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rüstung / 31.Aug 2015

Kontrolle ohne Durchblick

Dass die erste Vertragsstaatenkonferenz zum UN-Abkommen über den Waffenhandel überhaupt stattgefunden hat, ist ein Erfolg. Allerdings konnten sich die Staaten nicht auf eine vollständige Offenlegung ihrer Waffenlieferungen einigen.

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der Woche
Mo, 2015-08-31 17:15
Washington (dpa)

Obama reist nach Alaska ab - Klimawandel ist Hauptthema

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama ist am Montag nach Alaska aufgebrochen. Hauptthema seiner dreitägigen Reise wird der Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen sein. Zum Auftakt wollte Obama bei einer großen Konferenz in Anchorage eine Rede halten, in der weitere Grundzüge seiner Klimapolitik erwartet wurden.

Ende des Jahres treffen sich in Paris zahlreiche Staats- und Regierungschefs zu einer entscheidenden Klimakonferenz.

Obama besucht in den kommenden Tagen auch die Städte Seward, Dillingham und Kotzebue sowie einen Gletscher. Nach Angaben des Weißen Hauses kosten Erosion und ein Anstieg des Meeresspiegels Alaska an seiner nördlichsten Ausprägung Tag für Tag Land in der Größe eines Fußballfeldes.

Greenpeace begrüßte die Obama-Reise grundsätzlich. «Wir begrüßen es, dass Präsident Obama die Auswirkungen des Klimawandels, die in der Arktis besonders drastisch sind, in den Mittelpunkt seiner Arbeit rückt. Aber er kann nicht auf der einen Seite darüber sprechen, wie wichtig und dringend der Klimaschutz ist, und gleichzeitig Shell die Erlaubnis geben, im Arktischen Ozean nach Öl zu suchen», teilte die Umweltschutzorganisation mit.

Mo, 2015-08-31 17:20
Berlin (dpa)

Merkels Mut-Rede: «Wir schaffen das» Von Kristina Dunz, dpa

Hunderttausende Flüchtlinge drängen nach Deutschland. Vielen macht das Angst. Die Kanzlerin ist über Anfeindungen entsetzt - für sie ist der Zustrom ein Kompliment an die vereinte Republik.

Berlin (dpa) - Diesmal gibt die Kanzlerin ihre Zurückhaltung auf. Sie lässt keinen Spielraum für Interpretationen. Angela Merkel schärft der Bevölkerung ein, was die Flüchtlingskrise für das eigene Land bedeutet: die Pflicht zur Hilfe, das Verbot der Anfeindung, die Notwendigkeit der Flexibilität und die Chance auf Neues.

Bei ihrer politischen Bilanzpressekonferenz, die sie einmal im Jahr in Berlin vor Hunderten Journalisten gibt, beschreibt Merkel am Montag die Ankunft von vermutlich 800 000 Flüchtlingen in diesem Jahr schlicht als das, was es ist: «eine große nationale Aufgabe». Selbstbewusst und bestimmt sagt sie: «Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.»

Wenn es ganz schlimm kommt, zeigt die Kanzlerin und CDU-Chefin, wie sie führen kann. So war es bei der Bankenkrise, und so war es beim Atomausstieg. Lange hat sie in der Flüchtlingsdebatte geschwiegen. Beim Besuch des von Rechtsextremisten angegriffenen Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau in der vorigen Woche blieb Merkel für viele hinter den Erwartungen an klare Worte zurück. Da sagte sie, dass es keine Toleranz gegenüber Menschen geben dürfe, die die Würde der anderen missachteten.

Nun spricht Merkel Klartext. Sie verurteilt die «Hetzer» und macht den Helfern - «den vielen guten Bürgern» - Mut. Überhaupt will sie Zuversicht verbreiten, dass das starke, reiche Deutschland dieser großen Herausforderung gewachsen ist - und das mit der gestiegenen Verantwortung in der Welt nach der Wiedervereinigung auch leisten muss. Das Besondere an diesem Auftritt ist, dass Merkel ganz anders als sonst Gefühl zeigt und drastisch formuliert.

Sie spricht von «unfassbaren Gräueln» in Ländern wie Syrien, von «skrupellosen Schleppern», die Flüchtlinge «zugrunde richten», von persönlichen «Katastrophen». Um den Deutschen ihren Wohlstand, ihre Sicherheit und womöglich ihre zum Teil auch gedankliche Trägheit klar zu machen, sagt sie: «Das geschieht, während wir in sehr geordneten Verhältnissen leben.» Und sie traut sich zu sagen, dass die meisten hiesigen Bürger eine Erschöpfung wie die der Flüchtlinge noch nie erlebt haben - «die uns zusammenbrechen lassen würde». Damit fordert sie Demut vor dem Leid der anderen.

Sie macht die Flüchtlingskrise zum Hauptthema. Das dramatische Ringen um die finanzielle Rettung Griechenlands, der gefährlich stockende Friedensprozess in der Ukraine und ein mögliches erneutes Treffen mit den Präsidenten Russlands, Frankreichs und der Ukraine spielen an diesem Tag bei allem Gewicht insgesamt eine untergeordnete Rolle.

