So, 2015-04-26 12:13
Kathmandu (dpa)

Drama am Mount Everest: 18 Tote durch Erdbeben-Lawinen

Der Himalaya bebt mehrfach - und am höchsten Berg der Welt lösen sich Lawinen und Felsen. Derzeit ist Hauptsaison am Mount Everest, Hunderte Bergsteiger sind im Gletscher.

Kathmandu (dpa) - Durch die gewaltigen Himalaya-Erdbeben haben sich mehrere Lawinen am Mount Everest gelöst und Dutzende Bergsteiger unter sich begraben. 18 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden, wie ein Sprecher der indischen Streitkräfte, die mit einem Expeditionsteam vor Ort sind, am Sonntag sagte. Nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen sind unter den Toten ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese.

Damit starben in diesem Jahr am höchsten Berg der Welt mehr Menschen als im vergangenen Jahr. Am 18. April 2014 waren beim bisher schwersten Unglück in der Geschichte des Everest-Bergsteigens 16 Nepalesen in einer Lawine ums Leben gekommen. Danach sagten fast alle Teams ihre Vorhaben ab.

Derzeit ist die Hauptsaison am 8848 Meter hohen Berg wieder in vollem Gange - viele von denen, die im vergangenen Jahr umkehrten, sind wieder da. Zum Zeitpunkt der Katastrophe am Samstag hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Bergsteiger, Wanderer und Träger rund um das Basislager auf.

Nach Angaben der Polizei in Lukla klärte sich das schlechte Wetter am Morgen auf und Helikopter konnten ins Basislager starten. 61 Verletzte seien ins Tal gebracht worden. Der Bergsteiger Alex Gavan berichtete auf seiner Homepage aus dem Basislager, es sei ein «riesiges Desaster». Er sei aus seinem Zelt herausgeeilt und um sein Leben gerannt.

Einige wenige Bergsteiger seien aus den Camps oberhalb des Basislagers ausgeflogen worden, schreibt Gavan. Aber mehr als 100 säßen noch fest. Helikopter brächten Seile und Eisschrauben in nach oben, um eine neue Abstiegsroute zu legen. Die einzige Route durch den gefährlichen Eisfall, die mit vielen Leitern große Gletscherspalten überwindet, wurde durch die Lawine zerstört. Das schrieb der Bergsteiger Daniel Mazur von vor Ort auf seiner Homepage.

Das starke Nachbeben, dessen Epizentrum näher am Mount Everest lag, löste weitere Lawinen aus. «Es war schrecklich hier im Camp 1. Lawinen auf drei Seiten», schrieb Mazur auf Twitter. Er sei besorgt um das Team im Eisfall unterhalb von ihm. Adrian Ballinger schrieb von der Nordseite des Everest: «Ein weiteres großes. Richtig groß. Von den Bergen um das nordseitige Basislager fielen Felsen herab.» Die chinesisch-tibetische Bergsteigervereinigung habe alle gebeten, ins Basislager abzusteigen, bis die Nachbeben aufhören.

Temba Tsheri Sherpa von der Organisation Dreamers' Destination Treks and Expeditions fürchtet, die Zahl der Toten könne weiter steigen. Aus seinem Team seien zwei Nepalesen, ein Chinese und ein Australier unter den Toten. Das britische Unternehmen Jagged Edge bestätigte auf seiner Webseite außerdem, dass der Bergsteiger und Google-Ingenieur Dan Fredinburg starb.

So, 2015-04-26 12:43
Kathmandu (dpa) 

Nepal erlebt schlimmstes Erdbeben seit mehr als 80 Jahren

Seit mehr als 80 Jahren hat die Erde in Nepal nicht mehr so stark gebebt. Damals kamen tausende Menschen ums Leben - und auch diesmal steigt die Zahl der Toten immer weiter. Auch am Mount Everest spielen sich nach Lawinenabgängen Dramen ab. Hilfe aus aller Welt läuft an.

Kathmandu (dpa) - Beim stärksten Erdbeben in Nepal seit mehr als 80 Jahren sind mindestens 1900 Menschen ums Leben gekommen. Große Teile der Infrastruktur des Landes, zahlreiche alte Häuser und die typischen Lehmbauten des Himalayas wurden ebenso zerstört wie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Auch am Tag nach dem gewaltigen Stoß der Stärke 7,8 erschütterten am Sonntag starke Nachbeben die Region. Rund um den Mount Everest lösten sich bei jedem Zittern der Berge Lawinen und Erdrutsche. Mindestens 18 Menschen starben allein im Basislager am höchsten Berg der Erde.

