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Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Fr, 2015-07-31 06:15
Dresden (dpa)

Warten, Hoffen und Angst: Das Zeltlager für Flüchtlinge in Dresden Von Jörg Schurig, dpa

Sie haben eine lange Reise hinter sich und sind dankbar, nun endlich in Deutschland zu sein. Doch für viele Flüchtlinge geht ihr provisorisches Leben in Zeltlagern weiter.

Dresden (dpa) - Lange Schlangen vor den Toiletten, lange Schlangen vor der Essenausgabe: Das Leben im Dresdner Zeltlager für Flüchtlinge und Asylbewerber verlangt nicht nur Geduld. Inzwischen leben hier rund 900 Menschen aus 15 Nationen. Syrer und Kosovo-Albaner teilen sich das Lager mit Menschen aus Afghanistan und Eritrea. Viele hat der Krieg aus ihrer Heimat getrieben. Andere sind gekommen, weil sie in Deutschland arbeiten wollen und sich hier Wohlstand versprechen. Was alle vereint, ist das Warten und Hoffen auf einen Bescheid, in Deutschland bleiben zu dürfen. Und das kann dauern.

«Das Schlimmste ist die Ungewissheit», sagt In Am Sayad Mahmood. Die Vorsitzende des Dresdner Ausländerrates stammt aus dem Irak, ist in Deutschland eingebürgert und spricht Arabisch und Persisch - Deutsch natürlich auch. In den vergangenen Tagen ist sie oft im Lager gewesen und hat dabei auch Trost spenden müssen. Mahmood erzählt von Kindern und schwangeren Frauen, für die die Ungewissheit besonders unerträglich sei: «Sie wissen nicht, wie lange sie hierbleiben. Das zermürbt viele.» Andere sorgten sich um ihre Gesundheit: «Ich wurde immer wieder gefragt, wann ein Arzt kommt.»

Manche der Betroffenen haben eine lange Odyssee hinter sich, nicht nur im Heimatland, sondern auch in Sachsen. Mahmood berichtet von Menschen, die von der zentralen Erstaufnahme in Chemnitz in deren Außenstelle nach Schneeberg kamen, dann in einem Hotel in Freital Unterkunft fanden und via Chemnitz nun im Dresdner Zeltlager landeten. «Das frustriert natürlich», sagt Mahmood. Viele seien nur mit leichter Kleidung nach Deutschland gekommen. Jetzt, wo die Nächte schon kühler sind, werde es für die Betroffenen immer ungemütlicher. Ein Lager wie das in Dresden drücke auf das Gemüt.

Mahmoods Tochter Maha wird noch deutlicher: «Dieses Lager ist eine Zumutung für alle. Die Unterbringung ist menschenunwürdig», sagt die junge Frau, die über das Netzwerk «Dresden für Alle» ehrenamtlich im Camp mithilft. Die Bewohner fühlten sich hilflos. Noch seien die Menschen ruhig, sagt Maha Mahmood und es klingt so, als könnte die Stimmung auch umschwenken. Aber was ist, wenn wie geplant noch 200 Flüchtlinge mehr kommen und alle im Zeltlager zusammenrücken müssen? Wenn es nach Maha Mahmood geht, sollten zuerst Familien mit Frauen und Kindern aus dieser Situation befreit werden.

In Windeseile war das Zeltlager in nur wenigen Stunden aus dem Boden gestampft worden. Am Mittwoch vergangener Woche erfuhren Sachsens Behörden aus dem Bundesinnenministerium, dass am darauffolgenden Wochenende 1100 Asylsuchende im Freistaat aufzunehmen waren. Nachdem die Entscheidung für den Standort Dresden gefallen war, rückten die Baumaschinen an. Am Abend standen schon knapp 50 Zelte, wenig später kamen die ersten Bewohner. Dass sie bei einem Teil der Dresdner nicht willkommen sind, war schnell klar. Rechtsextreme griffen Menschen an, die sich für die Interessen der Flüchtlinge einsetzen, und verletzten drei von ihnen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Betreiber des Lagers verschweigt die schwierigen Bedingungen für die Bewohner nicht. «Grundsätzlich ist das Lager nicht zufriedenstellend», sagt DRK-Sprecher Kai Kranich und spricht von einer «Notlösung». Derzeit sei man vor allem bemüht, mehr Sanitäranlagen in Containern zu bekommen. Doch der Markt für solche Container sei aufgrund der steigenden Asylbewerberzahlen wie leer gefegt. Kranich verweist auf Ärzte, die ehrenamtlich im Camp arbeiten und auf einen Sanitätsstützpunkt, der rund um die Uhr geöffnet ist: «Die Erstversorgung ist gesichert.»

Dass sich das alles in einem der reichsten Länder der Welt abspielt, kann Ali Moradi, Geschäftsführer der Flüchtlingsrates in Sachsen, nicht verstehen. Die Entscheidung für ein Zeltlager nennt er grundsätzlich falsch. Schließlich hätte sich Sachsen lange auf diese Situation einstellen können, die steigenden Flüchtlingszahlen seien nicht erst seit kurzem bekannt. Und leere Wohnungen gebe es im Freistaat zur Genüge. «Die Menschen, die nach Deutschland kommen, haben viel Elend erlebt und viel hinter sich. Man sollte sie hier unter menschenwürdigen Umständen unterbringen.»

Bei einigen Flüchtlingen reißt der Geduldsfaden am Mittwochabend für kurze Zeit. Mit einer Sitzblockade protestieren etwa 40 von ihnen gegen die Lebensbedingungen im Lager. Ein paar Stunden später kommt es vor dem Camp zum Tumult. 50 Rechtsextreme sind aufmarschiert, bei einigen von ihnen finden Polizisten Sturmhauben und mit Quarzsand gefüllte Handschuhe. Zu Warten und Hoffen kommt Angst hinzu.

Fr, 2015-07-31 04:59
Moskau (dpa) 

Sanktionen gegen Russland setzen auch deutsche Wirtschaft unter Druck

Moskau (dpa) - Durch die westlichen Sanktionen gegen Russland könnten chinesische Firmen deutschen Unternehmen der Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau zufolge auf lange Sicht den Rang ablaufen. «Wenn die Sanktionen verlängert werden und sie noch zwei oder drei Jahre gelten, dann können wir ein Problem bekommen», sagte AHK-Chef Michael Harms der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. Sollte indes ein Großteil der Strafmaßnahmen im Januar nicht verlängert werden, sehe er keine Schwierigkeiten.

