So, 2015-05-24 08:41
Abeba (dpa)

Äthiopien wählt ein neues Parlament - 37 Millionen Wähler

Addis Abeba (dpa) - Im ostafrikanischen Äthiopien haben am Sonntag Parlamentswahlen begonnen. In dem nach Nigeria bevölkerungsreichsten Land Afrikas sind laut Wahlbehörde 36,8 Millionen Wähler registriert. In der Hauptstadt Addis Abeba war der Andrang in den meisten Wahllokalen am frühen Morgen groß.

In dem armen Land am Horn von Afrika ist seit 24 Jahren die Partei EPRDF an der Macht. Kritiker werfen der Regierung vor, die Opposition zu unterdrücken. Politisch Andersdenkende und regierungskritische Journalisten werden häufig inhaftiert. 2010 hatte die Partei 99,6 Prozent der Parlamentssitze gewonnen - die Opposition bekam nur einen einzigen Sitz.

«Wir wollen endlich eine echte Demokratie», sagte der Geschäftsmann Ermias beim Verlassen eines Wahllokals im Zentrum von Addis Abeba. Für wen er gestimmt hat, wollte er nicht verraten. Insgesamt stellen sich 58 Parteien zur Wahl, aber ein haushoher Sieg der EPRDF galt bereits im Vorfeld als sicher. Beobachter rechnen mit einer hohen Wahlbeteiligung. Ein vorläufiges Ergebnis soll innerhalb von fünf Tagen vorliegen. Das Endergebnis wird am 22. Juni bekanntgegeben.

So, 2015-05-24 08:30
Berlin (dpa)

Bürger wollen bei kommunalen Verkehrs- und Bauprojekten mehr mitreden

Berlin (dpa) - Bei der Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene gibt es in Deutschland noch viel Nachholbedarf. Besonders für Verkehrs- und Bauprojekte ihrer Stadt oder Gemeinde wünschen sich rund zwei Drittel der Bürger mehr Einfluss auf Entscheidungen. Das ergibt sich aus einer Forsa-Umfrage für das Forschungsministerium (BMBF) im Rahmen des «Wissenschaftsjahres 2015 - Zukunftsstadt» .

Insgesamt würde gut die Hälfte der Befragten (58 Prozent) gern stärker mitreden, wenn in ihrer Stadt etwas entschieden und umgesetzt wird. 24 Prozent waren der Meinung, bereits genug in lokale Entscheidungen einbezogen zu sein. In Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern war nur jeder Fünfte (19 Prozent) mit den jetzigen Einflussmöglichkeiten zufrieden - 66 Prozent sahen Nachholbedarf.

Wichtige Themen, die Bürger gern verstärkt beeinflussen würden, sind dem Meinungsforschungsinstitut zufolge Verkehrsplanung (71 Prozent) und Bauprojekte (65). Seltener wurden Umweltschutz (44 Prozent), kommunale Finanzen (43) und die Unterbringung von Flüchtlingen oder Asylbewerbern (40) genannt.

Erfahrungen mit kommunaler Bürgerbeteiligung sind dabei durchaus verbreitet. 42 Prozent haben sich laut Umfrage schon einmal an einem Vorhaben oder einer Entscheidung in der eigenen Stadt oder Gemeinde beteiligt - 40 Prozent indes noch nie. Und weitere 14 Prozent sagten, es gebe in ihrer Stadt gar keine Möglichkeiten zur Beteiligung.

Wissenschaft und Forschung sollten bei Fragen der Stadtentwicklung nach Meinung der Bürger stärker einbezogen werden: 71 Prozent sehen einen höheren Beratungsbedarf der Kommunalpolitik durch Experten. Hier setzt laut Ministerium der Wettbewerb «Zukunftsstadt» an: 52 ausgewählte Kommunen entwickeln dabei gemeinsam mit Bürgern eine «Vision 2030+» von der Weiterentwicklung ihrer Stadt.

