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Mo, 2015-08-03 11:34
Berlin (dpa)

Jesiden: Türkei muss endlich gegen IS vorgehen

Berlin (dpa) - Die Jesiden in Deutschland warnen vor Doppelmoral in der Kurdenfrage und fordern ein beherztes Vorgehen der Türkei gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es gehe nicht um Kurden oder Jesiden, «hier wird der Weltfrieden verteidigt», sagte der Vorsitzende des Jesiden-Zentralrats, Telim Tolan, am Montag im SWR.

Vor einem Jahr hatte das Schicksal von Jesiden im Irak, die vor dem IS-Terror in das Sindschar-Gebirge geflohen waren, Schlagzeilen gemacht. Mehr als 10 000 Angehörige der Religionsgemeinschaft sitzen dort immer noch fest.

Tolan beklagte einen Mangel an politischem Willen zur IS-Bekämpfung. Die Sunnitenmiliz «IS, das sind vielleicht 40 000 bis 50 000 Verbrecher», sagte er. «Diese Barbaren kennen nur (...) die Sprache der Gewalt.» Nötig seien Luftangriffe und die Bewaffnung der Kurden. Zudem müsse man der Türkei klar machen, dass sie «jetzt endlich» den IS mit bekämpfe.

Während des «Völkermordes» an den Jesiden 2014 habe der IS türkisches Staatsgebiet genutzt, um Verwundete zu versorgen, Kämpfer zu rekrutieren und Waffen zu schmuggeln. «Die Türkei wusste davon und hätte dem schon längst Einhalt gebieten können», sagte Tolan. Die Kurden seien für ihren Kampf gegen den IS gefeiert worden. Tausende Jesiden verdankten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und den Volksschutzeinheiten (YPG), dass sie keine IS-Opfer geworden seien. «Und jetzt verhält es sich so, dass man genau diesen Leuten im Grunde den Rücken bricht.»

Mo, 2015-08-03 11:54
Cleveland (dpa)

Wer hat Angst vor Donald Trump? Republikaner treten in TV-Debatte an Von Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Nach wochenlangem Drängeln stellen sich zehn Top-Republikaner im US-Vorwahlkampf einem Kreuzverhör. Während das Enfant Terrible Donald Trump austeilt, warnen einige schon vor der «Trumpokalypse». Wird der Milliardär bei der Debatte nun selbst durch den Fleischwolf gedreht?

Cleveland (dpa) - Zur Vorbereitung auf die erste TV-Debatte im amerikanischen Vorwahlkampf ging Donald Trump erstmal golfen. Über Politik wollte er bei einem Besuch in Schottland eigentlich gar nicht sprechen, aber ein paar Kommentare konnte er sich am Ende dann doch nicht verkneifen. Als US-Präsident werde er «die Welt vereinen», sagte Trump laut einem Bericht des britischen «Guardian». Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin werde er «sehr gut auskommen». Diplomatie werde überbewertet und die USA seien trotz aller politischen Korrektheit weltweit unbeliebt. «Alle hassen uns.»

Trumps Bemerkungen geben einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sich bei der ersten TV-Debatte der Republikaner am Donnerstag (3 Uhr MESZ am Freitag) abspielen könnte. Der milliardenschwere Unternehmer hat sich mit seinen reißerischen Bemerkungen nicht nur an die Spitze der Umfragen bei den republikanisch neigenden Wählern gesetzt, sondern ist dank seiner spitzen Zunge auch der neue Medienliebling. Kaum ein Tag vergeht ohne Trump-Titelzeile. Die Aufregung um Hillary Clintons E-Mails war gestern - Trump beherrscht die Schlagzeilen.

Ob der Marktschreier allerdings auch eine echte politische Diskussion überlebt, muss sich erst noch zeigen. Als Gewinner könne er in Cleveland dann vom Platz gehen, wenn er überzeugende Argumente liefert ohne zu feindselig zu klingen, meint die «New York Times». Er müsse sich als seriöse Stimme gegen das Establishment der neun weiteren Kandidaten behaupten, die anders als der quer einsteigende New Yorker Investor früh Karrieren als Berufspolitiker begannen.

