So, 2015-04-26 14:30
Genf (dpa)

Wie die Vereinten Nationen in Nepal helfen

Genf (dpa) - Koordiniert wird die Hilfe für Nepal vom UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA). Der UN-Vertreter in Nepal ist der frühere OCHA-Mitarbeiter Jamie McGoldrick. Er organisiert die Hilfe in der Region und informiert über die Situation.

Am Sonntag haben die Vereinten Nationen ein Voraus-Team aus fünf Experten nach Nepal entsandt. Sie sollen schauen, welcher Bedarf an Material und Helfern genau im Katastrophengebiet bestehe, erklärte der OCHA-Sprecher Jens Laerke in Genf. Ihre erste Aufgabe sei es, die Hilfe anlaufen zu lassen. Allerdings werden die UN nicht alle Hilfsmaßnahmen alleine schultern. Im Katastrophenfall sind es zunächst die Nachbarstaaten, die aktiv werden. So haben Indien und China bereits Rettungskräfte und Material auf den Weg gebracht. Andere Staaten haben ebenfalls Unterstützung angekündigt.

Derweil haben die nepalesischen Behörden ihre eigenen Bergungstrupps in Marsch gesetzt und kümmern sich um die Opfer. Außerdem haben sie Listen an die internationale Gemeinschaft geschickt, was am dringendsten benötigt wird. Dazu zählen Decken, Lebensmittel, Wasser, Zelte, medizinische Ausrüstung, Rettungskräfte, schwere Maschinen und Fahrzeuge sowie Hubschrauber. Ein Problem dabei ist: Die UN sind erst noch dabei herauszufinden, wie groß die Schäden an der Infrastruktur des Landes sind.

So, 2015-04-26 14:34
Palmas (dpa)

Nach Schiffsuntergang: Ölteppich nähert sich den Kanaren

Ein brennender Kutter wird von Gran Canaria auf das offene Meer hinausgeschleppt. Dort versinkt das Schiff. Das Öl aus den Tanks bedroht nun die Küsten einzelner Kanaren-Inseln.

Las Palmas (dpa) - Nach dem Untergang eines russischen Kutters mit rund 1400 Tonnen Treibstoff an Bord hat sich ein Ölteppich im Seegebiet der Kanarischen Inseln ausgebreitet. Wie die Regionalregierung der spanischen Inselgruppe am Wochenende mitteilte, waren zunächst vor allem die Küsten von Teneriffa und La Gomera von dem Öl bedroht. Das Seegebiet des Atlantiks werde mit Hubschraubern und Spezialflugzeugen überwacht. Zunächst sei allerdings kein Ölschlamm in unmittelbarer Küstennähe festgestellt worden.

Die Umweltstiftung WWF forderte, die Verschmutzung müsse dringend eingedämmt werden, bevor sie die Küste erreiche. Angehörige der Organisation hatten zuvor in einer Überwachungsmaschine der Regierung das betroffene Gebiet überflogen. Das gefährdete Meeresgebiet südlich von Teneriffa und La Gomera sowie der Kanal zwischen beiden Inseln beherberge die größte Biodiversität der Kanaren, betonte WWF.

Der Trawler «Oleg Naydenov» war am 11. April im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria in Brand geraten. Die Hafenbehörden befürchteten eine Explosion des Treibstoffs und ordneten an, das brennende Schiff auf das offene Meer hinauszuschleppen. Der Trawler sank am 14. April nur 25 Kilometer südlich des Touristenortes Maspalomas. Das Wrack liegt in 2400 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund.

Die Strömung trieb den - aus den Tanks ausdringenden - Treibstoff zunächst von den Kanaren weg nach Süden. Aufgrund einer Änderung der Windrichtung näherte sich der Ölteppich dann aber wieder der Inselgruppe. Das spanischen Ministerien für Verkehr und Umwelt teilten mit, ein Spezialschiff habe am Samstag weiter Öl von der Wasseroberfläche abgesaugt. Die Treibstofftanks des Wracks sollten mit Hilfe eines Roboters versiegelt werden.

So, 2015-04-26 14:00
Bergen-Belsen (dpa)

Präsident des Jüdischen Weltkongresses warnt vor Antisemitismus

Bergen-Belsen (dpa) - Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, hat ein Wiederaufleben des Antisemitismus beklagt. «Im Jahr 2015 sehen wir den Antisemitismus auf dem Vormarsch in Europa», sagte Lauder am Sonntag in Bergen-Belsen bei der zentralen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Befreiung des NS-Konzentrationslagers. «Heute, 70 Jahre nachdem dieses Lager befreit wurde, hören wir dieselben antisemitischen Lügen.» Ein jüdischer Junge, der die Kippa trage, könne nicht durch Paris, London oder Kopenhagen laufen, ohne um sein Leben zu fürchten. Neonazi-Gruppen gewännen Parlamentssitze in Ungarn und Griechenland, und der Iran drohe regelmäßig mit der Auslöschung Israels.

