Aktuell

widerstand / 04.Mai 2016

Vier Festnahmen im Mordfall Berta Cáceres

Die Ermordung der honduranischen Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres erschütterte die Weltöffentlichkeit. Nun hat die Regierung vier Verdächtige festgenommen. Cáceres protestierte zuletzt gegen ein Staudammprojekt, an dessen Bau die deutschen Firmen Siemens und Voith beteiligt sind.

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Do, 2016-05-05 10:41
Athen (dpa)

Idomeni: Hilfsorganisationen sollen bei der Leerung des Lagers helfen

Athen (dpa) - Die griechische Regierung hat die Hilfsorganisationen im improvisierten Flüchtlingslager von Idomeni aufgerufen, bei der Leerung des Lagers bis Ende Mai zu helfen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die 10 000 Flüchtlinge freiwillig aus dem Lager an der Grenze zu Mazedonien in staatlich organisierte Lager zögen. Wenn Idomeni nicht gewaltsam geräumt werden solle, müssten auch die Hilfsorganisationen zur Umsiedlung aufrufen, erklärte der griechische Minister für Migration, Ioannis Mouzalas, der Athener Tageszeitung «Kathimerini» vom Donnerstag zufolge.

Seit fast sieben Wochen halten Flüchtlinge bei Idomenie den für die griechische Wirtschaft wichtigen Bahnübergang nach Mazedonien besetzt. Bewohner des Dorfes beschweren sich zunehmend über die Probleme, die durch das improvisierte Flüchtlingslager entstünden.

Dem Bericht zufolge erwartet Mouzalas, dass 40 000 Flüchtlinge und Migranten für einen längeren Zeitraum in Griechenland bleiben werden. Wegen der Schließung der mazedonischen Grenze stecken mehr als 54 000 Menschen im Land fest. Die meisten wollen weiter nach Mittel- und Nordeuropa, viele geben Deutschland als Ziel an.

Nach der Schließung der Balkanroute und dem am 20. März inkraft getretenen EU-Abkommen mit der Türkei über eine Rücknahme illegaler Einwanderer ist der Flüchtlingszustrom aus der Türkei nach Griechenland abgeebbt. Binnen 24 Stunden kamen bis Donnerstagmorgen nur 87 Migranten an. Das teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit. Am Vortag waren es 55 gewesen.

Im April waren insgesamt 3469 Menschen angekommen. Bislang sind knapp 400 Menschen in die Türkei zurückgeschickt worden.

Do, 2016-05-05 10:32
Latakia (dpa)

Russland steuert Syrien-Einsatz von Luftwaffenbasis Hamaimim Von Friedemann Kohler, dpa

Russland öffnet seinen Stützpunkt in Syrien für die Presse. Ein klares Signal: Moskau redet im Krieg wie im Frieden das entscheidende Wort.

Latakia (dpa) - Den Tag des Sieges feiert die russische Armee auch fern der Heimat in Syrien. Wenige Tage vor dem Weltkriegsgedenken am 9. Mai stehen russische Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Hamaimim in Reih und Glied. Sie üben das Paradieren vor ihrem Kommandeur und das hallende dreifache «Hurra!». Mit den Russen in ihren rötlichen Wüstenuniformen marschiert eine Abordnung der syrischen Armee, um die Waffenbrüderschaft zu unterstreichen.

Die Luftwaffenbasis nahe der Provinzhauptstadt Latakia am Mittelmeer ist Dreh- und Angelpunkt für Russlands militärisches Eingreifen in dem nahöstlichen Bürgerkriegsland. Seit September 2015 kämpft Moskau an der Seite des bedrängten syrischen Machthabers Baschar al-Assad und hat das Kräfteverhältnis wieder zu dessen Gunsten verschoben.

Auch während ein Teil der Garnison für die Weltkriegsparade übt, starten russische Kampfjets zu Angriffen auf Ziele in Syrien. Vieles auf dem Stützpunkt Hamaimim wirkt provisorisch. Trotzdem ist spürbar, dass Moskau sich auf eine längere Präsenz einstellt; es wird gebaut.

Generalmajor Igor Konoschenkow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, führt den Stützpunkt stolz der internationalen Presse vor. Es wird in Hamaimim viel gezeigt, aber nicht alles. Die Soldaten bleiben wortkarg. Wer in die Gassen zwischen den Wohncontainern abzubiegen versucht, den stoppt ein Militärpolizist im roten Barrett.

Zu sehen ist aber, dass in jedem Container vier Betten stehen und ein kleiner Spind; Licht kommt durch ein kleines Fenster. Offen vorgeführt wird die militärische Schlagkraft der russischen Luftwaffe in Syrien. Trotz eines Teilabzugs im Februar sind immer noch viele Flugzeuge in Hamaimim stationiert. Die bulligen Bomber Suchoi Su-24 (Nato-Code: Fencer) bringen beim Starten fast die Trommelfelle der Zuschauer zum Platzen. Auch das Erdkampfflugzeug Su-25 und die neuen Jagdflugzeuge Su-34 und Su-35 sind im Einsatz.

Bevor die Jets abheben, spähen Kampfhubschrauber nach möglichen Angreifern im Umfeld. Eine hochmoderne russische Flugabwehr S-400 sichert die Basis nicht gegen die syrischen Rebellen, die eh keine Flugzeuge haben, sondern gegen die USA und ihre Verbündeten.

Die umstrittenen russischen Luftangriffe gehen trotz der Waffenruhe weiter, denn diese gilt nicht für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Brisant ist militärische Lage dieser Tage in der nordsyrischen Großstadt Aleppo. Auch gilt jetzt eine neue Feuerpause. Doch Konaschenkow ist skeptisch, ob sich die Al-Nusra-Front daran halten wird. In seiner Sicht auf den Krieg bleibt er der russischen Linie treu. «Es hängt alles davon ab, dass niemand mehr die internationalen Terroristen unterstützt», sagt er.

Der Stolz des Generals in Hamaimim ist das Zentrum für Versöhnung, untergebracht ebenfalls in einem Container. Von dort aus überwachen russische Offiziere die Einhaltung der Waffenruhe. Sie sind in ständigem Kontakt mit einem ähnlichen Zentrum der US-Streitkräfte in der jordanischen Hauptstadt Ammann.

Doch die Russen versuchen sich auch im Mikromanagement des Waffenstillstands. «Wir arbeiten mit den Bürgern auf verschiedenen Kanälen», erläutert der Kommandeur des Zentrums, Generalleutnant Sergej Kuralenko. «Im Zentrum gehen tägliche Dutzende Anfragen syrischer Bürger ein.»

Die Russen nehmen die Absichtserklärungen von Rebellengruppen entgegen, die Waffen niederzulegen. Oder ihre mobilen Teams handeln Waffenstillstände für einzelne Orte aus. Mehr als 90 gibt es nach Konaschenkows Angaben bereits. Die üblicherweise gut informierte oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hält diese große Zahl von lokalen Waffenstillständen allerdings für übertrieben.

In vielen Fällen bedeutet ein Waffenstillstand, dass die Dörfer unter die Kontrolle der Regierung zurückkehren. Auch damit stärkt Russland Präsident Assad weiter, dessen Führung bei den Friedensgesprächen in Genf nicht zu Zugeständnissen bereit ist.

Do, 2016-05-05 10:42
Kitzingen (dpa)

Huhn beim Friseur: Kurioser Polizeieinsatz in Kitzingen

Tierische Aufregung in Unterfranken: Ein Huhn habe den Betrieb eines Friseurgeschäfts in Kitzingen lahmgelegt, meldet die Polizei. Die Salonchefin sieht das aber ganz anders. War das Tier halb so wild?

Kitzingen (dpa) - Ein aufgebrachtes Huhn vor einem Friseurladen hat im bayerischen Kitzingen einen Polizeieinsatz ausgelöst. Wie eine Türsteherin habe sich das Tier vor der Tür des Salons in Stellung gebracht, teilten die Beamten am Mittwoch mit. Kein Kunde habe sich mehr heraus oder herein getraut. Mit Brotkrumen hätten die Beamten die Henne schließlich angelockt und in Gewahrsam genommen.

