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Do, 2016-07-28 22:12
Kairo (dpa)

Syrische Al-Nusra-Front sagt sich von Al-Kaida los

Seit Jahren ist die Al-Nusra-Front ein kampfstarker Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida gewesen. Damit ist es jetzt vorbei, die Islamisten-Truppe geht eigene Wege.

Kairo (dpa) - Die islamistische Al-Nusra-Front in Syrien sagt sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida los und benennt sich zudem um. Der neue Name lautet Dschabhat Fatah al-Scham, wie ihr Anführer Abu Mohammed al-Dschaulani am Donnerstag in einer Videonachricht bekanntgab. Ziel sei die Bildung einer neuen Front und die Vereinigung verschiedener Dschihadisten-Gruppen.

Die Al-Nusra-Front («Unterstützer-Front») gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Obwohl ideologisch eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwandt, sind beide Gruppen miteinander verfeindet. Andere, gemäßigtere Rebellengruppen, wie etwa die Freie Syrische Armee (FSA), kooperieren mit Al-Nusra im Kampf gegen die Regierungstruppen.

Al-Dschaulani dankte der Al-Kaida-Führung für deren Verständnis, dass die Trennung unumgänglich sei. Zuvor hatte die Al-Kaida-Führung die Abspaltung ausdrücklich gutgeheißen. Wichtiger als die Zugehörigkeit zu Al-Kaida sei, dass die Miliz geeint und schlagkräftig bleibe, hieß es.

Die USA haben die Al-Nusra-Front im Mai 2014 formal als terroristische Organisation eingestuft. Der Sprecher des Außenministeriums, John Kirby, sagte, daran werde sich nichts ändern. «Wir haben keinen Anlass zu glauben, dass ihre Ziele oder ihr Handeln andere sind.» Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, zeigte sich ebenfalls skeptisch.

Das US-Streitkräfte bombardieren die Miliz vereinzelt. Im April griffen sie ein Treffen von hochrangigen Mitgliedern der Miliz im Nordwesten Syriens an und töteten dabei den Sprecher Abu Firas al-Suri.

Do, 2016-07-28 22:09
Ankara (dpa)

Türkei: Armeechef Hulusi Akar bleibt im Amt

Ankara (dpa) - Der türkische Armeechef Hulusi Akar bleibt nach dem Putschversuch weiter im Amt. Diese zuvor vom Obersten Militärrat getroffene Entscheidung habe Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gebilligt, erklärte sein Sprecher Ibrahim Kalin am Donnerstagabend in Ankara. Akar war vor zwei Wochen von den Putschisten gefangen genommen, später aber befreit worden.

Neben Akar dürfen laut Kalin weitere Führungskräfte der Armee ihr Amt weiter ausüben. Dazu gehörten Salih Zeki Colak, Kommandant der Landstreitkräfte, Bülent Bostanoglu, Kommandant der Seestreitkräfte, und Abidin Ünal, Kommandant der Luftstreitkräfte.

Zudem erklärte Kalin, dass der bisherige Vize-Generalstabschef Yasar Güler neuer Kommandant der Gendarmerie werde. Seinen vorherigen Posten übernehme General Ümit Dündar, der nach dem Putschversuch als Interims-Armeechef fungierte.

Per Dekret hatte Erdogan in der Nacht zum Donnerstag 1684 Offiziere unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen, 149 davon im Generalsrang. Das entspricht weit mehr als einem Drittel aller Generäle des Nato-Partners Türkei.

Am Vormittag war der Oberste Militärrat zusammengekommen und hatte fünf Stunden lang über Stellenbesetzungen und Reformen beraten.

Do, 2016-07-28 20:47
Ansbach (dpa)

Menschen gedenken der Betroffenen des Ansbacher Bombenattentats

Ansbach (dpa) - Bis zu 200 Menschen haben in Ansbach an einem ökumenischen Gottesdienst für die Betroffenen des Bombenanschlags in der mittelfränkischen Kleinstadt teilgenommen. Zu den Gästen der Andacht für Verletzte, Angehörige und Helfer zählte am Donnerstagabend auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Die Ansbacher Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte in ihrer Predigt, die Stadt sei durch den Terror aus den Fugen geraten, die Angst sei in Ansbach angekommen. «Vielen Menschen geht es richtig schlecht.» Bis zu diesem Abend habe niemand für möglich gehalten, dass es zu einem Anschlag in der Stadt kommen könnte.

Bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Attentat nahe einem Konzert waren am Sonntagabend 15 Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Der Täter war ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien. Er kam bei der Explosion seiner Bombe ums Leben. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und prüft, ob der Mann Mitglied in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war.

Do, 2016-07-28 20:18
Paris (dpa)

EDF-Verwaltungsrat stimmt umstrittenem Atomprojekt zu

Kritiker fürchten, dass der französische Stromriese EDF sich mit dem Neubau zweier Atomreaktoren in England verhebt. Doch der Staat als Mehrheitseigner will das Projekt.

Paris (dpa) - Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gegeben. Damit könne EDF nun die Verträge unterzeichnen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd Euro) kosten. Rund ein Drittel soll der chinesische Partner China Nuclear Power Corporation (CGN) schultern.

«Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen», kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. «Je prekärer die EDF-Lage, desto größer der Druck, auch beim Betrieb der laufenden AKW zu sparen», fürchtete auch die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl.

Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Investition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt reichte nun auch ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt ein. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gérard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben, das die Wirtschaftszeitung «Les Échos» am Donnerstag online veröffentlichte.

Hinkley Point C soll mit seinen beiden Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 angepeilt.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben - sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

Do, 2016-07-28 20:09
Kairo (dpa)

Syrische Al-Nusra-Front sagt sich von Al-Kaida los

Seit Jahren ist die Al-Nusra-Front ein kampfstarker Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida gewesen. Damit ist es jetzt vorbei, die Islamisten-Truppe geht eigene Wege.

Kairo (dpa) - Die islamistische Al-Nusra-Front in Syrien sagt sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida los und benennt sich zudem um. Der neue Name lautet Dschabhat Fatah al-Scham, wie ihr Anführer Abu Mohammed al-Dschaulani am Donnerstag in einer Videonachricht bekanntgab. Ziel sei die Bildung einer neuen Front und die Vereinigung verschiedener Dschihadisten-Gruppen.

