grundsätzlich gelte: ja zu Humanität für schutzbedürftige Menschen wie aus Syrien, ja zur Bekämpfung der Fluchtursachen, nein zum «gewaltigen Missbrauch» wie aus dem Westbalkan, sagte Seehofer. Mit der CSU sei im übrigen kein Einwanderungsgesetz zu machen, das ein Mehr an Zuwanderung bedeute.

So, 2015-08-02 16:32
Berlin (dpa)

Antisemitische Parolen an East Side Gallery in Berlin beseitigt

Antisemitische Parolen schmierten Unbekannte auf sein Bild an der East Side Gallery in Berlin. Jetzt hat der Maler Günther Schaefer die Sprüche übermalt. Rund 50 mal musste er sein Werk schon wegen Schmierereien rekonstruieren, wie er sagt.

Berlin (dpa) - Antisemitische Schmierereien an der Berliner East Side Gallery sind wieder beseitigt. Der Künstler des Mauerbildes «Vaterland», Günther Schaefer, übermalte die Parolen am Sonntag. Sein Bild zeigt einen Davidstern vor dem Hintergrund der Deutschlandfahne. Die Schmierereien darauf waren am Freitag entdeckt und von Polizei und Feuerwehr hinter Planen verborgen worden.

Der Staatsschutz ermittele, teilte die Polizei mit. Zum Wortlaut der Parolen sagten die Beamten nichts. Die East Side Gallery - bemalte Reste der Berliner Mauer - ist eine Touristenattraktion. Schaefer berichtete, es sei bereits das 51. Mal, dass sein 1990 fertiggestelltes Bild Ziel von Vandalismus geworden sei.

Die meisten Schmierereien stammten ihm zufolge von Neonazis, Rassisten und arabischen, religiös motivierten Fanatikern. «Es gibt aber auch den ganz gewöhnlichen Vandalismus», sagte er. Auch Linke hätten sich an seinem Bild ausgetobt. «Die haben sich alleine an dem Titel 'Vaterland' gestört.» Er habe jedoch auch viele positive Reaktionen erhalten, insbesondere von jüngeren Leuten.

Schon am Donnerstag war eine Gruppe Juden am Rande der jüdischen Makkabi-Sportwettkämpfe in Berlin antisemitisch angepöbelt worden. Erstmals finden die Amateur-Wettkämpfe des jüdischen Sports in Deutschland statt. Zwei Wachleute wurden vor einem Hotel antisemitisch beleidigt, in dem 2000 jüdische Sportler wohnen. Die Polizei nahm einen Mann arabischer Herkunft fest, verstärkte ihre Schutzmaßnahmen und schickte zusätzliches Personal auf Streife.

So, 2015-08-02 16:07
Berlin (dpa)

Simbabwe verbietet Löwenjagd - Trophäen-Import nach Deutschland

Die Tötung von Löwe «Cecil» empört weltweit. Simbabwe reagiert nun mit einem generellen Jagdverbot. Nach Deutschland kamen 2014 Trophäen von elf Artgenossen und Hunderten anderen geschützten Tieren legal.

Berlin (dpa) - Nach der Tötung des berühmten Löwen «Cecil» hat Simbabwe mit einem Jagdverbot auf Löwen, Leoparden und Elefanten reagiert. Eine solche Jagd sei nur noch mit schriftlicher Behördengenehmigung sowie in Begleitung von Mitarbeitern eines Parks gestattet, zitierte die Zeitung «New Zimbabwe» eine Mitteilung des Chefs der Parkbehörde vom Samstag. Nach Deutschland wurden einem Bericht zufolge im Jahr 2014 die Jagdtrophäen von elf Löwen eingeführt. Das geht aus Daten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) hervor, über die die «Welt am Sonntag» berichtete.

