Aktuell

Klimawandel / 28.Aug 2015

Walrosse in die Enge getrieben

Weil sie immer weniger Eisschollen finden, drängen sich tausende Walrosse in der arktischen Tschuktschensee auf kleinen Inseln. Das gefährdet besonders die Jungtiere. Umweltschützer warnen vor einer „Katastrophe in Zeitlupe“.

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der Woche
Fr, 2015-08-28 13:22
Dresden (dpa)

Gericht: Versammlungsverbot in Heidenau rechtswidrig

Dresden (dpa) - Das Versammlungsverbot im sächsischen Heidenau ist nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Dresden unzulässig. Die entsprechende Allgemeinverfügung sei «offensichtlich rechtswidrig», heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Eilentscheidung des Gerichts. Der Polizeiliche Notstand, mit dem das Versammlungsverbot vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge für das gesamte Wochenende begründet worden war, sei nicht hinreichend vorgetragen und belegt worden.

Damit wurde einem Eilantrag eines Bürgers, der an einer von dem Bündnis Dresden Nazifrei angemeldeten Kundgebung teilnehmen wollte, stattgegeben. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht erhoben werden.

In Heidenau bei Dresden hatte es am vergangenen Wochenende Ausschreitungen von Rechtsradikalen gegeben, die die dortige Unterbringung von Flüchtlingen verhindern wollen. Das Bündnis Dresden Nazifrei wollte an diesem Freitag mit einem großen Willkommensfest für Asylbewerber dagegenhalten. Zugleich war eine Kundgebung rechter Gruppen angekündigt. Die Polizei sah sich außerstande, die Sicherheit zu garantieren.

Fr, 2015-08-28 13:06
Dresden (dpa)

Gericht: Versammlungsverbot in Heidenau rechtswidrig

Dresden (dpa) - Die Allgemeinverfügung zum Demonstrationsverbot in der sächsischen Stadt Heidenau ist nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Dresden «offensichtlich rechtswidrig». Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Eilentscheidung des Gerichts hervor.

Fr, 2015-08-28 13:37
Freiburg (dpa)

«Landwirt, stirb langsam» - Milchbauern gegen Preisverfall Von Sandra Cartolano, dpa

Weltweit sind die Milchpreise im freien Fall. Für viele Landwirte ist die Milchproduktion zum Verlustgeschäft geworden. Sie warnen: Lange können wir nicht mehr durchhalten.

Freiburg (dpa) - Was derzeit viele Verbraucher freut, treibt Christa Disch die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Landwirtin aus dem Glottertal im Schwarzwald hält Kühe, doch für ihre Milch bekommt sie nach eigenen Angaben so wenig Geld, dass ihre Kosten nicht mehr gedeckt sind. Aus der Milchproduktion sei ein Zuschussgeschäft geworden, schimpft Disch. Und das gefährde ihren Familienbetrieb.

Gemeinsam mit ihrem Mann und den drei Kindern ist die resolute Frau am Freitag nach Freiburg im Breisgau gereist, um gegen den Preisverfall bei Milch zu protestieren. Mehr als 100 Landwirte aus Baden-Württemberg und Frankreich haben sich in der Innenstadt versammelt, direkt am Hauptbahnhof reiht sich Traktor an Traktor. Bis nach München wollen die Bauern in den nächsten Tagen fahren, als Teil einer Sternfahrt mit vier Routen durch ganz Deutschland.

Die Landwirte erlebten die dritte Milchkrise in sechs Jahren, ruft Matthias Maier vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ins Mikrofon. «Auf gut Badisch: Mir habe die Schnauze voll.» In den vergangenen Monaten sind die Milchpreise drastisch gesunken, weil zu viel Milch produziert wird. Im Zuge der EU-Agrarreform war die Milchquote zum 1. April nach mehr als drei Jahrzehnten abgeschafft worden. Die Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern wie China war zuletzt gesunken. Dazu kommt Russlands Agrarboykott gegen den Westen.

Der BDM fordert die EU daher auf, die Überproduktion zu stoppen und denjenigen einen finanziellen Ausgleich zu zahlen, die weniger Milch herstellen. Doch EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat schon klargestellt: Eine neue Quotenregelung zugunsten der Bauern wird es nicht geben.

