Aktuell

Bio-Skandal / 10.Feb 2016

So gehen Bio-Höfe mit Antibiotika um

Nach den Enthüllungen der „Soko Tierschutz“ auf dem Pionier-Biobetrieb der Hermannsdorfer Landwerkstätten steht die Branche unter Druck. Werden Antibiotika auf Öko-Höfen ebenso maßlos eingesetzt wie in konventionellen Betrieben? Wir sind den wichtigsten Fragen dazu nachgegangen.

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Do, 2016-02-11 09:20
Detmold (dpa)

Ex-SS-Wachmann vor Gericht: Großer Prozess, besondere Vorkehrungen

Detmold (dpa) - Ein früherer SS-Wachmann steht in Detmold wegen Beihilfe zum 170 000-fachen Mord im NS-Konzentrationslager Auschwitz vor Gericht. Einen Prozess dieser Größenordnung hat das Landgericht noch nicht erlebt:

- Rund 40 Nebenkläger treten auf, zumeist Auschwitz-Überlebende.

- 60 Journalisten wurden für den Prozess zugelassen. 23 Plätze gingen an Auslandsmedien, unter anderem aus Israel, Kanada, Ungarn, Großbritannien und den USA. Um 30 weitere Plätze können sich Journalisten jeweils morgens vor Verhandlungsbeginn bewerben.

- Für Zuhörer stehen 60 Plätze zur Verfügung.

- Da das Landgericht über keine ausreichend großen Säle verfügt, ist der Prozess in die Industrie- und Handelskammer verlegt worden.

- Es sind zunächst zwölf Prozesstage vorgesehen. Verhandelt werden darf aus Gesundheitsgründen des 94-jährigen Angeklagten maximal zwei Stunden. Mediziner sind vor Ort.

Do, 2016-02-11 09:58
Damaskus (dpa)

Kurden rücken bei Aleppo vor - mit russischer Hilfe?

Damaskus (dpa) - Kurdische Truppen haben mit massiver Luftunterstützung nördlich der umkämpften syrischen Stadt Aleppo einen Luftwaffenstützpunkt von islamistischen Rebellen erobert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging am Donnerstag davon aus, dass die mindestens 30 Bombardements in dem Gebiet von russischen Maschinen ausgeführt wurden. «Es gibt eine inoffizielle russisch-kurdische Koordination in Syrien», sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel-Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Die syrischen Kurden werden im Bürgerkrieg sowohl von westlicher Seite als auch von Russland unterstützt. Russische Kampfjets ebnen syrischen Regierungstruppen mit massiven Luftangriffen den Weg an mehreren Fronten im Land. Seit Anfang Februar rücken die Kämpfer des Machthabers Baschar al-Assad nördlich von Aleppo gegen Rebellen vor.

Die massiven Kämpfe und Bombardements trieben Zehntausende Bewohner zur Flucht in Richtung Türkei. Trotz internationaler Appelle verweigert die Türkei ihnen an der Grenze aber bislang die Einreise.

Do, 2016-02-11 09:19
Detmold (dpa)

Auschwitz-Prozess gegen Ex-SS-Wachmann hat in Detmold begonnen

Detmold (dpa) - Ein früherer SS-Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz muss sich seit Donnerstagmorgen vor dem Landgericht Detmold verantworten. Dem 94 Jahre alten Mann aus Lippe wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170 000 Fällen vorgeworfen. Zum Prozessauftakt kamen Dutzende Journalisten aus dem In- und Ausland sowie Auschwitz-Überlebende und ihre Angehörigen.

Der Angeklagte war als Angehöriger des SS-Totenkopfsturmbanns Auschwitz im Stammlager des Vernichtungslagers eingesetzt. Dies hat er bereits zugegeben. Eine Beteiligung an den Tötungen von Menschen hat er aber bestritten. Mit Rücksicht auf die Gesundheit des Hochbetagten ist die Dauer der Verhandlung täglich auf zwei Stunden begrenzt.

Do, 2016-02-11 09:54
Wismar/Schwerin (dpa)

German Pellets: Gläubigerausschuss der Geschäftsführung abgelehnt

Wismar/Schwerin (dpa) - Im Falle des insolventen Wismarer Holzverarbeiters German Pellets will das Amtsgericht Schwerin über die Art des Insolvenzverfahrens erst nach dem Votum des vorläufigen Gläubigerausschusses entscheiden. Das Gericht hatte am Mittwoch dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung nicht stattgegeben. Direktorin Monika Köster-Flachsmeyer begründete dies am Donnerstag damit, dass die Anlegerstruktur von German Pellets sehr unübersichtlich sei. Der Gläubigerausschuss müsse entsprechend der Anlegerstruktur zusammengesetzt sein. Das Unternehmen hatte dem Sprecher des neuen German-Pellets-Geschäftsführers Frank Günther zufolge einen Gläubigerausschuss präsentiert, den das Gericht nicht akzeptierte.

Dem Sprecher zufolge wollte sich die vorläufige Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der Kanzlei White&Case am Donnerstag in Wismar einen Überblick über das Unternehmen verschaffen. Auch sollte die Belegschaft über das weitere Vorgehen informiert werden.

Do, 2016-02-11 09:43
Abuja (dpa)

Boko Haram: Blutiger Islamistenterror für einen Gottesstaat

Abuja (dpa) - Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im Nordosten Nigerias einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines «Gottesstaats». In diesem Kalifat soll dann einzig und allein eine radikale Auslegung der Scharia (islamische Rechtsprechung) gelten.

Die sunnitischen Fundamentalisten werden für viele Attentate und Angriffe in dem westafrikanischen Staat verantwortlich gemacht. Zehntausende kamen ums Leben, Hunderttausende sind auf der Flucht. Die selbst ernannten Gotteskrieger beherrschen Teile des Nordostens Nigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Über Organisationsstrukturen und die Zahl der Mitglieder der Boko Haram liegen keine gesicherten Informationen vor.

Do, 2016-02-11 09:16
Seoul/Washington (dpa)

Nordkorea ruft Südkoreaner zum Verlassen von Fabrikpark auf

Seoul/Washington (dpa) - Als Vergeltung für die Entscheidung Südkoreas zur Schließung eines gemeinsamen Industrieparks hat Nordkorea alle verbliebenen Südkoreaner zum Verlassen der Sonderwirtschaftszone in Kaesong aufgerufen. Außerdem würden dort alle südkoreanischen Anlagen beschlagnahmt, berichteten Staatsmedien am Donnerstag. Die Schließung des Komplexes auf nordkoreanischem Boden hatte Südkorea am Mittwoch als Reaktion auf Nordkoreas jüngsten Raketenstart beschlossen. Tags darauf wurden nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums die ersten Mitarbeiter abgezogen.

