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Di, 2015-08-04 12:23
Offenbach (dpa)

Höchste Waldbrandgefahr im Süden und Osten

Offenbach (dpa) - Hitze und Trockenheit haben die Waldbrandgefahr fast überall in Deutschland dramatisch steigen lassen. Für Dienstag rief der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Süden und Osten die höchste Gefahrenstufe aus. Auf der Warnkarte waren die Gebiete rot (Stufe 4) oder lila (Stufe 5) eingefärbt. Nur im äußersten Westen bestand keine Gefahr, dort regnete es am Morgen. Nach DWD-Prognosen soll die Brandgefahr bis zum Freitag auch im Westen steigen und am Samstag wieder sinken.

Feuergefahr herrscht auch auf Wiesen. Der sogenannte Graslandfeuerindex soll bis Donnerstag fast überall die zweithöchste Stufe erreichen. «Beim Grasbrand sind ungemähte Grasflächen mit verdorrten Grasresten gefährdet», sagte eine DWD-Expertin. Schon ein Funke könne reichen, um eine solche Grasfläche zu entzünden. «Die Stufen geben an, wie schnell sich das Feuer ausbreiten würde. Mit Regen und weniger Wind geht auch die Gefahr zurück.»

Di, 2015-08-04 12:15
Washington (dpa)

Gemischte Reaktion auf Obamas Klimaziele - Klagewelle erwartet

Die ehrgeizigen Klimaziele Obamas rufen Kohleindustrie, Republikaner und zahlreiche Bundesstaaten auf den Plan. Positive Stimmen sehen darin den Aufbruch in eine neue, umweltfreundlichere Energiepolitik. Die neuen Regeln könnten gar den Obersten Gerichtshof beschäftigen.

Washington (dpa) - Vertreter von Stromkonzernen sowie führende Republikaner haben die ehrgeizigen Klimaziele von US-Präsident Barack Obama kritisiert. Zahlreiche Bundesstaaten kündigten Widerstand an, republikanische Präsidentschaftsbewerber verwarfen den Plan gar als verfassungswidrig. Auch die Kohleindustrie läuft Sturm. «Wir haben nur ein Zuhause, einen Planeten», betonte Obama hingegen. «Es gibt keinen Plan B.»

Nach Angaben der Zeitung «New York Times» müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, falls die Regeln umgesetzt werden sollten. Es wird erwartet, dass Gegner die Neuerungen gerichtlich bekämpfen werden - bis hin zum Obersten Gerichtshof in Washington, wie einige Zeitungskommentatoren am Dienstag mutmaßten.

Vier Monate vor der Internationalen Klimakonferenz hatte Obama am Montag die bisher schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts angekündigt. Als Kernpunkt der neuen Regeln müssen Kraftwerke in den USA erstmals ihren Schadstoffausstoß reduzieren - bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005.

Die US-Umweltschutzorganisation Sierra Club sprach von einem richtigen Schritt, der auch von der Bevölkerung getragen werde. In Umfragen hätten sich 70 Prozent der befragten Amerikaner für weniger Luftverschmutzung ausgesprochen. In der «New York Times» schrieben Energieexperten, die Klimaziele schickten eine klare Botschaft an den Markt, dass saubere Energie durchaus profitträchtig sein könne.

Der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, begrüßte Obamas Vorstoß. Er sei konsequent und werde letztlich dazu führen, «dass es wirklich zu einem Umbau der Stromerzeugung in den USA kommt», sagte Töpfer am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Frankreichs Präsident François Hollande begrüßte die neuen Klimaziele als «bedeutenden Beitrag zum Erfolg der Pariser Klimakonferenz».

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, sagte am Dienstag dem Sender MDR-Info, Obama fange an, Europa und Deutschland zu überholen. Seine Pläne unterschieden sich «wohltuend von dem, was wir derzeit bei der Bundesregierung erleben».

Die neuen US-Regeln gehen zum Teil über die Vorschläge hinaus, die bereits vor einem Jahr vorgelegt und dann zur Diskussion gestellt worden waren. So war zunächst eine 30-prozentige Reduzierung der Emissionen angepeilt worden. Dafür sollen die einzelnen Bundesstaaten nun etwas mehr Zeit bekommen, die ihnen jeweils von Washington vorgegebenen Reduzierungsziele zu erreichen. Auch können sie selber entscheiden, wie sie diese Vorgaben umsetzen. Weigern sie sich, wird ihnen ein Plan vorgeschrieben.

