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Fr, 2016-08-26 07:12
Berlin (dpa)

Merkels Entscheidung - Wie eine Nacht das Land verändert Von Kristina Dunz und Kay Nietfeld , dpa

Vor einem Jahr lässt Kanzlerin Merkel in einer Ausnahmesituation Tausende Flüchtlinge ohne große Kontrollen ins Land kommen. Sie bewegt die Welt - doch in Deutschland wachsen die Probleme. «Wir schaffen das», sagt sie bis heute. Ausgang offen.

Berlin (dpa) - Es ist die Nacht vom 4. auf den 5. September 2015, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel eine folgenschwere Entscheidung trifft. In Ungarn wird das Versagen der Europäischen Union (EU) in der Flüchtlingspolitik gerade für alle Welt sichtbar, der rechtsnationale Ministerpräsident Victor Orban verschärft die Lage mit Zäunen und Abschottungsrhetorik. Tausende Flüchtlinge, viele davon aus dem Bürgerkriegsland Syrien, flehen um Hilfe. Erschöpft, verzweifelt, traumatisiert - mit einem Rest an Energie schaffen es manche, zu Fuß auf Autobahnen und Bahngleisen gen Westen zu laufen.

CDU-Chefin Merkel und Österreichs damaliger sozialdemokratischer Kanzler Werner Faymann befürchten Tote. Sie entscheiden, die Menschen unbürokratisch in ihre Länder zu lassen. Was eine Ausnahme sein sollte, entwickelt dann aber eine eigene Dynamik. Merkel sagt: «Wir schaffen das.» Das sagt sie bis heute. Vom «Septembermärchen» 2015 und was daraus geworden ist - nach Berichten aus dem Kanzleramt, der CSU, der Koalition, aus Ungarn, Österreich, Brüssel, den Geheimdiensten, von Helfern und Neuankömmlingen:

DER VORLAUF:

Im Frühjahr ertrinken an einem einzigen Tag fast 1000 Menschen im Mittelmeer, nachdem ihr Boot auf dem Weg von Libyen nach Italien gekentert ist. Die EU-Staats- und Regierungschefs sind noch so mit dem griechischen Schuldendesaster beschäftigt, dass sie sich nicht zeitgleich der nächsten Krise stellen wollen - die viel schlimmer werden wird. Im Sommer verdoppelt sich die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge von Monat zu Monat. Im August sprechen die Behörden von vermutlich 800 000 Flüchtlingen 2015. Entlang der sogenannten Balkanroute drängen immer mehr Menschen nach Westeuropa.

26. AUGUST 2015: Erstmals in ihrer bis dahin zehnjährigen Kanzlerschaft besucht Merkel ein Flüchtlingsheim. Im sächsischen Heidenau. SPD-Chef Sigmar Gabriel war zwei Tage vor ihr da gewesen und hatte rechte Hetzer und Ausländerfeinde als «Pack» beschimpft. Als Merkel aus ihrer schwarzen Limousine steigt, hört sie von der anderen Straßenseite Rufe. Reflexhaft setzt sie zum Winken an. Meistens jubeln Bürger ihr zu, wenn sie die Kanzlerin erkennen. Erst mit Verzögerung versteht Merkel, was gerufen wird: «Volksverräter.» Sie ist irritiert, kann solche Attacken gegen sich jedoch aushalten. Angewidert ist sie aber von Hass und Gewalt gegen Menschen, die alles verloren haben. Das Grauen des Folgetages ahnt sie noch nicht.

27. AUGUST: Österreichs Regierung richtet die Westbalkan-Konferenz aus, die sich um die Beziehungen der Balkanländer, Maßnahmen für einen EU-Beitritt und Migration kümmert. Kanzler Faymann mahnt bei der Eröffnung am Mittag zum Kampf gegen Schlepperbanden: «Wir haben gemeinsam die Pflicht, etwa jene, die an diesem Leid auch noch verdienen, in ihre Schranken zu weisen.» Nur eine Stunde später, es ist kurz nach 13 Uhr, verbreitet sich eine Schreckensnachricht. 40 Autominuten entfernt wurde ein abgestellter Kühllaster mit ungarischem Kennzeichen entdeckt. Seine Fracht: 71 Flüchtlinge - alle tot. Merkel sagt beklommen: «Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen.» Sie sieht den «reichen Kontinent» Europa in der Pflicht, Flüchtlinge zu retten.