Die Behörden sprachen am Sonntag von mindestens 1909 Toten und Tausenden Verletzten allein in Nepal. Auch Indien, China und Bangladesch waren betroffen. Das Innenministerium Nepals fürchtete, dass die Zahl der Toten weiter steigen werde.

Eine große internationale Hilfswelle lief inzwischen an - erreicht aber zunächst vor allem die Hauptstadt Kathmandu. Der Flughafen war laut Polizei nur vorübergehend für Linienflüge offen. Deswegen sitzen zahlreiche Touristen in Nepal fest - derzeit ist die Hauptsaison für Bergsteiger und Wanderer.

Das Epizentrum des Bebens vom Samstag lag etwa 80 Kilometer westlich von Kathmandu. Dort befänden sich die Dörfer direkt an großen Berghängen und die Häuser bestünden aus einfachen Stein-und Felskonstruktionen, sagte Matt Darwas von der Hilfsorganisation World Vision. «Viele dieser Dörfer sind nur mit Geländewagen und zu Fuß erreichbar, manche Stunden oder sogar Tagesmärsche von der Hauptstraße entfernt.»

Nepal hat den Notstand in den betroffenen Gebieten ausgerufen, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Zum Zeitpunkt des Lawinenunglücks hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Menschen am Mount Everest auf. Die Leichen im Basislager seien von einem Expeditions-Team der indischen Armee gefunden worden, erklärte diese. Nach Angaben der Polizei in Lukla wurden 61 Verletzte ins Tal gebracht. Unter den Toten sind nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese.

Die meisten Menschen in Nepals Hauptstadt Kathmandu saßen weiterhin im Freien, eingewickelt in Decken gegen die Himalaya-Kälte. Tausende haben ihre Häuser verloren oder fürchteten sich, in die Gebäude zurückzukehren. Selbst Präsident Ram Baran Yadaf habe in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio.

Am Sonntag kam es zu einem heftigen Nachbeben, das laut US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,7 hatte. Länder aus aller Welt schickten Flugzeuge mit Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kommunikationsgeräten. Allein der große Nachbar Indien flog 43 Tonnen Material ein, darunter Zelte und Wasser. Auch mehrere Helikopter wurden zur Verfügung gestellt.

Aus Deutschland machten sich ebenfalls Helfer auf den Weg. Millionenbeträge verschiedener Regierungen sollen ebenfalls die Not lindern helfen. Nepals Regierungschef Sushil Koirala bat «ausländische Freunde» um Hilfe und Unterstützung. «Wir werden diese dunkle Zeit zusammen durchstehen», sagte er. Papst Franziskus sprach den Opfern der Erdbebenkatastrophe sein Beileid aus. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel hatten sich in ersten Reaktionen tief erschüttert gezeigt.

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen und luden ihre Handys an Autobatterien. Wie es in den abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussah, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

«Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren», sagte eine Frau aus dem Ort Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. «Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.»

Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf. Care etwa plant, bis zu 75 000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

Augenzeugen berichteten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser und die Medikamente ausgehen. Auch die Ärzte sind an vielen Orten bereits überlastet. «Unter den Toten sind viele Kinder», sagte Doktor Pratab Narayan aus dem Teaching-Krankenhaus. «Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen.»

Die deutsche Botschaft in Kathmandu wurde ebenfalls beschädigt. Das Auswärtiges Amt rät Touristen von Touren in die Erdbebengebiete zunächst ab.

So, 2015-04-26 12:04
Bergen-Belsen (dpa)

Bundespräsident Gauck dankt britischen Befreiern von Bergen-Belsen

Bergen-Belsen (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat dem britischen Militär für die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vor 70 Jahren gedankt. «Die britischen Soldaten waren Botschafter einer demokratischen Kultur, die nicht auf Rache am Feind bedacht war, sondern dem Recht und der Menschenwürde auch in Deutschland wieder zu neuer Geltung verhelfen sollte», sagte Gauck am Sonntag bei einer zentralen Gedenkfeier zur Befreiung des Lagers im heutigen Niedersachsen vor 70 Jahren. An der Feier nahmen auch zahlreiche Überlebende von Bergen-Belsen teil.