Obama sprach vom bisher «wichtigsten einzelnen Schritt» der USA gegen den Klimawandel. Obama verwies auf die bereits spürbaren drastischen Folgen der Erderwärmung wie Eisschmelze, Überflutungen, Dürre und Waldbrände. Der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen, das Problem könne nicht mehr auf die nächste Generation verschoben werden.

Obama zielt mit den Maßnahmen auch darauf ab, dass Energieunternehmen stärker und rascher auf Wind- und Sonnenenergie umstellen. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien bis zu 28 Prozent der US-Kapazitäten ausmachen. Insgesamt sollen die neuen Klima-Regeln auch eine mutige Vorgabe für den Pariser Klimagipfel Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will.

Verschärfte Klimaschutzregeln zählten von Anfang an zu den wichtigsten innenpolitischen Vorhaben Obamas, scheiterten bislang aber am Widerstand des von den Republikanern dominierten Kongresses. Jetzt ordnete Obama sie als Ergänzung bereits bestehender Regulierungen zur Luftreinhaltung an, um den Kongress zu umgehen.

Di, 2015-08-04 12:04
Hannover (dpa)

Conti hebt Prognose erneut an - Steuerlast bremst Tempo unterm Strich Von Heiko Lossie, dpa

Conti hat einen Lauf, die Hannoveraner erhöhen erneut ihr Gewinnziel. Niedrige Rohstoffpreise sind nur eine Erklärung. Während Autobauer bremsen, sieht der Konzern viel Tempo. Ein Schönheitsfehler bleibt.

Hannover (dpa) - Getrieben von starken Geschäften und niedrigen Rohstoffpreisen traut sich der Autozulieferer Continental abermals mehr zu und schraubt seine Jahresprognose leicht nach oben. Der Dax-Konzern hatte seinen Ausblick bereits im Frühling angehoben.

Auslöser für die Zuversicht ist der rundum temporeiche Lauf auch im zweiten Quartal. Die Halbjahresbilanz fasst zusammen: «Aus heutiger Sicht besteht kein Grund zur Annahme, dass der Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr 2015 nicht ähnlich positiv verlaufen sollte.»

Der Zulieferer, Reifenhersteller und Technikkonzern steigerte seinen Umsatz von April bis Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 10,03 Milliarden Euro, wie Continental am Dienstag in Hannover mitteilte. Bereinigt um die jüngsten Zukäufe und den positiven Effekt des schwachen Euro lag der Zuwachs bei 4 Prozent.

An der Börse legte Conti nach der Vorlage der Zahlen einen Kurssprung hin. Die Aktien setzten sich mittags an die Spitze des Dax, der in Summe unter Druck stand. Sie gewannen zwischenzeitlich um 11 Prozent.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schoss im zweiten Viertel des Jahres um 30 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro empor. Hatte Conti bisher aufgrund geringer Rohstoffkosten mit einer Entlastung im laufenden Jahr von 150 Millionen Euro gerechnet, steht dieser Effekt neuerdings bei rund 200 Millionen Euro. Der Konzern erwartet weiter fallende Preise für den wichtigen Reifen-Grundstoff Naturkautschuk.

Sogar auf dem weltgrößten Automarkt China, wo es Dämpfer gibt und Autobauer wie VW Federn lassen, bleibe die Lage vielversprechend, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer. «Wir sehen zwar auch eine Abschwächung, aber andererseits auch eine Menge Faktoren, die für weiteres Wachstum sprechen.» Conti erwarte bei Chinas Pkw-Produktion im zweiten Halbjahr 3 bis 4 Prozent Plus, nach 5 Prozent in der ersten Jahreshälfte. NordLB-Analyst Frank Schwope fasste zusammen: «Conti zeigt Stärke, während die Autohersteller schwächeln.»

Für den Konzern war bereits das Auftaktquartal stark gewesen. Auf die ersten sechs Monate gerechnet, kletterte der Umsatz um 16 Prozent auf rund 19,6, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um ein Fünftel auf 2,16 Milliarden Euro. Unterm Strich ist das Tempo mit 11 Prozent Plus auf 1,45 Milliarden Euro wegen einer höheren Steuerlast aber eher lahm.