Allen voran wäre da Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida sowie Sohn und Bruder zweier ehemaliger Präsidenten. Trotz seines massiven Finanzierungsapparats - Bush kommt schon jetzt auf Spenden von mehr als 114 Millionen Dollar - hat er das Ruder bisher kaum an sich reißen können. Ein Liebling alteingesessener Konservativer bleibt er trotzdem. Wenn die zehn nach Ergebnissen aus fünf nationalen Umfragen ausgewählten Top-Kandidaten sich in die rhetorische Kneifzange nehmen, dürfte vor allem spannend werden, wie das Duell zwischen Trump (20,8 Prozent Zustimmung) und Bush (12,2 Prozent) ausgeht.

Auch Wisconsins Gouverneur Scott Walker hat mit 13,7 Prozent Zustimmung der Wähler einen Platz in der zweistündigen Debatte sicher. Und auch er sollte sich auf Attacken Trumps gefasst machen. «Wisconsin ist ein Durcheinander», wetterte der Immobilienunternehmer kürzlich. Floridas Senator Marco Rubio, Arkansas' Ex-Gouverneur Mike Huckabee und der äußerst konservative Tea-Party-Mann Ben Carson dürften es ebenfalls in die Top 10 schaffen. Auch die Senatoren Rand Paul und Ted Cruz gelten als sicher - New Jerseys Gouverneur Chris Christie muss dagegen noch um seinen Platz in der Debatte bangen.

Allzu sehr kann Trump sich in den voraussichtlich weniger als zehn Redeminuten nicht in politischen Fachfragen verheddern. Dennoch werden die Moderatoren des Senders «Fox News» versuchen, ihn aus der Reserve zu locken. «Bislang ist er mit stürmischer Kritik und pauschalen Verallgemeinerungen davongekommen», sagt Wahlkampfberater Kevin Madden gegenüber der «New York Times».

Zwar brüstet sich der Mann mit der meistdiskutierten Frisur Amerikas damit, sich trotz der Hilfsangebote seiner Berater überhaupt nicht auf die Debatte vorzubereiten. Doch die «Fox»-Moderatoren dürften ihm mehr entlocken wollen als holzschnittartige Kritik am iranischen Atomabkommen oder der Außenpolitik von Amtsinhaber Barack Obama. Oder wird er gar seinen heimlichen, angeblich «narrensicheren» Plan zum Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat erläutern müssen?

Dass ein echtes politisches Streitgespräch schnell zum Bremsklotz für die Trump'sche Tour de Force werden könnte, zeigten zuletzt seine verwirrenden Kommentare zum Umgang mit Migranten: Alle Einwanderer ohne Papiere sollten abgeschoben werden, sagte er im CNN-Interview. Die «guten» sollten dann durch einen «beschleunigten Prozess» wieder ins Land gelassen werden und legal in den USA leben können - aber nicht als Bürger. «Ich will sie aussiedeln. Ich will sie wieder rein holen und sie legal bleiben lassen. Aber sie müssen legal hier sein.» Nicht wenige US-Kommentatoren kratzten sich am Kopf.

Mit Obama und der demokratischen Spitzenreiterin Hillary Clinton haben die 16 offiziell kandidierenden Republikaner zwar gemeinsame Zielscheiben. Zerfleischen dürften sich die zehn Top-Kandidaten trotzdem. Und ihre Chance, die eigene Botschaft in die Welt zu setzen, dürfte in den wenigen Minuten Rampenlicht im Schlagabtausch mit Trump kommen. «Er ist von Natur aus sehr aggressiv und bereit, nahezu alles zu sagen», sagt Newt Gingrich, ehemaliger Vorsitzender des Abgeordnetenhauses. Seine Metapher für Trump: Nitroglycerin.

Mo, 2015-08-03 11:24
Zürich (dpa)

Studie: Gletscherschwund erreicht Rekordwert

Zürich (dpa) - Die Gletscher weltweit schmelzen seit Beginn des 21. Jahrhunderts in Rekordtempo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des World Glacier Monitoring Service mit Sitz an der Universität Zürich, die im Journal of Glaciology vorgestellt wurde. «Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert», sagte Studienautor Michael Zemp. Gletscher in verschiedenen Regionen der Welt seien so stark aus dem Gleichgewicht geraten, dass sie sogar auch ohne fortschreitenden Klimawandel weiter Eis verlieren werden.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-08-03 11:48
Washington (dpa)

Obama verschärft Klima-Ziele

Obama will sich mit ehrgeizigen Klimazielen einen Namen machen. Von den Republikanern ist harter Widerstand zu erwarten. Der Präsident hat dabei auch den kommenden Klima-Gipfel in Paris und sein politisches Vermächtnis im Blick.

