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Do, 2016-05-26 03:30
Berlin (dpa)

Russland und der Westen kooperieren bei humanitärer Hilfe in Syrien

Berlin (dpa) - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären Hilfe für die syrische Bevölkerung intensiver zusammen, als bisher bekannt. «Die Aufnahme der technisch anspruchsvollen Flüge, bei denen Hilfsgüter aus 6000 Metern Höhe mit Spezialfallschirmen abgeworfen werden, ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Russland und den westlichen Staaten», zitiert die «Rheinische Post» (Donnerstag) aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken. Auf diese Weise würden rund 100 000 Menschen in den von der Terrororganisation Islamischer Staat belagerten Teilen der Stadt Deir es-Zor aus der Luft versorgt. Insgesamt erhielten nach der Regierungsmitteilung 255 000 Menschen in belagerten Gebieten Hilfe.

Dramatisch ist nach Einschätzung der Bundesregierung vor allem die Lage in Aleppo. Dort sollen etwa 300 000 Menschen in Stadtvierteln unmittelbar an den Frontlinien leben. «Diese leiden an mangelhafter Versorgung aufgrund von Luftangriffen und dem Abschneiden von Versorgungswegen durch das Vorrücken der syrischen Armee», lautet die Schilderung des Auswärtigen Amtes. Daneben hätten rund 150 000 Binnenflüchtlinge Schutz im syrisch-türkischen Grenzgebiet gesucht. Nur ein Teil von ihnen sei in Lagern untergekommen. Die Mehrheit lebe unter freiem Himmel und sei von regelmäßiger Versorgung mit Nahrung und Medikamenten abgeschnitten.

Do, 2016-05-26 02:57
Ise-Shima (dpa)

Krisen, Klima, Konjunktur - um diese Themen geht es beim G7-Gipfel Von Andreas Landwehr, dpa

Zwei Tage und eine lange Liste: Es geht um Syrien und die Krim, um Terroristen und Hacker, Flüchtlinge und ihre Schlepper, die schwache Weltwirtschaft und den Klimawandel - ist das überhaupt zu schaffen?

Ise-Shima (dpa) - Die Welt blickt auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen (G7) im japanischen Ise-Shima. Seit Monaten haben Regierungsbeamte und Minister die Beschlüsse und Diskussionen vorbereitet. Darum geht es:

KRISEN: Der Krieg in Syrien und der Konflikt mit Russland über die Ukraine und die Annexion der Krim spielen eine wichtige Rolle. Diskutiert wird eine Verlängerung der Ende Juli auslaufenden europäischen Sanktionen gegen Russland. Kanzlerin Angela Merkel hofft auf Unterstützung bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme in Europa. Auch will die G7 beraten, wie die Fluchtursachen und der Menschenschmuggel bekämpft werden können.

TERRORISMUS: Die G7 will einen Aktionsplan gegen Terrorismus und gewaltsamen Extremismus annehmen. Nach den blutigen Anschlägen von Paris und Brüssel sollen den Terroristen die Finanzströme gekappt und der Zugriff auf Waffen und Ausrüstung verwehrt werden. Auch will die G7 die Bewegungsfreiheit von Kämpfern einschränken. Die Geheimdienste wollen Informationen austauschen und enger kooperieren.

KONJUNKTUR: Ein gemeinsames Vorgehen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft gibt es nicht. Gastgeber Shinzo Abe hätte sich ein globales Konjunktur- und Ausgabenprogramm gewünscht, was die anderen und besonders Deutschland ablehnen. Die G7 plädiert vielmehr für Strukturreformen gekoppelt mit haushalts- und finanzpolitischen Maßnahmen. Angesichts der Aufwertung des Yen, unter der Japans Exporteure leiden, wird vor Währungsinterventionen gewarnt.

KLIMA: Nach der Klimaabkommen von Paris geht es um die Ratifizierung und konkrete Umsetzung der Beschlüsse. Für den geplanten Klimafonds müssen bis 2020 jährlich etwa 90 Milliarden Euro zur Minderung der Treibhausgase und zur Anpassung an den Klimawandel zusammengebracht werden, auf die besonders die Entwicklungsländer hoffen.

MARITIME SICHERHEIT: Mit einer geplanten Erklärung zu den Inselstreitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer wird sich die G7 den Zorn Chinas zuziehen. China streitet mit Japan und anderen Nachbarn über seine Territorialansprüche auf weite Meeresgebiete mit reichen Fisch- und Rohstoffvorkommen, durch die auch wichtige Schifffahrtsstraßen gehen. Indem es Land gewinnt, Einrichtungen und Militäranlagen auf den Inseln baut, verändert China den Status Quo.

INTERNET: Die G7 will energisch gegen Cyber-Aggressoren vorgehen. Angriffe über das Internet sollen mit herkömmlichen bewaffneten Attacken durch ein Land oder Terroristen gleichgesetzt werden. Auch für Internet-Attacken soll das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen gelten. So können sich Staaten auf das Recht zur Selbstverteidigung berufen und gewaltsam gegen Angreifer vorgehen.  

STEUERN: Die Enthüllungen der «Panama Papers» über Steueroasen haben einmal mehr die Bedeutung von Steuergerechtigkeit und Transparenz verdeutlicht. Die G20 versucht bereits, die Steuerumgehung mit Hilfe der boomenden «Schattenfinanzindustrie» einzudämmen. Auch die Europäer haben ihr Vorgehen verschärft. Kritiker fordern einen besseren Dialog auch mit Entwicklungsländern, die besonders darunter leiden. Konkrete Beschlüsse werden nicht erwartet.

BREXIT: Die G7 ist besorgt über das EU-Referendum am 23. Juni und die Folgen eines drohenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Sie fürchten Risiken für die Stabilität der Weltwirtschaft und schweren Schaden für die europäische Idee. Premierminister David Cameron hofft auf demonstrative Rückendeckung der G7 für den von ihm gewünschten Verbleib.

GESUNDHEIT: Nach den schlechten Erfahrungen im Umgang mit dem Ebola-Ausbruch in Afrika will die G7 die Möglichkeiten der Weltgemeinschaft stärken, schneller und wirksamer auf solche Pandemien und gesundheitliche Krisen zu reagieren. Auch soll der allgemeine Zugang zu Gesundheitsversorgung weltweit verbessert werden. Kritiker beklagen aber Geldmangel.

ENTWICKLING: Nach der Zusage vor einem Jahr beim Gipfel im bayerischen Elmau, bis 2030 rund 500 Millionen Menschen vom Hunger befreien zu wollen, wäre ein Umsetzungsplan notwendig. Die G7 will die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG) bekräftigen. Entwicklungsorganisationen fordern, dass die G7 mehr Geld für den Kampf gegen Hunger und Arbeit bereitstellt.

