Mi, 2015-05-27 04:30
Bagdad (dpa)

Bagdad leitet Offensive gegen Terrormiliz IS in Ramadi ein

Die irakische Armee wurde für ihre Flucht vor der IS-Terrormiliz aus Ramadi arg gescholten. Jetzt will sie ihre Schlappe wettmachen und die Provinzhauptstadt zurückerobern.

Bagdad (dpa) - Knapp zehn Tage nach dem überhasteten Rückzug aus Ramadi vor der anrückenden Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist die irakische Armee zur Offensive zur Rückeroberung der Provinzhauptstadt angetreten. Einheiten des irakischen Militärs hätten Ramadi bereits von drei Seiten umstellt, erklärte ein Sprecher des Polizeikommandos von Anbar am Dienstag. Über konkrete Kampfhandlungen oder Truppenvorstöße lagen zunächst keine Berichte vor.

«Die Operation zur Befreiung Anbars von den IS-Banden beginnt», schrieb Verteidigungsminister Chalid al-Obeidi auf seiner Facebook-Seite über den Einsatz der «Legionen der Streitkräfte» seines Landes. Schiitische Freiwillige, die in den sogenannten Haschd-Milizen organisiert sind, und sunnitische Stammeskämpfer würden die Regierungstruppen und Polizeiverbände verstärken.

Die Mobilisierung neuer Kräfte für die Gegenoffensive erfolgte knapp eine Woche nach dem Fall Ramadis. Kampfkraft und Zustand der irakischen Streitkräfte waren zuletzt Gegenstand heftiger Diskussionen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte dem irakischen Militär mangelnden Kampfeswillen bescheinigt.

In einer ersten Reaktion auf die Offensive zur Rückeroberung von Ramadi äußerte sich das weiße Haus zufrieden mit dem «klar erkennbaren Willen der irakischen Sicherheitskräfte zum Kampf», wie Sprecher Josh Earnest sagte.

US-Präsident Barack Obama betonte die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS. Bei einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte er dabei Kooperation mit der Nato, nannte aber auch ausdrücklich die Golfstaaten sowie die Afrikanische Union. Es komme darauf an, die Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz richtig aufzustellen, sagte Obama. Er ging aber nicht auf immer lauter werdende Forderungen der Republikaner ein, wonach Washington rund 10 000 Soldaten zum Kampf gegen die IS in den Irak schicken soll.

Deutschland und der Irak wollen jetzt per UN-Resolution gegen die Zerstörung von Kulturgütern durch den IS vorgehen. Am Donnerstag soll in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet werden, die «die barbarischen Akte der Zerstörung und Plünderung» des kulturellen Erbes eines Landes verurteilt. Ausdrücklich ist der Islamische Staat als Täter benannt. Weiter werden alle Staaten aufgefordert, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um dem IS eine Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen. Eine Mehrheit gilt als sicher, auch, weil sich schon etwa 80 Staaten dem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, angeschlossen haben.

Mi, 2015-05-27 04:27
Saarbrücken (dpa)

Landkreistag fordert mehr Geld von Ländern für Asylbewerber

Die klammen Kommunen stöhnen unter der Kostenlast für Soziales und Asylbewerber. Die Landkreise verlangen nun mehr Geld von Bund und Ländern bei der Bewältigung dieser Aufgaben.

Saarbrücken (dpa) - Die Landkreise fordern mehr Geld von den Ländern für die Betreuung von Asylbewerbern in den Kommunen. «Die Landkreise und kreisfeien Städte, die so gut wie flächendeckend für die Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen zuständig sind, werden von den Ländern nicht in ausreichendem Maße ausgestattet», sagte der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager (CDU), der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Besonders schlecht sei die Lage in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Schleswig-Holstein. Diese Länder kämen nur für maximal drei Viertel der kommunalen Kosten auf.