Während Merkel in Berlin Partei für Kriegsflüchtlinge ergreift und Engagement und Offenherzigkeit von Menschen in Deutschland herausstellt, kommen zeitgleich wieder Hunderte, wenn nicht Tausende in das Land. Merkel versucht, Anerkennung für das eigene Land zu vermitteln: «Das stellt uns nicht das schlechteste Zeugnis aus.» Deutschland habe das, wovon viele Menschen im Krieg träumten: Bürgerrechte, Freiheit, ein geordnetes Zusammenleben. «Die Welt sieht uns als Land der Chancen. Das war nicht immer so.»

Einst war Deutschland das Land des Verderbens. Dass es sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Demokratie und Wirtschaftsmacht entwickeln konnte, hat es vielen anderen Ländern zu verdanken. An Neonazis, Rechtsextreme und Rassisten in Deutschland sendet Merkel eine unmissverständliche Botschaft - deutlicher als in all den Monaten zuvor, als viele Bürger von der Kanzlerin «klare Kante» verlangten. Nun spricht auch sie wie der Bundespräsident von Hetzern. «Nicht die Spur von Verständnis» zeigt sie für diese Fremdenfeinde: «Keine biografische Erfahrung, kein historisches Erlebnis, nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt ein solches Vorgehen.»

Als Regierungschefin für das ganze Land, aufgewachsen in der DDR, wehrt sie aber alles ab, was nach einer besonderen Schwäche Ostdeutschlands aussehen könne. «Wir sind ein Land», betont die 61-Jährige. In Ost und West will sie es nicht aufteilen und «daraus keinen Ost-West-Konflikt machen.»

Sie will aber mit den Rechten in Sachsen, von denen sie bei ihrem Besuch der Flüchtlingsunterkunft in der Kleinstadt Heidenau auf das Unflätigste angepöbelt wurde, auch nicht in Kontakt kommen. «Ich habe nicht das dringende Bedürfnis, in eine Diskussion einzutreten.» Es gehöre eben dazu, dass man als Politiker auch mal beschimpft werde. «Das ficht mich nicht weiter an.» Sorgen mache ihr der Hass und die Kälte in den Herzen mancher Menschen. Sie mahnt die Bürger: «Halten Sie Abstand.»

Mo, 2015-08-31 17:25
Berlin (dpa)

Kipping zu Fremdenhass: Schuld nicht der DDR in die Schuhe schieben

Berlin (dpa) - Linke-Chefin Katja Kipping hat davor gewarnt, Rassismus und Rechtsextremismus als vorwiegend ostdeutsche Phänomene anzusehen. «Das ist am Ende doch wieder ein Versuch, das alleine irgendwie der DDR in die Schuhe zu schieben», sagte die Dresdnerin am Montag vor Journalisten in Berlin. Bei der Analyse des Problems sollten stattdessen Faktoren wie Armut, Erwerbslosigkeit oder Abstiegsangst berücksichtigt werden.

«Dummheit und Rassismus haben keine feste Adresse, aber natürlich Gründe», sagte Kipping. Zu diesen Gründen gehöre, dass die CDU-geführte Regierung in Sachsen jahrzehntelang die sich abzeichnende Braune Gefahr verharmlost habe.

Am Wochenende hatten bereits Ministerpräsidenten aus dem Osten davor gewarnt, Fremdenhass als alleiniges Problem der neuen Länder abzutun. Laut Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr fast 40 Prozent der rechten Gewalttaten im Osten registriert, und das bei einem Bevölkerungsanteil von weniger als 20 Prozent. Die Aussagekraft der Statistiken ist allerdings umstritten. Kritiker beklagen, viele rechtsextreme Straftaten tauchten dort gar nicht auf, weil die Polizei den eigentlichen Hintergrund nicht richtig erfasse.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Mo, 2015-08-31 17:03
Berlin (dpa)

Merkels Mut-Rede: «Wir schaffen das» Von Kristina Dunz, dpa

Hunderttausende Flüchtlinge drängen nach Deutschland. Vielen macht das Angst. Die Kanzlerin ist über Anfeindungen entsetzt - für sie ist der Zustrom ein Kompliment an die vereinte Republik.

Berlin (dpa) - Diesmal gibt die Kanzlerin ihre Zurückhaltung auf. Sie lässt keinen Spielraum für Interpretationen. Angela Merkel schärft der Bevölkerung ein, was die Flüchtlingskrise für das eigene Land bedeutet: die Pflicht zur Hilfe, das Verbot der Anfeindung, die Notwendigkeit der Flexibilität und die Chance auf Neues.

Bei ihrer politischen Bilanzpressekonferenz, die sie einmal im Jahr in Berlin vor Hunderten Journalisten gibt, beschreibt Merkel am Montag die Ankunft von vermutlich 800 000 Flüchtlingen in diesem Jahr schlicht als das, was es ist: «eine große nationale Aufgabe». Selbstbewusst und bestimmt sagt sie: «Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.»