Beim einem Sondertreffen der EU-Landwirtschaftsminister am 7. September in Brüssel sollen zwar Sofortmaßnahmen zur Hilfe der Bauern auf den Weg gebracht werden. Doch die Landwirte sind skeptisch, ob die Politik ihnen tatsächlich helfen wird. Wenn Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ankündige, die Agrarsubventionen vorfristig auszuzahlen, könne er nur lachen, sagt Maier. «Das hilft uns ein paar Tage, ein paar Monate, und dann stehen wir wieder da, wo wir jetzt stehen. Landwirt, stirb langsam.» Auf den Höfen sei die Resignation groß. «Viele sagen, wir machen noch bis zur Rente, und dann geht der Betrieb eh den Bach runter», berichtet der Funktionär. Mehr Mut macht da noch die Ankündigung des Discounters Lidl, die Einkaufspreise für Milch nicht weiter zu senken.

Landwirt Hubert Maier aus Breitnau im Hochschwarzwald hat die Hoffnung zwar noch nicht aufgegeben, aber auch er sieht für die Zukunft eher schwarz. Sein Familienbetrieb mit 60 Kühen verdient derzeit zwölf Cent weniger pro Liter Milch als noch vor einem Jahr. Das seien 4000 Euro Verlust pro Monat, rechnet der Bauer vor. «Das Konto geht tatsächlich runter. Wir leben von der Substanz.»

Maier und seine Frau haben vier Kinder, doch ob eines von ihnen den Hof übernehmen wird, steht in den Sternen. «Wir versuchen alles, wir wollen unsere Höfe weitergeben», beteuert der Endvierziger. Doch die Landwirte könnten nicht ständig zuschießen. «Wir werden wohl die letzte Generation sein, die noch Milchwirtschaft betreibt», befürchtet er.

Solche Zukunftssorgen kennt auch Christa Disch. Die braunhaarige Frau warnt zudem vor den Folgen für die Natur. Ihre Kühe weideten vor allem auf Steillagen. «Wenn die Milchbauern aufgeben müssen, dann wächst der Schwarzwald zu. Dann kommen auch keine Touristen mehr.» Eine Entwicklung, vor der auch der Naturschutzbund Nabu warnt.

In den Protestzug haben sich auch zehn Traktoren aus Frankreich eingereiht. Auf beiden Seiten des Rheins hätten die Bauern die gleichen Sorgen, sagt der französische Landwirt Germain Krantz. «Wir müssen gemeinsam miteinander kämpfen, denn nur miteinander kann man was erreichen.» Er betont: «Jedes Kind kann das verstehen: Wenn zu viel Milch auf dem Markt ist, fällt der Preis.» Doch die Politiker hätten das offenbar immer noch nicht verstanden. Deshalb sollen am 7. September Bauern aus ganz Europa in Brüssel demonstrieren.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Fr, 2015-08-28 13:10
Berlin (dpa)

Syrische Liebesbotschaften an Merkel Von Kristina Dunz, dpa

Am Dienstag trifft das Bundesflüchtlingsamt einen wichtigen Beschluss für Syrer. Am Mittwoch wird Merkel beim Besuch eines Flüchtlingsheims als «Volksverräter» beschimpft. Nun erhält sie Liebeserklärungen - für die Politik, Syrer nicht aus Deutschland wegzuschicken.

Berlin (dpa) - In Heidenau wird Angela Merkel auf das Übelste beleidigt. «Volksverräter» grölen Männer und Frauen, als die Bundeskanzlerin die Flüchtlingsunterkunft in der sächsischen Kleinstadt am Mittwoch besucht. Rechtsextremisten wollen die Aufnahme der hilfesuchenden Fremden in einem ehemaligen Baumarkt verhindern. «Verpiss dich», rufen sie auch Merkel zu. Hysterisch schreit eine Frau die ganze Palette schlimmster Herabsetzungen des weiblichen Geschlechts der Regierungschefin entgegen. Auch auf der Facebook-Seite der Regierung sind feindlich gesinnte Kommentare zu lesen. Nun aber gibt es auch Liebeserklärungen an Merkel im Internet.