Sager begrüßte den Plan der Bundesregierung, das für die Bearbeitung der Asylanträge zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge um bis zu 2000 zusätzliche Stellen aufzustocken. Ziel sei es ja, dass Menschen ohne Bleibeperspektive so schnell wie möglich Klarheit über ihren Aufenthaltsstatus erlangen und gegebenenfalls auch zügig das Land verlassen, sagte Sager. «Am besten wäre es, wenn Asylverfahren innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden könnten, so dass gerade die Asylbewerber ohne Chance auf ein Bleiberecht gar nicht erst auf die Kommunen verteilt werden.»

Die Vertreter des Landkreistages treffen sich am Mittwoch in Saarbrücken zu ihrer Jahrestagung. Sie steht unter dem Motto: «Die Landkreise in Reformprozessen». Sager warnte vor einer voreiligen Zusammenlegung von Landkreisen. Solche Reformen sollten «stets mit Augenmaß und erst nach einer gründlichen Aufgabenkritik hinsichtlich der Verwaltungsstrukturen im jeweiligen Land in Betracht gezogen werden.»

Die im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD angekündigten zusätzlichen Mittel für Landkreise und Kommunen reichen nach Ansicht von Sager nicht aus, um deren Kassen zu sanieren. Die von 2018 an zugesagten jährlich fünf Milliarden Euro könnten angesichts «eines so gut wie unverändert hohen Kassenkreditbestandes von knapp 50 Milliarden Euro das strukturelle Problem der Unterfinanzierung der Städte, Landkreise und Gemeinden nicht lösen.» Das Geld leiste aber einen wichtigen Beitrag, dass Kommunen wieder Investitionen tätigen könnten.

Mi, 2015-05-27 04:30
Rom (dpa)

UN-Ernährungsorganisation: Wir können Hunger nicht tolerieren Interview: Annette Reuther und Alvise Armellini, dpa

Wie viele Menschen hungern in der Welt? Dazu stellen die UN-Ernährungsorganisationen ihren aktuellen Bericht vor. Auch in Deutschland kann man etwas dagegen tun, damit Menschen in anderen Ländern nicht Hunger leiden.

Rom (dpa) - Lebensmittelverschwendung in den reichen Ländern, hungernde Menschen in ärmeren Ländern. Im Kampf gegen weltweiten Hunger gibt es zwar Fortschritte. Doch Millionen Menschen haben immer noch nicht genug zu essen. Der Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), José Graziano da Silva, spricht in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur über die Herausforderungen der Zukunft und über Bio-Gemüse.

Frage: Wo stehen wir im globalen Kampf gegen den Hunger?

Antwort: «Seit 1990 wurden bedeutende Fortschritte gemacht, indem 70 Entwicklungsländer das Millenniumsziel erfüllt haben, den Anteil der der hungrigen Menschen bis 2015 zu halbieren. Ghana hat zum Beispiel in die Landwirtschaft investiert. Die Häufigkeit von Unterernährung ist deshalb von 47 Prozent auf unter 5 Prozent der Bevölkerung gefallen. Solche Länder geben uns allen Inspiration. Trotz des Fortschritts haben weltweit immer noch etwa 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Das sind zu viele, wir können das nicht tolerieren.»

Frage: Welche Rolle kann technischer Fortschritt wie zum Beispiel genmodifizierter Mais oder künstliches Fleisch im Kampf gegen Hunger spielen?

Antwort: «Die Welt produziert insgesamt bereits genug Lebensmittel für alle. Nur ein paar Regionen haben nicht genug Nahrungsmittel, weil nicht genug produziert oder importiert werden kann. Die meisten davon sind in Afrika und Länder, die seit langem wegen Konflikten oder Naturkatastrophen in der Krise sind. Wir müssen die Verfügbarkeit von Lebensmitteln um 60 Prozent bis 2050 steigern, um zwei Milliarden Menschen mehr als heute - die es laut Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung geben wird - zu ernähren.(...) Viele Technologien müssen erforscht werden, so wie dürreresistente Samen, Micro-Bewässerung, Biotechnologien und so weiter. Wir können es uns nicht leisten, eine Möglichkeit auszulassen.»

