Do, 2015-07-02 13:20
Tunis (dpa)

Terror im tunesischen Badeort: Polizei nimmt zwölf Verdächtige fest

Der Attentäter von Sousse hatte offenbar Verbindungen zu radikalen Gruppen. Genauso wie mehrere Festgenommene soll der Student im Nachbarland Libyen in einem Terrorlager gewesen sein.

Tunis (dpa) - Nach dem Terroranschlag auf Urlauber im tunesischen Badeort Sousse hat die Polizei in dem nordafrikanischen Land insgesamt zwölf Menschen festgenommen. Acht Verdächtige ständen in direkter Verbindung mit der Tat, sagte der tunesische Minister Kamel Jendoubi am Donnerstag in Tunis. Darunter sei auch eine Frau. Sein Kollege Lazhar Akremi erklärte nach Angaben einheimischer Medien, die Festgenommenen sollen in Terrorlagern im Nachbarland Libyen ausgebildet worden sein.

Ein 24 Jahre alter Student hatte am Freitag am Badestrand in Sousse auf Touristen geschossen und 38 Urlauber getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Auch der Attentäter soll nach Angaben des Innenministeriums in einem libyschen Terrorlager gewesen sein.

Zu dem Angriff bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung. Im libyschen Bürgerkriegschaos haben Extremisten mehrere Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.

30 der Opfer in Sousse waren Briten. Ihre Leichen würden von Donnerstag an nach Großbritannien gebracht, erklärte der britische Außenminister Philipp Hammond. Auch zwei Deutsche kamen ums Leben.

Tunesien will nach dem Attentat Touristenziele im Land besser schützen, um einen Einbruch der Besucherzahlen zu verhindern. Dafür will die Regierung mehr als 1000 Sicherheitskräfte einsetzen.

Tunesiens Innenminister Mohammed Najem Gharsalli zeigte sich jedoch am Mittwochabend bei einem überraschenden Besuch in dem Badeort Hammamet verärgert über die mangelhafte Umsetzung der Maßnahme. Ein Internetvideo zeigt, wie er sich bei einem Verantwortlichen darüber beschwert, dass der Strand in Hammamet weiter unbewacht ist.

Aus Sorge vor weiteren Terroranschlägen werden die niederländischen Touristen aus Tunesien ausgeflogen. Die Reiseveranstalter reagierten damit auf eine dringende Reisewarnung des niederländischen Außenministeriums, sagte ein Sprecher der Reiseorganisation Thomas Cook der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.

Mi, 2015-07-01 18:31
Kairo (dpa)

Heftige Gewalt im Sinai: Dutzende Tote durch Angriffe des IS

Es sind die wohl blutigsten Gefechte auf dem Sinai seit zwei Jahren: Mehr als 70 Menschen sollen bei Angriffen von Extremisten auf ägyptische Soldaten gestorben sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Kairo (dpa) - Bei einem der heftigsten Gewaltausbrüche im Sinai seit Jahren sind Dutzende Menschen getötet worden. Angriffe islamistischer Extremisten auf Posten der ägyptischen Armee und anschließende Gefechte forderten ägyptischen Medien zufolge am Mittwoch mehr als 70 Menschenleben. Eine offizielle Opferzahl gab es zunächst nicht.

Zu den Angriffen bekannte sich der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die «Löwen des Kalifats in der Provinz Sinai» hätten am frühen Morgen mehr als 15 Posten der ägyptischen Armee überfallen, teilten die Extremisten in einer Internetbotschaft mit. Dabei seien schwere Waffen und drei Selbstmordattentäter eingesetzt worden.

Über die genaue Zahl der Opfer gab es zunächst keine Klarheit. Ein Sprecher der Armee sagte, 10 Soldaten und 22 «Terroristen» seien ums Leben gekommen. Das Militär setzte nach eigenen Angaben Kampfflugzeuge und -hubschrauber ein. Das Auswärtige Amt verurteilte die Gewalt: «Das Bekenntnis der Terrormiliz ISIS zu den Anschlägen zeigt erneut, mit welcher Skrupellosigkeit die Terrorgruppe Gewalt für ihre Zwecke nutzt», hieß es aus Berlin.

Radikale Gruppen greifen im Norden des Sinai seit Jahren immer wieder die ägyptische Armee an. Die arme Region ist eine Hochburg der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis, die Ende des vergangenen Jahres dem IS die Treue geschworen hatte. Der Angriff am Mittwoch war der heftigste Gewaltausbruch im Sinai, seit die Armee Ägyptens ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 stürzte.