Do, 2016-05-26 02:19
Hiroshima (dpa)

«Keine schlafenden Hunde wecken» - Obama vor Balanceakt in Hiroshima Von Lars Nicolaysen, dpa

Vor fast 71 Jahren warfen die USA die erste Atombombe auf Hiroshima. Nun besucht Obama als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte. Mancher Überlebender des atomaren Infernos blickt jedoch mit gemischten Gefühlen auf den historischen Besuch.

Hiroshima (dpa) - Auf diesen Tag hat Haruko Moritaki jahrzehntelang gewartet. Wenn US-Präsident Barack Obama an diesem Freitag als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte des Atombombenabwurfs in Hiroshima besucht, hat Moritaki große Erwartungen: «Sagen Sie der Welt als Präsident einer Nation, die uns ins Atomzeitalter versetzt hat, dass der Abwurf der Atombomben ein Fehler war», heißt es in einem Brief, den die 77-jährige Japanerin als Vertreterin einer Organisation zur Abschaffung von Atomwaffen an Obama schickte. Und weiter: «Bitte entschuldigen Sie sich bei den Opfern.»

Doch das will Obama nicht tun, wie er selbst kurz vor seinem Besuch wissen ließ. Er plant vielmehr mit seinem historischen Besuch ein Signal für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Japans rechtskonservativer Premier Shinzo Abe, der Obama begleiten wird, hat auch gar keine Entschuldigung gefordert, denn das läge nach Meinung von Beobachtern ohnehin nicht in seinem Interesse.

Der gemeinsame Besuch hat große symbolische Bedeutung. «Er ist ein Schritt, der zeigen soll, dass die japanisch-amerikanische Wiederaussöhnung in der Nachkriegszeit erfolgreich war», sagte Sven Saaler, Professor für moderne Geschichte an Tokios renommierter Universität Sophia. Denkbar wäre auch ein Besuch Abes in Pearl Harbor. Nach Japans Angriff 1941 auf die in Pearl Harbor auf Hawaii liegende US-Pazifikflotte waren die USA in den Krieg eingetreten. Einen konkreten Plan für einen Besuch habe er aber nicht, sagte Abe.

Die Betonung der heute engen Allianz ist auch ein klares Signal an China oder Südkorea, mit denen es immer wieder zu Spannungen kommt - auch wegen Tokios Umgang mit seinen früheren Kriegsverbrechen. Die Geschichte der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ist in Japan indes seit Jahrzehnten unvermeidlich durch die Opferperspektive bestimmt. Dass Hiroshima eine logische Konsequenz für Japans Aggressionskrieg war, akzeptieren nur wenige. Japan habe zwar Unrecht begangen. Trotzdem seien die Atombomben Verbrechen an Unschuldigen gewesen. Die Mehrheit der Amerikaner hält die Atombombenabwürfe dagegen für richtig, auch wenn die Zahl der Befürworter geringer geworden ist.

Das macht den Besuch für Obama zu einem Balanceakt, will er nicht die öffentliche Meinung im eigenen Land gegen sich aufbringen. Jeder Schritt in Hiroshima wird mit Argusaugen verfolgt werden.

Auch Abe müsste nach Einschätzung von Beobachtern fürchten, dass eine Entschuldigung der USA eine Pandorabüchse öffnet: Erneut könnte es Fragen nach Japans eigenem Verhalten in Asien und neue Forderungen nach Entschuldigungen geben. Abe gehört jedoch zu jener Generation von Japanern, die es leid sind, dass sich ihr Land ständig wegen begangener Gräuel im Zweiten Weltkrieg entschuldigen soll.

Abe verfolgt mit Macht eine nationalistische Agenda, deren Ziel es ist, sich vom Nachkriegsregime zu verabschieden und die militärische Rolle Japans an der Seite der USA, von dessen Atomschild es seit Jahrzehnten beschützt wird, deutlich auszuweiten. Abes Regierung ist sogar der Auffassung, dass es nicht gegen die Verfassung des Landes verstoßen würde, wenn Japan eines Tages selbst Atomwaffen hätte.

Würde sich Obama entschuldigen oder sein Besuch als Entschuldigung gesehen werden, so die Sorge, würde dies den Gegnern der Sicherheitsallianz nur in die Hände spielen. Zudem könnte dies den seit dem GAU in Fukushima spürbaren Widerstand in Japan gegen die Atomkraft stärken. «Kurzum: Lieber nicht die schlafenden Hunde wecken», brachte es der Politikprofessor Koichi Nakano in einem Interview auf den Punkt.

Überlebende des Atombombenabwurfs blicken denn auch mit gemischten Gefühlen auf den gemeinsamen Besuch von Obama und Abe in Hiroshima. «Es wird wohl bei einer symbolischen Darbietung bleiben», sagte der heute 89-jährige Shozo Muneto, fügte jedoch hinzu: «Aber es wäre großartig, wenn Präsident Obama den Weg für eine Abschaffung von Atomwaffen ebnen würde». Das wollte Obama eigentlich schon 2009 mit seiner Rede in Prag. «Seither haben wir keine Fortschritte gesehen», kritisiert Frau Moritaki. «Wir hoffen, dass Präsident Obama durch seinen Besuch in Hiroshima seine eigenen Widersprüche überwindet.»

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Do, 2016-05-26 01:46
Berlin (dpa)

«The Nice Guys»: Ryan Gosling und Russell Crowe als Privatdetektive

Berlin (dpa) - Wirklich nett sind «The Nice Guys» nicht: Ryan Gosling und Russell Crowe spielen in der Gangsterkomödie zwei ungleiche Privatdetektive, die bei der Suche nach einem vermissten Mädchen gemeinsame Sache machen. Kult-Regisseur Shane Black («Kiss Kiss Bang Bang», «Iron Man 3») siedelt die schwarzhumorige und stellenweise brutale Action im Los Angeles der 70er Jahre an. Das Männer-Duo wird von Oscar-Preisträgerin Kim Basinger und der australischen Jungschauspielerin Angourie Rice unterstützt. «The Nice Guys» feierte bei dem Filmfestspielen in Cannes außerhalb des Wettbewerbs seine Weltpremiere.(The Nice Guys, USA 2016, 116 Min., FSK o.A., von Shane Black, mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Kim Basinger,  http://www.theniceguys-film.de)