Wenn es ganz schlimm kommt, zeigt die Kanzlerin und CDU-Chefin, wie sie führen kann. So war es bei der Bankenkrise, und so war es beim Atomausstieg. Lange hat sie in der Flüchtlingsdebatte geschwiegen. Beim Besuch des von Rechtsextremisten angegriffenen Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau in der vorigen Woche blieb Merkel für viele hinter den Erwartungen an klare Worte zurück. Da sagte sie, dass es keine Toleranz gegenüber Menschen geben dürfe, die die Würde der anderen missachteten.

Nun spricht Merkel Klartext. Sie verurteilt die «Hetzer» und macht den Helfern - «den vielen guten Bürgern» - Mut. Überhaupt will sie Zuversicht verbreiten, dass das starke, reiche Deutschland dieser großen Herausforderung gewachsen ist - und das mit der gestiegenen Verantwortung in der Welt nach der Wiedervereinigung auch leisten muss. Das Besondere an diesem Auftritt ist, dass Merkel ganz anders als sonst Gefühl zeigt und drastisch formuliert.

Sie spricht von «unfassbaren Gräueln» in Ländern wie Syrien, von «skrupellosen Schleppern», die Flüchtlinge «zugrunde richten», von persönlichen «Katastrophen». Um den Deutschen ihren Wohlstand, ihre Sicherheit und womöglich ihre zum Teil auch gedankliche Trägheit klar zu machen, sagt sie: «Das geschieht, während wir in sehr geordneten Verhältnissen leben.» Und sie traut sich zu sagen, dass meisten hiesigen Bürger eine Erschöpfung wie die der Flüchtlinge noch nie erlebt haben - «die uns zusammenbrechen lassen würde». Damit fordert sie Demut vor dem Leid der anderen.

Sie macht die Flüchtlingskrise zum Hauptthema. Das dramatische Ringen um die finanzielle Rettung Griechenlands, der gefährlich stockende Friedensprozess in der Ukraine und ein mögliches erneutes Treffen mit den Präsidenten Russlands, Frankreichs und der Ukraine spielen an diesem Tag bei allem Gewicht insgesamt eine untergeordnete Rolle.

Während Merkel in Berlin Partei für Kriegsflüchtlinge ergreift und Engagement und Offenherzigkeit von Menschen in Deutschland herausstellt, kommen zeitgleich wieder Hunderte, wenn nicht Tausende in das Land. Merkel versucht, Anerkennung für das eigene Land zu vermitteln: «Das stellt uns nicht das schlechteste Zeugnis aus.» Deutschland habe das, wovon viele Menschen im Krieg träumten: Bürgerrechte, Freiheit, ein geordnetes Zusammenleben. «Die Welt sieht uns als Land der Chancen. Das war nicht immer so.»

Einst war Deutschland das Land des Verderbens. Dass es sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Demokratie und Wirtschaftsmacht entwickeln konnte, hat es vielen anderen Ländern zu verdanken. An Neonazis, Rechtsextreme und Rassisten in Deutschland sendet Merkel eine unmissverständliche Botschaft - deutlicher als in all den Monaten zuvor, als viele Bürger von der Kanzlerin «klare Kante» verlangten. Nun spricht auch sie wie der Bundespräsident von Hetzern. «Nicht die Spur von Verständnis» zeigt sie für diese Fremdenfeinde: «Keine biografische Erfahrung, kein historisches Erlebnis, nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt ein solches Vorgehen.»

Als Regierungschefin für das ganze Land, aufgewachsen in der DDR, wehrt sie aber alles ab, was nach einer besonderen Schwäche Ostdeutschlands aussehen könne. «Wir sind ein Land», betont die 61-Jährige. In Ost und West will sie es nicht aufteilen und «daraus keinen Ost-West-Konflikt machen.»

Sie will aber mit den Rechten in Sachsen, von denen sie bei ihrem Besuch der Flüchtlingsunterkunft in der Kleinstadt Heidenau auf das Unflätigste angepöbelt wurde, auch nicht in Kontakt kommen. «Ich habe nicht das dringende Bedürfnis, in eine Diskussion einzutreten.» Es gehöre eben dazu, dass man als Politiker auch mal beschimpft werde. «Das ficht mich nicht weiter an.» Sorgen mache ihr der Hass und die Kälte in den Herzen mancher Menschen. Sie mahnt: «Halten sie Abstand.»

Mo, 2015-08-31 17:24
Kiew/Moskau (dpa)

«Akt des Terrors» - Radikale Ukrainer wollen Friedensprozess sprengen Von Andreas Stein und Ulf Mauder, dpa

Auch auf Druck des Westens soll die vom Krieg im Donbass gebeutelte Ukraine eine neue Verfassung erhalten. Doch Gegner einer solchen Reform gibt es viele. Bei Protesten radikaler Ultranationalisten kam es nun zu neuer blutiger Gewalt in der Hauptstadt Kiew.