Nach Ansicht der Friseurinnen lachen über diese Version allerdings die Hühner. «So'n Schmarrn, wer hat denn heut' noch Angst vor 'nem Huhn», wird die Inhaberin Astrid Lalomia vom Bayerischen Rundfunk zitiert. Vielmehr hätten sie und ihre Mitarbeiter das Huhn sogar selbst gefüttert, damit es nicht vor ein Auto flattere, erklärte Lalomia. Aus diesem Grund habe man auch die Polizei gerufen.

Einig sind sich Polizei und Friseursalon über den weiteren Verlauf des Einsatzes: Da der Besitzer des Huhns zunächst unbekannt war, gab die Polizei das Tier in die Obhut eines Nachbarn. Die Stadt Kitzingen als zuständige Behörde prüft num, wie sie mit dem Huhn weiter umgeht. Da herrenlose Tiere als Fundsachen gelten, würde das Huhn üblicherweise sechs Monate aufbewahrt und im Anschluss versteigert.

Der zuständige Beamte der Stadt bezweifelte aber, dass dieses Vorgehen bei einem lebenden Tier genauso angewandt werden kann. Es sei ein besonderer Fall: «Ich hatte noch kein Huhn», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Do, 2016-05-05 10:58
Singapur (dpa)

Ölpreise steigen deutlich - Waldbrände in Kanada

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Donnerstag deutlich zugelegt. Händler verwiesen auf die Waldbrände in Kanada, die auch die dortige Ölsand- Produktion beeinträchtigten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kletterte im asiatischen Handel um 65 Cent auf 45,27 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni stieg um 86 Cent auf 44,64 Dollar.

Ein folgenschwerer Waldbrand in der kanadischen Provinz Alberta hat rund 90 000 Menschen in die Flucht geschlagen. Das Gebiet rund um Fort McMurray ist für den Abbau von Ölsand bekannt. Ölkonzerne wie Shell sollen wegen des Feuers nun bereits laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ihre Produktion in der Region heruntergefahren haben.

Am Mittwoch waren die Ölpreise nach zwischenzeitlich deutlichen Kursgewinnen am späten Nachmittag ins Minus gedreht. Belastet wurden die Ölpreise durch stärker als erwartet gestiegene US-Rohöllagerbestände.

Do, 2016-05-05 10:30
London (dpa)

Studie: 167 000 Menschen starben 2015 durch bewaffnete Konflikte

London (dpa) - Durch bewaffnete Konflikte sind im vergangenen Jahr nach einer Studie 167 000 Menschen weltweit ums Leben gekommen. 80 Prozent der Todesopfer seien in sechs großen Konflikten gestorben, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Londoner Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) - in Syrien, Mittelamerika, Mexiko, Afghanistan, Nigeria und dem Irak.

Knapp ein Drittel starb in Syrien, wie aus der Studie hervorgeht. Die Zahl der Toten in dem Land bezifferte das Institut auf 55 000. Mehr als ein Fünftel der weltweiten Todesfälle waren Konflikten in Mexiko oder Mittelamerika geschuldet.

In Afrika südlich der Sahara verloren trotz des Kampfes gegen die Terrororganisation Boko Haram in Nigeria weniger Menschen ihr Leben durch Konflikte. Währenddessen stieg die Zahl in Afghanistan dramatisch an - von 3500 Toten 2013 auf 15 000 im vergangenen Jahr.

Regierungen hätten es 2015 etwa im Irak, in Syrien, Somalia oder dem Jemen geschafft, Gebiete von Rebellen zurückzuerobern. «Oft wurde das mit Hilfe von ausländischen Alliierten erreicht», sagte IISS-Chef John Chipman laut einer Mitteilung.

Do, 2016-05-05 10:49
York (dpa)

Ballett am Himmel: US-Künstler bittet 2000 Tauben zu Tanz der Lüfte Von Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Städteplage, Krankheitsträger, Ungeziefer? Vielerorts sind Tauben verhasst, doch in New York genießen die grauweißen Vögel einen besseren Ruf. Ein Künstler lässt sie dort mit LEDs aufsteigen und verwandelt die «fliegenden Ratten» zu leuchtenden Tänzern am Himmel.

New York (dpa) - Vielleicht fing die ganze Sache mit dieser einen Taube an. Duke Riley war noch ein Kind, als er eine Taube rettete und pflegte, sie irgendwann aber fliegen ließ. Doch der Vogel kehrte zurück. Nun, viele Jahre später, will der Künstler aus Boston das bewegende Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier wiederholen - mit 2000 Tauben, die am Abendhimmel über dem New Yorker East River in die Lüfte steigen und auf sein Kommando hin wieder zurückkehren.

«Tauben werden seit Tausenden von Jahren domestiziert», sagt der 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Wenige Tiere blicken auf eine so lange Geschichte an Seite des Menschen zurück wie Tauben, die schon um das Jahr 4500 vor Christus domestiziert und in Zeiten von Frieden und Krieg als Botschafter eingesetzt wurden. «Vornehm» und «inspirierend» nennt Riley sie - eine Beschreibung, für die ihm so mancher in London, Rom oder New York einen Vogel zeigen würde.

Denn da Taubenkot Krankheitserreger und die Tiere von Parasiten befallen sein können, hat sich das Bild der eigentlich grazilen, gurrenden Täubchen in Großstädten oft gewandelt. «Wir müssen die Natur innerhalb unserer urbanen Umgebungen wahrnehmen», sagt Riley. «Die beschäftigten New Yorker müssen daran oft erinnert werden.» Ab Samstag und dann jedes Wochenende bis Mitte Juni nimmt der Künstler diese Angelegenheit - und jede Menge Tauben - selbst in die Hand.

Der Anblick dürfte einmalig werden. Bei Einbruch der Dämmerung wird Riley im Navy Yard in Brooklyn auf der «Baylander» stehen, einem ausrangierten Flugzeugträger aus Zeiten des Vietnamkriegs. Auf seine Kehllaute hin werden die Vögel aus ihren Taubenschlägen kommen, vielleicht alle zugleich, vielleicht nach und nach. Doch innerhalb weniger Minuten werden Hunderte am Himmel kurven, kreisen und wirbeln und zufällige Muster formen. Dank LED-Leuchten an ihren Krallen wird jedes Tier den Abendhimmel mit hellen Lichtschlieren durchziehen.

Trotz monatelanger Vorbereitungen lässt sich nicht genau vorhersagen, wie das Spektakel aussehen wird. «Sie fliegen jeden Abend anders. Es hängt vom Wind, den Gezeiten und ihrer Stimmung ab», sagt Katie Hollander, Vorsitzende der Organisation Creative Time, die das für Besucher kostenlose Kunstwerk möglich macht. Einige seien bei den Übungen auch mal auf einem naheliegenden Kran gelandet. «Mit den Lichtern sehen sie aus wie ein Weihnachtsbaum.»

Und dann folgt, was Hollander die «Essensglocke» nennt: Ein bestimmter Musiktitel, den Riley als Signal für die Rückkehr zum Taubenschlag gewählt hat. Zusammen mit Flaggen, die im nautischen Alphabet den Titel der Veranstaltung «Fly By Night» buchstabieren, würden die Vögel ihren Weg zurück finden. Riley hofft, durch das Schauspiel am Himmel die Wahrnehmung von Tauben in New York und auch im Ausland zu verändern, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Doch es geht um mehr. Der tätowierte Mann aus Massachusetts lebt seit rund 20 Jahren in New York und sieht es an der Zeit, der Stadt etwas zurückzugeben. Bisher erinnerten seine Projekte an Guerilla-Aktionen, an bissige Kunst am Rande des Illegalen. Sein Nachbau des kugelartigen, historischen Mini-U-Boots Turtle etwa, das im Krieg um die amerikanische Unabhängigkeit ein Schiff im New Yorker Hafen versenken sollte. 2007 trieb Riley damit auf das im Hafen liegende Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 zu, sozusagen als Angriff gegen die britische Krone im 21. Jahrhundert. Die Polizei nahm ihn fest.

Oder seine in einem Parkbecken nachgestellte römische Seeschlacht im Jahr 2009, als Kostümierte in selbst gebauten Schilfbooten durch das flache Wasser paddelten und einander mit Tomaten bewarfen. Er habe «keine Ahnung, was genau passieren wird», sagte Riley, bevor die wilde, von kostenlosem Bier und Wein getränkte Schlacht einsetzte.