Seoul will das nordkoreanische Regime damit von einer wichtigen Devisenquelle abschneiden. Der 2004 geöffnete Fabrikpark befindet sich in einer Sonderzone der grenznahen nordkoreanischen Stadt Kaesong. Dort arbeiten Tausende Nordkoreaner für 124 südkoreanische Unternehmen.

Pjöngjang hatte am Sonntag einen Satellitenstart zu friedlichen Zwecken verkündet und damit die internationale Gemeinschaft brüskiert, die vom verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete ausgeht. Als Reaktion verschärfte der US-Senat am Mittwochabend (Ortszeit) einstimmig bestehende Sanktionen gegen Nordkorea. Das Repräsentantenhaus muss noch seine Zustimmung geben. Unter anderem sollen Sanktionen nun auch im Falle von Cyberattacken und Menschenrechtsverletzungen greifen.

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Do, 2016-02-11 09:36
Abuja (dpa)

Anschlag auf Flüchtlingslager in Nigeria: 67 Tote

Wieder haben sich zwei Mädchen im Norden Nigerias in die Luft gesprengt. Diesmal zielte der Anschlag auf ungeschützte Flüchtlinge ab, die bereits vor der Terrorgruppe Boko Haram geflohen waren.

Abuja (dpa) - Zwei jugendliche Selbstmordattentäterinnen haben bei einem Anschlag auf ein Flüchtlingslager im Norden Nigerias mindestens 65 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Die verschleierten Mädchen hatten sich als Flüchtlinge ausgegeben, um Zugang zu dem Lager in der Stadt Dikwa im Bundesstaat Borno zu erhalten. Das sagte Muhammed Dogo, ein Mitarbeiter der Regionalbehörde für Krisenmanagement, am Donnerstag.

Die Täterinnen hätten ihre Sprengstoffgürtel gezündet, als Hunderte Menschen an der Essensausgabe Schlange standen, sagte Dogo der Deutschen Presse-Agentur. Mindestens 78 Menschen seien zudem verletzt worden. Eine weitere Attentäterin habe sich vor der Tat der Polizei gestellt, nachdem sie Mitglieder ihrer Familie in dem Flüchtlingslager erkannt habe.

Das Lager liegt rund 90 Kilometer nordöstlich der Bundeshauptstadt Maiduguri, die öfter Anschlagsziel der Boko Haram war. Es beherbergt nach offiziellen Angaben rund 50 000 Menschen, die vor allem vor der islamistischen Terrormiliz Boko Haram geflohen sind. Der Anschlag habe am Dienstag stattgefunden, sagte Dogo. Die Behörden seien jedoch erst viele Stunden später informiert worden, da Boko Haram alle Telefonleitungen in der Gegend unterbrochen habe.

Die sunnitischen Fundamentalisten terrorisieren den Nordosten Nigerias und die angrenzenden Gebiete der Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad. Die Islamisten wollen dort einen sogenannten Gottesstaat errichten, mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Bei Anschlägen und Angriffen der Gruppe wurden seit 2009 mindestens 14 000 Menschen getötet.

Do, 2016-02-11 08:55
Ottawa (dpa)

«Kanadas Kennedy»: Seit 100 Tagen regiert Justin Trudeau Von Christina Horsten, dpa

Nach einem Jahrzehnt mit dem blassen Premier Harper interessieren sich auf einmal wieder auffällig viele Menschen für die Politik in Kanada. Der neue Premierminister Trudeau macht Schlagzeilen mit glamourösen Auftritten - aber kann er seine Versprechen umsetzen?

Ottawa (dpa) - Eigentlich stand die Zukunft von Justin Trudeau schon fest, als er vier Monate alt war. Da besuchte der damalige US-Präsident Richard Nixon seinen kanadischen Amtskollegen, Trudeaus Vater Pierre, und setzte zum Trinkspruch an: «Auf den zukünftigen Premierminister Kanadas, auf Justin Trudeau!»

Doch der Junge ließ sich Zeit, wurde Skilehrer, Schauspieler, Amateurboxer und Türsteher - bis es ihn dann doch in die Politik zog. «Noch vor zwei Jahren wurde Trudeau als Leichtgewicht angesehen», sagt der kanadische Politikjournalist Andrew Coyne, «die Vorstellung, dass er unser Premierminister sein könnte, fanden viele Menschen einfach nur komisch.»

Inzwischen ist Trudeau Premierminister - am kommenden Freitag (12. Februar) hat er seine ersten 100 Tage seit der Vereidigung am 4. November absolviert.

Ein knappes Jahrzehnt unter dem blassen, konservativen und unzugänglich wirkenden Premierminister Stephen Harper hatte dazu geführt, dass viele Kanadier sich nach Veränderung sehnten und bei der Wahl im Oktober Trudeaus liberaler Partei fast 40 Prozent der Stimmen gaben.

Plötzlich war der noch vor kurzem als so leichtgewichtig angesehene Sunnyboy Regierungschef - und auf einmal interessierten sich weltweit wieder auffällig viele Menschen für das nordamerikanische Land. In Kanada und bei seinen ersten Auslandsreisen feierten Anhänger den Politiker fast wie einen Rockstar.

Der Neue sei «bemerkenswert jung und mit welligem Haar», der blaue Anzug und die braunen Schuhe «schneidig», schwärmt auch die sonst nicht besonders politikinteressierte «Vogue» in einem mehrseitigen Porträt mit glamourösen Fotos. Der «Kennedy Kanadas» sei ein «stylischer Gegenschlag zu den langweiligen Politikern mit schwarzen Schuhen aus der alten Welt».

Das Boulevardblatt «New York Post» kürte Trudeaus Ehefrau Sophie zur «heißesten First Lady der Welt» und die «Vogue» jubelte, die ganze Familie Trudeau - inklusive der drei kleinen Kinder und Großmutter Margaret, die einst als Hippie mit den Rolling Stones gefeiert hatte - sehe aus wie «eine Werbung für die Zukunft».