Europas Asylpolitik mit dem Dublin-Verfahren hält sie längst für wirklichkeitsfremd. Danach ist derjenige Staat für Asylverfahren zuständig, in dem Flüchtlinge erstmals EU-Boden betreten. Deutschland theoretisch also fast nie. Flüchtlinge, die es dennoch in ein anderes Land schaffen, sollen in ihr Einreiseland an der EU-Außengrenze zurückgebracht werden. In der Praxis funktioniert das schon lange nicht mehr. In Deutschland sind so viele angekommen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Prüfung und Abschiebung nicht mehr hinterherkommt. Die Behörde entscheidet, das Verfahren bei Syrern «zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitestgehend faktisch nicht zu verfolgen». Was als interne Anweisung gedacht ist, gelangt an die Öffentlichkeit und erzeugt Fragen. Also macht das BAMF die Vorgabe am 25. August via Twitter selbst publik. Über soziale Medien verbreitet sich der Tweet bis nach Syrien - was viele als Einladung missverstehen. Merkel korrigiert den Kurs nicht. Syrer schreiben ihr im Internet Liebesbotschaften.

31. AUGUST: An einem herrlichen Sommertag gibt Merkel um 13.30 Uhr ihre traditionelle Jahrespressekonferenz. Sie trägt einen Blazer in kräftigem Rosé. Wie immer ist sie akribisch vorbereitet. Ihre Stimme ist fest, ihre Stimmung gut. Diesmal will sie eine Botschaft verkünden. Das Leid von Flüchtlingen lindern, dem C im Namen ihrer CDU die originäre christliche Bedeutung zumessen - und das Land verändern. Um 13.44 Uhr sagt sie: «Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.» Wir schaffen das, dieser Satz wird ihre Kanzlerschaft prägen. Das ist schon in diesem Moment klar. Nie zuvor hat Merkel so an den Mut und die Herzen der Menschen appelliert. Und selbst so viel Courage und Wärme ausgestrahlt. Zeitgleich winkt Ungarn Flüchtlinge unregistriert gen Westen durch. Die Bundespolizei warnt in diesen Tagen intern, dass Zehntausende Flüchtlinge von Ungarn nach Deutschland wollen.

2. SEPTEMBER: Aylan Kurdi, syrisches Flüchtlingskind, drei Jahre alt, wird am Strand in Bodrum in der Türkei angespült. Tot. Auf der Flucht ertrunken. Sein Bruder und seine Mutter auch. Das Bild des Jungen geht um die Welt. «Es gibt so viele Aylans», klagt einer aus der oberen Etage im Kanzleramt. Sie wissen dort um die Wucht der Bilder. Und werden selbst davon getroffen, von Aylan. Ungarn baut weiter an einem Zaun zu Serbien und lässt Flüchtlinge spüren, wie unerwünscht sie sind. In Budapest sitzen weiterhin Tausende am Bahnhof fest. Die Lage ist angespannt. Sie rufen «Germany». Auf einem Pappschild steht «Mama Merkel help us».

3. SEPTEMBER: Ungarische Behörden locken Flüchtlinge in einen vermeintlich zur Grenze fahrenden Zug. Doch die Polizei stoppt ihn nahe einem Lager. Panik bricht aus. Regierungschef Orban sagt, Ungarn sei ein Land der Christen und wolle keine Muslime. Er spricht von einem «deutschen Problem», weil die Flüchtlinge nicht in Ungarn bleiben, sondern nach Deutschland wollten. Merkel ist gerade in der Schweiz, als sie das hört. Stocksauer lässt sie Orban wissen: «Deutschland tut das, was moralisch und rechtlich geboten ist.» Ungarn nicht, steht zwischen ihren Zeilen. Frankreichs Staatschef François Hollande telefoniert viel mit Merkel. Sie vereinbaren eine Initiative für Flüchtlings-Aufnahmequoten in der EU. Orban will aber gar keine Menschen aufnehmen. Andere EU-Länder wollen es auch nicht.

