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Fr, 2015-07-31 21:32
Brüssel (dpa)

EU lockert Iran-Sanktionen zum Rückbau des Nuklearprogramms

Brüssel (dpa) - Die EU lockert nach dem Atomabkommen mit dem Iran erstmals Sanktionen, um dem Land den Rückbau seines Nuklearprogramms zu ermöglichen. Damit setzt die EU eine Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 20. Juli um, wie der Europäische Auswärtige Dienst in Brüssel am Freitag mitteilte.

Die Lockerungen sollen unter anderem die Ausfuhr angereicherten Urans aus dem Iran ermöglichen. Teheran hat zugesagt, seinen Bestand an angereichertem Uran von rund 10 Tonnen auf 300 Kilogramm zu reduzieren, indem das Material außer Landes gebracht oder gestreckt wird.

Der jüngst in Wien ausgehandelte Atomkompromiss soll dem Iran die Nutzung der Atomkraft für friedliche Zwecke ermöglichen, den Weg zur Atombombe aber verbauen. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen schrittweise fallen.

Fr, 2015-07-31 21:29
Washington (dpa)

Ärztin: Hillary Clinton ist gesund

Washington (dpa) - Über ein Jahr vor den US-Präsidentenwahlen hat Hillary Clinton ihre Gesundheitsdaten veröffentlicht. Ihre Ärztin bestätigte der 67-jährigen demokratischen Bewerberin, sie sei gesund und fit. Sie leide lediglich an einer Schilddrüsenunterfunktion sowie an saisonaler Pollenallergie. «Sie ist in exzellenter gesundheitlicher Verfassung und fit, als Präsident der Vereinigten Staaten zu dienen», urteilte die Internistin Lisa Bardack.

Ende 2012 habe die damalige Außenministerin nach einem Sturz zeitweise an Gehirnerschütterung und Thrombose gelitten. Zeitweise habe sie doppelt gesehen und habe eine Spezialbrille getragen. Sie sei aber vollständig genesen, meinte die Ärztin. Bewerber für das US-Präsidentenamt veröffentlichen meist vor den Wahlen ihre Gesundheitsdaten. Der Nachfolger des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama wird im November 2016 gewählt.  

Fr, 2015-07-31 19:08
Saarbrücken/Köln (dpa)

Betten aus ehemaligem Saarbrücker Bunker für Flüchtlinge in Köln

Saarbrücken/Köln (dpa) - Saarbrücken hilft Köln: Rund 1000 Betten aus einem ehemaligen Bunker in der saarländischen Landeshauptstadt werden für Flüchtlinge an den Rhein transportiert. Die Betten würden für neue Notunterkünfte gebraucht, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln am Freitag. Angesichts der enorm gestiegenen Flüchtlingszahlen sei die Nachfrage nach Betten derzeit sehr groß. «Wir sind für jede Unterstützung dankbar.» Etwa 20 Feuerwehrleute waren in Saarbrücken im Einsatz, um die Betten in dem 2,3 Kilometer langen Stollen abzubauen. Sie lagerten seit 30 Jahren dort, werden in Köln gereinigt und mit Schaumstoffmatratzen belegt.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Fr, 2015-07-31 18:04
Wolgast (dpa)

Gabriel wirft EU Versagen in der Flüchtlingspolitik vor

Wolgast (dpa) - SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Korrekturen in der europäischen Flüchtlingspolitik angemahnt. «Es ist skandalös, dass Europa sich nicht darauf verständigen kann, wie es Flüchtlinge aufnimmt, verteilt und menschlich behandelt», sagte Gabriel am Freitag nach dem Besuch eines Flüchtlingsheimes in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern). Die Aufnahme von Flüchtlingen sei nicht nur eine Frage von Geld. «Das ist eine Frage von Anstand.»

Gabriel warf der EU angesichts der Flüchtlingsströme im französischen Calais Versagen vor. «Für mich ist das, was wir in der Europäischen Union erleben, das schlimmste Versagen der Europäischen Union, seit ich denken kann.» Dass man in Großbritannien einen Schutzwall hochziehen wolle und dass ein Dutzend Staaten in Europa überhaupt keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, könne nicht das letzte Wort sein.

Fr, 2015-07-31 18:14
(dpa)

Mächtiger Paramilitärs-Chef in Kolumbien freigelassen

Bogotá (dpa) - Nach acht Jahren Haft ist ein ehemaliger Anführer der rechten Paramilitärs in Kolumbien freigelassen worden. Freddy Rendón Herrera alias El Alemán (Der Deutsche) habe das Hochsicherheitsgefängnis Itagüí verlassen, berichtete die Zeitung «El Tiempo» am Freitag. Rendón Herrera ist der zweite frühere Anführer der paramilitärischen Organisation AUC, der wieder auf freien Fuß kommt. In den USA liegt noch immer ein Haftbefehl wegen Drogenhandels gegen ihn vor.