So, 2015-05-24 07:45
Berlin (dpa)

Foodwatch: Klonfleisch kein Science-Fiction-Szenario

Berlin (dpa) - Europaweite Kennzeichnungspflichten für Klonfleisch schützen Konsumenten aus Sicht der Verbraucherorganisation Foodwatch nicht wirksam vor unwissentlichem Verzehr. «Ob das irgendetwas verändern würde, wage ich zu bezweifeln», sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt der Deutschen Presse-Agentur. Bei ganzen Schlachtkörpern sei eine solche Regelung vielleicht noch praktikabel. Aber im Hackfleisch eines Hamburgers seien so viele Fleischsorten vereint, dass eine Kennzeichnung kaum möglich sei.

Politiker über alle Bundestagsfraktionen hinweg fordern strikte EU-weite Regeln für den Umgang mit Klonfleisch - am besten ein dauerhaftes Verbot auch des Imports, ersatzweise Kennzeichnung und Kontrollen. Die Pläne der EU-Kommission gehen nicht so weit.

Unter Klonen versteht man die Erzeugung genetisch identischer Nachkommen. Foodwatch sieht darin kein theoretisches Problem. Schon heute gebe es Indizien für einen weltweiten Handel mit Zuchtmaterial geklonter Tiere. Es sei gut vorstellbar, dass gentechnisch optimierte Tiere in naher Zukunft durch Klonen reproduziert würden. «Das ist nicht Science-Fiction, sondern schon am Horizont», sagte Wolfschmidt.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-05-24 06:53
Magdeburg (dpa)

Haseloff: Bund-Länder-Finanzstreit festgefahren - Notfalls Klage

Seit langem ringen Bund und Länder um die künftige Verteilung der Steuereinnahmen. Die Zeit drängt. Kann es in letzter Minute noch eine Lösung geben?

Magdeburg (dpa) - Die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die künftige Verteilung der Steuereinnahmen stecken nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in einer Sackgasse. «Die Sache ist fachlich sehr verfahren», sagte Haseloff in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle weiter eine politische Lösung - schließe aber auch einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht nicht aus.

Die ostdeutschen Länder hätten klar aufgezeigt, dass sie auch nach dem Auslaufen des Solidarpakts II 2019 einen erhöhten Bedarf hätten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums liegt die Steuerkraft pro Einwohner derzeit bei 55 Prozent des Bundesdurchschnitts. Alle Ostländer bräuchten noch sehr lange, bis dieser Prozentsatz wesentlich ansteige, erklärte Haseloff. «Momentan erkenne ich nicht, wie die verschiedenen Positionen in unserem Sinne aufgelöst werden können», sagte Haseloff. «Wir haben bisher ein Ausgleichssystem, das gut funktioniert hat. Alles was derzeit diskutiert wird, ist schlechter und kann von uns nicht hingenommen werden.»

Bund und Länder hatten vereinbart, bis Ende Juni einen Kompromiss zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen zu finden. Eine Einigung erst nach der Sommerpause gilt als noch schwieriger, weil dann Landtagswahlkämpfe anstehen und 2017 die nächste Bundestagswahl.

«Es muss eine akzeptable, grundgesetzkonforme Finanzausstattung aller Länder geben», betonte Haseloff. Dies bedeute, dass alle Länder in einer gewissen Spanne um den Mittelwert finanziell auszustatten seien. «Das ist eine aus dem Grundgesetz ableitbare Forderung», sagte Haseloff. «Alles andere wäre verfassungswidrig.» Derzeit klagen bereits die Geberländer Bayern und Baden-Württemberg vor dem Bundesverfassungsgericht - weil sie allerdings künftig weniger Geld abgeben wollen.