Auch bei «Fly By Night» lässt sich das Verhalten der Beteiligten - in diesem Fall Vögel - unmöglich vorhersagen. Für Rileys Anliegen ist das Nebensache. «Ich will den Menschen einen Moment Raum geben, in dem sie anhalten und sich Zeit nehmen, ihre Umgebung wahrzunehmen und die Flora und Fauna zu würdigen, mit der sie sich die Stadt teilen.»

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Do, 2016-05-05 09:10
Istanbul (dpa)

Machtkampf zwischen Davutoglu und Erdogan: Türkei vor Regierungskrise

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu scheint den Machtkampf gegen Staatschef Erdogan verloren zu haben. Bei einem Sonderparteitag der AKP will Davutoglu Medienberichten zufolge nicht mehr antreten. Mit Spannung wird seine heutige Pressekonferenz erwartet.

Istanbul (dpa) - Im Machtkampf zwischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Staatschef Recep Tayyip Erdogan steht die Türkei vor einer Regierungskrise. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf Kreise in der Regierungspartei AKP, Davutoglu werde einen Sonderparteitag einberufen, bei dem er nicht mehr für den Vorsitz kandidiere. Der Parteitag solle noch vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am 6. Juni stattfinden. Ohne den Parteivorsitz gilt ein Verbleib im Amt des Ministerpräsidenten als undenkbar.

Davutoglu wollte am Donnerstag (1000 MESZ) nach einer Sitzung des Parteivorstands vor die Medien treten. Am Mittwochabend hatte es ein Treffen Davutoglus mit Erdogan im Präsidentenpalast gegeben. Über die Inhalte des mehr als eineinhalbstündigen Treffens war nichts bekannt geworden. Wegen des Machtkampfs stürzte die Türkische Lira ab. Am Mittwoch fiel sie gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten.

Erst vergangene Woche hatte die Führung der AKP Davutoglus Befugnisse eingeschränkt, was Kolumnisten und Oppositionspolitiker als Schlag gegen den Regierungschef und Parteivorsitzenden werteten. Davutoglu hatte beide Posten von Erdogan übernommen, nachdem dieser im August 2014 vom Volk zum Staatspräsidenten gewählt worden war.

Erdogan-Anhänger verdächtigen Davutoglu, die Macht des Präsidenten untergraben zu wollen. Die beiden Spitzenpolitiker liegen laut Medienberichten unter anderem wegen einer von Erdogan angestrebten Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems im Clinch. Die Änderung würde Erdogan als Staatsoberhaupt mehr Macht verleihen.

Um ein Verfassungsreferendum über das Präsidialsystem abzuhalten, benötigt die AKP eine 60-Prozent-Mehrheit im Parlament. Dazu fehlen der Partei zurzeit 13 Abgeordnetensitze. Als mögliche Nachfolger Davutoglus werden nach einem Bericht der Zeitung «Cumhuriyet» Verkehrsminister Binali Yildirim und Erdogans Schwiegersohn - Energieminister Berat Albayrak - gehandelt. Beide gelten als absolut loyal gegenüber Erdogan.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu befürchtet bei einem Wechsel im Amt des Regierungschefs eine Ausweitung der Macht von Erdogan. Davutoglus Rücktritt würde zu einer «Bekräftigung der Diktatur in der Türkei» führen, sagte Kilicdaroglu der Deutschen Presse-Agentur in Ankara. «Erdogan möchte einen Ministerpräsidenten, der ihm zu hundert Prozent gehorcht.»

Der Chef der Mitte-Links-Partei CHP sagte weiter, Erdogan habe immer wieder Druck auf Davutoglu ausgeübt und nie gewollt, dass der Regierungschef «außerhalb des Willens des Staatspräsidenten agiert». Eine Zustimmung seiner Partei zu dem von Erdogan und der AKP angestrebten Präsidialsystem schloss Kilicdaroglu kategorisch aus. «Wir akzeptieren kein Präsidialsystem, unter keinen Bedingungen.» Erdogan sei für ihn schon jetzt «ein Diktator».

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hatte Davutoglu bereits am Dienstag angedeutet, dass er nicht um jeden Preis an seinem Amt festhalten werde. Er werde eher sein «Ego mit Füßen treten», als dem Wohle der Partei zuwiderzuhandeln, sagte er demnach bei einer Rede in Ankara.

Do, 2016-05-05 09:29
Aleppo (dpa)

Neue Waffenruhe in umkämpfter syrischer Stadt Aleppo hält zunächst

Aleppo (dpa) - Nach dem Beginn einer neuen Waffenruhe sind die Kämpfe in der nordsyrischen Stadt Aleppo eingestellt worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Donnerstagmorgen, es habe bisher keine Verstöße gegen die Feuerpause gegeben. Auch der lokale TV-Kanal Halab Today meldete, in der Stadt herrsche Ruhe.

Die USA und Syriens enger Verbündeter Russland hatten sich auf die neue Waffenruhe geeinigt, nachdem die Gewalt in Aleppo in den vergangenen Tagen eskaliert war. Nach Angaben syrischer Staatsmedien war die 48-stündige Feuerpause in den frühen Morgendstunden in Kraft getreten. Aleppo ist umkämpftester Schauplatz Syriens Bürgerkrieg.

Do, 2016-05-05 08:05
Damaskus (dpa)

Chronologie des Syrien-Krieges

Damaskus (dpa) - Seit fast fünf Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura geht davon aus, dass in dem Krieg inzwischen bereits 400 000 Menschen getötet worden sind.

März 2011: Eine Demonstration in der Hauptstadt Damaskus setzt eine Protestwelle gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad in Gang. Die Regierung reagiert mit Waffengewalt.

Oktober 2011: Russland und China verhindern eine UN-Resolution zur Verurteilung des Assad-Regimes und blockieren weitere.

August 2013: Mehr als 1400 Menschen sterben durch Chemiewaffen. Der UN-Sicherheitsrat fordert Damaskus zur Vernichtung der Waffen auf. Syrien beginnt danach mit der Zerstörung seiner Produktionsstätten.

September 2014: Die USA und Verbündete bombardieren erstmals Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordostsyrien.

September 2015: Assads Verbündeter Russland beginnt Luftangriffe in Syrien: nach russischen Angaben auf IS-Stellungen, nach westlicher Darstellung auf gemäßigte Rebellengruppen.

November 2015: In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrien-Konferenz, darunter der Iran und Russland, auf einen Friedensfahrplan, der eine Übergangsregierung vorsieht.

November 2015: Nach den Anschlägen in Paris bombardiert Frankreich IS-Stellungen in Syrien. Deutschland entsendet unter anderem Aufklärungs-Tornados. Rund 60 Staaten schließen sich zu einem Bündnis gegen den IS zusammen.

Januar 2016: Ohne wichtige Oppositionsvertreter beginnen Friedensgespräche in Genf. Russland besteht auf einer Beteiligung der Kurdenpartei PYD, die Türkei lehnt dies ab.

Februar 2016: Die Außenminister mehrerer Länder der Anti-IS-Koalition beraten in Rom über Strategien im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Ab Ende Februar gilt eine Waffenruhe für ganz Syrien.

März 2016: Russlands Präsident Wladimir Putin befiehlt einen Teilabzug der russischen Soldaten aus Syrien.

April 2016: Trotz der Waffenruhe sterben in Aleppo bei Angriffen mehrere Hundert Menschen.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Do, 2016-05-05 08:35
Aviv/Gaza (dpa)

Angriffe in Gaza - Palästinenser stoppen Sicherheitszusammenarbeit

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Donnerstag vier Ziele im palästinensischen Gazastreifen bombardiert. Als Reaktion auf Angriffe militanter Palästinenser mit Raketen und Mörsergranaten auf Soldaten im Grenzgebereich habe man Stützpunkte der in Gaza herrschenden Hamas angegriffen, teilte die Armee am Donnerstag mit.

Die gemäßigte Palästinenserorganisation PLO hatte unterdessen am Mittwochabend mitgeteilt, man wolle die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel einfrieren. Als Grund wurden wiederholte Razzien der israelischen Armee in palästinensischen Autonomiegebieten genannt. Ähnliche Ankündigungen waren allerdings in der Vergangenheit nicht umgesetzt worden.