«Mit dem Aufstieg von Justin Trudeau, ist Kanada etwa plötzlich hip?», fragte auch die «New York Times» und zählte als weitere Beweise aufstrebende Stars wie den Rapper The Weeknd, die Schauspielerin Rachel McAdams und die Komikern Samantha Bee auf. Der «muskelbepackte und blauäugige» Trudeau sei jedenfalls ein «Regierungschef mit Herz» und der Eindruck, dass Kanada «eine zugefrorene kulturelle Wüste voller hoffnungslos unstylischer Menschen» sei, sei «so von gestern, dass es schon beleidigend ist».

Der so umschwärmte Trudeau gibt sich betont bescheiden. «Wir haben gewonnen, weil wir zugehört haben, worüber die Kanadier positiv und hoffnungsfroh reden», sagte er der «Vogue». «Wir haben gesagt: «Die Zukunft wird besser und das alles unternehmen wir, damit das auch wirklich so wird».»

Versprochen hat der 44-Jährige unter anderem Steuersenkungen für die Mittelschicht, mehr Engagement für den Klimaschutz, mehr Hilfen für Bedürftige, eine bessere Zusammenarbeit mit den kanadischen Ureinwohnern und den Provinzen des Landes, mehr Transparenz der Regierungsarbeit, schärfere Waffengesetze, die Legalisierung von Marihuana und ein Ende der kanadischen Beteiligung am Militäreinsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Der Auftakt sei Trudeau gelungen, da sind sich viele Experten einig. Schon mit der Benennung seines Kabinetts sorgte er für Schlagzeilen, indem er unter anderem erstmals eine kanadische Ureinwohnerin als Ministerin einsetzte und insgesamt die Hälfte der Posten mit Frauen besetzte - «weil wir im Jahr 2015 leben.»

Bis Ende Februar will er 25 000 syrischen Flüchtlinge im Land aufnehmen. Als die ersten landeten zog er ihnen kamerawirksam gleich selbst die Winterjacken an. «Trudeau ist einer dieser Politiker», brach die «Vogue» wieder ins Schwärmen aus, «dessen Talente am besten auf der großen Bühne zur Geltung kommen - wie Barack Obama.»

Aber die wirklichen Prüfungen dürften dem Premierminister nach den Flitterwochen der ersten 100 Tage nun noch bevorstehen. «Jetzt geht es um den Haushalt und das in sehr schwierigen wirtschaftlichen Zeiten», sagte die Politikwissenschaftlerin Antonia Maioni dem «McGill Reporter». «Das wird der wirkliche Test für die Regierung.»

Trudeau bleibt optimistisch. «Es gibt den Eindruck, dass wir vielleicht das Ende des Fortschritts erreicht haben und dass es jetzt normal sein wird, dass unsere Lebensqualität sinkt. Ich weigere mich, das zu akzeptieren. Und ich weigere mich, das geschehen zu lassen.»

Do, 2016-02-11 08:06
London/Frankfurt (dpa)

Goldpreis steigt auf höchsten Stand seit Mai 2015

London/Frankfurt (dpa) - Gold ist wegen der großen Unsicherheit an den Aktienmärkten weiter als sicherer Anlagehafen gefragt. Am frühen Donnerstagmorgen erreichte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) in London bei 1214,64 US-Dollar den höchsten Stand seit Mai 2015. Im weiteren Verlauf fiel der Goldpreis wieder etwas zurück und stand am Morgen bei 1208,10 Dollar. Das waren immer noch 10,98 Dollar mehr als am Vortag.

Nach einem katastrophalen Jahresstart an den internationalen Aktienmärkten haben die Anleger das Gold als sicheren Anlagehafen wieder entdeckt. Seit Beginn des Jahres hat das Edelmetall deutlich an Wert gewonnen, der Preis ist seither um etwa 150 Dollar oder 14 Prozent gestiegen. Experten berichten von einer starken Nachfrage der Investoren nach Gold-Fonds.

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde
Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Helsinki soll Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

 

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Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA: Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen: Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Do, 2016-02-11 08:40
Lagos (dpa)

Zahl der Opfer der Selbstmordanschläge in Nigeria steigt auf 65

Lagos (dpa) - Bei dem Selbstmordanschlag zweier Mädchen in einem Flüchtlingslager im Norden Nigerias sind nach neuen Angaben mindestens 65 Menschen ermordet worden. Die verschleierten Mädchen hätten sich als Flüchtlinge ausgegeben, um Zugang zu dem Lager in der Stadt Dikwa zu erhalten, sagte ein Mitarbeiter der Behörde für Krisenmanagement der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Die Täterinnen hätten ihre Sprengstoffgürtel gezündet als Hunderte Menschen an der Essensausgabe Schlange standen, hieß es. Mindestens 78 Menschen seien verletzt worden.

Dikwa ist etwa 90 Kilometer von der Großstadt Maiduguri entfernt, wo es immer wieder Anschläge der islamischen Terrormiliz Boko Haram gibt. Hier leben Tausende Menschen, die vor Boko Haram geflohen sind. Boko Haram terrorisiert seit Jahren Teile des westafrikanischen Landes. Die Islamisten wollen einen Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Sie haben seit 2009 mindestens 14 000 Menschen getötet.

Do, 2016-02-11 08:08
Delhi (dpa)

Tagelang unter Lawine: Soldat stirbt trotz Bergung

Neu Delhi (dpa) - Drei Tage nach seiner wundersamen Bergung aus einer Lawine im Himalaya ist ein indischer Soldat in einem Krankenhaus in Neu Delhi gestorben. Der Mann war fünf Tage lang unter mehreren Metern aus Schnee und Eis auf dem Siachen-Gletscher begraben gewesen, als ihn Retter am Montag fanden. Da war er kaum noch bei Bewusstsein und hatte nur einen schwachen Puls. Am Donnerstag habe sich seine Lungenentzündung verschlimmert und mehrere Organe hätten versagt, ehe er starb, sagte ein Armeesprecher. Der Posten der indischen Armee auf dem Gletscher liegt auf rund 6000 Metern Höhe. Sowohl Indien als auch das verfeindete Pakistan erheben Anspruch auf das Gebiet.

Do, 2016-02-11 08:45
Kabul (dpa)

Afghanischer Polizist tötet vier Kollegen

Kabul (dpa) - Ein afghanischer Polizist hat in der Provinz Kandahar vier seiner Kollegen getötet und weitere sieben verwundet. Das sagte am Donnerstag der Sprecher der Polizei in der Provinz, Sia ul-Rahman. Der Täter sei seit zwei Jahren Polizist gewesen und habe am Vorabend in einem Posten im Serai-Bezirk während des Abendessens das Feuer auf seine Kollegen eröffnet. Er sei erschossen worden, als er versucht habe zu fliehen. Später habe sich herausgestellt, dass der Mann Beziehungen zu den radikalislamischen Taliban hatte. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Der Polizeisprecher fügte hinzu, dass erst am Montag zwei Talibankämpfer versucht hätten, sich der Polizei anzuschließen. Sie seien aber erkannt und verhaftet worden.