Frage: Was kann jeder einzelne, zum Beispiel in Deutschland, tun, um Hunger in anderen Ländern zu bekämpfen? Hilft es Bio zu kaufen oder fühlen wir uns dann einfach nur besser?

Antwort: «Fast ein Drittel der Lebensmittel für unseren Verzehr - etwa 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr - geht weltweit entweder verloren oder wird verschwendet. Die Verschwendung von Lebensmitteln in Haushalten und auch in der Gastronomie ist ein großes Problem in entwickelten Ländern wie Deutschland. Sie hängt vor allem davon ab, wie Leute einkaufen, Nahrungsmittel zubereiten und konsumieren. Marketingstrategien, die Verbraucher dazu verleiten, mehr zu kaufen als sie brauchen, spielen auch eine Rolle. Bioprodukte zu konsumieren, kann gegen den Klimawandel helfen, weil Bioproduktion eine kleinere CO2-Bilanz hat. Treibhausgase weltweit zu reduzieren, ist eine Pflicht, um den Klimawandel zu bekämpfen. Wir wissen, dass die ärmsten Länder am meisten unter den Folgen leiden. Oft werden Bio-Produkte wie Kaffee und Kakao auch sozialverträglicher produziert, zum Beispiel indem Familienbetriebe und Frauen beschäftigt werden. Wenn man diese Produkte kauft, tragen die Verbraucher zum Einkommen von diesen Menschen bei und verbessern deren Lebensunterhalt und deren Zugang zu Lebensmitteln.»

ZUR PERSON: José Graziano da Silva ist Agrarwissenschaftler und seit 2012 Chef der UN-Ernährungsorganisation FAO. Der 65-jährige Brasilianer kämpft gegen Lebensmittelverschwendung und für eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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PRODUKT
der Woche
Mi, 2015-05-27 04:03
Stuttgart (dpa)

Viel Musik, wenig Internet: die Schlagwörter des Kirchentags

Stuttgart (dpa) - Das Programm zum Deutschen Evangelischen Kirchentag spiegelt die Anliegen und Themen der protestantischen Christen. Hier eine Liste der Buzzwords, also der meist verwendeten Schlagwörter, in der Programmdatenbank:

Musik 579

Jugend 462

Gott 276

Bibel 241

Kinder 221

Gottesdienst 195

Wirtschaft 142

Frauen 107

Frieden 100

Familie 55

Staat 54

Juden 54

Liebe 54

Ökumene 51

Reformation 42

Sex 36

Flüchtlinge 31

Klima 27

Europa 24

Männer 19

Muslime 18

Menschenrechte 16

Inklusion 13

Poesie 11

Internet 6

Mi, 2015-05-27 03:46
Berlin (dpa)

Ärzte äußern sich zu Vierlingsgeburt von 65-Jähriger

Sie ist 17-fache Mutter und 7-fache Großmutter: Eine 65 Jahre alte Lehrerin hat mit der Geburt von Vierlingen viel Kritik auf sich gezogen. Jetzt melden sich die Ärzte zu Wort.

Berlin (dpa) - Etwa eine Woche nach der Geburt von Vierlingen informieren die behandelnden Ärzte an der Berliner Charité an diesem Mittwoch (10.00 Uhr) über den Zustand der Kinder und der 65 Jahre alten Mutter. Die drei Jungen und ein Mädchen kamen 14 Wochen zu früh per Kaiserschnitt zur Welt und werden in Brutkästen versorgt. Weiter wurde bisher lediglich bekannt, dass sich die Mutter bereits erholt habe. Experten befürchten mögliche Folgeschäden für die Frühchen.

Die Lehrerin Annegret R. hatte sich in der Ukraine aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugte Embryonen einpflanzen lassen. Sie ist jetzt 17-fache Mutter und 7-fache Großmutter. Den späten Kinderwunsch hatte sie damit begründet, dass sich ihre neunjährige Tochter Lelia ein Geschwisterchen gewünscht habe. Die übrigen zwölf Kinder sind erwachsen.