Speziell die Jagd mit Pfeil und Bogen sei mit sofortiger Wirkung untersagt, hieß es in Simbabwe. Verstöße würden mit Festnahmen und Prozessen geahndet. Die Tötung des 13-jährigen «Cecil» hatte vorige Woche weltweit Empörung ausgelöst. Simbabwe will die Auslieferung des Jägers aus den USA erreichen. Der im Bundesstaat Minnesota lebende Zahnarzt Walter Palmer soll den Löwen, der als eine Art Wahrzeichen des Hwange-Nationalparks galt, mit einem Trick aus dem Park gelockt haben. Anschließend schoss er mit Pfeil und Bogen auf das Tier, das lange litt, bis Palmer es schließlich erschoss.

Unter den nach Deutschland eingeführten Jagdtrophäen waren laut dem «WamS»-Bericht im vergangenen Jahr 43 Schwarzbären, 36 Leoparden, sieben Afrikanische Elefanten und ein Eisbär. Insgesamt wurden dem Bericht zufolge 325 geschützte, aber dennoch getötete Tiere legal nach Deutschland eingeführt.

«Cecil» hätte dem Bericht zufolge nicht als Jagdtrophäe nach Deutschland gebracht werden dürfen: «Der Löwe «Cecil» wäre nach unserer Rechtsauslegung der entsprechenden EU-Artenschutzverordnungen nicht nach Deutschland gekommen», zitierte die Zeitung den BfN-Abteilungsleiter für Artenschutz, Dietrich Jelden. Nach seinen Worten hätte das BfN eine Einfuhr dieser Trophäe nicht genehmigt, weil der Löwe in einem Nationalpark beheimatet war.

Um geschützte Tiere als Trophäen nach Deutschland einführen zu können, benötigen Jäger eine Genehmigung des BfN. «Jeder Einzelfall wird überprüft», sagte Jelden. «Der Jäger muss wahrheitsgemäße Angaben machen, wo und wann das Tier erlegt wurde. Außerdem muss eine Ausfuhrgenehmigung vorgelegt werden, die zeigt, dass es sich um eine legale und nachhaltige Jagd handelt.»

Widersprüchliche Berichte gab es am Wochenende über «Jericho», den Bruder des Löwen «Cecil»: Eine Tierschutzorganisation in Simbabwe erklärte zunächst, «Jericho» sei ebenfalls getötet worden. Dagegen erklärten Forscher, ihrer Satellitenüberwachung zufolge sei das Tier im Hwange Nationalpark am Leben. Die Tierschützer zogen ihre Mitteilung am Sonntag zurück - bei dem getöteten Löwen habe es sich um ein anderes Tier gehandelt.

Die Wilderei hat in Afrika Tierschutzorganisationen zufolge zuletzt stark zugenommen - Opfer sind vor allem Elefanten und Nashörner. Dabei sterben jährlich zum Beispiel rund 30 000 Elefanten weltweit.

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So, 2015-08-02 15:03
Washington (dpa)

Obama verschärft Klima-Ziele - Umwelt-Gipfel in Paris im Blick

Barack Obama denkt an sein politisches Erbe. Innenpolitisch bleibt vor allem eins: Die Gesundheitsreform. Doch er will auch als Klima-Vorkämpfer in die Geschichtsbücher eingehen. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama will die Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels verschärfen. Nach den neuen Vorgaben müssten Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, berichtete die «New York Times» am Sonntag.

Sollten die Vorsätze umgesetzt werden, müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, schreibt die Zeitung. Die neuen Zahlen sollen bereits an diesem Montag offiziell veröffentlicht werden, hieß es. Allerdings zeichnet sich bereits starker Widerstand der Republikaner ab.  

Obama selbst sprach vom «größten, wichtigsten Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels, den wir jemals getan haben». Der Klimawandeln sei nicht mehr zu leugnen, der Kampf gegen die Treibhausgase könne nicht auf die nächste Generation verschoben werden, meinte er in einem auf Facebook veröffentlichten Video.

Die Initiative soll zugleich eine mutige Vorgabe für den Klima-Gipfel in Paris Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will. Obama gehe es auch um sein Bild in den Geschichtsbüchern, meint die «New York Times». 