Der wichtigste Treiber auf Gewinnseite blieb die Reifensparte. Sie steuerte zum operativen Gewinn im bisherigen Jahresverlauf 1,20 Milliarden Euro bei - 100 Millionen Euro Zuwachs im zweiten Quartal.

Einer der wenigen Flecken in der Bilanz ist das nahende Aus für den Standort Salzgitter. In der Schlauchleitungsfabrik arbeiten etwa 220 Menschen. Für den Abbau plant Conti 14 Millionen Euro ein. Weiter verhandelt wird zudem über Hunderte Stellenstreichungen in Gifhorn.

Bei der um Sondereffekte wie Übernahmekosten bereinigten Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern geht Conti für 2015 nun davon aus, dass rund 11 Prozent vom Umsatz übrig bleiben - statt wie zuvor 10,5 Prozent.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Di, 2015-08-04 12:45
Berlin (dpa)

Umweltbundesamt nimmt Lastwagen als Klimasünder ins Visier

Berlin (dpa) - Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, zum Klimaschutz strengere Abgasvorschriften für Lastwagen einzuführen. «Wir müssen endlich eine deutlich intensivere Diskussion über CO2-Grenzwerte für Lkw führen. Wir brauchen auch hier anspruchsvolle Regelungen», sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, am Dienstag in Berlin. «Es wäre auch sinnvoll, die Lkw-Maut auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen auszuweiten.» Lastwagen verursachten in Deutschland im Jahr 2013 rund 38,7 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid.

Ganz grundsätzlich forderte die Umweltbehörde bei der Vorstellung des Umweltdaten 2015, dass der Verkehr beim Klimaschutz stärker ins Visier genommen werden müsse: «Der Verkehrssektor ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte», sagte Krautzberger. «Weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden und der Trend zu mehr PS und schwereren Fahrzeugen geht, haben die sparsameren Motoren dem Klimaschutz wenig genützt.» Der Verkehr verursacht derzeit rund 18 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland.

Di, 2015-08-04 12:37
München/Brüssel (dpa)

Siemens rüstet belgisches Eisenbahnnetz um - Vertrag über zehn Jahre

München/Brüssel (dpa) - Siemens modernisiert das Eisenbahnnetz in Belgien. Der Elektrokonzern erhielt im Konsortium mit der Infrastruktur-Tochter Cofely-Fabricom des französischen Energiekonzerns Engie (vormals GDF Suez) den Auftrag, gut 2200 Gleis-Kilometer in den nächsten zehn Jahren mit neuer Zugsicherungstechnik auszurüsten. Die Bestellung hat einen Wert von 510 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen am Dienstag in München mitteilte. Die Technologie solle die Sicherheit, Pünktlichkeit und Kapazität auf der Schiene erhöhen.

Das sogenannte European Train Control System soll künftig die mehr als 20 verschiedenen Systeme in Europa durch einheitliche Technik ablösen. Mit Hilfe eines Funksystems stehen Fahrzeug und Strecke in einem ständigen Kontakt. Die Geschwindigkeit wird dauerhaft überwacht, gegebenenfalls gibt es Zwangsbremsungen. Siemens stattet bereits Bahnstrecken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Spanien, der Türkei und Ungarn mit dem automatisierten System aus.

Di, 2015-08-04 12:50
Istanbul (dpa)

Wieder Sicherheitskräfte bei Anschlag in der Türkei getötet

Istanbul (dpa) - Bei einem Anschlag im Südosten der Türkei sind zwei Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. «Terroristen» hätten am Dienstag in der Provinz Sirnak zunächst einen Sprengsatz gezündet und dann das Feuer auf eine Patrouille eröffnet, teilte die Armee mit. Zwei weitere Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK werde der Tat verdächtigt.

Die Lage in der Türkei eskaliert seit einem Selbstmordanschlag in der südosttürkischen Stadt Suruc am 20. Juli, der der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angelastet wurde. Die Zahl der getöteten Opfer stieg inzwischen auf 32.

Nach dem Selbstmordattentat ermordeten PKK-Kämpfer zwei türkische Polizisten in Suruc, der sie der Kollaboration mit dem IS beschuldigten. Seitdem wurden bei Anschlägen und Gefechten in der Türkei mindestens 23 Menschen getötet, die meisten davon Sicherheitskräfte.

