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Mi, 2016-07-27 19:32
Rouen (dpa)

Was wir über die Angreifer in der französischen Kirche wissen

Rouen (dpa) - Zweimal auf dem Weg nach Syrien gestoppt, Hausarrest und elektronische Fußfessel: Einer der beiden Kirchen-Angreifer war den französischen Behörden ganz klar als Terrorverdächtiger bekannt. Trotzdem konnte der 19-jährige Adel Kermiche zur Tat schreiten. Sein Mittäter ist noch nicht identifiziert. Nach dem Mord an dem Priester in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen hatten die beiden sich mit dem Ruf «Allahu akbar» (Arabisch für: Gott ist groß) auf die angerückte Polizei gestürzt, die sie erschoss.

Kermiche wurde am 25. März 1997 in einer Gemeinde im Umland von Rouen geboren, er wohnte nach französischen Medienberichten ebenfalls in Saint-Étienne-du-Rouvray. Der junge Mann war nach Angaben von Staatsanwalt François Molins zwar nicht vorbestraft. 2015 versuchte er aber zweimal, nach Syrien zu reisen. Die deutschen Behörden nahmen ihn am 23. März fest - wo genau, sagte Molins nicht. Kermiche war mit der Identität seines Bruders unterwegs.

In Frankreich wurde ein Verfahren wegen Terrorverdachts eröffnet, Kermiche musste sich einmal in der Woche bei der Polizei melden. Am 11. Mai 2015 war er wieder verschwunden, die Behörden stellten einen internationalen Haftbefehl aus. Zwei Tage später wurde er in der Türkei festgenommen - diesmal mit dem Ausweis seines Cousins.

In Frankreich kam er daraufhin in Untersuchungshaft, wurde im März 2016 aber auf richterliche Anweisung freigelassen und unter elektronische Überwachung gestellt. Er durfte das Haus seiner Familie nur zu bestimmten Zeiten verlassen. Der Einspruch der Staatsanwaltschaft gegen das Ende der Untersuchungshaft blieb erfolglos.

Französische Sender berichteten unter Berufung auf Bekannte des jungen Mannes, dass dieser Andeutungen auf seine Pläne gemacht habe. «Er hat gesagt: Ich werde ein Ding in der Kirche von Saint-Étienne machen», sagte ein Zeuge dem Sender BFMTV. «Beim Leben meiner Mutter, ich habe ihm nicht geglaubt», sagte ein Bekannter dem Radiosender RTL. Ein weiterer führte aus: «Das war ein normaler Junge (...). Ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist.»

Mi, 2016-07-27 19:19
Istanbul (dpa)

Fast 16 000 Festnahmen in der Türkei nach Putschversuch

In gut zehn Tagen nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei sind fast 16 000 Menschen festgenommen worden. Der Innenminister und die Armee geben aktuelle Zahlen zu Verhaftungen und Zahl der Putschisten bekannt. Am Donnerstag steht ein wichtiges Treffen an.

Istanbul (dpa) - Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hat die türkische Polizei nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 15 846 Menschen festgenommen. Unter ihnen seien rund 10 000 Militärangehörige gewesen, davon 178 Generäle. Inhaftiert wurden demnach 5200 Militärangehörige, darunter 151 Generäle und mehr als 1600 Offiziere. An diesem Donnerstag kommt in Ankara der Oberste Militärrat zusammen.

Der Militärrat will über Reformen in der Armee und die Neubesetzung von zahlreichen Stellen beraten, die durch die Festnahmen von Offizieren freigeworden sind. An dem eintägigen Treffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Binali Yildirim nehmen unter anderem Verteidigungsminister Fikri Isik und Armeechef Hulusi Akar teil. Bereits am Mittwoch kam Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit Yildirim und Akar zusammen.

Auch 1684 Richter und Staatsanwälte befinden sich nach offiziellen Angaben in Untersuchungshaft. Zehntausende Staatsbedienstete wurden vom Dienst suspendiert.

Von den fast 16 000 Festgenommenen sei gegen 8113 Haftbefehl erlassen worden, sagte Innenminister Efkan Ala dem Sender A Haber. Sie befänden sich in Untersuchungshaft. Etwa 3000 Festgenommene seien nach einem Verhör wieder frei gelassen worden, ergänzte ein Behördensprecher.

Die restlichen mehr als 4700 Festgenommenen befanden sich demnach im Gewahrsam der Sicherheitskräfte, wo sie während des Ausnahmezustands bis zu 30 Tage festgehalten werden können, bevor sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen.

Nach Angaben der Armeeführung beteiligten sich 8651 Militärs an dem Putschversuch vom 15. und 16. Juli. Das entspreche etwa 1,5 Prozent des Militärs. Die Putschisten hätten 35 Flugzeuge, 37 Hubschrauber, 74 Panzer und drei Kriegsschiffe eingesetzt.

Auch Journalisten geraten immer mehr ins Visier des Staates. Ein türkischer Staatsanwalt ordnete an, 47 ehemalige Mitarbeiter der Tageszeitung «Zaman» in Gewahrsam zu nehmen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu weiter berichtete, durchsuchte die Polizei auch Wohnungen von Verdächtigen.

Ein Istanbuler Staatsanwalt hatte bereits am Montag 42 Journalisten zur Fahndung ausgeschrieben. «Zaman», eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes, war wegen Verbindungen zum Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen im März unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. StaatschefErdogan macht die Bewegung für den Putschversuch verantwortlich. Der in den USA lebende Prediger weist dies zurück.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigte sich schockiert über die Verhaftungswelle gegen Journalisten in der Türkei. In den vergangenen Tagen habe die Justiz gegen rund 90 Medienschaffende Haftbefehle erlassen und einige davon bereits vollzogen, teilte ROG mit. «Die massenhaften Haftbefehle der vergangenen Tage zielen unmissverständlich darauf, unbequeme Journalisten mundtot zu machen», sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Mi, 2016-07-27 19:06
Nairobi (dpa)

Amnesty wirft Südsudans Streitkräften Gräueltaten an Bevölkerung vor

Nairobi (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Südsudans Streitkräften schwere Kriegsverbrechen in der Provinz Unity State vorgeworfen. «Kriegsverbrechen und andere Missbrauchstaten quer durch das Land sind das Ergebnis anhaltender Straffreiheit», teilte Lama Fakih, Krisenberaterin der Organisation mit.