Terrorangriffe hatten sich in den vergangenen Tagen in Ägypten gehäuft. Am Montag war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenanschlag in Kairo getötet worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin angekündigt, Prozesse künftig beschleunigen zu wollen - dies ist Teil seines Kampfes gegen die verbotene Muslimbruderschaft, die die Regierung für eine Reihe von Attentaten verantwortlich macht. Die Bruderschaft bestreit, Gewalttaten zu verüben.

Muslimbrüder waren nach Informationen der privaten Zeitung «Al-Masry Al-Youm» auch unter neun getöteten Islamisten bei einer Razzia nahe Kairo. «Es gab eine Schießerei mit den gesuchten Terroristen, als die Polizei sie festnehmen wollte», zitierte die staatliche Zeitung «Al-Ahram» einen Sprecher der Sicherheitskräfte.

In diesen Tagen jährt sich die Amtsübernahme des ehemaligen Präsidenten und Muslimbruders Mursi zum dritten Mal. Genau ein Jahr später war es in Kairo zu Massenprotesten gegen ihn gekommen. Am 3. Juli 2013 war Mursi trotz heftiger Proteste seiner Anhänger von der Armee gestürzt worden. Zudem war Anfang der Woche der erste Jahrestag der Ausrufung des Kalifats durch den IS. Die Gruppe hatte dazu aufgerufen, auch während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf «Feinde» des Islams zu verüben.

Mi, 2015-07-01 17:49
Lyon (dpa)

Städte und Gemeinden sollen Kampf gegen Klimawandel voranbringen

Der größte Energieverbraucher China verspricht mehr Klima-Anstrengungen. Doch nicht nur auf die Staaten kommt es im Kampf gegen den CO2-Ausstoß an - eine Konferenz in Lyon will Städte und Regionen einbinden.

Lyon (dpa) - Fünf Monate vor dem Weltklimagipfel hat eine Konferenz die Rolle von Bundesländern, Städten und Gemeinden für den Abbau von Treibhausgas-Emissionen hervorgehoben. «Städte halten einen Schlüssel für den Kampf gegen den Klimawandel in der Hand», sagte der Sondergesandte der Vereinten Nationen, der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, am Mittwoch zum Auftakt des Weltklimagipfels der Regionen in Lyon.

Zwei Tage lang beraten rund 800 Delegierte dort über ihren Beitrag zur Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes. Indessen gibt es auch bei den Vorbereitungen für das Gipfeltreffen der Staaten Ende des Jahres in Paris Bewegung: Umweltschützer begrüßten die Ankündigung Chinas, seine Anstrengungen zu erhöhen.

Bloomberg erläuterte in seiner Videobotschaft, Gebäude, Verkehr und die Müllverarbeitung machten einen Großteil der CO2-Emissionen in Städten aus. Hier gebe es viele Möglichkeiten für lokale Regierungen, den Klimaschutz voranzubringen. Frankreichs Entwicklungsstaatssekretärin Annick Girardin wies darauf hin, dass Vertreter der Regionen zudem oft mit den Folgen der globalen Erwärmung umgehen müssten. «Sie sind gleichzeitig die Zeugen und die Akteure des Kampfes gegen den Klimawandel.»

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erhoffte sich von dem Treffen ein Signal des Aufbruchs an die Pariser Klimakonferenz. «Es besteht dringender Handlungsbedarf, der im Kontrast zur Stagnation der Klimapolitik steht», sagte er. Das Bundesland stellte in Lyon seine Vereinbarung mit anderen Regierungen unterhalb der nationalen Ebene vor. Die bislang 14 Unterzeichner - darunter auch Kalifornien - wollen ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren.

Die Teilnehmer der Konferenz in Lyon wollen auch konkrete Textvorschläge für den geplanten neuen Weltklimavertrag vorlegen. Er soll das Kyoto-Abkommen ersetzen und klare Vorgaben enthalten, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu beschränken. Der Klimagipfel COP21 findet vom 30. November bis 11. Dezember in Paris statt.

Der weltgrößte Energieverbraucher China hatte am Dienstag mit Blick auf den Gipfel angekündigt, seine Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduzieren zu wollen. Ferner soll der Ausstoß von Kohlendioxid möglichst vor 2030 den Höhepunkt erreichen. Die Umweltorganisation Germanwatch nannte die neuen Zusagen Chinas einen «Meilenstein». Die vorliegenden Länderpläne zeigten allerdings, dass weitere Anstrengungen erforderlich seien.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Do, 2015-07-02 11:14
Tunis (dpa)

Terror in Tunesien: Polizei nimmt zwölf Verdächtige fest

Tunis (dpa) - Nach dem Terroranschlag auf den tunesischen Badeort Sousse hat die Polizei in dem nordafrikanischen Land insgesamt zwölf Verdächtige festgenommen. Aus dem tunesischen Innenministerium hieß es am Donnerstag, im Zuge der Ermittlungen seien weitere Festnahmen möglich. Ein 24 Jahre alter Student hatte am vergangenen Freitag in Sousse 38 Touristen getötet, bevor er selbst erschossen wurde. 30 der Opfer waren Briten. Auch zwei Deutsche kamen ums Leben. Die Regierung hatte bereits am Montag die Festnahme mehrerer Verdächtiger gemeldet, die den Attentäter unterstützt haben sollen.