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

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Do, 2016-02-11 09:00
Bochum/Rüsselsheim (dpa)

Opel bringt im nächsten Jahr neues E-Auto

Bochum/Rüsselsheim (dpa) - Der Autohersteller Opel bringt im kommenden Jahr ein neues Elektroauto auf den europäischen Markt. Das kündigte die Chefin der Opel-Mutter General Motors, Mary Barra, am Donnerstag bei einer Fachtagung in Bochum an. Der «Ampera-e» ist ein vollelektrischer Kompaktwagen, der für den US-Markt bereits als Chevrolet Bolt ebenfalls für 2017 angekündigt ist. Dort wurde eine Reichweite von rund 200 Meilen (320 Kilometer) und ein Preis um die 30 000 Dollar in Aussicht gestellt.

Opel hatte sich 2011 mit dem ersten Ampera als einer der ersten Hersteller getraut, ein Elektro-Auto auf Europas Straßen zu stellen. Das Auto war nahezu baugleich zum damaligen Modell Chevrolet Volt und wurde ausschließlich in den USA gebaut. In Europa konnte Opel nur an die 10 000 Stück absetzen. Es handelte sich um ein Hybrid-Konzept, bei dem ein herkömmlicher Benzinmotor den Elektroantrieb mit Energie versorgte, wenn die Batterien geleert waren. Wo der neue Ampera-e gebaut werden soll, teilte Opel zunächst nicht mit.

Do, 2016-02-11 08:09
Paris (dpa)

Total stemmt sich gegen Ölpreisverfall

Paris (dpa) - Der französische Öl-Konzern Total stemmt sich mit einer höheren Produktion und Sparmaßnahmen gegen den Ölpreisverfall. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn sank im vergangenen Jahr zwar fast um ein Fünftel auf 10,5 Milliarden US-Dollar (9,3 Mrd Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Mit einem Sparkurs inklusive eines Stellenabbaus kämpft Total schon länger gegen schmelzende Gewinne. Jetzt will der Konzern seine Investitionen von 23 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 19 Milliarden kappen.

Die Produktion hat Total wegen hoher Nachfrage nach Benzin und Schmierstoffen im vergangenen Jahr um gut 9 Prozent erhöht. Die gesunkenen Preise ließen den Umsatz dennoch um 30 Prozent auf 165 Milliarden Dollar absacken. Unterm Strich führten Abschreibungen auf verschiedene Förderprojekte im vierten Quartal zwar zu einem Verlust, im Gesamtjahr blieben aber rund 5,1 Milliarden Dollar als Gewinn übrig - nach 4,2 Milliarden im Vorjahr.

Do, 2016-02-11 07:15
Kiew (dpa)

Der Minsker Friedensplan für die Ostukraine: Theorie und Realität

Kiew (dpa) - Feuerpause, Waffenabzug, Verfassungsreform: In einem diplomatischen Kraftakt im weißrussischen Minsk hatten sich die Konfliktparteien in der Ostukraine am 12. Februar 2015 auf einen Friedensplan geeinigt. Unter Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin sollte damit ein Aussöhnungsprozess in Gang kommen, der in den folgenden Monaten massiv ins Stocken geriet.

Zwar einigten sich die ukrainische Führung und die prorussischen Separatisten in mehreren Anläufen auf eine Waffenruhe, doch diese ist nach wie vor brüchig. Immer wieder berichten beide Seiten über Angriffe mit Todesopfern. Auch eine entmilitarisierte Zone gibt es ein Jahr nach dem Minsker Abkommen noch nicht, weil schwere Waffen nach Berichten internationaler Beobachter noch nicht abgezogen sind.

Der Streit zwischen den Konfliktparteien dreht sich inzwischen vor allem um eine in Minsk vereinbarte ukrainische Verfassungsreform. Diese soll den Weg frei machen für mehr Autonomie der Separatistengebiete Donezk und Luhansk. Auch ein neues ukrainisches Wahlgesetz - eine Voraussetzung für Kommunalwahlen in den abtrünnigen Regionen - ist noch nicht beschlossen.

Die Separatisten und Moskau werfen Kiew daher vor, den politischen Friedensprozess für den Donbass zu verschleppen. Die Ukraine beschuldigt Russland ihrerseits, die Aufständischen weiterhin mit Soldaten zu unterstützen. Zudem verlangt Kiew mit Rückendeckung des Westens die Kontrolle über die Landesgrenze im Osten zurück. Die Separatisten sträuben sich dagegen bislang. Auch ein vorgesehener Gefangenenaustausch kommt nur mühsam voran.

Do, 2016-02-11 07:14
Berlin (dpa)

Merkels Mühen gegen das Einfrieren im Ukrainekonflikt Von Kristina Dunz, dpa

Der Syrienkrieg und die Flüchtlingskrise überdecken oft, dass in der Ostukraine noch geschossen wird. Die Kanzlerin appelliert an Putin, Einfluss auf die prorussischen Separatisten zu nehmen. Doch ihr eigener Einfluss auf den Kremlchef wirkt ein Jahr nach Minsk gering.

Berlin (dpa) - Minsk im Morgengrauen am 12. Februar 2015. Nach einem Verhandlungsmarathon sickert durch, Moskau und Kiew hätten sich unter Vermittlung von Berlin und Paris auf ein Friedensabkommen mit Waffenruhe für die Ostukraine geeinigt. Jetzt müssten noch die prorussischen Separatisten zustimmen. Die sagen dann Nein. Später wird überliefert, wie daraus doch noch ein Ja wurde. Kanzlerin Angela Merkel habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sinngemäß gesagt: Kläre das und zwar schnell, sonst platzt das Ganze hier.

Am Vormittag wurde dann der Durchbruch für den Friedensprozess verkündet. Damit war auch Putins Einfluss auf die Separatisten klar. Aber auch Merkels Wirkung auf den Kremlchef. Die Hoffnung, dass die Waffen in der Ukraine nun schweigen würden, war groß. Auch der Jubel über das in der weißrussischen Hauptstadt im Schulterschluss der Christdemokratin Merkel und Frankreichs sozialistischem Präsidenten François Hollande vereinbarte Abkommen.