Das Bekanntwerden der Schwangerschaft hatte im April bundesweit Aufsehen erregt. Mediziner kritisierten das Verhalten als riskant und verantwortungslos. Mehrlinge kommen fast immer vor dem Geburtstermin zur Welt, ihr Risiko für damit verbundene Gesundheitsschäden ist deshalb höher.

«Die vier Kinder werden nicht alle gesund nach Hause gehen», hatte etwa Mario Rüdiger, Spezialist am Uniklinikum Dresden, gesagt. Chronische Probleme drohten vor allem bei Lunge, Darm, Augen und Gehirn. Die Ärzte der Geburtsklinik von Annegret R. hatten sich zunächst nicht zum Zustand der Frühchen geäußert. Sie wogen bei der Geburt zwischen 655 und 960 Gramm.

Mi, 2015-05-27 03:55
München (dpa)

Was die G7-Gegner planen und wollen Von Sabine Dobel, dpa

G7 - der Gipfel der Staats- und Regierungschefs naht. Und damit eine Welle des Protests. Schwerpunkte und Stoßrichtung der einzelnen Demonstrationen und Gruppen sind allerdings unterschiedlich.

München (dpa) - Zu Tausenden, vermutlich Zehntausenden wollen G7-Kritiker am Rande des Gipfels (7./8. Juni) in Garmisch-Partenkirchen und München protestieren. Die Gruppe der Gegner ist keineswegs homogen.

- STOP G7 ELMAU:

Das Bündnis besteht aus Dutzenden Gruppen. Die Organisatoren diverser Kundgebungen in und um Garmisch rufen auch zum zivilen Ungehorsam auf. Das Bündnis erwägt etwa Blockaden des Verkehrs auf den Zufahrtsstraßen. Es will ein Camp für die Demonstranten organisieren und wehrt sich gegen die Behördenaussage, eine derartige Zeltstadt könnte Keimzelle der Gewalt sein. Größte Veranstaltung ist eine Demo am 6. Juni, zudem gibt es eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen, alle im Raum Garmisch.

Zum Bündnis gehören unter anderem Attac, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bayerische Flüchtlingsrat, diverse Gruppen der Linken und DKP, Verdi, die katholische Friedensbewegung Pax Christi in der Erzdiözese München, Libertäre Kommunisten, aber auch der Motorradclub «Kuhle Wampe».

Ihr Protest richtet sich gegen Armut und Hunger, Ausbeutung von Mensch und Natur, TTIP und den Freihandel, gegen Militarisierung und Krieg, Überwachungsstaat und Abschottung gegenüber Flüchtlingen, Umweltzerstörung und neoliberale Wirtschaftspolitik.

- INTERNATIONALER GIPFEL DER ALTERNATIVEN:

Dabei wollen sich die Kritiker am 3. und 4. Juni in München mit der Politik der sieben führenden westlichen Industrienationen auseinandersetzen. Geplant sind gut ein Dutzend Workshops zu Klimaschutz, Flüchtlingspolitik, Schuldenerlass, globalen Machtverhältnissen und Krisenherden. Die Mitorganisatorin Julia Killet von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern rechnet mit einigen Hundert Teilnehmern.

Zu den Unterstützern zählen Attac, Fian, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Verdi, Oxfam, Brot für die Welt, die Welthungerhilfe, Ärzte der Welt und der Bund Naturschutz in Bayern. Der Alternativ-Gipfel wird am breitesten von allen Gruppen getragen. Manche sprechen von der «Schnittstelle» zwischen den Demos in Garmisch und der großen Demo in München

- G7-DEMO AM 4. JUNI IN MÜNCHEN

Die Demonstration am Fronleichnamstag dürfte die größte Veranstaltung werden. Bis zu 30 000 Teilnehmer könnten laut Schätzung der Polizei kommen, angemeldet sind 10 000. Das Motto: «TTIP stoppen, Klima retten, Armut bekämpfen».