Zusätzlich kamen zahlreiche Menschen bei türkischen Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak ums Leben. Die türkischen Streitkräfte flogen zwar auch vereinzelte Angriffe gegen den IS, das militärische Vorgehen konzentriert sich aber auf die PKK.

Di, 2015-08-04 12:12
Genf (dpa)

UNHCR-Direktor: «Wirtschaftsmigranten» blockieren Asylsysteme Interview: Anne-Sophie Galli, dpa

Millionen Menschen fliehen weltweit vor Krieg und Verfolgung. Der Europa-Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks fordert, sie bei Asylverfahren gegenüber «Wirtschaftsmigranten» stärker zu bevorzugen.

Genf (dpa) - Weltweit gibt es immer mehr Flüchtlinge und in Deutschland nehmen fremdenfeindliche Vorfälle zu. Der Europa-Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Vincent Chochetel, erzählt im Interview der Deutschen Presse-Agentur, wie Deutschland aus seiner Sicht mit der zunehmenden Zahl der Flüchtlinge zurechtkommen und wie die Europäische Union das Leid vieler Menschen verringern kann.

Frage: In Deutschland nimmt populistische Rhetorik gegen Flüchtlinge zu. Es gab Brandstiftungen in vorbereiteten Unterkünften, um zu verhindern, dass Flüchtlinge einziehen. Was sollte dagegen unternommen werden?

Antwort: Es ist wichtig, EU-Bürger auf unsere starken menschenrechtlichen Werte aufmerksam zu machen. Es braucht faire und effiziente Systeme, die Asylanträge schnell bearbeiten und nicht schutzbedürftige Menschen zurückschaffen. Nur so versteht die Bevölkerung, dass diejenigen, die bleiben, wirklich schutzbedürftig sind. Das ist die beste Antwort an fremdenfeindliche Leute. Ich habe aber auch Solidarität von Zehntausenden Deutschen gesehen.

Frage: Wie schätzen Sie die deutsche Flüchtlingspolitik ein? Was kann die Bundesregierung besser machen?

Antwort: Die deutsche Flüchtlingspolitik funktioniert gut. Nur wenige europäische Länder haben in den vergangenen zwei Jahren so viel getan. Viele Asylsuchende aus dem Balkan blockieren aber das System, da sie keinen internationalen Schutz benötigen. Sie sollten schneller zurückgeschafft werden, um Platz für wirklich Schutzbedürftige zu gewähren.

Frage: Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern, in denen zwar Armut, aber kein Krieg und keine Verfolgung herrschen. Sie haben daher kaum eine Chance auf Gewährung von Asyl, denn für sie treffen die Kriterien der Genfer Flüchtlingskonvention nicht zu. Muss die EU mehr tun, um sie zu ermutigen, in ihren Heimatländern zu bleiben?

Antwort: Ja. Man muss in Ländern, aus denen Wirtschaftsmigranten kommen, klarmachen, dass die Betreffenden kein Asyl erhalten. Stattdessen braucht es für diese Länder gezielte, kontrollierte Gastarbeiterprogramme, die es einigen erlaubt, saisonale Arbeit in der Landwirtschaft oder auf dem Bau zu verrichten. Diese Jobs werden auch jetzt schon in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit meist von Nicht-EU-Bürgern gemacht. Zudem müssen Rückführungen von Nicht-Schutzbedürftigen konsequenter sein. In der EU werden weniger als 40 Prozent aller Leute, deren Asylanträge abgelehnt wurden, zurückgeschafft.

Frage: Wie schätzen Sie die Bemühungen um eine proportionale Aufteilung von Flüchtlingen auf die EU-Mitgliedsländer ein?

Antwort: Wir unterstützen den Vorschlag, würden aber eine verbindliche Regel für alle EU-Länder bevorzugen.

Frage: Wie schätzen Sie die Flüchtlingssituation in Griechenland ein? Was muss die EU tun, um die Situation dort zu verbessern?

Antwort: Die Empfangssituation ist fürchterlich. Flüchtlinge müssen selbst nach Wasser, Essen und Obdach suchen. Wegen den Sparmaßnahmen fehlt das Personal, um Hilfsgüter schnell zu verteilen. Dieses Jahr haben von über 110 000 Ankömmlingen nur 5000 Asyl in Griechenland gesucht. Viele wurden nicht richtig registriert und gingen irregulär weiter in andere europäische Länder. Griechenland und auch Italien brauchen mehr Solidarität. EU-Politiker müssen entscheiden, ob sie einen geregelten Prozess wollen oder das jetzige Chaos.