Bei den Vorgaben handelt es sich um eine deutliche Verschärfung entsprechender Bestimmungen aus dem Jahr 2014. Energieunternehmen würden aufgerufen, stärker auf Wind-und Sonnenenergie umzustellen oder von Kohle auf Erdgas umzusteigen, schreibt die Zeitung weiter. Einzelne Bundesstaaten würden aber weiterhin Spielraum für ihre Energiepolitik behalten.

Allerdings dürfte auch der Widerstand von Republikanern und einer ganzen Reihe von Bundesstaaten erheblich zunehmen. Staatsanwälte von etwa einem Dutzend Staaten planten bereits juristische Schritte. Höchstwahrscheinlich dürfte der Streit bis zum Supreme Court, dem höchsten US-Gericht, eskalieren.  

Obama hatte sich bereits im Wahlkampf 2008 als Klima-Vorreiter präsentiert, dann aber rasch aufgegeben. Als große innenpolitische Errungenschaft hat er bisher vor allem die Gesundheitsreform vorzuweisen - Klimaschutz soll zum weiteren Markenzeichen seiner Präsidentschaft werden, die im Januar 2017 endet.   

So, 2015-08-02 15:41
Istanbul (dpa)

Angriffe auf türkische Sicherheitskräfte nehmen zu

Ein schweres Attentat auf Militärpolizisten verschärft den Konflikt zwischen türkischer Regierung und PKK. Die Türkei soll bei Luftschlägen auf die PKK auch Zivilisten im Nordirak bombardiert haben. Die Armee bestreitet das.

Istanbul (dpa) - Mehr als eine Woche nach Beginn der Luftangriffe auf die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak nehmen die Attentate auf türkische Sicherheitskräfte zu. Bei einem Anschlag in der osttürkischen Provinz Agri wurden am Sonntag nach Armeeangaben zwei Gendarmen getötet und 31 weitere verletzt, vier davon schwer. Das Militär machte die PKK für das Attentat verantwortlich.

Die Kämpfer hätten einen mit zwei Tonnen Sprengstoff beladenen Traktor in einen Stützpunkt der Gendarmerie gesteuert und zur Explosion gebracht, hieß es. Berichte über ein Selbstmordattentat wurden zunächst nicht bestätigt.

In der südosttürkischen Provinz Mardin wurde ein Soldat getötet, als er mit seinem Fahrzeug auf eine mutmaßlich von der PKK verlegten Mine fuhr, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Ein weiterer Soldat sei verletzt worden. Damit starben innerhalb von elf Tagen bei Anschlägen und Gefechten in der Türkei mindestens 21 Menschen, die meisten davon Sicherheitskräfte.

Auch die Luftschläge auf PKK-Stellungen im Nordirak gingen weiter. Am Samstagmorgen bombardierte die türkische Armee nach eigenen Angaben Logistik der PKK im Nordirak. Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur, dass dabei mindestens acht Zivilisten getötet worden seien. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP wurden zehn Zivilisten getötet. Die Streitkräfte wiesen am Sonntag Vorwürfe, sie hätten bewohntes Gebiet bombardiert, zurück.

Der Präsident der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, Massud Barsani, forderte die PKK auf, die Region Kurdistan zu verlassen, um nicht das Leben von Zivilisten zu gefährden, wie die kurdische Zeitung «Rudaw» am Samstag unter Berufung auf eine Erklärung des Büros von Barsani berichtete. Barsani rief die Türkei und die PKK zudem dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die Türkei hatte vor gut einer Woche zunächst Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien geflogen. Nach dem Mord an zwei Polizisten, zu dem sich die PKK bekannte, flogen die Streitkräfte Luftschläge gegen die PKK. Dabei wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu rund 260 PKK-Kämpfer getötet und Hunderte verletzt.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Roth warf Ankara vor, mit ihren Bombenangriffen den Nordirak zu destabilisieren. Präsident Recep Tayyip Erdogan eskaliere im Cäsarenwahn den Konflikt, um die Kurden in der gesamten Großregion zu schwächen, erklärte Roth am Sonntag. Auch die PKK müsse «auf jede Form der Gewalt» verzichten.