Mi, 2015-07-01 21:01
Berlin (dpa)

«Zwei vor zwölf»: Wirtschaft hofft auf Einigung zu Stromnetzausbau

Im Windschatten der Griechenland-Krise wollen die drei Parteichefs Merkel, Gabriel und Seehofer die größten Brocken bei der Energiewende aus dem Weg räumen. Dafür muss sich Seehofer aber bei den Stromnetzen bewegen. Das erwartet auch die Wirtschaft.

Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, den Weg für den Ausbau der Stromnetze freizumachen. «Beim Netzausbau ist es zwei vor zwölf», sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Berlin.

Am Abend sind die drei Parteichefs Angela Merkel (CDU), Sigmar Gabriel (SPD) und Seehofer bei einem Treffen im Kanzleramt zusammengekommen, um den monatelangen Streit um Stromtrassen, die Kohle-Abgabe, die Ausgestaltung des Strommarktes sowie die Lastenteilung bei der Energiewende abzuräumen. An den Gesprächen hat auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) teilgenommen.

Zuletzt gab es nach Angaben aus Regierungskreisen bei den Stromnetzen noch Differenzen zwischen Bayern und Kanzleramt. Damit Bayerns Ministerpräsident Seehofer seinen Widerstand gegen neue Stromautobahnen von Nord nach Süd aufgibt, bietet Gabriel an, bei den beiden großen Leitungsprojekten Erdkabel zu verlegen. Auch sollen bestehende Trassen stärker genutzt werden. Die Netzbetreiber warnen vor weiteren Verzögerungen und zusätzlichen Milliardenkosten.

Schweitzer betonte, er könne die Haltung Seehofers nicht nachvollziehen. Den Atomausstieg habe Bayern 2011 mitbeschlossen, den dafür benötigten Bau neuer Stromleitungen für den Transport von Windstrom in den Süden sollten aber andere Bundesländer schultern. Bleibe Seehofer bei seiner Position, müsse er Verbrauchern und Unternehmen im Industrieland Bayern erklären, dass es dann zwei Strompreiszonen in Deutschland geben würde - mit höheren Preisen für Bayern.

Damit die Regierung zudem ihr Ziel erreicht, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, sind Reduktionen nötig. Die sollten vor allem bei Braunkohlekraftwerken über eine «Klimaabgabe» ermöglicht werden. Länder, Gewerkschaften, Betreiber und die Union hatten sich aber dagegen gewehrt. Auf dem Tisch liegt nun ein Alternativmodell.

Die Grünen kritisierten, dass die Koalition die von Gabriel ursprünglich geplante Strafabgabe für alte Kohle-Kraftwerke auf Druck der Kohlelobby nicht mehr einführen wolle. «Die Kanzlerin hat ihren Vize wochenlang im Regen stehen lassen, damit Koalitionäre, Kohleindustrie und Gewerkschaften ihn mürbe kneten», sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter.

Nun sollen Braunkohle-Kraftwerke in eine Reserve gehen und schrittweise stillgelegt werden. Dafür würden die Betreiber Prämien bekommen. Stromkunden und Steuerzahler würde das nach Regierungsberechnungen einmalig 1 bis 2 Milliarden Euro kosten sowie 230 Millionen Euro pro Jahr an laufenden Aufwendungen. Hofreiter: «Statt RWE, Vattenfall & Co. für ihre Dreckschleudern zur Kasse zu bitten, soll ihnen das Geld von Steuerzahlern hinterhergeschmissen werden.»

Mi, 2015-07-01 16:55
München (dpa)

NSU-Prozess: Gericht schließt zum ersten Mal die Öffentlichkeit aus

München (dpa) - Im Münchner NSU-Prozess hat das Gericht am Mittwochnachmittag zum ersten Mal seit Verfahrensbeginn vor mehr als zwei Jahren die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Damit wird die Vernehmung eines brandenburgischen Verfassungsschutzbeamten voraussichtlich ohne Zuhörer und Journalisten fortgesetzt. Der Beamte war V-Mann-Führer des vertraulichen Informanten «Piatto». Die Verteidiger des Angeklagten Ralf Wohlleben hatten beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen.