Die von Amnesty dokumentierten Gespräche mit Betroffenen beinhalten Berichte von Massenvergewaltigungen und Entführungen. «Wir haben den Präsidenten gewählt und nun tötet er uns», zitiert die Organisation eine Frau. Sie habe mit eigenen Augen gesehen, wie sechs Mädchen festgebunden, vergewaltigt und verschleppt worden seien. «Tötungen, Vergewaltigungen und Verschleppungen von Zivilsten, müssen umgehend, unparteiisch und effizient untersucht werden», sagte Fakih weiter.

In dem ostafrikanischen Krisenstaat war in Folge eines Machtkampfs zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Stellvertreter Riek Machar ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen. Dabei starben Zehntausende Menschen, rund 2,5 Millionen weitere sind nach Angaben der Vereinten Nationen auf der Flucht. Am Dienstag hatte Kiir einen neuen Stellvertreter vereidigt.

Mi, 2016-07-27 19:20
Doral (dpa)

Trump weist politische Verbindungen zu Putin zurück

Doral (dpa) - Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat jegliche politische Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin zurückgewiesen. «Ich habe nichts mit Putin zu tun, ich habe noch nie mit ihm geredet», sagte Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Doral in Florida.

Hintergrund ist eine Affäre um fast 20 000 gehackte E-Mails des demokratischen Parteivorstands. Die Demokraten beschuldigen Russland, hinter der Veröffentlichung zu stehen und sich so zugunsten von Trump in den Wahlkampf einzumischen.

Trump sagte: «Wenn Russland dahinter steht, was sie wahrscheinlich nicht tun (...), dann wäre das aus einem anderen Grund sehr schlecht für uns, weil es nämlich zeigen würde, dass sie sehr wenig Respekt für unser Land hätten.»

Trump rief Moskau in der Pressekonferenz aber auch dazu auf, sich auf die Suche nach E-Mails zu machen, die von einem privaten Server Hillary Clintons gelöscht worden waren. «Russland, wenn Ihr zuhört, ich hoffe Ihr findet die 30 000 E-Mails, die verschwunden sind», sagte er, während er direkt in die Kameras blickte. «Ich denke, dafür werdet Ihr von unserer Presse mächtig belohnt werden.» Clinton hatte in ihrer Zeit als Außenministerin auch dienstliche E-Mails über private Server abgewickelt. Ein Teil der Kommunikation wurde gelöscht.

Mi, 2016-07-27 19:05
Berlin/Kairo (dpa)

«Amak»: Als Nachrichtenagentur getarntes IS-Sprachrohr

Berlin/Kairo (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht für sich, auf dem Boden ihres sogenannten Kalifats in Syrien und dem Irak einen vollwertigen Staat aufgebaut zu haben. Zu einem Staat gehört neben einem Radio unter anderem auch eine Nachrichtenagentur - und diese besitzen die Dschihadisten mit ihrem Sprachrohr Amak. Im Netz wurde es erstmals 2014 gesichtet und verbreitet seitdem Nachrichten über den Kampf der Terrormiliz aus Sicht des IS.

Anders als «direkte» Internetbotschaften oder Bekenntnisse des IS bemüht sich Amak um eine neutrale Nachrichtensprache und möchte damit offensichtlich professionell wirken. Neben kurzen Texten werden auch Fotos oder Grafiken veröffentlicht. Neben arabisch publiziert das Sprachrohr auch zeitweise auf englisch, französisch, spanisch und kurdisch. Es bedient sich dabei klassischen Werkzeugen im Journalismus: So gibt es «Eilmeldungen» oder es werden anonyme «Sicherheitsquellen» zitiert.

Obwohl das Verlautbarungsorgan nicht offiziell zum IS-Apparat gehört, gibt es für Experten keinen Zweifel daran, das Amak direkt vom der Führungsebene der Dschihadisten gelenkt wird. Das Medium fügt sich in die aufwendige Propaganda-Maschinerie des IS ein und bekam zuletzt Aufmerksamkeit, weil es als erstes über einen angeblichen IS-Bezug zu mehreren aufsehenerregenden Terrorakten berichtete.

Derzeit ist eine Version der Amak-Website über eine Internet-Adresse in Südafrika erreichbar. Zuvor hatte die US-Plattform WordPress.com die IS-Propaganda ausgesperrt. Amak muss ohnehin ständig seine Webadresse ändern, weil die damit verbundenen Domains blockiert werden. Neben der Website werden die Nachtrichten vor allem über Messenger-Dienste verbreitet, darunter Telegram. Die App ist bekannt für abhörsichere Kommunikation. Über Telegram wird die Propaganda im Schneeballsystem verteilt.

Mi, 2016-07-27 19:45
Ankara (dpa)

Oberster Militärrat der Türkei kommt nach Putschversuch zusammen

Ankara (dpa) - Knapp zwei Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei kommt am Donnerstag in Ankara der Oberste Militärrat zusammen. Bei dem Treffen soll es um Reformen in der Armee und um die Neubesetzung von zahlreichen Stellen gehen, die durch die Festnahmen von Offizieren freigeworden sind. Nach offiziellen Angaben wurden im Zusammenhang mit dem Putschversuch aus den Reihen der Streitkräfte inzwischen alleine mehr als 150 Generäle verhaftet, mehr als ein Drittel aller Generäle des Nato-Partners Türkei.

An dem eintägigen Treffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Binali Yildirim nehmen unter anderem Verteidigungsminister Fikri Isik und Armeechef Hulusi Akar teil. Aus Regierungskreisen hieß es, am Freitag sollten die Entscheidungen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zur Billigung vorgelegt werden. Der Rat entscheidet traditionell über Stellenbesetzungen in der Armee. Das Treffen findet erstmals am Sitz des Ministerpräsidenten und nicht im Armee-Hauptquartier statt.