Künstler, Flüchtlinge, Aktivisten, Migranten vor allem aus Syrien danken Merkel dafür, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am Dienstag das sogenannte Dublin-Verfahren für Syrer ausgesetzt hat. Das Verfahren sieht eine Rückführung von Flüchtlingen in das EU-Land vor, in dem sie zuerst angekommen waren. Das mache keinen Sinn, sagt Merkel. Sie verweist etwa auf das überforderte Griechenland. «Wir dürfen nicht die Bürokratie Triumphe feiern lassen», fordert die Kanzlerin am Donnerstag in Wien.

Die BBC und die «Washington Post» gehören zu den Medien im Ausland, die die Geschichte als erste aufgreifen. Die «Washington Post» titelt mit dem Zitat: «Wir lieben dich». Die BBC beschäftigt sich mit «Liebesbriefen» an Merkel. Zu finden sind die Originalzitate im Kurznachrichtendienst Twitter, meistens auf schönen Merkel-Fotos, schwarz-rot-gold untermalt.

«Spiegel Online» ist einem arabischen Gedicht nachgegangen, das auf ein Bild von Merkel geschrieben wurde. Es stamme von dem in Frankreich lebenden syrischen Künstler Lukman Derky. «Deine Liebe ist meine Karte, die Karte des Schleusers interessiert mich nicht mehr», lauten demnach die Verse. Es sei die abgewandelte Version eines berühmten Liebesgedichts des verstorbenen syrischen Dichters Nizar Qabbani. Das Original: «Dein Körper ist meine Karte, die Karte der Welt interessiert mich nicht mehr.»

Auf einem anderen, ebenfalls makellosen Foto von Merkel ist auf Deutsch zu lesen: «Mitfühlend Mutter». Und ein Ribal Kousa schreibt: @BAMF Dialog Danke Deutschland. Du rettest Syrische leben ... Hoch leben Deutschland».

Auf den Facebook-Seiten der Bundesregierung und der CDU-Vorsitzenden finden sich ganz andere Kommentare. Ein Teil der Zuschriften wurde gelöscht, weil diese zu beleidigend waren, wird berichtet. Vieles lassen Regierung und Partei aber auf ihren Seiten zu - natürlich im Original, deshalb auch mit allen Schreibfehlern.

Merkel lässt die Verunglimpfungen an sich abperlen: «Die Bundeskanzlerin sieht sich nicht im Mittelpunkt dieser Situation», erklärt Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Im Mittelpunkt stünden die Flüchtlinge.

Anfang Juli schrieb auf Merkels CDU-Facebook-Seite eine Indra Berne: «So langsam reicht Frau Merkel Sie sind die Kanzlerin der Deutschen und nicht für die EU. Sie sollten sich mal wieder auf Ihr Volk konzentrieren und dafür die richtigen Sachen machen!»

Bei der Regierung ist aktuell zu lesen: «Ihr dämlichen Heuchler! Der ganze Haufen von euch ist einfach nur n Witz, sein eines Volk «pack» nennen ist einfach nur traurig. Ihr verarscht uns wo ihr nur könnt und das nur weil wir es wagen unsere Meinung zu äusern!»

Und ein Daniel Steinmetz zitiert den Amtseid, den Merkel geleistet hat. Dabei nutzt er die Großschreibung: «..., dass ich meine Kraft dem Wohle des DEUTSCHEN Volkes widmen... werde». Die Redaktion der Regierung bedankt sich für das Zitat aus dem Grundgesetz. Und fügt noch an: «Es tut uns übrigens ganz doll Leid, dass Sie scheinbar auch eine defekte Tastatur haben, die unkontrolliert Worte groß schreibt. Vielleicht hilft folgende Tastenkombination: STRG+ALT+ENTF».

Fr, 2015-08-28 12:55
Bagdad (dpa)

Iraks Regierungschef will Grüne Sicherheitszone in Bagdad öffnen

Bagdad (dpa) - Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi will die schwer bewachte Grüne Zone in Bagdad wieder für die Bevölkerung freigeben. Al-Abadi habe den Sicherheitskräften entsprechende Anweisungen gegeben, erklärte sein Büro am Freitag. In der Grünen Zone im Zentrum Bagdads liegen zahlreiche Regierungseinrichtungen, das Parlament sowie die Botschaften der USA und Großbritanniens. Die USA hatten das mit hohen Mauern geschützte Gebiet nach dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 eingerichtet. Die meisten Iraker dürfen die Zone nicht betreten und betrachten sie als «Stadt in der Stadt».