El Alemán galt als einer der brutalsten Paramilitärs Kolumbiens und wird für mindestens 600 Morde verantwortlich gemacht. Seine Männer sollen im Nordwesten des Landes zudem Tausende Bauern von ihrem Land vertrieben haben. Im Zuge des Demobilisierungsprozesses löste er seine Einheit 2006 auf. Dadurch profitierte er von der auf acht Jahre festgelegten Höchststrafe für Paramilitärs.

Fr, 2015-07-31 18:35
Berlin (dpa)

Antisemitische Beleidigungen am Rande jüdischer Wettkämpfe in Berlin

Berlin (dpa) - Im Zusammenhang mit den jüdischen Makkabi-Sportwettkämpfen in Berlin ist eine Gruppe junger Männer antisemitisch angepöbelt worden. Sie waren etwa durch die traditionelle Kopfbedeckung Kippa als Juden erkennbar. Nach dem Zwischenfall im Stadtteil Neukölln flüchteten die Täter, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Außerdem wurden zwei Wachleute vor einem Hotel antisemitisch beleidigt, in dem 2000 jüdische Sportler wohnen. Sie alarmierten die Polizei, die einen Mann arabischer Herkunft festnahm. Die Polizei verstärkte ihre Schutzmaßnahmen und schickte zusätzliches Personal auf Streifen.

Die Frage der Sicherheit spielt bei den seit Dienstag laufenden Makkabi-Spielen eine große Rolle. Erstmals finden die Amateur-Wettkämpfe des jüdischen Sports in Deutschland statt.

Fr, 2015-07-31 18:15
Karlsruhe (dpa)

Gegenwind für Range: Generalbundesanwalt ermittelt gegen Journalisten Von Diana Niedernhöfer, dpa

Zu zögerlich erschien er Vielen, als es um die strafrechtliche Verfolgung in Sachen NSA-Spionage in Deutschland ging. Nun hat Generalbundesanwalt Harald Range ein Ermittlungsverfahren gegen Journalisten eingeleitet. Wegen Landesverrats.

Karlsruhe (dpa) - Generalbundesanwalt Harald Range ist kein lauter Polterer. Er ist ein höflicher und zurückhaltender Mensch. Die Attitüde «Hier komme ich» scheint ihm fremd. Doch einen Hauch von Verwegenheit - den haben sich viele in der Vergangenheit gewünscht. Allzu zögerlich erschien der 67-jährige der Öffentlichkeit bisher, wenn es um Ermittlungen wegen der Ausforschung der deutschen Bevölkerung und seiner Regierung samt Kanzlerinnenhandy durch den US-Geheimdienst NSA ging.

Doch am Donnerstag wurde bekannt, dass Ranges Behörde gegen den Gründer des Blogs Netzpolitik.org, Markus Beckedahl, und den Autoren André Meister ein Ermittlungsverfahren wegen «Landesverrats» eingeleitet hat - eine strafrechtliche Keule, die im schlimmsten Fall mit lebenslanger Haft bestraft werden kann. Die Journalisten hatten über Pläne des Bundesamtes für Verfassungsschutz berichtet, Online-Netzwerke stärker zu überwachen. Dazu veröffentlichte der Blog vertrauliche Unterlagen.

Mit den Ermittlungen hat Range einen Sturm der Empörung entfacht, der sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die Bundesregierung richtet. Einschüchterungsversuch der Presse, lautet der Vorwurf von Politikern, Journalisten, Aktivisten.

Auch Fachjuristen reiben sich verwundert die Augen: «Nach einer ersten Durchsicht ist nicht ganz nachvollziehbar, wie die veröffentlichten Dokumente den Tatbestand (des Landesverrats) erfüllen sollen», sagt etwa Strafrechtler Sascha Kuhn bei der Kanzlei Simmons & Simmons. Anders wäre das etwa, wenn es sich um geheime Baupläne für Raketen handelte. Selbst Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bezweifelt, dass es sich überhaupt um Landesverrat handelt.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte beim Landeskriminalamt Berlin wegen der Durchstechereien Anfang Juli selbst Anzeige gegen «Unbekannt» erstattet - offenbar um potenzielle Informanten abschrecken. Journalisten wären also nicht zwingend im Fokus der Strafermittler gewesen, und bisher haben diese sich angesichts der im Grundgesetz garantierten und vom Bundesverfassungsgericht häufig gestärkten Pressefreiheit in ähnlich anmutenden Fällen auch zurück gehalten. Zu tief saßen die Erfahrungen der «Spiegel»-Affäre 1962, der einer der größten Politskandale in der Geschichte der Bundesrepublik war.