Gauck sagte, die Deutschen hätten zwischen 1933 und 1945 in ganz Europa eine «unermessliche Schuld» auf sich geladen. Orte wie Bergen-Belsen, Buchenwald oder Dachau seien Symbole dieses Abgrundes. «Sie stehen für die unermessliche politische, moralische, kulturelle und humanitäre Katastrophe, in die das «Dritte Reich» der Deutschen das Land und die Menschen in ihm geführt hatte.»

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil warnte davor, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergessen. «Mord verjährt nicht, Massenmord und Völkermord erst recht nicht», sagte der SPD-Politiker. Gerade in Deutschland müsse mit aller Entschlossenheit gegen jedes Anzeichen von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder Rechtsextremismus vorgegangen werden.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-04-26 12:20
Berlin (dpa)

AfD-Landeschefs warnen vor Rechtsruck nach Henkel-Rücktritt

Wie weiter mit der AfD? Nach dem Rücktritt von Parteivize Hans-Olaf Henkel taumelt die Alternative für Deutschland Richtung Parteitag. Der Druck von Rechtsaußen ist immens. Nun melden sich die «Realos» zu Wort.

Berlin (dpa) - Mehrere AfD-Landeschefs haben vor einem Rechtsruck ihrer Partei gewarnt. Sollte sich der rechtsnationale Flügel um Sachsens Parteichefin Frauke Petry oder Brandenburgs AfD-Fraktionschef Alexander Gauland durchsetzen, habe die Partei «kaum noch Chancen» auf Wahlerfolge, sagte der Hamburger AfD-Vorsitzende Jörn Kruse der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte vor allem im Westen. Die Partei sei in dem Fall in ihrer Existenz gefährdet. «Dann würde der Juni-Parteitag den Anfang vom Ende der AfD bedeuten können. Und die etablierten Parteien wären wieder unter sich.»

Auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Bernd Kölmel forderte, die AfD müsse sich «vom ganz rechten Rand» abgrenzen. «Dort muss eine rote Linie gezogen werden. Positionen, die diese Linie überschreiten, sind nicht tragbar», sagte er der dpa.

In der Alternative für Deutschland (AfD) tobt ein Machtkampf zwischen rechtskonservativem und liberalerem Flügel. Hans-Olaf Henkel - einst Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und heute Europaabgeordneter - war vor wenigen Tagen als stellvertretender Bundesvorsitzender zurückgetreten. Er hatte dies damit begründet, dass «Rechtsideologen» die Partei zu übernehmen drohten und es bei anderen führenden AfD-Politikern «charakterliche Defizite» gebe.

Thüringens AfD-Landesvorsitzender Björn Höcke warf Parteichef Bernd Lucke vor, zur Spaltung der AfD beizutragen. Gleichzeitig wies er Vorwürfe zurück, unter Pseudonym Texte für die NPD geschrieben zu haben. «Ich habe niemals Artikel in NPD-Postillen verfasst, auch nicht unter einem Pseudonym», sagte er der «Thüringer Allgemeinen». Der Bundesvorstand forderte Höcke laut Zeitung auf, juristisch gegen die von einem Blogger aufgestellte Behauptung vorzugehen. Höcke nannte dies «unerträglich», darüber entscheide er selbst.

Lucke, der für wirtschaftsliberale Positionen steht, will einen Rechtsruck verhindern. «Solange ich an Bord bin, wird nicht gedriftet. Nicht nach rechts und schon gar nicht nach ganz rechts», sagte er der «Bild»-Zeitung. Bei der AfD sei es so ähnlich wie früher bei den Grünen: «Es gibt Fundis und es gibt Realos. Und die Fundis neigen dazu, alles etwas extremer zu sehen als die Realos.»

So, 2015-04-26 12:30
Berlin (dpa)

Brüssel will europäisches Anti-Terror-Zentrum

Berlin (dpa) - Die EU-Kommission will nach Informationen der «Welt» ein Zentrum zur Terrorismusbekämpfung unter dem Dach der europäischen Polizeibehörde Europol. In dem abhörsicheren Zentrum sollen Informationen über terroristische Netzwerke und europäische Dschihadisten, verdächtige Finanztransaktionen und den Waffenhandel zusammenfließen. Das berichtet die Zeitung (Montag, Onlineausgabe Sonntag) unter Berufung auf ein Papier der EU-Kommission.

Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans und Innenkommissar Dimitris Avramopoulos wollten das Papier «Die Europäische Agenda für Sicherheit» am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellen, schreibt das Blatt. Brüssel fordere die EU-Staaten auf, Informationen über verdächtige Personen zu teilen und die Kontrollen an den Außengrenzen des Schengen-Raums zu verbessern. Bis Juni wolle die Kommission zudem Vorschläge für gemeinsame Risikomerkmale für Grenzkontrollen vorlegen, um zum Beispiel Dschihad-Verdächtige besser erkennen zu können.

So, 2015-04-26 12:10
Berlin (dpa)

Schwarz-Rote Brocken Von Georg Ismar, dpa

Es soll ein «Frühjahr der Entscheidungen» werden. Die große Koalition muss bis zum Sommer noch dicke Bretter bohren. Aber es gibt Reibereien und gegenseitiges Misstrauen. Bei der SPD fordern sie ein Machtwort der Kanzlerin.

Berlin (dpa) - Selbst in der Heimat führender Genossen dominiert Angela Merkel. So musste SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann letztes Jahr bei einer Besteigung des 1141 Meter hohen Brocken feststellen, dass oben beim Brockenwirt ein Bild der Kanzlerin hängt. «Ich bringe Ihnen mal ein Bild von Sigmar Gabriel mit», versprach Oppermann, damit auch der SPD-Chef, der ebenfalls in der Nähe beheimatet ist, dort künftig vertreten ist. Eine sinnbildliche Szene. Die Sozialdemokraten machen und tun, rackern sich ab, aber Merkels Ansehen steht ihnen im Wege.

«Sie wird - weil sie muss. Denn ohne Merkel geht die Union unter», sagte Oppermann vor wenigen Tagen der «Bild»-Zeitung mit Blick auf eine erneute Kandidatur Merkels bei der Bundestagswahl 2017. Doch bis dahin muss noch etwas Politik von Union und SPD gemeinsam gemacht werden. Vor dem Koalitionsgipfel am Sonntagabend im Kanzleramt war es mal wieder CSU-Chef Horst Seehofer, der die Latte verbal hoch hängte - und den Koalitionspartner an einer empfindlichen Stelle kitzelte.

Hinter dem sperrigen Wort «Bund/Länder-Finanzbeziehungen» verbirgt sich eine der größten Reformen, die die Koalition noch schaffen will. Was soll etwa aus dem ungeliebten Solidaritätszuschlag werden, wenn er 2019 wie geplant ausläuft? Die SPD würde ihn gerne in die Einkommensteuer integrieren, damit die klammen Länder auch etwas von den bisher dem Bund zustehenden Einnahmen bekommen. Die Union will ihn bis 2029 schrittweise abschaffen. Seehofer spricht von der «größten Steuersenkung aller Zeiten» mit 20 Milliarden Euro Volumen.

Er droht damit, das Thema andernfalls 2017 zum großen Wahlkampfthema zu machen - und die Union im Gegensatz zur SPD wieder als Steuersenkungspartei zu profilieren. Zudem will Bayern den Länderfinanzausgleich um zwei Milliarden Euro reduzieren. Dass Seehofer parteiintern unter Druck steht, macht die Verhandlungen nicht einfacher. Zu dem geplanten Paket gehört auch die Frage, ob der Bund sich stärker als bisher an den Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen beteiligen muss.

Dieses Thema - das zeigen die Katastrophen im Mittelmeer - wird noch eine enorme Herausforderung, auch was die Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland anbelangt und die Toleranz der deutschen Bevölkerung. Anders als Gabriel hat Merkel aber in letzter Zeit kein Flüchtlingsheim besucht, um vor Ort ein Zeichen zu setzen und sich direkt zu informieren.

Fast klein wirkt dagegen der Streit über die Bürokratie beim seit Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde - die Union hätte es gern, wenn die Lohngrenze für die Dokumentation von Anfang, Dauer und Ende der Arbeitszeit von 2958 Euro auf 1900 Euro gesenkt würde. Dabei geht es um neun für Schwarzarbeit fällige Branchen. Zudem wird seit Wochen um mehr Flexibilität und Sonderregeln etwa für Gastwirte, Schausteller, Landwirte und Ehrenamtliche gerungen.