Lauer betonte den Überlebenswillen der befreiten Juden, die von einem Displaced Persons Camp für heimatlose Juden von Bergen-Belsen aus die Gründung Israels vorantrieben. Dieser Staat habe immer wieder aufs Neue sich selbst und die Juden weltweit verteidigt, er werde den neuen Bedrohungen nicht tatenlos zusehen.

An die bei dem Gedenken anwesenden betagten Überlebenden gerichtet sagte Lauer: «Wenn Sie diesen Ort heute ein letztes Mal verlassen, bedenken Sie: Es gibt eine jüngere Generation von Juden, die sich verpflichtet hat sicherzustellen, dass das jüdische Volk nie mehr Opfer eines solchen Bösen wird.»

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-04-26 14:20
Berlin (dpa)

Rufe nach zweiter Amtszeit von Bundespräsident Gauck

Joachim Gauck ist ein eigener Kopf. Seine Amtsführung als Bundespräsident gefällt den Parteien nicht immer. Doch er genießt viel Sympathie. Nun wird über eine zweite Amtszeit debattiert.

Berlin (dpa) - Zwei Jahre vor Ablauf der Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck haben sich erste Spitzenpolitiker für eine neuerliche Kandidatur des 75-Jährigen ausgesprochen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Grünen-Chef Cem Özdemir sagten Gauck für diesen Fall ihre Unterstützung zu. Auch CSU-Chef Horst Seehofer lobte Gaucks Amtsführung und ließ durchblicken, dass dieser bei einer weiteren Kandidatur nicht mit Gegenwind aus Bayern rechnen müsste.

Özdemir nannte Gauck einen «großartigen Bundespräsidenten». Auf einem kleinen Grünen-Parteitag in Berlin dankte er dem Staatsoberhaupt ausdrücklich für dessen klare Worte in der Debatte über die Massaker des Osmanischen Reichs an den Armeniern. Gauck sei vor der absehbaren Reaktion der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht zurückgeschreckt: «Er hat nicht auf Erdogan gehört, er hat auf sein Herz gehört.» Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte Özdemir: «Wenn er möchte, hat er unsere hundertprozentige Unterstützung.»

Auch Steinmeier sprach sich für eine zweite Amtszeit Gauck aus. «Ich habe eine klare Vorstellung, und das, was ich mir wünsche, ist, dass Joachim Gauck ein zweites Mal antritt», sagte er auf die Frage des «Spiegel», ob er sich selbst vorstellen könnte, Bundespräsident zu werden. Seehofer sagte im oberbayerischen Kloster Andechs, die Frage einer neuerlichen Kandidatur Gaucks werde jetzt noch nicht entschieden. Er fügte aber hinzu: «Ich sage, dass die Amtsführung des Bundespräsidenten Gauck sehr auf Zustimmung der Bayern und der CSU stößt.»

Gauck (75) wurde 2012 von der Bundesversammlung mit breiter Mehrheit aus Union, SPD, Grünen und FDP gewählt. Seine aktuelle Amtszeit läuft bis 2017. Sollte der frühere Pastor aus Rostock nochmals antreten, dürfte seine Wiederwahl sicher sein. Er wäre dann das älteste Staatsoberhaupt, das die Bundesrepublik je hatte. Gauck selbst äußerte sich bisher noch nicht zum Thema Wiederwahl.

So, 2015-04-26 14:31
Istanbul/Berlin (dpa)

Türkei rügt Gaucks Völkermord-Aussage - Berlin schweigt

Zwischen der Türkei und Deutschland knirscht es, weil der Bundespräsident die Massaker an Armeniern vor 100 Jahren als Völkermord bezeichnet. Ankara will Gaucks Worte «nicht verzeihen». Berlin übergeht den Rüffel des Nato-Partners.

Istanbul/Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat die massive Kritik der Türkei an den Völkermord-Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck kommentarlos verhallen lassen. Bundespräsidialamt, Kanzleramt und das Auswärtige Amt äußerten sich am Sonntag nicht zur türkischen Kritik an Gaucks Aussagen zum «Völkermord» an den Armeniern vor 100 Jahren. Die diplomatische Verstimmung wurde nicht kommentiert.

«Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen», erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten. Präsident Recep Tayyip Erdogan machte einen verbalen Rundumschlag gegen Gauck und weitere Staatsoberhäupter wegen ihrer Bewertung der historischen Fakten.

Gauck hatte die Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Er setzte sich damit über Bedenken in der deutschen Bundesregierung hinweg, diese Einordnung könne die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei beschädigen. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

Die Regierung in Ankara reagierte scharf. Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums vom späten Freitagabend. Die Regierung warnte vor «langfristigen negativen Auswirkungen» auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Präsident Erdogan wies am Samstag alle Staaten zurecht, die von Völkermord sprechen. Speziell Russland, Frankreich und Deutschland sollten sich um ihre eigene Geschichte kümmern, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. «Zuerst müssen sie, einer nach dem anderen, die dunklen Punkte ihrer eigenen Geschichte bereinigen.»

Das türkische Außenministerium hielt dem französischen Präsidenten François Hollande dessen Teilnahme an einer Gedenkzeremonie in Armenien vor, die von Ankara als «Verunglimpfung der türkischen Identität, Geschichte und Gesellschaft» eingestuft wurde. Die Russen erinnerte die türkische Regierung an eigene «Gräueltaten und Vertreibungen» im Kaukasus, in Zentralasien und Osteuropa während der vergangenen hundert Jahre.

Der Bundestag hatte sich am Freitag Gaucks Bewertung der Gräueltaten an den Armeniern angeschlossen. Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht zu Wort.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht im Streit um die Bewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich auch die Türkei in der Pflicht. «Die türkische Politik sollte mehr in die Offensive gehen und mit Fakten bei der Aufklärung helfen», sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Gökay Sofuoglu, der Deutschen Presse-Agentur. Der Streit werde dem deutsch-türkischen Verhältnis aber nur vorübergehend schaden, sagte Sofuoglu.

Die Massaker hatten am 24. April 1915 mit der Verhaftung Hunderter Intellektueller in Konstantinopel (Istanbul) begonnen. Im Krieg gegen das christliche Russland warf die osmanische Regierung den christlichen Armeniern vor, mit dem Feind zu paktieren. Auch andere christliche Minderheiten wurden verfolgt. Die Armenier bezeichnen sich selbst als das weltweit älteste christliche Volk.

So, 2015-04-26 14:48
Wolfsburg (dpa)

Zwei Wochen Ausnahmezustand bei VW machen Piëch zum Patriarchen a.D. Von Heiko Lossie, dpa und Max-Morten Borgmann, dpa-AFX

In der Autowelt war er der Mann, der keinen Machtkampf verliert. Bis Samstag. Erst stürzte Ferdinand Piëch «seinen» VW-Konzern ins Chaos, dann stürzte der Konzern ihn selbst in die Versenkung. Ein halber Monat Volkswagen-Machtkampf stellt einen bedeutenden Teil deutscher Wirtschaftsgeschichte auf den Kopf.

Wolfsburg (dpa) - Es geschah an einem ganz normalen Freitag. Bis zum frühen Nachmittag war alles wie immer. Die Zentrale von Volkswagen in Wolfsburg meldet an jenem 10. April so Alltägliches wie eine 12 000 Euro hohe Spende an die Rudolf-Dießel-Schule in Königslutter. Doch dann meldet auch der «Spiegel» etwas. Etwas, das den Autokonzern in einen 15 Tage langen Ausnahmezustand versetzen sollte. Etwas, das in seiner weiteren Entwicklung Wirtschaftsgeschichte schreiben wird.

Es entspinnt sich ein Krimi mit einem Drehbuch, das bei Volkswagen keiner für möglich gehalten hätte. Es geht um ein Kräftemessen auf offener Bühne und hinter den Kulissen. Um Protagonisten, für die es um Einfluss, Ämter und ihre politische Glaubwürdigkeit geht oder um milliardenschwere Aktienpakete und den Burgfrieden ihrer Großfamilie.

DER VORHANG ÖFFNET SICH:

Für den Auftakt dieses zweiwöchigen Ausnahmezustandes rückt an jenem 10. April VW-Patriarch und Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch völlig überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem «Spiegel» über seinen beruflichen Ziehsohn diesen einen Satz: «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.» Die Aussage versetzt den Wolfsburger Weltkonzern in Schockstarre. Piëch auf Distanz zu Winterkorn? Über die Medien transportiert? Von einer «Katastrophe» ist die Rede in der Zentrale von Europas größtem Autobauer. Nichts ist mehr, wie es war.