Doch hier leitete die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen - offenbar auch wegen den kurzen Verjährungsfristen im Presserecht - schnell ein. So ein engagiertes Vorgehen, das hat die Öffentlichkeit bei Bekanntwerden der Ausforschungen durch die NSA 2013 vermisst: Erst prüfte die Bundesanwaltschaft monatelang. Dann schließlich leitete Range im Juni vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen der Ausforschung des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein, aber keines wegen der massenhaften Ausforschung von Bundesbürgern durch den NSA - obwohl ihm Tausende von Anzeigen vorlagen. Die Handy-Ermittlungen wurden im Juni 2015 dann aus Mangel an «gerichtsfesten» Beweisen eingestellt.

Auch nachdem bekannt wurde, dass der BND der NSA über Jahre geholfen haben soll, europäische Unternehmen und Politiker auszuforschen, leitete Ranges Behörde bisher kein Ermittlungsverfahren ein.

Für Kritiker ist das unverständlich. Sie werfen Range vor, nicht juristisch zu handeln. «Nach Jahren der politisch motivierten Untätigkeit lässt er sich jetzt instrumentalisieren, um den größten Angriff auf die Pressefreiheit seit der Spiegel-Affäre zu starten», schimpft etwa Linksfraktionsvize Jan Korte am Freitag.

Den Sturm versuchte Range dann noch am Freitag etwas einzufangen: Er wolle erst mal von «Exekutivmaßnahmen», also etwa Durchsuchungen oder Festnahmen absehen, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» am Freitag. «Bis zum Eingang des Gutachtens wird mit den Ermittlungen innegehalten». Das heißt eigentlich erst einmal nur, dass das Gutachten abgewartet wird.

Ein Ermittlungsverfahren bedeutet zwar nicht automatisch auch eine Anklage. Sollte aber das externe Gutachten die veröffentlichten Dokumente als Bekanntgabe von Staatsgeheimnissen qualifizieren, könnte die Behörde weiter ermitteln. Dann stünden auch Exekutivmaßnahmen im Raum.

Inwieweit Heiko Maas als Chef Ranges bei dessen «Zurückrudern» eine Rolle gespielt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Range sei an Recht und Gesetz gebunden, nahm Maas seinen Chefermittler am Freitag in Schutz. Dennoch habe er Range seine Zweifel mitgeteilt. In der Tat ist der Generalbundesanwalt ein politischer Beamter: Er untersteht den Weisungen des Bundesjustizministeriums und kann kalt gestellt werden. Doch in Gesprächen beteuert Range stets, unbeeinflusst von der Politik zu handeln. Zuletzt sagte er in einem «Spiegel»-Interview dazu: «Ich bin frei in meiner Entscheidungen. Das mögen Sie vielleicht nicht glauben, aber es ist so.»

Fr, 2015-07-31 17:48
Berlin (dpa)

Empörung über Ermittlungen gegen Politik-Blog - Auch Maas skeptisch

Ein paar Blogger als Landesverräter? Es hagelt Kritik am Vorgehen der Bundesanwaltschaft gegen den Blog Netzpolitik.org. Von einem Angriff auf die Pressefreiheit ist die Rede. Damit will die Regierung nichts zu tun haben. Und der Generalbundesanwalt schaltet einen Gang zurück.

Berlin (dpa) - Die Ermittlungen wegen Landesverrats gegen den Blog Netzpolitik.org haben Proteststürme ausgelöst. Die Bundesregierung distanzierte sich von dem Vorgehen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) äußerte am Freitag in Berlin Zweifel an den juristischen Vorwürfen gegen die Blogger. Auch das Kanzleramt hält die Aktion nach Angaben aus Regierungskreisen für problematisch. Journalisten und Politiker von Linken, Grünen, FDP und Piraten reagierten mit Unverständnis auf die Aktion und forderten die Bundesanwaltschaft auf, das Verfahren einzustellen. Generalbundesanwalt Harald Range will die Ermittlungen vorerst nicht weiter vorantreiben und zunächst ein Gutachten zu dem Fall einholen.