«Moment der Wahrheit»: Robert Redford als strauchelnder TV-Moderator (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Dan Rather (Robert Redford) war als Moderator der wöchentlichen Investigativ-Sendung «60 Minutes» in den Vereinigten Staaten über Jahrzehnte eine Institution. 2004 musste er aber nach einem schlampig recherchierten Bericht über die Militärvergangenheit George W. Bushs seine Sendung abgeben. Das Journalismusdrama «Der Moment der Wahrheit» erzählt diesen Skandal nach und bezieht deutlich Stellung für Rather und seine Redakteurin Mary Mapes (Cate Blanchett). (Der Moment der Wahrheit, USA 2015, 126 Min., FSK 0, von James Vanderbilt, mit Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace, Elisabeth Moss,  https://www.universumfilm.de/filme/141186/der-moment-der-wahrheit.html)

«Everybody Wants Some!!»: Richard Linklater-Komödie (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - 2014 wurde Richard Linklater vielerorts gefeiert und gelobt für sein Werk «Boyhood», für das der amerikanische Regisseur über einen Zeitraum von zwölf Jahren tätig war. Nun kommt Linklaters neuer Film in die Kinos; es geht um die letzten drei Tage vor dem Beginn des Colleges. Diese Tage verbringen die männlichen Protagonisten mit verschiedenen kurzweiligen Aktivitäten: Bier trinken, Marihuana rauchen, Tischtennis spielen, Tanzen und den Frauen nachjagen. Linklater hat seine knapp zweistündige Komödie mit wenigen bekannten Namen besetzt, darunter Zoey Deutch. Der Soundtrack umfasst eine ganze Reihe an 70er- und 80er Jahre-Klassikern. (Everybody Wants Some!!, USA 2016, 117 Min., FSK ab 12, von Richard Linklater, mit Zoey Deutch, Juston Street, Blake Jenner, http://www.constantin-film.de/kino/everybody-wants-some/)

Patrick Stewart als Neonazi: Thriller «Green Room» (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Als die Punkrock-Band von Pat, Reece, Sam und Tiger in einer von Neonazis geführten Raststätte spielen soll, verwandelt sich ihre eher erfolglose Tour in einen blutigen Überlebenskampf. Ihr Konzert bringen sie zwar noch halbwegs glimpflich über die Bühne, als Pat im Backstage-Raum Zeuge eines Mordes wird. Die Freunde verbarrikadieren sich in dem Raum, bald wird ihnen aber klar, dass nur sie sich nur selbst mit einem Fluchtversuch aus der lebensgefährlichen Lage befreien können. Und so setzt die blutige zweite Hälfte des Films ein - Macheten, Pitbulls, Teppichmesser: Die blutigen Action-Szenen sind kein Stoff für schwache Nerven. (Green Room, USA 2015, 96 Min., FSK ab 18, von Jeremy Saulnier, mit Imogen Poots, Sir Patrick Stewart, Anton Yelchin, http://www.green-room-film.de/)

«Whiskey Tango Foxtrot»: Selbstfindungskomödie mit Taliban (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - US-Komikerin Tina Fey spielt Kim Baker, eine Mittvierziger-Fernsehjournalistin, die sich 2003 freiwillig für einen Reportereinsatz in Afghanistan meldet. Dort angekommen spürt sie schnell, wie naiv sie an Krieg und Konflikt im Nahen Osten herangegangen ist. Zusätzlich wird mit den rowdyhaften Gepflogenheiten von Kriegs-Journalisten konfrontiert und verguckt sich auch noch in einen Kollegen. (Martin Freeman, Watson in der TV-Serie «Sherlock»). Der Film hat einiges über vergessene Kriege und den aufreibenden Alltag im TV-Business zu sagen, und als Kim Baker bietet Fey erstmals im Film mehr Charakter als nur Karikatur. (Whiskey Tango Foxtrot, USA 2016, 112 Min., FSK o.A., von Glenn Ficarra und John Requa, mit Tina Fey, Martin Freeman, Margot Robbie, Alfred Molina, Billy Bob Thornton,  http://www.wtf-film.de/)

«Vor der Morgenröte»: Die Flucht Stefan Zweigs aus Europa (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Anfang der 30er Jahre ist Stefan Zweig neben Thomas Mann der meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller der Welt. Strikt vertritt er die Auffassung, künstlerische und aktuelle politische Stellungnahmen von einander zu trennen. Doch als die Nazis auch seine Existenz bedrohen, geht Zweig mit seiner Frau ins Exil. Zunächst nach England, dann über New York nach Brasilien - stets auf der Suche nach einer neuen Heimat. An äußeren und inneren Vorgängen verzweifelnd, nimmt sich der Verfasser der eben beendeten «Schachnovelle» mit 60 Jahren zusammen mit seiner Gattin 1942 bei Rio de Janeiro das Leben. Mit einem eindrucksvollen Josef Hader in der Hauptrolle erzählt die Schauspielerin Maria Schrader die Flucht Zweigs als optisch aufwendiges Zeitgeschichtsdrama. (Vor der Morgenröte, Deutschland, Frankreich, Österreich 2016, 106 Min., FSK ab 0, von Maria Schrader, mit Josef Hader, Barbara Sukowa, Matthias Brandt, http://www.x-verleih.de/de/filmdatenbank/null/VOR-DER-MORGENROETE-AT.de)

«Seitenwechsel»: Amüsanter Körpertausch zwischen Mann und Frau (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Männer und Frauen sehen das Leben meist aus völlig unterschiedlicher Perspektive. Wie anders diese Wahrnehmung sein kann, zeigt der Film «Seitenwechsel». Ein Paar will sich scheiden lassen. Doch dann geschieht ein Wunder: Beim Aufwachen haben sich ihre Körper getauscht. Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) hat plötzlich die Gestalt seiner Frau Teresa, und die Psychotherapeutin sieht aus wie Alex. Ein Schock, doch irgendwie müssen sie den Alltag auf die Reihe bekommen. Alex muss mit seiner Mannschaft 1. FC Union Berlin unbedingt das nächste Spiel gewinnen, sonst droht der Abstieg. Wie das funktionieren soll, ist beiden ein Rätsel. Und Alex versteht nicht, warum die Patienten in der Psychotherapeutenpraxis seiner Frau überhaupt Probleme haben. Allmählich wird Alex und Teresa klar, wie wenig sie nach 15 Jahren Ehe voneinander wissen. (Seitenwechsel, Deutschland 2016, 100 Min., FSK ab 12, von Vivian Naefe, mit Wotan Wilke Möhring, Mina Tander, Frederik Lau, http://www.seitenwechsel-derfilm.de)

«Mikro & Sprit»: Zwei Außenseiter auf Frankreichs Landstraßen (Mit KORR und Foto) =