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama legt sich mit der US-Kohlelobby an, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Die neuen Klimaziele wollte er noch am Montag offiziell bekanntgeben. Danach müssten Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, berichtete die «New York Times» am Sonntag. Sollten die Vorsätze umgesetzt werden, müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, schreibt die Zeitung. Es zeichnet sich bereits starker Widerstand der Republikaner ab.  

Obama selbst sprach vom «größten, wichtigsten Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels, den wir jemals getan haben». Der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen. Der Kampf gegen die Treibhausgase könne nicht auf die nächste Generation verschoben werden, erklärte er in einem auf Facebook veröffentlichten Video.

Die Initiative soll zugleich eine mutige Vorgabe für den Klima-Gipfel in Paris Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will. Obama gehe es auch um sein Vermächtnis, schrieb die «New York Times». 

Mit den Vorgaben will Obama die Bestimmungen aus dem Jahre 2014 deutlich verschärfen. Energieunternehmen würden aufgerufen, stärker auf Wind- und Sonnenenergie umzustellen oder von Kohle auf Erdgas umzusteigen, schreibt die Zeitung. Die einzelnen US-Staaten würden aber weiterhin Spielraum für ihre Energiepolitik behalten.

Gegen die Pläne dürfte es erheblichen Widerstand von Republikanern und einer Reihe US-Staaten geben. Staatsanwälte von etwa einem Dutzend US-Staaten planen Medienberichten zufolge bereits juristische Schritte. Der Streit dürfte bis zum Supreme Court, dem höchsten US-Gericht, eskalieren, schreibt die «New York Times».  

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, lehnte Obamas Vorschläge umgehend als unrealistisch und wachstumshemmend ab. Er rief die Gouverneure aller 50 US-Staaten in einem Brief auf, den Plänen nicht zu folgen, wie CNN berichtete. Millionen Amerikaner müssten in Zukunft mit höheren Stromkosten rechnen, kritisierte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio.

Obama hatte sich bereits im Wahlkampf 2008 als Klima-Vorreiter präsentiert, dann aber rasch aufgegeben. Als große innenpolitische Errungenschaft hat er bisher vor allem die Gesundheitsreform vorzuweisen. Der Klimaschutz soll zum weiteren Markenzeichen seiner Präsidentschaft werden, die im Januar 2017 endet.

Mo, 2015-08-03 10:19
Celle (dpa)

Celler Prozess gegen zwei IS-Kämpfer aus Wolfsburg gestartet

Celle (dpa) - Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen zwei IS-Rückkehrer aus Wolfsburg begonnen. Sie stehen seit Montag vor dem Oberlandesgericht Celle, weil sie laut Anklage Ende Mai 2014 über die Türkei nach Syrien reisten und sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschlossen. Ayoub B. (27) soll gekämpft haben, Ebrahim H. B. (26) stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Er kündigte bereits an, vor Gericht auszusagen. Beobachter hoffen, dadurch Einblicke in den Alltag beim IS zu erhalten. Den beiden Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Mo, 2015-08-03 10:27
Wiesbaden (dpa)

Getreide, Mais und Raps bleiben wichtigste Feldfrüchte

Wiesbaden (dpa) - Getreide, Silo-Mais und Raps sind auch im Jahr 2015 die wichtigsten Feldfrüchte auf deutschem Ackerland. Von 11,9 Millionen Hektar wurden zuletzt 3,3 Millionen Hektar oder 28 Prozent allein mit Weizen bepflanzt, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die Anbaufläche des häufigsten Getreides ist damit noch einmal um rund 2 Prozent gewachsen. Auf einem knappen Viertel (23 Prozent) des Ackerlandes bauten die Landwirte Pflanzen zur Grünernte an. Bezogen auf die Fläche folgten dann Mais, Gerste und Raps. Wegen geänderter EU-Subventionen wurden zudem mehr Hülsenfrüchte angebaut, aber auch Flächen vorübergehend brach gelassen.

Mo, 2015-08-03 10:06
Abuja (dpa)

Nigerias Militär befreit fast 180 Geiseln aus Boko-Haram-Gewalt

Abuja (dpa) - Das nigerianische Militär hat nach eigenen Angaben fast 180 Menschen aus der Gewalt der Boko Haram befreit und einen der Anführer der Terrormiliz lebend gefasst. Unter den befreiten Geiseln seien über 100 Kinder und fast 70 Frauen, berichtete die Zeitung «Premium Times» am Sonntagabend unter Berufung auf eine Mitteilung des Armeesprechers Tukur Gusau.