Eine eigene Anrufung der Verfassungsrichter sei für ihn die letzte Option. «Ich glaube nicht, dass es notwendig sein wird. Aber wenn überhaupt nicht erkennbar ist, dass es zu einer Kompromissfindung kommt, dann ist eine abschließende Klärung durch das Verfassungsgericht in Karlsruhe hilfreich.» Die Richter könnten dann festlegen, wie ein Ausgleichssystem zwischen reicheren und ärmeren Bundesländern aussehen müsse und damit Planungssicherheit geben.

So, 2015-05-24 05:00
Amsterdam (dpa)

Majestätsbeleidigung gibt es noch: Null-Toleranz für «Fuck de koning» Von Annette Birschel, dpa

1887: «Der König ist ein Gorilla», ruft der Niederländer Alexander Cohen. Strafe: Sechs Monate Gefängnis. Heute: «Fuck de koning», ruft ein Demonstrant in Amsterdam. Über seine Strafe wird erregt diskutiert.

Amsterdam (dpa) - Niederländer sind nicht gerade für sprachliches Feingefühl bekannt. Richtig «lekker» finden sie Fluchen und Schimpfen. Beliebte Ausdrücke sind «Godverdomme» (Gottverdammt), das Wort «Fuck», aber auch die Namen von tödlichen Krankheiten und Geschlechtsteilen werden verwendet. Doch wehe, es geht ums Königshaus - dann ist Schluss mit lustig. Einem Demonstranten droht nun sogar ein Prozess, weil er «Fuck de koning» gerufen hat.

Ende 2014 bekräftigte Abulkasim Al-Jaberi seinen Protest gegen den vermeintlich rassistischen Nikolaus mit dem Ausruf: «Fuck de koning, fuck de koningin, fuck het koningshuis.» Sofort wurde er festgenommen. Weil er sich weigerte, die Geldbuße von 500 Euro zu zahlen, kam jetzt die Vorladung. Nach Artikel 111 des Strafgesetzbuches aus dem 19. Jahrhundert wird Beleidigung des Königs mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer Geldstrafe bis zu 20 000 Euro bestraft.

Ein Sturm der Entrüstung brach los. Unbekannte sprayten aus Wut sogar dreimal das F-Wort auf die Palastmauern in Amsterdam. Juristen, Politiker und Kolumnisten riefen «Schande» und verwiesen auf die Meinungsfreiheit. «Steht der König etwa höher als Jesus?», fragte De Volkskrant. Denn das Verbot der Gotteslästerung wurde 2014 abgeschafft. Parteien fordern nun auch die Streichung des Paragrafen zur Majestätsbeleidigung.

Die Staatsanwaltschaft ruderte zwar zurück und erwägt, das Verfahren gegen den Demonstranten einzustellen, nach dem Motto: Dummm gelaufen. Doch die Fuck-Affäre ist kein Einzelfall. Im Gegenteil, Strafen sind seit einigen Jahren die Regel. Seit 2000 wurden mindestens 20 Personen wegen Beleidigung des Staatsoberhauptes verfolgt. Darunter auch ein Mann, der 2010 ein Teelicht gegen die Goldene Kutsche der Oranjes warf. Urteil: fünf Monate Gefängnis.

So streng wie in Thailand sind die Niederländer aber nicht. Dort wurde erst kürzlich ein Geschäftsmann zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er auf Facebook König Bhumibol beleidigt hatte. Und doch: Die toleranten Niederlande sind deutlich restriktiver als andere europäische Monarchien.

Das Großherzogtum Luxemburg schaffte bereits 2002 das Delikt der Majestätsbeleidigung ab. Wie jeder Bürger kann auch Großherzog Henri Anzeige wegen Verleumdung oder übler Nachrede erstatten, wenn er will. Er tat es aber bisher nicht.

In Dänemark gibt es zwar einen entsprechenden Paragrafen, doch wird so gut wie nie jemand angeklagt. Zuletzt wurden 2011 Greenpeace-Aktivisten vom Vorwurf der Majestätsbeleidigung freigesprochen.