Die Regierung beschuldigt den Prediger Fethullah Gülen, für den Putsch verantwortlich zu sein und die Streitkräfte mit seinen Anhängern unterwandert zu haben. Ursprünglich war die Sitzung des Militärrats für August geplant, sie wurde wegen des Putschversuches vorgezogen. Nach Darstellung der Regierung sollten bei dem Ratstreffen im August zahlreiche Gülen-Anhänger aus den Streitkräften entfernt werden, weswegen diese sich zum Putsch entschlossen.

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Mi, 2016-07-27 19:20
Berlin (dpa)

Berlin unter Wasser - Überschwemmungen nach Unwetter

Berlin (dpa) - Heftige Gewitter mit starkem Regen haben am Mittwoch in Teilen Deutschlands erneut zu Schäden geführt. In Berlin wurden zahlreiche Straßen überschwemmt, die Feuerwehr war stundenlang im Dauereinsatz. Auch aus der Gegend rund um Wittenberg in Sachsen-Anhalt gingen unentwegt Notrufe ein, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen zu melden, wie ein Polizeisprecher sagte.

In Berlin traf es besonders schwer den Gleimtunnel - eine Unterführung zwischen den Stadtteilen Wedding und Prenzlauer Berg. Dort standen geparkte Autos bis zum Dach in den Fluten und wurden weggeschwemmt. Zudem war auf Videos zu sehen, wie der Starkregen anscheinend eine Überschwemmung in der Flüchtlingsunterkunft in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof verursachte. Wegen des Unwetters war der Betrieb auf der U-Bahn-Linie 2 in Berlin-Mitte für einige Zeit eingestellt, wie die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) via Twitter mitteilte.

Der Deutsche Wetterdienst warnte für Mittwoch vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen im Osten und im Südosten Deutschlands. Bereits am Dienstagabend war auch Bayern wieder betroffen. Polizei, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr eilten zu überfluteten Unterführungen, Kellern, Tiefgaragen, Fabrikhallen und umgestürzten Bäumen. Vereinzelt kam es nach Blitzschlägen zu kleineren Bränden.

Mi, 2016-07-27 19:13
Berlin (dpa)

Merkel und Obama betonen bei Telefonat gemeinsamen Kampf gegen Terror

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama haben bei einem Telefonat am Mittwoch die Bedeutung des gemeinsamen Kampfes gegen den internationalen Terrorismus bekräftigt. Obama habe zudem seine Anteilnahme angesichts der Reihe von Gewalttaten in Deutschland in den vergangenen Tagen zum Ausdruck gebracht, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mit. Weitere Themen der Unterhaltung seien die Lage in der Ostukraine und weitere Schritte zur Implementierung des Abkommens von Minsk gewesen. Auch zu diesem Thema hätten sie vereinbart, sich weiter eng abzustimmen.

Mi, 2016-07-27 19:00
Wiesbaden (dpa)

Leichter Anstieg der Verbraucherpreise im Juli erwartet

Wiesbaden (dpa) - Die niedrigen Ölpreise halten die Inflation in Deutschland seit Monaten im Keller. Auch im Juli dürfte sich der Anstieg der Verbraucherpreise in Grenzen halten. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht am Donnerstag im Laufe des Tages eine erste Schätzung. Im Juni lagen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit zogen sie im zweiten Monat in Folge leicht an, im Mai hatte es ein Plus von 0,1 Prozent gegeben. Preisdämpfend wirkte nach wie vor Energie, die deutlich günstiger war als ein Jahr zuvor. Allerdings schwächte sich dieser Effekt etwas ab.

Niedrige Energiepreise entlasten die Budgets der Verbraucher. Der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitet die Mini-Inflation hingegen Sorgen. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, weil sie erwarten, dass es bald noch billiger wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Geht doch!

Konfliktfrei surfen

Konzerne müssen Rohstoffe aus Krisengebieten offenlegen – Europa ringt um eine verpflichtende Regelung

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Ausgerechnet die USA machen vor, wie man große Firmen an die kurze Leine nimmt – zumindest in punkto Konfliktrohstoffe. Der „Dodd-Frank Act“ verpflichtet börsennotierte Unternehmen, offenzulegen, ob Handys, Laptops oder Autos Mineralien enthalten deren Verkauf Kriege oder bewaffnete Kämpfe in der DR Kongo und deren Nachbarländern finanziert. Dass das seit 2010 geltende Transparenzgesetz für Gold, Tantal, Wolfram und Zinn Wirkung zeigt, belegt nun ein Report des „Enough Project“: Inzwischen gebe es im Kongo mehr als 160 Minen, die als „konfliktfrei“ gelten, ermittelte die US-Organisation. Auch EU-Bürger wollen keine „blutigen“ Produkte. Deshalb verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Rat derzeit über eine Sorgfaltsregelung. Wie verbindlich diese sein wird, ist bislang offen. „Die EU-Regeln dürfen nicht hinter die US-Standards zurückfallen, das wäre ein Armutszeugnis“, sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero. Selbst eine verpflichtende Regelung für Konfliktmineralien könne nur ein erster Schritt sein. Als nächstes müsse der verbindliche Schutz von Menschenrechten und Umwelt auf alle industriellen Bergbauprojekte wie die Förderung von Coltan, Kupfer und Kohle ausgeweitet werden.
ci-romero.de (Rohstoffkampagne)
stop-mad-mining.org

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Mailand: Cash fürs Radeln
Seit Jahren leiden die Mailänder unter Staus und schlechter Luft. Nun ergreift die Verwaltung der norditalienischen Metropole eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie will jedem Pendler, der künftig mit dem Rad zur Arbeit fährt, eine Pauschale von 25 Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen. Für das Anreizprogramm stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit. Die Fahrten sollen per App dokumentiert werden.