CDU-Politiker nominierten Merkel daraufhin für den Friedensnobelpreis. Und heute? Ernüchterung, Enttäuschung, Verärgerung und Ratlosigkeit in Berlin über Putin.

Gegen den Waffenstillstand werde größtenteils von den Separatisten verstoßen, heißt es im Kanzleramt. Die Separatisten beschuldigen aber die ukrainischen Truppen. Während Merkel den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko immer wieder empfängt und über die Lage in seinem Land spricht, ist der Draht zu Putin gestört. Keine deutsch-russischen Regierungskonsultationen mehr, keine Zweiertreffen in Berlin oder Moskau. Kontakt wird übers Telefon gehalten.

Aus dem G8-Format führender Industriestaaten flog Putin bereits nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014. Seitdem sind es nur noch sieben. Und kein US-Präsident könne Russland wieder in den Kreis aufnehmen, solange die Krim nicht wieder in ukrainischer Hand sei, habe Barack Obama deutlich gemacht, heißt es in deutschen Diplomatenkreisen. Man sieht sich nun noch bei internationalen Treffen wie etwa beim G20-Gipfel. Ansonsten Funkstille. Für den Weltfrieden ein Problem. Putin wird ja auch gebraucht für die Syrien- Friedensverhandlungen oder den internationalen Anti-Terrorkampf.

Bayerns Ministerpräsident und scharfer Kritiker Merkels in der Flüchtlingskrise, Horst Seehofer (CSU), fühlte sich zur Vermittlung berufen und reiste in dieser Woche nach Moskau. Im Wissen darum, dass Putin mit allen Wassern gewaschen ist, wurde das in Berlin ein wenig belächelt. Und es wurde als Affront empfunden, dass Seehofer die Lockerung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland anmahnte. Prima für Putin. Die Europäische Union hatte die Sanktionen erst jüngst verlängert, weil Moskau sich nicht an den Minsker Fahrplan halte.

Merkel sagte nach einem Treffen mit Poroschenko im Kanzleramt am 1. Februar, der Waffenstillstand sei Voraussetzung für die Umsetzung des Minsker Friedensabkommens. Und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland sei an den Minsker Prozess gebunden. Sie appellierte tags darauf an Putin in einem Telefonat, Einfluss auf die Separatisten zu nehmen.

Danach stellte Regierungssprecher Steffen Seibert noch diese Position von Merkel klar: Die Sanktionen im Zusammenhang mit den Verstößen gegen Minsk sind das eine. Das andere sind die Sanktionen im Zusammenhang mit der Annexion der Krim. «Diese bleiben aufrecht, solange die völkerrechtswidrige Annexion aufrechterhalten wird.»

Merkel lobt Poroschenko dafür, dass er sich immer wieder zu Minsk bekenne. Poroschenko sagt, die Kriegsregion Donbass im Osten des Landes sei ein Instrument für Moskau, die Ukraine zu destabilisieren. Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sawsan Chebli, verweist neben den Verstößen gegen den Waffenstillstand auf die Probleme in der Ukraine, zu einer Verfassungsreform und Dezentralisierung zu kommen.

Im Kanzleramt heißt es, Poroschenko habe so lange keine Chance, eine Zweidrittelmehrheit im Parlament für eine Verfassungsreform mit mehr Autonomie für die Separatistengebiete Donezk und Luhansk zu bekommen, wie die Waffenruhe verletzt werde. «Ohne fortwährendes Antreiben von Deutschland und Frankreich wird es nicht zum Frieden in der Ukraine kommen», sagt ein Diplomat. Und: «In beiden Ländern besteht durchaus das Interesse an einem eingefrorenen Konflikt.»

Do, 2016-02-11 07:15
Kiew (dpa) 

Die wichtigsten Ereignisse im Ukraine-Konflikt

Kiew (dpa) - Revolution, Krim-Annexion, Krieg: Seit mehr als zwei Jahren sucht die Ukraine Wege aus einer tiefen Krise. Ein Rückblick: 

November 2013: Präsident Viktor Janukowitsch kippt ein EU-Assoziierungsabkommen. Es kommt zu Massenprotesten, die in Gewalt mit Dutzenden Toten enden.

22. Februar 2014: Die russlandfreundliche Führung um Janukowitsch in Kiew wird gestürzt.

16. März: Die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim stimmt für einen Beitritt zu Russland. Das Referendum wird vom Westen nicht anerkannt.

13. April: Beginn des militärischen «Anti-Terror-Einsatzes» gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine.

17. Juli: Beim Absturz eines malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine sterben 298 Menschen. Kiew und die Separatisten werfen sich gegenseitig den Abschuss vor.

26. August: Kremlchef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kommen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk erstmals zu direkten Verhandlungen zusammen. Wenige Tage später folgt eine Einigung auf eine Waffenruhe, die aber brüchig bleibt.

12. Februar 2015: Nach Vermittlung Deutschlands, Frankreichs und Russlands einigen sich Kiew und Vertreter der Separatisten beim zweiten Minsker Treffen auf ein detailliertes Friedensabkommen. Ein Jahr später ist kaum ein Punkt umgesetzt.

Do, 2016-02-11 07:13
Kiew (dpa)

Trotz Machtpokers von Minsk: In der Ukraine ist kein Frieden in Sicht Von Andreas Stein und Wolfgang Jung, dpa

Nach einer dramatischen Verhandlungsnacht einigen sich Merkel, Putin, Poroschenko und Hollande im Februar 2015 auf einen Friedensplan für die Ukraine. Ein Jahr danach steht die Lösung weiter nur auf dem Papier. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz ist Syrien wichtiger.

Kiew (dpa) - Als das dramatische Ringen um Frieden für die Ostukraine vorbei ist, wirkt Bundeskanzlerin Angela Merkel erleichtert - und sehr übernächtigt. Nach dem Nervenkrieg hinter verschlossenen Türen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk jubelt sie nicht vor den Kameras, sondern sagt fast tonlos: «Wir haben keine Illusionen.»

Ein Jahr nach dem mehr als 16 Stunden langen Verhandlungsmarathon mit Kremlchef Wladimir Putin gibt die Lage in der Ostukraine Merkel recht: Im Donbass stehen sich die Konfliktparteien weiter erbittert gegenüber - trotz des am 12. Februar 2015 geschlossenen Abkommens von Minsk. Immer wieder erschüttern Gefechte die Unruheregion. Nach rund 9000 Toten sehnen sich die Menschen im Krisengebiet nach Frieden.