Bislang gebe es noch keinen Grund zur Panik. «China verdrängt die Deutschen noch nicht», betonte Harms. «Dass Russland sich nach China orientiert, ist ein absolut natürlicher Prozess.» China sei schon seit einigen Jahren einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Auch die Pläne für eine stärkere Zusammenarbeit Moskaus und Pekings im Energiesektor seien vor Beginn des Konflikts zwischen Russland und dem Westen angestoßen worden, erklärte er.

«Was wir aber fürchten, ist eine unfaire Konkurrenz, die durch politischen Druck entsteht», warnte Harms. In Unternehmerkreisen heißt es, dass russischen Firmen von Behörden nahegelegt werde, sich alternative Lieferanten in Asien zu suchen. Eine solche Entwicklung könnte die Lage für deutsche Firmen verschärfen, meinte Harms.

Fr, 2015-07-31 05:04
Berlin (dpa)

Die Auswirkungen der Russland-Sanktionen auf deutsche Branchen

Berlin (dpa) - Seit Beginn der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ist der deutsche Handel mit dem größten Land der Erde stark zurückgegangen. Ein Überblick über einige wichtige Branchen:

MASCHINENBAU: Der wichtige Industriezweig leidet besonders stark unter dem Einbruch des Russland-Geschäfts - denn die Branche ist für mehr als ein Fünftel (2014: 22 Prozent) aller deutschen Ausfuhren in das Riesenreich verantwortlich. 2014 brachen sie um 17 Prozent ein. Damit ging Geschäft im Volumen von 1,3 Milliarden Euro verloren. Russland fiel damit in der Rangliste der wichtigsten Abnehmerländer auf Rang zehn zurück. 2013 war das Land noch der viertgrößte Absatzmarkt für den deutschen Maschinenbau. In diesem Jahr setzt sich der Trend fort: Allein bis Mai gingen die Exporte um 30 Prozent zurück.

ELEKTROINDUSTRIE: Die deutsche Elektroindustrie hat 2014 soviel Waren ins Ausland geliefert wie nie. Insgesamt kletterten die Exporte um 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 165,5 Milliarden Euro. Und das, obwohl das Russland-Geschäft um 1,2 Milliarden Euro geringer ausfiel als 2013 - und damit die mit Abstand größte Belastung des Exportwachstums der Branche war.

AUTO: Der russische Automarkt brach im vergangenen Jahr um zehn Prozent ein. Das trifft nicht alle deutschen Hersteller gleichermaßen. Für Daimler ist Russland nur ein vergleichsweise kleiner Markt. Europas größter Autobauer Volkswagen muss dagegen spürbare finanzielle Einschnitte in Kauf nehmen. Der Autobauer Opel stellt wegen der Absatzkrise sein Geschäft auf dem einstigen Hoffnungsmarkt bis zum Jahresende komplett ein.

TEXTILIEN: Gelitten hat auch die deutsche Textilindustrie. Der Gesamtverband Textil und Mode spricht von einem Exportminus von zwölf Prozent. Für den Hemdenhersteller Olymp ist Russland inzwischen nur noch der zweitgrößte Markt. Dem Hemdenhersteller macht unter anderem der schwache Rubel zu schaffen, der seine Produkte vergleichsweise teurer macht.

NAHRUNGSMITTEL: Russland galt lange als wichtigster Absatzmarkt für deutsche Agrar- und Lebensmittelexporteure außerhalb der EU. Schon vor den Sanktionen erschwerten nach Angaben des Verbandes BVE aufwendige Einfuhrvorschriften sowie Handelshemmnisse und Betriebssperrungen das Exportgeschäft. 2013 seien die Agrarausfuhren um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, Lebensmittelexporte um 16 Prozent. 2014 habe sich der Rückgang wegen des russischen Importverbotes verschärft. Die Agrarexporte brachen 2014 um 28 Prozent ein, die Lebensmittelexporte um 32 Prozent.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Fr, 2015-07-31 05:02
Chemnitz/Ditzingen (dpa)

Mit Samthandschuhen: Maschinenbauer mühen sich um Russlandgeschäft Von Annika Graf und Jörg Schurig, dpa

Die Beziehungen zwischen deutschen Firmen und ihren russischen Kunden sind seit Beginn der Sanktionen heikel. Insbesondere die Maschinenbauer sind betroffen. Manch Unternehmen fürchtet neue Konkurrenz.

Chemnitz/Ditzingen (dpa) - Es ist alles bereit. Die Maschinen sind fertig zum Abtransport. Allein die Ausfuhrpapiere fehlen. Das allerdings nun seit Monaten. Ende Juli 2014 verschärfte die EU die Sanktionen gegen Russland und machte die Ausfuhr für Maschinen, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke dienen können, praktisch unmöglich. Deshalb stehen die Werkzeugmaschinen der Firma Niles-Simmons Industrieanlagen (NSI) noch heute in Chemnitz. Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle verweigerte die Genehmigung.

Nachdem die EU als Reaktion auf die Ukraine-Krise Sanktionen erließ, ist das Geschäft der Maschinenbauer mit den Russen ins Stocken geraten. Bundesweit brachen die Exporte der Maschinenbauer nach Russland im vergangenen Jahr um 17 ein. Bis Mai gingen sie noch einmal um 30 Prozent zurück. Die ostdeutschen Maschinenbauer litten aufgrund ihrer traditionellen Nähe zu Russland besonders. «Die Firmen sind kleiner und können nicht einfach auf andere Märkte ausweichen» sagt der Geschäftsführer des VDMA Ost, Reinhard Pätz.

Auch NSI pflegte gute Beziehungen zu russischen Partnern - bis vor einem Jahr. In den 1990er Jahren hatten die Russen die Industrie noch vernachlässigt. Unter Wladimir Putin erfolgte eine Rückbesinnung. «Deshalb ergaben sich für uns riesige Chancen, an der Modernisierung der russischen Wirtschaft teilzunehmen», sagt Bernhard Pause, Technischer Geschäftsführer bei NSI.

Das Ausfuhrverbot für Gütern, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt werden können, traf NSI besonders. «Ich kann bei einer Kurbelwellenfräsmaschine nicht unterscheiden, ob die Kurbelwelle beim Militär oder im zivilen Bereich verwendet wird», macht Pause das Dilemma deutlich.