Berlin (dpa) - Daniel ist schüchtern und künstlerisch begabt, Théo aufgeweckt und draufgängerisch. Es ist neu in der Klasse und ein Außenseiter so wie Daniel. Als die Sommerferien anstehen, beschließen beide, sich eine fahrende Hütte zu bauen. Mit 20 Kilometer pro Stunde machen sie Frankreichs Landstraßen unsicher. Mit «Mikro & Sprit» hat der französische Filmemacher Michel Gondry ein Roadmovie gedreht, das für die beiden Schüler lustige und spannende Abenteuer bereithält. In den Hauptrollen spielen Ange Dargent als Daniel, Audrey Tautou als dessen Mutter sowie Théophile Baquet, der den Bastler Théo verkörpert. (Mikro & Sprit, Frankreich 2015, 104 Min., FSK ab 6, von Michel Gondry, mit Audrey Tautou, Ange Dargent, Théophile Baquet, http://www.studiocanal.de/kino/mikro_sprit)

«Tomorrow»: Lösungen für eine bessere Welt (Mit Meldung) =

Berlin (dpa) - Erwärmung der Atmosphäre, Luftverschmutzung, Plastikmüll: Gefahren, die das Leben auf der Erde bedrohen. Um das Ende der Zivilisationen verhindern, haben der französische Aktivist Cyril Dion und die französische Schauspielerin Mélanie Laurent «Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen» gedreht. In dem Dokumentarfilm haben sie nach Lösungen zur Rettung der Welt gesucht. Dazu reiste das Duo in zehn Staaten, um vor Ort mit Umweltschützern, Experten und Wissenschaftlern zu reden. Sie zeigen Alternativen und Projekte. Dabei suchen sie auch nach Auswegen aus der Bank- und Wirtschaftskrise. Die Doku, im Original «Demain», wurde mit dem französischen César in der Kategorie Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. (Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen, Frankreich 2015, 118 Min. FSK o.A., von Cyril Dion und Mélanie Laurent, http://www.tomorrow-derfilm.de

«The Other Side of the Door»: Horrorstück um verzweifelte Mutter =

Berlin (dpa) - Eine junge Familie, deren Glück auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird, als der jüngste Sohn bei einem Unfall sein Leben lassen muss. Die Mutter aber will sich damit nicht abfinden, und eines Tages erfährt sie von einem alten Ritual. Durch dieses soll es möglich werden, dass sich die Mutter doch noch einmal von ihrem verstorbenen Sohn verabschieden kann. In einem verlassenen antiken Tempel soll es eine Tür geben, die eine Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits herstellen kann. Die verzweifelte Mutter indes missachtet alle Warnungen. Regisseur Johannes Roberts hat schon Gruselstreifen wie «Forest of the Damned» in Szene gesetzt. (The Other Side of the Door, Großbritannien/Indien/USA 2016, 96 Min., FSK ab 16, von Johannes Roberts, mit Sarah Wayne Callies, Jeremy Sisto, Sofia Rosinsky, http://www.fox.de/the-other-side-of-the-door)

«Doktor Proktors Zeitbadewanne»: Bunter Familienspaß =

Berlin (dpa) - Anfang 2015 kam «Doktor Proktors Pupspulver» in die hiesigen Kinos. Nun gibt es zu der deutsch-norwegischen, auf der Kinderbuchreihe von Jo Nesbø basierenden Adaption eine Fortsetzung: Lise und Bulle erhalten eine mysteriöse Postkarte aus dem Jahr 1969. Die Karte kommt aus Paris und bald schon ist den beiden klar, dass ihr Freund Doktor Proktor im Paris der 1960er in ernsten Schwierigkeiten stecken muss. Um in die französische Hauptstadt dieser Zeit zu gelangen, nutzen sie eine vom Doktor erfundene Zeitmaschine in Form einer Badewanne. Die Regie stammt, wie schon beim Vorgänger, vom Norweger Arild Fröhlich. Anke Engelke gehört erneut zum Darsteller-Ensemble. (Doktor Proktors Zeitbadewanne, Deutschland/Norwegen 2016, 95 Min., FSK ab 6, von Arild Fröhlich, mit Emily Glaister, Gard B. Eidsvold, Kristin Grue, http://www.wildbunch-germany.de/movie/doktor-proktors-zeitbadewanne)

Do, 2016-05-26 01:48
Paris (dpa)

Dokumentarfilm «Tomorrow»: Lösungen statt Hiobsbotschaften

Die Dokumentation «Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen» warnt nicht nur vor den Gefahren, die die Erde bedrohen. Sie will vor allem die Frage beantworten: Was kann man tun, um die Welt zu retten?

Paris (dpa) - Umweltverschmutzung, Wassermangel, Zerstörung der Vegetation: Das Ökosystem Erde ist gefährdet. Was jedoch jeder einzelne zur Rettung beitragen kann, zeigt «Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen» des französischen Aktivisten Cyril Dion und der französischen Schauspielerin Mélanie Laurent. Für die Dokumentation ist das Duo durch zehn Staaten gereist, darunter Großbritannien, Dänemark, Frankreich und Amerika, um vor Ort mit Umweltschützern, Experten und Wissenschaftlern zu reden.

In dem mehr als zweistündigen Film präsentieren Dion und Laurent («Inglourious Basterds») Projekte, die Alternativen aufzeigen. Jeder habe es in der Hand, die Dinge zu ändern, sagte Dion, Mitbegründer der Bewegung für die Erde und Humanität «Colibris».

Die Dokumentation ist bewusst optimistisch. Vor ökologischen Katastrophen zu warnen, würde den Menschen die Energie rauben, erzählte in einem Interview mit der französischen Zeitung «Metronews». Deshalb habe man einen Film machen wollen, der dazu anregen soll, die Zukunft anders zu gestalten.

Und so zeigt der Film, der mit Hilfe von Crowdfunding finanziert wurde, statt Katastrophenszenarien Lösungen für eine bessere Welt. Zu den vorgestellten Projekten und Alternativen zählen etwa ein Bio-Bauernhof in der nordfranzösischen Normandie, der die auf Selbstversorgung ausgelegte Permakultur betreibt sowie Bauern, die im Schwarzenviertel von Detroit Gemüse anbauen.

Der Film kam in Frankreich Anfang Dezember in die Kinos, zeitgleich zur Weltklimakonferenz, auf der sich rund 150 Staats- und Regierungschefs in Paris trafen, um einen Vertrag zur Reduzierung von Klimagasen abzuschließen. Mehr als eine Millionen Zuschauer sahen das Werk in Frankreich - außerdem gab es den französischen César für die beste Doku.

Mi, 2016-05-25 23:55
York (dpa)

UN-Sicherheitsrat hebt Sanktionen gegen Liberia auf

New York (dpa) - Nach rund 13 Jahren hat der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das westafrikanische Liberia aufgehoben. Der Rat entschied am Mittwoch, die noch bestehenden Reiseverbote, Exportverbote für verschiedene Güter aus dem Land und ein Waffen-Embargo zu beenden. Sie waren 2003 nach einem Bürgerkrieg eingesetzt worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Aufhebung der Sanktionen. Sie zeigten den «bedeutenden Fortschritt in Liberia und der Region in Hinblick auf Stabilität».