In den Friedensvereinbarungen zwischen Israel und den Palästinensern waren vor mehr als zwei Jahrzehnten Autonomiegebiete im Bereich der großen Palästinenserstädte des Westjordanlands festgelegt worden. Auf eine Serie blutiger palästinensischer Anschläge reagierte Israel 2002 mit einer Militäroffensive im Westjordanland. Seitdem gibt es immer wieder Vorstöße der Truppen in das Autonomiegebiet.

Verhandlungen beider Seiten in den letzten Monaten über einen Stopp dieser Razzien waren gescheitert. Israel rechtfertigt die Einsätze als notwendigen Schutz vor neuen Anschlägen, die Palästinenser sehen sie jedoch als inakzeptable Verletzung ihrer Unabhängigkeit.

Do, 2016-05-05 07:53
Alto (dpa)

Tesla will schon 2018 eine halbe Million Elektroautos produzieren

Die Flut der Vorbestellungen beim gerade angekündigten Model 3 von Tesla stellte den Elektroauto-Anbieter vor ein Problem: Bei aktueller Produktion müssten die Kunden Jahre warten. Also legt Firmenchef Elon Musk ein Tempo vor, das die Branche verändern könnte.

Palo Alto (dpa) - Der Elektroauto-Hersteller Tesla fährt seine Produktion viel schneller als geplant hoch und peilt für 2020 die Marke von einer Million Fahrzeugen an. Schon 2018 - zwei Jahre früher als angekündigt - soll die Kapazität auf 500 000 Autos jährlich hochgeschraubt werden. Hintergrund ist die starke Nachfrage nach dem vor kurzem vorgestellten günstigeren Tesla-Wagen Model 3, für den binnen weniger Wochen rund 400 000 Vorbestellungen eingingen. Beim aktuellen Produktionstempo müssten Kunden Jahre auf ihr Auto warten.

«Wir sind versessen darauf, der beste Hersteller der Welt zu werden», sagte Musk in einer Telefonkonferenz am späten Mittwoch. Im vergangenen Jahr lieferte Tesla erst gut 50 000 Autos aus.

Das 35 000 Dollar teure Model 3 soll Ende 2017 auf den Markt kommen. Bisher gelang es Tesla bei keinem seiner Modelle, den Zeitplan zu halten. Der SUV Model X kam mit mehr als einem Jahr Verspätung, seine Produktion lief auch zuletzt noch zu langsam an, wie Tesla einräumte.

Für Zulieferer wurde der 1. Juli 2017 als Frist gesetzt, bis zu der sie ihre Teile für Model 3 produktionsbereit haben müssen, wie Musk sagte. Das bedeute allerdings nicht, dass dann schon die Fertigung beginnen werde, weil es bei irgendwelchen der vielen Bauteile immer Verzögerungen gäbe. «Auch wenn dann 99 Prozent lieferbar sein sollten, können wir immer noch nicht bauen.» Er gehe aber davon aus, dass im zweiten Halbjahr 2017 etwa 100 000 bis 200 000 Fahrzeuge des Model 3 gebaut werden.

Das vergangene Quartal schloss Tesla mit einem niedrigeren Verlust als von Analysten erwartet ab. Die Aktie sprang in einer ersten Reaktion im nachbörslichen Handel zunächst um rund acht Prozent hoch, später schmolz das Plus weniger als drei Prozent zusammen. Der Fehlbetrag stieg im Jahresvergleich immer noch von 154,2 auf 282,3 Millionen Dollar (246,6 Mio Euro).

Zur positiven Stimmung der Anleger trug auch bei, dass Tesla entgegen ihren Befürchtungen die Auslieferungsprognose für dieses Jahr von bis zu 90 000 Fahrzeugen bestätigte. Im ersten Quartal lieferte Tesla rund 15 500 Autos aus, für das laufende Vierteljahr sind 17 000 anvisiert - im Rest des Jahres wird die Firma also noch deutlich zulegen müssen.

Zugleich zogen die Bestellungen des wichtigsten Fahrzeugs Model S, das zum Beispiel in Deutschland mindestens 88 000 Euro kostet, im Jahresvergleich um 45 Prozent an, wie die kalifornische Firma nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte. Der Konzernumsatz stieg um 15 Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar.

Do, 2016-05-05 08:00
Indianapolis (dpa)

Ring frei! - Indiana ebnet den Weg für Duell Clinton gegen Trump Von Michael Donhauser, dpa

Politveteranin gegen Quereinsteiger, Frau gegen Mann - nach dem Rückzug der Republikaner Ted Cruz und John Kasich ist dies das einzig logische Duell um die Nachfolge Barack Obamas im Weißen Haus. Es ist angerichtet - für einen langen und wohl auch schmutzigen Kampf um das Oval Office.

Indianapolis (dpa) - In Indiana beschäftigen sich die Menschen in dieser Zeit des Jahres normalerweise hauptsächlich mit zwei Dingen: dem Wetterbericht, der im Frühjahr häufig Tornados ankündigt, und dem weltberühmten Autorennen, den 500 Meilen von Indianapolis.

Doch 2016 ist alles anders: Der Bundesstaat im Mittleren Westen hat am Dienstag politische Geschichte geschrieben. Die Wähler in Indiana haben den Weg für die Präsidentschaftskandidatur des schillernden Baulöwen Donald Trump geebnet und damit für ein pikantes Polit-Duell um das Weiße Haus: Trump gegen Hillary Clinton.  

Trump gewann in Indiana so klar, so überzeugend, so vernichtend - seinem parteiinternen Gegenspieler bei den US-Republikanern, Ted Cruz, blieb nichts mehr übrig als die Flinte ins Korn zu werfen. Indiana war seine letzte Chance. Trump stahl ihm sein Kerngebiet. 

Einen Tag später stieg auch der letzte Verbliebene von einst 17 Republikaner-Bewerbern aus: John Kasich beendete seine Wahlkampagne. Cruz hatte den Spagat zwischen erzkonservativen Thesen und Anbiederung ans Establishment nicht geschafft. Kasich hatten Mittel und Charisma gefehlt, um die Wähler zu erreichen. 

Donald Trump, das Phänomen, das Feindbild der politisch Etablierten in den USA und in fast aller Welt, der Politkasper - er ist der einzige verbliebene Bewerber. Der Immobilienmilliardär, noch nie in ein politisches Amt gewählt, wird nun die restlichen Vorwahlen mit dem Finale am 7. Juni in Kalifornien gewinnen, wohl alle Delegierten einstreichen und sich mit einer satten Mehrheit im Rücken im Juli in Cleveland zum Kandidaten küren lassen.  

Trump ist der erste Nicht-Politiker seit Dwight D. Eisenhower, der sich ernsthaft um das Oval Office bemüht. Er ist auch der erste Kandidat, der für seine eigene Gegnerin gespendet hat - Trump unterstützte den Wahlkampf Clintons 2008 gegen Barack Obama.

Seinen Anhängern ist das alles genauso egal wie sein teils flegelhaftes Verhalten. «Trump ist eine Marke, jeder kennt ihn und jeder kennt ihn so, wie er ist», sagt die Politikwissenschaftlerin Amanda Friesen von der Universität in Indianapolis. 

Trump will ein starkes Militär, er will Protektorismus im Außenhandel. Muslime sollen möglichst wegbleiben und an der Grenze zu Mexiko soll eine Mauer entstehen. Trump bleibt mit seinen programmatischen Aussagen so vage, dass er politisch kaum einzuordnen ist.

Obamacare, die von Barack Obama eingeführte Gesundheitsvorsorge, will er abschaffen. «Wir ersetzen sie durch etwas Besseres», betont er. Einzelheiten? Fehlanzeige. Vor allem ausländische Beobachter sehen ihn als Rechtsaußen. Dem konservativen Republikaner-Lager ist er deutlich zu links und hebt sich nicht genug von Hillary Clinton ab. 

Wer sich für Trump begeistert, neigt wie sein Idol zu gewagten Thesen. «Er wird mehr Frieden für die Welt bringen», sagt Julie Davies (58) aus Carmel bei Indianapolis. «Wenn wir stärker werden, wird auch der Rest der Welt stärker.»

Bisher ist Wladimir Putin der einzige namhafte ausländische Staatsmann, der eine mögliche Präsidentschaft Trumps öffentlich begrüßt hat. Viele andere halten ihn eher für ein Risiko. «Ich kann nur hoffen, dass der Wahlkampf in den USA nicht an den Realitäten vorbeigeht», sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kürzlich mit wenig diplomatischer Zurückhaltung.