London: Strom von der Themse
Im Mai hat die britische Hauptstadt den größten schwimmenden Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Für 7,3 Millionen Euro wurden in der Themse 23.000 Paneele mit einer Kapazität von 6,3 Megawatt verankert. Der produzierte Strom soll die Wasseraufbereitungsanlagen in und um London versorgen. Der Vorteil der schwimmenden Sonnenkraftwerke: Sie sind leichter und billiger herzustellen als Anlagen an Land, werden durch das fließende Wasser konstant gekühlt und nehmen keinen Platz weg.

Frankreich: Palmöl – teurer durch Steuer
Um den Konsum zu drosseln und so die verheerenden Umweltschäden des Plantagenanbaus zu mindern, will die französische Regierung Palmöl besteuern: Ab 2017 sollen 30 Euro pro Tonne fällig werden, bis 2020 wird sich die Abgabe verdreifachen. In Deutschland ist bislang keine Palmölsteuer geplant. Der „Save Wildlife Conservation Fund“ drängt die Politik hierzulande schon länger zu diesem Schritt. Anders als in Frankreich dürfte sogenanntes „nachhaltiges Palmöl“ allerdings nicht ausgenommen werden, sagt eine Sprecherin der Stiftung, da es dafür noch immer keine verlässlichen Zertifizierungen gebe.
zeropalmoel.de

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Saubere Profite

Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

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Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Richter als Klimaschützer

Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Mi, 2016-07-27 18:40
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

«Das verändert unsere Gesellschaft nicht»

«Das verändert unsere Gesellschaft nicht. Ich denke aber, dass sich die Diskussionen um den ganzen Komplex Flüchtlinge und Asylbewerber verändern werden. Die werden jetzt intensiver geführt, auch politisch. Da wird sich eine realistischere Einschätzung einstellen. Dass hier eben nicht nur gut ausgebildete, edle oder traumatisierte Menschen kommen. Sondern eben auch Kriminelle und Menschen, die ihren Hang zur Gewalt nicht in den Griff bekommen. Genauso wie es sie in der einheimischen Bevölkerung auch gibt.»

(Isabella Heuser (61), Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité zur Frage, ob eine Serie von Gewalttaten unserer ganzen Gesellschaft Angst machen kann)

Mi, 2016-07-27 18:51
Paris (dpa)

Gedenkmesse in Notre-Dame für bei Anschlag ermordeten Priester

Paris (dpa) - Ein Gedenkgottesdienst in der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat an den bei einem Anschlag ermordeten Priester erinnert. An der Messe nahmen am Mittwochabend auch Präsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls teil, wie der Élyséepalast auf Twitter mitteilte. Die berühmte Kathedrale im Herzen der französischen Hauptstadt wurde aus diesem Anlass streng bewacht, Besucher mussten ihre Taschen vorzeigen. Zwei mutmaßliche Islamisten hatten am Dienstag bei der Morgenmesse in einer Kirche in der Normandie Geiseln genommen und den 86 Jahre alten Priester umgebracht, die Polizei erschoss die Täter.

Mi, 2016-07-27 18:21
Paris (dpa)

Bericht zu Nizza-Anschlag: Sicherheitsvorkehrungen nicht zu klein

Paris (dpa) - Die Sicherheitsvorkehrungen am Abend des verheerenden Anschlags von Nizza waren nach Angaben der Aufsichtsbehörde der französischen Polizei nicht zu gering bemessen. Da es keine Informationen über besondere Bedrohungen gab, sei der Ordnungsdienst nicht zu klein angelegt gewesen, sagte die Chefin der Generalinspektion der nationalen Polizei, Marie-France Monéger-Guyomarc'h, am Mittwoch in Paris. Das Innenministerium hatte die Untersuchung als Reaktion auf heftige Vorwürfe der Opposition angesetzt, die die offiziellen Angaben zur Zahl der eingesetzten Polizisten angezweifelt hatte.

Die Kontrolleure bestätigten nun, dass zum Zeitpunkt des Anschlags 64 Beamte der nationalen Polizei auf der Strandpromenade im Einsatz gewesen seien. Ein 31-Jähriger hatte dort am 14. Juli einen Lastwagen in eine Menschenmenge gelenkt und 84 Menschen getötet.

À la Saison

Himmlische Himbeere

(Rubus idaeus)

Was haben glühende RAF-Terroristinnen und eiskalte Banker gemeinsam? Sie machen zu oft Ferien im Himbeerreich. Da wollen Sie auch hin? Ein Wegweiser.

 

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Himmlische Himbeere

Schokolade, Zigaretten, Marshmallows – für diese Schätze aus dem „Himbeerreich“ bedankt sich Gudrun Ensslin 1968 per Gefängnispost bei ihrem Verlobten und bestellt noch eine luxuriöse Feuchtigkeitscreme hinterher. Die üppige BRD-Warenwelt versüßt der Pfarrerstochter, die kurz darauf die RAF mitgründen wird, ihr Zellenleben. Das Dialektische daran ist Ensslins Haftgrund: Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. „Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten“, sinniert 2013 der Chauffeur Hans Helmut Hinz. Er meint aber keine konsumaffinen Linksterroristinnen, sondern bonusgetriebene Bankvorstände, deren Limousinen er durch die Finanzkrise kutschiert. Hinz ist eine Figur aus dem Theaterstück „Das Himbeerreich“. Dessen Autor Andres Veiel will uns ausdrücklich nicht sagen, dass Banker Terroristen sind. Aber eines wissen sie wohl so gut wie Bombenleger (und wir alle): Wo Himbeeren wachsen, wartet das Paradies.

Rubingleich funkeln die fragilen Früchte am stacheligen Strauch. Sie duften betörend, netzen die Fingerspitzen purpurn wie Theaterblut und zergehen sonnenwarm auf der Zunge – seit Jahrtausenden. Samenfunde in Steinzeitsiedlungen belegen, dass es sich um eine der ältesten Naschereien der Welt handelt. Die Himbeere ist echt „paläo“. Kultiviert wurde sie schon im alten Rom, wo sie als Heilpflanze auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche helfen sollte. Der Erfolg ist fraglich. Gesund ist die Himbeere aber durchaus. Sie enthält enorme Mengen Vitamin C, viel Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem und wirkt entgiftend sowie entzündungshemmend.