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Do, 2016-05-26 00:00
Berlin (dpa) 

Merkel begrüßt Freilassung von Pilotin Sawtschenko

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Freilassung der ukrainischen Pilotin Nadeschda Sawtschenko im Rahmen eines Gefangenenaustausches aus russischer Haft begrüßt. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte nach Angaben des Bundespresseamtes vom Mittwochabend weiter, es sei zu wünschen, dass der Austausch Sawtschenkos eine neue Dynamik in die Gespräche über humanitäre Fragen und den weiteren Austausch von Gefangenen im Rahmen der Minsker Vereinbarungen bringt. Merkel wünsche Sawtschenko nach ihrem Hungerstreik rasche Erholung und eine glückliche Rückkehr in den Kreis ihrer Familie.

Sawtschenko war in Russland in einem umstrittenen Prozess zu 22 Jahren Haft verurteilt worden - trotz internationaler Proteste. Die russische Justiz macht sie für die Ermordung von zwei russischen Reportern in der Ostukraine verantwortlich.

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko unter Vermittlung Merkels und des französischen Präsidenten François Hollande im Februar 2015 Vereinbarungen für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts getroffen. Dabei geht es vor allem um eine Waffenruhe, den Abzug schwerer Waffen und eine Autonomie für die Rebellengebiete.

Mi, 2016-05-25 22:58
Berlin (dpa)

Boateng als Milchbubi: Wirbel um «typisch deutsche» Kinderschokolade Von Stefan Voß, dpa

Der kleine Jérôme auf der Kinderschokolade: Eine Sonderedition des Süßigkeiten-Klassikers sorgt im Netz für Aufregung. Doch selbst die Pegida-Führung will mit dieser Hetze gegen Migranten nichts zu tun haben. Die katholische Kirche bringt sogar den Papst in Stellung.

Berlin (dpa) - Helle Haut, blaue Augen und strahlend weiße Zähne: Seit Jahrzehnten wirbt Kinderschokolade mit einem lächelnden Jungen auf der Packung. Für viele dürften die süßen Riegel mit dem Milchbubi auf der Verpackung zu den Erinnerungen zählen, die untrennbar mit der eigenen Kindheit verbunden sind. Die Kinderschokolade - eine gefühlt typisch deutsche Süßigkeit.

Kurz vor der Fußball-Europameisterschaft sorgt nun eine Sonderedition des Herstellers Ferrero für Wirbel in den sozialen Netzwerken. Auslöser sind Jugendfotos deutscher Nationalspieler auf der Kinderschokolade. Während die Grinse-Porträts von Mario Götze und Lukas Podolski durchaus in das klassische Schema passen, lassen die Aufnahmen von anderen Mitspielern stutzen. Da fällt der dunkelhäutige Jérôme Boateng mit ernstem Jungen-Blick ebenso aus dem Rahmen wie der kleine Ilkay Gündogan, Sohn türkischer Eltern aus Gelsenkirchen.

Gehässige Bemerkungen mutmaßlicher Pegida-Anhänger bei Facebook haben eine Welle ins Rollen gebracht. «Vor Nichts wird Halt gemacht», beschwert sich eine Gruppe «Pegida BW - Bodensee» dort. Ein Sympathisant bedauert in der Kommentarspalte das «arme Deutschland» und ruft zum Boykott des Produkts auf. Die Facebook-Seite war allerdings am Mittwochnachmittag nicht mehr verfügbar.

Insgesamt bleiben die rechten Pöbeleien im Netz überschaubar. Zwei Jahre nach dem Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft - errungen mit zahlreichen Nachfahren von Migranten in den eigenen Reihen - lässt sich mit rassistischen Kommentaren offensichtlich kaum noch Stimmung machen.

Dafür sind die Gegenreaktionen im Netz umso kreativer. So kontert die Fußball-Zeitschrift «Elf Freunde» bei Twitter mit einer «Sonderedition für Rassisten». Die Montage zeigt einen lachenden Nationalspieler Stefan Effenberg mit gestrecktem Mittelfinger auf der Kinderschokolade. Deutlich friedvoller kommt Papst Franziskus daher, der mit segnender Armbewegung auf einer Packung «Kirchenschokolade» zu sehen ist. «Auch wir machen vor nichts Halt», schreibt das Internetportal der katholischen Kirche unter seiner Fotomontage.

Die Pegida-Führung will mit dieser Art von Hetze gegen Migranten nichts zu tun haben. Die Äußerungen über die Kinderschokolade-Sonderedition seien «derart unsinnig und mit Verlaub dumm», zitiert «web.de» Pegida-Chef Lutz Bachmann. Die Gruppe «Pegida BW-Bodensee» sei seit Juni 2015 kein offizieller Ableger von Pegida, sondern nutze widerrechtlich den Namen.

Die Polizei in Konstanz hat die Gruppe vom Bodensee seit längerem im Blick. «Hin und wieder schlägt was bei Facebook auf», sagt ein Polizeisprecher. «Aber wer dahinter steckt und wo die verortet sind, ist eigentlich nicht bekannt.» Es sei gut möglich, dass die Gruppe nicht vom Bodensee, sondern von irgendwo anders gesteuert werde.

Auch die Vorsitzende der rechtspopulistischen AfD, Frauke Petry, bekommt im Netz auf einer Tafel «Panzerschokolade» ihr Fett weg. Dabei geht die Spitze der AfD seit neuestem auf Distanz zu Pegida. Laut Vorstandsbeschluss von vergangener Woche dürfen AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei Pegida-Veranstaltungen auftreten.

Noch vor zehn Jahren hielt es die NPD für eine gute Idee, mit rassistischen Sprüchen gegen Migranten in der Nationalelf zu hetzen. Zur Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land 2006 hatte die rechtsextreme Partei einen Spielplan mit ausländerfeindlichen Sprüchen verteilt. Der DFB ließ den WM-Planer damals - auch im Namen des dunkelhäutigen Nationalspielers Patrick Owomoyela - per Gerichtsbeschluss verbieten.

Mi, 2016-05-25 20:31
Berlin (dpa)

Lindner kritisiert Griechenland-Hilfen als «faulen Kompromiss»

Berlin (dpa) - Die neuen Finanzhilfen für Griechenland werden die Probleme des von der Pleite bedrohten Landes nach Einschätzung des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner nicht lösen. «Die Euro-Gruppe hat sich einmal mehr Zeit gekauft und einen faulen Kompromiss zusammengeflickt, um sich über anstehende Wahlen und das britische Brexit-Referendum zu retten», sagte er den «Ruhr Nachrichten» (Donnerstag).