In Belgien ist Beleidigung des Königs zwar theoretisch strafbar. Doch faktisch muss sich König Filip regelmäßig bissigen Spott gefallen lassen. Das gilt auch für die Windsors in Großbritannien und das spanische Königshaus.

Die meisten Niederländer halten die Strafen nicht mehr für zeitgemäß. Und was meint König Willem-Alexander? Er hält sich raus. Es sei gut, dass das Parlament darüber debattiere, sagte er jetzt Journalisten. Er werde jedes Ergebnis akzeptieren. Vor dem Thronwechsel vor zwei Jahren hatte er noch gesagt: «Protestieren muss immer möglich sein.»

So, 2015-05-24 05:30
Berlin (dpa)

Politiker fordern dauerhaftes Verbot von Klonfleisch in der EU

Berlin (dpa) - Deutsche Politiker warnen parteiübergreifend vor zu laxen Regeln für den Umgang mit Fleisch geklonter Tiere in der Europäischen Union. «Wir wollen ein umfangreiches Verbot, und wir wollen eine klare Kennzeichnung», sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. «Der Verbraucher muss erkennen können, was er isst. Der Verbraucher will ein Steak vom Bauernhof, kein Klonfleisch aus dem Reagenzglas.» Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, sagte der dpa: «Wir brauchen keine geklonten Tiere für die Lebensmittelproduktion.»

In einem auch mit den Stimmen der Linken verabschiedeten Antrag fordern Union, SPD und Grüne die Bundesregierung gemeinsam auf, sich auf EU-Ebene für ein dauerhaftes Verbot des Klonens von Tieren zur Lebensmittel-Produktion einzusetzen. Klontiere und deren Fleisch dürften auch nicht importiert werden. Sollte ein Verbot scheitern, fordern die Parlamentarier Kennzeichnungspflichten und Kontrollen.

Die EU-Kommission plant derzeit weniger weitreichende Regelungen. Demnach dürften Nachkommen von Klontieren und Zuchtmaterial weiterhin ohne Beschränkung und Kennzeichnung importiert werden. Unter Klonen versteht man die Erzeugung genetisch identischer Nachkommen.

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So, 2015-05-24 04:00
Magdeburg (dpa)

Haseloff: Bund-Länder-Finanzverhandlungen stecken fest

Magdeburg (dpa) - Die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die künftige Verteilung der Steuereinnahmen stecken nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in einer Sackgasse. «Die Sache ist fachlich sehr verfahren», sagte Haseloff der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle weiter eine politische Lösung - schließe aber auch einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht nicht aus. Bund und Länder hatten vereinbart, bis Ende Juni einen Kompromiss zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen zu finden. Eine Einigung erst nach der Sommerpause gilt als noch schwieriger, weil dann Landtagswahlkämpfe anstehen und 2017 die nächste Bundestagswahl.

So, 2015-05-24 02:00
Moskau (dpa) 

Separatistenführer in Ostukraine bei Anschlag getötet

Moskau (dpa) - Ein Kommandeur der prorussischen Separatisten in der Ostukraine ist bei einem Anschlag getötet worden. Wie die russische Nachrichtenagentur Tass weiter unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft des Separatistengebiets Luhansk am Samstag berichtete, geriet Alexej Mosgowoi, Kommandeur eines Polizeibataillons, in einen Hinterhalt. Sein Auto sei in der Nähe von Alchewsk in die Luft gesprengt worden und dann mit Maschinengewehren beschossen worden. Bei dem Attentat seien auch sechs andere Menschen ums Leben gekommen. Schon vorher habe es mehrere Versuche gegeben, Mosgowoi zu töten, hieß es bei Tass weiter.

So, 2015-05-24 01:30
Rangun (dpa)

Angriff auf die Betelnuss - «Speichel diszipliniert ausspucken» Von Verena Hölzl, dpa

Myanmarer kauen mit Vorliebe Betelnuss. Doch das Rauschmittel ist krebserregend. Jetzt schlagen Politiker Alarm.