Die Römer nannten die Beere, die eigentlich eine Sammelsteinfrucht ist, Rubus idaeus – nach der Nymphe Ida. Einst soll die Tochter des kretischen Königs ein weinendes Kind in den Bergen gefunden haben, den jungen Göttervater Jupiter. Als sie ihm eine Himbeere pflückte, stach sie sich an den Dornen. Blut tropfte auf die ehedem weißen Früchte und färbte sie rot. Toll, diese antiken Sagen. Diese aber hat der französische Arzt Henri Leclerc 1925 für sein Buch „Les fruits de France“ dreist erfunden. Es ist auch eher öde, dass wohl der türkische Berg Ida Namenspate des Obstes war. Und „Himbeere“ kommt vom althochdeutschen Wort hintperi – Beere der Hirschkuh, vielleicht weil sie sich in lichten Wäldern so wohlfühlt.

In der Küche ist diese Frucht ein Naturtalent: Sie ist vollkommen, so wie sie ist. Ein paar gute Begleiter gibt es aber doch. Alles Cremige unterstreicht ihren Wohlgeschmack, Ziegenkäse steht im würzigen Kontrast dazu. Mit Pfirsich (Melba!), Mandel und Rosenwasser verträgt sie sich schwesterlich. Immerhin stammen sie alle aus der Großfamilie der Rosengewächse. Haselnüsse stehen ihr – traditionell in Linzertorte – ebenfalls gut. Auch dunkle Schokolade, Minze und – ja – Zucker, etwa in Marmelade, kann sie aushalten. Die Kerne mögen stören, sorgen aber auch für feine Holznoten. Nicht zuletzt harmoniert das berauschende Aroma reifer Himbeeren ausgezeichnet mit Alkohol, in Sekt etwa oder köstlichem Himbeergeist.

Es gibt auch schwarze, weiße, rosa und gelbe Sorten. Sobald Himbeeren zu sehr glänzen, ist aber Vorsicht geboten. Etwa in Hollywood. Seit 1981 verleihen Cineasten am Vorabend der Oscars den Antipreis „Goldene Himbeere“. Der Name der Plastiktrophäe spielt auf die Redewendung to blow a raspberry an: laut losprusten. Die so geehrten Schauspieler erscheinen selten persönlich. Im Jahr 2005 stellte sich Halle Berry aka Catwoman der Schmach und sprach die wahren Worte: „Wer kein guter Verlierer ist, kann kein guter Gewinner sein.“ So golden munden Niederlagen nur mit Himbeere. Liebe Banker, es ist nie zu spät, die eigene Leistung infrage zu stellen. Möge der Sommer himbeerreich sein.

Frisch vom Feld gibt's Himbeeren ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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Sagenhafter Spinat

„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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Geselliger Grünkohl

„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2016-07-27 18:53
Berlin/Kairo (dpa)

«Amak»: Als Nachrichtagentur getarntes IS-Sprachrohr

Berlin/Kairo (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht für sich, auf dem Boden ihres sogenannten Kalifats in Syrien und dem Irak einen vollwertigen Staat aufgebaut zu haben. Zu einem Staat gehört neben einem Radio unter anderem auch eine Nachrichtenagentur - und diese besitzen die Dschihadisten mit ihrem Sprachrohr Amak. Im Netz wurde es erstmals 2014 gesichtet und verbreitet seitdem Nachrichten über den Kampf der Terrormiliz aus Sicht des IS.

Anders als «direkte» Internetbotschaften oder Bekenntnisse des IS bemüht sich Amak um eine neutrale Nachrichtensprache und möchte damit offensichtlich professionell wirken. Neben kurzen Texten werden auch Fotos oder Grafiken veröffentlicht. Neben arabisch publiziert das Sprachrohr auch zeitweise auf englisch, französisch, spanisch und kurdisch. Es bedient sich dabei klassischen Werkzeugen im Journalismus: So gibt es «Eilmeldungen» oder es werden anonyme «Sicherheitsquellen» zitiert.

Obwohl das Verlautbarungsorgan nicht offiziell zum IS-Apparat gehört, gibt es für Experten keinen Zweifel daran, das Amak direkt vom der Führungsebene der Dschihadisten gelenkt wird. Das Medium fügt sich in die aufwendige Propaganda-Maschinerie des IS ein und bekam zuletzt Aufmerksamkeit, weil es als erstes über einen angeblichen IS-Bezug zu mehreren aufsehenerregenden Terrorakten berichtete.

Derzeit ist eine Version der Amak-Website über eine Internet-Adresse in Südafrika erreichbar. Zuvor hatte die US-Plattform WordPress.com die IS-Propaganda ausgesperrt. Amak muss ohnehin ständig seine Webadresse ändern, weil die damit verbundenen Domains blockiert werden. Neben der Website werden die Nachtrichten vor allem über Messenger-Dienste verbreitet, darunter Telegram. Die App ist bekannt für abhörsichere Kommunikation. Über Telegram wird die Propaganda im Schneeballsystem verteilt.

Mi, 2016-07-27 18:32
Istanbul (dpa)

Fast 16 000 Festnahmen in der Türkei nach Putschversuch

In gut zehn Tagen nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei sind fast 16 000 Menschen festgenommen worden. Neben Militärs und Richtern trifft es auch Journalisten und Medienmitarbeiter.

Istanbul (dpa) - Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hat die türkische Polizei nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 15 846 Menschen festgenommen. Unter ihnen seien rund 10 000 Militärangehörige gewesen, davon 178 Generäle. Inhaftiert wurden demnach 5200 Militärangehörige, darunter 151 Generäle und mehr als 1600 Offiziere. An diesem Donnerstag kommt in Ankara der Oberste Militärrat zusammen.