Frage: Laut UNHCR-Statistiken gibt es heute weltweit so viele Flüchtlinge wie nie zuvor. Was soll die EU unternehmen, um diese Entwicklung auf lange Sicht hin aufzuhalten?

Antwort: Im Syrien-Konflikt braucht es politische Lösungen. Auch muss die Situation in Syriens Nachbarländern, darunter in der Türkei als Türsteherin Europas, verbessert werden. Sonst bleiben die Flüchtlinge nicht in den Nachbarländern, sondern kommen nach Europa, wenn sie es sich leisten können. Derzeit befinden sich mehr als 85 Prozent aller Flüchtlinge in Entwicklungsländern. Auch die Situation in Afghanistan muss genau beobachtet werden.

Frage: In Europa gibt es Stimmen, die Flüchtlinge mit Schlagwörtern wie Sozialmissbrauch, Überfremdung, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Terrorismus in Verbindung bringen. Inwiefern sind solche Befürchtungen gerechtfertigt?

Antwort: Der Anteil krimineller Flüchtlinge in Europa ist sehr gering. Meist sind die Menschen dankbar, Asyl und Schutz zu erhalten.

Frage: Untersuchungen zeigen, dass die im weltweiten Vergleich kleine Zahl an Flüchtlingen, die es nach Europa schafft, oft gut gebildet und verhältnismäßig wohlhabend ist. Wie kann Europa dieses Potenzial besser nutzen?

Antwort: Wir müssen uns bewusst werden: Flüchtlinge bringen ein großes Potenzial und Belastbarkeit mit. Deutschland tut gut daran, Brückenprogramme zu schaffen, damit Flüchtlinge sich an die Bedürfnisse des Gastlands anpassen können. Die meisten wollen zur Gesellschaft beitragen, die Sprache lernen, arbeiten und Steuern bezahlen. Sie sind nicht nur verletzliche Nutznießer.

Frage: Was sind die größten Schwierigkeiten für UNHCR in Europa?

Antwort: Es braucht mehr Unterstützung für die Ursprungsländer der Flüchtlinge und die Türkei als Türsteherin Europas, um etwa mit afghanischen, syrischen und irakischen Flüchtlingen klarzukommen.

(Kontext: Laut UNHCR-Statistiken ist die Türkei das Land mit den weltweit meisten Flüchtlingen.)

In Italien und Griechenland braucht es eine bessere Registrierung und ordentliche Status-Bestimmung. Die EU ist kein Entwicklungsland und darf daher nicht die Führung der Flüchtlingshandhabung an das UN-Flüchtlingshilfswerk weitergeben. Sie muss selbst Verantwortung übernehmen.

ZUR PERSON: Vincent Cochetel (54) ist Europa-Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit Hauptsitz in Genf. Der gelernte Jurist ist seit 1986 für UNHCR tätig, unter anderem als UN-Hochkommissar für Flüchtlinge in den USA und der Karibik. Er nahm auch an mehreren Notfalleinsätzen in Asien, Westafrika und Europa teil. Vor seiner Tätigkeit beim UNHCR arbeitete der Franzose für die EU-Kommission und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Di, 2015-08-04 11:48
Ellwangen (dpa)

«Drangvolle Enge berührt» - Chef des Flüchtlingsamts in Bredouille Von Nico Pointner, dpa

Mehr als 1500 Flüchtlinge leben in der Kaserne in Ellwangen auf engstem Raum zusammen. Ihr Leben ist ein Provisorium, die Lage im Ort angespannt. Auch den Chef des Bundesamts für Migration lässt das nicht kalt.

Ellwangen (dpa) - Manfred Schmidt ist derzeit ein gefragter Mann. Es ist 17.14 Uhr, in der ehemaligen Sporthalle der Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) für Flüchtlinge in Ellwangen (Baden-Württemberg) herrscht Trubel. Der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge steht in einer Traube aus Lokalpolitikern, Helfern und Journalisten. Hunderte Asylbewerber essen gerade hinter ihm in der provisorischen Kantine zu Abend, Kinder springen zwischen den Tischen umher. «Die drangvolle Enge, die wir hier sehen, das berührt schon», sagt Schmidt. «Natürlich muss man da was tun.»