Rangun (dpa) - Win Zaws Atem riecht süßlich frisch, ein bisschen nach Minze. Doch wenn er lacht, gruselt es manch unbedarften Beobachter: Zwischen den Lippen kommen unter stark geschrumpftem Zahnfleisch unappetitlich karminrot gefärbte Zähne zum Vorschein. Seit zehn Jahren kaut der Obstverkäufer aus Myanmars größter Stadt Rangun Betelnuss. Win Zaw hat noch Glück: bei anderen Betel-Kauern sind nur noch faule Zahnstümpfe übrig.

Betel-Kauen ist in diesem bitterarmen Land in Südostasien wie eine Epidemie. Jeder zweite Mann des 50-Millionen-Volkes konsumiert das Rauschmittel, wie das Gesundheitsministerium schätzt. Die Betelnüsse - botanisch korrekt handelt es sich eigentlich um Samen - stammen von der Areca-Palme. Sie werden klein geschnitten, mit Gewürzen und meist mit Tabak in Blätter gewickelt, dann wird der Priem in die Backe gesteckt.

Das Kauen macht süchtig und kann Mundhöhlenkrebs und viele andere Krankheiten verursachen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt. Kürzlich befasste sich auch das Parlament der einstigen Militärdiktatur mit dem Thema. Die Parlamentarier verlangen mehr Aufklärung über die Risiken. Und mehr Disziplin, um den Ruf des Landes bei den in immer zahlreicher ins Land strömenden Touristen nicht zu ruinieren.

Das Betelnusskauen produziert viel Speichel. Kauer müsse deshalb ständig ausspucken: Auf den Straßen sieht es aus, als seien alle paar Meter Blutspritzer gelandet. In Mandalay gibt es schon Straßenschilder, auf denen steht: «Speichel nur diszipliniert ausspucken».

Irgendwie weiß Win Zaw ja, dass die Betelnuss nicht gut für ihn ist. Der 48-Jährigen findet Zigaretten aber schädlicher. «Den Rauch atme ich in die Lunge ein, die Betelnuss spucke ich wieder aus», meint er. Er ist Stammgast bei Ma Aye, die neben seinem Obststand Betel anbietet. Einen Schuhkarton voller Blätter wird sie jeden Tag los. Drei Päckchen kosten umgerechnet zehn Cent.

Betel ist ein weltweit verbreitetes Suchtmittel, nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kauen regelmäßig 600 Millionen Menschen darauf herum. Und die WHO sieht darin ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit.

Ma Aye weiß davon nichts. Sie hackt violett-weiß-marmorierte Nüsse in Scheibchen und verteilt en paar auf einem tassengroßen Betelblatt. Dann träufelt sie gelöschten Kalk darüber. Der sorgt dafür, dass der Körper die stimulierende Substanz der Nuss aufnehmen kann. Dazu kommt Tabak, und je nach Geschmack auch Zimt, Kokos oder Kardamom. Behände wickelt sie die Blätter zu kleinen Päckchen. Ihre jüngsten Kunden sind 15. Und gar nicht so selten auch weiblich.

Tint Tint Kyi ist Ärztin am General Insein-Krankenhaus und warnt vor den Gefahren. «Wer Betel kaut, schädigt sich doppelt: einmal durch den Tabak und dann noch durch die krebserregenden Substanzen der Nuss.» Sie kämpft seit Jahren gegen das Betelkauen. Wenn sie aufs Land fährt oder in ihrem Krankenhaus zu Aufklärungsrunden einlädt, setzt sie auf einen Ekelschock: Sie zeigt Fotos von Mündern mit Geschwüren und verfaulten Zahnstumpen. «Alleine kann ich nicht viel ausrichten», sagt sie frustriert. Und die Zahl der Betel-Fans geht nicht zurück.