Bei dem Einsatz nahe der Stadt Maiduguri im nordöstlichen Bundesstaat Borno seien zahlreiche Lager der Islamisten erobert worden. Wann das Militär zuschlug, blieb unklar.

Entführte Frauen und Mädchen werden von den Extremisten häufig zum Übertritt zum Islam gezwungen, zwangsverheiratet oder als Sklavinnen missbraucht. Kinder werden dazu benutzt, Sicherheitskräfte auszuspionieren, Material und Waffen zu transportieren und auch bei Angriffen mitzuwirken. Bei dem blutigen Terror der Boko Haram sind seit 2009 mindestens 14 000 Menschen ums Leben gekommen.

Mo, 2015-08-03 10:37
Bonn (dpa)

US-Geschäft sorgt für kräftiges Wachstum bei Solarworld

Bonn (dpa) - Das florierende Geschäft in den USA sorgt beim Solarmodul-Hersteller Solarworld für einen Wachstumsschub. Im ersten Halbjahr 2015 steigerte das Bonner Unternehmen den Absatz von Solarstrommodulen und Bausätzen im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 440 Millionen Megawatt. In den USA konnte Solarworld die Absatzmenge sogar verdoppeln, wie der Konzern am Montag bei der Präsentation vorläufiger Zahlen für das erste Halbjahr berichtete.

Vor allem in den USA, aber auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas erlebt die Solarenergie einen Boom. Das nutzt auch den deutschen Firmen, weil deren Know-how gefragt ist. Bei Solarworld stieg der Auslandsanteil des Absatzes von Modulen und Bausätzen im ersten Halbjahr 2015 um sieben Prozentpunkte auf 87 Prozent.

Der Solarworld-Konzernumsatz erhöhte sich um 40 Prozent auf 320 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb allerdings mit minus 12 Millionen Euro negativ.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nach wie vor eine Steigerung der Absatzmenge und ein Umsatzwachstum von jeweils mindestens 25 Prozent. Außerdem will der Konzern das operative Ergebnis (Ebit) nach einem Verlust von 44 Million Euro im Vorjahr ins Positive drehen.

Mo, 2015-08-03 10:25
Celle (dpa)

Zwei mutmaßliche IS-Kämpfer in Celle vor Gericht

Celle (dpa) - Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche IS-Rückkehrer aus Wolfsburg begonnen. Sie stehen seit Montag vor dem Oberlandesgericht Celle, weil sie laut Anklage Ende Mai 2014 über die Türkei nach Syrien reisten und sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschlossen. Ayoub B. (27) soll gekämpft haben, Ebrahim H. B. (26) stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Er kündigte bereits an, vor Gericht auszusagen. Beobachter hoffen, dadurch Einblicke in den Alltag beim IS zu erhalten. Den beiden Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Männern Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Ayoub B. ist auch wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt, weil er an Kampftrainings teilgenommen haben soll.

Wolfsburg hat sich nach Einschätzung der Behörden in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum radikaler Islamisten entwickelt. Es soll dort rund 30 bis 40 Menschen mit Bezug zum Kampfgeschehen in Syrien und dem Irak geben, 20 Islamisten sollen sich auf den Weg in die Kampfgebiete gemacht haben.

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Mo, 2015-08-03 10:49
Berlin (dpa)

Minister-Erlaubnis: Umstrittenes Machtwort der Politik

Berlin (dpa) - Senken die Wettbewerbshüter vom Bundeskartellamt bei einer geplanten Fusion den Daumen, ruhen die letzten Hoffnungen der betroffenen Unternehmen auf einem Schreiben nach Berlin. Auf einen entsprechenden Antrag hin kann der Bundeswirtschaftsminister nach Paragraf 24 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) ein Nein der Kartellwächter mit einer sogenannten Minister-Erlaubnis überstimmen - wenn «die gesamtwirtschaftlichen Vorteile» die Wettbewerbsbeschränkungen aufwiegen oder der Zusammenschluss durch ein «überragendes Interesse der Allgemeinheit» gerechtfertigt ist.