Im Juli hatten 79 000 Asylbewerber Deutschland erreicht - doppelt so viele wie im ganzen Jahr 2005, so viele wie nie zuvor in einem Monat. Allein Baden-Württemberg rechnet im laufenden Jahr offiziell mit rund 52 000 neuen Asylbewerbern. Die Unterkünfte sind hoffnungslos überbelegt. Die Lea in Ellwangen war für 500 bis maximal 1000 Flüchtlinge vorgesehen. Im Augenblick leben dort mehr als 1500 Asylbewerber auf engstem Raum zusammen. «Alle Zimmer sind belegt, und dann kommt nachts ein Zug mit 40 Leuten», beschreibt Lea-Leiter Berthold Weiß den Alltag in der Einrichtung.

Die Enge birgt Zündstoff. Im Juni gerieten 100 Syrer mit 30 Algeriern an der Essensausgabe aneinander. Vom Dach einer Unterkunft aus warfen mehrere Menschen Steine, fünf Asylbewerber und ein Beamter wurden verletzt. «Das ist Geschichte», sagt Weiß heute. Der Verwaltungswissenschaftler hat keine Zeit, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Er muss jeden Tag improvisieren. Vor kurzem verlegte er die Sprachkurse in ein Nebengebäude, um neue Schlafplätze zu schaffen. Auch in den Räumen für die Kinderbetreuung stehen nun Dutzende Stockbetten eng an eng. «Wir machen jetzt Waldkindergarten», sagt Weiß pragmatisch.

Er fordert mehr Unterkünfte und eine schnellere Asyl-Abwicklung. Das will auch Behördenchef Schmidt. Sein Amt ist für die Bearbeitung von Anträgen zuständig. «Entscheidend ist, dass wir den Bereich Balkan unter Kontrolle bekommen.» Liegt kein Asylgrund vor, will er schnell abschieben und damit abschrecken. Und die Entscheider im Bundesamt werden schneller. Ein Asylverfahren dauert derzeit im Schnitt 5,3 Monate. 2014 waren es noch 7,1 Monate. Trotzdem kommen sie nicht hinterher.

19.04 Uhr, Ortstermin im Dorfhaus Saverwang, wenige Hunderte Meter von der Lea entfernt. Der Saal ist voll, rund 200 Anwohner sind gekommen, um Schmidt zu hören und zu befragen. Auch in Saverwang ist die Lage angespannt. Bürger beschweren sich seit Wochen über eine angeblich steigende Kriminalität, über Lärm und Müll. Das «subjektive Sicherheitsgefühl» sei bei vielen Bürgern nachhaltig geschädigt, erklärt Weiß: «Die Leute konnten sich nicht langsam an die neuen Mitbürger gewöhnen.»

«Hier steht er jetzt vor Ihnen, der an allem schuld ist», begrüßt Schmidt sein Publikum, um möglichen Vorwürfen gleich Wind aus den Segeln zu nehmen. Nein, der Anstieg der Flüchtlingszahlen sei so nicht vorherzusehen gewesen. Er berichtet von 19 750 Antragstellern im Jahr 2007, dieses Jahr rechne er mit 450 000.

Ein älterer Herr fragt, wieso Deutschland «alles aufnimmt», ein anderer fordert, Straftäter abzuschieben. Eine Frau will, dass Flüchtlinge gemeinnützig die Straßen fegen; eine andere beschwert sich, dass sie nicht mehr schlafen könne, weil Flüchtlinge kostenloses W-LAN rund um die Uhr vor ihrer Haustür nutzten.

Schmidt zeigt Verständnis, will aber vor allem Verständnis wecken. Er brauche noch mehr Personal. «Wir haben getrieben vom Bundesrechnungshof Strukturen abgebaut.» Er erzählt vom Alltag in seiner Behörde. Und er nennt viele große Zahlen. 250 000 unbearbeitete Asylanträge stauten sich derzeit im Bundesamt. Immer mehr Flüchtlinge kommen, eine Lösung auf absehbare Zeit gibt es nicht. Die Landesverwaltung müsse die Menschen unterbringen. «Wenn sie das nämlich nicht tut, dann sind sie Obdachlose.»