«Republikanische Wähler lieben es, wenn ihre vorgefertigte Meinung bestätigt wird», sagt Politikwissenschaftlerin Friesen. Ein Bildungsproblem treffe auf ein Einkommensproblem, sagte sie der dpa.

Zur Marke Trump gehört auch die Sprunghaftigkeit. Seine Mitbewerber, die er tags zuvor noch verhöhnt hatte, lobte er nach ihrem Ausstieg für ihre Hartnäckigkeit. Ja, er hofft sogar auf ihre Unterstützung. «Ted Cruz hat eine sehr gute Kampagne gefahren, wir können sehr viel von ihm lernen», beteuerte ein enger Trump-Berater am Mittwoch.

Monatelang hat Trump etwa damit geworben, seinen Wahlkampf nicht mit Spenden zu finanzieren, um unabhängig zu sein. Nach dem Sieg in Indiana war der Spendenaufruf einer seiner ersten Schachzüge. «Ich müsste ein paar Immobilien verkaufen, um mich selbst zu finanzieren und ich weiß nicht ob ich das will», betonte er im Interview des Senders MSNBC. 

Für seine Partei ist die bevorstehende Kandidatur Trumps eine mittlere Katastrophe. In den sozialen Medien erhalten bereits Kreise Zulauf, die Namen tragen wie «Republicans for Hillary». Viele Anhänger der Grand Old Party überlegen ernsthaft, von der Fahne zu gehen. In Umfragen sagten etwa zehn Prozent, sie würden für die Demokraten stimmen. Andere rufen zur Einheit auf. 

Das Partei-Establishment scheint Trump inzwischen als das kleinere Übel zu sehen. Möglicherweise richtet man den Blick schon auf 2020. Die Chancen auf einen Sieg im Herbst sind, so hat die «Washington Post» kürzlich errechnet, ohnehin bescheiden - ganz unabhängig vom Kandidaten. Die Republikaner hätten es nicht geschafft, neue Wählerschichten zu erschließen. So wählen inzwischen fast alle Schwarzen und die allermeisten Latinos in den USA demokratisch. 

Nach der Analyse der der «Washington Post» braucht Clinton am 8. November nur jene 19 Staaten zu gewinnen, die die Demokraten in den zurückliegenden sechs Wahlen immer gewonnen haben - plus Florida. Dort führt sie in Umfragen mit 13 Punkten vor Trump.

Die ehemalige Außenministerin allerdings ist beschädigt. Nicht zuletzt die Tatsache, dass sie Bernie Sanders in den eigenen Reihen nicht wirksam abschütteln kann, zeigt, wie verletzlich die frühere First Lady ist. Möglicherweise muss sie sich auf dem Parteitag im Juli in Philadelphia sogar einer Kampfkandidatur stellen.

Trump machte schon am Mittwoch mächtig Druck. «Sie sollte gar nicht antreten dürfen», sagte er mit Blick auf die Diskussion um von Clinton auf einem privaten Server verschickte Dienst-Emails. Clinton entkomme der Strafverfolgung nur, weil sie von den Demokraten in Schutz genommen werde. Die Schlammschlacht, Teil 2, hat schon begonnen.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Do, 2016-05-05 07:36
Edmonton (dpa)

Waldbrand schlägt 90 000 Kanadier in die Flucht

Meterhoch schlagen sich die Flammen durch die kanadische Provinz Alberta, Wind trägt das Feuer weiter nach Norden. Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht, doch Zehntausende Menschen bangen um ihr Zuhause.

Edmonton (dpa) - Ein folgenschwerer Waldbrand in der kanadischen Provinz Alberta hat rund 90 000 Menschen in die Flucht geschlagen. Es handele sich um die größte wegen Bränden veranlasste Evakuierung in der Geschichte der Provinz, teilte das Rote Kreuz am Mittwoch mit. Ganze Gemeinden seien verwüstet worden, Tote oder ernsthaft Verletzte gab es demnach aber nicht. Das auf einer Fläche von etwa 35 Fußballfeldern wütende Feuer zerstörte laut der Regierungschefin von Alberta, Rachel Notley, 1600 Gebäude. Für die Provinz wurde der Notstand ausgerufen.

Berichten zufolge erschwerten Benzinknappheit und Staus die Evakuierung. Feuerwehrleute hatten zudem wegen ungünstiger Wetterbedingungen Schwierigkeiten, die Flammen in Schach zu halten. Fort McMurrays Feuerwehrchef Darby Allen sprach von einem «ekelhaften, dreckigen Feuer» und dem schlimmsten Tag seiner Karriere bei der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte erwarteten, dass der Wind die Brände noch weiter nach Norden trägt.

Die flüchtenden Menschen kamen in Notunterkünften unter. «Unsere Teams setzen sich in Bewegung, um die betroffenen Menschen, Familien und Gemeinden auf jede mögliche Art zu unterstützen», sagte Jean-Philippe Tizi, Vizepräsident für Notfallmanagement beim Roten Kreuz, das auch zu Spenden für die Betroffenen aufrief.

Mehr als 250 Feuerwehrleute waren im Einsatz, wie die Provinz Alberta mitteilte. «Unser Fokus liegt ganz und gar darauf, die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten und sie aus der Stadt zu bringen», sagte Notley. Nach Angaben der Forstbehörde kämpften zudem neun Löschflugzeuge und ein Dutzend Hubschrauber gegen die Flammen.

Das Feuer war schon am Wochenende südwestlich der Stadt ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen dann am Dienstag nach Fort McMurray. Die Provinz Alberta hatte 2015 die schlimmste Dürre seit 50 Jahren erlebt und leidet seit vergangener Woche unter einer Hitzewelle.

Das Gebiet rund um Fort McMurray ist für den Abbau von Ölsand bekannt. Die teerartige Substanz, die ähnlich aussieht wie klebriger Asphalt, lagert dort in riesigen Mengen etwa 30 Meter unter der Erdoberfläche. Das stark ölhaltige Produkt wird im Übertagebau abgebaut.

Do, 2016-05-05 07:30
Rom (dpa)

Italien und die Flüchtlingskrise

Rom (dpa) - Seit der Schließung der Balkanroute ist Italien in der Flüchtlingskrise wieder in den Fokus gerückt. Eine Übersicht:

- Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind im Jahr 2016 bis Anfang Mai mehr als 28 500 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien gekommen, etwas mehr als in den ersten vier Monaten des Vorjahres, damals waren es gut 26 000 Menschen

- Die Route von Nordafrika über das zentrale Mittelmeer nach Italien bleibt die mit Abstand gefährlichste. Immer wieder gibt es Berichte über zahlreiche Opfer nach Schiffsunglücken. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen im Jahr 2016 bereits fast 1000 Schutzsuchende auf dieser Route ums Leben.

- Italien fühlte sich mit den Flüchtlingen lange von der EU allein gelassen. Nachbarländer wie Österreich werfen Rom vor, die Menschen ohne Kontrolle in Richtung Norden weiterreisen zu lassen und bereiten deshalb Grenzkontrollen vor. Italien weist dies zurück. Nach Angaben der Regierung in Rom reisen kaum mehr Flüchtlinge aus Italien in Richtung Norden weiter als vor der Schließung der Balkanroute.

- Nach Angaben der italienischen Regierung gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass wieder mehr Flüchtlinge nach Italien kommen. Dennoch sollen ankommende Menschen bei den inzwischen eingerichteten Hotspots registriert und weiter verteilt werden. Die Regionen wurden zudem aufgefordert, mehr Unterbringungsmöglichkeiten bereitzustellen.

Do, 2016-05-05 07:38
Istanbul (dpa)

Machtkampf zwischen Davutoglu und Erdogan: Türkei vor Regierungskrise

Der türkische Ministerpräsident Davutoglu scheint den Machtkampf gegen Staatschef Erdogan verloren zu haben. Bei einem Sonderparteitag der AKP will Davutoglu Medienberichten zufolge nicht mehr antreten. Mit Spannung wird seine heutige Pressekonferenz erwartet.

Istanbul (dpa) - Im Machtkampf zwischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Staatschef Recep Tayyip Erdogan steht die Türkei vor einer Regierungskrise. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf Kreise in der Regierungspartei AKP, Davutoglu werden einen Sonderparteitag einberufen, bei dem er nicht mehr für den Vorsitz kandidiere. Der Parteitag solle noch vor Beginn des Fastenmonats Ramadan am 6. Juni stattfinden. Ohne den Parteivorsitz gilt ein Verbleib im Amt des Ministerpräsidenten als undenkbar.