Die Al-Nusra-Front («Unterstützer-Front») gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Obwohl ideologisch eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwandt, sind beide Gruppen miteinander verfeindet. Andere, gemäßigtere Rebellengruppen, wie etwa die Freie Syrische Armee (FSA), kooperieren im Kampf gegen die Regierungstruppen.

Al-Dschaulani dankte der Al-Kaida-Führung für deren Verständnis, dass die Trennung unumgänglich sei. Zuvor hatte die Al-Kaida-Führung die Abspaltung ausdrücklich gutgeheißen. Wichtiger als die Zugehörigkeit zu Al-Kaida sei, dass die Miliz geeint und schlagkräftig bleibe, hieß es.

Do, 2016-07-28 20:25
du-Rouvray (dpa)

Normandie-Ort gedenkt dem von Islamisten ermordeten Priester

Saint-Étienne-du-Rouvray (dpa) - Zwei Tage nach dem islamistischen Mord an dem französischen Priester Jacques Hamel hat seine Heimatgemeinde an den 86-Jährigen erinnert. «Die intensiven Gefühle nach dieser schändlichen Tat werden nicht versiegen, weder hier noch anderswo», sagte der Bürgermeister von Saint-Étienne-du-Rouvray, Hubert Wulfranc. Auch am Donnerstag legten Menschen weiter Blumen an den Absperrungen vor der Kirche der Kleinstadt in der Nähe von Rouen nieder.

Die Gedenkveranstaltung am Abend stand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Behörden hatten einen ursprünglich angedachten Trauermarsch aus Sicherheitsgründen abgesagt und eventuelle weitere Versammlungen verboten. Zwei Angreifer hatten am Dienstag während der Morgenmesse in der Kirche der Kleinstadt in der Nähe von Rouen Geiseln genommen und den 86-Jährigen umgebracht.

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Do, 2016-07-28 19:55
Paris (dpa)

Bericht: EDF-Verwaltungsrat stimmt für umstrittenes Atomprojekt

Kritiker fürchten, dass der französische Stromriese EDF sich mit dem Neubau zweier Atomreaktoren in England verhebt. Doch der Staat als Mehrheitseigner will das Projekt.

Paris (dpa) - Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat einem Bericht zufolge grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gegeben. Das Gremium habe mit 10 zu 7 Stimmen für die Investition gestimmt, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise. EDF bestätigte diese Information am Abend zunächst nicht und verwies darauf, dass die Sitzung noch andauere. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd Euro) kosten. Rund ein Drittel sollen chinesische Partner schultern.

«Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen», kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. «Je prekärer die EDF-Lage, desto größer der Druck, auch beim Betrieb der laufenden AKW zu sparen», fürchtete auch die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl.

Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Investition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt reichte nun auch ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt ein. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gérard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben, das die Wirtschaftszeitung «Les Échos» am Donnerstag online veröffentlichte.

Hinkley Point C soll mit seinen beiden Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 angepeilt.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben - sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt.

Do, 2016-07-28 19:20
Istanbul (dpa) 

Staatsanwaltschaft in Ankara beantragt Beschlagnahme von Vermögen

Istanbul (dpa) - Nach dem Putschversuch in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft in Ankara die Beschlagnahmung aller Vermögenswerte von mehr als 3000 Richtern und Staatsanwälten beantragt. Betroffen seien 3049 Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fetullah Gülen, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Die betroffenen Juristen seien bereits vom Dienst suspendiert.

Beschlagnahmt werden sollen unter anderem Immobilien, Bankkonten oder Fahrzeuge. Die Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Nach Angaben des Innenministeriums saßen am Mittwoch mehr als 1600 Richter und Staatsanwälte in Untersuchungshaft. Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, den Staat unterwandert zu haben. Gülen wurde in der Vergangenheit großer Einfluss im Justizbereich nachgesagt.

Do, 2016-07-28 18:46
Heidelberg (dpa)

Mit Waffen im Darknet gehandelt - Lange Haftstrafe für Sportschützen

Weil er im verborgenen Teil des Internets illegal mit Waffen handelte, hat das Landgericht Heidelberg einen Mann zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Richter erwähnte auch den Amoklauf von München.

Heidelberg (dpa) - Wegen illegaler Waffengeschäfte im Darknet - einem anonymen Bereich des Internets - hat das Landgericht Heidelberg einen Sportschützen zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der 32-Jährige zwischen Januar 2014 und Oktober 2015 gefährliche Waffen an Abnehmer aus dem In- und Ausland verkaufte. Er handelte demnach mit Kriegswaffen sowie voll- und halbautomatischen Schusswaffen im Internet. 

Der gelernte Optiker hatte die Waffen über einen Zwischenhändler mit dem Pseudonym Ferdi erworben und über Verkaufsplattformen im Darknet angeboten. Für Geldeingänge nutzte er ein polnisches Bankkonto. Als Händler agierte er unter verschiedenen Namen, zeitweise auch unter dem Namen «Dosensuppe». 

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte noch behauptet, er sei als Sammler lediglich am Kauf von Waffen interessiert gewesen. Im Verlauf der Verhandlung räumte er jedoch ein, dass er auch selbst als Waffenverkäufer aufgetreten war. Dass er - wenn auch spät - diese Straftat teilweise eingestanden hatte und sich in seinem Schlusswort von seiner Tat distanzierte, war laut Gericht auch der Grund für das vergleichsweise milde Urteil.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für den Mann gefordert. Die Verteidigung plädierte dafür, dass der geständige Mann nicht länger als fünf Jahre hinter Gitter solle.

Der Fall habe einen «enormen Ermittlungsaufwand» mit sich gebracht, sagte Richter Gramlich. Er erwähnte auch die Risiken, die der illegale Waffenhandel im Darknet nach sich ziehe. Allein der Umstand, dass Waffenschieber meist keine Informationen über ihre Abnehmer hätten, bezeichnete der Richter als «hochgefährlich». Das sei bereits vor dem Amoklauf am Freitag in München bekannt gewesen - der Amokläufer hatte seine Waffe im Darknet gekauft. Mit dem Fall in München hatte der Heidelberger Prozess nichts zu tun. 