Di, 2015-08-04 11:09
Paris (dpa)

Hollande: Obama-Plan wichtiger Beitrag zum Erfolg des Klimagipfels

Paris (dpa) - Frankreichs Präsident François Hollande hat die neuen Klimaziele der USA als «bedeutenden Beitrag zum Erfolg der Pariser Klimakonferenz» begrüßt. Der Plan von US-Präsident Barack Obama sei eine Schlüsseletappe für die Verringerung der CO2-Emissionen der amerikanischen Wirtschaft, teilte der Élyséepalast am Dienstag mit. Hollande lobte «den Mut von US-Präsident Obama». Dieser hatte am Montag die bisher schärfsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts angekündigt.

Als Kernpunkt müssen Kraftwerke in den USA erstmals ihren Schadstoffausstoß reduzieren - bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005. Frankreich ist Gastgeberland der Konferenz, die Ende des Jahres ein Abkommen zur Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs aushandeln soll.

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Di, 2015-08-04 11:14
Lumpur (dpa)

Krisendiplomatie mit China, USA und Russland in Asien

Kuala Lumpur (dpa) - Die Außenminister der USA, Chinas und Russlands sowie Kollegen aus mindestens 15 weiteren Ländern treffen am Mittwoch in Malaysia zusammen. Es gibt zahlreiche Krisen, jeder Minister hat nach Medienberichten in den Heimatländern eine eigene Agenda. Die EU sollte in Kuala Lumpur von der Außenbeauftragten Federica Mogherini vertreten werden.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow plant den Berichten zufolge Beratungen mit US-Außenminister John Kerry über die Lage in der Ukraine. Kerry wolle die bis jetzt ergebnislosen Verhandlungen über das transpazifische Freihandelsabkommen TPP wieder in Gang bringen. Die Philippinen und Vietnam wiederum wollten Chinas Aktivitäten im umstrittenen Südchinesischen Meer zur Sprache bringen, was der chinesische Außenminister Wang Yi zu verhindern gedenke. Und Südkoreas Außenminister Yun Byung-se hoffe auf neue Initiativen zur Eindämmung des nordkoreanischen Atomprogramms.

Eigentlich dient das Treffen zur Vorbereitung des Gipfeltreffens der zehn südostasiatischen Länder (Asean) mit den Präsidenten Chinas, Russlands und der USA sowie weiterer Partnerländer im November.

Die zehn Asean-Außenminister trafen sich schon Dienstag. Das Asean-Bündnis will bis Ende 2015 einen Wirtschaftsraum ohne Zoll- und Handelsschranken verwirklichen. Die Region, in der 600 Millionen Menschen leben, wäre gemessen an der gemeinsamen Wirtschaftsleistung die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Eine politische Integration nach EU-Vorbild ist aber nicht geplant.

Di, 2015-08-04 11:22
Mainz (dpa)

Verfassungsschutzpräsident Maaßen warnt vor Neonazi-Kleinstpartei

Mainz (dpa) - Der Verfassungsschutz hat vor einer Eskalation der Gewalt durch rechtsextreme Hetze gewarnt. Die Kleinstpartei «Der III. Weg» spiele dabei eine gefährliche Rolle. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte dem SWR-Politikmagazin «Report Mainz»: «Wir sehen schon, dass diese Agitation, dieses Billigen von Gewalttaten, das unterschwellige Loben von Gewalttaten, dazu beiträgt, weitere Gewaltmaßnahmen anzufeuern. Wir haben die Sorge, dass nicht nur Asylbewerberheime, sondern dass irgendwann auch mal Menschen zu Schaden kommen.»

Die rechtsextreme Partei «Der III. Weg» gerate dabei zunehmend in den Fokus der Sicherheitsbehörden, berichtete der Südwestrundfunk weiter. So habe etwa die Staatsanwaltschaft Ingolstadt auf Anfrage mitgeteilt, dass sich bei den Ermittlungen zum Brandanschlag Mitte Juli im oberbayerischen Reichertshofen Bezüge zur Partei «Der III. Weg» ergeben hätten. Diese seien «ermittlungsrelevant», heißt es. Einzelheiten wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.