Kiew/Moskau (dpa) - Ein neues Blutvergießen im Zentrum der Hauptstadt Kiew erschüttert die krisengeschüttelte Ukraine. Es sind die schlimmsten Gewaltexzesse seit den prowestlichen Protesten auf dem Maidan in Kiew im vorigen Jahr. Es sind radikale Ultranationalisten, die gegen eine Reform der Verfassung des in die Nato und in die EU strebenden Landes sind. Der Tag begann früh mit Tumulten von Abgeordneten im Parlament gegen die geplante Änderung des Grundgesetzes. Die Reform soll den Weg freimachen für mehr Autonomie in den abtrünnigen Gebieten Donezk und Luhansk - den möglichen Weg zu Frieden im Kriegsgebiet Donbass.

Ultranationalisten werfen nach der Sitzung vor der Obersten Rada einen Sprengsatz. Von einer Granate sprechen Ermittler und einem «Akt des Terrors». Auch von Schüssen ist die Rede. Mehr als 100 Menschen, vor allem Angehörige der Nationalgarde, werden verletzt. Ein 25-Jähriger stirbt. Es ist der Tag, von dem Präsident Petro Poroschenko wusste, dass er hart werden würde. Zum ersten Mal organisierten Extremisten von Swoboda, der Radikalen Partei, und vom Rechten Sektor einen solch scharfen Protest.

Bei der chaotischen Sitzung in der Obersten Rada wird am Morgen schnell klar, dass es alles andere als Einigkeit über das Grundgesetz gibt. Es ist vor allem ein Satz in dem Entwurf, der für Zündstoff sorgt, weil er den abtrünnigen Gebieten Luhansk und Donezk über den Umweg eines eigenen Gesetzes einen Sonderstatus zuerkennen soll. Sonderrechte für den Donbass - so sieht es auch der im Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarte Friedensplan für das Kriegsgebiet vor.

Zwar wiederholt Staatschef Poroschenko bei jeder Gelegenheit, dass die neue Verfassung keineswegs - wie von vielen befürchtet - dem Konfliktgebiet einen Sonderstatus garantiere. Es gehe auch nicht um die von Russland befürwortete Föderalisierung des Landes. Doch die Gegner des Entwurfs sehen das anders. Sie sehen mit der Novelle Tür und Tor geöffnet für weitgehende Autonomierechte - gemeint sind etwa eigene Gerichte und Sicherheitsorgane.

Die Radikale Partei des Rechtspopulisten Oleg Ljaschko warnt vor der Gefahr, dass andere Regionen dem Donbass-Beispiel folgen könnten. Das Ergebnis wäre ein von vielen befürchtetes Auseinanderbrechen der Ukraine. Die Radikalen werfen Poroschenko zudem vor, mit der Verfassungsreform direkt Kremlchef Wladimir Putin in die Hände zu spielen. Der Rechte Sektor, der eine militärische Lösung des Konflikts im Donbass fordert, wittert «Verrat».

Dass Ängste vor einem Zerfall der Ex-Sowjetrepublik nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen die jüngsten Forderungen aus dem Gebiet Saporischschja, wo Abgeordnete ebenfalls einen Sonderstatus mit mehr Selbstverwaltungsrechten fordern. Gegner der neuen Verfassung meinen, dass künftig Dutzende kleine Autonomiegebiete entstehen könnten.

Zwar hatten auch die Separatisten im Donbass und Russland die Verfassungsreform als unzureichend abgelehnt. Sie forderten für eine solche Novelle des Grundgesetzes zudem einen direkten Dialog mit der Führung in Kiew. Aber die neuen Gewaltexzesse in Kiew dürften einmal mehr auch ihren Vorwürfen Auftrieb geben, dass die vom Westen unterstützte Regierung die Lage im Land nicht unter Kontrolle habe und den blutigen Konflikt nicht beenden könne.

Der prominente russische Außenpolitiker Alexej Puschkow ätzte dann mit Blick auf das Blutvergießen prompt, dass Poroschenko sowie seine Mannschaft mit Regierungschef Arseni Jazenjuk jetzt Opfer der eigenen Revolution im vergangenen Jahr würden. Sie seien erst durch radikale Kräfte an die Macht gekommen, hätten selbst einen radikalen Nationalismus in der Ukraine befeuert und würden nun mit diesen Kräften nicht fertig.

Die Ultranationalisten gaben der Führung in Kiew die Schuld an dem «Terrorakt». «Eben die Regierung provozierte gemeinsam mit dem prorussischen ukrainischen Oppositionsblock den Protest», teilte die in der Westukraine verankerte Partei Swoboda mit. Die Verfassung sei faktisch eine «Kapitulation vor dem Kreml». Wann die Rada zu ihrer entscheidenden zweiten Lesung über das umstrittene Grundgesetz zusammenkommt, war aber am Montag offen.