Doch selbst wenn die Produkte unproblematisch sind, gibt es unter Umständen Schwierigkeiten. «Früher lief viel über große Konzerne. Das ist schwierig geworden, weil in dem Geflecht von Beteiligungen häufig ein Rüstungsbezug zu finden ist», sagt Reinhold Groß, Vertriebsleiter beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf in Ditzingen (Baden-Württemberg). Inzwischen hat Trumpf kleinere Firmen als Kunden gefunden. In Gesprächen mit den Kunden wird die politische Situation tot geschwiegen. «Wir haben eine Handvoll Kunden, die sauer auf uns Europäer sind. Ein paar Kundenbeziehungen sind daran zerbrochen.»

Zu den Sanktionen komme der Rubel-Verfall. Selbst wenn die Kunden also bei deutschen Herstellern kaufen wollen und dürfen, ist ihr Rubel nichts mehr wert. Trumpf hat deshalb seine russische Tochter mit Finanzmitteln ausgestattet. «Auf diese Weise können kann sie, wenn nötig, einen Zahlungsaufschub von bis zu 12 Monaten gewähren», sagt Groß. «Ich schätze aber, dass eine Entspannung frühestens in zwei Jahren eintritt.» Für Trumpf ist die Lage nicht kritisch. Das Russland-Geschäft macht nur einen einstelligen Anteil am Umsatz aus.

NSI hingegen konnte das darbende Russland-Geschäft auf anderen Märkten nicht ausgleichen. Die Firma befindet sich sogar in einer doppelten Zwickmühle. Russland setzte NSI auf eine Embargoliste, die es russischen Firmen verbietet, von bestimmten Unternehmen Maschinen zu beziehen. Denn Russland wolle seine Abhängigkeit vom Ausland reduzieren und Investitionen vor Ort forcieren, heißt es beim VDMA.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Beim Pressen-Hersteller Schuler aus Göppingen (Baden-Württemberg) nimmt man Empfehlungen staatlicher Stellen und Kreditgeber an Kunden und Interessenten wahr, sich nach Lieferanten aus Asien umzusehen. Angesichts der wachsenden Stärke des chinesischen Maschinenbaus eine reale Bedrohung. Der Chef der Auslandshandelskammer (AHK) befürchtet vor allem Konkurrenz, wenn die Sanktionen verlängert werden sollten.

Auch Michael Bröse, Geschäftsführer von Dürr Russland, hat solche Drohungen von patriotischen Kunden schon gehört. Allerdings: «Die Chinesen können bestimmte Dinge wie beispielsweise anspruchsvolle Auswuchtmaschinen überhaupt nicht anbieten», sagt Bröse. Ein chinesischer Kunde, der die Idee hatte, Dürrs Anlagen mit chinesischen Maschinen in Russland einzusetzen, habe den Plan schnell aufgegeben und sei bei Dürrs Anlagen geblieben. «Die Bestimmungen sind dort sehr komplex.» Den Chinesen sei das zu heikel gewesen.

NSI fürchtet dagegen sehr wohl, dass die staatlich verordnete Konkurrenz Millionen an Umsatz kosten könnte. «Die Kunden sagen schon: Wenn ihr die Maschinen nicht liefern könnt oder dürft, dann suchen wir uns einen anderen Partner. Die Grundlage des Business, das gegenseitige Vertrauen, wird beschädigt», sagt Geschäftsführer Pause. Es sei den Russen nicht zu verübeln, wenn sie nun mit japanischen, taiwanesischen und chinesischen Partnern kooperierten und ihren Bedarf an Maschinen dort deckten. Pause wünscht sich deshalb lieber heute als morgen ein Ende der Sanktionen. «Schwierigkeiten muss man am Verhandlungstisch lösen. Kalten Krieg braucht keiner.»

Fr, 2015-07-31 05:05
Brüssel (dpa)

Die Sanktionen der EU gegen Russland

Brüssel (dpa) - Am 22. Juni wurden die Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis zum 31. Januar 2016 verlängert. Die bislang getroffenen Maßnahmen im Überblick:

- Aus- und Einfuhrverbote für Waffen

- Güter und Technologien, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke genutzt werden könnten (Dual Use Goods), dürfen für militärische Zwecke oder an militärische Endnutzer nicht mehr geliefert werden.

- Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das Militär, etwa Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

- Ausfuhrverbote für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung etwa in der Arktis gebraucht werden. Auch Dienstleistungen für die Förderung von Öl aus der Tiefsee oder aus der Arktis sowie für Schieferöl-Projekte in Russland dürfen nicht mehr erbracht werden.

- Der Zugang russischer Unternehmen zu den EU-Kapitalmärkten wird weiter erschwert. EU-Bürger und -Firmen dürfen fünf großen staatlichen russischen Banken und ihren Tochterunternehmen keine Darlehen mehr geben.

- Auch drei große russische Rüstungsunternehmen und drei Energieunternehmen dürfen ihre Schulden nicht mehr über die EU-Finanzmärkte finanzieren. Auch die Vermittlung solcher Finanzierungen ist EU-Unternehmen verboten.

- Eine schwarze Liste verbietet 151 Personen und 37 Unternehmen oder Organisationen, Geschäfte mit der EU zu machen. Darunter sind laut EU sechs Personen mit engen Verbindungen zum russischen Präsidenten. Ihr Vermögen in der EU wird eingefroren. Dies sind vor allem Firmen, die von der Annexion der Krim durch Russland profitierten.

- Wirtschaftsbeziehungen zur Krim und Sewastopol wurden beschränkt. So gilt ein Einfuhrverbot für Waren von der Krim und Sewastopol, außerdem sind Investition sowie Tourismusdienstleistungen untersagt, die der Krim zugutekämen.

Fr, 2015-07-31 04:57
Berlin (dpa)

Experte zu Islamisten-Prozessen: Das sind Fußsoldaten des Terrors

Terrorhelfer und heimgekehrte Kämpfer: Mehrere mutmaßliche Islamisten stehen derzeit vor Gericht. Viele werden wohl noch folgen. Der Terrorexperte Tophoven meint, die Verfahren gäben nützliche Einblicke in die Szene - auch wenn die Angeklagten keine führenden Köpfe sind.