DIE NACHT DER ENTSCHEIDUNG, 4./5. SEPTEMBER:

08.30 Uhr: Merkel ist zur Besprechung - genannt Morgenlage - im Kanzleramt, bevor sie nach München fliegt. Nicht zur Gedenkfeier zum 100. Geburtstag des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Übervaters Franz Josef Strauß. Sondern zu einer Schule in Buch am Erlbach und einem Unternehmen in Garching. Es gibt Befürchtungen, dass die Situation in Ungarn eskaliert. In einer Runde mit Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) wird der Verdacht geäußert, Orban mache das mit Absicht, um Druck aufzubauen. Ein anderer sagt, dem Law-and-Order-Mann entgleite die Sache.

Vormittags: Viele Hundert Menschen machen sich vom Budapester Ostbahnhof zu Fuß auf in Richtung Österreich. Die Grenze liegt etwa 175 Kilometer entfernt. Am Ende sind es wohl rund 2000 Menschen - Kinder, Frauen, viele junge Männer, aber auch Alte, Verletzte. Sie schleppen sich auf Krücken oder werden im Rollstuhl gefahren. Einer trägt ein Bild von Merkel vor der Brust. Der «Marsch der Hoffnung». Das verbreitet sich auch über Twitter.

Mittags: Vor Journalisten sagt Regierungssprecher Steffen Seibert: «Der Umstand, dass Deutschland syrische Flüchtlinge derzeit nicht nach Ungarn zurückschickt (...), ändert nichts an der rechtlich verbindlichen Pflicht Ungarns, ankommende Flüchtlinge ordnungsgemäß zu registrieren, zu versorgen und die Asylverfahren unter Beachtung der europäischen Standards in Ungarn selbst durchzuführen.»

16.30 Uhr: Merkel ist nach Essen zu einer Veranstaltung der CDU Ruhr zur Oberbürgermeisterwahl gefahren. Sie warnt: «Es kann nicht sein, dass wir oder fünf Länder die ganze Last tragen.» Dort werfen ihr Kritiker noch eine herzlose Flüchtlingspolitik vor. Ein Journalist beobachtet, wie eine Frau der Kanzlerin das Foto mit dem Flüchtlingsjungen Aylan zusteckt.

18.30 Uhr: Merkel ist mit dem Hubschrauber nach Köln geflogen, um auch bei «70 Jahre CDU» dabei zu sein. Sie will die Christdemokraten bei der Ehre packen und erinnert an ihre Parteigründer: «Wenn die den ganzen Tag überlegt hätten, ob sie das nun schaffen, oder ob sie es nicht schaffen, dann wären wir heute nicht da, wo wir heute sind.»

Österreichs Kanzler Faymann versucht, Merkel anzurufen. Er kann sie aber nicht erreichen, weil sie auf der Bühne steht. Er will sie bitten, in einem deutsch-österreichischen Akt der Humanität die Flüchtlinge erstmal einfach einreisen zu lassen. Sie stehen ja schon fast vor seiner Tür. Allein möchte er diesen Schritt nicht wagen und hofft auf die deutsche Amtskollegin.

Nach der CDU-Veranstaltung kommt das Gespräch zustande. Es geht um eine Ausnahmeregelung, alle Augen bei den Formalien zuzudrücken. Keine bürokratischen Hürden, keine großen Kontrollen. Bei den Geheimdiensten läuten die Alarmglocken. Sie fürchten, dass Terroristen ins Land kommen. Später machen sie die Erfahrung, dass sich Mörder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchaus gern registrieren lassen wollen, um die Flüchtlinge zu diskreditieren.

Gegen 20.30 Uhr: Merkel berät sich mit Altmaier, der auf dem Weg ins französische Evian zu einer Veranstaltung ist. Sie erwischt ihn am Genfer Flughafen. Informiert werden noch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), der mit hohem Fieber daniederliegt, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der gerade mit seinen EU-Amtskollegen in Luxemburg zusammensitzt, und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse.