Unter den Kunden des nun verurteilten Mannes waren dem Gericht zufolge gewaltbereite Käufer, die bereits strafrechtlich aufgefallen waren. Darunter war demnach auch ein Rechtsextremist, der unter dem Pseudonym «Sturmsoldat» auftrat und vor einigen Jahren nach einem gescheiterten Bombenanschlag in der Psychiatrie untergebracht war. Zudem soll ein 21 Jahre alter Brite, der mit einer Maschinenpistole einen Mord begehen wollte, unter den Abnehmern gewesen sein.

Geht doch!

Konfliktfrei surfen

Konzerne müssen Rohstoffe aus Krisengebieten offenlegen – Europa ringt um eine verpflichtende Regelung

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Konfliktfrei surfen

Ausgerechnet die USA machen vor, wie man große Firmen an die kurze Leine nimmt – zumindest in punkto Konfliktrohstoffe. Der „Dodd-Frank Act“ verpflichtet börsennotierte Unternehmen, offenzulegen, ob Handys, Laptops oder Autos Mineralien enthalten deren Verkauf Kriege oder bewaffnete Kämpfe in der DR Kongo und deren Nachbarländern finanziert. Dass das seit 2010 geltende Transparenzgesetz für Gold, Tantal, Wolfram und Zinn Wirkung zeigt, belegt nun ein Report des „Enough Project“: Inzwischen gebe es im Kongo mehr als 160 Minen, die als „konfliktfrei“ gelten, ermittelte die US-Organisation. Auch EU-Bürger wollen keine „blutigen“ Produkte. Deshalb verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Rat derzeit über eine Sorgfaltsregelung. Wie verbindlich diese sein wird, ist bislang offen. „Die EU-Regeln dürfen nicht hinter die US-Standards zurückfallen, das wäre ein Armutszeugnis“, sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero. Selbst eine verpflichtende Regelung für Konfliktmineralien könne nur ein erster Schritt sein. Als nächstes müsse der verbindliche Schutz von Menschenrechten und Umwelt auf alle industriellen Bergbauprojekte wie die Förderung von Coltan, Kupfer und Kohle ausgeweitet werden.
ci-romero.de (Rohstoffkampagne)
stop-mad-mining.org

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Mailand: Cash fürs Radeln
Seit Jahren leiden die Mailänder unter Staus und schlechter Luft. Nun ergreift die Verwaltung der norditalienischen Metropole eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie will jedem Pendler, der künftig mit dem Rad zur Arbeit fährt, eine Pauschale von 25 Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen. Für das Anreizprogramm stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit. Die Fahrten sollen per App dokumentiert werden.

London: Strom von der Themse
Im Mai hat die britische Hauptstadt den größten schwimmenden Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Für 7,3 Millionen Euro wurden in der Themse 23.000 Paneele mit einer Kapazität von 6,3 Megawatt verankert. Der produzierte Strom soll die Wasseraufbereitungsanlagen in und um London versorgen. Der Vorteil der schwimmenden Sonnenkraftwerke: Sie sind leichter und billiger herzustellen als Anlagen an Land, werden durch das fließende Wasser konstant gekühlt und nehmen keinen Platz weg.

Frankreich: Palmöl – teurer durch Steuer
Um den Konsum zu drosseln und so die verheerenden Umweltschäden des Plantagenanbaus zu mindern, will die französische Regierung Palmöl besteuern: Ab 2017 sollen 30 Euro pro Tonne fällig werden, bis 2020 wird sich die Abgabe verdreifachen. In Deutschland ist bislang keine Palmölsteuer geplant. Der „Save Wildlife Conservation Fund“ drängt die Politik hierzulande schon länger zu diesem Schritt. Anders als in Frankreich dürfte sogenanntes „nachhaltiges Palmöl“ allerdings nicht ausgenommen werden, sagt eine Sprecherin der Stiftung, da es dafür noch immer keine verlässlichen Zertifizierungen gebe.
zeropalmoel.de

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Saubere Profite

Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

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Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Richter als Klimaschützer

Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Do, 2016-07-28 18:03
Stuttgart (dpa)

Türkei will Überprüfung von Gülen-Einrichtungen im Südwesten

Stuttgart (dpa) - Die Türkei hat die baden-württembergische Landesregierung aufgefordert, Einrichtungen der Gülen-Bewegung zu überprüfen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitag), dies habe ihn in höchstem Maße befremdet. «Hier sollen Leute auf irgendeinen Verdacht hin grundlos verfolgt und diskriminiert werden.» Kretschmann sagte, ihm seien keine Belege für die Behauptung bekannt, dass die Gülen-Bewegung für den Putsch in der Türkei verantwortlich sei.

Nach Kretschmanns Angaben erhielt die grün-schwarze Landesregierung ein Schreiben des türkischen Generalkonsuls in Stuttgart. Die Regierung sei aufgefordert worden, Vereine, Einrichtungen und Schulen, die nach Meinung der türkischen Regierung von der Gülen-Bewegung «betrieben» werden, einer Prüfung zu unterziehen und eine neue Bewertung vorzunehmen. «Genau das werden wir selbstverständlich nicht machen», sagte Kretschmann.

Grünen-Bundeschef Cem Özdemir kritisierte nach Darstellung der Zeitung die Einflussversuche der Türkei in Deutschland. Der Arm des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan möge in viele Teile der türkischen Gesellschaft reichen. «In Stuttgart, Berlin und anderswo hat er aber nichts verloren», sagte Özdemir.

Do, 2016-07-28 18:27
Heidelberg (dpa)

Mit Waffen im Darknet gehandelt - Lange Haftstrafe für Sportschützen

Weil er im verborgenen Teil des Internets illegal mit Waffen handelte, hat das Landgericht Heidelberg einen Mann zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Richter erwähnte auch den Amoklauf von München.

Heidelberg (dpa) - Wegen illegaler Waffengeschäfte im Darknet - einem anonymen Bereich des Internets - hat das Landgericht Heidelberg einen Sportschützen zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der 32-Jährige zwischen Januar 2014 und Oktober 2015 gefährliche Waffen an Abnehmer aus dem In- und Ausland verkaufte. Er handelte demnach mit Kriegswaffen sowie voll- und halbautomatischen Schusswaffen im Internet. 