So, 2015-08-02 15:27
Berlin (dpa)

«Spiegel»: Merkel will offenbar zu vierter Amtszeit antreten

Kanzlerin Merkel will bei der Bundestagswahl 2017 angeblich wieder kandidieren - alles andere wäre eine Überraschung: eine böse für die Union und eine schöne für die SPD.

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich nach Darstellung des «Spiegels» offenbar entschieden, 2017 für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Nach einem aktuellen Umfragetrend der «Bild am Sonntag» (BamS) käme die Union derzeit auf 43 Prozent, genau so viel wie die anderen im Bundestag vertretenen Parteien zusammen: SPD 24 Prozent, Linke 9 und Grüne 10 Prozent. Nicht ins Parlament kämen FDP (4 Prozent) und AfD (3).

Intern habe Merkel erklärt, sie werde die Entscheidung über eine Kandidatur bei der nächsten Bundestagswahl offiziell erst Anfang 2016 bekanntgeben, berichtete der «Spiegel». In der CDU-Zentrale hieß es dazu: «Nicht jede Meldung im Sommerloch ist es wert, kommentiert zu werden.»

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sprach in der «Bild»-Zeitung (Montag) von «Spekulation». Die Kanzlerin werde sich zur K-Frage äußern, «wenn sie es für richtig hält». Im übrigen weigere er sich, «jetzt schon über Koalitionen zu spekulieren oder den Wahlkampf ins Visier zu nehmen». Union und SPD «sollten versuchen, so lange es eben geht, gemeinsam zu regieren» - also bis mindestens Mitte 2017. «Der Wahlkampf beginnt noch früh genug.»

Allgemein wird damit gerechnet, dass Merkel 2017 wieder antritt. Die Stärke der Union, da seien sich Meinungs- und Parteienforscher einig, liege fast ausschließlich an der Person der Kanzlerin, schreibt die «BamS». Spannend bleibt die Frage, ob sie die ganze Legislaturperiode im Amt bleiben will.

Nach Angaben des «Spiegels» besprach die CDU-Chefin bei einem Strategietreffen mit Generalsekretär Peter Tauber und CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler bereits, wer für die Kampagne der Union im Wahlkampf in gut eineinhalb Jahren zuständig sein soll. Es seien schon erste Helfer angesprochen worden.

Auch mit CSU-Chef Horst Seehofer habe die CDU-Vorsitzende vor einigen Wochen strategische Fragen des Wahlkampfs erörtert, so der «Spiegel». Seehofer sei dafür, dass die Union eine absolute Mehrheit als Wahlziel ausgebe. Merkel habe sich skeptisch gezeigt.

Bei einer CSU-Vorstandssitzung Ende Juni hatte Seehofer nach Angaben von Teilnehmern eindringlich unterstrichen, dass Merkel Erfolgsgarantin für die Bundestags- und Landtagswahlen 2017 und 2018 sei. Die Union dürfte also dann ein Problem haben, wenn Merkel nicht antreten würde.

Dies machte vor kurzem indirekt auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) deutlich, als er angesichts der Popularität Merkels offen einen Sieg seiner Partei 2017 infrage stellte. «Ich glaube, es ist schwer gegen diese Bundeskanzlerin zu gewinnen», sagte Albig dem NDR.

Die Debatte innerhalb der SPD, ob die Sozialdemokraten 2017 mit einem eigenen Kanzlerkandidaten gegen Merkel antreten sollten, kommentierte Altmaier jetzt in der «Bild»-Zeitung mit den Worten: «Diejenigen in der SPD, die Angela Merkel gut finden, stehen mit ihrer Meinung nicht allein. Die große Mehrheit der Deutschen sieht das genau so.»