Vieles muss in diesem Frühjahr gelöst werden. Aber die Einigungsbereitschaft wird aus Seehofers Sicht nicht dadurch erhöht, dass Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) schon auf ein juristisches Scheitern des CSU-Projektes Betreuungsgeld für Eltern setzt, die ihr Kind nicht in die Kita geben. Spekuliert wird darüber, ob der Etat für das Betreuungsgeld angezapft werden könnte, um etwa Alleinerziehende zu entlasten.

Zwar mag vieles aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD bereits abgearbeitet sein, aber es war schon bei der großen Koalition von 2005 bis 2009 so, dass äußere Krisen den Handlungsdruck erhöhten. Heute weiß keiner, wie sich das Flüchtlingsthema entwickelt und ob Griechenland in der Eurozone gehalten werden kann. Und wie sich der Konflikt in der Ost-Ukraine entwickelt? Die Lage ist fragil.

Laut ARD-Deutschlandtrend sind 56 Prozent der Bürger mit der Arbeit der Koalition zufrieden. Das liegt auch am meist gut funktionierenden Zusammenspiel von Merkel, Gabriel und Seehofer. Aus ihrem Kreis dringt kaum etwas nach draußen. Doch es zeigen sich auch feine Risse. «Dies ist eine Regierung. Jedes Projekt jedes einzelnen Ministers ist auch ein Projekt unserer gesamten Regierung», hatte Merkel im Januar 2014 bei der Kabinettsklausur in Meseberg als Leitmotiv ausgegeben.

Dazu gehört das Projekt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Um das Klimaziel zu schaffen, schlug Wirtschaftsminister Gabriel eine Abgabe für alte Kohlekraftwerke vor. Aber die Union kämpft an Seite der Gewerkschaften und der Wirtschaft dagegen. «Es wäre praktisch, wenn Merkel jetzt mal Stellung beziehen würde», heißt es bei der SPD genervt, und dass sie Gabriel im Regen stehen lasse. Wenngleich es auch bei der SPD Widerstände gibt.

Der Streit um die Kohle soll bis zum Sommer irgendwie gelöst werden, genauso wie der von Seehofer bekämpfte Bau von Stromtrassen nach Bayern. Es sind strukturelle Weichenstellungen von großer Tragweite. Und alle wissen: 2015 ist wegen der vielen Landtagswahlen 2016 wohl das letzte Jahr, in dem diese übergroße Koalition nochmal richtig Politik machen könnte.

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So, 2015-04-26 12:52
Berlin (dpa)

Grüne: Mindestlohn nicht «zerschießen»

Berlin (dpa) - Die Grünen haben die große Koalition davor gewarnt, den Mindestlohn aufzuweichen. «Es ist doch absurd, dass kaum ein halbes Jahr nach Einführung des Mindestlohns ein relevanter Teil der Union das Rad wieder zurückdrehen will», sagte Fraktionschef Anton Hofreiter am Sonntag in Berlin mit Blick auf den Koalitionsgipfel am Abend. «Die große Koalition darf den Mindestlohn nicht durch weitere Ausnahmen zerschießen.» Die Union will die Schwelle für Arbeitgeber bei der Dokumentation von Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit senken. Die SPD ist dagegen.

Scharf kritisierte Hofreiter den Widerstand von Union, Gewerkschaften und Unternehmen gegen eine Abgabe für über 20 Jahre alte Kohlekraftwerke. «Kaum will Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel endlich damit beginnen, die schlimmsten Kohle-Schmutzschleudern aus dem Verkehr zu ziehen, macht die Union dagegen mobil», kritisierte er. Bei einem Scheitern der Pläne und Verfehlen der Klimaschutzziele würde sich Deutschland in diesem entscheidenden Jahr mit G7-Gipfel und der Pariser Klimakonferenz blamieren. Es sei unverantwortlich, dass Kanzlerin Angela Merkel sich «mit einer abwartenden Haltung im Seitenaus begnügt», so Hofreiter.