Nach Angaben der Bundesregierung gab es vor der geplanten Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka bislang 21 solche Fälle. Achtmal wurde dabei die Erlaubnis erteilt (teils mit Auflagen), sechsmal sagte ein Minister Nein, in sieben Fällen zogen die Unternehmen ihren Antrag zurück. Als spektakulärste und umstrittenste Entscheidung gilt die unter Auflagen genehmigte Ruhrgas-Übernahme durch Eon 2002.

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte den Antrag an seinen Staatssekretär Alfred Tacke abgegeben, um Vorwürfen, er könne befangen sein, aus dem Weg zu gehen. Müller hatte als Manager beim Eon-Vorläufer Veba gearbeitet. Tacke, ein Vertrauter von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), wurde nach seiner Beamtenkarriere Vorstandschef beim Energieversorger Steag, was Anti-Lobby-Verbände scharf kritisierten.

Mo, 2015-08-03 10:22
Washington (dpa) 

Trump-Berater muss wegen rassistischer Äußerungen gehen

Washington (dpa) - Wegen rassistischer Äußerungen im Online-Netzwerk Facebook hat das Team um den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump einen Mitarbeiter gefeuert. Dies berichteten US-Medien am Sonntag (Ortszeit). Der Berater Sam Nunberg sei nicht länger dem Wahlkampfteam Trumps verbunden, sagte Kampagnenmanager Corey Lewandowski dem Sender CNN.

Am Freitag war publik geworden, dass Nunberg in der Vergangenheit die Tochter des bekannten schwarzen Bürgerrechtlers Al Sharpton als «Nigger» bezeichnet und Präsident Barack Obama einen «sozialistischen, marxistischen, islamofaschistischen Nazi-Beschwichtiger» genannt haben soll. Nunberg hatte laut CNN bestritten, dass die Äußerungen von ihm stammten. Trump selbst war erst kürzlich mit rassistischen Äußerungen über Mexikaner negativ aufgefallen.

Mo, 2015-08-03 09:28
Köln (dpa)

Braune Kronen: Die Trockenheit lässt Stadtbäume leiden

Kaum Regen, viel Hitze: Dieser Sommer setzt den Bäumen in Deutschlands Städten zu. Einige drohen zu sterben. Förster und Stadtgärtner reagieren mit Notmaßnahmen - und langfristigen Rettungsplänen.

Köln (dpa) - Braune Blätter schon im Sommer: Die Straßenbäume leiden vielerorts in Deutschland unter der ungewöhnlichen Trockenheit in diesem Jahr. In KÖLN sterben wegen des trockenen Sommers einige Bäume ab, sagte ein Sprecher der Stadt. Zu den gefragtesten Bäumen in deutschen Großstädten gehören die Linde, Ahorn, Eiche, Birke und Platane. DÜSSELDORF rief im Juli dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt zufolge Bürger auf, Bäume zu gießen.

In KOBLENZ und TRIER rückte mehrfach die Feuerwehr aus, um besonders gefährdete Straßenbäume zu bewässern.

Auch Hessen ist stark von Trockenheit betroffen. In den dortigen Wäldern leiden vor allem die jungen Bäume, besonders im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum drohe zu vertrocknen, sagte Michael Gerst, Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst in Kassel. Ausgewachsene Bäume können einige trockene Monate überstehen. Für sie bedeute fehlendes Wasser aber auch Stress. Manche werfen Nadeln oder Blätter ab - und werden anfälliger für Schädlingsattacken.

Dringlich ist die Lage auch in WÜRZBURG, wo die Blätter von Ahornbäumen und Linden braun werden: Dort werden seit einem Monat Straßenbäume notbewässert. Der Norden Bayerns erlebt derzeit die größte Frühjahrs- und Sommertrockenheit seit knapp 40 Jahren, wie Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau sagt. «Kein Wunder, dass unsere heimischen Stadtbaumarten mit solchen Bedingungen nicht mehr zurecht kommen und mittlere bis schwere Trockenschäden zeigen.» Die Behörde testet derzeit auch 30 verschiedene Baumarten auf ihre Stadtklima-Verträglichkeit.

OLDENBURG pflanzt seit langem Bäume, die als stress- und hitzetolerant gelten. Unter ihnen sind unter anderem der Feldahorn oder die Hainbuche. In WOLFSBURG vermutet Michael Seitz, der für die Baumpflege und -kontrolle der Stadt zuständig ist, dass auch Baumaßnahmen zu Grundwasserabsenkungen führen und den Eichen der Stadt schaden.