Lindner forderte einen «klaren Schnitt»: «Athen braucht Schuldenerleichterungen, muss dafür aber aus dem Euro ausscheiden und mit einer neuen Währung weitermachen.» Dennoch könne Griechenland in der EU bleiben und auch weiterhin Unterstützung aus Brüssel erhalten. «Anders als in der Vergangenheit droht nach einem Grexit keine Ansteckungsgefahr mehr und keine Kernschmelze der Banken in Europa», sagte der FDP-Chef der Zeitung.

Nach einem monatelangem Tauziehen hatten die Europartner am Mittwoch eine neue Auszahlung von 10,3 Milliarden Euro an Griechenland beschlossen. Damit ist das Krisenland bis in den Herbst finanziert.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Mi, 2016-05-25 21:02
Gaza (dpa)

Hamas plant Serie öffentlicher Hinrichtungen in Gaza

Gaza (dpa) - Die im Gazastreifen herrschende Hamas plant eine Serie öffentlicher Hinrichtungen in dem Palästinensergebiet. Hamas-Abgeordnete billigten am Mittwoch eine entsprechende Verordnung. Dies widerspricht der bisherigen Praxis, dass alle Todesurteile von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gebilligt werden müssen. Der Hamas-Staatsanwalt Ismail Dschaber sagte, insgesamt sollten 13 zum Tode Verurteilte hingerichtet werden.

Die Regierung im Westjordanland beschrieb den Schritt als «illegal», Hamas sei nur eine Bewegung und könne keine Gesetzesänderungen erlassen. Hamas hatte 2007 gewaltsam die Kontrolle des Gazastreifens an sich gerissen. Seitdem gab es immer wieder offizielle Versöhnungen mit der rivalisieserenden Fatah von Abbas. Angekündigte Neuwahlen in den Palästinensergebieten wurden jedoch nie umgesetzt und die Kluft zwischen den beiden größten Palästinenserorganisationen besteht weiter. 

Zuletzt wurden im Gazastreifen vor zwei Jahren während des Gaza-Kriegs mehrere Palästinenser hingerichtet, die der Kollaboration mit Israel bezichtigt worden waren. In Israel setzt sich der designierte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman ebenfalls für die Todesstrafe für Terroristen ein. Diese soll allerdings nur von Militärgerichten verhängt werden, vor denen fast nur Palästinenser angeklagt werden. Bisher gilt in Israel die Todesstrafe nur für NS-Verbrecher, sie wurde bisher ein einziges Mal vollstreckt, gegen Adolf Eichmann.

Mi, 2016-05-25 19:38
Paris (dpa)

Frankreichs Parlament beschließt Anti-Terror-Gesetz

Paris (dpa) - Frankreichs Parlament hat ein Anti-Terror-Gesetz zum Kampf gegen den Terrorismus beschlossen. Der Senat stimmte am Mittwoch für den zuvor mit der Nationalversammlung ausgehandelten Text. Die Reform soll Ermittlern mehr Kompetenzen geben, um gegen Terroristen und organisierte Kriminalität vorzugehen. Das Gesetz wurde nach den Pariser Anschlägen vom November mit 130 Toten auf den Weg gebracht, war nach Angaben des Justizministeriums aber bereits vorher vorbereitet worden. Kritiker warnten allerdings, dass das Vorhaben Notstands-Maßnahmen ins normale Recht aufnehme.

Der Text sieht unter anderem vor, dass Menschen bei Identitätskontrollen bis zu vier Stunden festgehalten werden können, wenn ihr Verhalten einen Terrorverdacht nahelegt. Zusätzlich soll dabei auch Gepäck durchsucht werden dürfen. Die Staatsanwaltschaft soll Hausdurchsuchungen unter Bedingungen auch nachts anordnen können. Zudem erhalten Ermittler mehr Möglichkeiten zu Abhörmaßnahmen. Rückkehrer aus Kampfgebieten von Terrorgruppen können einen Monat unter Hausarrest gestellt werden.

Mi, 2016-05-25 19:36
Berlin (dpa)

Twitter-Protest mit Jugendfotos nach Wirbel um Kinderschoko-Werbung

Berlin (dpa) - Eigene Kinderbilder als Antwort auf fremdenfeindliche Kommentare über Fußballer-Jugendfotos auf Kinderschokolade-Packungen: Immer mehr Twitter-Nutzer posten in dem sozialen Netzwerk Fotos von sich unter dem Hashtag «cutesolidarity». Sie reagieren damit auf die abschätzigen Äußerungen mutmaßlicher Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung über die Bilder des dunkelhäutigen Jérôme Boateng und des türkischstämmigen Ilkay Gündogan auf den Schoko-Schachteln.

Zu der Kampagne für eine multikulturelle Gesellschaft hatte der «Zeit»-Journalist Mohamed Amjahid aufgerufen: «Wir sind so süß und fabelhaft und so deutsch! Yalla macht mit bei #cutesolidarity und postet eure Kinderbilder gegen #Pegida».

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2016-05-25 18:28
Nairobi (dpa)

Immer weniger Menschenaffen - Experten besorgt

Nairobi (dpa) - Die sinkende Zahl von Menschenaffen weltweit bereitet Experten zunehmend Sorge. Illegaler Handel mit den Wildtieren, Konflikte und industrielle Landwirtschaft seien die größte Bedrohung für die Tiere, erklärte Douglas Cress vom Great Apes Survival Partnership (GRASP) auf der zweiten Umweltversammlung in Kenias Hauptstadt Nairobi am Mittwoch. Auch Wilderer, die die Affen jagen um ihr Fleisch zu verkaufen sowie Ebola seien eine Gefahr für die Tiere, hieß es bei dem Treffen. In einigen Regionen Afrikas leben demnach nur noch einige hundert Tiere.

Ein auf der Versammlung veröffentlichter Bericht geht davon aus, dass 42 Prozent der Menschenaffen in Afrika in Gebieten zuhause sind, die sich für den Anbau von Palmöl eignen - in diesen Gebieten seien die Tiere nicht geschützt. Menschenaffen, die dort lebten, seien landwirtschaftlichen Betrieben ausgeliefert.

«Dieser Bericht ist ein Aufruf zum Handeln», erklärte Helga Rainer von der Arcus Foundation, eine Stiftung, die sich unter anderem für den Schutz von Menschenaffen einsetzt. «Wir sind die größte Bedrohung für die Menschenaffen weltweit.»