Berlin (dpa) - Die Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten in Deutschland geben aus Expertensicht einigen Aufschluss über die Terrorszene und ihre Strukturen. «Man erfährt viel Handwerkliches über den Modus Operandi, wenn die Angeklagten gesprächig sind», sagte der Terrorexperte Rolf Tophoven der Deutschen Presse-Agentur. Die Prozesse lieferten Informationen zu Rekrutierung, Strategien und Propaganda der Terrorgruppen. Allerdings stünden in Deutschland keine wesentlichen Akteure der Szene vor Gericht. «Das sind die Fußsoldaten. Das sind nicht die Masterminds des Terrors.»

In Deutschland sind mehrere Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten im Gang. Und in den nächsten Monaten werden wohl noch einige dazukommen. Bei der Bundesanwaltschaft laufen Dutzende Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte aus der Szene, auch gegen Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak. Mitte Juli hatte das Oberlandesgericht München erstmals einen Syrien-Rückkehrer wegen Mordes und Beteiligung am Terror verurteilt. Der 27-Jährige hatte umfangreich über seinen Werdegang und seine Taten Auskunft gegeben und sich öffentlich vom Islamismus distanziert. Er muss für elf Jahre ins Gefängnis.

Tophoven mahnte, die deutsche Justiz müsse vernünftige Vorkehrungen treffen, wenn nach den laufenden Prozessen zunehmend Islamisten in Haft kämen. Denn grundsätzlich sei das Gefängnis ein Ort möglicher weiterer Radikalisierung.

Mit Blick auf die jüngsten islamistischen Terroranschläge sagte Tophoven, es habe sich ein neues Muster entwickelt. Die Islamisten setzten inzwischen auf kleinere und mittelschwere Anschläge. Meist handele es sich um Einzeltäter oder terroristische Kleinzellen. Die Entwicklung gehe weg von großen Bombenanschlägen hin zu Attacken mit Waffen wie Kalaschnikows.

«Die sind heute leichter zu beschaffen als je zuvor», sagte er. Die deutsche Polizei sei mit Ausnahme von Spezialeinheiten für Attacken mit Kriegswaffen aber nicht gerüstet. «Normale Polizisten wären einem solchen Angriff schutzlos ausgeliefert.» Die gewöhnlichen Schutzwesten seien nicht für den Beschuss mit Sturmgewehren ausgelegt.

Zur Bedrohungslage in Deutschland sagte Tophoven, die Terrormiliz Islamischer Staat sei zwar vor allem darum bemüht, ihren Einfluss in Syrien, dem Irak und Libyen auszubauen. «Man muss aber davon ausgehen, dass auch ausländische Kämpfer mit einem Anschlags-Auftrag in ihre Heimat zurückkehren.» Die Gefahr sei größer geworden.

Tophoven ist Direktor des Instituts für Krisenprävention in Essen. Bis zur Auflösung in den 1990er Jahren war er stellvertretender Leiter des Bonner Instituts für Terrorismusforschung.

Fr, 2015-07-31 05:00
Moskau (dpa)

Überall ist Palmöl - Wie Russland sich mit Sanktionen selbst schadet Von Thomas Körbel, dpa

Putin will die Rohstoffmacht Russland auch zu einem mächtigen Agrarproduzenten machen. Dafür nutzt er seit einem Jahr das Embargo gegen westliche Lebensmittel. Doch nicht alle in Russland stehen hinter dieser Strategie.

Moskau (dpa) - Als Kremlchef Wladimir Putin das russische Embargo für Lebensmittel aus der EU und den USA kürzlich um ein Jahr verlängerte, rieben sich die Strategen in Moskau die Hände. Die Entscheidung sei «Balsam für die Seele», jubilierte Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow. «Wir sehen, wie sich der Importstopp positiv auf die Agrarwirtschaft auswirkt», betonte er. Verbände und Experten aber schlagen Alarm: Fälschungen überschwemmen den Markt, und überteuerte Waren belasten die Geldbeutel der Verbraucher.

Mit dem Einfuhrverbot für Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte aus westlichen Ländern hatte Russland am 6. August 2014 auf die Sanktionskaskade von EU und USA wegen der Ukraine-Krise reagiert. Die russische Führung lässt kaum eine Gelegenheit aus, auf den Schaden zu verweisen, den sich die EU mit den Strafmaßnahmen selbst zufügt: Bis zu 100 Milliarden Dollar (90 Mrd. Euro) sollen es Putin zufolge sein.

Aus Sicht von Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch ist es für Russland besser, je länger die Sanktionsschlacht dauert. «Diesen Zeitraum müssen wir nutzen, um die Qualität unserer Produktion zu steigern und unsere Gesetze zu verbessern», mahnt er.

Zwar ist zwischen August 2014 und Mai 2015 der Lebensmittelimport in Russland insgesamt um 7 Milliarden auf 1,6 Milliarden Dollar abgesackt. Doch in Moskaus Supermärkten deutet nichts auf eine Krise hin. Die Auslagen sind voll - auch mit Waren, die eigentlich wegen des Importverbots fehlen sollten. Camembert und Mozzarella zum Beispiel werden nun in Russland hergestellt, ganz im Sinne des Kreml.

Aber vor allem bei der Qualität ist die Bilanz nach einem Jahr russischer Gegenmaßnahmen aus Sicht von Andrej Danilenko, Chef des russischen Molkereiverbandes, miserabel. Das Importverbot habe bei Milchprodukten zu einer ernsthaften Verschlechterung geführt, kritisiert er großen Zeitungen zufolge.

Der Grund: Produktfälschung im großen Stil. «Einige senken ihre Kosten, indem sie billigere, aber nicht immer qualitativ bessere Rohstoffe verwenden oder die Verpackung ändern», klagt Dmitri Wostrikow, Direktor vom Verband der Lebensmittelhersteller.

Russlands Produzenten müssen sparen, wo sie können, denn der Konsum läuft nicht. Wegen einer schweren Wirtschaftskrise sind die Einkommen durchschnittlich um 8,5 Prozent gesunken. Die Preise für Lebensmittel aber sind der Statistikbehörde zufolge innerhalb eines halben Jahres um mehr als 14 Prozent gestiegen. Beobachter sind überzeugt, die Russen hätten begonnen, weniger Geld für Essen auszugeben.