Noch gibt es keine systematische Aufklärung. Kaum ein Taxifahrer in Yangon reißt an der Ampel nicht die Tür auf, um die dickflüssige rote Betel-Spuke loszuwerden. Wer einen Bus passiert, muss aufpassen: Spucke fliegt regelmäßig in hohem Bogen aus dem Fenster.

Pyae Phyo hat auch einen Priem im Mund. Klar wisse er, dass das nicht gut sei, sagt der 26-Jährige. Der Vater eines Freundes sei sogar an Mundhöhlenkrebs gestorben. «Aber was soll ich tun? Ich bin Lastwagenfahrer, ich brauche es, um wach zu bleiben», rechtfertigt er sich. Außerdem sei Betel günstiger als Zigaretten. Finden Mädchen das nicht ekelig bei einem jungen Mann? «Denen gefällt es doch, wenn wir Betel kauen», behautet er. Ganz überzeugt scheint er aber nicht zu sein.

So, 2015-05-24 00:17
Bujumbura (dpa)

Oppositionspolitiker in Burundi ermordet

Bujumbura (dpa) - Im ostafrikanischen Krisenstaat Burundi ist ein Oppositionsführer ermordet worden. Wie der französische Auslandssender RFI berichtete, wurde Zedi Feruzi, Chef der kleinen Oppositionspartei Union für Frieden und Demokratie, am Samstagabend in der Hauptstadt Bujumbura von Unbekannten zusammen mit seinem Leibwächter erschossen. Kurz nach dem Anschlag hätten die blutige Leiche Feruzis und die des toten Polizisten vor dem Haus des Oppositionspolitikers gelegen. Feruzi sei zum Zeitpunkt des Attentats offensichtlich zu Fuß unterwegs gewesen, sagte ein Nachbar laut RFI.

Burundi wird seit Wochen von Protesten gegen Präsident Pierre Nkurunziza erschüttert. Viele Menschen in dem armen Land wollen verhindern, dass der Staatschef bei Wahlen Ende Juni entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit kandidiert. Auch am Freitag gab es wieder Demonstrationen in verschiedenen Stadtvierteln von Bujumbura. Seit Beginn der Proteste Ende April sind Menschenrechtlern zufolge bereits mehr als 25 Menschen gestorben. Ein Putschversuch von Militärs scheiterte. In dem armen Land mit rund zehn Millionen Einwohnern war erst vor zwölf Jahren ein Bürgerkrieg mit über 300 000 Toten beendet worden.

Sa, 2015-05-23 20:14
(dpa)

Neuer Luftangriff auf Farc-Rebellen in Kolumbien: 7 Tote

Bogotá (dpa) - Mindestens sieben Farc-Rebellen sind bei einem neuen Luftangriff der kolumbianischen Streitkräfte getötet worden. Kampfflugzeuge bombardierten am Samstag ein Lager der linksgerichteten Guerilla im nordöstlichen Departement Antioquia, wie der Rundfunksender RCN berichtete. Am Donnerstag waren bei einem Luftangriff 27 Rebellen getötet worden. Die Farc kündigte daraufhin am Freitag ihre im Dezember einseitig verkündete Waffenruhe auf.

Die Eskalierung des Konfliktes ist ein schwerer Rückschlag für die seit Ende 2012 laufenden Friedensgespräche in Havanna. Beide Seiten bekräftigten jedoch ihren Willen, die Verhandlungen weiterzuführen. Die vorgesehene Sitzung vom Samstag in der kubanischen Hauptstadt wurde jedoch gekanzelt. Die Delegationen sollen erneut am Montag zusammenkommen.

Sa, 2015-05-23 19:00
Abeba (dpa)

Parlamentswahl in Äthiopien - fast 37 Millionen registriert

Addis Abeba (dpa) - Äthiopien wählt am Sonntag ein neues Parlament. In dem nach Nigeria bevölkerungsreichsten Land Afrikas (94 Millionen Einwohner) ist seit 24 Jahren die gleiche Partei an der Macht. Beobachter glauben, dass die EPRDF auch in diesem Jahr wieder mit riesigem Vorsprung gewinnen wird. 2010 hatte die Partei 99,6 Prozent der Parlamentssitze gewonnen - die Opposition bekam nur einen einzigen Sitz. Das Parlament wählt anschließend den Ministerpräsidenten.