Der gelernte Optiker hatte die Waffen über einen Zwischenhändler mit dem Pseudonym Ferdi erworben und über Verkaufsplattformen im Darknet angeboten. Für Geldeingänge nutzte er ein polnisches Bankkonto. Als Händler agierte er unter verschiedenen Namen, zeitweise auch unter dem Namen «Dosensuppe». 

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte noch behauptet, er sei als Sammler lediglich am Kauf von Waffen interessiert gewesen. Im Verlauf der Verhandlung räumte er jedoch ein, dass er auch selbst als Waffenverkäufer aufgetreten war. Dass er - wenn auch spät - diese Straftat teilweise eingestanden hatte und sich in seinem Schlusswort von seiner Tat distanzierte, war laut Gericht auch der Grund für das vergleichsweise milde Urteil.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren für den Mann gefordert. Die Verteidigung plädierte dafür, dass der geständige Mann nicht länger als fünf Jahre hinter Gitter solle.

Der Fall habe einen «enormen Ermittlungsaufwand» mit sich gebracht, sagte Richter Gramlich. Er erwähnte auch die Risiken, die der illegale Waffenhandel im Darknet nach sich ziehe. Allein der Umstand, dass Waffenschieber meist keine Informationen über ihre Abnehmer hätten, bezeichnete der Richter als «hochgefährlich». Das sei bereits vor dem Amoklauf am Freitag in München bekannt gewesen - der Amokläufer hatte seine Waffe im Darknet gekauft. Mit dem Fall in München hatte der Heidelberger Prozess nichts zu tun. 

Unter den Kunden des nun verurteilten Mannes waren dem Gericht zufolge gewaltbereite Käufer, die bereits strafrechtlich aufgefallen waren. Darunter war demnach auch ein Rechtsextremist, der unter dem Pseudonym «Sturmsoldat» auftrat und vor einigen Jahren nach einem gescheiterten Bombenanschlag in der Psychiatrie untergebracht war. Zudem soll ein 21 Jahre alter Brite, der mit einer Maschinenpistole einen Mord begehen wollte und als Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat galt, unter den Abnehmern gewesen sein.

Do, 2016-07-28 18:36
Istanbul (dpa)

Türkei: Frankreich über Einreisesperre gegen Petitjean informiert

Istanbul (dpa) - Gegen einen der islamistischen Angreifer in einer Kirche in der Normandie ist nach türkischen Angaben am 18. Juni eine Einreisesperre in die Türkei verhängt worden. Die französischen Behörden hätten nach den derzeit vorliegenden Erkenntnissen zuvor nicht vor Abdel-Malik Petitjean gewarnt, hieß es am Donnerstag aus Regierungskreisen in Ankara. Sie seien aber sofort über die Einreisesperre informiert worden.

Petitjean sei am Istanbuler Atatürk-Flughafen am 10. Juni eingetroffen, hieß es weiter. Er sei gestoppt und befragt worden, weil er vor der Passkontrolle mit jemandem gesprochen habe, gegen den bereits eine Einreisesperre vorgelegen habe. Petitjean habe die Türkei am nächsten Tag wieder verlassen.

Nach übereinstimmenden Medienberichten hatten die französischen Behörden Ende Juni einen Eintrag zu Petitjean in einer Datenbank angelegt, die als radikalisiert eingestufte Personen auflistet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Identität des Angreifers am Donnerstag nach einem DNA-Vergleich. Gemeinsam mit dem bereits zuvor identifizierten Adel Kermiche hatte der 19-Jährige am Dienstag in einer Kirche nahe Rouen einen Priester ermordet.

À la Saison

Himmlische Himbeere

(Rubus idaeus)

Was haben glühende RAF-Terroristinnen und eiskalte Banker gemeinsam? Sie machen zu oft Ferien im Himbeerreich. Da wollen Sie auch hin? Ein Wegweiser.

 

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Himmlische Himbeere

Schokolade, Zigaretten, Marshmallows – für diese Schätze aus dem „Himbeerreich“ bedankt sich Gudrun Ensslin 1968 per Gefängnispost bei ihrem Verlobten und bestellt noch eine luxuriöse Feuchtigkeitscreme hinterher. Die üppige BRD-Warenwelt versüßt der Pfarrerstochter, die kurz darauf die RAF mitgründen wird, ihr Zellenleben. Das Dialektische daran ist Ensslins Haftgrund: Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. „Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten“, sinniert 2013 der Chauffeur Hans Helmut Hinz. Er meint aber keine konsumaffinen Linksterroristinnen, sondern bonusgetriebene Bankvorstände, deren Limousinen er durch die Finanzkrise kutschiert. Hinz ist eine Figur aus dem Theaterstück „Das Himbeerreich“. Dessen Autor Andres Veiel will uns ausdrücklich nicht sagen, dass Banker Terroristen sind. Aber eines wissen sie wohl so gut wie Bombenleger (und wir alle): Wo Himbeeren wachsen, wartet das Paradies.

Rubingleich funkeln die fragilen Früchte am stacheligen Strauch. Sie duften betörend, netzen die Fingerspitzen purpurn wie Theaterblut und zergehen sonnenwarm auf der Zunge – seit Jahrtausenden. Samenfunde in Steinzeitsiedlungen belegen, dass es sich um eine der ältesten Naschereien der Welt handelt. Die Himbeere ist echt „paläo“. Kultiviert wurde sie schon im alten Rom, wo sie als Heilpflanze auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche helfen sollte. Der Erfolg ist fraglich. Gesund ist die Himbeere aber durchaus. Sie enthält enorme Mengen Vitamin C, viel Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem und wirkt entgiftend sowie entzündungshemmend.