Netzpolitik.org ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Blogs und wurde 2014 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Der Generalbundesanwalt wirft dem Gründer, Markus Beckedahl, und dem Autoren André Meister Landesverrat vor und hat dazu ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden eingeleitet. Es geht um die Veröffentlichung von Informationen des Bundesamts für Verfassungsschutz. Netzpolitik.org hatte in zwei Artikeln Pläne der Behörde zum Ausbau der Internet-Überwachung beschrieben und dazu Auszüge von vertraulichen Dokumenten ins Netz gestellt.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte wegen der Durchstechereien Anfang Juli Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Maaßen hatte nach dpa-Informationen vorab das Innenressort über seine Pläne in Kenntnis gesetzt. Das Kanzleramt wusste nach Angaben aus Regierungskreisen dagegen nichts davon. Eine offizielle Stellungnahme aus der Regierungszentrale gab es zwar nicht. In den Kreisen hieß es aber, es müssten generell «Kollateralschäden» berücksichtigt werden, wenn gegen Journalisten ermittelt werde. Das sei zu vermeiden.

Auf dpa-Anfrage wollte sich das Bundesamt für Verfassungsschutz nicht zu den Vorgängen äußern. Aus dem Umfeld der Behörde hieß es aber, Maaßen habe die Anzeigen nicht gegen Journalisten oder Blogger gerichtet. Ihm sei es vielmehr darum gegangen, gegen jene vorzugehen, die die Informationen an Journalisten gegeben hätten.

Der Gründer von Netzpolitik.org sprach von einem Einschüchterungsversuch. Die Aktion richte sich gegen investigative Journalisten und ihre Quellen, sagte Beckedahl der dpa. Seine Kollegen und er ließen sich dadurch aber nicht abschrecken.

Journalistenverbände sprachen von einem Angriff auf die Pressefreiheit und verlangten eine Einstellung des Verfahrens. Politiker von SPD, Grünen, Linken, FDP und Piraten kritisierten das Vorgehen der Bundesanwaltschaft als unverhältnismäßig und fragwürdig.

Auch Maas äußerte Skepsis. «Ich habe heute dem Generalbundesanwalt mitgeteilt, dass ich Zweifel daran habe, ob die Journalisten mit ihrer Veröffentlichung die Absicht verfolgt haben, die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen», sagte der Minister. Er habe auch Zweifel, «ob es sich bei den veröffentlichten Dokumenten um ein Staatsgeheimnis handelt, dessen Veröffentlichung die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt».

Range sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», seine Behörde verzichte mit Blick auf das hohe Gut der Pressefreiheit vorerst auf mögliche Exekutivmaßnahmen. In dem Ermittlungsverfahren sei zunächst zu klären gewesen, ob es sich bei den Veröffentlichungen um die Bekanntgabe eines Staatsgeheimnisses handelt. Dazu werde ein externes Sachverständigengutachten eingeholt. «Bis zum Eingang des Gutachtens wird mit den Ermittlungen innegehalten», erklärte er. Für eine offizielle Stellungnahme war die Bundesanwaltschaft nicht erreichbar.

Maas begrüßte Ranges Ankündigung. «Der Schutz der Pressefreiheit ist ein hohes Gut», betonte er. «Dieses Verfahren zeigt, wie schwierig die Abwägung zwischen Pressefreiheit und staatlichem Geheimschutz sein kann.» Deshalb werde zu klären sein, ob die strafrechtlichen Vorschriften zum Landesverrat und dem Schutz von Staatsgeheimnissen im Verhältnis zur Pressefreiheit insgesamt reformbedürftig seien.

Die Macher des Blogs twitterten, entspannt seien sie erst, wenn die Ermittlungen eingestellt würden - «Ruhen lassen reicht uns nicht!»

Fr, 2015-07-31 17:05
Ramon (dpa)

Ölpreisverfall lässt Gewinne von ExxonMobil und Chevron einbrechen

Die Preise für Rohöl sind auf Jahressicht um etwa die Hälfte gefallen. Das macht den US-Energieriesen zu schaffen - ExxonMobil und Chevron melden die heftigsten Gewinneinbußen seit Jahren. Die internationalen Wettbewerber haben die gleichen Schwierigkeiten.

Irving/San Ramon (dpa) - Die niedrigen Ölpreise haben den Gewinn bei den US-Branchenführern ExxonMobil und Chevron weiter einbrechen lassen. Die US-Ölmultis verzeichneten im zweiten Quartal die schwächsten Ergebnisse seit Jahren, wie aus den am Freitag veröffentlichten Finanzberichten hervorgeht. Internationale Rivalen wie Shell oder BP kämpfen mit den gleichen Problemen. Die Konzerne reagieren mit drastischen Sparmaßnahmen.