Hoffnungen, dass die Münchener Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende die Dinge voranbringt, erfüllen sich wohl nicht. Das Thema Syrien stehe dann im Vordergrund, heißt es. Für Gespräche über beide Themen sei kaum Zeit. Zudem gilt das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine als so zerrüttet, dass Verhandlungen schwierig sind.

Eile ist aber geboten. Der Krieg geht bald ins dritte Jahr. Völlig in Trümmern liegt etwa der erst 2012 eröffnete Flughafen der ostukrainischen Großstadt Donezk. Monatelange Artilleriegefechte zwischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten haben den Airport in ein bizarres Labyrinth aus Stahlträgern, zerborstenen Scheiben und zersplitterten Steinplatten verwandelt. Eine bleiche Wintersonne steht an diesem Februartag über dem Gerippe. Unbewaffnete Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inspizieren die Kampfzone und fordern erneut, dass gefährliche Minen endlich geräumt werden. Doch der Aufruf verhallt.

Viele sehen den Schlüssel zur Lösung in Moskau. Aus «Rache» für den Westkurs der damals neuen ukrainischen Führung habe Russland im Donbass eine Militäraktion gestartet und helfe den Separatisten mit Soldaten und Waffen, lautet der Vorwurf. Der Kreml verhindere so die Integration der Ukraine in EU und Nato. Moskau weist dies zurück.

Eigentlich ist die ehrgeizige Vereinbarung von Minsk, an der auch der französische Präsident François Hollande mitwirkte, als Fahrplan für Entspannung im Donbass gedacht. Mittlerweile hängt das Abkommen mit 13 Punkten der krisengeschüttelten Ukraine wie ein Mühlstein am Hals.

Vor allem der geplante Sonderstatus der Separatistengebiete entwickelt sich für die Regierung in Kiew zur schier unüberwindbaren Hürde. Für die Regelung ist eine Verfassungsänderung nötig, doch dazu fehlt Staatspräsident Petro Poroschenko im Parlament die Mehrheit. Zudem ist der Druck der Straße enorm: Bei Protesten gegen den Sonderstatus starben im August vier Menschen.

Für den Kiewer Politologen Wadim Karassjow ist die Verzögerung ein Zeichen der «Planlosigkeit». «Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, ist die beste Lösung, die Zeit in die Länge zu ziehen», meint er.

Doch wird Berlin da mitspielen? Beim jüngsten Deutschland-Besuch von Poroschenko seien die Gespräche schwierig verlaufen, heißt es in der Ukraine. Nicht nur Moskau, auch Berlin und Paris wollen Taten sehen.

Im Kriegsgebiet Donbass scheitern Feuerpausen immer wieder nach kurzer Zeit. Experten sehen als Grund auch eine mangelhafte Kontrolle der Waffenruhe. Beobachter der OSZE - deren Vorsitz Deutschland derzeit innehat - haben kaum Druckmittel gegen die Aufständischen. Im Einsatz sind zudem teils von Oligarchen gesponserte Freiwilligenbataillone, die sich nicht immer Kiews Kommando fügen.

Russland sieht sich ein Jahr nach den Verhandlungen von Minsk zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wie vom Westen angemahnt, arbeite Moskau am Frieden für die Ukraine mit, betont Putin. Er fordert ein Ende der Sanktionen gegen sein Land, das von einer Krise erfasst ist.

Politische Beobachter verweisen aber auf die andauernde Unterstützung der Aufständischen durch Moskau. Russische Staatsmedien bieten Separatistenführern immer wieder eine Plattform. Und gegen den Protest Kiews schickt Moskau lange Lastwagenkonvois über die ungesicherte Grenze ins Krisengebiet - angeblich mit Lebensmitteln.

Nur ein innerukrainischer Dialog - der prowestlichen Kräfte in Kiew mit den prorussischen Separatisten - könne eine Lösung bringen, meint Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow. Dass dies den Konflikt dauerhaft beenden könnte, glauben die Wenigsten in Kiew. Denn: Den Osten zu verlieren - das hat wohl niemand damals auf dem Maidan gewollt. Bei den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt jagten im Februar 2014 vornehmlich prowestliche Kräfte den russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch aus dem Amt.

Do, 2016-02-11 07:52
Ludwigshafen (dpa)

BASF spricht mit Akzo Nobel über Verkauf von Industrielack-Geschäft

Ludwigshafen (dpa) - Der Chemiekonzern BASF will sein Geschäft mit Industrielacken an den niederländischen Konkurrenten Akzo Nobel verkaufen. Akzo Nobel und BASF bestätigten am Donnerstag entsprechende Gespräche. Die Transaktion könnte demnach einen Wert von 400 Millionen Euro haben. Weder Akzo Nobel noch BASF gaben genauere Details bekannt.

Ende November hatte das für Katalysatoren, Lacke und Nordamerika zuständige BASF-Vorstandsmitglied Wayne T. Smith den Nachrichtenagenturen dpa-AFX und dpa zum Industrielacke-Geschäft gesagt, es sei profitabel, aber für die BASF eher ein kleiner Bereich. Angaben zur Zahl der Mitarbeiter und zum Umsatz hatte er nicht gemacht.

Die weltweit etwa 10 000 Mitarbeiter zählende Coatings-Sparte, zu der neben den Industrielacken - etwa für Rotorblätter von Windkraftanlagen - auch Autolacke und Bautenanstrichmittel gehören, kam 2014 auf einen Umsatz von knapp 3 Milliarden Euro. Der größte Teil des Geschäfts entfällt laut Smith mit 75 Prozent auf den Automobilbereich.

Do, 2016-02-11 07:37
Dortmund (dpa)

Razzien bei Rechtsextremisten in Dortmund und Niedersachsen

Dortmund (dpa) - Bei Ermittlungen gegen mutmaßliche Rechtsextremisten hat die Polizei am Donnerstagmorgen fünf Wohnungen in Dortmund und zwei in Niedersachsen durchsucht. Das teilte ein Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft mit, die die Aktion aufgrund eines Durchsuchungsbeschlusses angeordnet hatte.

Auslöser der Fahndung waren Angriffe auf Dortmunder Polizisten in der Silvesternacht: 25 Personen hatten damals laut Polizei die zu einem Einsatz gegen randalierende Rechtsextremisten angerückten Beamten mit Böllern und Flaschen beworfen und mit Raketen beschossen. Die Polizei nahm damals 18 Verdächtige vorübergehend in Gewahrsam. Dortmund gilt als eine Hochburg von Rechtsextremisten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Weitere Details sollen nach dem Ende der Durchsuchungen bekanntgegeben werden.