Gerade bei stark fetthaltigen Nahrungsmitteln wie Butter, Joghurt und Käse greifen daher immer mehr Produzenten zu billigen Zutaten wie Palmöl, um teure tierische Fette zu ersetzen. «Palmöl wird jetzt überall hinzugefügt», beschwert sich der deutsche Unternehmer Stefan Dürr, der zu den größten Milchproduzenten in Russland gehört. Oft werde diese Tatsache aber verschwiegen, sagt er in einem Interview der Zeitung «Wedomosti».

Auch bei anderen Lebensmitteln beobachtet der russische Verbraucherschutz diesen Trend mit Sorge. So werden Gemüsepasten etwa mit Mehl oder Stärke gestreckt. Oft würden solche Schummeleien nicht auf der Verpackung ausgewiesen, wie es die Behörde verlangt.

Sogar originale Ware aus dem Westen gelangt trotz des Embargos durch Umetikettierung immer wieder auf den russischen Markt. Fleisch aus Deutschland und Früchte aus Spanien und Polen würden tonnenweise entdeckt, heißt es bei der Agraraufsicht. Länder wie Weißrussland und Kasachstan, die mit Russland in der Eurasischen Wirtschaftsunion eng verbunden sind, bilden die Brücke ins Riesenreich.

Dem will Putin nun einen Riegel vorschieben. Schinken, Parmesan und andere verbotene West-Produkte sollten künftig vernichtet werden, wenn sie in Russland entdeckt werden, ordnete er an. Die Regierung beauftragte er zudem, bis Jahresende schärfere Qualitätskontrollen auf den Weg zu bringen. Milch-Verbandschef Danilenko ist überzeugt: Das Embargo alleine bringe gar nichts. Die Industrie fordert vor allem hohe Strafen für Fälscher. Einer Erhebung des unabhängigen Lewada-Zentrums zufolge glaubt gut die Hälfte der Befragten, dass die russischen Gegenmaßnahmen auch Russland schaden.

Fr, 2015-07-31 05:45
Berlin (dpa)

Berlin will von Paris mehr Informationen zu Atomendlager-Plänen

Berlin (dpa) - Das Bundesumweltministerium will von Paris Aufklärung über die französischen Pläne zu einem möglichen Endlager für Atommüll im lothringischen Bure. Das Ministerium gehe davon aus, dass das Mitte Juni vom Parlament in Paris beschlossene Wirtschaftsförderungsgesetz keine Vorfestlegung bedeute, sagte eine Sprecherin in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Doch werde in Frankreich derzeit Bure als einziger Standort erkundet. Daher sei davon auszugehen, dass der für 2017 geplante Genehmigungsantrag für den Standort Bure gestellt werden solle.

In das Wirtschaftsförderungsgesetz war in letzter Minute ein Passus eingefügt worden, der die Pläne der Betreibergesellschaft Andra untermauert. Sie will 2020 mit dem Bau eines Endlagers in Bure beginnen. Von 2025 an sollen erste hoch- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden. Dies hatte Sorgen im Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg geschürt. Der Saar-Landtag forderte die Bundesregierung, namentlich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), auf, sich in Paris gegen den Standort einzusetzen.

Die Sprecherin des Bundesumweltministeriums betonte, die französische Regierung entscheide «souverän». Sie verwies aber darauf, dass das Land nach EU-Recht die Anrainer an einer Prüfung der Umweltverträglichkeit beteiligen muss. Ihr Ministerium wolle das Thema auch in der Deutsch-Französischen Kommission für Fragen der Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen aufgreifen.

Fr, 2015-07-31 04:00
Berlin (dpa)

Experte zu Islamisten-Prozessen: Das sind Fußsoldaten des Terrors

Berlin (dpa) - Die Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten in Deutschland geben aus Expertensicht einigen Aufschluss über die Terrorszene und ihre Strukturen. «Man erfährt viel Handwerkliches über den Modus Operandi, wenn die Angeklagten gesprächig sind», sagte der Terrorexperte Rolf Tophoven der Deutschen Presse-Agentur. Die Prozesse lieferten Informationen zu Rekrutierung, Strategien und Propaganda der Terrorgruppen. Allerdings stünden in Deutschland keine wesentlichen Akteure der Szene vor Gericht. «Das sind die Fußsoldaten. Das sind nicht die Masterminds des Terrors.»

In Deutschland gibt es derzeit mehrere Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten. Und in den nächsten Monaten werden wohl noch einige dazukommen. Bei der Bundesanwaltschaft laufen Dutzende Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte aus der Szene, auch gegen Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak. Mitte Juli hatte das Oberlandesgericht München erstmals einen Syrien-Rückkehrer wegen Mordes und Beteiligung am Terror verurteilt.

Tophoven mahnte, die deutsche Justiz müsse vernünftige Vorkehrungen treffen, wenn nach den laufenden Prozessen zunehmend Islamisten in Haft kämen. Denn grundsätzlich sei das Gefängnis ein Ort möglicher weiterer Radikalisierung.

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Fr, 2015-07-31 04:14
Ankara (dpa) 

Demirtas bestreitet PKK-Kontakte: «Schmutzige Propaganda» Erdogans

Nach der Aufkündigung des Friedensprozesses mit der kurdischen PKK durch Präsident Erdogan geht die türkische Justiz verstärkt gegen die kurdische Opposition vor. Gegen HDP-Chef Demirtas wird ermittelt.

Ankara (dpa) - Der Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, bestreitet den Vorwurf, er unterhalte Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekomme Anweisungen von ihr. «Wir haben zur PKK überhaupt keine Beziehungen», sagte er am Donnerstag im ZDF-«heute journal». Dies sei «schmutzige Propaganda» des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die HDP bekomme «von niemandem Anweisungen, [...] auch nicht von der PKK».

Die türkische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Demirtas eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, Bevölkerungsteile zur Bewaffnung provoziert und gegeneinander aufgewiegelt zu haben. Sollte es zur Anklage kommen, drohten Demirtas 24 Jahre Haft. Die HDP hatte bei der Parlamentswahl im Juni die Zehn-Prozent-Hürde klar übersprungen. Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP wiederum verlor ihre absolute Mehrheit und sucht noch nach einem Koalitionspartner.

Erdogan hatte den Friedensprozess mit den Kurden am Dienstag für beendet erklärt. Nach mehreren Anschlägen mit Dutzenden Toten fliegt die türkische Luftwaffe seit voriger Woche Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien sowie der PKK im Nordirak.