Begonnen hatte die Vernehmung des Beamten bereits am Mittag in öffentlicher Sitzung. Zur Tarnung seiner Identität hatte sich der Zeuge eine Kapuze über den Kopf gezogen. Die meisten Fragen beantwortete er allerdings nicht, meist mit Hinweis auf sein lückenhaftes Gedächtnis. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl rügte ihn dafür scharf. «Zur Pflicht eines Beamten gehört auch, sich vorzubereiten, sich auseinanderzusetzen und sich Gedanken zu machen», sagte er.

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Mi, 2015-07-01 18:17
Kairo (dpa)

Heftige Gewalt im Sinai: Dutzende Tote durch Angriffe des IS

Es sind die wohl blutigsten Gefechte auf dem Sinai seit zwei Jahren: Mehr als 70 Menschen sollen bei Angriffen von Extremisten auf ägyptische Soldaten gestorben sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Kairo (dpa) - Bei Angriffen islamistischer Extremisten auf Posten der ägyptischen Armee und anschließenden Gefechten im Sinai sind Dutzende Menschen getötet worden. Ägyptischen Medien zufolge kamen bei den Kämpfen am Mittwoch mehr als 70 Menschen ums Leben. Eine offizielle Opferzahl gab es zunächst nicht.

Zu den Angriffen bekannte sich der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die «Löwen des Kalifats in der Provinz Sinai» hätten am frühen Morgen mehr als 15 Posten der ägyptischen Armee überfallen, teilten die Extremisten in einer Internetbotschaft mit. Dabei seien schwere Waffen und drei Selbstmordattentäter eingesetzt worden.

Über die genaue Zahl der Opfer gab es zunächst keine Klarheit. Ein Sprecher der Armee sagte, 10 Soldaten und 22 «Terroristen» seien ums Leben gekommen. Das Militär setzte nach eigenen Angaben Kampfflugzeuge und -hubschrauber ein.

Radikale Gruppen greifen im Norden des Sinai seit Jahren immer wieder die ägyptische Armee an. Die arme Region ist eine Hochburg der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis, die Ende des vergangenen Jahres dem IS die Treue geschworen hatte. Der Angriff am Mittwoch war der heftigste Gewaltausbruch im Sinai, seit Ägyptens ehemaliger Präsident Mohammed Mursi 2013 gestürzt wurde.

Terrorangriffe hatten sich in den vergangenen Tagen in Ägypten gehäuft. Am Montag war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenanschlag in Kairo getötet worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin angekündigt, Prozesse künftig beschleunigen zu wollen - dies ist Teil seines Kampfes gegen die Muslimbruderschaft, die die Regierung für eine Reihe von Attentaten verantwortlich macht. Die Bruderschaft bestreit, Gewalttaten zu verüben.

In diesen Tagen jährt sich die Amtsübernahme des ehemaligen Präsidenten und Muslimbruders Mursi zum dritten Mal. Genau ein Jahr später war es in Kairo zu Massenprotesten gegen ihn gekommen. Am 3. Juli 2013 war Mursi trotz heftiger Proteste seiner Anhänger von der Armee gestürzt worden. Zudem war Anfang der Woche der erste Jahrestag der Ausrufung des Kalifats durch den IS. Die Gruppe hatte dazu aufgerufen, auch während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf «Feinde» des Islams zu verüben.

Mi, 2015-07-01 20:24
Kairo (dpa)

Heftige Gewalt im Sinai: Dutzende Tote durch Angriffe des IS

Es sind die wohl blutigsten Gefechte auf dem Sinai seit zwei Jahren: Mehr als 100 Menschen sollen bei Angriffen von Extremisten auf ägyptische Soldaten gestorben sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall.

Kairo (dpa) - Bei einem der heftigsten Gewaltausbrüche im Sinai seit Jahren sind Dutzende Menschen getötet worden. Angriffe islamistischer Extremisten auf Posten der ägyptischen Armee und anschließende Gefechte forderten ägyptischen Medien zufolge am Mittwoch fast 120 Menschenleben. Nach Angaben des ägyptischen Militärs vom Mittwochabend starben 100 Militante sowie 17 Soldaten.

Zu den Angriffen bekannte sich der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die «Löwen des Kalifats in der Provinz Sinai» hätten am frühen Morgen mehr als 15 Posten der ägyptischen Armee überfallen, teilten die Extremisten in einer Internetbotschaft mit. Dabei seien schwere Waffen eingesetzt worden. Auch drei Selbstmordattentäter griffen Armeeposten an.