Do, 2016-02-11 07:14
Donezk (dpa)

Für die Ostukraine liegt Frieden noch in weiter Ferne Von Friedemann Kohler, dpa

Europas schlimmster Konflikt droht in Vergessenheit zu geraten. Im Osten der Ukraine wird weiter gekämpft - und das ein Jahr nach dem Abkommen, das doch den Frieden bringen sollte.

Donezk (dpa) - Bei Tauwetter kämpft es sich schlecht. In tiefem Schlamm halten ukrainische Soldaten ihre Stellung am zerstörten Flughafen von Donezk. Sie haben sich auf dem sogenannten Ameisenhügel verschanzt, einem 15 Meter hohen Erdwall. Das warme Wetter der ersten Februartage macht einen Dreckhaufen daraus, Stiefel rutschen auf Eis und Matsch. Unten in den Bunkern regieren die Mäuse. «Wir schlafen in Sturmhauben, damit die Mäuse uns nicht beißen», sagt Nikolai, ein Freiwilliger aus Uschhorod in der Westukraine. Die Viecher fressen, was ihnen vor die Zähne kommt. «Hier, selbst an meinem Funkgerät sind die Tasten angenagt.»

An diesem Morgen schieben eine Schulbibliothekarin, ein Möbelhändler, ein Musikstudent und ein Barmann Wache für die Ukraine. Sie spähen mit einem Periskop aus ihrer Deckung. 400 Meter entfernt jenseits der Landebahn haben sich die prorussischen Separatisten eingegraben. «Separy» sagen die Ukrainer abfällig. «Ukropy» schimpfen die Separatisten im Schützengraben der anderen.

An kaum einer Stelle im Kriegsgebiet Ostukraine stehen sich beide Seiten so dicht gegenüber, es ist Europas schlimmster Krisenherd. Nirgendwo wird so viel geschossen wie an diesem Flughafen, meist nachts - zur Abwehr, zur Provokation, vielleicht auch aus Angst. Die Freiwilligen hieven schwere Kisten mit Munition über eine steile Treppe nach oben. Dabei herrscht offiziell Waffenruhe, es gelten die ein Jahr alten Minsker Vereinbarungen für eine Friedensregelung.

Aus dem nahen Dorf Pisky sind auch tagsüber Maschinengewehrsalven zu hören. Es ist unklar, wer schießt. Pisky war einmal ein Nobelvorort der Millionenstadt Donezk mit reichen Villen. Nun rüttelt der Wind an geborstenen Blechdächern, ein gespenstischer Klang.

Der Barmann Nikolai kämpft seit einem halben Jahr gegen die von Russland unterstützten Separatisten. «Das ist unser Land», sagt er. «Wenn die Russen abziehen, dann räumen wir hier schnell auf.» Die Bibliothekarin Julia ist seit einem Jahr an der Front, ebenso der Musikstudent Wassili, Tarnname «Skripka» (Geige). Sie gehören zum Freiwilligenbataillon «Karpatska Sitsch», benannt nach den Karpaten im Westen des Landes. Mittlerweile untersteht das Bataillon der 93. Brigade der ukrainischen Armee. Deren reguläre Einheiten mit schweren Waffen liegen weit hinter der Front.

«Ich bin hier, weil ich möchte, dass die Ukraine enger an Europa rückt», sagt Taras, Deckname «Riks», Möbelhändler aus Dnipropetrowsk. Wie seine Kameraden auf dem Ameisenhügel hofft er auf den Befehl zum Angriff, auf einen Sieg über die Separatisten. «Entweder wir gehen das bis zum Ende, oder der Konflikt friert hier auf Jahrzehnte ein.»

Die Gefahr eines Dauerkonflikts ist groß. Und doch dürfte es besser sein, wenn der Befehl aus Kiew zum Generalangriff ausbleibt. Der Krieg währt fast zwei Jahre. Im Frühjahr 2014 erklärten Separatisten die Abspaltung des Ostens von der Ukraine, riefen die Volksrepubliken Donezk und Luhansk aus, bekamen verdeckt Waffen und Soldaten aus Russland. Seitdem sind 9000 Menschen getötet worden. Moskau hat immer militärisch nachgelegt, sowie die Ukrainer die Oberhand bekamen.

Die Minsker Vereinbarungen vom Februar 2015 haben das schlimmste Blutvergießen gestoppt. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande hatten damals vermittelt. Doch Frieden bringt das Abkommen nicht, weil die Gewalt nicht völlig aufhört.

DER PARK DER KINDER: Auf der anderen Seite, im Zentrum der rauen Bergarbeiterstadt Donezk, lassen Eltern ihre Kinder gern im Skulpturenpark spielen. Die Kleinen freuen sich über geschmiedete Märchenfiguren. Ein Mann, ein Vater von Anfang 40, sieht zu, wie sein kleiner Nikita (2) auf eine Spiellokomotive klettert.

Kurz zuvor gab es noch Artilleriefeuer am Stadtrand. Doch mit zwei Jahren Kriegserfahrung im Ohr haben die Donezker gleich gehört, dass die Schüsse nicht ihnen galten. Wie erklärt man einem Kind diesen Donner? «Du belügst das Kind und sagst, das ist ein Gewitter», erzählt Nikitas Vater. «Und erst den älteren Kindern, die mehr verstehen, sagt man die Wahrheit.»

Seinen Namen oder Beruf («Staatsangestellter») will der misstrauische Mann wie viele andere in Donezk nicht nennen. In der sogenannten Volksrepublik herrscht Kriegsrecht. Anfang Februar hat die örtliche Staatssicherheit mehrere Mitarbeiter der Donezker Hilfsorganisation «Verantwortliche Bürger» ausgewiesen wegen Kontakten zu ausländischen NGOs und Medien. Der Vorwurf der Spionage steht im Raum.

Der Vater muss am helllichten Tag selbst die Runde mit Nikita drehen. «Wir haben Angst, ihn in den Kindergarten zu geben.» Denn er ist überzeugt, dass die Ukrainer nicht auf Soldaten, sondern auf die Infrastruktur zielen - auf Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Heizwerke. «Die Ukraine schießt auf ihre Kinder», sagt er und folgert: «Unsere einzige Hoffnung ist Russland.»