Diese Strategie Erdogans ist nach Einschätzung des CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok «kontraproduktiv». Sie verhelfe dem IS zu neuer Stärke, während die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden im syrisch-türkisch-irakischen Grenzgebiet litten, schrieb der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament in einem Gastbeitrag für die «Fuldaer Zeitung» (Freitag). «Erdogan handelt verantwortungslos, wenn er die aktuelle Lage zusätzlich nutzt, um sich Rückhalt für die nächsten Wahlen zu besorgen und ein Präsidialsystem durchzusetzen», betonte Brok weiter.

Auch HDP-Chef Demirtas sagte, bei dem Krieg, den Erdogan angezettelt habe, gehe es nicht um die Verteidigung des Landes. «Es geht um die Verteidigung der Macht des Staatspräsidenten.» Nach Ansicht von Demirtas wäre es das Beste, «dass man sofort Frieden mit der PKK schließt». Die internationale Gemeinschaft müsse darauf dringen, dass «sich die Türkei mit der PKK wieder an den Verhandlungstisch setzt».

Die HDP wolle die Möglichkeit behalten, mit der PKK wie mit der Regierung sprechen zu können. «Diese Kanäle dürfen nicht geschlossen werden», sagte Demirtas. «Solange die HDP diese Mission erfüllen kann, die zum Frieden beitragen kann , [...] wollen wir den Dialog.»

Fr, 2015-07-31 04:30
Mallorca (dpa)

Plastikschwemme vor Mallorca empört Badegäste und Umweltschützer Von Stephanie Schuster, dpa

In den Traumbuchten und auf feinsandigen Stränden der Balearen erleben Urlauber und Einheimische seit Wochen böse Überraschungen. Unmengen von Plastikmüll und anderer Unrat vermiesen den Badespaß.

Palma de Mallorca (dpa) - In nur wenigen Tagen habe sich der Strand von einem Paradies in eine Mülldeponie verwandelt, sagt Alberto Espejo, der den erschreckenden Anblick an der Bucht Cala Vella nahe der Siedlung Maioris an der Südküste Mallorcas gleich mit der Videokamera festhält. «Das wird jedes Jahr schlimmer», klagt der Mallorquiner. Er fordert ein sofortiges Eingreifen der Behörden. 

Wenige Tage danach kommt ein gutes Dutzend Freiwilliger zusammen und sammelt säckeweise Müll auf. Doch das gleicht einer Sisyphusarbeit. Da hat die Plastikschwemme bereits einige Kilometer weiter den nächsten Strand im Örtchen S'Estanyol erreicht. Und auch an zig anderen Buchten der Insel, vor allem im Süden und Südwesten, klagen Anwohner und Urlauber über erschreckend viel Unrat im Meer.

Bereits zuvor hatte Mallorcas Umweltverband GOB Alarm geschlagen und Fotos aus dem Cabrera-Nationalpark, dem zwölf Kilometer vor Mallorca gelegenen Archipel, verbreitet: Sie zeigen unter anderem eine eklige, ans Ufer schwappende Dreckbrühe. Dazu eine Schildkröte, die sich in einem Plastikband verheddert hat. Und zahlreiche, aus einer algerischen Fabrik stammenden Milchtüten. Auch vor der Küste von Ibiza ist viel Müll aufgetaucht.

GOB-Sprecher Toni Mun?oz wundert sich kein bisschen über die Plastikschwemme. Dass die Länder im Norden Afrikas, allen voran Algerien, ein enormes Entsorgungsproblem hätten, sei seit langem bekannt. Weite Teile der Küste sind mit Abfällen übersät, die früher oder später von der Brandung davongetragen werden, bestätigen auch algerische Umweltaktivisten. Die Elite des Landes verbrächte den Sommer nicht umsonst in Tunesien, wo die Strände sauberer seien.

Dass derzeit besonders viel Müll die mehr als 250 Kilometer zwischen der algerischen Küste und den Balearen zurücklegt, liegt Mun?oz zufolge am anhaltenden Südwind. Neu sei dieses Phänomen aber nicht, sagt Josep Maria Aguiló vom balearischen Amt für Wasser und Umwelt (Abaqua), der den Einsatz der sogenannten Müllboote rund um die Balearen-Inseln koordiniert.

«Diese Milchtüten haben wir schon 2004 gefunden, als das Umwelt-Ministerium den Service der Küstenreinigung eingeführt hat», sagt Aguiló. Dass in den Schlagzeilen nun von einer nie dagewesenen Verschmutzung die Rede ist, macht ihn wütend. Das sei vollkommen übertrieben - und schlecht für Mallorcas Image als Urlaubsinsel.

Allerdings sei es durchaus erklärbar, dass dieses Jahr besonders viel Müll an die Strände gelange: Man habe seit Wochen thermischen Wind, der vom Meer landwärts wehe. Drei, vier Tage Nordwind - und das Treibgut sei wieder weit draußen im Meer, wo es eben niemand sehe.

In Aguilós Augen ist die aktuelle Situation deshalb sogar positiv. «Unsere Boote sammeln viel mehr Unrat auf als im Vorjahr». Zumal die insgesamt 33 Müllschiffe - 15 vor Mallorca, je 8 vor Menorca und Ibiza und 2 vor Formentera - aufgrund der optimalen Wetterbedingungen derzeit jeden Tag rausfahren könnten. Außerdem seien sie in diesem Jahr sogar einen Monat länger als üblich unterwegs, nämlich von Anfang Mai bis Ende September, was sich die Balearenregierung immerhin 1,1 Millionen Euro kosten lasse.

Dennoch ist das Ausmaß der Müll-Schwemme damit kaum in den Griff zu bekommen, wie die Wissenschaftlerin Marina Sanz-Martín befürchtet. Sie ist Biologin am auf Mallorca ansässigen Meeresforschungsinstitut Imedea und hat an der ersten groß angelegten Studie mitgearbeitet, die die Plastikverschmutzung des Mittelmeers unter die Lupe nahm.

Vor zwei Jahren wurden hierfür an 28 Stellen mit kleinmaschigen Netzen Wasserproben entnommen. Die Ergebnisse für die Balearen sind besorgniserregend: Südlich von Formentera ist der Grad der Verschmutzung mit bis zu 2500 Gramm Plastik pro Quadratkilometer besonders hoch. Allerdings dürfe man sich darunter keinen «Plastikteppich aus algerischen Milchtüten und Cola-Dosen vorstellen», sagt die Wissenschaftlerin.