Trotz der schwierigen Lage am Ölmarkt verdiente ExxonMobil von April bis Juni zwar immer noch 4,2 Milliarden Dollar (3,8 Mrd Euro), wie der gemessen am Börsenwert weltgrößte Ölkonzern mitteilte. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet das allerdings ein Minus von gut 50 Prozent. Es war das schwächste Ergebnis seit sechs Jahren. Der Umsatz sank um etwa ein Drittel auf 74,1 Milliarden Dollar.

Der Ölpreisverfall setzt auch Wettbewerber Chevron weiter heftig zu. Im zweiten Quartal brach der Überschuss beim zweitgrößten US-Ölkonzern um 90 Prozent auf 571 Millionen Dollar (516 Mio Euro) ein. Das Unternehmen hatte hohe Sonderkosten zu verkraften, weil die langfristigen Geschäftspläne aufgrund der Aussicht auf dauerhaft niedrige Ölpreise neu aufgestellt werden mussten.

Chevron lieferte das schlechteste Ergebnis seit mehr als zehn Jahren und schrieb insgesamt 2,6 Milliarden Dollar auf Vermögenswerte und Projekte ab. «Die Quartalsergebnisse waren schwach, sie spiegeln den Ölpreisrückgang von fast 50 Prozent im Jahresvergleich», sagte Chevron-Chef John Watson. Der Umsatz sank um 30 Prozent auf 40,4 Milliarden Dollar. Erst am Dienstag hatte Chevron angekündigt, 1500 Jobs zu steichen.

Am Markt kamen die Zahlen der US-Ölriesen nicht gut an - die Aktien von ExxonMobil und Chevron gaben im New Yorker Handel um jeweils mehr als vier Prozent nach. Das Dilemma, in dem die Konzerne stecken, wird daran deutlich, dass ihre Ölförderung im Vergleich zum Vorjahr sogar stieg. Wegen des Preisverfalls bleibt aber trotzdem erheblich weniger in der Kasse. Unter den gleichen Schwierigkeiten leidet auch die internationale Konkurrenz.

Beim britisch-niederländischen Branchenschwergewicht Royal Dutch Shell sackte der bereinigte Gewinn zuletzt um mehr als ein Drittel auf 3,8 Milliarden Dollar (3,4 Mrd Euro) ab. Im laufenden Jahr will der Energieriese nach seinen Angaben 6500 Arbeitsplätze abbauen, die Investitionen um sieben Milliarden Dollar senken und Unternehmenswerte in Milliardenwert verkaufen.

An den Vortagen hatten die niedrigen Ölpreise bereits starke Bremsspuren in den Quartalsbilanzen der Konkurrenten BP und Statoil sowie beim italienischen Ölkonzern ENI hinterlassen. Unterm Strich rutschte BP - allerdings auch wegen milliardenschwerer Entschädigungszahlungen für Schäden bei der Explosion der Ölplattform «Deepwater Horizon» - sogar tief in die Verlustzone.

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Fr, 2015-07-31 17:47
Stuttgart (dpa)

Workshop zur ISS-Nachfolge - Raumstationen als Zwischenlager?

Das Schicksal der Internationalen Raumstation ISS steht in den Sternen. Russland hat ein Ende seines Engagements angekündigt. Wie es weitergehen könnte, darüber haben sich Studenten bei einem internationalen Workshop teils überraschende Gedanken gemacht.

Stuttgart (dpa) - Ein Nachfolger der Internationalen Raumstation ISS könnte als eine Art Zwischenlager oder Tankstelle im Weltraum schweben. Von dort aus sollten Maschinen und Menschen Missionen zu Mond und Mars starten - das sehen Konzepte vor, die 32 Studenten verschiedener Fachrichtungen in einem einwöchigen Workshop zum Design künftiger Raumstationen an der Universität Stuttgart erarbeitet haben. Von den Ergebnissen der Nachwuchswissenschaftler soll unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) profitieren.

Der Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme an der Uni Stuttgart, Stefanos Fasoulas sprach am Freitag von durchaus konventionellen Ideen. «Das waren keine utopischen Überlegungen.» Die jungen Forscher gingen davon aus, dass die bemannte Raumfahrt stärker dienstleistungsorientiert ausgerichtet werde. Der Gedanke einer «Fabrik im Weltall», die Ressourcen direkt im Orbit zur Verfügung stellt, habe ihn dabei überrascht.

In zwei Teams hatten die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern wie Deutschland, den USA und Mexiko mithilfe von Experten aus Industrie und Forschung ihre Konzepte erarbeitet. Die Wissenschaftler kamen aus unterschiedlichen Fachrichtungen: Neben Physikern, Astronomen und Maschinenbauern war beispielsweise auch ein Mediziner dabei.