Mi, 2016-05-25 19:00
Nürnberg (dpa)

Prognose zur Haustierhaltung in Deutschland - Messe Interzoo öffnet

Nürnberg (dpa) - Auf der Fachmesse für Heimtierbedarf Interzoo soll am Donnerstag eine Prognosestudie zur Entwicklung der Heimtierhaltung in Deutschland in den nächsten zehn Jahren präsentiert werden. Die Interzoo ist nach Veranstalterangaben die weltgrößte Messe ihrer Art.

Rund 30 Millionen Haustiere leben in Deutschland, mehr als ein Drittel davon sind Katzen. Laut einer Studie der Universität Göttingen aus dem Jahr 2014 geben die Deutschen im Jahr rund neun Milliarden Euro für Hund und Co. aus - rund die Hälfte davon für Futter und Zubehör.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung in Nürnberg, auf der 1800 Aussteller ihre Produkte zeigen wollen, ist in diesem Jahr Futter, das ohne Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und Farbstoffe auskommen und ohne Gentechnik hergestellt sein soll. Die Interzoo findet alle zwei Jahre statt. Vor zwei Jahren kamen mehr als 37 000 Besucher.

Mi, 2016-05-25 19:01
Berlin/Stuttgart (dpa)

Stuttgart 21-Gegner klagen gegen Bundeskanzleramt

Berlin/Stuttgart (dpa) - Das Verwaltungsgericht Berlin verhandelt an diesem Donnerstag (9.30 Uhr) über eine Klage von Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 gegen das Bundeskanzleramt. Die Kläger fordern die Herausgabe ungeschwärzter Protokolle vertraulicher Sitzungen aus den Jahren 2012 und 2013, wie das Gericht mitteilte. Sie wollen belegen, dass es das Kanzleramt war, das trotz massiver Kostensteigerung auf den Weiterbau des Tiefbahnhofs gedrängt habe. Die Verhandlung ist nicht öffentlich. Mit einer Entscheidung ist nicht zu rechnen.

2013 hatte der Aufsichtsrat der Bahn der Erhöhung des Kostenrahmens von Stuttgart 21 von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro zugestimmt. Damit rutschte das Projekt in die Unwirtschaftlichkeit, womit die Förderung mit Steuermitteln nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Bahn rechnete Ausstiegskosten dagegen, deren Höhe aber von den Projektgegnern bestritten wird.

Die Projektgegner erstritten sich die Herausgabe von Protokollen, Teile wurden aber geschwärzt. Die unkenntlich gemachten Zeilen könnten ihrer Ansicht nach belegen, wie massiv der politische Druck auf Aufsichtsratsmitglieder der Deutschen Bahn womöglich war.

Mi, 2016-05-25 19:00
Paris (dpa)

Neue Proteste gegen französische Arbeitsmarktreform

Paris (dpa) - Nach tagelangen Treibstoff-Blockaden wollen französische Gewerkschaften den Druck gegen die Arbeitsmarktreform der Regierung weiter erhöhen. Für Donnerstag haben sie zu einem weiteren nationalen Aktionstag mit Streiks und Demonstrationen aufgerufen. Die Gewerkschaft CGT will auch ihre Streiks in Raffinerien fortsetzen. Zudem hat sie Mitarbeiter von Kraftwerken aufgerufen, die Arbeit niederzulegen - auch in Atomkraftwerken.

Streiks und Blockaden bei Treibstoffdepots und Raffinerien hatten in den vergangenen Tagen Versorgungsengpässe an französischen Tankstellen ausgelöst. Deshalb wurden bereits die strategischen Reserven angezapft. Am Mittwoch war gut jede dritte Tankstelle im Land betroffen. Paris setzt auf Härte und wirft der CGT vor, die Verbraucher als «Geiseln» zu nehmen. Angesichts eines deutlich gestiegenen Spritverbrauchs warnte die Regierung Autofahrer zudem vor Panikreaktionen.

Die seit Monaten umstrittene Arbeitsmarktreform soll das Arbeitsrecht flexibler machen. Gegner fürchten dagegen um Rechte der Arbeitnehmer.

Donnerstag streiken auch Fluglotsen, am Flughafen Paris-Orly wurden 15 Prozent der Flüge gestrichen. Störungen sind auch im Bahnverkehr zu erwarten, jeder fünfte TGV-Schnellzug soll ausfallen.

Mi, 2016-05-25 19:00
Bonn (dpa)

Erste UN-Klimakonferenz seit dem Pariser Abkommen endet

Bonn (dpa) - In Bonn endet an diesem Donnerstag die erste UN-Klimakonferenz seit Abschluss des Pariser Klimaabkommens. Politische Beschlüsse wurden bei den elftägigen Beratungen von Delegierten aus 196 Ländern nicht gefasst, es stand eher mühselige Kleinarbeit auf dem Programm: Die großen Linien von Paris müssen in ein konkretes Regelwerk übersetzt werden. Einer der heikelsten Punkte ist die finanzielle Unterstützung für die armen Länder, die die Folgen des Klimawandels und die Umrüstung auf erneuerbare Energien allein nicht bewältigen können.

Mitte Dezember hatten sich in Paris erstmals nahezu alle Staaten der Erde auf einen verbindlichen Weltklimavertrag geeinigt. Zentrales Ziel ist es, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. Die nächste UN-Klimakonferenz ist im November in Marrakesch in Marokko.

Mi, 2016-05-25 19:00
Vilnius (dpa)

Steinmeier vor Nato-Gipfel zu Besuch im Baltikum

Vilnius (dpa) - Außenminister Frank-Walter Steinmeier reist an diesem Donnerstag zu einem zweitägigen Besuch nach Litauen, Estland und Lettland. Bei den Gesprächen geht es insbesondere um die Vorbereitung des Nato-Gipfels Anfang Juli in Polen. In den drei baltischen Ländern, die alle Mitglied in der Nato sind, gibt es seit Beginn des Ukraine-Konflikts zunehmend Sorgen vor Russland. Erste Station von Steinmeiers Reise ist die litauische Hauptstadt Vilnius.

Weiteres Thema dürften auch die Zukunft der Sanktionen sein, die die Europäische Union gegen Russland verhängt hat. Die Strafmaßnahmen sind bislang bis Ende Juli befristet. Eine Verlängerung kann von der EU nur einstimmig beschlossen werden. Die baltischen Staaten sind dafür, in anderen Ländern gibt es jedoch wachsenden Widerstand.

Mi, 2016-05-25 17:07
Köln (dpa)

Reker muss nach Attentat und OP auf Amtskette verzichten

Köln (dpa) - Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (59) soll auf Anraten ihrer Ärzte auf das Tragen der schweren Amtskette für den Rest des Jahres verzichten. Reker war im vergangenen Oktober von einem aus der rechten Szene stammenden Attentäter in den Hals gestochen und lebensgefährlich verletzt worden.