Zum Trägerkreis zählen die Grünen, der Bund Naturschutz (BN), Oxfam, Naturfreude Deutschland, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und die Flughafengegner von aufgeMUckt. Einige der Gruppen lehnen Demos am Tagungsort ab. «Insgesamt ist die Natur rund um Elmau so sensibel, dass wir hier keine Demonstration haben wollen», sagt der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Die Demo richtet sich nicht gegen den Gipfel an sich, sondern soll Forderungen artikulieren.

- UNITED AGAINST POVERTY - ZUSAMMEN GEGEN ARMUT

Am 6. Juni sollen zwischen 13.00 und 19.00 Uhr auf dem Münchner Königsplatz prominente Redner und internationale Musiker auftreten, unter ihnen die Friedensnobelpreisträgerin und Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, und Schauspieler Jan Josef Liefers mit seiner Band Radio Doria. Angemeldet haben die Veranstalter bis zu 17 000 Teilnehmer. Nur gemeinsam könnten Armut und Hunger in der Welt gelöst werden - und dafür müssten die sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) die richtigen Entscheidungen treffen, heißt es vonseiten der Veranstalter.

Organisatoren sind unter anderem Amref, Plan, Save the Children, Campact, die Welthungerhilfe und World Vision. Sie werden Menschen unter anderem aus Nepal, dem Libanon und Sierra Leone vorstellen, die sich in ihren Ländern für Verbesserungen einsetzen. «Die Botschaft ist: Wenn diese Menschen es schaffen, sich jeden Tag gegen Armut zu stellen, dann können die G7-Chefs das auch», sagt Sergius Seebohm vom Koordinationsbüro.

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Mi, 2015-05-27 03:08
Gaza (dpa)

Israelische Luftangriffe im Gazastreifen

Gaza (dpa) - Israelische Kampfflugzeuge haben am frühen Mittwochmorgen Ziele im Gazastreifen angegriffen. Nach Berichten von Augenzeugen wurden dabei militärische Ausbildungszentren getroffen. Über eventuelle Opfer lagen keine Angaben vor.

Wenige Stunden zuvor waren aus dem Gazastreifen mehrere Raketen abgefeuert worden, die den Süden Israels trafen. In einer ersten Reaktion wies die radikalislamische Hamas jede Verantwortung für diese Angriffe von sich.

Mi, 2015-05-27 02:25
Gaza (dpa)

Amnesty International wirft Hamas Folter vor - «brutale Kampagne»

Während des Gaza-Krieges töteten vermummte Hamas-Kämpfer zahlreiche Palästinenser, die für Israel spioniert haben sollen. Amnesty International sieht darin ein System: Die Hamas wollte in Gaza Angst und Schrecken verbreiten.

Gaza (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der radikal-islamischen Hamas vor, im Gazastreifen das humanitäre Völkerrecht zu missachten. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht heißt es, die Hamas habe im Sommer 2014 mindestens 23 angebliche Kollaborateure mit Israel hingerichtet, Dutzende gefoltert oder festgenommen. «Im Chaos des Konflikts hat die De-facto-Hamas-Regierung ihren Sicherheitskräften freie Hand gelassen, Menschen in Gewahrsam schrecklich zu misshandeln», sagte Philip Luther, Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms. Amnesty schreibt in einer Mitteilung von einer «brutalen Kampagne», mit der im Gazastreifen Angst verbreitet werden sollte.

Israel und die Hamas führten im Sommer 2014 einen Krieg, der 50 Tage dauerte. Während dieser Zeit startete die Hamas eine Offensive gegen angebliche Kollaborateure, die Informationen an Israel weitergegeben haben sollen. Zahlreiche Palästinenser wurden öffentlich exekutiert.