Al-Abadi ordnete zudem an, dass alle Straßen geöffnet werden sollen, die von Milizen und Parteien geschlossen worden sind. Zahlreiche Viertel der Hauptstadt werden nicht von Kräften der Regierung kontrolliert, sondern von anderen Gruppen. Al-Abadis Anordnung gehört zu dem Versuch des Politikers, die Macht der von Iran unterstützten Milizen zu beschränken und die Regierung zu stärken.

Nach Demonstrationen im Land hatte der schiitische Politiker zuletzt mehrere Reformmaßnahmen veranlasst, mit denen er gegen Vetternwirtschaft und Korruption will. Unter anderem verringerte er die Zahl der Posten im Kabinett von 33 auf 22. Korruption und schlechte Regierungsführung unter Al-Abadis Vorgänger Nuri al-Maliki gelten als ein Grund für den Kollaps der Sicherheitskräfte, als die Terrormiliz Islamischer (IS) im vergangenen Jahr das Land überrannte.

Fr, 2015-08-28 13:44
Kiew/Moskau (dpa)

Behörden: Mehr als zwei Millionen Ukrainer geflohen

Kiew/Moskau (dpa) - Mehr als zwei Millionen Ukrainer sind wegen des Krieges im Donbass Behörden in Kiew und Moskau zufolge auf der Flucht. Russland habe mehr als eine Million Menschen aufgenommen, die wegen der Kämpfe in der Ostukraine geflohen seien, sagte der Chef der Migrationsbehörde, Konstantin Romodanowski, am Freitag der Agentur Interfax zufolge. Mehr als 600 000 Flüchtlinge hätten in Russland einen Daueraufenthalt beantragt, sagt er. Die ukrainischen Behörden sprechen von rund 1,4 Millionen Binnenflüchtlingen. Zuletzt hatten auch EU-Staaten, darunter Polen und das Baltikum, über die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge berichtet.

Fr, 2015-08-28 13:52
Tripolis (dpa)

Flüchtlingstragödie: Libysche Küstenwache meldet rund 200 Tote

Tripolis (dpa) - Bei der neuen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind nach Angaben der libyschen Küstenwache mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Tote seien am Morgen an Land gespült und geborgen worden, erklärte ein Sprecher der Küstenwache am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Unter den Opfern seien auch Kinder. Die Küstenwache versuche, die endgültige Zahl der Toten festzustellen.

Aktivsten hatten zuvor von 65 Leichen in Suwara berichtet. 190 Menschen seien gerettet worden, erklärte das Suwara-Medienzentrum. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Libyen sagte der Deutschen Presse-Agentur zunächst, es gebe sehr unterschiedliche Zahlen, die bisher nicht verifiziert werden konnten.

Vor der Küste Libyen waren zuvor zwei Schiffe mit Flüchtlingen gekentert. Der britische Sender BBC berichtete, auf dem einen Boot seien 50 Menschen gewesen, auf dem anderen 400. Mindestens 100 Leichen seien in das Krankenhaus von Suwara im Nordwesten Libyens gebracht worden.

Fr, 2015-08-28 13:44
Berlin (dpa)

Bundespolizisten helfen bei der Sicherung der tunesischen Grenzen

Zwei verheerende Anschläge auf Touristen haben Tunesien erschüttert. Im Kampf gegen islamistischen Terror soll nun die Grenze zum zerfallenden Nachbarland Libyen besser gesichert werden - mit Hilfe der Bundespolizei.

Berlin (dpa) - Nach den Terroranschlägen auf Touristen in Tunesien hilft Deutschland dem nordafrikanischen Land bei der Sicherung seiner Grenzen. Die Bundespolizei hat dazu ein Verbindungsbüro in der Hauptstadt Tunis eröffnet, in dem künftig bis zu vier Beamte tätig sein sollen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kündigte am Freitag beim Besuch seines tunesischen Amtskollegen Taieb Baccouche in Berlin auch die Lieferung von Ausrüstung an.

«Terror dieser Art bedroht uns alle», sagte er. Zwei Anschläge auf Touristen hatten Tunesien in der ersten Jahreshälfte erschüttert. Ende Juni hatte ein Attentäter in einem Badeort bei Sousse 38 Urlauber erschossen. Bereits im März waren bei einem Angriff auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis mehr als 20 Touristen getötet worden.