Die Römer nannten die Beere, die eigentlich eine Sammelsteinfrucht ist, Rubus idaeus – nach der Nymphe Ida. Einst soll die Tochter des kretischen Königs ein weinendes Kind in den Bergen gefunden haben, den jungen Göttervater Jupiter. Als sie ihm eine Himbeere pflückte, stach sie sich an den Dornen. Blut tropfte auf die ehedem weißen Früchte und färbte sie rot. Toll, diese antiken Sagen. Diese aber hat der französische Arzt Henri Leclerc 1925 für sein Buch „Les fruits de France“ dreist erfunden. Es ist auch eher öde, dass wohl der türkische Berg Ida Namenspate des Obstes war. Und „Himbeere“ kommt vom althochdeutschen Wort hintperi – Beere der Hirschkuh, vielleicht weil sie sich in lichten Wäldern so wohlfühlt.

In der Küche ist diese Frucht ein Naturtalent: Sie ist vollkommen, so wie sie ist. Ein paar gute Begleiter gibt es aber doch. Alles Cremige unterstreicht ihren Wohlgeschmack, Ziegenkäse steht im würzigen Kontrast dazu. Mit Pfirsich (Melba!), Mandel und Rosenwasser verträgt sie sich schwesterlich. Immerhin stammen sie alle aus der Großfamilie der Rosengewächse. Haselnüsse stehen ihr – traditionell in Linzertorte – ebenfalls gut. Auch dunkle Schokolade, Minze und – ja – Zucker, etwa in Marmelade, kann sie aushalten. Die Kerne mögen stören, sorgen aber auch für feine Holznoten. Nicht zuletzt harmoniert das berauschende Aroma reifer Himbeeren ausgezeichnet mit Alkohol, in Sekt etwa oder köstlichem Himbeergeist.

Es gibt auch schwarze, weiße, rosa und gelbe Sorten. Sobald Himbeeren zu sehr glänzen, ist aber Vorsicht geboten. Etwa in Hollywood. Seit 1981 verleihen Cineasten am Vorabend der Oscars den Antipreis „Goldene Himbeere“. Der Name der Plastiktrophäe spielt auf die Redewendung to blow a raspberry an: laut losprusten. Die so geehrten Schauspieler erscheinen selten persönlich. Im Jahr 2005 stellte sich Halle Berry aka Catwoman der Schmach und sprach die wahren Worte: „Wer kein guter Verlierer ist, kann kein guter Gewinner sein.“ So golden munden Niederlagen nur mit Himbeere. Liebe Banker, es ist nie zu spät, die eigene Leistung infrage zu stellen. Möge der Sommer himbeerreich sein.

Frisch vom Feld gibt's Himbeeren ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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Sagenhafter Spinat

„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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Geselliger Grünkohl

„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Do, 2016-07-28 18:57
Kairo (dpa)

Syrische Al-Nusra-Front sagt sich von Al-Kaida los

Kairo (dpa) - Die islamistische Al-Nusra-Front in Syrien sagt sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida los und benennt sich zudem um. Der neue Name lautet Dschabhat Fatah al-Scham, wie ihr Anführer Abu Mohammed al-Dschaulani am Donnerstag in einer Videonachricht bekanntgab. Ziel sei die Bildung einer neuen Front und die Vereinigung verschiedener Dschihadisten-Gruppen.

Die Al-Nusra-Front («Unterstützer-Front») gehört in Syrien zu den stärksten Milizen. Stark ist die Gruppe vor allem in der Provinz Idlib. Obwohl ideologisch eng mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwandt, sind beide Gruppen miteinander verfeindet. Andere Rebellengruppen kooperieren im Kampf gegen das Regime mit ihr.

Do, 2016-07-28 18:07
Moskau/Kiew (dpa)

Russland bindet annektierte Halbinsel Krim tiefer in Strukturen ein

Moskau/Kiew (dpa) - Gut zwei Jahre nach der umstrittenen Annexion der Krim bindet der Kreml die Schwarzmeer-Halbinsel tiefer in russische Strukturen ein. Präsident Wladimir Putin habe die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Region per Erlass in den Föderalbezirk Süd eingegliedert, wie Medien in Moskau am Donnerstag berichteten.

Die prowestliche Regierung der Ukraine protestierte scharf gegen den Schritt. «Falls jemand denkt, dass er das Gestohlene in ein anderes Haus bringt und es dann aufhört, gestohlen zu sein, ist das eine sehr fehlerhafte Politik», sagte Vize-Außenminister Sergej Kisliza.

Putin berief in einem separaten Schritt Russlands bisherigen Botschafter in Kiew ab. Michail Surabow habe in sieben Dienstjahren viel erreicht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Als Nachfolger ist der Diplomat Michail Babitsch im Gespräch. Er gilt als Vertreter einer härteren Linie im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

Do, 2016-07-28 18:13
Vilnius (dpa)

Litauen überreicht Note an Weißrussland wegen Vorfalls bei Akw-Bau

Vilnius (dpa) - Wegen eines Vorfalls beim Bau eines Atomkraftwerks im benachbarten Weißrussland hat Litauen eine diplomatische Note überreicht. Litauen fordere von der Führung in Minsk unverzüglich eine gründliche Untersuchung, teilte das Außenministerium in Vilnius am Donnerstag mit. Auch die EU-Kommission sei über den Vorfall in Kenntnis gesetzt und um Mithilfe gebeten worden. 

Das weißrussische Energieministerium hatte zuvor eine «ungewöhnliche Situation» beim Anheben eines Reaktordruckbehälters eingeräumt, aber Medienberichte über eine Beschädigung des Bauteils dementiert. Bereits im Frühjahr hatte Litauen nach zwei angeblichen Unfällen beim Bau des Kraftwerks den weißrussischen Botschafter einbestellt. 

Die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik Weißrussland errichtet nahe der Grenze zu Litauen trotz massiver Vorbehalte des EU-Staates mit russischer Hilfe zwei Reaktoren. Die Anlage liegt rund 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt.

Do, 2016-07-28 18:51
Paris (dpa)

Bericht: EDF-Verwaltungsrat stimmt für umstrittenes Atomprojekt

Paris (dpa) - Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat einem Bericht zufolge für den umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gestimmt. Das meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstagabend unter Berufung auf informierte Kreise. Das Unternehmen bestätigte diese Information auf Anfrage zunächst nicht und verwies darauf, dass die Sitzung noch andauere.