Insgesamt haben sich laut Wahlbehörde (NEBE) 36,8 Millionen Wähler registriert. Menschenrechtler warnten aber im Vorfeld, dass die Meinungsfreiheit in dem armen Land am Horn von Afrika stark eingeschränkt ist und Mitglieder der Oppositionsparteien und ihre Anhänger eingeschüchtert und bedroht worden seien. Ein vorläufiges Ergebnis soll innerhalb von fünf Tagen vorliegen. Das Endergebnis wird am 22. Juni bekanntgegeben.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Sa, 2015-05-23 17:56
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Forschungsministerin gegen Gentechnik-Verbot in Deutschland

Berlin - Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat sich gegen ein Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland ausgesprochen. «Es ist doch absurd: In der Medizin ist Gentechnik völlig akzeptiert», sagte die CDU-Politikerin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Bei Pflanzen und Nahrungsmitteln gilt sie plötzlich als verpönt.»

Deutschland sei rohstoffarm und daher auf wissenschaftlichen Fortschritt angewiesen. «Stimmungsmache, um die Freiheit von Forschung einzuschränken, ist sehr gefährlich und eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Deutschland», fügte Wanka hinzu. Die Politik dürfe Ängsten in der Bevölkerung nicht ohne weiteres nachgeben. «Wir dürfen nicht gleich die Fahne einrollen, wenn es schwieriger wird. Wir als Politiker müssen für unsere Überzeugungen einstehen. Auch dann, wenn sie gerade nicht populär sind», sagte die Ministerin.

Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist in Deutschland seit Jahren sehr umstritten. Nach Plänen der EU-Kommission soll ein Verbot in einzelnen Mitgliedstaaten künftig möglich sein. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat einen Gesetzentwurf für ein nationales Anbauverbot auf den Weg gebracht.

Sa, 2015-05-23 17:03
Abuja (dpa)

Nigerias Militär zerstört Boko-Haram-Camps - «Dutzende Tote»

Abuja (dpa) - Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben vier Camps der Terrorgruppe Boko Haram im Nordosten des Landes zerstört. Bei den Luft- und Artillerie-Angriffen seien Dutzende militante Islamisten getötet worden, sagte Armeesprecher Chris Olukolade am Samstag, ohne Einzelheiten zu nennen. 20 Frauen und Kinder seien bei der Aktion am Freitag aus der Gewalt der Terrorgruppe befreit worden. Ein Soldat sei bei dem Einsatz getötet worden.

Boko Haram ist im Nordosten Nigerias immer wieder Gewalttaten verantwortlich. Die Gruppe will in der Region einen sogenannten Gottesstaat errichten und hat seit 2009 über 13 000 Menschen getötet. Zuletzt wurde sie vom Militär und einer multinationalen Truppe zurückgedrängt.

Sa, 2015-05-23 15:59
Washington (dpa)

Chaos-Tage im US-Senat - Keine Einigung über NSA-Reform Von Peer Meinert,dpa

Das millionenfache Ausspähen durch den US-Geheimdienst NSA hatte die Welt empört. Dann hatte Obama eine Reform angestoßen. Zeitweise sah es ganz gut aus. Doch jetzt läuft die Sache im Senat aus dem Ruder.

Washington (dpa) - Es war Samstag nach Mitternacht, die Senatoren waren müde, jeder wollte möglichst schnell ins lange Wochenende des Memorial Feiertags. Unglücklicherweise stand da noch eine Reform der Datensammelei des Geheimdienstes NSA auf der Tagesordnung - keine Kleinigkeit also. Doch plötzlich ging gar nichts mehr. Die Debatte wurde immer gereizter, am Ende konnte man sich nicht einmal auf eine kurze Übergangslösung für das Ausspähprogramm einigen. Chaos im US-Kongress.   