Gegen 21.00 Uhr: In Budapest tagte gerade der Krisenstab der Regierung. Orbans Staatskanzleichef Janos Lazar verkündet danach, alle gestrandeten Flüchtlinge sollten zur österreichischen Grenze gebracht werden. Nach Recherchen der Wochenzeitung «Die Zeit» hat die ungarische Botschaft in Berlin kurz zuvor an Altmaier gemailt, dass Ungarn die Flüchtlinge nicht mehr registrieren könne und mit Bussen an die Grenze schicken werde, es sei mit vier- bis sechstausend Flüchtlingen zu rechnen. Orban, der sich ansonsten ein Fußballspiel Ungarn gegen Rumänien ansehen will, habe versucht, mit Faymann zu telefonieren. Der habe ihn erst auf den nächsten Morgen vertröstet, dann aber nach 23 Uhr angerufen. Auch das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, das Gespräch habe es wohl gegen Mitternacht gegeben. Merkel spricht mit Orban erst am nächsten Abend.

Ein entscheidender Mitstreiter steht aber an diesem historischen Freitagabend noch auf Merkels Anrufliste: CSU-Chef Horst Seehofer.

Nach 23 Uhr: Merkel wählt die Handy-Nummer des bayerischen Ministerpräsidenten. Er ist, so heißt es hinterher, in seinem Ferienhaus in Schamhaupten im Altmühltal. Aber er geht nicht ran. Altmaier wendet sich an die Amtschefin der Staatskanzlei, Karolina Gernbauer. Sie versucht ebenfalls erfolglos, Seehofer ans Telefon zu bekommen. In Merkels Umfeld versteht man nicht, wie ein Ministerpräsident nicht erreichbar sein kann. Gernbauer zieht nicht das Register, die Polizei zu kontaktieren, damit diese Seehofer rausklingelt. Allerdings heißt es später, Altmaier habe Gernbauer die Brisanz nicht klar gemacht. Schließlich sagt Merkel Faymann zu, ohne den dritten Koalitionspartner, den Chef der Schwesterpartei CSU und Ministerpräsidenten jenes Landes gesprochen zu haben, in dem Stunden später Tausende Flüchtlinge ankommen werden.

00.42 Uhr: Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur: «Die aus Ungarn kommenden Flüchtlinge können nach Österreich und Deutschland einreisen.» Faymann sagte das kurz zuvor Österreichs Nachrichtenagentur APA unter Verweis auf die Abstimmung mit Merkel.

01.20 Uhr: Vize-Regierungssprecher Georg Streiter bestätigt der dpa, dass die Entscheidung nach Gesprächen am Freitagabend gefallen ist. Etwa zeitgleich kommt bereits ein erster Bus mit Flüchtlingen aus dem ungarischen Zsambek nahe Budapest an der österreichischen Grenze an. Die Menschen gehen zu Fuß auf die andere Seite und werden von Österreichern mit Applaus, Willkommensplakaten und Essen begrüßt.

Gegen 8 Uhr: Seehofer meldet sich bei Merkel. Er sagt später der dpa: «Ich habe dann morgens gegen 8 Uhr mit ihr telefoniert und gesagt, dass ich die Entscheidung für einen Fehler halte. Und sie hat geantwortet: Da bin ich jetzt aber betrübt, dass du das so siehst.» Seehofer ist zutiefst getroffen. Für ihn ist das ein Vertrauensbruch. «Ich hätte nie eine solche Entscheidung ohne den Koalitionspartner getroffen. Die Politik des Durchwinkens ist am 4. September autorisiert worden.» Das Verhältnis wird in dieser Nacht zerstört.

09.00 Uhr: Altmaier informiert von Evian aus per Telefonschalte die Chefs der Staatskanzleien der Länder. Die Merkel-Faymann-Vereinbarung lautet: «Aufgrund der heutigen Notlage an der ungarischen Grenze stimmen Österreich und Deutschland in diesem Fall einer Weiterreise der Flüchtlinge in ihre Länder zu, unter Beibehaltung der Dublin-Kriterien bis zum Beschluss eines besseren Systems.» Altmaiers Zuhörer sind verstimmt, dass sie in die Entscheidung nicht einbezogen wurden, nun aber die Menschen versorgen müssen.

Spät am Nachmittag: Seehofer beruft eine Telefonschalte des CSU- Präsidiums ein. Das Gremium kritisiert Merkels Vorgehen als falsche Entscheidung. Mitglieder warnen vor einer «zusätzlichen Sogwirkung».