Davutoglu wollte am Donnerstag (1000 MESZ) nach einer Sitzung des Parteivorstands vor die Medien treten. Am Mittwochabend hatte es ein Treffen Davutoglus mit Erdogan im Präsidentenpalast gegeben. Über die Inhalte des mehr als eineinhalbstündigen Treffens war nichts bekannt geworden. Wegen des Machtkampfs stürzte die Türkische Lira ab. Am Mittwoch fiel sie gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Monaten.

Erst vergangene Woche hatte die Führung der AKP Davutoglus Befugnisse eingeschränkt, was Kolumnisten und Oppositionspolitiker als Schlag gegen den Regierungschef und Parteivorsitzenden werteten. Davutoglu hatte beide Posten von Erdogan übernommen, nachdem dieser im August 2014 vom Volk zum Staatspräsidenten gewählt worden war.

Erdogan-Anhänger verdächtigen Davutoglu, die Macht des Präsidenten untergraben zu wollen. Die beiden Spitzenpolitiker liegen laut Medienberichten unter anderem wegen einer von Erdogan angestrebten Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems im Clinch. Die Änderung würde Erdogan als Staatsoberhaupt mehr Macht verleihen.

Um ein Verfassungsreferendum über das Präsidialsystem abzuhalten, benötigt die AKP eine 60-Prozent-Mehrheit im Parlament. Dazu fehlen der Partei zurzeit 13 Abgeordnetensitze. Als mögliche Nachfolger Davutoglus werden nach einem Bericht der Zeitung «Cumhuriyet» Verkehrsminister Binali Yildirim und Erdogans Schwiegersohn - Energieminister Berat Albayrak - gehandelt. Beide gelten als absolut loyal gegenüber Erdogan.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu befürchtet bei einem Wechsel im Amt des Regierungschefs eine Ausweitung der Macht von Erdogan. Davutoglus Rücktritt würde zu einer «Bekräftigung der Diktatur in der Türkei» führen, sagte Kilicdaroglu der Deutschen Presse-Agentur in Ankara. «Erdogan möchte einen Ministerpräsidenten, der ihm zu hundert Prozent gehorcht.»

Der Chef der Mitte-Links-Partei CHP sagte weiter, Erdogan habe immer wieder Druck auf Davutoglu ausgeübt und nie gewollt, dass der Regierungschef «außerhalb des Willens des Staatspräsidenten agiert». Eine Zustimmung seiner Partei zu dem von Erdogan und der AKP angestrebten Präsidialsystem schloss Kilicdaroglu kategorisch aus. «Wir akzeptieren kein Präsidialsystem, unter keinen Bedingungen.» Erdogan sei für ihn schon jetzt «ein Diktator».

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hatte Davutoglu bereits am Dienstag angedeutet, dass er nicht um jeden Preis an seinem Amt festhalten werde. Er werde eher sein «Ego mit Füßen treten», als dem Wohle der Partei zuwiderzuhandeln, sagte er demnach bei einer Rede in Ankara.

Do, 2016-05-05 07:01
Stockholm (dpa)

Protestlieder beim Eurovision Song Contest

Stockholm (dpa) - Politische Botschaften sind beim Eurovision Song Contest unerwünscht - dennoch kommen sie immer wieder vor. Brisante Fälle im Überblick:

PORTUGAL: Fans verstanden 1974 das Lied von Paulo de Carvalho «E depois do Adeus» («Und nach dem Abschied») als Aufruf zur Revolution. Der Beitrag belegte zwar nur den letzten Platz - drei Wochen später wurde das Lied in Portugal zum Symbol der Nelkenrevolution.

UKRAINE: Unter dem sinnfreien Titel «Dancing Lasha Tumbai» des ukrainischen Beitrags 2007 verstehen Zuhörer den Aufruf «Russia Goodbye». Das Lied landete auf dem zweiten Platz. Dem Sänger Andrej Danilko alias Verka Serduchka wurden zeitweise Auftritte in Russland verwehrt.

ISRAEL: Großer Klamauk mit großer Sprengkraft? Das knallbunte Lied «Push the Button» («Drück den Knopf») soll 2007 auf das iranische Atomprogramm anspielen und die Angst der Israelis vor einem atomaren Konflikt zum Ausdruck bringen. Die Interpretation ist offen, entschied die ESC-Jury nach eingehender Prüfung. Die Künstlergruppe «Teapacks» durfte auftreten, schied aber im Semi-Finale aus.

FINNLAND: Nicht allein mit ihrem Text sondern auch mit der Performance sorgte Krista Siegfrids 2013 für Aufsehen: Am Ende ihres Liedes «Marry Me» («Heirate Mich») küsste die Finnin eine ihre Background-Tänzerinnen und protestierte damit gegen das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen in ihrer Heimat. Das Protestlied erreichte im Finale nur den 24. Platz.

ARMENIEN: Das Musikprojekt Genealogy erinnert zum 100. Jahrestag mit seinem Lied «Don't Deny» («Verleugne Nicht») an den Völkermord an den Armeniern 1915 im Osmanischem Reich. Der Titel wurde nach dem Einspruch der Jury geändert - mit «Face the Shadow» landete die Gruppe im Finale auf den 16. Platz.

Do, 2016-05-05 07:00
München (dpa) 

ADAC am Scheideweg

Mit gefälschten Abstimmungen für den ADAC-Autopreis und der Verquickung von Interessen hat der Autoclub viel Ansehen verspielt. Jetzt steht der Reformkurs des neuen Präsidenten Markl zur Abstimmung. Es gibt Gegenwind.

München (dpa) - Vor zwei Jahren hatten Manipulationen beim Autopreis «Gelber Engel» Deutschlands größten Verein in die Krise gestürzt. Dienstflüge mit Rettungshubschraubern kamen ans Licht, die Vermischung von Vereins- und Wirtschaftsinteressen erschien suspekt. Der neue ADAC-Präsident August Markl hat inzwischen kräftig aufgeräumt. Doch nun steht sein Reformwerk auf der Kippe.

Am Samstag (7. Mai) entscheidet die ADAC-Hauptversammlung in Lübeck, ob der ADAC eine neue Struktur bekommt. Das milliardenschwere Konzerngeschäft soll vom Verein klar getrennt, der Vereinsstatus damit gesichert werden. Doch es gibt mächtige Gegner.

Was hat sich seit dem Skandal 2014 geändert?

Der damalige ADAC-Präsident Peter Meyer, der Schatzmeister, der Geschäftsführer, der Chefjurist und der Chefredakteur der ADAC-Zeitschrift «Motorwelt» nahmen ihren Hut. Markl brachte zusammen mit einem unabhängigen Beirat eine Reform auf den Weg, der die Hauptversammlung Ende 2014 einstimmig zustimmte.

Danach beschränkt sich der Verein künftig auf Pannenhilfe, technische und touristische Beratung für die 19 Millionen Mitglieder und den Motorsport. Zu verkehrspolitischen Fragen wie Maut oder Tempolimit meldet sich der ADAC nur noch zu Wort, wenn er zuvor die Meinung der Mitglieder erkundet hat.

Die 18 Regionalvereine und der Dachverband ADAC e.V. in München haben sich Compliance-Regeln verpasst. Verbraucherschutz und Kommerz wurden getrennt, das gleichzeitige Testen und Verkaufen von Kindersitzen oder Schneeketten wurde abgestellt.

Was soll mit dem ADAC-Konzern passieren?

ADAC-Firmen verkaufen Versicherungen, Fährtickets, Autobatterien und Kreditkarten, vermieten Autos und verlegen Zeitschriften. Diese Unternehmen sind in einer GmbH zusammengefasst, die 2014 gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 104 Millionen Euro Gewinn erzielt hat.

Bei der GmbH haben ehrenamtliche ADAC-Funktionäre aus der Zentrale und den Regionalvereinen das Sagen. Jetzt soll die GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, mit einem weisungsunabhängigen Vorstand, der von einem unabhängigen, nicht ADAC-dominierten Aufsichtsrat kontrolliert wird.