So hatten sie neben den technischen Bedingungen und Kosten unter anderem auch bedacht, dass Astronauten regelmäßig Kontakt zur Erde via Videogespräche haben sollten oder bei einem Notfall schnell zurückgebracht werden müsse.

Der Hintergrund für solche Gedankenspiele wird immer aktueller: Die ISS gilt seit mehr als 15 Jahren als Außenposten der Menschheit. Doch Russland hat ein Ende seines Engagements angekündigt. Pläne über die Zukunft der bemannten Raumfahrt sind - offiziell - noch offen.

Trotz der Spannungen zwischen Russland und dem Westen, ausgelöst durch den Ukraine-Konflikt, gingen aber beide Teams beim Workshop von einer weiteren Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos aus. Plausibel findet das Institutsleiter Fasoulas: «Solche Unternehmungen werden auch künftig nur international finanzierbar sein.»

Fr, 2015-07-31 17:07
Berlin (dpa)

Bundeswehr stellt 141 Zelte für 1100 Flüchtlinge zur Verfügung

Berlin (dpa) - Die Bundeswehr will 141 Zelte für die Unterbringung von mehr als 1100 Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Weiter geprüft werde, welche Kasernen noch zusätzlich genutzt werden könnten. Die Bundeswehr hat bereits 3500 Flüchtlinge in acht Kasernen untergebracht. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte Anfang der Woche «maximale Kulanz» bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Kasernen und Zelten der Bundeswehr zugesagt. «In dieser Situation muss man so hilfreich wie irgendmöglich sein», sagte sie.

Fr, 2015-07-31 17:10
Warschau (dpa)

OSZE für mehr Unterricht über Holocaust an Roma und Sinti in Europa

Warschau (dpa) - Bei der Bekämpfung von Rassismus und Fremdenhass sollten die Mitgliedstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mehr auf Information über den Holocaust an den Roma und Sinti setzen. Das forderte der Direktor des OSZE-Büros für Menschenrechte, Michael Georg Link, am Freitag in Warschau. «71 Jahre nach der Liquidierung des «Zigeunerlagers» (im deutschen Vernichtungslager Auschwitz) stoßen Roma und Sinti auf Rassismus und Diskriminierung», sagte Link mit Blick auf den Internationalen Gedenktag für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma am Sonntag (2. August).

Aufklärung und Information über die Verbrechen könnten zu mehr Respekt für die Opfer beitragen und gleichzeitig Rassismus und Diskriminierung von Roma und Sinti in der Gegenwart entgegentreten, meinte Link. Im vergangenen Jahr habe die OSZE erneut «beunruhigende Berichte über ein zunehmendes Maß an Hetze und Vorurteilen gegen Roma und Sinti» verzeichnet.

Historiker gehen davon aus, dass während des Zweiten Weltkriegs zwischen 220 000 und 500 000 der europäischen Sinti und Roma von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Fr, 2015-07-31 17:01
Karlsruhe (dpa)

Range im Wind: Generalbundesanwalt ermittelt gegen Journalisten Von Diana Niedernhöfer, dpa

Zu zögerlich erschien er Vielen, als es um die strafrechtliche Verfolgung in Sachen NSA-Spionage in Deutschland ging. Nun hat Generalbundesanwalt Harald Range ein Ermittlungsverfahren gegen Journalisten eingeleitet. Wegen Landesverrats.

Karlsruhe (dpa) - Generalbundesanwalt Harald Range hat sich einen Vollbart wachsen lassen. Dieser lässt Deutschlands Chefermittler etwas flotter, ja vielleicht sogar ein bisschen verwegener erscheinen. Einen Hauch von Verwegenheit - den kann der zurückhaltene 67-Jährige eigentlich brauchen. Allzu zögerlich erschien er der Öffentlichkeit bisher, wenn es um Ermittlungen wegen der Ausforschung der deutschen Bevölkerung und seiner Regierung samt Kanzlerinnenhandy durch den US-Geheimdienst NSA ging.

Doch am Donnerstag wurde bekannt, dass Ranges Behörde gegen den Gründer des Blogs Netzpolitik.org, Markus Beckedahl, und den Autoren André Meister ein Ermittlungsverfahren wegen «Landesverrats» eingeleitet hat - eine strafrechtliche Keule, die im schlimmsten Fall mit lebenslanger Haft bestraft werden kann. Die Journalisten hatten über Pläne des Bundesamtes für Verfassungsschutz berichtet, Online-Netzwerke stärker zu überwachen. Dazu veröffentlichte der Blog vertrauliche Unterlagen.