So, 2015-04-26 12:08
Bergen-Belsen (dpa)

Gauck fordert Einsatz bei allen Verbrechen gegen Menschenrechte

Bergen-Belsen (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat zu einer aktiven Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen in aller Welt aufgerufen. «Wir müssen den Blick auf Geschehendes richten. Das ist unsere Lehre aus der Vergangenheit», sagte Gauck am Sonntag in Bergen-Belsen bei einer zentralen Gedenkfeier zur Befreiung des dortigen NS-Konzentrationslagers vor 70 Jahren.

Der Bundespräsident betonte, Deutschland sei Teil einer «Verantwortungsgemeinschaft», die sich dazu bekenne, die Würde des Menschen zu verteidigen. Einen direkten Bezug zu aktuellen Krisen stellte Gauck bei der Gedenkfeier in Niedersachsen aber nicht her - vor wenigen Tagen hatte er mit klaren Worten zum Völkermord an den Armeniern heftige Reaktionen der Türkei ausgelöst.

Gauck sagte: «Wo wir nur können, werden wir Unrecht ein Ende setzen.» Er betonte: «Wenn uns die Mittel fehlen, um einzuschreiten, wenn wir machtlos sind, können wir immer noch mehr tun, als ohnmächtig wegzusehen. Wir können und müssen dann Zeugen sein und müssen Zeugnis ablegen. Das kann jeder von uns.»

So, 2015-04-26 11:38
München (dpa)

NSU-Prozess: Zschäpe fällt das Schweigen immer schwerer Von Christoph Lemmer, dpa

Beate Zschäpe sagt seit Beginn des NSU-Prozesses vor zwei Jahren öffentlich kein Wort. Jetzt hat sie sich einem Gerichtspsychiater geöffnet - und darüber gesprochen, dass ihr das Schweigen immer schwerer fällt.

München (dpa) - Nur selten bekommen Beobachter des Münchner NSU-Prozesses wenigstens eine Ahnung, welche Gedanken die Angeklagte Beate Zschäpe beschäftigen mögen. Jetzt aber hat sie sich dem Münchner Gerichtspsychiater Norbert Nedopil wenigstens ein bisschen geöffnet und Einblicke gewährt. Es ging dabei nicht um die Anklagevorwürfe, zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde und zwei Sprengstoffanschläge, sondern eher um Persönliches.

Nedopil verfasste für das Gericht ein schriftliches Gutachten über sein Gespräch mit Zschäpe, das die Prozessbeteiligten in der Geschäftsstelle des Münchner Oberlandesgerichts einsehen durften. Darin, so erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, finden sich auch Äußerungen Zschäpes über ihr konsequentes Schweigen im Prozess. Am Anfang, vor zwei Jahren, als das Gerichtsverfahren begann, da sei ihr das noch leicht gefallen. Da habe sie gedacht, dass sie es durchhalten werde. 

Jetzt dagegen falle es ihr immer schwerer, an ihrer Strategie festzuhalten. Sie empfinde das Schweigen zunehmend als «belastend». Das liegt möglicherweise auch an einer charakterlichen Eigenschaft der Angeklagten. Nedopil soll sie in seinem Gutachten als «narzisstisch» bezeichnen. Damit meinen Psychiater in der Regel eine Persönlichkeitsstörung, bei der übersteigerte Eitelkeit, mangelndes Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegen Kritik zusammenkommen. 

Manche sichtbare Reaktion Zschäpes im Prozess wäre damit wohl verständlicher. Gelegentlich wirkte sie aufgekratzt und nervös - selten, wenn es um die Verbrechen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» ging, die die Anklage ihr vorwirft. Sondern meist, wenn Zeugen allzu private Dinge über sie erzählten.

Zuletzt war das am 192. Prozesstag im März zu beobachten. Da erzählte ein Bekannter aus der Jugend, Zschäpe habe als Teenager in Geschäften viel geklaut. Sie habe zu einer Clique gehört, die sich regelmäßig in dem Treppenaufgang eines Wohnhauses in Jena-Winzerla traf. Dort hätten Ladendiebstähle als eine Art Mutprobe gegolten. Zschäpe habe «extrem geklaut», oft Dinge, «die sie gar nicht brauchte», einfach nur «aus Spaß». Während der Zeuge das erzählte, tuschelte Zschäpe auf der Anklagebank viel und hektisch mit ihren Anwälten. 