Außerdem soll der ADAC e.V. 25,1 Prozent der Aktienanteile an eine neue, gemeinnützige Stiftung abtreten, die sich um Luftrettung, Verkehrsopfer und Unfallforschung kümmert und von einem ebenfalls unabhängigen Stiftungsrat kontrolliert wird.

Wie begründet die neue ADAC-Führung die Aufspaltung?

Markl sagt, die transparente Struktur und klare Aufteilung helfe, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Und der ADAC werde rechtssicher aufgestellt. Denn das Registergericht München prüft, ob der ADAC seinen Vereinsstatus mit Steuervorteilen noch zu Recht hat.

Was sagen die Gegner des Reformplans?

Meyer ist weiterhin Präsident des größten Regionalclubs, des ADAC Nordrhein. Dieser kritisiert, mit der Aufteilung würde der Verein «jeglichen Einfluss auf die ADAC-Stiftung und die wirtschaftlichen Aktivitäten verlieren». Weil «es Zweifel gibt, ob dieses Modell mit allen Konsequenzen durchdacht ist», holte er zwei Gutachten ein. ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm kritisiere, die Aufteilung entziehe den ADAC-Mitgliedern Vereinsvermögen.

Was sagen die Befürworter?

Der Beirat, dem unter anderem der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier angehörte, lobte den Reformkurs. Er sei «gewissenhaft, konsequent und nachhaltig vorangetrieben» worden. Die «Trennung des eingetragenen Vereins von den wirtschaftlichen Aktivitäten ist nötig, um den Vereinsstatus zu bewahren.»

Wie stehen die Chancen?

Markl sagt, es gebe keine Alternative. Die neue ADAC-Spitze besuchte die Regionalvereine und warb für die Reform. Große Regionalclubs wie Niedersachsen/Sachsen-Anhalt oder Hessen-Thüringen oder sprechen sich klar dafür aus. Inzwischen rechnet man nicht nur in der Zentrale mit einer klaren Zustimmung in Lübeck. Der ADAC Nordrhein erklärte, sollte dort «ein gültiger Beschluss gefasst werden, wäre dieser hinzunehmen und umzusetzen».

Wie geht es bei einem positiven Votum weiter?

Wenn die Hauptversammlung zustimmt, wechseln in Kürze rund 1000 Mitarbeiter vom verein zur Aktiengesellschaft oder umgekehrt. Spätestens zum Jahresende soll der Umbau abgeschlossen sein.

Do, 2016-05-05 05:06
Köln (dpa)

Tarifchaos auf dem Mobilfunkmarkt - Discounter marschieren vorweg Von Peter Lessmann, dpa

Der Zusammenschluss von Telefonica O2 und E-Plus vor zwei Jahren hat den deutschen Mobilfunkmarkt ordentlich durcheinander gewirbelt. Doch das Wegbrechen eines Anbieters hat den Preiskampf keineswegs erlahmen lassen. Der Tarifdschungel ist noch dichter geworden.

Köln (dpa) - Eine gute Nachricht hielt die Bundesnetzagentur erst vor wenigen Tagen für die Verbraucher bereit: Seit Anfang Mai ist das Telefonieren und mobile Surfen im europäischen Ausland billiger. Damit passen sich die Preise immer stärker dem im Inland gültigen Tarifniveau an. Am 15. Juni 2017 ist dann endgültig Schluss: Keine Extrakosten mehr für das Durchschleusen von Telefonaten und Daten durch andere Netze. Herumschlendern wie zu Hause, «roam like at home», heißt dann die Devise.

Doch das Streunen durch Netze ist für Handy- und Smartphone-Nutzer nicht einfacher geworden, wenn sie nach passenden Tarifen suchen. Auch wenn die Preise heute keinesfalls mehr Schrecken auslösen und Roaming-Kosten im EU-Ausland bald ganz verschwinden, hat die Transparenz auf dem Markt mit der Ausbreitung der mobilen Datennutzung stark gelitten. «Selbst für uns als Branchenkenner ist es manchmal schwierig, bei der Vielfalt der aktuellen Tarifaktionen immer auf Ballhöhe zu bleiben», räumt Martin Knauer, Chef des Kölner Mobilfunkdiscounters Congstar ein.

Netzbetreiber wie Telekom, Telefonica O2 und Vodafone stehen einer Vielzahl von Anbietern gegenüber, die im Discountgeschäft stark sind. Sie heißen Aldi-Talk und Simyo, Blau, Otelo, Base oder Smartmobile. Sie funken in den Netzen der Großen und sind zum Teil selber deren Billigableger (Congstar, Base, Otelo). Aldi-Talk und Congstar gehören zu den größten Anbietern mit mehr als 5 Millionen beziehungsweise vier Millionen Kunden.

Inzwischen schätzen Experten den Anteil des preissensiblen Marktsegments auf mehr als 40 Prozent. Auch hier setzen die Anbieter alles auf die mobile Datenkommunikation und grenzen sich bei ihren Tarifen voneinander ab. «Das Thema ist heute komplex geworden», sagt Josefine Milosevic von der Branchen-Fachzeitschrift «Connect». Dass die Preise weiter in den Keller fallen, erwartet die Tarifexpertin nicht. Die Netzbetreiber müssten sich refinanzieren und benötigten Geld für den Netzausbau.

Für Nutzer wird es trotzdem schwieriger, die Angebote vergleichbar zu machen: Flat-Tarife für alle Netze, Minuten-, Daten- oder SMS-Pakete, Bonusregelungen und Freimonate, mit und ohne Datenautomatik, Laufzeitvertrag oder monatliche Kündigungsfristen, Tarife mit und ohne neues Smartphone - kurz: der Einsteiger oder Umsteiger hat die Qual der Wahl.

Den passenden Tarif zu finden, ist aus Sicht von Verbraucherschützern heutzutage angesichts vieler Tarifmodelle ein großes Problem von Smartphone-Nutzern. «Vor der Auswahl sollte ein Kunde immer genau sein bisheriges Nutzerverhalten überprüfen», empfiehlt Miriam Rusch von der Verbraucherzentrale NRW.

Stellschraube für die Anbieter werden immer mehr das bestellte Datenvolumen und die Übertragungsgeschwindigkeiten. Doch für den wenig erfahrenen Smartphone-Besitzer ist es eine Kunst, bei der Tarifwahl das passende Datenvolumen zu schätzen.

Dennoch ist Christian Schiele vom Internet-Vergleichsportal Verivox überzeugt: «Aus unserer Sicht ist die Situation für die Verbraucher positiv», auch nach dem Zusammenschluss von Telefónica und E-Plus. «Wenn sich der Markt differenziert, zeigen sich die Wahlmöglichkeiten oft klarer als zuvor». Dass durch die Fusion ein Preisumschwung eingesetzt hat, ist angesichts der Vielfalt der Tarife kaum zu belegen.

Höhere Preise werden heute verknüpft mit mehr Leistung wie Datenvolumen oder Geschwindigkeiten. Der Markt sei gespalten, meint Congstar-Chef Knauer, in ein gehobenes Segment, in welchem die Netzbetreiber die Preiserosion aufhielten. Aber es gebe weiterhin Anbieter, die sehr preisaggressiv im Online-Vertrieb vorgingen. Knauer: «Hier geht das Spiel unvermindert weiter».

Do, 2016-05-05 05:10
Indianapolis (dpa)

Politologin: «Trump ist eine Marke» und wird sich nicht ändern Interview: Michael Donhauser, dpa

Trump der Trampel: Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner hat im US-Vorwahlkampf mit seinen exzentrischen Auftritten viele irritiert. Dass er bald staatsmännischer wird, ist einer Expertin zufolge nicht zu erwarten.

Indianapolis (dpa) - Donald Trump wird für die US-Republikaner ins Rennen um das Weiße Haus gehen. Im Ausland ist die Vorstellung eines US-Präsidenten seines Typs ein Horrorszenario. Deutsche Außenpolitiker wie Frank-Walter Steinmeier und Norbert Röttgen halten Trump für ein «potenzielles Risiko». Die Sympathien der konservativen US-Amerikaner aber scheinen ihm zuzufliegen. Die Deutsche Presse-Agentur sprach mit der Politikwissenschaftlerin Amanda Friesen, Expertin für politisches Benehmen, von der Universität Indianapolis über das Phänomen Trump:

Frage: Donald Trump wirkt nach außen nicht wie ein Präsident - eher wie das, was er ist: ein Baulöwe, ein Geschäftemacher, jemand, vor dem Eltern ihre Kinder warnen. Muss sich Trump ändern, wenn er ein guter Präsident werden will?