DIE DICHTERIN: Der Verfall von Donezk, der einst fünftgrößten Stadt der Ukraine, ist bitter. Zur Fußballeuropameisterschaft 2012 hatte sich die Grubenstadt modernisiert und einen Hauch Leichtigkeit zugelegt. Nun sind nicht nur die frontnahen Außenbezirke zerstört; im Zentrum herrscht Stillstand auf den Baustellen, Läden sind mit Brettern verrammelt, Geldautomaten abgeschaltet. Die Donbass-Arena, das hypermoderne Fußballstadion wie von einem anderen Stern, steht leer. Im Fanshop des Klubs Schachtjor bekommen verarmte Bürger humanitäre Hilfe, gestiftet vom örtlichen Oligarchen Rinat Achmetow.

Den Niedergang ihrer Heimat spürt auch die Dichterin Anna Rewjakina. «Meine Stadt. Sei. Bitte. Vorsichtig», schreibt sie in ihrer poetischen «Chronik der Stadt Do», die bereits zwei Bände hat. Rewjakina ist ein eher kapriziöses Wesen, 32 Jahre alt und schon Vize-Dekanin der Erziehungsfakultät an der Universität von Donezk.

Die Stadt sei nie ein kulturelles oder literarisches Zentrum gewesen, sagt sie. Doch Donezk ist ihre Quelle der Inspiration. «In einer anderen Stadt, Berlin oder Moskau, könnte ich nicht so schreiben.» In ihrer Wahrnehmung hat der Krieg ausgelöscht, was vorher war. In der Gefahr seien die Menschen enger zusammengerückt, sagt sie. «Man spürte den Atem des Todes.»

Als eine von wenigen in Donezk spricht Rewjakina tatsächlich von der Republik, doch zu ernst will sie das nicht nehmen: «Meine Liebe zu Donezk ist tiefer als die zu irgendeinem staatlichen Gebilde, das sich über Donezk erhebt.» Trotzdem bereitet ihr die isolierte Volksrepublik Probleme. Die Diplome ihrer Studenten werden nirgends anerkannt, nur Russland will sie akzeptieren. Ärger droht auch mit den Ausweispapieren: «Bald läuft mein ukrainischer Pass ab und mein Schengen-Visum, dann kann ich nur noch ins nächste Dorf fahren.»

DER SEPARATISTENFÜHRER: Wann Frieden kommt, kann auch Alexander Chodakowski nicht sagen, Sekretär des Sicherheitsrates der Volksrepublik. Wer ihn in seinem Büro am Lenin-Platz besucht, ahnt, dass darüber nicht in Donezk, Kiew oder am Verhandlungstisch in Minsk entschieden wird.

An der Wand hängt ein schlechtes Ölgemälde der Basilius-Kathedrale in Moskau. «Ein Geschenk», sagt Chodakowski - offenbar von einem Geber, den man nicht brüskieren darf. Daneben: Ein 2016er Kalender der Eingreiftruppe Alfa des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Früher hat Chodakowski das ukrainische Gegenstück zur Alfa kommandiert, dann schloss er sich dem Aufstand gegen die Ukraine an.

Er geht mögliche Entwicklungen durch. «Wir würden gern ganz zu Russland gehören, aber dafür muss der Wunsch zumindest gegenseitig sein.» Doch einen Anschluss wie bei der Halbinsel Krim plant der Kreml offenbar nicht, selbst wenn Moskau seit Herbst 2015 für Renten- und Gehaltszahlungen im Donbass sorgt. Die örtliche Wirtschaft hat weitgehend von der ukrainischen Griwna auf Rubel umgestellt.

Eine Rückkehr zur Ukraine zu alten Bedingungen schließt Chodakowski nach zwei Jahren bitterem Krieg aus. Als zweitschlechteste Variante sieht er einen eingefrorenen Konflikt. Derzeit zeige Moskau aber Anzeichen - so setzt er gewunden an - dem Minsk-Format zum Erfolg zu verhelfen und bestimmte Interessen der Ukraine zu berücksichtigen. Dem müssten die Separatistengebiete als Verbündete Russlands folgen.

Im Klartext: Verbleib bei der Ukraine mit einem Sonderstatus. Das steht so in den Minsker Vereinbarungen. Allerdings hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Probleme, dies durch sein Parlament zu bringen. Ein kleines Extra erhofft sich Chodakowski: «Die Territorien könnten sich zu einer Freihandelszone entwickeln.»

DAS ZERSTÖRTE DORF: Opytne heißt das letzte ukrainisch kontrollierte Dorf vor dem Donezker Flughafen. Am Horizont sieht man die Ruine des zerstörten Terminals, einer Hölle aus zerbombtem Stahl und Beton. «Poroschenko hat doch etwas unterschrieben, trotzdem wird noch jeden Tag geschossen», ereifert sich eine alte Frau.

Alle Häuser im Dorf sind kaputt. Dächer, Wände, Fenster, Türen - zerschossen. Es gibt keinen Strom, kein Gas, kein Wasser. Trotzdem harren einige Dutzend Bewohner in den Trümmern aus. «Wohin soll ich denn gehen?», fragt eine alte Frau namens Raissa. Und sie stimmt eine fast biblische Klage an: Wie sie beschossen wurde, als sie die Kuh melken wollte; wie ihre Hütte getroffen und ihr Mann verletzt wurde. «Und ich blieb allein zurück, um das Haus zu reparieren.»

Manchmal bringt eine Sondereinheit der ukrainischen Armee Hilfsgüter ins Dorf, gespendet unter anderem von der Diakonie in Deutschland. Es ist eine der wenigen Aktionen der Ukraine, die geplagte Bevölkerung des Donbass für sich zu gewinnen.

Im vordersten Gefechtsstand schiebt ein junger Ukrainer Wache, wobei Gefechtsstand ein großes Wort ist für das Sammelsurium aus Kisten, Sandsäcken und Segeltuch. Der 20 Jahre alte Schlosser kommt aus Pawlohrad im Westen des Donbass. Bevor er zwangsweise einberufen wurde, hat er sich lieber für drei Jahre zur Armee verpflichtet. Was sagt seine Familie dazu? «Natürlich habe ich gelogen, dass ich in der Kaserne sein werde, dass ich nirgendwohin gehe.»

Zu den Feinden auf der anderen Seite sagt er: «Es gibt aggressive Leute, es gibt normale.» Und dann erzählt er, wie er im Internet auf einen Freiwilligen der Separatisten gestoßen ist. Der Mann aus Makijiwka saß im Schützengraben gegenüber. «Der hieß genauso wie ich.» Die zwei telefonierten miteinander, wobei sie «die Arbeit» - den Krieg - ausklammerten. «Vor kurzem hat er eine Tochter bekommen.»

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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