Der Militärrat will über Reformen in der Armee und die Neubesetzung von zahlreichen Stellen beraten, die durch die Festnahmen von Offizieren freigeworden sind. An dem eintägigen Treffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Binali Yildirim nehmen unter anderem Verteidigungsminister Fikri Isik und Armeechef Hulusi Akar teil.

Auch 1684 Richter und Staatsanwälte befinden sich nach offiziellen Angaben in Untersuchungshaft. Zehntausende Staatsbedienstete wurden vom Dienst suspendiert.

Von den fast 16 000 Festgenommenen sei gegen 8113 Haftbefehl erlassen worden, sagte Innenminister Efkan Ala dem Sender A Haber. Sie befänden sich in Untersuchungshaft. Etwa 3000 Festgenommene seien nach einem Verhör wieder frei gelassen worden, ergänzte ein Behördensprecher.

Die restlichen mehr als 4700 Festgenommenen befanden sich demnach im Gewahrsam der Sicherheitskräfte, wo sie während des Ausnahmezustands bis zu 30 Tage festgehalten werden können, bevor sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen.

Nach Angaben der Armeeführung beteiligten sich 8651 Militärs an dem Putschversuch vom 15. und 16. Juli. Das entspreche etwa 1,5 Prozent des Militärs. Die Putschisten hätten 35 Flugzeuge, 37 Hubschrauber, 74 Panzer und drei Kriegsschiffe eingesetzt.

Auch Journalisten geraten immer mehr ins Visier des Staates. Ein türkischer Staatsanwalt ordnete an, 47 ehemalige Mitarbeiter der Tageszeitung «Zaman» in Gewahrsam zu nehmen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu weiter berichtete, durchsuchte die Polizei auch Wohnungen von Verdächtigen.

Ein Istanbuler Staatsanwalt hatte bereits am Montag 42 Journalisten zur Fahndung ausgeschrieben. «Zaman», eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes, war wegen Verbindungen zum Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen im März unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Staatschef Recep Tayyip Erdogan macht die Bewegung für den Putschversuch verantwortlich. Der in den USA lebende Prediger weist dies zurück.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigte sich schockiert über die Verhaftungswelle gegen Journalisten in der Türkei. In den vergangenen Tagen habe die Justiz gegen rund 90 Medienschaffende Haftbefehle erlassen und einige davon bereits vollzogen, teilte ROG mit. «Die massenhaften Haftbefehle der vergangenen Tage zielen unmissverständlich darauf, unbequeme Journalisten mundtot zu machen», sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Mi, 2016-07-27 18:08
Grafenrheinfeld/München (dpa)

300 Einwendungen gegen Rückbaupläne für AKW Grafenrheinfeld

Grafenrheinfeld/München (dpa) - Zum Ende der Einspruchsfrist hat das bayerische Umweltministerium mehrere Hundert Einwände gegen den geplanten Rückbau des AKW Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt) registriert. Am Mittwoch lagen rund 300 Einwendungen gegen die Pläne des Betreibers Eon vor, sagte ein Ministeriumssprecher. Darunter sind auch Einwendungen der Stadt und vom Landkreis Schweinfurt sowie sieben umliegender Gemeinden. Zudem erhoben der Bund Naturschutz (BN), die Grünen im Landtag und zahlreiche Privatpersonen Einwände. Die Frist endete um Mitternacht. Alle, die Einwände erhoben haben, würden zu einem Erörterungstermin im Herbst geladen, sagte der Sprecher.

Insbesondere der Landkreis Schweinfurt hatte die Rückbaupläne für das Atomkraftwerk zuletzt scharf kritisiert. Der Rückbauantrag lasse den Schluss zu, das Eon «sich bei der Rückbaumaßnahme alle Optionen offen lassen will (...) bzw. die genauen Verfahren selbst noch nicht einzuschätzen vermag». Der BN kritisierte eine unsichere Lagerung des radioaktiven Abfalls im Zwischenlager in Grafenrheinfeld. Zudem lehnten die Umweltschützer ab, dass von Radioaktivität gereinigte Bauteile beim Rückbau wie herkömmlicher Schrott behandelt werden.

Mi, 2016-07-27 19:00
Paris (dpa)

EDF entscheidet über umstrittenes Atomprojekt Hinkley Point

Paris (dpa) - Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF soll am Donnerstag über den umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien entscheiden. Im März war der bisherige EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob EDF die Milliardeninvestition stemmen kann.

In Hinkley Point an der westenglischen Küste sollen zwei neue Druckwasserreaktoren des Typs EPR entstehen. Das Projekt an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (rund 21,5 Mrd Euro) kosten, rund ein Drittel sollen chinesische Partner schultern. Die Reaktoren sollten 2025 in Betrieb gehen, sechs Millionen Haushalts versorgen und 25 000 Arbeitsplätze schaffen.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben. Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt. Die Verwaltungsratssitzung soll am Nachmittag beginnen. Wann die Ergebnisse bekannt werden, war noch unklar.

Mi, 2016-07-27 19:00
Wolfsburg (dpa)

VW-Konzern nennt Details zu neuen Milliardenlasten aus Diesel-Krise

Wolfsburg (dpa) - Europas größter Autobauer Volkswagen legt am Donnerstag seine Halbjahresbilanz vor und erläutert darin die Details neuer milliardenschwerer Lasten aus der Affäre um manipulierte Abgaswerte. Mit ersten Eckzahlen hatte der Konzern bereits vergangene Woche angegeben, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro absackte. Darin enthalten sind 2,2 Milliarden Euro neue «negative Sondereinflüsse», wobei noch unklar ist, wie viel genau davon mit der Diesel-Krise zusammenhängt. Nach altem Stand hatte Volkswagen 16,2 Milliarden Euro für die Affäre in der Bilanz zurückgestellt.