Das Projekt in Hinkley Pont an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd Euro) kosten, rund ein Drittel sollen chinesische Partner schultern. Im März war der bisherige EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob EDF die Milliardeninvestition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt hatte außerdem am Donnerstag ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt eingereicht, wie die Wirtschaftszeitung «Les Échos» berichtete.

Do, 2016-07-28 18:24
Berlin (dpa)

Merkel spricht von Krieg gegen IS - und stellt sich vor Flüchtlinge

Der «islamistische Terror» erschüttert die Kanzlerin, bringt aber ihre umstrittene Politik nicht grundsätzlich ins Wanken. Merkel kündigt Maßnahmen für mehr Sicherheit an - und bekräftigt: Die «historische Bewährungsaufgabe» der Flüchtlingskrise ist zu schaffen.

Berlin (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht Deutschland nach zwei blutigen Anschlägen im Krieg mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und setzt auf ein neues Sicherheitspaket. «Ich glaube, dass wir in einem Kampf oder meinetwegen auch in einem Krieg gegen den IS sind», sagte sie am Donnerstag in Berlin. Merkel betonte zugleich: «Wir befinden uns in keinem Krieg oder Kampf gegen den Islam.»

Die wegen der Anschläge von Flüchtlingen in Würzburg und Ansbach unter Druck stehende Kanzlerin legte einen Neun-Punkte-Plan vor. Zugleich stellte Merkel sich bei ihrer Sommer-Pressekonferenz vor «die vielen anderen Flüchtlinge, die wirklich Hilfe vor Gewalt und Krieg bei uns suchen». Sie griff ihre Formel «Wir schaffen das» aus dem Vorjahr wieder auf: «Ich bin heute wie damals davon überzeugt, dass wir es schaffen, unserer historischen Aufgabe - und dies ist eine historische Bewährungsaufgabe in Zeiten der Globalisierung - gerecht zu werden. Wir schaffen das.»

Merkel will den Militäreinsatz gegen den IS trotz der islamistisch motivierten Anschläge nicht ausweiten. Sie verwies darauf, dass sich die Bundeswehr schon jetzt mit Aufklärungs- und Tankflugzeugen an den Bombardements gegen die Terrormiliz in Syrien und im Irak beteiligt. «Neue Verpflichtungen sehe ich im Augenblick nicht.»

Als Reaktion auf die Anschläge kündigte die Kanzlerin unter anderem ein besseres Frühwarnsystem für Bedrohungen neben dem organisierten Terrorismus an. Zu ihrem Neun-Punkte-Plan zählten auch eine Senkung der Hürden für die Abschiebung von Asylbewerbern und Vorbereitungen für Bundeswehreinsätze im Inneren bei großen Terroranschlägen.

Die mit Merkels Flüchtlingspolitik seit langem hadernde bayerische CSU-Landesregierung ging bei einer Klausur am Tegernsee mit einem Konzept «Sicherheit durch Stärke» in die Offensive. Ministerpräsident Horst Seehofer und sein Kabinett forderten vom Bund unter anderem eine Ausweitung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. Zudem strebt die CSU eine Grundgesetzänderung an, um den Einsatz der Bundeswehr im Innern zur Abwehr von Terrorgefahren und zur Grenzsicherung zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Die CSU-Regierung erneuert ihre Forderung nach einer Obergrenze für neue Flüchtlinge von 200 000 pro Jahr. Eine weiterer zentraler Punkt der Klausur: Wer ohne Papiere einreist oder seine Identität nicht belegen kann, soll an den Grenzen «zunächst festgehalten werden und gegebenenfalls zurückgewiesen werden». Ausländische Straftäter sollen nach dem Willen Bayerns schneller abgeschoben werden - auch in Krisengebiete.

Merkel verurteilte in Berlin die Gewalttaten der vergangenen Tage. «Diese Anschläge sind erschütternd, bedrückend und auch deprimierend. Es werden zivilisatorische Tabus gebrochen. Die Taten geschehen an Orten, wo jeder von uns sein könnte.»

Dass die Anschläge in Würzburg und Ansbach von zwei Flüchtlingen begangen wurden, «verhöhnt das Land, das sie aufgenommen hat», sagte Merkel. Es verhöhne die Helfer und Ehrenamtlichen und auch «die vielen anderen Flüchtlinge, die wirklich Hilfe vor Gewalt und Krieg bei uns suchen». Am Sonntagabend hatte ein syrischer Flüchtling im bayerischen Ansbach vor einem Konzertgelände eine Bombe gezündet. In Würzburg hatte am 18. Juli ein 17-jähriger Flüchtling, vermutlich aus Afghanistan, Menschen mit Axt und Messer angegriffen.

Weil vielen nicht klar war, wie Merkels Flüchtlingspolitik gelingen soll, geriet die Kanzlerin in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck - und die Union in einen Abwärtstrend bei den Wählern. Merkel räumte am Donnerstag ein: «Es ist eine schwierige (Zeit), aber wir hatten auch andere schwierige. (...) Jetzt haben wir etwas, was sehr an den Kern der Gesellschaft geht.» Schlimm sei «die allgemeine Verunsicherung». Deshalb müsse «der Staat seiner Aufgabe gerecht werden, das weitestgehende Vertrauen wieder herzustellen».

Merkel ließ eine erneute Kandidatur bei der Bundestagswahl 2017 weiter offen. Die CDU-Chefin bekräftigte, sie werde sich dazu «zum geeigneten Zeitpunkt» äußern. «Heute ist dieser Zeitpunkt nicht.» Merkel ist seit 2005 im Amt. Die 62-Jährige regiert derzeit zum zweiten Mal in einer schwarz-roten Koalition mit der SPD.

Sie will nun Bürger überzeugen, die wegen der vielen ins Land gekommenen Flüchtlinge mit der AfD sympathisieren. «Deshalb werden wir durch Taten alles daran setzen, Menschen, die heute sich vielleicht nicht ausreichend verstanden fühlen, wieder zurückzugewinnen (...).»

Ursprünglich hätte Merkels traditionelle Sommer-Pressekonferenz erst nach den Ferien stattfinden sollen. Nach den jüngsten Gewalttaten entschloss sie sich jedoch, dafür ihren Urlaub zu unterbrechen.