Laut Amnesty-Bericht haben 16 der später Getöteten bereits vor dem Beginn des Gaza-Krieges im Gefängnis gesessen. Einer von ihnen, ein ehemaliger, geistig behinderter Polizist, sei beispielsweise zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt gewesen. Bevor er diese verbüßen konnte, wurde er am 22. August 2014 von Hamas-Kräften erschossen. Der Bruder des Getöteten sagte Amnesty International zufolge, der Leichnam habe Messerstiche aufgewiesen, Arme und Beine des Mannes seien gebrochen worden.

Bei acht Getöteten war das juristische Verfahren noch nicht abgeschlossen. Sechs andere hatten Einspruch eingelegt, bevor sie getötet wurden. In einem Fall berichteten Verwandte, dass sie erst nach der Exekution von dem Tod ihres Angehörigen erfahren hatten.

Amnesty International beschreibt in dem Bericht, dass Geständnisse auch durch Folter der Hamas erwirkt worden seien. Auch hätten viele Verhaftungen angeblicher Kollaborateure an Entführungen erinnert: Bewaffnete in Zivilkleidung hätten die Beschuldigten abgeholt, ohne einen Haftbefehl zu präsentieren.

Für Folter und standrechtliche Tötung gebe es keine Rechtfertigung, heißt es abschließend in dem Bericht. Amnesty International sieht im Beitritt der Palästinenser zum Internationalen Strafgerichtshof eine Chance: So könnte Opfern in Israel und dem Gazastreifen Gerechtigkeit widerfahren.

Amnesty International hat auch Israel im Gaza-Konflikt Kriegsverbrechen vorgeworfen. Es soll ohne militärische Notwendigkeit zivile Ziele angegriffen und unnötig Menschenleben gefährdet haben. Die Hamas steht zudem für ihren Raketenbeschuss israelischer Städte in der Kritik: Amnesty International wertete sie als Kriegsverbrechen.

Mi, 2015-05-27 02:30
Saltillo/Houston (dpa)

Rund 30 Tote bei Unwettern in Mexiko und den USA

Vor allem im Süden der USA steigt die Zahl der Toten nach den schweren Überschwemmungen. Nicht selten sind die Opfer Autofahrer, die leichtsinnig waren. Warnungen der Behörden gehen oft ins Leere.

Saltillo/Houston (dpa) - Schwere Unwetter und Überschwemmungen in Mexiko und den USA haben insgesamt rund 30 Tote gefordert. Während in Mexiko das Schlimmste vorüber scheint, steigt die Zahl Toten im Süden der USA rapide an. US-Medien sprachen am Dienstagabend von mindestens 14 Opfern. Nach wie vor würden über ein Dutzend Menschen vermisst.

Unter den Toten seien viele Autofahrer, die sich leichtsinnig in Gefahr begeben hätten, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott. Er rief die Autofahrer auf: «Fahren Sie nicht in an steigende Flüsse. Ihre Kraft ist unglaublich.» Teilweise seien Flüsse im «Tsunami-Stil» angeschwollen. Derartige Wassermassen könnten auch schwere Fahrzeuge mit sich reißen.

Das amerikanische Fernsehen zeigte aus Texas und Oklahoma Bilder der Zerstörung. Mit am stärksten ist die Region Wimberley in Texas betroffen, allein dort wurden 400 Gebäude von den Fluten zerstört, rund 1000 beschädigt.

Die Behörden erklärten Teile von Texas und Oklahoma zu Katastrophengebieten. Südlich der texanischen Großstadt Austin spülten die Wassermassen ein Ferienhaus mit zwölf Menschen mit hinweg - das Haus prallte laut Polizei später gegen eine Brücke.

Im nordmexikanischen Ciudad Acuña setzten die Einsatzkräfte die Aufräumarbeiten am Dienstag fort. Mit Baggern, Kränen und Lastwagen räumten sie Schutt beiseite. Am Montag war ein Tornado durch die Stadt im Bundesstaat Coahuila an der Grenze zu den USA gezogen und hatte ganze Straßenzüge verwüstet. Rund 750 Häuser wurden beschädigt.