Blendet man die Diesel-Lasten aus, ist der VW-Konzern dagegen gut unterwegs und legte zu. Ein Grund für den Schub ist die Wende bei der lange renditeschwachen VW-Kernmarke. Sie startete nach Verlusten zum Jahresende 2015 und einem schwachen Startquartal durch. Zu den genauen Gewinnzahlen dahinter ist bisher aber noch nichts bekannt.

Fest steht allerdings schon, dass die Verkäufe des Konzerns wegen des starken Monats Juni auf Wachstumskurs sind: 5,12 Millionen Fahrzeuge - vom kleinen VW-Up bis zum schweren Scania-Lkw - sind per Juni 1,5 Prozent Verbesserung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015.

Mi, 2016-07-27 18:02
Kiew (dpa)

Machtdemonstration der Moskauer Orthodoxie in Kiew

Kiew (dpa) - Als Machtdemonstration haben moskautreue Orthodoxe am Mittwoch mehrere Tausend Gläubige in der ukrainischen Hauptstadt Kiew versammelt. Zehntausende Menschen waren nach Angaben der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zum Denkmal für die Taufe der mittelalterlichen Kiewer Rus gekommen. An diesem Donnerstag wird in der Ex-Sowjetrepublik der Christianisierung vor über 1000 Jahren erinnert. Auch das konkurrierende orthodoxe Kiewer Patriarchat lädt seine Gläubigen zu Gottesdiensten ein.

Augenzeugen berichteten von bis zu 20 000 Anhängern der moskautreuen Kirche, die für Frieden und den Erhalt der Ukraine beteten. Bereits zuvor waren zwei Friedensmärsche mit Hunderten Pilgern aus dem Westen und Osten des Landes in Kiew zusammengetroffen.

Die ukrainische Führung sieht die Aktion der Moskauer Kirche mit Misstrauen, hat sie aber gewähren lassen. Das Moskauer Patriarchat unterstreicht nach Ansicht von Experten mit den Prozessionen seinen Alleinvertretungsanspruch für die Orthodoxen in der Ukraine. Moskau will verhindern, dass der Patriarch von Konstantinopel, die oberste Instanz, das Kiewer Patriarchat als Kirche der Ukraine anerkennt.

Mi, 2016-07-27 18:02
Moskau (dpa)

Landwirtschaftsminister Schmidt wirbt in Russland für Annäherung

Für seine Moskauer Gastgeber hat Landwirtschaftsminister Schmidt deutschen Käse im Gepäck - den es in Russland wegen eines Importverbots nicht mehr zu kaufen gibt. Im Gespräch sucht er nach Wegen der Zusammenarbeit in Zeiten gegenseitiger Strafmaßnahmen.

Moskau (dpa) - Im Sanktionsstreit zwischen Russland und dem Westen hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt für eine schrittweise Annäherung geworben. «Jetzt müssen wir uns hinsetzen, bevor die Sanktionen noch vier oder fünf Jahre andauern, um zu prüfen, wo wir im beiderseitigen Interesse zusammenarbeiten können», sagte der CSU-Politiker bei einem Besuch in Moskau am Mittwoch. In Deutschland hatte Schmidts Haltung zuvor Kritik ausgelöst.

Russland hatte als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise vor zwei Jahren einen Importstopp für Agrarprodukte aus der EU verhängt. Dies trägt unter anderem zu einem starken Preisverfall bei Milch und Obst bei, da zusätzliche Mengen auf dem EU-Markt bleiben. Schätzungen zufolge hat das russische Embargo allein deutsche Bauern rund eine Milliarde Euro gekostet.

Erst im Juni hatte Kremlchef Wladimir Putin seine «Gegensanktionen» bis Ende 2017 verlängert. Russland sieht darin eine Möglichkeit, die eigene Landwirtschaft in einem von ausländischem Konkurrenzdruck geschützten Umfeld zu fördern und zu modernisieren, damit der größte Flächenstaat der Erde künftig Agrarprodukte exportieren kann.

Schmidt meldete Zweifel an, dass Russland damit eine Selbstversorgung erreichen kann. Doch wolle Deutschland die Entwicklungen in Russland kreativ und pragmatisch begleiten,sagte er.

Seine Gespräche mit Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch, Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow und anderen Ressortchefs bezeichnete Schmidt als erfolgreich und offen. «Die Mauer steht noch, aber wir haben uns über die Mauer hinweg verständigt», sagte er.

Der Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff kritisierte in Berlin die Haltung des Ministers. «Schmidt signalisiert mit seiner Reise lediglich Aktionismus, um danach sagen zu können, er hätte es ja versucht», teilte der agrarpolitische Fraktionssprecher mit. Er verspreche den deutschen Landwirten, dass durch mehr Exporte ihre Probleme gelöst würden. «Doch das ist der falsche Weg», sagte er.

Aber auch Schmidt warnte, eine Öffnung des russischen Marktes könne die Probleme etwa der unter Preisverfall und Überangebot leidenden Milchbranche nicht lösen. Mit den russischen Partnern habe er unter anderem über Pläne gesprochen, mit Sondervereinbarungen zu ermöglichen, dass deutsche Unternehmen trotz des Embargos auch deutsche Rohstoffe in Russland verarbeiten dürften. «Bis dahin ist es aber noch ein steiniger Weg», sagte er.

Mit Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sprach Schmidt nach russischer Darstellung über Wege, kleine und mittlere Unternehmen zu fördern. Dazu könne etwa ein 2012 vereinbarter Fonds der Kreditbank für Wiederaufbau und der russischen Außenwirtschaftsbank wieder aufgelegt werden, meinte Uljukajew der Agentur Interfax zufolge. Wegen der Ukraine-Krise wurde das Projekt 2014 auf Eis gelegt.

Schmidt sagte, für konkrete Ergebnisse sei es noch zu früh, doch gehe es ihm darum, «trotz der Sanktionen im Gespräch zu bleiben». Im Herbst plane er daher einen weiteren Besuch in Moskau.