Mo, 2015-08-31 17:36
Berlin (dpa)

Berlin und Paris uneins über Vorgehen gegen Milchpreisverfall

Frankreich will eine kurzfristige Intervention, um den europäischen Milchmarkt zu stabilisieren. Minister Schmidt ist gegen einen solchen Schritt. Belgien hat inzwischen reagiert.

Berlin (dpa) - Deutschland, Frankreich und Polen sind sich uneinig, mit welchen Maßnahmen sie gegen den derzeitigen Milchpreisverfall in Europa vorgehen sollen. Nach einem Treffen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen, Stéphane Le Foll und Marek Sawicki, am Montag in Berlin wurde deutlich, dass Frankreich eine Intervention am Markt anstrebt. Schmidt lehnt dies ab. Ein solcher kurzfristiger Eingriff in den Markt könnte zulasten der deutschen Milchbauern gehen, so die Befürchtung.

Die belgischen Bauern sollen indessen für die nächsten sechs Monate für Milch und Schweinefleisch Hilfen bekommen. Darauf hatten sich Vertreter von Bauern, Nahrungsmittelindustrie und Handel nach wochenlangen Verhandlungen verständigt. Danach sollen Bauern pro Liter Milch etwa 2,7 Cent mehr bekommen. Für Milcherzeuger machten die Hilfen insgesamt 46 Millionen Euro aus, für Schweinefleischerzeuger 30 Millionen Euro. Agrarminister Willy Borsus nannte den Kompromiss historisch.

Da die Produktionskosten in Deutschland höher sind als in den meisten anderen europäischen Ländern, könnte ein aus Sicht der deutschen Erzeuger zu geringer Interventionspreis in Europa die Produktion in andern Ländern ankurbeln, während sie in Deutschland stagniere. Dies könnte wiederum einen Preisverfall provozieren. Schmidt sagte, Europas Landwirtschaft sollte in der jetzigen Situation keinesfalls die Produktion hochfahren.

Das Treffen im Weimarer-Dreieck-Format in Berlin diente der Vorbereitung des EU-Agrarministertreffens am kommenden Montag (7. September) in Brüssel. Bis dahin streben die drei Länder eine einheitliche Position an. Man wolle bei dem Treffen konkrete Ergebnisse erzielen, betonten die Minister.

Le Foll und Sawicki machten die Ursache der Krise vor allem im Embargo gegen Russland aus sowie in der rückläufigen Nachfrage aus China. Beobachter gehen davon aus, dass nach dem Auslaufen der Milchquote im Frühjahr jetzt eine Marktbereinigung stattfindet. Die Milchkrise 2008/2009 sei mit Quote größer gewesen als die heutige.

Schmidt rechnet mit einer befristeten Krise. «Zurück zu einer staatlich regulierten Produktion wollen wir nicht.» Er sieht vor allem in einer befristeten Lagerhaltung sowie in einer Exportförderung und vorgezogenen Direktzahlungen an die Bauern - unter anderem für Natur- und Umweltschutz - Möglichkeiten, die Krise kurzfristig und maßvoll zu beeinflussen. Als Förderexportregionen sind unter anderem Südamerika und der Iran im Gespräch, nicht der afrikanische Kontinent.

Der Minister beklagte einen Preiswettkampf der Discounter zulasten der Milch-Erzeuger. Molkereien und Handel sollten sich - auch mit Blick auf die Erzeuger - «vernünftig verständigen». Allerdings gebe es in Deutschland einen Discounter, der seine Preise nicht weiter senken wolle. Dies sei auch nicht nötig. Denn die stabilen Preise auf dem Bio- und Ökomarkt zeigten, das es derzeit kein Nachfrage-, sondern ein Preiswettkampfproblem gebe.

Vor dem Landwirtschaftsministerium protestierten einige Milchbauern gegen die derzeitige Preispolitik. Nach weiteren Protesten in zahlreichen deutschen Städten treffen sich Milchbauern aus ganz Deutschland an diesem Dienstag zu einer Abschlusskundgebung in München. «Die Bauern sind schon heiß auf die Aktion», sagte der Präsident der Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, der Deutschen Presse-Agentur. Unterstützung für die Milchbauern kam vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). «Die Bauern brauchen faire Preise, sonst geht das Höfesterben weiter, und die Tiere werden in immer größeren Ställen konzentriert», sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. «Solche Fehlentwicklungen wirken sich negativ auf die Umwelt und den Tierschutz aus.»

Mo, 2015-08-31 17:36
Nürnberg (dpa)

Großer Leguan in Nürnberg entlaufen - Chamäleon ausgesetzt

Mit gleich zwei Reptilien hat es die Polizei in Nürnberg zu tun: Ein riesiger Leguan entfloh seinem Besitzer. Und ein kleines Chamäleon wurde samt Terrarium ausgesetzt.