Wer die Sprengkraft des «Distanz»-Zitats verstehen will, muss wissen, dass Piëch fast ein Vierteljahrhundert lang das Machtzentrum des Konzerns bildete. Er ist selber VW-Großaktionär, führte den Konzernvorstand von 1993 bis 2002, lenkte zuvor als Audi-Chef die Premiummarke der Wolfsburger. Und nach seiner Zeit als Konzernchef wechselt er als Chefaufseher in den Aufsichtsrat.

Und nun bricht Piëch mit seinem beruflichen Ziehsohn. In Wolfsburg überlegen Insider, ob Winterkorn hinschmeißt. «Dann würden sie ihm hier ein Denkmal bauen», sagt einer. Trotz, Wut, Fassungslosigkeit, Irritation, Verunsicherung - Wolfsburger Melange in diesen Tagen. Denn in all den vielen Jahren zuvor förderte Piëch seinen Vertrauten.

Das Tandem führte den einst angeschlagenen Konzern gen Weltspitze, machte aus einem Übernahmekandidaten den heutzutage größten deutschen Konzern, der zuletzt 18 Milliarden Euro Betriebsgewinn einfuhr - eine eigene Liga im Dax. Weltweit verkauft nur noch Toyota mehr Fahrzeuge als das Unternehmen VW, das zwölf Marken unter seinem Dach versammelt hat. Winterkorn habe Tausende Arbeitnehmer «reich und glücklich gemacht», sagt einer in jenen ersten Tagen der Konfusion. Ein anderer kann nur den Kopf schütteln über das «Orakel» Piëch.

Auch in der Öffentlichkeit steht Winterkorn nicht allein da. Schon am Wochenende kann er sich vor Rückendeckung kaum retten, Arbeitnehmer und das Land Niedersachsen als Großaktionär stellen sich hinter den VW-Chef. Auch Piëch-Cousin Wolfgang Porsche, Sprecher seines Familien-Zweigs, kritisiert die Attacke als «Privatmeinung». Doch was sind die Beistandsbekundungen hinter verschlossenen Türen wert?

In der Autowelt weiß jeder: Der Machtmensch Piëch hat schon viele Top-Manager, auch Vorstandschefs, mit solchen kurzen Sätzen über die Medien angezählt. Am Ende mussten sie alle gehen, Piëch entschied noch jeden Machtkampf für sich. In seiner Autobiografie schreibt er: «Wenn ich etwas erreichen will, gehe ich auf das Problem zu und ziehe es durch, ohne zu merken, was um mich herum stattfindet.» Er plane für die «innere Unvermeidlichkeit des Erfolges» stets genau, «auf welche Schlüsselperson ich den Schlachtplan einrichte». Nun also im Fokus: Martin Winterkorn, 67 Jahre, Deutschlands bestbezahlter Dax-Manager und mächtigster Auto-Boss. Er ist der härteste Gegner, den Piëch sich suchen konnte. Ein Endgegner?

Dessen Bilanz nach über acht Jahren an der Konzernspitze liest sich beeindruckend: In der Ära Winterkorns, der seine Macht von Piëch nur geliehen hat, legten die Auslieferungen um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt 2007 zählte der Konzern 329 000 Mitarbeiter. Heute sind es auch dank vier neuer Marken mit fast 600 000 Menschen beinahe doppelt so viele. Für sie sind es Tage des Kopfschüttelns und der Unsicherheit. «Was treiben die da oben bloß?»

Offiziell passiert tagelang nichts, doch im Hintergrund glühen die Drähte. Dann sickert durch: Am Donnerstag, sechs Tage nach Winterkorns öffentlicher Demontage, wollen sich die mächtigsten Aufsichtsräte mit Piëch zusammensetzen. In dessen Heimat Salzburg triff sich dieses Präsidium am Nachmittag des 16. April zur Krisensitzung. Auch Winterkorn fliegt mit nach Österreich, will dort um seine berufliche Zukunft kämpfen.

Hinter verschlossenen Türen macht Piëch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur klar, dass er den Vorstandsboss absetzen will. Doch in dem Sextett hat er alle gegen sich. 5:1 steht es am Ende. Piëch habe inhaltlich nicht überzeugen können, verlautet später aus dem Sechserkreis. Seine erste Niederlage in einem Machtkampf? Am Abend rätselt die Öffentlichkeit noch, erst für den nächsten Tag wird eine Mitteilung angekündigt. Parallel sitzt Winterkorn wieder in Wolfsburg, schaut ein Fußballspiel des VfL gegen Neapel. Neben ihm: der oberste Betriebsrat Bernd Osterloh.