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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So, 2015-08-02 15:18
Kiew (dpa)

Mehrere Tote bei Kämpfen in Ostukraine

In der Ostukraine sterben bei Beschuss durch Militär und prorussische Separatisten erneut Menschen. Dabei wartet alles auf den vereinbarten Waffenabzug von der Front. Kommt diesen Montag der Durchbruch? Vom IWF wird wieder eine Geldüberweisung erwartet.

Kiew (dpa) - Trotz mehrfacher Ankündigung eines Waffenabzugs im Kriegsgebiet Donbass haben die Konfliktparteien in der Ostukraine wieder aufeinander geschossen. Im Gebiet Luhansk wurde nach Darstellung der prorussischen Separatisten vom Sonntag ein Mensch getötet. Die Militärführung in Kiew hatte am Wochenende von zwei toten und insgesamt mehr als 20 verletzten Soldaten berichtet.

Bis diesen Montag wollen die prowestliche Führung in Kiew und die Aufständischen nach den Worten von Präsident Petro Poroschenko ein Abkommen unterzeichnen, das den Abzug schwerer Kriegstechnik von der Front regelt. Ob es dazu bei einem im weißrussischen Minsk geplanten Treffen der Kontaktgruppe kommen werde, war zunächst offen.

In der Kontaktgruppe beraten Vertreter Kiews, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über den Minsker Friedensplan. Ursprünglich sollte seit Mitte Februar eine entmilitarisierte Zone im Donbass geschaffen werden. Der Plan wurde aber bislang nicht vollständig umgesetzt.

Poroschenko besuchte zum Tag der Fallschirmjäger ukrainische Truppen im von den Regierungskräften beherrschten Teil des Donezker Gebiets. Die Behörden setzten elf ranghohe Vertreter der Separatisten auf eine Fahndungsliste. Die Aufständischen kritisierten dies als Verstoß gegen das Minsker Abkommen.

Das ukrainische Finanzministerium bestätigte unterdessen die Gewährung der zweiten Tranche über 1,7 Milliarden Dollar (etwa 1,5 Mrd. Euro) aus einem 17,5 Milliarden Dollar schweren Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF). Mit dem in den kommenden Tagen erwarteten Geld will die Regierung der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik vor allem die Währungsreserven aufstocken. Zudem sprach Vizeregierungschef Gennadi Subko vom Begleichen von Gasschulden.

So, 2015-08-02 15:08
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Nach Tod von «Cecil»: Simbabwe verbietet Löwen- und Elefantenjagd

Harare( dpa) - Nach der Tötung des bekannten Löwen «Cecil» in Simbabwe zieht das Land drastische Konsequenzen: Ab sofort ist die Jagd auf Löwen, Leoparden und Elefanten auch außerhalb des Hwange-Nationalparks verboten. «Eine solche Jagd darf nur noch durchgeführt werden, wenn sie schriftlich vom Generaldirektor der zuständigen Parkbehörde genehmigt wurde und wenn die Jäger von Mitarbeitern des Parks begleitet werden», zitierte die Zeitung «New Zimbabwe» eine Mitteilung des Chefs der Parkbehörde vom Samstag.

Die Tötung des 13-jährigen «Cecil» hat in der vergangenen Woche weltweit Empörung ausgelöst. Das südwestafrikanische Land Simbabwe will die Auslieferung des Jägers aus den USA erreichen. Der im Bundesstaat Minnesota lebende Zahnarzt Walter Palmer soll den Löwen, der als eine Art Wahrzeichen des Nationalparks im Nordwesten des Landes galt, mit einem Trick aus dem Park gelockt haben. Anschließend schoss er mit Pfeil und Bogen auf das Tier, das 40 Stunden qualvoll gelitten haben soll, bis Palmer es schließlich erschoss.

Speziell die Jagd mit Pfeil und Bogen sei mit sofortiger Wirkung untersagt, hieß es weiter. Der Parkbehördenchef Edison Chidziya betonte, die Behörde werde nicht zögern, Jäger, die die Anordnung missachteten, festzunehmen und vor Gericht zu bringen.