Im Zentrum des deutschen Hilfsangebots steht die Sicherung der 600 Kilometer langen Grenze zu Libyen. Damit soll verhindert werden, dass islamistische Terroristen und Waffen nach Tunesien gelangen. Das Nachbarland ist in Herrschaftsgebiete zweier konkurrierender Regierungen und mehrerer Milizen zerfallen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) begründete in der «Welt» das stärkere deutsche Engagement mit der Terrorgefahr. «Nach den Anschlägen von Sousse setzt sich die Bundesregierung noch intensiver für die Stabilität Tunesiens ein, um damit auch zu mehr Sicherheit in der ganzen Region beizutragen.»

Fr, 2015-08-28 13:08
Istanbul (dpa)

Neuwahlen und Kampf mit Kurden: Türkische Wirtschaft unter Druck Von Mirjam Schmitt, dpa

Wichtige Branchen schwächeln, und die Landeswährung taumelt: Das Schwellenland Türkei kämpft mit einer kräftigen Konjunkturflaute. Ein Grund ist die äußerst unsichere politische Lage.

Istanbul (dpa) - Neuwahlen, innenpolitisches Geschacher und der wieder aufgeflammte Kurden-Konflikt: Die Turbulenzen in der Türkei haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Das Land zwischen Europa und Asien hat wie so viele Schwellenländer derzeit mit der Konjunktur zu kämpfen - da birgt die unsichere politische Lage zusätzliche Risiken. Um gegenzusteuern, greift die Führung in Ankara zu besonderen Maßnahmen.

So verlängerte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kurzerhand die Schul- und Semesterferien um zwei Wochen. Das soll die Wirtschaft und vor allem die schwächelnde, aber wichtige Tourismusbranche ankurbeln. Ob jedoch das, was Studenten und Schüler freut, auch wirklich der Wirtschaft hilft - da sind Experten skeptisch.

Symbol für die schwierige Lage ist der Verfall der türkischen Lira: Die Landeswährung verliert seit Wochen an Wert und sank erst kürzlich auf ein Allzeittief. Für einen Euro mussten zwischenzeitlich 3,4 Lira gezahlt werden - rund 20 Prozent mehr als noch Mitte Juli. Auch an dieser Entwicklung sei die innenpolitische Krise Schuld, sagt Finanzexperte Deniz Cicek der Deutschen Presse-Agentur.

Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bei den Parlamentswahlen im Juni ihre absolute Mehrheit verloren. Wochenlange Koalitionsgespräche scheiterten - nun hat Erdogan Neuwahlen für den 1. November ausgerufen und hofft auf einen breiten Erfolg. Doch Beobachter sind skeptisch, ob die Idee aufgeht.

Hinzu kommen Sicherheitsprobleme: Seit Juli ist der schon überwunden geglaubte Konflikt mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK wieder aufgeflammt. Tödliche Anschläge der PKK auf Sicherheitskräfte und blutige Scharmützel sind an der Tagesordnung. Die Armee fliegt Luftschläge gegen PKK-Verstecke im Nordirak und in der Türkei.

Die unübersichtliche Lage - mit der täglichen Gefahr von Attentaten auch in der Millionenmetropole Istanbul - bringt vor allem die Tourismusbranche in Bedrängnis. Reiseunternehmer fürchten Stornierungen. Der äußerst wichtige Industriezweig, der 2014 Einnahmen von rund 34,3 Milliarden US-Dollar brachte, schwächelt ohnehin seit Jahresbeginn.

Vor allem die Wirtschaftskrise in Russland macht sich bemerkbar, denn von dort kamen stets viele Touristen. Zwischen Januar und Juni 2015 sank die Besucherzahl aus dem Riesenreich nach Angaben des türkischen Tourismusministeriums im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel. Hinzu kommt die harte Konkurrenz aus dem Nachbarland Griechenland - dort sind die Preise niedriger, was auch deutsche Urlauber ihre Pläne ändern lässt.