Was dieses Bild schon andeutet, bestätigt VW am nächsten Tag: Winterkorn hat Piëchs Machtprobe überlebt, wird vom Präsidium als der «bestmögliche» VW-Chef gepriesen. Es ist mehr als eine Ehrenrettung für Winterkorn. Ausgerechnet an Piëchs 78. Geburtstag, am 17. April, wird dem Vorstandschef sogar eine Vertragsverlängerung über 2016 hinaus in Aussicht gestellt.

Doch was ist mit Piëch? Von dem Patriarchen gibt es kein Wort der Versöhnung. Die Gründe für seine Attacke? Weiter unklar. Zwar hat der Autobauer Probleme in den USA und die Kernmarke VW-Pkw rund um Golf und Passat fährt zu schmale Renditen ein. Die Herausforderungen sind auch so groß wie nie: Alternative Antriebe, strikte Abgas-Vorgaben und der digitale Wandel hin zur vernetzten Mobilität. Doch entstand der Bruch zwischen Winterkorn und Piëch tatsächlich an diesen Themen?

ZWISCHENSPIEL:

Die Welt will Antworten von einem der beiden - und blickt nach Shanghai. Dort soll Winterkorn zwei Tage später am Sonntag zur Automesse auf dem wichtigsten VW-Markt auftreten. Vor den Messen lädt VW Hunderte Gäste zu riesigen Partys mit Lasershow und glänzenden Autos, am Ende hält Winterkorn immer eine Rede. Doch dieses Mal nicht. Grippaler Infekt, heißt es aus Wolfsburg, der Chef sei gar nicht erst nach Asien geflogen. Bei so einem Timing fällt es nicht schwer, sich auch andere Gründe für die Absage auszudenken.

VW will indes zurück zur Tagesordnung, Normalität demonstrieren. Doch es nützt nichts. Weil Piëch weiter schweigt, schießen sich am Wochenende erste Medien auf den Patriarchen ein, spekulieren über seine Entmachtung. Nun müssen die Winterkorn-Verteidiger sich auch hinter Piëch stellen. Einen Abgang des VW-Übervaters kann niemand gebrauchen. Doch die Dynamik ist längst entfesselt.

Am 22. April springt sogar Altkanzler Gerhard Schröder dem Patriarchen zur Seite, der «unermesslich viel getan» habe für den Konzern. Doch schon am folgenden Donnerstag überschlagen sich die Ereignisse: Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der «Welt» und der dpa unterläuft Piëch den Präsidiums-Beschluss, sägt hinter den Kulissen weiter an Winterkorns Stuhl, damit der noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai aus dem Amt scheidet.

Kurz nach den brisanten Insiderinformationen dementiert Piëch über verschiedene Medien und sagt: «Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.» Heute klingt es wie der letzte Versuch, nach verlorenem Kampf nicht reuig von der Bühne gescheucht zu werden.

DAS FINALE:

Piëch ist in der Defensive, als es am Samstag, dem 25. April, 15 Tage nach Beginn des Ausnahmezustandes zum Showdown kommt. Um kurz vor 13.00 Uhr geht es los am Braunschweiger Flughafen. Mit dabei: Piëch, seine Ehefrau und Aufsichtsrätin Ursula sowie ein enger Berater. In einem Büro auf dem Airport-Gelände steigt die entscheidende Sitzung des Präsidiums. Stundenlang ringen die führenden Aufsichtsräte um Lösungen. Volkswagen steht an einem historischen Scheideweg.

27 Jahre lang wirkte Piëch als Vorstandschef (zunächst bei Audi und dann bei VW) und Chefkontrolleur im Konzern. Sein Wort war Gesetz. Manager sagen, die eigentliche Konzernzentrale sei Salzburg. Volkswagen ist Piëchs Lebenswerk. Porsche-Gründer Ferdinand Porsche war sein Großvater, er legte mit dem VW-Käfer die Keimzelle für den heutigen Weltkonzern VW.

Für Piëch hatte das Präsidium eine Brücke gebaut: Mit der Ehrenerklärung für Winterkorn und der parallelen Versicherung, die Doppelspitze mit Piëch sei noch immer ihr Wunsch, hatten die Aufsichtsräte dem Patriarchen ein Friedensangebot gemacht. Doch der reißt die Brücke wieder ein. «Er oder ich» - nach diesem Prinzip handelte Piëch stets. Und so kommt am Ende der Hammer: Der 78-Jährige schmeißt sein Amt als Chefkontrolleur hin, auch seine Frau gibt ihren Aufsichtsratsposten auf. «Vor Piëchs Entscheidung haben sicherlich alle den größten Respekt», sagt einer aus dem engsten Führungszirkel.