Auch BERLINER Forscher beobachten etwa den Amerikanischen Amberbaum, die Kobushi-Magnolie oder die fast vergessene Späth's Erle, von denen sie hoffen, dass sie der Großstadt eher gewachsen sind als Kastanie, Platane & Co. Auch hier hatten Behörden die Bürger aufgerufen, selbst zum Eimer zu greifen. Das sei jetzt nicht mehr nötig, sagte Derk Ehlert, Experte von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Dass viele der 440 000 Stadtbäume Blätter abwerfen, sei Selbstschutz, um nicht noch mehr Wasser zu verlieren.

STUTTGARTS Bäume hätten die Juli-Hitze relativ gut überstanden, sagte Gartenamtschef Volker Schirner. «Die Welle hätte aber nicht viel länger dauern dürfen.»

Die Trockenheit, Temperaturrekorde und hohe Windgeschwindigkeiten verschärften den Stress von Stadtbäumen, die ohnehin auf verdichtetem Boden stehen müssten, heißt es aus dem Umweltministerium im saarländischen SAARBRÜCKEN.

Bisher war der Sommer auch in SACHSEN-ANHALT zu trocken. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) fielen im Durchschnitt 123 Millimeter Niederschlag, was nur 65 Prozent der normal zu erwartenden Summe darstellt. Besonders gepflegt oder bewässert wurden die Bäume hier aber nach Angaben des zuständigen Verkehrsministeriums nicht.

Im Norden hingegen ist die Lage vergleichsweise entspannt. Zwar waren auch in FLENSBURG und ROSTOCK gerade die jungen Bäume betroffen - um sie haben sich Firmen des Garten- und Landschaftsbaus entsprechend mehr gekümmert. Eine Sprecherin aus Flensburg betonte jedoch, dass die Folgen der Trockenheit «deutlich schlimmer» hätten ausfallen können.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-08-03 09:03
Berlin (dpa)

Altmaier: Bund offen für rascheres Flüchtlingstreffen mit Ländern

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat sich offen gezeigt für die Forderung von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), das für den Herbst geplante Flüchtlingstreffen mit den Ländern auf September vorzuziehen. «Dafür sind wir sehr offen», sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». Dazu werde es «in diesen Tagen» Gespräche geben. Nötig sei es, die Asylverfahren so zu verkürzen, «dass das Asylrecht wahrgenommen werden kann und dass Missbräuche auch bekämpft werden», sagte Altmaier. Er äußerte sich optimistisch, gemeinsame Strategien zu finden. «Wir werden dieses Problem lösen», versprach er. «Ich glaube, dass wir es schaffen können, dieses Asylthema weiter aus dem parteipolitischen Streit auch in Zukunft herauszuhalten.»

Seehofer hatte am Sonntag in der ARD vom Bund dauerhaft und spürbar mehr Hilfe für Länder und Kommunen verlangt. Die derzeit vorgesehene eine Milliarde Euro im Jahr müsse mindestens verdoppelt werden. Ein Bund-Länder-Treffen zur Flüchtlingsproblematik erst im Oktober oder November sei zu spät.

Mo, 2015-08-03 08:00
Düsseldorf (dpa)

Hofreiter fordert Machtwort der Kanzlerin gegen Fremdenhass

Düsseldorf (dpa) - Angesichts vermehrter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Einschreiten aufgefordert. «Frau Merkel fällt dadurch auf, dass sie keine klaren Worte findet», sagte Hofreiter der «Rheinischen Post» (Montag). Er erwarte von der Kanzlerin, dass sie aktiv werden. «Sie muss allen Bürgern klar sagen: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Deutschland ist außerdem ein Land, das ausländerfeindliche Anschläge und Hetze nicht duldet. Deutschland ist ein gut organisiertes, wohlhabendes Land, das verfolgten Menschen einen Zufluchtsort bietet», so Hofreiter. Er forderte «wieder einen Aufstand der Aufrichtigen gegen diese Anschläge».

Mo, 2015-08-03 07:00
Berlin (dpa)

Wachstumsmarkt Dampf - Das Geschäft mit der E-Zigarette Von Burkhard Fraune, dpa

Auf den Straßen, in Parks und Cafés sind sie kaum noch zu übersehen: Menschen, die an elektrischen Zigaretten ziehen. Das Geschäft mit dem Dampf ist inzwischen millionenschwer. Doch die Zukunft ist unsicher.