Mi, 2016-07-27 17:07
Berlin (dpa)

«Man kann das Wohlstandsfett nicht einfach wegoperieren» Von Ruppert Mayr, dpa

Wenn die Beine die Last des Körpers nicht mehr tragen wollen - beim Treppen steigen, beim Gang vom Wohnzimmer in die Küche, beim einkaufen. Hilft dann vielleicht eine Magenverkleinerung?

Berlin (dpa) - Der Mexikaner Manuel Uribe war mit fast 600 Kilo einst der schwerste Mensch der Welt. Er war jahrelang ans Bett gefesselt, weil er im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr auf die Beine kam. Sicherlich ein Extremfall. Doch auch Menschen mit weit weniger als der Hälfte dieses Gewichts leiden unter vielfältigen gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen. Ihre Zahl nimmt zu, vor allem in den Industrieländern. Darunter sind auch viele junge Menschen. Kann eine Magenverkleinerung neue Hoffnung geben? Die gesetzliche Krankenkasse Barmer GEK warnt davor. Ihr Chef Christoph Straub sagt: «Man kann das Wohlstandsfett nicht einfach wegoperieren.»

Lassen sich schon viele Menschen den Magen verkleinern?

Bisher nicht, sagt der Report Krankenhaus 2016. Aber die Tendenz bereite Sorgen, sagt Straub. Von 2006 bis 2014 habe sich die Zahl allein bei den eigenen Versicherten von 167 auf 1070 Fälle jährlich mehr als versechsfacht. Die gesetzliche Krankenversicherung insgesamt verzeichnete 9225 Fälle - und damit fünfmal so viele wie noch 2006.

Wo sind die Gefahren, wo die Vorteile?

Eine Magenverkleinerung sei alles andere als harmlos. Es sei vielmehr ein schwerer, nicht rückgängig zu machender Eingriff in einen an sich funktionierenden Körper, sagt Straub, der selbst Arzt ist. Kurzfristig steige auch das Sterberisiko.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Betroffene müssen seltener wegen Altersdiabetes, Schlafstörungen und Bluthochdruck im Krankenhaus behandelt werden. Zudem stieg die Anzahl der Geburten um 20 Fälle je 1000 Eingriffe im Vergleich zu schwer Fettleibigen, die konventionell behandelt wurden.

Was wird operiert?

Es gibt zwei wesentliche Methoden, den Magen zu verkleinern und damit ein früheres Sättigungsgefühl zu erreichen:

Schlauchmagen: Hier werden etwa 80 bis 90 Prozent des Magens entfernt, so dass nur ein schlauchartiger Rest erhalten bleibt. 2014 wurden 45 Prozent der Magenverkleinerungen auf diese Weise vorgenommen. Magenbypass: Bei diesem Eingriff wird ein Stück Magen abgetrennt und der Rest direkt mit einer Dünndarmschlinge verbunden. Dadurch können die Patienten weniger Nahrung aufnehmen. Zudem passiert der Speisebrei eine geringere Strecke im Dünndarm, wodurch weniger Nahrung verdaut werden kann. 46 Prozent der Verkleinerungen wurden so erreicht.

Wann wird operiert?

Das richtet sich im Prinzip nach dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI). Dieser setzt Gewicht und Größe ins Verhältnis und zwar nach der Formel Gewicht (in kg) durch die Größe (in m) im Quadrat. Also bei einem Gewicht von 90 Kilo und einer Größe von 1,79 Meter ergäbe sich eine BMI von 28,9.

Eine Operation kommt ab einem BMI von 40 in Frage. Bei schwerwiegenden Begleiterkrankungen schon ab einem BMI von 35.

Wer sollte operieren?

Es gibt 350 Krankenhäuser in Deutschland, die eine solche OP anbieten, aber nur 44 sind zertifiziert, sind also ausreichend spezialisiert und haben genügend Erfahrung, um einen solchen Eingriff durchzuführen. Die Barmer GEK rät dringend dazu, nur solche Kliniken auszusuchen. Es gibt hier weniger Nebenwirkungen, weniger Komplikationen.

Übernimmt die Kasse die Kosten?

Ja, aber. Operation und Nachsorge seien grundsätzlich im Leistungskatalog der Kassen. Aber: Mit einer Magenverkleinerung allein sei es bei weitem nicht getan, warnt Straub. Die Menschen müssten erst lernen, mit dem «neuen Körper» umzugehen. Ein Schlauchmagen hilft wenig, wenn ein Betroffener danach wieder große Mengen Sprühsahne verspeist. Und ein Magenbypass könne einen lebensbedrohlichen Nährstoffmangel nach sich ziehen, weil die Enzyme im verkürzten Dünndarm kaum mehr Zeit hätten, die Nährstoffe zu spalten. Kliniken und niedergelassene Ärzte müssten deshalb gemeinsam vor Ort Nachsorgekonzepte entwickeln.

Grundsätzlich aber, sagt Straub, gelte nach wie vor: «Man kann auf dem Sofa nicht abnehmen.» Und: «Nur Bewegung verbrennt.»

Mi, 2016-07-27 17:30
Istanbul (dpa)

Türkischer Innenminister: 8113 nach Putschversuch inhaftiert

Istanbul (dpa) - Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hat die türkische Polizei insgesamt 15 846 Menschen festgenommen. 8113 der Festgenommenen seien aufgrund eines richterlichen Haftbefehls in Untersuchungshaft genommen worden, sagte Innenminister Efkan Ala dem Sender A Haber am Mittwoch. Weitere etwa 3000 der Festgenommenen seien nach einem Verhör wieder frei gelassen worden, sagte ein Behördensprecher. Die restlichen mehr als 4700 Festgenommenen befanden sich demnach im Gewahrsam der Sicherheitskräfte, wo sie während des Ausnahmezustands bis zu 30 Tage festgehalten werden können, bevor sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen.

Unter den Festgenommenen seien rund 10 000 Militärangehörige gewesen, davon 178 Generäle. Inhaftiert wurden 5200 Militärangehörige, einschließlich 151 Generäle und mehr als 1600 Offiziere. Auch 1684 Richter und Staatsanwälte befinden sich in Untersuchungshaft.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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