Die Fünf aus dem Präsidium konnten am Ende nicht anders, sie konnten keine Rücksicht mehr nehmen auf den Patriarchen. Damit hielten sie am Ende auch nach außen nicht mehr hinterm Berg. «Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen», sagt Niedersachsens Regierungschef Stefan Weil (SPD) am Samstagabend. Und Aufsichtsratsvize Berthold Huber, der kommissarisch Piëchs Amt führt, beschreibt den Vertrauensverlust zum Patriarchen als endgültig, er habe «sich in den letzten Tagen als nicht mehr lösbar erwiesen».

Am Ende bleibt tragische Ironie: Zwei Wochen nach Piëchs Zitat «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn» ist es schließlich der Konzern und damit das Lebenswerk des Patriarchen, das auf Distanz zu Piëch ist.

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So, 2015-04-26 13:56
Kathmandu (dpa)

Internationale Gemeinschaft schickt Rettungsteams und Hilfsgelder

Suchhunde, Hubschrauber und Rettungskräfte - weltweit setzen Regierungen und Organisationen Mensch und Material in Bewegung, um in der nepalesischen Krisenregion zu helfen.

Kathmandu (dpa) - Nach dem schweren Erdbeben in Nepal haben Regierungen weltweit sowie zahlreiche Hilfsorganisationen Hilfe für die Krisenregion zugesagt. So schickte das benachbarte Indien 200 Helfer sowie 43 Tonnen Hilfsgüter, darunter Zelte und Lebensmittel. Zudem entsandte Neu Delhi mehrere Hubschrauber, die bei den Rettungseinsätzen zum Einsatz kommen sollen. Die nepalesische Regierung hat 15 Notunterkünfte in der Hauptstadt für von dem Erdbeben Betroffenen eingerichtet. Es ist das schwerste Beben seit mehr als 80 Jahren in der Region.

Norwegen kündigte an, umgerechnet gut 3,5 Millionen Euro für die Hilfsarbeiten bereitzustellen. Schweden wird am Montag ein 76 Helfer umfassendes Team mit zwölf Hunden in das Katastrophengebiet schicken.

Die US-Regierung sagte Unterstützung in Höhe von einer Million Dollar zu und entsandte Rettungskräfte für den Katastropheneinsatz. Auch China entsandte ein aus 62 Personen bestehendes Rettungsteam samt sechs Hunden. Aus Pakistan kamen ebenfalls Hilfsgüter, darunter Ausrüstung für Krankenhäuser, aber auch medizinisches Personal.

Auch Japan hilft: Ein 70-köpfiges Katastrophenteam reiste am Sonntag Richtung Kathmandu ab, wie japanische Medien berichteten. «Wir haben nach dem großen ostjapanischen Erdbeben (vor vier Jahren) Unterstützung aus verschiedenen Ländern erhalten. Als Repräsentanten Japans möchten wir etwas zurückgeben», sagte Einsatzleiter Shigenobu Kobayashi vom japanischen Außenministerium vor dem Abflug. Am 11. März 2011 hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten Japans verwüstet. Rund 18 500 Menschen kamen ums Leben.

Auch deutsche Hilfe läuft an: Erste deutsche Helfer sind bereits auf dem Weg in die Region. An diesem Montag soll ein mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanzierter Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes starten. Dabei sollen neben Zelten, Decken und Hygienepaketen auch eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks nach Nepal transportiert werden.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schickte Ausrüstung für den medizinischen Notfall. Der Internetgigant Google will eine Million Dollar für Hilfsmaßnahmen bereitstellen.

So, 2015-04-26 14:14
Bagdad (dpa)

Massenhinrichtung im Irak - IS tötet 185 gefangene Soldaten

Die Terrormiliz IS schockiert mit einer neuen Gräueltat: Über 180 irakische Soldaten, die sich ergeben hatten, werden hingerichtet. Unter ihnen waren auch ein General und weitere ranghohe Offiziere.

Bagdad (dpa) - Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben im Irak 185 Soldaten der Regierungstruppen nach ihrer Gefangennahme hingerichtet. Unter den Opfern seien auch General Hassan Abbas Tufan, der Kommandeur der Ersten Division der irakischen Streitkräfte, sowie ein Brigadekommandeur und weitere Offiziere gewesen, bestätigten Sicherheitskreise am Samstag in Bagdad.