Mit den Ermittlungen hat Range einen Sturm der Empörung entfacht, der sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die Bundesregierung richtet. Einschüchterungsversuch der Presse, lautet der Vorwurf von Politikern, Journalisten, Aktivisten.

Auch Fachjuristen reiben sich verwundert die Augen: «Nach einer ersten Durchsicht ist nicht ganz nachvollziehbar, wie die veröffentlichten Dokumente den Tatbestand (des Landesverrats) erfüllen sollen», sagt etwa Strafrechtler Sascha Kuhn bei der Kanzlei Simmons & Simmons. Anders wäre das etwa, wenn es sich um geheime Baupläne für Raketen handelte. Selbst Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bezweifelt, dass es sich überhaupt um Landesverrat handelt.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte beim Landeskriminalamt Berlin wegen der Durchstechereien Anfang Juli selbst Anzeige gegen «Unbekannt» erstattet - offenbar um potenzielle Informanten abschrecken. Journalisten wären also nicht zwingend im Fokus der Strafermittler gewesen, und bisher haben diese sich angesichts der im Grundgesetz garantierten und vom Bundesverfassungsgericht häufig gestärkten Pressefreiheit in ähnlich anmutenden Fällen auch zurück gehalten. Zu tief saßen die Erfahrungen der «Spiegel»-Affäre 1962, der einer der größten Politskandale in der Geschichte der Bundesrepublik war.

Doch hier leitete die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen - offenbar auch wegen den kurzen Verjährungsfristen im Presserecht - schnell ein. So ein engagiertes Vorgehen, das hat die Öffentlichkeit bei Bekanntwerden der Ausforschungen durch die NSA 2013 vermisst: Erst prüfte die Bundesanwaltschaft monatelang. Dann schließlich leitete Range im Juni vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen der Ausforschung des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein, aber keines wegen der massenhaften Ausforschung von Bundesbürgern durch den NSA - obwohl ihm Tausende von Anzeigen vorlagen. Die Handy-Ermittlungen wurden im Juni 2015 dann aus Mangel an «gerichtsfesten» Beweisen eingestellt.

Auch nachdem bekannt wurde, dass der BND der NSA über Jahre geholfen haben soll, europäische Unternehmen und Politiker auszuforschen, leitete Ranges Behörde bisher kein Ermittlungsverfahren ein.

Für Kritiker ist das unverständlich. Sie werfen Range vor, nicht juristisch zu handeln. «Nach Jahren der politisch motivierten Untätigkeit lässt er sich jetzt instrumentalisieren, um den größten Angriff auf die Pressefreiheit seit der Spiegel-Affäre zu starten», schimpft etwa Linksfraktionsvize Jan Korte am Freitag.

Den Sturm versuchte Range dann noch am Freitag etwas einzufangen: Er wolle erst mal von «Exekutivmaßnahmen», also etwa Durchsuchungen oder Festnahmen absehen, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» am Freitag. «Bis zum Eingang des Gutachtens wird mit den Ermittlungen innegehalten». Das heißt eigentlich erst einmal nur, dass das Gutachten abgewartet wird.

Ein Ermittlungsverfahren bedeutet zwar nicht automatisch auch eine Anklage. Sollte aber das externe Gutachten die veröffentlichten Dokumente als Bekanntgabe von Staatsgeheimnissen qualifizieren, könnte die Behörde weiter ermitteln. Dann stünden auch Exekutivmaßnahmen im Raum.

Inwieweit Heiko Maas als Chef Ranges bei dessen «Zurückrudern» eine Rolle gespielt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Range sei an Recht und Gesetz gebunden, nahm Maas seinen Chefermittler am Freitag in Schutz. Dennoch habe er Range seine Zweifel mitgeteilt. In der Tat ist der Generalbundesanwalt ein politischer Beamter: Er untersteht den Weisungen des Bundesjustizministeriums und kann kalt gestellt werden. Doch in Gesprächen beteuert Range stets, unbeeinflusst von der Politik zu handeln. Zuletzt sagte er in einem «Spiegel»-Interview dazu: «Ich bin frei in meiner Entscheidungen. Das mögen Sie vielleicht nicht glauben, aber es ist so.»

Fr, 2015-07-31 17:34
Kassel/Berlin (dpa)

Wintershall will bei Ausbau von Gas-Pipeline Nord Stream mitmachen

Nord Stream bringt russisches Gas auf direktem Weg nach Deutschland. Nun soll die Kapazität der Ostsee-Pipeline erweitert werden. Auch die BASF-Tochter Wintershall will bei dem Großprojekt mitmischen.