Auf der Suche nach Erklärungen für die derzeitige Plastikschwemme hatte der vermeintliche Müllteppich in Medien Mallorcas immer wieder als Sündenbock herhalten müssen. «Das ist vollkommen absurd», sagt Sanz-Martín. Bei dem entdeckten Plastik handele es sich um winzige Partikel, zu 83 Prozent kleiner als fünf Millimeter. Gerade sie aber sind es, die dem Ökosystem den größten Schaden zufügen. Zum einen verenden Meerestiere daran, zum anderen landet das Plastik über die Nahrungskette längst auch auf unseren Tellern.

Die Vorstellung von an der Meeresoberfläche treibenden Müllbergen ist Sanz-Martín zufolge also nicht richtig, auch nicht für die fünf nachgewiesenen riesigen Plastikstrudel im Pazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean: Diese bestünden ebenfalls aus Mikroplastik.

Fr, 2015-07-31 04:15
Berlin (dpa)

Forscher: Fehler im Asylsystem sind Grund für riesigen Antragsstau

Berlin (dpa) - Ineffiziente Strukturen im deutschen Asylsystem sind nach Experteneinschätzung Grund für den enormen Stau bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schiebe eine immense Bugwelle an unerledigten Anträgen vor sich her, sagte der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im europäischen Vergleich liege Deutschland hier einsam an der Spitze, und eine Besserung sei nicht in Sicht. Neben einem Mangel an «Entscheidern» in der Behörde sieht Thränhardt vor allem den großen Verwaltungsaufwand für sogenannte Widerrufsprüfungen und «Dublin»-Fälle als Ursache. In einem Gutachten für die Informationsplattform Mediendienst Integration fordert er eine Reform des Asylverfahrens.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit vielen Monaten rapide. Im ersten Halbjahr stellten fast 180 000 Menschen einen Asylantrag. Bis zum Jahresende werden mindestens 450 000 Anträge erwartet. Das Bundesamt, das alle Asylgesuche bearbeitet, wird damit kaum noch fertig. Bis Ende Juni hat sich dort ein Berg von fast 240 000 unbearbeiteten Anträgen angestaut. Das sind doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Fr, 2015-07-31 04:30
Berlin (dpa)

Mit und ohne Ohrpuscheln: Droht unseren Eichhörnchen Gefahr? Von Andrea Barthélémy, dpa

«Soooo süß»: Kaum ein Eichhörnchen-Foto bleibt ohne diesen Kommentar. Die Begeisterung für die Nager mit dem buschigen Schwanz ist hierzulande groß. Jetzt fürchten manche um den Bestand der heimischen Tiere - derzeit aber zu Unrecht.

Berlin (dpa) - Die Ohrpuscheln machen den Unterschied. Sie nämlich unterscheiden das heimische Eichhörnchen von seinem Ohrpuschel-freien Verwandten aus Nordamerika, dem Grauhörnchen. Und das sorgt auf den britischen Inseln seit längerem für Probleme: Etwas größer, robuster und von wenig Fressfeinden bedroht, verdrängt es dort das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Und indirekt rückt es ihm nun sogar in Deutschland auf den Pelz: Denn manche Eichhörnchenfreunde oder Gartenbesitzer verjagen und bekämpfen heimische Hörnchen grauer oder dunklerer Färbung - weil sie sie mit den forschen Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verwechseln.

«Dabei können beide Arten in einem funktionierenden, ausreichend großen Biotop durchaus nebeneinander existieren», sagt Anja Sorges vom Nabu Berlin. Ganz anders als in England und Norditalien sind Grauhörnchen in Deutschland bisher offiziell nicht nachgewiesen worden. Die hiesigen Wälder sind also reine Eichhörnchen-Zonen und auch in den Städten haben sie sich längst eingerichtet. Akute Gefahr für die kleinen Nagetiere besteht somit nicht, auch weil sie geschützt sind und in Kontinentaleuropa eine stabile Population haben.

In den nächsten Jahrzehnten könnte sich dies aber ändern. «Es ist zu erwarten, dass Grauhörnchen, die in Norditalien ausgesetzt wurden, mittelfristig die Alpengrenze überschreiten», sagt Eichhörnchenexperte und Sachbuchautor Stefan Bosch. Er schätzt, dass Grauhörnchen wegen ihrer größeren Robustheit und etwas anderer Lebensweise die Eichhörnchen dann in die Nadelwälder verdrängen. «Es könnte sein, dass wir dann irgendwann in den Bayrischen Wald oder den Schwarzwald fahren müssen, um Eichhörnchen zu sehen», sagt Bosch.

Auf der Skala der beliebten Tiere stehen sie zumindest ganz weit vorn. Kein Wunder: Sie sehen putzig aus, verfügen über beeindruckende Kletterkünste, machen Männchen und bedienen auch als ausgewachsene Tiere das Kindchenschema.

«Doch was viele Menschen vergessen: Sie sind Wildtiere», betont Anja Sorges. Weil vor allem Städter die Tierchen gerne «vermenschlichten», könne es auch zu skurrilen Szenen kommen. So wie vor wenigen Tagen: Eine Frau ruft die Polizei, weil sie von einem Eichhörnchen verfolgt wird, das ihr partout nicht mehr von der Seite weicht. «Es ist gut möglich, dass dieses Eichhörnchen von einem Menschen aufgezogen wurde», schätzt Sorges.

Auch das Foto eines Eichhörnchens, das in einem Gullydeckel feststeckte und von der Feuerwehr aus der misslichen Lage befreit wurde, rührte Zeitungsleser und Netzgemeinde. Getoppt noch von der Nachfolgestory, dass das Tierchen die mittels Olivenöl durchgeführte Rettungsaktion nur wenige Stunden überlebte. Grund: Stressschock.

In vielen Bundesländern und Großstädten gibt es Eichhörnchen-Notrufe und -Hilfsvereine. Dort kann man anrufen, wenn man ein verletztes oder aus dem Kobel gefallenes Jungtier findet und nicht weiter weiß. In Eckernförde etwa, wo ein Eichhörnchen das Stadtwappen ziert, werden im Eichhörnchen-Zentrum verletzte, verwaiste und kranke Tiere in einem Großgehege aufgepäppelt und dann wieder freigelassen.