Die Massenhinrichtungen erfolgten, nachdem die IS-Milizionäre am Vortag eine irakische Militärbasis am Tharthar-See 70 Kilometer nördlich von Ramadi eingenommen hatten. Den Verteidigern sei die Munition ausgegangen, hieß es. Es ist eines der schlimmsten Massaker des IS an Soldaten im Irak, seitdem die Sunnitenmiliz nach der Einnahme von Tikrit im vergangenen Sommer 1300 Rekruten tötete.

Nach der Erstürmung des Militärstützpunktes am Tharthar-See wurden 140 Soldaten und Offiziere an Ort und Stelle erschossen. Weitere 45 Männer wurden nach Falludscha gebracht und dort hingerichtet. Die Stadt 70 Kilometer westlich von Bagdad ist eine Hochburg des IS in der westlichen Provinz Anbar.

Der Verlust einer kompletten Militärbasis sowie die Gefangennahme und Tötung eines Divisionskommandeurs und anderer höherer Offiziere werfen nach Meinung von Beobachtern ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen die irakischen Streitkräfte bei ihren Aktionen in Anbar zu kämpfen haben.

Ein Gutteil der Provinz wird von der Miliz IS beherrscht, die in großen Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen hat. Die Provinzhauptstadt Ramadi ist umkämpft. Die reguläre irakische Armee, die hauptsächlich aus Schiiten besteht, konnte bislang den Fall Ramadis verhindern. Im Umland scheint sie aber gegen die gut ausgerüsteten IS-Kämpfer taktisch unterlegen zu sein.

Bei zwei Bombenanschlägen in der Provinz Dijala wurden indes mindestens 18 Zivilisten getötet. Das, bestätigten Sicherheitskreise in der Provinzhauptstadt Bakuba 60 Kilometer nördlich von Bagdad. 28 weitere Menschen erlitten Verletzungen, als am Sonntag Sprengsätze in Bakuba und in der Kleinstadt Muktadija explodierten. Dijala ist gemischt bevölkert und häufiger Schauplatz von Anschlägen sowie von Zusammenstößen sunnitischer Milizen mit den Sicherheitskräften.

Drei Selbstmordattentäter aus Belgien, Frankreich und dem Senegal griffen am Samstag den Übergang Trebil an der Grenze zu Jordanien an. Dabei seien mindestens vier irakische Grenzwächter getötet und sechs weitere verletzt worden, berichtete Al-Sumeria News. Jordanien erließ in der Folge ein Verbot für Frächter und Taxi-Unternehmen, den einzigen Grenzübergang zwischen dem haschemitischen Königreich und dem Irak zu benutzen.

So, 2015-04-26 14:16
Bergen-Belsen (dpa)

Präsident des Jüdischen Weltkongresses warnt vor Antisemitismus

Bergen-Belsen (dpa) - Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, hat ein Wiederaufleben des Antisemitismus beklagt. «Im Jahr 2015 sehen wir den Antisemitismus auf dem Vormarsch in Europa», sagte Lauder am Sonntag in Bergen-Belsen bei der zentralen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Befreiung des NS-Konzentrationslagers. «Heute, 70 Jahre nachdem dieses Lager befreit wurde, hören wir dieselben antisemitischen Lügen.» Ein jüdischer Junge, der die Kippa trage, könne nicht durch Paris, London oder Kopenhagen laufen, ohne um sein Leben zu fürchten. Neonazi-Gruppen gewännen Parlamentssitze in Ungarn und Griechenland, und der Iran drohe regelmäßig mit der Auslöschung Israels.

Lauder betonte den Überlebenswillen der befreiten Juden, die von einem Displaced Persons Camp für heimatlose Juden von Bergen-Belsen aus die Gründung Israels vorantrieben. Dieser Staat habe immer wieder aufs Neue sich selbst und die Juden weltweit verteidigt, er werde den neuen Bedrohungen nicht tatenlos zusehen.

An die bei dem Gedenken anwesenden betagten Überlebenden gerichtet sagte Lauder: «Wenn Sie diesen Ort heute ein letztes Mal verlassen, bedenken Sie: Es gibt eine jüngere Generation von Juden, die sich verpflichtet hat sicherzustellen, dass das jüdische Volk nie mehr Opfer eines solchen Bösen wird.»

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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So, 2015-04-26 14:40
München (dpa)

G7-Gegner planen «Blumenstrauß an Protesten»

München (dpa) - Die Gegner des G7-Gipfels am 7./8. Juni auf Schloss Elmau in Oberbayern planen zahlreiche Protestaktionen gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs. Diverse Veranstaltungen seien angemeldet, zu der zentralen Demonstration am 6. Juni in Garmisch-Partenkirchen würden bis zu 10 000 Menschen erwartet, sagte Ingrid Scherf von der Initiative «Stop G7 Elmau» am Sonntag in München. Demnach erwägt das Bündnis auch Blockaden, etwa um den Verkehr auf den Zufahrtsstraßen zu stören. Es gehe keineswegs nur um Demonstrationen: «Das ist ein ganzer Blumenstrauß an Protesten.»