Sie hatte sich deshalb vor wenigen Tagen einer weiteren Operation unterziehen müssen. An diesem Donnerstag wird Reker an der Fronleichnamsprozession mit dem Kölner Kardinal Rainer Woelki teilnehmen. Dabei werde sie die Kette nicht tragen, teilte das Rathaus am Mittwoch mit. Bei dem Messer-Attentat war ein Halswirbel Rekers getroffen und verletzt worden.

Mi, 2016-05-25 17:35
Kiew (dpa)

Russland lässt ukrainische Pilotin Sawtschenko frei

Im Zuge eines Gefangenenaustausches kommt die ukrainische Pilotin Sawtschenko aus russischer Haft frei. Die Übereinkunft zwischen den Nachbarländern nährt Hoffnungen auf eine Entspannung auch im Kriegsgebiet Ostukraine. Aber aus Kiew kommen kämpferische Töne.

Kiew (dpa) - Russland hat die zu 22 Jahren Haft verurteilte ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko begnadigt und an ihr Heimatland überstellt. Die 35-Jährige, die als Symbol für den Widerstand gegen prorussische Separatisten gilt, landete am Mittwoch in der Ukraine. Am Flughafen Borispol bei Kiew hatten Poroschenko sowie Sawtschenkos Mutter, ihre Schwester und zahlreiche Parlamentarier die 35-Jährige erwartet.

«Ich bringe nicht die Toten zurück, aber ich bin weiter dazu bereit, der Ukraine mein Leben auf dem Schlachtfeld zu opfern», sagte die für ihre flammenden Reden bekannte Kampfpilotin. Und auch Poroschenko gab sich kämpferisch: «So wie wir Nadeschda zurückgeholt haben, werden wir auch den Donbass und die Krim zurückholen.» Der ukrainische Regierungschef Wladimir Groisman betonte: «Ich freue mich - gemeinsam mit dem ganzen Land.»

International wurde die Freilassung der Pilotin begrüßt. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte die Hoffnung, dass die Freilassung ein Signal für eine Annäherung beider Länder sein könnte. Er hoffe auf «einen Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen der Ukraine und Russland». EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) begrüßte die Überstellung als «gutes Signal».

Die Sprecherin der Grünen für Osteuropapolitik, Marieluise Beck, betonte die Hoffnung, dass die Freilassung ein erster ernst gemeinter Schritt von russischer Seite hin zu Frieden sei. Der Vorsitzendes des Bundestags-Menschenrechtsausschusses, Michael Brand (CDU), forderte die Freilassung weiterer politischer Häftlinge in Russland.

Frankreichs Präsident François Hollande, der sich zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um einen Ausgleich zwischen Russland und der Ukraine bemüht, nannte die Freilassung ein ermutigendes Zeichen. «Dies ist ein wichtiger Schritt für die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen», sagte Hollande. In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten Russlands Präsident Wladimir Putin und Poroschenko unter Vermittlung Merkels und Hollandes im Februar 2015 Vereinbarungen für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts getroffen. Dabei geht es vor allem um eine Waffenruhe, den Abzug schwerer Waffen und eine Autonomie für die Rebellengebiete.

Sawtschenko war in der früheren Sowjetrepublik zum Symbol und zum Gesicht des Krieges im Osten des Landes geworden. Ihre Freilassung fällt auf den zweiten Jahrestag der Wahl Poroschenkos zum Präsidenten am 25. Mai 2014. Im Gegenzug für ihre Freilassung entließ die Regierung in Kiew zwei mutmaßliche russische Soldaten, die wegen Teilnahme an Kämpfen im Kriegsgebiet Donbass zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren. Die Männer seien in Moskau gelandet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Den Begriff «Soldaten» benutzte er nicht. Russland bestreitet Vorwürfe, dass reguläre russische Truppen in der Ostukraine aufseiten der Rebellen kämpfen.

Sawtschenko war in Russland in einem umstrittenen Prozess zu 22 Jahren Haft verurteilt worden - trotz internationaler Proteste. Die russische Justiz macht sie für die Ermordung von zwei russischen Reportern in der Ostukraine verantwortlich. Angehörige der Journalisten hätten Putin um die Begnadigung gebeten sagte Peskow. Bei einem Treffen mit Hinterbliebenen der Getöteten betonte Putin der Agentur zufolge: «Ich hoffe, dass ähnliche Schritte, die vor allem von den Motiven des Humanismus diktiert sind, zur Senkung der Gewalt in der Konfliktzone beitragen und helfen werden, schreckliche und unnötige Verluste zu vermeiden.»

Poroschenko hatte Sawtschenkos Heimkehr als Priorität bezeichnet. Die Soldatin, die in russischer Haft immer wieder mit Hungerstreiks auf sich aufmerksam gemacht hatte, war in ihrer Heimat 2014 in Abwesenheit als Spitzenkandidatin für die Vaterlandspartei von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ins Parlament gewählt worden. Timoschenko begrüßte Sawtschenko am Flughafen in Kiew.

Mi, 2016-05-25 17:37
Duisburg (dpa)

Anschlag auf Sikh-Gebetshaus: Polizei weist Medienberichte zurück

Duisburg (dpa) - Die Polizei Duisburg hat Berichte zurückgewiesen, nach denen sie bereits drei Wochen vor dem Anschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen von Anschlagsplänen der Tatverdächtigen gewusst habe. Die Polizei bestätigte am Mittwoch, dass die Mutter eines Jugendlichen der Polizei etwa drei Wochen vor dem Anschlag Fotos von Notizen vorgelegt habe. Polizei und Experten des Landeskriminalamtes hätten die Bilder ausgewertet worden. Die Aufzeichnungen hätten zwar Hinweise auf mögliche Eigentumsdelikte, aber keine konkreten Hinweise auf geplante Anschläge enthalten.

Der Staatsschutz habe daraufhin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und bei der Staatsanwaltschaft Duisburg einen Durchsuchungsbeschluss beantragt, berichtete die Behörde. Der für eine Durchsuchung bei dem Jugendlichen erforderlichen Anfangsverdacht wurde verneint.

Die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch), WDR und NDR hatten berichtet, dass aus den Notizen Hinweise auf Anschlagspläne hervorgegangen seien. Die drei hätten unter anderem von der «Bekämpfung von Ungläubigen» gesprochen, hieß es in den Berichten. Die dazu notwendigen Aufgaben hätten die drei in der Gruppe verteilt.

Bei dem Anschlag Mitte April waren drei Menschen verletzt worden. Verdächtigt werden zwei 16-Jährige und ein 17-Jähriger mit Kontakten in die Islamistenszene. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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