Abends: Streiter teilt nach dem Merkel-Orban-Telefonat mit, die Aufnahme der Flüchtlinge sei «eine Ausnahme aufgrund der Notlage an der ungarischen Grenze» gewesen. «Wir haben jetzt eine akute Notlage bereinigt.» Im ARD-«Brennpunkt» betont Altmaier noch einmal, dass es sich um eine Ausnahme handele. In München kommen an dem Wochenende etwa 20 000 Menschen an.

DER FORTGANG:

Zwei, die zusammenhalten müssten, haben sich gründlich entzweit: die Chefs der Schwesterparteien CDU und CSU, Merkel und Seehofer. Die Kanzlerin wird in Teilen des Auslands für ihre Geste der Offenheit gefeiert. Viele Behörden jedoch sind überfordert, freiwillige Helfer geraten an ihre Grenzen. Rechtspopulisten - darunter die Alternative für Deutschland - bekommen Zulauf und viele Bürger Angst. Die große Koalition verschärft im Herbst 2015 das Asylrecht.

In der Silvesternacht werden Frauen in mehreren deutschen Städten, am schlimmsten in Köln, von Migranten und Asylbewerbern sexuell belästigt. Ein großer Teil soll aus Nordafrika stammen. Zweifel an Willen und Fähigkeit zur Integration wachsen. Merkels Umfragewerte sinken. Österreich ändert seine Flüchtlingspolitik, im Mai tritt Faymann zurück. In Ansbach und Würzburg verüben Flüchtlinge im Sommer 2016 islamistisch-motivierte Anschläge. 20 Menschen werden verletzt.

27. JULI 2016: In der Berliner Flüchtlingshilfe «Moabit hilft» trifft sich der 20-jährige Saman aus der nordsyrischen Grenzstadt Kamischli mit Freunden. Er ist seit über einem Jahr in Deutschland und träumt von einer Ausbildung. Geflohen ist er, wie er sagt, weil er für das Assad-Regime oder den IS hätte kämpfen, «in jedem Fall Menschen töten müssen». Betreuerin Christiane Beckmann sagt: «Die Flüchtlinge kommen trotz ihrer Erschöpfung mit unglaublich viel Elan hier an.» Sie müssten sofort beschäftigt werden, Deutsch lernen, Arabisch lehren. Aber hier gucken sie erst einmal gegen die Wand.» Die Bürokratie sei eine Last. Ihre Kollegin Diana Henniges ergänzt: «Sie stellen sehr schnell fest, dass «Mama Merkel» eine Vision war.»

Plötzlich sind Saman und seine Freunde aufgeregt. Sie schauen sich auf dem Handy ein Video von einer Bombardierung mit Toten und Verletzten an. Samans Augen zucken. Das Video wurde am Morgen aufgenommen. In Kamischli.

28. JULI 2016: Merkel unterbricht wegen der Anschläge in Bayern ihren Urlaub und zieht ihre für August geplante Sommer-Pressekonferenz vor. Sie nennt die Anschläge eine Verhöhnung Deutschlands und der vielen Helfer sowie der Flüchtlinge. Sie sagt: «Das Ganze stellt uns auf die Probe.» Aber ihre Botschaft bleibt: «Ich bin heute wie damals davon überzeugt, dass wir es schaffen, unserer historischen Aufgabe (...) gerecht zu werden.» CSU-Chef Seehofer sagt dazu: «So wie bisher schaffen wir es nicht.» Den Bruch mit Merkel will er aber nicht.

Fr, 2016-08-26 07:33
Singapur (dpa)

Ölpreise leicht gesunken

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Freitag leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 49,57 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um drei Cent auf 47,30 Dollar.

Jüngste Äußerungen des Energieministers von Saudi-Arabien, Khalid Al-Falih, gaben den Ölpreisen keine klaren Impulse. Der Minister äußerte sich positiv zu einem Einfrieren der Produktionsmenge durch wichtige Förderländer, schloss aber eine Reduzierung der Fördermenge aus.

Ende September will sich das Ölkartell Opec mit anderen Produzenten treffen, um über die Lage am Rohölmarkt zu beraten. Es geht vor allem um die Möglichkeit, mit Förderobergrenzen die Preise zu beeinflussen.