In Mexiko kamen 13 Menschen ums Leben, über 200 wurden verletzt. Präsident Enrique Peña Nieto inspizierte am Dienstag die Aufräumarbeiten. «Ich habe mit den Anwohnern gesprochen und ihnen versprochen, dass wir die Normalität in ihrem Viertel wieder herstellen», sagte der Staatschef.

Mi, 2015-05-27 02:12
Saarbrücken (dpa)

Landkreistag fordert mehr Geld von Ländern für Asylbewerber

Saarbrücken (dpa) - Die Landkreise fordern mehr Geld von den Ländern für die Betreuung von Aylbewerbern in den Kommunen. «Die Landkreise und kreisfeien Städte, die so gut wie flächendeckend für die Versorgung von Asylbewerbern und Flüchtlingen zuständig sind, werden von den Ländern nicht in ausreichendem Maße ausgestattet», sagte der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager (CDU), der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Besonders schlecht sei die Lage in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Schleswig-Holstein. Diese Länder kämen nur für maximal drei Viertel der kommunalen Kosten auf. Die Vertreter des Landkreistages treffen sich am Mittwoch in Saarbrücken zu ihrer Jahrestagung.

Mi, 2015-05-27 02:45
York (dpa)

Deutschland und Irak wollen UN-Resolution zu Weltkulturerbe

New York (dpa) - Per UN-Resolution wollen der Irak und Deutschland gegen die Zerstörung von Kulturgütern durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgehen. Am Donnerstag soll in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet werden, die «die barbarischen Akte der Zerstörung und Plünderung» des kulturellen Erbes eines Landes verurteilt. Ausdrücklich ist der Islamische Staat als Täter benannt. Weiter werden alle Staaten aufgefordert, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um dem IS eine Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen.

Eine Mehrheit gilt als sicher, auch, weil sich schon etwa 80 Staaten dem Entwurf angeschlossen haben. Entschließungen der Vollversammlung sind aber nicht bindend und die Islamisten haben selbst Resolutionen des UN-Sicherheitsrates ignoriert. Deutschland hatte auch eine Verurteilung der Taliban initiiert, nachdem diese 2001 die Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan gesprengt hatten.

Wir «drücken unsere Empörung darüber aus, dass Angriffe auf das kulturelle Erbe eines Landes als taktisches Mittel im Krieg genutzt werden, um Schrecken und Hass zu sähen, einen Konflikt anzuheizen und gewalttätige extremistische Ideologien durchzusetzen», heißt es im Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Text erinnert daran, dass der Angriff auf Einrichtungen der Religion, Bildung oder Kunst als Kriegsverbrechen eingestuft werden könnten.

Mi, 2015-05-27 01:01
Gaza (dpa)

Amnesty International wirft Hamas Folter und Entführung vor

Gaza (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der radikalislamischen Hamas vor, angebliche Kollaborateure mit Israel während des Gaza-Krieges im Sommer 2014 entführt, gefoltert und auch getötet zu haben. «Im Chaos des Konflikts hat die faktische Hamas-Regierung ihren Sicherheitskräften freie Hand gegeben, Menschen in Gewahrsam schrecklich zu misshandeln», schrieb Philip Luther, Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms der Organisation. So habe im Gazastreifen Angst verbreitet werden sollen.

Laut Bericht waren mindestens 23 Palästinenser exekutiert und Dutzende gefoltert worden. 16 der später Exekutierten hätten vor dem Ausbruch des Gaza-Krieges im Gefängnis gesessen. Einer der Getöteten sei beispielsweise zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt gewesen - bis er am 22. August 2014 von Hamas-Kräften erschossen wurde. Dem Bruder des Getöteten zufolge war der Mann zuvor gefoltert worden.