Andere Branchen haben ebenfalls Probleme, nicht zuletzt wegen der schwachen Lira. So muss etwa der Bausektor Stahl und anderes Material importieren. Bei den fast 6000 deutschen Firmen in der Türkei führt der Währungsverfall nach Angaben aus deutschen Wirtschaftskreisen allerdings nicht zu unmittelbaren Problemen. Das liege unter anderem daran, dass meist die Preise in Dollar oder Euro gemacht und der Umrechnungskurs als monatlicher Durchschnitt genommen wird.

Auch das Wirtschaftswachstum gibt keinen Anlass zum Jubeln. Nach 4,9 Prozent im ersten Quartal 2014 verzeichnete die Türkei zwischen Januar und März 2015 nur noch ein Plus von 2,3 Prozent. Dennoch betont Cemil Ertem, ein Berater von Präsident Erdogan, die Zentralbank schätze die Wirtschaft als stark ein. Auch deshalb will das Geldinstitut den Leitzins - anders als von Experten gefordert - zunächst nicht anheben, «unter Berücksichtigung der Unsicherheit in den heimischen und globalen Märkte und der Volatilität der Energie- und Nahrungsmittelpreise», wie sie kürzlich erklärte.

«Die Zentralbank steht unter politischem Druck», sagt indes Finanzfachmann Cicek. «Vor den Wahlen denken die Politiker kurzfristig, und sie wollen das Wirtschaftswachstum nicht gefährden.» Der Experte befürchtet, dass die Währung bis November weiter an Wert verliert. Zugleich betont er, dass nicht alle Branchen Probleme hätten. «Der Finanzsektor ist in einer guten Lage, das ist ein Plus», nennt Cicek ein Beispiel. Doch er räumt ein: «Wir werden keine echte Krise haben, aber wir werden vor Problemen stehen.»

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2015-08-28 12:11
Berlin (dpa)

Linke-Chefin Kipping: Notstand der Demokratie und des Antirassismus

Berlin (dpa) - Die Linke-Bundesvorsitzende Katja Kipping hat das Versammlungsverbot in Heidenau als Notstand der Demokratie und des Antirassismus bezeichnet. Heidenau weiche erneut vor dem «braunen Mob» zurück, erklärte die Dresdnerin am Freitag in Berlin. Wenn die sächsische Polizei es nicht mit eigenen Kräften schaffe, ein Willkommensfest für Flüchtlinge abzusichern, müsse Hilfe aus anderen Bundesländern und vom Bund angefordert werden.

«Das Handeln der Verantwortlichen in Sachsen verstärkt den ungeheuerlichen Verdacht, dass es sich hier um eine gewollte und organisierte Überforderung handelt. Und, dass man den braunen Mob als Vorwand für weitere Verschärfungen des Demonstrationsrechts und des Asylrechts nutzen will», so Kipping weiter.

Fr, 2015-08-28 12:19
Dresden (dpa)

Sachsens DGB-Chefin fordert von Landesinnenminister Konsequenzen

Dresden (dpa) - Die sächsische DGB-Chefin Iris Kloppich hat Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) aufgefordert, aus dem Versammlungsverbot in Heidenau persönliche Konsequenzen zu ziehen. «Offensichtlich hat der Personalabbau bei der Polizei derartige Lücken gerissen, dass nunmehr in ländlichen Regionen bei kritischen Situationen nur noch der Polizei-Notstand erklärt werden kann», sagte sie am Freitag. «Für diese neuerliche Bankrotterklärung der sächsischen Innenpolitik ist Innenminister Markus Ulbig verantwortlich und sollte eigentlich selbst die Konsequenzen seiner verfehlten Politik ziehen.»

Fr, 2015-08-28 12:06
Dresden (dpa)

Sachsens DGB-Chefin fordert von Landesinnenminister Konsequenzen

Dresden (dpa) - Die sächsische DGB-Chefin Iris Kloppich hat Sachsen Innenminister Markus Ulbig (CDU) aufgefordert, aus dem Versammlungsverbot in Heidenau persönliche Konsequenzen zu ziehen. «Offensichtlich hat der Personalabbau bei der Polizei derartige Lücken gerissen, dass nunmehr in ländlichen Regionen bei kritischen Situationen nur noch der Polizei-Notstand erklärt werden kann», sagte sie am Freitag. «Für diese neuerliche Bankrotterklärung der sächsischen Innenpolitik ist Innenminister Markus Ulbig verantwortlich und sollte eigentlich selbst die Konsequenzen seiner verfehlten Politik ziehen.»

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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