Fr, 2016-08-26 06:40
Francisco (dpa)

VW-Vergleichsangebot im Abgas-Skandal kommt bei US-Kunden gut an

San Francisco (dpa) - Volkswagens mit US-Klägern ausgehandelter Milliarden-Vergleich in der Abgasaffäre trifft bei den geschädigten Kunden auf breite Zustimmung. Über 200 000 Dieselbesitzer hätten sich bereits registriert, um das Angebot anzunehmen, teilten Klägeranwälte am Donnerstag (Ortszeit) mit. «Tausende weitere registrieren sich täglich», sagte Elizabeth Cabraser von der Kanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein, die das Komitee der Klägeranwälte leitet.

Der hohe Zuspruch in so kurzer Zeit sei ein starkes Zeichen, dass die außergerichtliche Einigung gelinge, sagte Steve Berman von der Kanzlei Hagens Berman. Seiner Einschätzung nach dürfte mit der bisherigen Zustimmung bereits eine kritische Masse erreicht sein, um den Vergleich zu schließen.

VW hatte sich mit Hunderten Klägern im US-Rechtsstreit um rund 480 000 Dieselwagen, die mit einer Software zur Manipulation von Abgaswerten ausgestattet wurden, auf einen Vergleich von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (13,0 Mrd Euro) geeinigt. Ende Juli hatte das zuständige US-Gericht seine vorläufige Zustimmung dazu gegeben. Entscheidend ist nun, dass die Kunden die Lösung auch akzeptieren.

VW bietet den Dieselbesitzern in den USA je nach Modelltyp und Baujahr zwischen 5100 und 10 000 Dollar pro Fahrzeug als Entschädigung. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. In Deutschland und anderen Ländern sträubt der Konzern sich bislang gegen vergleichbare Angebote zur Wiedergutmachung. Weltweit sind etwa elf Millionen Dieselwagen vom Abgas-Skandal betroffen.

US-Richter Charles Breyer will am 18. Oktober verkünden, ob er dem Milliarden-Vergleich endgültig zustimmt. Vor allem die Frage, wie viele VW-Kunden die Entschädigung annehmen wollen, dürfte ihn interessieren. Um die Umrüstung von weiteren etwa 85 000 größeren Fahrzeugen mit 3,0-Liter-Motoren, die ebenfalls eine verbotene Abgas-Software an Bord haben, ringt VW noch mit den US-Behörden.

Fr, 2016-08-26 07:00
Rodewald (dpa)

Brüder machen weltweit Jagd auf die schönsten Trecker Von Christina Sticht, dpa

Tammo und Jörn Gläser inszenieren Feldhäcksler und Gülletechnik wie großes Kino. Die DVDs der Filmemacher von der Ernte in Niedersachsen, Kanada oder Australien werden in fünf Sprachen übersetzt. Haben Landmaschinen wirklich Sex-Appeal?

Rodewald (dpa) - Sie fotografieren, filmen und lassen eine Kamera-Drohne steigen: Wer Jörn und Tammo Gläser mit ihrer Ausrüstung sieht, könnte denken, dass hier ein Musikvideo entsteht. Die Brüder zücken ihre Kameras allerdings für keinen Popstar, sondern für einen Trecker samt Kurzscheibenegge. «Das ist ein Fendt 939 Vario, vorgestellt erst im letzten Herbst, gebaut im Allgäu», sagt Tammo Gläser (30) mit strahlenden Augen. «Er hat ein komplett neues Grün.» Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jörn ist für den Dreh auf einem Feld in der niedersächsischen Provinz extra aus Augsburg angereist.

Fotos aus Rodewald im Kreis Nienburg stellen sie noch am gleichen Abend auf Facebook ein. Zudem werden ein paar Minuten der fünfstündigen Dreharbeiten auf einer neuen DVD landen. Die jungen Männer haben, inspiriert von ihrer Leidenschaft für Traktoren, Mähdrescher & Co., ein florierendes Unternehmen aufgebaut: Inzwischen reisen sie um die Welt, um Landwirte in den USA, Australien oder Russland bei der Arbeit zu begleiten.