Nürnberg (dpa) - Ein großer Leguan streunt derzeit durch Nürnberg. Das 1,60 Meter lange Reptil ist seinem Besitzer am Freitag entlaufen, teilte die Polizei am Montag mit. Das Leguan-Weibchen «Lucy» hat einen rostig-braunen Körper und grüne Füße, wie ihr Besitzer berichtete. Wegen eines wichtigen Anrufs sei er abgelenkt gewesen und habe vergessen, die Tür des großen Terrariums zu schließen. So habe die etwa 15 Jahre alte Leguan-Dame über die offene Terrassentür entkommen können.

Das Tier sei grundsätzlich ungefährlich, da es sich als Vegetarier in erster Linie von Salat und Löwenzahn ernähre. «Lucy» fresse etwa einen Kopfsalat am Tag und habe eine Vorliebe für rote Paprika und Tomaten, sagte ihr 60 Jahre alter Besitzer.

Außer «Lucy» besitzt er einen weiteren Leguan, ein etwa 1,30 Meter großes Männchen. Da die Tiere auf Bäumen schlafen, könnte ein Blick nach oben bei der Suche nach «Lucy» nützlich sein. Ein wenig Vorsicht bei einer eventuellen Begegnung ist aber angebracht, denn der Leguan hat messescharfe Krallen. Bis zum ersten Frost könnte das Tier auch in freier Wildbahn überleben. «Lucys» Herrchen hofft jedoch, das Reptil schnell wiederzufinden.

Neben «Lucy» musste sich die Nürnberger Polizei am Montag auch noch um ein ausgesetztes Chamäleon kümmern. Das etwa 20 Zentimeter lange Tier wurde in seinem Terrarium auf dem Parkplatz des Nürnberger Südklinikums abgestellt. Ein Autofahrer fuhr gegen das Glasbehältnis und beschädigte es leicht. Das Tier scheint die Karambolage jedoch unbeschadet überstanden zu haben und kam ins Nürnberger Tierheim.

Mo, 2015-08-31 17:30
Berlin (dpa)

Weitere Schlappe für Berliner Senat bei geplanter Gas-Verstaatlichung

Berlin (dpa) - Im juristischen Tauziehen um die geplante Verstaatlichung des Berliner Gasnetzes muss das Land eine weitere Schlappe einstecken. Wie zuvor das Landgericht zweifelt jetzt das Kammergericht Berlin an der Rechtsfähigkeit des Landesunternehmens Berlin Energie. Dieses wollte die Finanzverwaltung nach einer Ausschreibung mit dem Netzbetrieb beauftragen.

Berlin Energie sei «ein nicht rechtsfähiges Werkzeug mit begrenzter Aufgabenstellung und kaum eigenständiger wirtschaftlicher Tätigkeit mit bloßer «Platzhalterfunktion»», teilte das Gericht am Montag mit. Der Landesbetrieb darf sich deshalb nicht an dem Gerichtsverfahren beteiligen.

Mit ähnlicher Argumentation hatte das Landgericht im vergangenen Dezember die Vergabe der Gaskonzession an Berlin Energie gestoppt. Das Land Berlin wie auch der bisherige Betreiber Gasag gingen damals in Berufung. In der Hauptsache haben die Richter noch nicht entschieden.

Berlin Energie will nicht nur das Gasnetz, sondern auch das Stromnetz der Hauptstadt übernehmen. Das Verfahren zum Stromnetz hat Berlin erstmal auf Eis gelegt.

Mo, 2015-08-31 16:13
Calais (dpa)

Hardliner Valls bei Flüchtlingen im «neuen Dschungel» von Calais Von Gerd Roth, dpa

Seit Jahren campieren Flüchtlinge in Calais. Sie wollen nach Großbritannien, hoffen dort auf bessere Chancen. Im «neuen Dschungel» von Calais will Paris mehr helfen - und zeigt Härte gegen Schleuser.

Calais (dpa) - Die Nächte können hier kalt sein, auch im August. Calais liegt direkt am Meer, Kanal, Nordfrankreich. Für Tausende Flüchtlinge ist das bitterkalt. Sie kommen aus Darfur oder Afghanistan, Eritrea oder dem Sudan.

Die am häufigsten geschätzte Zahl ist 3000. So viele Migranten sollen in Calais ausharren. Das Problem ist seit Jahren bekannt: Die Flüchtlinge hoffen darauf, irgendwie illegal nach Großbritannien zu kommen. Auf einem der Lastwagen, mit einem der Züge, die hier für die 50 Tunnelkilometer nach Großbritannien abgefertigt werden. Manche zahlen für den riskanten Weg unter dem Kanal hindurch mit dem Leben.

In Großbritannien vermuten viele Flüchtlinge einfachere Bedingungen. Einige haben dort Verwandte, andere sprechen nur Englisch. Deswegen stellen sie keinen Asylantrag in Frankreich, obwohl sie nach Ansicht des französischen Innenministeriums gute Chancen auf Anerkennung hätten - und bessere Möglichkeiten für eine Unterkunft als in Calais.