Es ist nicht das erste Mal, dass eine wichtige Reform in den USA an politischer Zerrissenheit und ideologischer Aufheizung scheitert - oder zu scheitern droht. Wenn es um die nationale Sicherheit geht, haben sich die Streithähne meist noch in letzter Minute zusammenraufen können. Doch diesmal sieht es nicht gut aus.

Dabei schien die Ausgangslage geradezu ideal: Vor nur einer Woche hatte das Repräsentantenhaus mit breiter Mehrheit einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die massenhafte NSA-Speicherung der Telefondaten von Millionen US-Bürgern beenden soll. Die Reform mag zwar in deutschen Augen als eher mickrig erscheinen - doch Kommentatoren in Washington jubelten. Endlich war die Verhärtung zwischen Republikanern und Demokraten einmal durchbrochen.

Doch was sich dann im ebenfalls von Republikanern beherrschten Senat abspielte, hatte Seltenheitswert. Insider meinen, Schuld am Chaos habe vor allem der «Security Hawk» (Falke in Sicherheitsfragen) Mitch McConnell: Der republikanische Mehrheitsführer im Senat habe die Stimmung offenbar völlig falsch eingeschätzt. Der Mann aus Kentucky («Wir leben in einer Zeit höchster Bedrohung») hält es für unverantwortlich, der NSA-Sammelwut derzeit Zügel anzulegen.

Doch zu spät habe er bemerkt, dass sich die Mehrheit darauf nicht einlassen wollte. Selbst als er später fieberhafte versuchte, mit kurzzeitigen Verlängerungen des NSA-Programms aus der Klemme zu kommen, bekam er keine Mehrheit. 

Die andere Schlüsselfigur im Senats-Chaos war der Libertäre Rand Paul, ebenfalls aus Kentucky. Der Radikalliberale, der 2016 Präsident werden will, hatte erst vor Tagen mit einer zehnstündigen Dauerrede seine Fundamentalopposition gegen praktisch jede Art von Überwachung unter Beweis gestellt. Kritiker in den eigenen Reihen werfen ihm vor, er habe die Debatte zu einer PR-Aktion in eigener Sache umfunktioniert. «Es gibt eine neue Art von Senatoren», schimpfte der Altkollege John McCain. «Ein oder zwei Leute sind bereit, gegen den Willen der Mehrheit aufzustehen.» 

Dabei geht es inhaltlich nicht gerade um eine revolutionäre Umgestaltung der National Security Agency NSA. Im Kern sieht die Reform das vor, was in Deutschland Vorratsspeicherung genannt wird - und was viele in Berlin für Teufelzeug halten. Die NSA darf demnach künftig Telefon-Metadaten nicht mehr selbst speichern, private Telefonunternehmen übernehmen das. Zugriff erhält die NSA nur bei begründetem Verdacht.

Wichtig: Es geht dabei ausschließlich um den Schutz von Amerikanern. Ausländer sind von dem Gesetzentwurf nicht betroffen - das Handy der Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht erwähnt.

Ironie der Geschichte: Das Chaos im Senat bedroht jetzt das gesamte Spähprogramm der NSA. Die Uhr tickt. Bis spätestens 1. Juni muss sich der Kongress auf eine Lösung einigen - sonst läuft die Erlaubnis zur Späharbeit der NSA in den USA aus. Schon warnt das Weiße Haus, die NSA werde lahmgelegt, die nationale Sicherheit gefährdet.

Doch die Senatoren sind erst einmal eine Woche in Urlaub. Geplante Rückkehr: 31. Mai, nur Stunden vor Ablauf der Frist. «Lassen Sie es uns klar sagen», meinte die demokratische Senatorin Barbara Boxer. «Wir haben versucht, dieses Land zu schützen - und die Republikaner haben es abgelehnt.» 

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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