Die Opposition kritisierte Merkels Auftritt. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Sie hat keine neuen Ideen für Flüchtlingskontingente, keine neuen Ideen für Europa.» Beim Neun-Punkte-Plan «hätte ich mir eine klare Absage an die Pläne zum Einsatz der Bundeswehr im Innern gewünscht». Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch bezeichnete den Merkel-Plan bei MDR Aktuell als «Bankrotterklärung». Die Kanzlerin hätte stattdessen auf andere Probleme eingehen sollen, etwa auf die Stellenkürzungen bei der Polizei in den vergangenen Jahren. Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner schrieb für «Focus Online»: «Wir brauchen keine neue Symboldebatte über schärfere Gesetze, sondern die Durchsetzung der bisherigen Gesetze.»

Do, 2016-07-28 17:30
Berlin (dpa)

Gülen-Anhänger in Deutschland

Berlin (dpa) - Die Hizmet-Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen (75) hat auch in Deutschland zahlreiche Anhänger. Sie engagieren sich eigenen Angaben zufolge für Bildung und interkulturellen Dialog. Bundesweit gibt es rund 150 Nachhilfevereine, 30 Schulen und 15 Dialogvereine.

Als deutschlandweiter Ansprechpartner versteht sich die Stiftung Dialog und Bildung in Berlin. Deren Vorsitzender Ercan Karakoyun beschreibt den typischen Gülen-Anhänger in Deutschland so: «Das sind Menschen, die hier aufgewachsen sind, hier studieren und sich gesellschaftlich engagieren.»

Seit der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Bewegung für den gescheiterten Putsch in seinem Land verantwortlich macht, erleben auch die Einrichtungen in Deutschland Hass und Mobbing. In Stuttgart wurde eine Schule, die dem Netzwerk zugerechnet wird, unter Polizeischutz gestellt. In Würzburg, Gelsenkirchen, Reutlingen und Augsburg attackierten Anhänger der türkischen Regierungspartei AKP Hizmet-Einrichtungen.

Do, 2016-07-28 17:32
Leese (dpa)

Rostige Atommüllfässer bei Kontrolle in Zwischenlager Leese entdeckt

Leese (dpa) - In dem Zwischenlager für schwachradioaktiven Atommüll im niedersächsischen Leese haben Kontrolleure zwei Fässer mit starken Rostspuren entdeckt. Dies teilte das Umweltministerium in Hannover am Donnerstag mit. Das Ministerium habe den Betreiber des Zwischenlagers aufgefordert, die Fässer zu prüfen, um weitere Informationen zu bekommen. Erst im Mai war in dem Zwischenlager ein rostiges Fass entdeckt worden. Das Fass war falsch gekennzeichnet und enthielt statt Papiermüll auch strahlende Flüssigkeiten. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hatte daraufhin eine neue Strategie für das Lager angekündigt. Die Inspektionen wurden erweitert und die Umsetzung eines Hallenneubaus sollte beschleunigt werden.

Do, 2016-07-28 18:00
Istanbul/Berlin (dpa) 

Türkei verlangt von Deutschland Auslieferung von Gülen-Anhängern

Die Türkei geht seit dem Putschversuch gegen Anhänger der Gülen-Bewegung vor. Von den USA fordert sie die Auslieferung des Predigers Gülen. Nun gerät auch Deutschland ins Visier. Ein neuer Streit zwischen Berlin und Ankara droht.

Istanbul/Berlin (dpa) - Nach dem Putschversuch in der Türkei fordert die islamisch-konservative Regierung von Deutschland die Auslieferung türkischer Gülen-Anhänger. Damit droht neuer Streit zwischen Ankara und Berlin. Per Notstands-Dekret ordnete Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Schließung von mehr als 100 Medien an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ermahnte Erdogan am Donnerstag zu mehr Zurückhaltung im Umgang mit Gegnern. Sie zeigte sich besorgt über die jüngsten Entwicklungen in der Türkei, in der seit Donnerstag vergangener Woche der Ausnahmezustand gilt.

In einem Rechtsstaat müsse der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit «unter allen Umständen» gewahrt werden, sagte Merkel. «Die Sorge besteht darin, dass sehr hart vorgegangen wird, und dieses Prinzip der Verhältnismäßigkeit nicht immer im Zentrum steht.» Gerade angesichts von mehr als drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland habe die Bundesregierung daran jedoch «allergrößtes Interesse». Die Eröffnung neuer Kapitel in den Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Türkei schloss Merkel aus.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte dem Sender CNN Türk: «Wie Sie wissen, sind Richter und Staatsanwälte (der Gülen-Bewegung) nach Deutschland geflohen. Und Deutschland hat die Aufgabe, sie auszuliefern.» Schon vor dem Putschversuch habe es Auslieferungsforderungen der Türkei an die Bundesrepublik gegeben, «aber von nun an werden wir uns diesen Themen auf einer anderen Ebene widmen. Sie müssen sie ausliefern.» Die Gülen-nahe Stiftung Dialog und Bildung in Berlin nannte die Forderung «absurd».

Seit dem Putschversuch vom 15. Juli wird die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei diskutiert. Erdogan hat angekündigt, die Wiedereinführung zu billigen, sollte das Parlament sie beschließen. Die Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Von den USA fordert sie die Auslieferung Gülens.

Mit der Forderung der Türkei nach einer Auslieferung von mutmaßlichen Gülen-Anhängern droht nach dem Konflikt um die Völkermord-Resolution des Bundestages zu den Massakern an den Armeniern neuer Streit zwischen der Ankara und Berlin. Bereits die Resolution vom 2. Juni hatte zu einem schweren Zerwürfnis geführt.

Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, bekommt seit diesem Bundestagsbeschluss keine Termine im Außenministerium oder in anderen Regierungsstellen mehr, wie die Deutsche Presse-Agentur in Ankara erfuhr. Anfragen würden nicht beantwortet. Deutsche Diplomaten unterhalb der Botschafterebene erhielten zwar gelegentlich noch Termine. Minister Cavusoglu selber müsse aber jedes Treffen billigen.