Das ägyptische Militär veröffentlichte am Abend im Staatsfernsehen die ersten genaueren Opferzahlen - 100 Militante und 17 Soldaten seien getötet worden. Die Streitkräfte hätten die Angreifer zurückgeschlagen, verfolgt und deren Sammelpunkte zerschlagen. Das Militär kündigte eine Fortsetzung des Einsatzes an, «bis wir den Sinai nicht von allen Terrornestern säubern und unser liebes Land wieder mit Sicherheit und Stabilität gesegnet ist».

Das Auswärtige Amt verurteilte die Gewalt: «Das Bekenntnis der Terrormiliz ISIS zu den Anschlägen zeigt erneut, mit welcher Skrupellosigkeit die Terrorgruppe Gewalt für ihre Zwecke nutzt», hieß es aus Berlin. Auch die USA verurteilten die Angriffe auf ägyptische Soldaten. Angesichts der terroristischen Gewalt stünden die USA fest an der Seite Ägyptens, sagte Ned Price, Sprecher des nationalen Sicherheitsrates, am Mittwoch.

Radikale Gruppen greifen im Norden des Sinai seit Jahren immer wieder die ägyptische Armee an. Die arme Region ist eine Hochburg der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis, die Ende des vergangenen Jahres dem IS die Treue geschworen hatte. Der Angriff am Mittwoch war der heftigste Gewaltausbruch im Sinai, seit die Armee Ägyptens ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 stürzte.

Terrorangriffe hatten sich in den vergangenen Tagen in Ägypten gehäuft. Am Montag war Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bei einem Bombenanschlag in Kairo getötet worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin angekündigt, Prozesse künftig beschleunigen zu wollen - als Teil seines Kampfes gegen die verbotene Muslimbruderschaft.

Muslimbrüder waren nach Informationen der privaten Zeitung «Al-Masry Al-Youm» auch unter neun getöteten Islamisten bei einer Razzia nahe Kairo. «Es gab eine Schießerei mit den gesuchten Terroristen, als die Polizei sie festnehmen wollte», zitierte die staatliche Zeitung «Al-Ahram» einen Sprecher der Sicherheitskräfte.

In diesen Tagen jährt sich die Amtsübernahme des ehemaligen Präsidenten und Muslimbruders Mursi zum dritten Mal. Genau ein Jahr später war es in Kairo zu Massenprotesten gegen ihn gekommen. Am 3. Juli 2013 war Mursi trotz heftiger Proteste seiner Anhänger von der Armee gestürzt worden. Zudem war Anfang der Woche der erste Jahrestag der Ausrufung des Kalifats durch den IS. Die Gruppe hatte dazu aufgerufen, auch während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf «Feinde» des Islams zu verüben.

Mi, 2015-07-01 18:29
Washington/Havanna (dpa)

Nach 50 Jahren Feindschaft: USA und Kuba eröffnen Botschaften  

Jahrzehntelang waren sich die USA und Kuba spinnefeind. Washington betrachtete das sozialistische Land als einen Schandfleck im eigenen Hinterhof. Jetzt machen Havanna und Washington einen historischen Schritt.

Washington/Havanna (dpa) - Nach einem halben Jahrhundert Eiszeit eröffnen die USA und Kuba wieder Botschaften - damit wird der Kalte Krieg in der Karibik endgültig beendet. «Wir sind Nachbarn, jetzt können wir Freunde sein», sagte US-Präsident Barack Obama am Mittwoch im Rosengarten des Weißen Hauses. Auch in Havanna wurde die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zeitgleich bekanntgegeben. Seit der kubanischen Revolution 1959 herrschte Unfrieden zwischen beiden Ländern.

Obama sprach von einem «historischen Schritt», den er und Kubas Staatschef Raúl Castro - ein Bruder des schwer kranken Revolutionsführers Fidel Castro - bereits Ende vergangenen Jahres eingeleitet hatten. Die Wiederannäherung an Havanna gilt als einer der größten außenpolitischen Erfolge Obamas. Castro machte klar, dass Kuba eine Beziehung auf Augenhöhe erwarte.

Zugleich rief Obama den Kongress auf, das Wirtschaftsembargo gegen die Karibikinsel aufzuheben. Die jahrzehntelange Isolation Kubas habe letztlich zu keinem Erfolg geführt. Man dürfe nicht zum «Gefangenen der Vergangenheit» werden.

Allerdings stellte Obama auch unmissverständlich klar, dass die USA auch weiterhin ihre Stimme für Demokratie und Menschenrechte auf Kuba erheben werde. Es gebe weiterhin tiefgreifende Differenzen.

Die kubanische Regierung teilte mit, die Botschaften sollten am 20. Juli wieder öffnen. Die USA nannten zunächst kein genaues Datum. Obama kündigte an, Außenminister John Kerry werde zur Botschaftseröffnung nach Kuba reisen.