In Berlin steht die Aktion Tier-Eichhörnchenhilfe mit Infos zur Ersthilfe bereit - und initiierte unter anderem auch den Bau einer Eichhörnchen-Seilbrücke in neun Metern Höhe über eine vielbefahrene Straße. «Das hat sich bewährt», sagt Tanya Lenn, die in den vergangenen 17 Jahren mehr als 1200 Eichhörnchen versorgte. «Es ist ein Riesenbedarf da.» Aber auch sie räumt ein, dass es manchen Findern schwer fällt, die Hörnchen wieder in Freiheit zu entlassen. «Grundsätzlich ist das aber gut möglich.»

Experte Bosch sieht solche Aktionen mit gemischten Gefühlen. «Hilfestellungen wie Eichhörnchen-Brücken über befahrene Straßen mögen durchaus Sinn machen. Verletzte Jungtiere aufzupäppeln, hilft den Eichhörnchen aber weniger - vor allem, weil sie doch oft schwer wieder auszuwildern sind und ihnen für das Überleben in der freien Wildbahn wertvolle Fähigkeiten fehlen.» Ein Wildtier ist eben kein Stofftier, auch wenn es so aussieht.

Fr, 2015-07-31 04:30
Berlin (dpa)

Forscher: Fehler im Asylsystem sind Grund für riesigen Antragsstau

Der Berg an unerledigten Asylanträgen in Deutschland wird immer größer: Fast 240 000 haben sich angestaut - so viel wie in allen anderen EU-Staaten zusammen. Und das hat nicht allein mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen zu tun, meint Migrationsforscher Thränhardt.

Berlin (dpa) - Ineffiziente Strukturen im deutschen Asylsystem sind nach Experteneinschätzung Grund für den enormen Stau bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schiebe eine immense Bugwelle unerledigter Anträge vor sich her, sagte der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im europäischen Vergleich liege Deutschland hier weit an der Spitze, und eine Besserung sei nicht in Sicht. Neben einem Mangel an «Entscheidern» in der Behörde sieht Thränhardt vor allem den großen Verwaltungsaufwand für sogenannte Widerrufsprüfungen und «Dublin»-Fälle als Ursache. In einem Gutachten fordert er eine Reform des Asylverfahrens.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit vielen Monaten rapide. Im ersten Halbjahr stellten fast 180 000 Menschen einen Asylantrag. Bis zum Jahresende werden mindestens 450 000 Anträge erwartet. Das Bundesamt, das alle Asylgesuche bearbeitet, wird damit kaum noch fertig. Bis Ende Juni hat sich dort ein Berg von fast 240 000 unbearbeiteten Anträgen angestaut. Das sind doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

«In der Bundesrepublik gibt es so viele unerledigte Anträge wie in allen anderen EU-Ländern zusammen», sagte Thränhardt. Der Berg wachse seit 2008 ununterbrochen an. Dies Problem habe seinen Ursprung also vor dem rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen.

In einem Gutachten für die Informationsplattform Mediendienst Integration, das am Freitag veröffentlicht werden sollte und der dpa vorab vorlag, nennt der Wissenschaftler mehrere Gründe für die Entwicklung. Sehr viel Aufwand für das Bundesamt verursachen demnach die Widerrufs-Prüfverfahren: Hat ein Asylantrag Erfolg, bekommen die Betroffenen eine Aufenthaltserlaubnis für bis zu drei Jahre. Danach muss das Bundesamt überprüfen und entscheiden, ob der Asylstatus erhalten bleibt - oder eben widerrufen wird.

Dies Vorgehen gebe es nur in Deutschland, erklärte Thränhardt. Der Nutzen sei jedoch fraglich, weil es nur in den wenigsten Fällen zum Widerruf des Flüchtlingsstatus komme. Im vergangenen Jahr habe die Behörde rund 16 000 solche Verfahren eingeleitet, von denen weniger als fünf Prozent zum Widerruf geführt hätten.

Eine weitere Belastung für die Behörde seien die sogenannten Dublin-Fälle. Viele Menschen, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, sind über einen anderen EU-Staat nach Europa eingereist und müssen laut Dublin-Verordnung eigentlich dorthin zurück. Im vergangenen Jahr traf das auf etwa jeden fünften Asyl-Erstantrag zu. Nur in 14 Prozent der Fälle wurden Asylbewerber aber tatsächlich in ein anderes Land überstellt. Zum Teil gehen andere Staaten schlicht nicht auf solche «Übernahmeersuchen» ein.

Auch hier stelle sich die Frage, ob die Ergebnisse den Aufwand rechtfertigten, sagte Thränhardt. 45 der 560 «Entscheider» beim Bundesamt seien ausschließlich mit Dublin-Fällen beschäftigt.

Der Migrationsforscher plädierte dafür, die Widerrufs-Prüfverfahren komplett abzuschaffen und die Dublin-Fälle nicht mehr vorrangig als solche zu behandeln. Außerdem brauche die Behörde dringend mehr Personal. Thränhardt hält dort etwa 2000 «Entscheider» für nötig. Derzeit hat das Amt gut 2800 Mitarbeiter, davon aber nur 560, die am Ende über Asylanträge entscheiden. Die Bundesregierung hat der Behörde bis zu 2000 Stellen zusätzlich versprochen. Die Einstellung und Ausbildung von «Entscheidern» braucht aber Zeit.

Fr, 2015-07-31 03:30
Osnabrück (dpa)

Grünen-Politiker: Recht auf anonyme Äußerungen im Netz muss bleiben

Osnabrück (dpa) - Trotz der Zunahme ausländerfeindlicher Äußerungen im Internet muss nach Worten des Grünen-Politikers Konstantin von Notz das Recht auf anonyme Äußerungen gewahrt bleiben. «Die zunehmende Hetze und der ungehemmte Ausländerhass sind besorgniserregend. Ob auf der Straße, am Stammtisch oder im Netz, «hate speech» ist überall unerträglich», sagte der Vize-Fraktionsvorsitzende und Sprecher für Netzpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag). Die Antwort darauf dürfe jedoch nicht zu einer Beschränkung von Grundrechten führen. «Strafrechtrelevante Diskriminierungen müssen verfolgt werden. Das Recht auf anonyme und pseudonyme Äußerungen im Netz muss dabei aber unangetastetes Grundrecht bleiben», sagte er.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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