Dort ist der «neue Dschungel» entstanden. Ein Gelände, auf dem zuvor verstreute Camps zusammengefasst wurden. Hilfsorganisationen fordern immer wieder mehr Unterstützung. Es fehlt an Zelten, Kleidung, Nahrungsmitteln. Gelegenheit um zu duschen oder vielleicht etwas zu essen, gab es bisher nur in einem Tageszentrum, das abends geschlossen wird - bis auf wenige Plätze für Frauen.

EU-Kommissar Frans Timmermans und Frankreichs Premierminister Manuel Valls haben bei ihrem Besuch in Calais am Montag Aussicht auf eine kleine Verbesserung der gespannten Lage mitgebracht. Mit gut fünf Millionen Euro aus Brüssel soll bis Anfang 2016 ein etwas festeres Lager entstehen, mit Platz für 1500 Menschen in Zelten für jeweils zwölf Personen.

Valls gilt vielen in Frankreich als Hardliner, ein Rechter unter den regierenden Sozialisten. Auch in Calais lässt er am Montag keine Zweifel daran, dass er konsequent gegen Schleuser und illegale Einwanderung vorgehen will.

Die Arbeit der Sicherheitskräfte unterstützt der frühere Innenminister demonstrativ. Schon tausendfach haben Polizisten in diesem Jahr Flüchtlinge von Lastwagen geholt. Praktisch jede Nacht versuchen Migranten, die immer stärker werdenden Zäune zu überwinden, um einen der Lastwagen zu erwischen. Die Betreibergesellschaft hat bis zu 2000 Versuche in einer Nacht gezählt.

Briten und Franzosen sollen künftig mit einer gemeinsamen Einsatzzentrale effektiver arbeiten können. Die britische Grenze wird faktisch in Nordfrankreich bewacht. Kontrollen finden bereits in Calais statt. Grundlage ist ein Vertrag aus 2003, der schon engere Zusammenarbeit gegen Schleuser und illegale Einwanderung vorsah.

Die Polizei sieht sich allerdings schlecht gerüstet, Transportverbände bemängeln die Lage für Fahrer. Der Branchenverband FNTR spricht von Umsätzen, die um 30 bis 50 Prozent gesunken seien. Zudem würden Fahrzeuge und Waren beschädigt, es gebe Aggressionen gegen Fahrer. In Großbritannien drohen Verfahren wegen Schlepperei. Pro Migrant, der auf oder in einem Lastwagen gefunden wird, können bis zu 2900 Euro fällig werden.

Verschärft wird die Lage für viele Lastwagenfahrer durch einen seit Wochen brodelnden Konflikt im Hafen von Calais: Seeleute des Fährdienstes MyFerryLink widersetzen sich Plänen des Tunnelbetreibers Eurotunnel, zwei Fährschiffe an einen dänischen Wettbewerber abzutreten. Streik und Blockaden führten auf beiden Seiten des Tunnels schon zu Verkehrschaos. Auch in der Nacht zu Montag war der Hafen von Calais wieder zeitweise blockiert.

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-08-31 16:47
Berlin/Dresden (dpa)

Wie braun ist der Osten? Von Christiane Jacke und Martin Fischer, dpa

Berlin/Dresden (dpa) - Ministerpräsidenten aus dem Osten warnen davor, Fremdenhass als alleiniges Problem der neuen Länder abzutun. Aber was sagen die Zahlen: Ist der Osten fremdenfeindlicher als der Westen?

Ein Blick in die Kriminalstatistik: Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 17 000 rechtsmotivierte Straftaten registriert. Vor allem die Zahl der rechten Gewalttaten stieg rasant - gegenüber dem Vorjahr um fast 23 Prozent auf 1029 Delikte. 409 davon wurden in Ostdeutschland gezählt - das ist ein Anteil von fast 40 Prozent.

Auch bei der Zahl der rassistischen Gewalttaten lag der Osten weit vorne. Jede zweite (61 von bundesweit 130) dieser explizit fremdenfeindlich motivierten Taten wurde dort verübt. Dabei stellen die Ost-Länder weniger als 20 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung. Rechte Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte wurden im ersten Halbjahr 2015 ebenfalls zu mehr als 40 Prozent im Osten registriert.

Die Aussagekraft der Kriminalstatistiken ist allerdings umstritten. Kritiker beklagen, viele rechtsextreme Straftaten tauchten dort gar nicht auf, weil die Polizei den eigentlichen Hintergrund nicht richtig erfasse. Unabhängige Stellen kommen auf höhere Fallzahlen.

Und wie sieht es in den Köpfen aus - gibt es hier Unterschiede zwischen Ost und West? Forscher untersuchen seit Jahren in regelmäßiger Folge, wie weit rechtsextreme Einstellungen in der Gesellschaft verbreitet sind. Offensive rechte Positionen finden demnach immer weniger Zustimmung. Was zunimmt, sind aber Ressentiments gegenüber bestimmten Gruppen wie Asylbewerbern. Die Wissenschaftler haben auch die regionale Ausprägung rechter Positionen ausgewertet. Ein Ergebnis: Ausländerfeindliche Einstellungen gibt es überall, am ausgeprägtesten aber im Osten.