Antwort: Trump ist in den USA eine Marke, und das seit Jahrzehnten. Jeder kennt ihn, und jeder kennt ihn so, wie er ist. Ob man sich eine Fernsehsendung mit ihm aus den 1990ern ansieht oder ihn jetzt auf Wahlkampftour beobachtet - es hat sich kaum etwas geändert. Dass Trump sich total verstellt, sollte er gewählt werden, das glaube ich nicht. Er hat im Laufe der Vorwahlen alle Regeln gebrochen, in mindestens einem Fall sogar ein Tabu, als er einen Behinderten imitiert hat. Man dachte, jetzt ist es aus. Aber es hat ihm nicht geschadet.

Frage: Die Vorstellung, dass Trump das Auftreten, das er jetzt im Wahlkampf zeigt, künftig etwa bei einem G20-Gipfel wiederholt, löst international Irritationen aus. 

Antwort: Ich könnte mir vorstellen, dass Trump gar kein Interesse daran hat, endlose Konferenzen zu führen. Er könnte viel mehr Aufgaben als bisher seinem Außenminister übertragen, das Kabinett könnte insgesamt eine viel größere Rolle spielen. Es ist jetzt schon absehbar, dass seine Berater einen großen Part übernehmen. Seine schriftlich niedergelegten politischen Programme unterscheiden sich von dem, was er öffentlich sagt, zum Teil deutlich.

Frage: Warum ist dieses Flegel-Verhalten bei den Amerikanern so populär?

Antwort: Erst einmal muss man sagen, dass die Zahl derer, die bei den Vorwahlen bei den Republikanern abstimmt, verhältnismäßig klein ist und nur einen geringen Teil der Amerikaner repräsentiert. Trump macht die Menschen glauben, er sage, wie es ist, er nenne die Dinge beim Namen. Republikanische Wähler lieben Klartext. Wenn man Trump fragt, ob er lügt, sagt er «Nein». Wenn man Hillary Clinton fragt, sagt sie: «Ich versuche immer, die Wahrheit zu sagen.» Ein gewisser Teil der US-Bevölkerung hat genug von dieser Politikersprache.

Frage: Trump hat sich in den Monaten des Vorwahlkampfes mehrfach abwertend, zumindest aber zweifelhaft gegenüber Frauen geäußert. Wird ihm das schaden im Kampf gegen seine potenzielle Gegenspielerin Hillary Clinton?

Antwort: Diejenigen Wählerinnen, denen Themen wie Gleichberechtigung wichtig sind, wählen ohnehin eher die Demokraten. Insofern kann Trump mit solchen Äußerungen nicht viel verlieren. Bei der republikanischen Klientel sind drei Themen wichtig, die alles andere überlagern: Innere Sicherheit, Wirtschaft und Deregulierung. Wenn er bei seiner Klientel erfolgreich sein will, darf er dort nur wenig Fehler machen.

ZUR PERSON: Amanda Friesen lehrt politische Wissenschaften an der School of Liberal Arts der Indiana University - Purdue University of Indianapolis. Sie befasst sich besonders mit der Frage politischen Benehmens, mit dem Einfluss von Religion auf Politik sowie mit der Geschlechterrolle in der Politik. 

Do, 2016-05-05 04:51
Sydney (dpa)

Einer der meistgesuchten Terroristen Australiens im Irak getötet

Sydney (dpa) - Einer der meistgesuchten australischen Terroristen ist bei einem US-Luftangriff im Irak getötet worden. Das teilte die australische Regierung am Donnerstag in Canberra mit. Neil Prakash (24) hatte sich 2013 in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Die Familie des Australiers stammt von den Fidschi-Inseln und aus Kambodscha.

Prakash tauchte in Propaganda-Videos auf und war in sozialen Netzwerken aktiv, um in Australien Kämpfer für die Miliz anzuwerben. Er rief Anhänger auch zu Terroranschlägen in Australien und den USA auf. «Die Nachricht sollte uns freuen, für uns war er nämlich der gefährlichste Australier», sagte Generalstaatsanwalt George Brandis im Rundfunk.

Die Regierung schätzt, dass etwa 110 Australier in den Reihen der IS-Miliz kämpfen. In Sydney und Melbourne wurden mehrfach Sympathisanten festgenommen. Die Polizei hat nach eigenen Angaben einige Anschläge auf australischem Boden vereitelt.

Do, 2016-05-05 04:30
Istanbul (dpa)

Berichte über bevorstehenden Wechsel an türkischer Regierungsspitze

Holt sich der türkische Staatschef Erdogan einen neuen Ministerpräsidenten an seine Seite? Angeblich steht Regierungs- und AKP-Chef Davutoglu wegen eines Machtkampfs vor der Ablösung. Die Opposition fürchtet eine «Bekräftigung der Diktatur in der Türkei».

Istanbul (dpa) - In der Türkei deutet sich ein möglicher Wechsel an der Regierungsspitze an. Mehrere Medien des Landes berichteten, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu habe sich mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan überworfen und werde auf einem außerordentlichen Kongress der Regierungspartei AKP sein Amt niederlegen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Davutoglu will laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag eine Pressekonferenz abhalten.

Davutoglu hatte Erdogan am Mittwochabend getroffen und mehr als anderthalb Stunden mit ihm gesprochen. Türkische Kommentatoren rechneten damit, dass Davutoglu wegen eines verlorenen Machtkampfs mit dem Präsidenten zurücktritt. Erst vergangenen Woche hatte die Führung der islamisch-konservativen AKP Davutoglus Befugnisse eingeschränkt, was Kolumnisten und Oppositionspolitiker als Schlag gegen den Regierungschef und Parteivorsitzenden werteten.

Laut dem Sender CNN Türk soll der außerordentliche Parteikongress voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden. Das genaue Datum werde noch bekanntgegeben. Türkischen Medien zufolge dürfte Davutoglu auf dem Kongress sowohl sein Amt als Ministerpräsident als auch das des Parteichefs niederlegen.

Der 57-Jährige hatte beide Posten von Erdogan übernommen, nachdem dieser im Sommer 2014 vom Volk zum Staatspräsident gewählt worden war. Die beiden Politiker liegen laut Medienberichten unter anderem wegen einer geplanten Verfassungsänderung zur Einführung eines Präsidialsystems im Clinch. Die Änderung würde Erdogan als Staatsoberhaupt mehr Macht verleihen. Um ein Verfassungsreferendum über das Präsidialsystem abzuhalten, benötigt die AKP eine 60-Prozent-Mehrheit im Parlament. Dazu fehlen der Partei zurzeit 13 Abgeordnetensitze.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu befürchtet im Falle eines Wechsels im Amt des Regierungschefs eine Ausweitung der Macht von Erdogan. Davutoglus Rücktritt würde zu einer «Bekräftigung der Diktatur in der Türkei» führen, sagte Kilicdaroglu der Deutschen Presse-Agentur in Ankara. «Erdogan möchte einen Ministerpräsidenten, der ihm zu hundert Prozent gehorcht.»

Kilicdaroglu, Chef der Mitte-Links-Partei CHP, sagte weiter, Erdogan habe immer wieder Druck auf Davutoglu ausgeübt und nie gewollt, dass der Regierungschef «außerhalb des Willens des Staatspräsidenten agiert». Eine Zustimmung seiner Partei zu dem von Erdogan und der AKP angestrebten Präsidialsystem schloss Kilicdaroglu kategorisch aus. «Wir akzeptieren kein Präsidialsystem, unter keinen Bedingungen.» Erdogan sei für ihn schon jetzt «ein Diktator».

Laut der Nachrichtenagentur Anadolu hatte Davutoglu bereits am Dienstag angedeutet, dass er nicht um jeden Preis an seinem Amt festhalten werde. Er werde eher sein «Ego mit Füßen treten», als dem Wohle der Partei zuwiderzuhandeln, sagte er demnach bei einer Rede in Ankara. Als mögliche Nachfolger werden laut der Zeitung «Cumhuriyet» Verkehrsminister Binali Yildirim und Erdogans Schwiegersohn - Energieminister Berat Albayrak - gehandelt.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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