Ihre in der Wedemark bei Hannover produzierten DVDs werden in fünf Sprachen übersetzt und europaweit versandt. Stundenlang sind darauf über Felder rollende gigantische Maschinen zu sehen, Motoren dröhnen, und Staub wirbelt auf. Manches ist mit Musik unterlegt, der Sprecher informiert über Erträge und Struktur der jeweiligen Betriebe. Seine Stimme kann aber auch ausgeschaltet werden, um allein die Bilder zu genießen.

Wer schaut sich so etwas an? «Es sind Stadtmenschen darunter, die auf dem Land aufgewachsen sind», sagt Tammo Gläser. Viele Frauen kauften die DVDs für ihre Männer oder Söhne als Weihnachtsgeschenk. Jörn Gläser zeigt auf seinem Smartphone ein von einem Kunden geschicktes Foto: Kleine Jungs sitzen in einer Scheune auf Spielzeug-Treckern, auf einer Großleinwand flimmert eine Landtechnik-DVD. Genaue Absatzzahlen wollen die Filmemacher aber nicht nennen.

Christoph Götz vom Maschinenbauverband VDMA beobachtet auch auf Berufswahlmessen eine besondere Anziehungskraft der Landmaschinen. «Die High-Tech-Trecker mit GPS werden immer bestaunt. Ich glaube, dass die Symbiose aus Technik und Natur die Faszination ausmacht», sagt Götz. Der Verband habe mit eigenen Filmen aus der Landwirtschaft große Klickzahlen auf Youtube erzielt.

Das Videoportal Youtube ist ein Konkurrent der Gläser-Brüder, die schon 2002 ihre ersten Videokassetten von niedersächsischen Äckern bei Ebay verkauften. Bundesweit gibt es nach Schätzungen über 100 Facebook-Fanseiten von Landtechnik-Liebhabern, die eigene Fotos und Filme hochladen. «Auch sehr aktiv sind die Fotografen auf Instagram», sagt der Student Max Meyer, der die Internetplattform «Agrartechnik im Einsatz» betreibt. Es gebe auch mehrere Anbieter von DVDs.

«Ich finde es beeindruckend, dass es für die Filme überhaupt einen Markt gibt», sagt Bauer Kai Zettel (42), während er mit seinem neuen Traktor im Wert eines Einfamilienhauses seine Runden dreht. Tammo Gläser kniet auf dem Feld, um den Fendt bei der Stoppelbearbeitung von unten in Szene zu setzen. Jörn Gläser hat seine Kamera im Anschlag. Die beiden sehen ein bisschen aus wie Tierfilmer, die in der Savanne auf den Auftritt des Löwen lauern. Zettel kennt die Brüder schon seit über zehn Jahren. Damals kamen sie mit dem Fahrrad, um Fotos zu machen, oder wurden von ihrer Mutter gebracht.

Selbst auf einem Hof aufgewachsen sind die Landtechnik-Fans nicht. Die Ferien verbrachten die Brüder jedoch oft bei einem Onkel auf einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland. Tammo Gläser erinnert sich: «Wenn unsere Eltern uns dann abholten, um nach Gran Canaria zu fliegen, haben wir protestiert.»

Fr, 2016-08-26 06:15
Frankfurt/Main (dpa)

Die Kandidaten für den Stada-Aufsichtsrat

Frankfurt/Main (dpa) - Auf der Hauptversammlung der Stada AG am kommenden Freitag wird eine Kampfabstimmung über die sechs Kapitalvertreter im Aufsichtsrat erwartet. Bis auf den Aufsichtsratschef Martin Abend und seinen Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker sind sämtliche Kandidaten bislang nicht für das Unternehmen tätig. Die Bewerber im Einzelnen:

DIE STADA-RIEGE

Martin Abend (53): Chef des Stada-Aufsichtsrates seit 2009, tritt wieder an, vom Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) abgelehnt. Rechtsanwalt und Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer

Carl Ferdinand Oetker (43): Vizechef des Aufsichtsrates und Vorsitzender des Prüfungsausschusses, tritt wieder an, von AOC abgelehnt. Ökonom, Manager Bankhaus Lampe, Oetker-Familie (Sohn Rudolf August Oetker in 3. Ehe)

Birgit Kudlek (49): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeutin, Wirtschaftswissenschaftlerin und Managerin unter anderem bei Sandoz