Wie profitieren rechte Parteien davon? Die rechtsextreme NPD - zwischenzeitlich fast in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - konnte nach der Wende wieder zulegen und vor allem im Osten Fuß fassen. 2004 zog sie in Sachsen erstmals seit 1968 wieder in ein Landesparlament ein. Schon fünf Jahre zuvor war das der rechtsextremen DVU in Brandenburg gelungen. Heute ist die NPD nur noch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertreten. In Städten und Kommunen ist sie aber noch vielerorts verankert, allerdings mit regional großen Unterschieden.

Die AfD, die bei den Landtagswahlen im vergangenen Jahr im Osten ebenfalls mit nationalen und teils rechtspopulistischen Themen um Stimmen warb, schaffte in Sachsen mit 9,7 Prozent erstmals den Sprung in ein deutsches Landesparlament. Thüringen und Brandenburg folgten kurze Zeit später mit 10,6 beziehungsweise 12,2 Prozent.

Eine sächsische Besonderheit ist Pegida. Auch wenn es um die selbst ernannten «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» in den vergangenen Monaten ruhiger geworden ist, nahm die Teilnehmerzahl bei den montäglichen Demonstrationen in Dresden zuletzt wieder zu, auf rund 3000. Bei der Oberbürgermeisterwahl kam die Pegida-Kandidatin auf fast 10 Prozent.

Fazit: Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt sind keineswegs ein rein ostdeutsches Phänomen. Allerdings sind die Probleme im Osten stärker ausgeprägt als in anderen Teilen der Republik.

Mo, 2015-08-31 16:40
Berlin/Dresden (dpa)

Wie braun ist der Osten?

Berlin/Dresden (dpa) - Ministerpräsidenten aus dem Osten warnen davor, Fremdenhass als alleiniges Problem der neuen Länder abzutun. Aber was sagen die Zahlen?

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 17 000 rechtsmotivierte Straftaten registriert. Vor allem die Zahl der rechten Gewalttaten stieg rasant - zum Vorjahr um fast 23 Prozent auf 1029 Delikte. 409 davon wurden in Ostdeutschland gezählt - fast 40 Prozent. Von den explizit fremdenfeindlich motivierten Taten wurde sogar fast jede zweite (61 von bundesweit 130) dort verübt. Die im ersten Halbjahr 2015 registrierten Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte fanden ebenfalls zu mehr als 40 Prozent im Osten statt. Dabei stellen die Ost-Länder weniger als 20 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung.

Forscher untersuchen seit Jahren, wie weit rechtsextreme Einstellungen in der Gesellschaft verbreitet sind. Auch regionale Unterschiede werden ausgewertet. Ein Ergebnis: Ausländerfeindliche Einstellungen gibt es überall, am ausgeprägtesten aber im Osten.

Die rechtsextreme NPD - zwischenzeitlich in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - konnte nach der Wende wieder zulegen und vor allem im Osten Fuß fassen. 2004 zog sie in Sachsen erstmals seit 1968 wieder in ein Landesparlament ein. Schon fünf Jahre zuvor war das der rechtsextremen DVU in Brandenburg gelungen. Heute ist die NPD nur noch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertreten.

Die AfD schaffte in Sachsen mit 9,7 Prozent erstmals den Sprung in ein deutsches Landesparlament. Auch sie hatte mit nationalen und teils rechtspopulistischen Themen geworben. Kurze Zeit später legte sie in Thüringen (10,6 Prozent) und Brandenburg (12,2) noch zu.

Eine Besonderheit im Osten ist auch die Pegida-Bewegung in Dresden. Noch immer gehen die selbst ernannten Patrioten dort montags zu Protesten auf die Straße. Zuletzt waren es 3000.

Fazit: Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt sind keineswegs ein rein ostdeutsches Phänomen. Allerdings sind die Probleme im Osten stärker ausgeprägt als in anderen Teilen der Republik.

Mo, 2015-08-31 16:34
Berlin (dpa)

Grüne fordern Taten der Kanzlerin in Flüchtlingskrise

Berlin (dpa) - Die Grünen fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik auf. Die Parteivorsitzende Simone Peter begrüßte am Montag zwar Merkels «klare Worte» gegen rechtsradikalen Hass. Ihrem Bekenntnis zur humanitären Verantwortung Deutschlands müssten «jetzt aber auch Taten folgen.»

Peter nannte es «enttäuschend und kurzsichtig», dass Merkel in ihrer Sommer-Pressekonferenz ein Einwanderungsgesetz nicht befürworten wollte. «Deutschland braucht ein modernes Einwanderungsrecht - im eigenen Interesse und um Menschen, die zu uns kommen wollen, Perspektiven jenseits des Asylrechts zu eröffnen.»

Die Grünen fordern, dass der Bund einen Großteil der erwarteten Steuermehreinnahmen von fünf Milliarden Euro zur Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Die zugesagte Gesundheitskarte müsse endlich auf den Weg gebracht werden.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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