Einer ihrer Verteidiger, Wolfgang Stahl, mühte sich dann, den Zeugen in seiner Gewissheit zu erschüttern. Einmal protestierte ein Anklagevertreter gegen seine Fragen und warf dem Anwalt «Suggestion» vor. Stahl erwiderte entwaffnend offen, es sei sein «erklärtes Ziel», den Zeugen zu verunsichern. Das klappte aber nicht. Der blieb bei seiner Aussage.

Zschäpe warf dem Anwalt immer wieder Blicke zu. Der konfrontierte den Zeugen dann mit «Verteidigerwissen»: «Nach meiner Kenntnis als Verteidiger gehe ich davon aus, dass Frau Zschäpe nicht bei diesen Treppenhaustreffen dabei gewesen ist.» Es sah ein bisschen so aus, als habe Zschäpe ihren Anwalt etwas sagen lassen, was sie selber gern gesagt hätte, womit sie aber ihre Schweigestrategie gebrochen hätte.

Als Zschäpe jetzt mit Gutachter Nedopil sprach, habe sie sich auch über ihre Verteidiger geäußert, sagen Prozessbeteiligte. Das, was sie sagte, sei wenig schmeichelhaft gewesen. Sie finde es zusätzlich «belastend», dass sie «auf die Fehler ihrer Anwälte aufpassen» müsse.

Das wiederum passt zu ihrem gescheiterten Versuch vergangenen Sommer, ihre Verteidiger auszuwechseln. Dass sie nach wie vor nicht zufrieden zu sein scheint, geht auch aus einem Vermerk aus der Prozessakte hervor. Verfasst hat ihn eine Polizistin des Bundeskriminalamtes, die im Januar und Februar dieses Jahres Telefongespräche Zschäpes mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter überwacht hatte. Darin sprach sie von einem «vierten Anwalt», mit dem sie in der JVA Stadelheim Kontakt halte. Dieser Anwalt habe ihr auch «Unterwäsche und einen Blumenstrauß» zukommen lassen. 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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So, 2015-04-26 11:37
Bergen-Belsen (dpa)

Weil: Verbrechen und Morde der Nationalsozialisten verjähren nie

Bergen-Belsen (dpa) - 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil dazu aufgerufen, die Verbrechen der Nationalsozialisten niemals zu vergessen. «Mord verjährt nicht, Massenmord und Völkermord erst recht nicht», sagte der SPD-Politiker am Sonntag bei einer Gedenkfeier zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. An der Veranstaltung nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck und zahlreiche Überlebende teil.

Weil sagte zum Auftakt, gerade in Deutschland müsse mit aller Entschlossenheit gegen jedes Anzeichen von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder Rechtsextremismus vorgegangen werden. «Wenn sich Flüchtlinge vor Brandanschlägen fürchten, wenn Juden in Deutschland wieder Unsicherheit verspüren, wenn Menschen wegen ihres Glaubens ausgegrenzt werden - dann dürfen wir das nicht akzeptieren und zur Tagesordnung übergehen.»

So, 2015-04-26 11:28
Berlin (dpa)

Grüne wollen neue Wirtschaftspolitik in Europa

Mehr Investitionen und ökologischer Umbau: Das ist das Rezept der Grünen für die europäische Wirtschaft. Die Sparpolitik ist aus ihrer Sicht gescheitert - nicht nur in Griechenland.

Berlin (dpa) - Die Grünen haben die Sparpolitik in Europa hart kritisiert und wirksame Schritte für mehr Wachstum verlangt. Ein kleiner Parteitag forderte am Samstag in Berlin mehr europäische Solidarität, höhere Investitionen und ökologische Innovationen. «Die Kaputtsparpolitik ist gescheitert», heißt es mit Blick auf Griechenland in einem Beschluss. Dem setzen die Grünen einen «Green New Deal» für Europa entgegen, der den ökologischen Umbau voranbringen soll. 

Die Grünen kritisierten auf dem kleinen Parteitag (Länderrat) aber auch die links-rechte griechische Regierung. Ministerpräsident Alexis Tsipras müsse endlich seine Hausaufgaben machen, die Korruption bekämpfen und die Reichen zu Steuerzahlungen zwingen, sagte Parteichef Cem Özdemir.

Mit scharfen Worten verurteilten die Grünen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und der EU. Die Tragödien auf dem Mittelmeer seien direkte Folge der europäischen Beschlüsse, sagte Özdemir.  Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte echtes Umdenken - «oder wir haben unsere Seele schon verloren». Die Versammlung begann mit einer Schweigeminute für die Toten im Mittelmeer.