Kerry begrüßte die Entwicklung. Beide Länder hätten sich entschieden, sich auf die Themen und Möglichkeiten zu konzentrieren, die die Zukunft biete - und nicht in der Vergangenheit zu verharren. Gerade in einer Welt voller Konflikte wie heute sei die Botschaft wichtig: «Dinge können sich ändern, Führungskraft kann gestalten», sagte Kerry am Mittwoch in Wien, ausdrücklich auch mit Blick auf die laufenden Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm.

Unklar ist allerdings, wann die USA einen Botschafter entsenden: Dazu braucht Obama die Zustimmung im republikanisch beherrschten Senat. Führende Republikaner haben bereits ihren Widerstand signalisiert. Auch die Aufhebung des Wirtschaftsembargos braucht ein Ja im Kongress.

Die Botschaften beider Länder sind seit den frühen 1960er Jahren geschlossen, nachdem Washington als Antwort auf die sozialistische Revolution Kubas 1959 ein Embargo gegen das Land verhängt hatte. Seit 1977 betreiben Washington und Havanna Interessensvertretungen jeweils unter dem Dach der Schweiz.

Obama und Castro hatten das Tauwetter im vergangenen Dezember völlig überraschend verkündet. Im April trafen sich beide in Panama-Stadt.  

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Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mi, 2015-07-01 17:39
Delhi (dpa)

Amnesty: Armee-Sonderrecht befeuert Menschenrechtsverstöße in Indien

Neu Delhi (dpa) - Ein umstrittenes Gesetz über Sonderbefugnisse der indischen Streitkräfte hat in den Unruheregionen Kaschmir und Jammu verstärkt zu Menschenrechtsverletzungen geführt. Dies ergab ein am Mittwoch vorgestellter Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Das Gesetz namens Armed Forces Special Powers Act (AFSPA) verleiht Soldaten weitreichende Befugnisse und schützt sie vor ziviler Strafverfolgung - auch bei Mord, Vergewaltigung und Folter. In den indischen Bundesstaaten Jammu und Kaschmir trat es vor rund 25 Jahren in Kraft. Bis heute hätte sich kein einziger Soldat wegen Menschenrechtsverletzungen vor einem Zivilgericht verantworten müssen, sagt Minar Pimple von Amnesty. Dies habe schwere Verstöße nur weiter angefacht.

So würden die Ermittlungen der Justiz bei mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen durch Soldaten erschwert, heißt es in dem Amnesty-Bericht. Die Organisation zitiert auch Familienmitglieder von Opfern. Das AFSPA-Gesetz sei eine Erlaubnis der Regierung, Unschuldige zu töten, sagt der Angehörige eines von Soldaten getöteten Jugendlichen. Nach Angaben von Amnesty hat die indische Armee mehr als 96 Prozent aller Vorwürfe gegen Streitkräfte in Jammu und Kaschmir mit der Begründung abgewiesen, sie seien «falsch» oder «haltlos». Details der Ermittlungen habe das Militär jedoch nicht veröffentlicht. Seit Jahren fordern Menschenrechtsorganisationen eine Abschaffung des AFSPA-Gesetzes.

Mi, 2015-07-01 18:52
Washington (dpa)

USA verurteilen Überfall auf ägyptische Soldaten im Sinai

Washington (dpa) - Die USA haben die Angriffe islamistischer Extremisten auf ägyptische Soldaten mit Dutzenden Toten im Sinai scharf verurteilt. Angesichts der terroristischen Gewalt stünden die USA fest an der Seite Ägyptens, sagte Ned Price, Sprecher des nationalen Sicherheitsrates, am Mittwoch. Washington werde Kairo weiterhin dabei helfen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Bei Angriffen der Extremisten auf Armeeposten und bei anschließenden Gefechten kamen ägyptischen Medien zufolge über 70 Menschen ums Leben leben. Eine offizielle Opferzahl gab es zunächst nicht. Der ägyptische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Überfällen.  

Do, 2015-07-02 10:45
Berlin (dpa)

Energie-Eckpunkte der Parteispitzen von CDU, CSU und SPD

Berlin (dpa) - Die Parteichefs der Regierungskoalition haben sich auf ein Paket zur Energie- und Klimapolitik verständigt. Damit soll das Ziel erreicht werden, den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Wesentliche Eckpunkte:

KOHLEKRAFTWERKE: Um das Klimaschutzziel zu erreichen, müssen 22 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich eingespart werden - durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen. Zwischen 2017 und 2020 sollen Braunkohle-Kraftwerksblöcke mit 2,7 Gigawatt Leistung vom Netz genommen und als Kapazitätsreserve für den Fall von Engpässen aufgebaut werden. Die Konzerne erhalten dafür eine Vergütung. Das soll rund 11 Millionen Tonnen CO2-Minderung bringen. Weitere 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr soll die Braunkohlewirtschaft ab 2018 erbringen - wie, ist noch offen. Die Strafabgabe für alte Kohle-Meiler ist damit vom Tisch.