Kassel/Berlin (dpa) - Deutschlands größter Gasförderer Wintershall will sich dem milliardenschweren Ausbau der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee anschließen. Eine entsprechende Absichtserklärung mit dem russischen Staatsmonopolisten Gazprom sei am Freitag unterzeichnet worden, teilte der Mutterkonzern BASF in Ludwigshafen mit. Wintershall mit Sitz in Kassel hatte bereits in den vergangenen Wochen Interesse an einer Beteiligung signalisiert.

Die Ostsee-Leitung Nord Stream, die Gas auf direktem Weg von Russland durch die Ostsee nach Deutschland und Westeuropa bringt, soll um zwei weitere Rohre ausgebaut werden. Auch die Energiekonzerne Eon, OMV aus Österreich und Shell sitzen bei dem Projekt schon mit im Boot.

«Unter Berücksichtigung der wachsenden Bedürfnisse des vereinigten Europa wird die Erweiterung der Infrastruktur, die die Gasvorkommen in Russland direkt mit den europäischen Märkten verbindet, zur weiteren Erhöhung der Zuverlässigkeit der Versorgung beitragen», sagte Gazprom-Manager Alexander Medwedew laut einer Mitteilung. BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel sprach von einem «wichtigen Infrastrukturprojekt».

Wintershall war bereits am Bau der ersten beiden Rohre von Nord Stream mit 15,5 Prozent beteiligt. Diese Leitungen sind seit Oktober 2012 voll in Betrieb. Das russische Erdgas kommt in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern an und wird von dort aus über Anschlussleitungen weitertransportiert.

Auch die zwei neuen Stränge sollen in Lubmin enden. Während die Stabilität der Gasversorgung auch in Deutschland mit den zusätzlichen Pipelines zunehmen soll, könnte die Ukraine ihren Status als wichtiges Gas-Transitland einbüßen. 2014 stammten bereits 38 Prozent der deutschen Gasimporte aus Russland.

Die BASF-Tochter Wintershall arbeitet seit rund 25 Jahren eng mit dem russischen Energieriesen Gazprom zusammen, unter anderem bei der Erdgasgewinnung in West-Sibirien. Ende 2014 war wegen der politischen Spannungen im Verhältnis zu Russland ein milliardenschweres Tauschgeschäft zwischen BASF und Gazprom geplatzt.

Fr, 2015-07-31 16:58
Berlin (dpa)

Nord Stream und Turkish Stream: Russlands Gas-Routen in den Westen

Berlin (dpa) - Über die beiden Pipelines Nord Stream und Turkish Stream soll ein großer Teil des Erdgasbedarfs im energiehungrigen Westeuropa gedeckt werden. Strang eins der 7,4 Milliarden Euro teuren Ostsee-Leitung Nord Stream ging im November 2011 in Betrieb, seit Oktober 2012 fließt Gas durch die zwei bestehenden Leitungen. Bisher hat die Trasse eine Jahreskapazität von 55 Milliarden Kubikmetern.

Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin ist die 1224 Kilometer lange Pipeline von Wyborg nach Lubmin bei Greifswald strategisch enorm wichtig. Denn mit ihrer Hilfe kann sibirisches Erdgas direkt zu den westeuropäischen Abnehmern gelangen - Transitländer wie die nach Westen strebende Ukraine oder Weißrussland werden so umgangen.

Eine Machbarkeitsstudie zu einem möglichen dritten und vierten Strang hatte das Nord-Stream-Konsortium bereits 2012 angestoßen. Mitte Juni hatte das Mitglied Gazprom - Russland staatlicher Monopolist - als Mehrheitseigner angekündigt, die Erweiterung mit Deutschlands größtem Energiekonzern Eon, der britisch-niederländischen Shell und der österreichischen OMV in Angriff nehmen zu wollen. Der Kasseler Gasförderer Wintershall, der wie Eon stark in Russland engagiert ist, will nach Prüfungen nun auch bei dieser Ausbaustufe dabei sein.

Die südlich um die Ukraine herum verlaufende Pipeline Turkish Stream gilt als Nachfolgeprojekt der früheren South-Stream-Pläne, die infolge der Spannungen mit Moskau in der Ukraine-Krise gescheitert waren. Statt bis nach Bulgarien soll die vom russischen Küstenort Anapa durch das Schwarze Meer und die Türkei geführte Leitung nun bis nach Griechenland weitergebaut werden. Pro Jahr soll die Trasse bis zu 63 Milliarden Kubikmeter schaffen, zunächst sind von 2017 an knapp 15,6 Milliarden Kubikmeter für den Eigenverbrauch der Türkei geplant.

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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