So, 2015-08-02 15:23
Berlin (dpa)

Landespolitiker fordern schnellere Asylverfahren

Darf ein Flüchtling in Deutschland bleiben oder nicht? Darüber wird in komplizierten Verfahren entschieden. Politiker fordern nun: Das muss schneller gehen. Denn die Situation in manchen Unterkünften ist mehr als schwierig.

Berlin (dpa) - Landespolitiker dringen auf eine schnellere Bearbeitung von Asylanträgen. «Der Bund hat zugesagt, die Asylverfahren zu beschleunigen. Passiert ist bisher leider zu wenig», sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Ohne rechtsstaatlichen Bescheid könnten Flüchtlingen in der Regel keine Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen angeboten werden. «Wir wollen sie aber integrieren.»

Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte den Bund auf, das schnell zu regeln: «Wir brauchen mehr Entscheider, mehr Personal beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.» Dieses Amt - kurz BAMF - ist für die Bearbeitung von Asylanträgen zuständig. Sein Personal sollte um bis zu 2000 Stellen aufgestockt werden, wie im Frühjahr festgelegt worden war.

Bisher sei von den versprochenen bundesweit vier Zentren zur Verfahrensbeschleunigung aber nichts zu sehen, sagte Ramelow. Nach Angaben des BAMF dauert ein Asylverfahren derzeit im Schnitt 5,3 Monate. Das ist schon um einiges schneller als 2014 - damals waren es durchschnittlich 7,1 Monate. Viele Asylbewerber müssen aber auch heute länger ein Jahr warten, bis ihr Antrag bearbeitet ist.

«Ein Verfahren kann nicht sieben oder acht Monate dauern», kritisierte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir im ZDF. «Das muss nach drei Monaten abgeschlossen sein, damit auch die Leute selber wissen, was mit ihnen ist, ob sie hierbleiben, ob sie zurückgehen müssen.»

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) forderte im NDR deutliche Ansagen der Politik: Wenn Menschen verfolgt würden, sei es «ein Gebot der Menschlichkeit, sie hier aufzunehmen und ihnen Schutz zu geben». Gleichzeitig müssten Zuwanderer, die einen solchen Schutz nicht bräuchten, schnell wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Allein im Juli sind so viele Flüchtlings nach Deutschland gekommen wie noch nie zuvor in einem Monat. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) räumte in der «Bild»-Zeitung (Montag) ein, das Thema sei von der Politik unterschätzt worden: «Wir hatten rund zehn Jahre lang sehr niedrige Flüchtlingszahlen. Dadurch haben viele die neue Dynamik unterschätzt.»

In einigen Ländern wird das Personal knapp, um Flüchtlinge zu registrieren. Nordrhein-Westfalen mobilisiert dafür pensionierte Beamte. Auch Rheinland-Pfalz will Mitarbeiter aus Landesbehörden abstellen. Kommunen und Länder suchen zudem händeringend nach Unterkünften. In einer überfüllten Unterkunft im thüringischen Suhl und in einem Zeltlager in Dresden kam es am Wochenende zu Massenschlägereien. In Bonn schoss die Polizei auf einen Mann, der einen Mitbewohner im Streit verletzt haben soll.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) brachte die Idee auf, Auflagen für die Nutzung bestehender Gebäude zu lockern. Dazu zählten Vergaberecht, Vorschriften zur energetischen Sanierung und Baurecht, wie er der dpa sagte. Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) schlug erneut vor, mehr Flüchtlinge im Osten Deutschlands unterzubringen. Dort gebe es leerstehende Gebäude.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte besseren Schutz der Asylbewerber vor ausländerfeindlichen Übergriffen. Mehr als 200 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte allein in der ersten Jahreshälfte seien eine schreckliche und für Deutschland beschämende Bilanz. «Das beste Einwanderungsgesetz wird nichts nützen, wenn Unterkünfte angezündet werden», schreibt Maas in einem Beitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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