KRAFT-WÄRME-KOPPLUNG: Hoch effiziente, mit Gas gefeuerte KWK-Anlagen zur öffentlichen Versorgung sollen befristet gefördert werden, um den Erhalt zu sichern. Für den Ersatz kohlebefeuerter durch gasbefeuerte Anlagen und den Neubau werden 500 Millionen Euro pro Jahr per Umlage bereitgestellt. Die Fördergrenze wird von 750 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro pro Kalenderjahr angehoben. So soll der CO2-Ausstoß um 4 Millionen Tonnen reduziert werden. Damit Mehr-Kosten nicht nur von Haushaltskunden und dem Mittelstand getragen werden, wird ein fairer Lastenausgleich angestrebt.

EFFIZIENZ: Die verbleibenden 5,5 Millionen Tonnen CO2 sollen ab 2016 durch mehr Energieeffizienz in Gebäuden, Kommunen, der Industrie sowie bei der Bahn AG erbracht werden. Dazu sollen bis 2020 jährlich bis zu 1,16 Milliarden Euro an öffentliche Mitteln fließen.

NETZAUSBAU: Stärker als bisher sollen bestehende Trassen genutzt und neue soweit wie möglich vermieden werden. Bei neuen Gleichstromtrassen haben teure Erdkabel Vorrang vor Freileitungen.

ATOMMÜLL: Bei den langfristigen Kosten des Atomausstiegs bleiben die Energiekonzerne in der Pflicht. Grundsatz ist, «dass die Kosten für Stilllegung, Rückbau, Zwischen- und Endlagerung von den Verursachern getragen werden». Bis Ende September sollen per Stresstest auch die nötigen Rückstellungen für Atom-Altlasten sowie Vermögensposten in den Bilanzen der Konzerne untersucht werden.

Do, 2015-07-02 07:11
Singapur (dpa)

Ölpreise kaum verändert

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Donnerstag zunächst kaum verändert tendiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete im frühen Handel 62,15 US-Dollar. Das waren 14 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag unverändert bei 56,98 Dollar.

Händler sprachen von einer Stabilisierung nach den Kursverlusten am Vortag. Die Rohöllagerbestände in den USA waren in der vergangenen Woche nach acht Rückgängen in Folge überraschend gestiegen. Dies hatte die Ölpreise am Mittwoch deutlich belastet. Mit Spannung erwartet wird der am Nachmittag anstehende US-Arbeitsmarktbericht.

Do, 2015-07-02 02:48
Berlin (dpa)

Teures schwarz-rotes Energie-Paket - Kohle-Abgabe kommt nicht Von Tim Braune und André Stahl, dpa

Bis tief in die Nacht sitzen Merkel, Seehofer und Gabriel im Kanzleramt zusammen, um die großen Streitthemen bei der Energiewende abzuräumen. Dafür wollen sie Stromkunden und Steuerzahlern tief in die Tasche greifen. Auch Umweltschützer sind schwer enttäuscht.

Berlin (dpa) - Die umstrittene Strafabgabe für alte Kohle-Kraftwerke von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist endgültig vom Tisch. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer legten sich in der Nacht zu Donnerstag stattdessen darauf fest, zur Erreichung ihrer Klimaschutzziele Braunkohle-Kraftwerke vom Netz zu nehmen und in eine Reserve zu schicken. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen.

Dafür erhalten die Stromkonzerne Prämien. Bis 2020 sollen dann Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt endgültig stillgelegt werden. Damit hat sich eine breite Kohlelobby aus Gewerkschaften, Industrie, Braunkohle-Ländern, Union und Teilen der SPD gegen Gabriel durchgesetzt.

Beim heftig umstrittenen Ausbau der Stromnetze habe es zwischen den drei Parteichefs eine «umfassende Verständigung» gegeben, wie es nach dem mehr als fünfstündigen Spitzentreffen im Kanzleramt aus Regierungskreisen hieß.

Um Seehofer entgegenzukommen, sollen bei den großen neuen Nord-Süd-Stromautobahnen stärker als bisher vorgesehen bestehende Trassen genutzt werden. Auch sollen teure Erdkabel vorrangig verlegt werden, um den Widerstand von Anwohnern zu reduzieren. Konkrete Details dazu wollte Gabriel am Vormittag in Berlin vorstellen. Netzbetreiber fürchten durch mehr Erdkabel erhebliche Verzögerungen und Milliarden-Mehrkosten.

Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Atom: Bei den langfristigen Kosten des Atomausstiegs will die Bundesregierung die Energiekonzerne in die Pflicht nehmen. Man werde sicherstellen, «dass sich die Energiekonzerne nicht ihrer Verantwortung für den Rückbau von Atomkraftwerken und für die Lagerung des Atommülls entziehen können», heißt es.

Die Atomkonzerne haben dafür rund 36 Milliarden Euro an Rückstellungen in ihren Bilanzen stehen. Allerdings gibt es erhebliche Zweifel, ob die Konzerne, die wegen des Ökostrombooms mit ihren Kraftwerken viel weniger Geld verdienen, dauerhaft für die Atom-Altlasten geradestehen können. Die Regierung betont nun aber, es werde dafür gesorgt werden, dass sich das Haftungsvermögen nicht verkleinere.

Für mehr Energieeffizienz sollen Fördermittel für Verbraucher und Kommunen bis 2020 um bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr aufgestockt werden. Damit will die Koalition den Anteil umweltfreundlicher Anlagen, die aus Gas Strom und Wärme erzeugen (KWK), erhöhen. Auch war geplant, dass Immobilienbesitzer staatliche Anreize zum Austausch alter Heizungspumpen erhalten. Um die Finanzierung zu klären, hatte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an der Spitzenrunde teilgenommen.

Mit ihrem Maßnahmenpaket glaubt die Koalition fest daran, ihr Klimaversprechen einzuhalten: «Deutschland wird das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Bezugsjahr 1990 zu reduzieren, erreichen», hieß es aus Regierungskreisen. Für Kanzlerin Merkel wäre es eine Blamage gewesen, wenn Deutschland vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris die eigenen Ziele verfehlt hätte.

Greenpeace kritisierte den Verzicht auf die Kohle-Abgabe scharf. «Angela Merkel hat ihr Klimaversprechen von Elmau gebrochen», sagte Experte Tobias Münchmeyer der dpa. Statt wie beim G7-Gipfel angekündigt den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten, lasse die Kanzlerin alle Träume der Kraftwerksbetreiber wahr werden: «Sie müssen weniger CO2 sparen und bekommen dafür auch noch Millionen zugesteckt.» So sieht es auch die Energie-Expertin der Linken, Eva Bulling-Schröter: «Gabriel muss sein kluges Konzept des Klimabeitrags zu Grabe tragen. Stattdessen vergoldet die Bundesregierung die Stilllegung einer Hand voll Dreckschleudern von RWE, Vattenfall und Mibra.»

Do, 2015-07-02 10:14
London (dpa)

Shell-Chef erwartet wieder steigende Ölpreise

London (dpa) - Öl wird nach Einschätzung des britisch-niederländischen Rohstoffriesen Shell langfristig wieder teurer. Der heftige Preiseinbruch vor rund einem halben Jahr werde Spuren bei der Förderung von Schieferöl in den USA hinterlassen, sagte Konzernchef Ben van Beurden der «Financial Times» (Donnerstag). Neue Investitionen seien schwerer zu rechtfertigen - vor allem, wenn die derzeitigen US-Projekte auslaufen. Sollte sich die auf dem Weltmarkt verfügbare Ölmenge verknappen, dürften die Preise steigen.

Saudi-Arabien hat dem Shell-Chef zufolge Ende 2014 deutlich gemacht, dass es auf dem Ölmarkt seine Vormachtstellung behaupten wolle. Der Golfstaat setzte im Opec-Kartell durch, die Förderung trotz des Preisverfalls nicht zu drosseln. Dadurch beschleunigte sich die Talfahrt bei den Preisen und machte viele US-Projekte unrentabel.

In den Vereinigten Staaten hatte sich zuvor ein Boom bei der Förderung von Öl aus sogenannten unkonventionellen Quellen wie etwa Schiefergestein entwickelt. Dies ist allerdings viel teurer als die klassische Ölförderung und lohnt sich daher nur bei höheren Preisen.

«Ich glaube, die Saudis haben den Schieferölfirmen und deren Geldgebern recht erfolgreich deutlich gemacht, dass es weiter Preisrisiken gibt», sagte van Beurden. «Das wird die Industrie nicht so schnell vergessen.» Shell ist nach Einschätzung einiger Investoren dringend selbst auf höhere Ölpreise angewiesen. Der Konzern hatte im April die Übernahme des britischen Gasförderers BG Group für 55 Milliarden US-Dollar angekündigt.

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Erschienen in Ausgabe 2.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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