Einstimmig verabschiedete der kleine Parteitag einen Antrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Notwendig seien «tiefgreifende Eingriffe in die Arbeitswelt». Ebenso wie der Raubbau an der Natur müsse auch der Raubbau am Menschen beendet werden. Notwendig seien flexible Lösungen für Familien.

In weiteren Beschlüssen forderten die Grünen wirksame Schritte zum Klimaschutz und ein Ende der Kohleförderung. Mit Blick auf die Bundestagwahl 2017 verabschiedeten die knapp 100 Delegierten eine Änderung der Urwahlordnung, um die Nominierung der Spitzenkandidaten zu erleichtern. In Zukunft müssen Kandidaten für eine Urwahl entweder für den Bundestag kandidieren oder zumindest die Unterstützung ihrer Kreisverbände haben.

So, 2015-04-26 10:57
Haag/Berlin (dpa)

Neuer Pferdefleischskandal: Behörden stoppen kriminelle Händler

Mit gefälschten Papieren ist in mehreren europäischen Ländern Pferdefleisch auf den Teller gekommen, das niemals hätte verkauft werden dürfen. Grenzüberschreitend hat die Polizei bei Dutzenden von Razzien zugeschlagen.

Den Haag/Berlin (dpa) - Eine kriminelle Bande hat jahrelang in mehreren Ländern Europas Pferdefleisch, das Menschen eigentlich niemals essen sollten, in den Handel geschleust. Bei Durchsuchungen in Dutzenden von Betrieben seien am Freitag 26 Verdächtige festgenommen worden, die meisten davon in Frankreich. Dies teilte die Koordinationsstelle für die Justizzusammenarbeit in der EU (Eurojust) in Den Haag mit. 200 Pferde wurden den Angaben zufolge beschlagnahmt und werden untersucht. Ergebnisse der Untersuchungen lagen am Wochenende noch nicht vor.

Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass Verbraucher gesundheitlich geschädigt worden seien, betonten die Ermittler. Deutschland sei «so gut wie nicht betroffen»: Es habe nur eine Hausdurchsuchung und keine Festnahmen gegeben.

Zwischen 2010 und 2013 sind nach Schätzung der führenden französischen Behörden etwa 4700 zum menschlichen Verzehr ungeeignete Pferde in die Lebensmittelkette gelangt. Die über die Grenzen hinweg operierenden kriminellen Händler sollen vor allem die Pferdepässe gefälscht haben, mit denen sich die Herkunft jedes einzelnen Pferdes und dessen Gesundheitszustand nachvollziehen lässt. «So wurde aus Pferden, die eigentlich beseitigt werden sollten, ein wertvolles Gut mit großen Profit-Margen», hieß es in Ermittlerkreisen in Den Haag. Bei den Razzien seien auch 37 000 Euro Bargeld beschlagnahmt worden.

Ein Sprecher des Bundesernährungsministeriums in Berlin sagte, Frankreich habe im EU-Schnellwarnsystem für Lebensmittel bisher keine Informationen veröffentlicht: «Offenbar handelt es sich nicht um ein akutes Geschehen.» Dem Ministerium lägen «keine Informationen darüber vor, dass sich Pferdefleisch in Deutschland auf dem Markt befinden könnte, das für den Verzehr nicht geeignet ist».

Die kriminellen Pferdefleischhändler hätten vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden operiert, hieß es weiter von Eurojust. Bei dem Hauptverdächtigen handele es sich um einen Belgier. Erste Ermittlungen wurden laut Eurojust in Arlon (Belgien) im November 2012 und in Marseille (Frankreich) im Juli 2013 aufgenommen. Dabei habe sich herausgestellt, dass es auch Verbindungen zu anderen Staaten, unter anderem Irland und Großbritannien, gebe.

Die Ermittlungen haben nichts mit dem sogenannten Pferdefleischskandal von Anfang 2013 zu tun: Damals war einwandfreies Pferdefleisch falsch deklariert und in Lebensmitteln - vor allem Lasagne - verarbeitet worden. «Dies ist ein völlig anderes Verfahren», hieß es in Den Haag. Bei dem jetzt aufgedeckten Fall handele es sich um ein «grenzüberschreitendes organisiertes Verbrechen».

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greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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