Bei acht Getöteten war der Prozess dem Bericht zufolge noch nicht abgeschlossen. In einem anderen Fall berichteten Verwandte, dass sie erst nach der Exekution von dem Tod ihres Angehörigen erfahren hätten. Es habe keine Möglichkeit gegeben, Einspruch gegen das Urteil zu erheben. Auch seien Geständnisse durch Folter erwirkt worden. Mit ihrem Verhalten habe die Hamas-Führung die «grundlegendsten Regeln des Völkerrechts missachtet», sagte Luther.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mi, 2015-05-27 00:56
Tripolis (dpa)

Libyens Regierungschef entgeht Anschlag

Tripolis (dpa) - Der libysche Regierungschef Abdullah al-Thinni ist am Dienstagabend in Tobruk nur knapp einem Anschlag entgangen. Wie seine Regierung auf ihrer Faceboo-Seite mitteilte, hatten Unbekannte zunächst das Parlamentsgebäude während einer Sitzung der Abgeordneten beschossen. Als Al-Thinni daraufhin das Gebäude verließ, verfolgten und beschossen die Bewaffneten den Fahrzeugkonvoi. Die Angreifer seien «Kriminelle in den Diensten einer der Parteien» in libyschen Machtkampf, hieß es.

Al-Thinni ist Ministerpräsident der international anerkannten Regierung Libyens. Seit dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen nicht zur Ruhe gekommen, wird von einem Bürgerkrieg rivalisierender Milizen zerrissen. Zudem konkurrieren zwei Abgeordnetenhäuser miteinander: Neben der Kammer in Tobruk hat sich ein Gegenparlament in Tripolis gebildet. Dieses wird von Islamisten dominiert. Das Chaos im Land machen sich Extremisten zunutze, darunter die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Mi, 2015-05-27 00:36
Paramaribo (dpa)

Partei von Ex-Militärdiktator bei Wahlen in Suriname vorn

Paramaribo (dpa) - Bei der Parlamentswahl in dem südamerikanischen Land Suriname liegt die Partei des umstrittenen Präsidenten und Ex-Militärdiktators Desi Bouterse nach vorläufigen Ergebnissen vorne. Seine Nationaldemokratische Partei NDP konnte sich nach Auszählung von 80 Prozent der Stimmen 27 Mandate der insgesamt 51 Sitze im Parlament sichern und verfügt damit über eine absolute Mehrheit, wie der Sender Telesur am Dienstag berichtete.

Das Oppositionsbündnis V7 kam nach diesen Angaben auf 17 Sitze. Der Rest verteilt sich auf weitere Oppositionsparteien. Der Präsident wird vom Parlament bestimmt, der für seine Wahl aber eine Zwei- Drittel-Mehrheit braucht, die die NDP nach derzeitiger Lage klar verpasst hätte. Suriname wurde 1975 von den Niederlanden unabhängig.

Bouterse war 1974 kurzzeitig als Feldwebel in Seedorf im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme) stationiert und hatte Suriname nach einem Militärputsch von 1980 bis 1987 regiert. 2010 wurde er bei demokratischen Wahlen zum Präsidenten bestimmt. In den Niederlanden wurde er in Abwesenheit wegen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Di, 2015-05-26 23:08
Kairo (dpa) 

Menschenrechtslage in Ägypten - Grünen-Abgeordnete setzt auf Gauck

Kairo (dpa) - Die Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner (Grüne) hofft beim Besuch des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Berlin auf Kritik von Bundespräsident Joachim Gauck. Das Staatsoberhaupt müsse «klare Worte» für die Menschenrechtslage in dem Land finden, sagte Brantner am Dienstag bei einem Besuch in Kairo. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte sein Treffen mit Al-Sisi vor einigen Tagen wegen Bedenken bezüglich der Zustände in Ägypten abgesagt.

Brantner betonte, sie habe bei Gesprächen mit Angehörigen inhaftierter Ägypter viel Zustimmung für Lammerts Entscheidung wahrgenommen: «Ich habe den Eindruck, dass alle, die ich heute getroffen habe Herrn Lammert sehr dankbar sind.» Al-Sisi soll am 3. und 4. Juni in Berlin unter anderen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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