Unklar ist weiter, ob es ein Camp geben wird. Die G7-Gegner haben zwar ein Grundstück in Garmisch-Partenkirchen gefunden, die Behörden wollen ein Zeltlager aber verhindern. Der Planungsstab G7 bei der bayerischen Polizei warnte, bei vergleichbaren Veranstaltungen hätten sich in solchen Camps gewaltbereite Gruppierungen formiert.

Das Bündnis will sich unter anderem bei einem Internationalen Gipfel der Alternativen in München am 3. und 4. Juni mit der Politik der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) auseinandersetzen. Das sei «das inhaltliche Schwergewicht, das wir hier haben», sagte Scherf. Geplant sind gut ein Dutzend Workshops zu Klimaschutz, Flüchtlingspolitik, Schuldenerlass, globalen Machtverhältnissen und Krisenherden. 

So, 2015-04-26 12:57
Stuttgart (dpa)

Probleme an Stuttgarts Affenhaus noch immer nicht gelöst

Stuttgart (dpa) - Die Baumängel an Stuttgarts millionenschwerem Affenhaus geben den Experten weiter Rätsel auf. Nach wie vor sei unklar, wie sich Fehler am Lüftungssystem des Primaten-Prachtbaus beheben lassen, die womöglich für todbringende Erkältungskrankheiten bei den Bonobo-Affen verantwortlich seien, sagte Thomas Kölpin, Direktor des Stuttgarter Zoos Wilhelma, der Deutschen Presse-Agentur. «Irgendwie ist da was im Haus, das wir nicht im Griff haben.»

Im vergangenen Jahr und Anfang des Jahres starben zwei Bonobo-Äffchen an Lungenentzündung, - vermutlich weil sie in kalter Zugluft saßen. Bis zum Herbst müsse eine Lösung her, forderte Kölpin. Nach Angaben des Finanzministeriums in Stuttgart arbeitet auch der Landesbetrieb Vermögen und Bau an der Lösung. «Unter Hochdruck», wie eine Sprecherin sagte.

Die Probleme am 22 Millionen Euro teuren Prestigeprojekt des zoologisch-botanischen Gartens, das 2013 eröffnet wurde, seien noch immer da, sagte Kölpin. Positiv sei allein, dass es jetzt in die warme Jahreszeit gehe - womit man jedoch nur etwas Zeit gewinne.

Am Affenhaus war nicht nur die Lüftungsanlage kritisiert worden, die Mängelliste ist noch länger, etwa an den Bodenbelägen, der Kameraüberwachung oder der Außenanlage. Zunächst sollten die Baufirmen die Chance bekommen, Mängel zu beseitigen, sagte die Sprecherin des Finanzministeriums. Erst danach befasse man sich mit eventuellen weitergehenden Forderungen.

So, 2015-04-26 13:38
Berlin (dpa)

Regierung bemüht sich um Klärung des Schicksals Deutscher in Nepal

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung versucht mit allen Kräften, das Schicksal von Deutschen im Katastrophengebiet von Nepal zu klären. «Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Kathmandu bemühen sich mit Hochdruck um Aufklärung über den Verbleib von deutschen Staatsangehörigen, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Nepal aufgehalten haben», teilte das Bundesaußenministerium am Sonntag in Berlin mit.

Die Recherche sei schwierig und die Suche aufwendig, weil es sich in der Mehrzahl um Individualreisende handeln dürfte, die sich weder an- noch abmelden müssten, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Die Hilfe für die Betroffenen des schweren Erdbebens läuft inzwischen an: Dabei stimmt sich Deutschland mit der EU und den Vereinten Nationen ab, wie aus dem Auswärtigen Amt zu hören war. Außerdem arbeite Berlin eng mit den deutschen Hilfsorganisationen zusammen.

Erste deutsche Helfer seien bereits auf dem Weg in die Region. An diesem Montag soll ein mit Mitteln des Auswärtigen Amtes finanzierter Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes starten, hieß es. Dabei sollen neben Zelten, Decken und Hygienepaketen auch eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks nach Nepal transportiert werden. Eine konkrete Summe der Hilfsmaßnahmen blieb zunächst offen.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
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Erschienen in Ausgabe 2.14

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Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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