Berlin (dpa) - «Kreuzberger Ernte», «Starker Tobak», «Der Aussauer»: Wer wissen will, was sich hinter diesen Geschmacksrichtungen verbirgt, muss Laura Deppe folgen. Die junge Frau steigt in ihrem kleinen Berliner Laden eine schmale Wendeltreppe herab und präsentiert ihr Kellerlabor: Regale mit Kunststoffflaschen voller Aromen, ein Tisch mit blauen Kanistern. Dort mischt eine Biotechnologin die Flüssigkeiten zusammen, mit denen Deppe ihr Geld verdient: Liquids für elektrische Zigaretten.

Vor einem knappen Jahr hat die 27 Jahre alte Juristin Deppe mit ihrem Partner Nino Haarhaus den Laden Tante Dampf eröffnet. Im angesagten Kreuzberger Graefekiez verkaufen sie die aromatisierten Flüssigkeiten, E-Zigaretten und Zubehör.

«Das ist ein spannendes Produkt, dessen Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist», sagt die Unternehmerin. Sie setzt auf einen wachsenden Markt. Doch je mehr Leute dampfen, desto größer wird der Widerstand dagegen. Deppe sagt: «Wir zittern ein bisschen.»

Eine E-Zigarette, das ist: ein Akku, ein Verdampfer mit einem Heizdraht, ein Tank für die meist nikotinhaltige Flüssigkeit und ein Mundstück. Wie eine Zigarette sieht sie nicht gerade aus. Auf den ersten Blick wirkt es eher, als ziehe jemand an einem übergroßen Metallkugelschreiber.

Die Geschmackspalette scheint unbeschränkt: Von Cappuccino über Schokolade bis Pina Colada sind in Läden und im Internet Hunderte Varianten zu haben. «Bei unseren Kunden ist Tante Dampf No. 5 am beliebtesten, ein leichter Tabakgeschmack», sagt Deppe. «Viele mischen sich ihre Liquids auch selbst, für sie ist es ein Hobby.»

Noch ist es ein Nischenmarkt, aber er wächst stark. 200 Millionen Euro Umsatz machten die deutschen Händler nach Branchenangaben im vergangenen Jahr, doppelt so viel wie im Vorjahr. In diesem Jahr werden 300 Millionen Euro erwartet. Hinzu kommen die unbezifferte Ausgaben der Bundesbürger bei ausländischen Online-Händlern.

Die EU-Kommission und die Bundesregierung jedoch sehen das mit Sorge. «Auch von diesen vermeintlich harmlosen Erzeugnissen gehen gesundheitliche Gefahren für Kinder und Jugendliche aus», sagt Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU). Das Deutsche Krebsforschungszentrum hatte vor dem Chemikaliengemisch gewarnt.

EU-Regeln für nikotinhaltige E-Zigaretten will Schmidt in Deutschland weitestgehend auch auf nikotinfreie E-Zigaretten anwenden: ein Abgabeverbot an Kinder und Jugendliche sowie Werbebeschränkungen. «Mein Ziel ist es, Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in eine potenziell tödliche Raucherkarriere zu schützen.» Schmidt fürchtet: Wer dampft, der raucht bald auch.

Es sei genau andersherum, hört man in der Branche. Fast alle Kunden kämen von der Tabak- zur E-Zigarette. Sie wollten mit dem Rauchen aufhören. «Wir haben gar keine Lust, Nichtraucher anzufixen. Bei 18 Millionen Rauchern ist das Potenzial groß genug», sagt Dac Sprengel, der Vorsitzende des Verbands des eZigarettenhandels. Werbeverbote jedoch entzögen vielen Händlern die Existenzgrundlage.

Sprengel sagt auch, für Jugendliche sei die E-Zigarette nicht geeignet. «Es ist richtig, darauf hinzuweisen, dass es schädlich sein könnte, auch wenn wir es nicht genau wissen.» Man dürfe dabei nur nicht dem Dampf der E-Zigarette mit frischer Luft vergleichen - sondern mit Tabakrauch.

Laura Deppe steht in ihrem Laden in Kreuzberg und atmet Dampf aus. Bald wird ihr Geschäft ein Jahr alt. Wie viele folgen, hängt auch davon ab, wie die EU-Richtlinie in Deutschland umgesetzt wird. Die Frist endet im Mai 2016. Die Händlerin meint: «Nach der Sommerpause wird es Ernst.»

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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