Mit dem jüngsten Dekret Erdogans wurde die Schließung von drei Nachrichtenagenturen, 16 Fernsehstationen, 23 Radiosendern, 45 Zeitungen, 15 Magazinen sowie 29 Verlagshäusern und Pressevertrieben angeordnet. Mit demselben Erlass wurden außerdem 1684 Offiziere unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen, davon 149 im Generalsrang. Das entspricht weit mehr als einem Drittel aller Generäle des Nato-Partners Türkei. Erdogan hat angekündigt, den Staat von Anhängern der Gülen-Bewegung zu «säubern».

Unter den Medien ist die Zeitung «Zaman». Im März war das einstige Flaggschiff-Medium der Gülen-Bewegung bereits unter Zwangsverwaltung gestellt und auf Regierungskurs gezwungen worden. Die Auflage sank von mehreren Hunderttausend auf zuletzt wenige Tausend Exemplare. Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft die Festnahme von 47 ehemaligen «Zaman»-Mitarbeitern angeordnet. Bereits am Montag war die Festnahme von 42 Journalisten auch anderer Medien angeordnet worden.

Nach Regierungsangaben wurden seit dem Putschversuch vor knapp zwei Wochen mehr als 15 800 Menschen festgenommen, etwa 10 000 davon aus dem Militär. Insgesamt wurde gegen mehr als 8100 davon Haftbefehl erlassen, rund 3000 wurden freigelassen. Der Rest ist weiter in Polizeigewahrsam. Nach Erdogans erstem Notstands-Dekret vom Samstag können Festgenommene bis zu 30 Tage festgehalten werden, bis sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Zuvor waren es vier Tage.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden inzwischen mehr als 66 000 Staatsbedienstete suspendiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte in den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Freitag), das Vorgehen der türkischen Regierung gehe «weit über jedes Maß hinaus».

Knapp zwei Wochen nach dem Putschversuch aus den Reihen der Armee tagte am Donnerstag in Ankara der Oberste Militärrat. Dabei sollte es um Reformen in der Armee und die Neubesetzung der Stellen gehen, die durch Verhaftungen und Entlassungen von Offiziere freigeworden sind. An dem eintägigen Treffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Binali Yildirim nahmen unter anderem Verteidigungsminister Fikri Isik und Armeechef Hulusi Akar teil. Aus Regierungskreisen hieß es, am Freitag sollten die Entscheidungen Erdogan zur Billigung vorgelegt werden.

Do, 2016-07-28 17:15
Berlin (dpa)

Foodwatch kritisiert Öl-Spuren in Lebensmitteln

Gefährliche Chemikalien gehören nicht in die Nahrung. In manchen Kartons mit Reis, Nudeln, Weizengrieß oder Haferflocken könnten aber Gesundheitsgefahren stecken - dabei wären Gegenmaßnahmen möglich.

Berlin (dpa) - Jedes vierte entsprechend geprüfte Lebensmittel enthält nach Angaben der Organisation Foodwatch bedenkliche Spuren aromatischer Mineralöle. Sie drängt die Regierung zu einem verpflichtenden Schutz vor solchen möglicherweise krebserregenden Substanzen. Bei amtlichen Kontrollen in fünf Bundesländern seien zwischen 2011 und 2015 in 128 von 446 Produkten Rückstände dieser Öle festgestellt worden, teilte Foodwatch am Donnerstag nach einer eigenen Auswertung mit. Dabei gehe es vor allem um in Papier oder Karton verpackte Trocken-Lebensmittel wie Reis, Weizengrieß und Nudeln, aber auch Schokolade.

Als Quelle für solche Übertragungen gelten unter anderem Druckfarben, die in Altpapierkartons enthalten sind, aber auch Maschinenöle sowie Abgase aus Industrie und Verkehr. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) müsse den Herstellern etwa Innenbeutel oder Beschichtungen der Kartons vorschreiben, um den Übergang auch weiterer Chemikalien in Produkte zu verhindern.

Foodwatch mahnte außerdem die Festlegung strikter Höchstwerte an. Eine Null-Toleranz solle dabei für sogenannte aromatische Mineralöle gelten, die unter Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Die Discounter Aldi Süd, Lidl und Kaufland hätten ihren Eigenmarken-Lieferanten bereits konkrete Vorgaben gemacht, sagte Johannes Heeg von Foodwatch.

Das Bundesernährungsministerium hat nach eigenen Angaben ein Forschungsvorhaben zu der Mineralölproblematik initiiert. Mögliche rechtliche Regelungen seien auf dieser Datenbasis gerade in der Diskussion. Zudem unterstütze das Ministerium eine Regelung auf EU-Ebene.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte bereits 2010 erläutert, dass in Lebensmittelpackungen aus Altpapier unter anderem Mineralöle mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (Moah) nachgewiesen worden seien - dazu könnten krebserzeugende Substanzen gehören. «Deshalb sollte kein nachweisbarer Übergang von Moah auf Lebensmittel stattfinden», schreibt das BfR. Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest mit Adventskalendern 2012 sprach das Institut allerdings angesichts geringer Mengen von «keiner grundsätzlich neue Belastungssituation» für den Verbraucher.

Die Auffassung des BfR, dass ein mögliches krebserzeugendes Potenzial der aromatischen Kohlenwasserstofffraktion nicht ausgeschlossen werden kann, wurde durch ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) aus diesem Jahr bestätigt. Der Übergang von Mineralölbestandteilen kann laut BfR durch den Einsatz von Frischfaserkartons, der Verwendung von mineralölfreien Druckfarben und besonderen Barrieren verhindert werden.

Zudem wurden in den fünf Bundesländern laut Foodwatch in 375 der 446 Produkten gesättigte Mineralöle (Mosh) nachgewiesen. Sie können sich im Körper anreichern und haben im Tierversuch Organe geschädigt. Diese sollten soweit technisch möglich reduziert werden, forderte Heeg.

Für die Auswertung fragte Foodwatch bei allen Bundesländern an, ob zwischen 2011 und 2015 trockene Lebensmittel in Kartonpackungen auf einen Mineralölgehalt untersucht worden seien. Dies war den Angaben zufolge in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen bei insgesamt 446 Produkten der Fall. Rückstände gefunden wurden unter anderem in Weizengrieß, Reis und Haferflocken.

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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