Die Kleinstpartei «Der III. Weg» ist laut Verfassungsschutzbericht 2014 in Bayern mit sechs sogenannten Stützpunkten am stärksten vertreten. Weitere befinden sich in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Di, 2015-08-04 11:14
Genf (dpa)

UNHCR-Direktor: «Wirtschaftsmigranten» blockieren Asylsysteme

Genf (dpa) - «Wirtschaftsmigranten», die kaum Chancen auf Asyl haben, sollten nach Ansicht des Europa-Direktors des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) schneller in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden. «Es braucht faire und effiziente Systeme, die Asylanträge schnell bearbeiten und nicht schutzbedürftige Menschen zurückschaffen», sagte Vincent Cochetel im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Nur so versteht die Bevölkerung, dass diejenigen, die bleiben, wirklich schutzbedürftig sind. Das ist die beste Antwort an fremdenfeindliche Leute», sagte Cochetel weiter. Die deutsche Flüchtlingspolitik funktioniere insgesamt gut. Viele Asylsuchende aus dem Balkan blockierten aber das System, da sie keinen internationalen Schutz benötigten.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Di, 2015-08-04 10:34
Juba (dpa)

Bericht: Kinder im Südsudan vermissen vor allem Schulbildung

Juba (dpa) - Die Leidtragenden der anhaltenden Gewalt im Südsudan sind vor allem Kinder: Mittlerweile sind bereits 800 000 Jungen und Mädchen auf der Flucht, 250 000 von ihnen sind akut von Hunger bedroht, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht von vier internationalen Hilfsorganisationen hervorgeht. Zudem wurden demnach 13 000 Kinder und Jugendliche als Kindersoldaten rekrutiert. Trotz der dramatischen Lage sei es den meisten Betroffenen aber besonders wichtig, wieder zur Schule gehen zu können - viele Kinder nannten diesen Wunsch noch vor Grundbedürfnissen wie Unterkunft oder Essen.

Die Organisationen World Vision, Save the Children, Intersos und Care hatten Kinder und deren Eltern in allen Teilen des Südsudans zu ihren Problemen und Bedürfnissen befragt. Viele erklärten, sie seien selbst aktiv geworden und hätten provisorische Schulgebäude gebaut oder Geld gesammelt, um einen Lehrer bezahlen zu können.

Ein 15-Jähriger erklärte, die Schule könne im Südsudan Leben retten: «In der Schule sind wir geschützt. Dort greift uns kein Soldat an und verschleppt uns.» Ein anderer Junge sagte, Kinder lernten dort auch, auf gefährliche Situationen zu reagieren und etwa zu verstehen, wo Landminen vergraben sein könnten.

Der Südsudan versinkt in Gewalt, seit Ende 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Ex-Stellvertreter Riek Machar eskalierte. Der Konflikt hat vor allem ethnische Hintergründe.

Di, 2015-08-04 10:46
London (dpa)

Großbritannien verlängert Lufteinsatz im Irak

London (dpa) - Großbritannien wird seine Beteiligung am Krieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat um ein Jahr bis mindestens März 2017 verlängern. Das kündigte Verteidigungsminister Michael Fallon am Dienstag bei einem Besuch im Irak an. Großbritannien ist bei der internationalen Operation für etwa ein Drittel aller Aufklärungsflüge verantwortlich. Zudem lieferten die acht Kampfjets der Royal Air Force, die von einer Luftwaffenbasis auf Zypern starten, «essenzielle und präzise Feuerkraft», sagte Fallon. Britische Bodentruppen im Irak zum Kampf gegen den IS schloss Fallon erneut aus: «Der Irak will das nicht», sagte der Verteidigungsminister.

Di, 2015-08-04 10:30
Belgrad (dpa)

Mindestens fünf Tote bei Sturm in Mazedonien

Belgrad (dpa) - Bei einem schweren Unwetter in Mazedonien sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen, weitere 13 wurden verletzt. Das meldet das Newsportal «24Sata» und beruft sich auf Angaben des Krankenhauses in Tetovo, der zweitgrößten Stadt des Landes. Ein Sturm war am späten Montag über den Westen Mazedoniens gezogen und hatte Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht. Einsatzkräfte befürchteten noch weitere Opfer und Schäden, da sie abgelegene Orte zunächst nicht erreichen konnten. Auch die Zahl der Vermissten war erst einmal unklar.

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

Keine Anzeige!

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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