Gunnar Riemann (57): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeut, Doktor der Biochemie, Pharma-Manager Bayer, selbstständiger Unternehmensberater

ZWEI KANDIDATEN VON ALLEN UNTERSTÜTZT

Rolf Hoffmann (57): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Philologe, Sportwissenschaftler und Pharma-Manager u.a. bei Amgen und Eli Lilly

Tina Müller (47): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Diplom-Kauffrau und Marketing-Expertin unter anderem bei Henkel, Erfinderin der Opel-Kampagne «Umparken im Kopf»

DIE AOC-RIEGE

Klaus-Joachim Krauth (1961 in Stuttgart geboren): Vorschlag AOC, Luxemburg, Wirtschaftsingenieur, Funktionen als CFO bei der Hexal AG und Verantwortung für Private Equity

Hans-Helmut Fabry (1956 in Bochum geboren): Vorschlag AOC, Unternehmensberater mit Novartis-Vergangenheit, Diplom-Psychologe

Eric Cornut (1957 in Basel geboren): Vorschlag AOC, Jurist und langjähriger ranghoher Novartis-Manager. Soll Nachfolger von Aufsichtsratschef Abend werden

Ursula Schütze-Kreilkamp (1959 in Bonn geboren): Vorschlag AOC, promovierte Humanmedizinerin, doppelte Fachärztin für Gynäkologie und Psychotherapie, Leiterin Personalentwicklung bei der Deutschen Bahn, soll Carl Ferdinand Oetker ersetzen.

EIN AUßENSEITER

Roland Kirchner (58): Aktionär, der sich selbst als Aufsichtsrat vorgeschlagen hat, Wirtschafts-Ingenieur und Diplom-Betriebswirt, zuletzt selbstständiger Solar-Unternehmer

Fr, 2016-08-26 05:30
Reno (dpa)

#election2016 - Alles, was Sie wissen müssen

Clinton hält Trump für Rassisten

Reno (dpa) - Hillary Clinton hat ihren Kontrahenten Donald Trump in die Nähe von Rassisten gerückt. «Ein Mann, der lange Zeit rassistische Diskriminierungen geäußert hat, der düstere Verschwörungstheorien auf der Basis von Berichten in Revolverblättern und den Tiefen des Internets wälzt, sollte niemals unsere Regierung führen oder den Befehl über unser Militär haben», sagte Clinton am Donnerstag auf einer Kundgebung in Reno (Nevada).

Citigroup: Wahl Trumps könnte zu globaler Rezession führen

New York (dpa) - Ein Sieg Donald Trumps bei der Wahl im November könnte nach Ansicht des Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, einen Schock für die globalen Finanzmärkte bedeuten. Ein Trump-Sieg könnte eine globale Rezession ausweiten, erklärte Buiter. Eine größere Unsicherheit und eine angespanntere Gesamtsituation könnten eine signifikante wirtschaftliche Abschwächung sowohl in den USA aber auch weltweit bedeuten. Konsum und Investitionen würden in größerer Unsicherheit abnehmen.

Clinton spricht auf Niveau von Achtklässern - Trump nicht ganz

Washington (dpa) - Wortwahl und Grammatik der US-Präsidentschaftskandidaten erreicht immerhin gutes Schulniveau. Hillary Clinton rede auf dem Niveau von Achtklässern, ermittelte der Blog Quote.com in einer Vergleichsstudie. Damit bewegt sie sich auf einer Ebene mit Rocksängerin Taylor Swift. Ihr Kontrahent Donald Trump erreicht das nicht ganz und spricht auf dem Level von Siebtklässern. Bernie Sanders, inzwischen ausgeschiedener innerparteilicher Kontrahent Clintons, erreichte der Studie zufolge immerhin Neuntklässer-Niveau.

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Fr, 2016-08-26 05:27
Cupertino (dpa)

Mächtige Spionage-Software für iPhones entdeckt

Experten sprechen von der «ausgeklügeltsten Attacke», die sie je auf einem Gerät gesehen haben: Ein Spionage-Programm verschaffte sich dank Software-Schwachstellen weitreichenden Zugang zu iPhones. Ein Rückschlag für Apple, das mit der Sicherheit seiner Geräte wirbt.

Cupertino (dpa) - Eine neu entdeckte Spionage-Software hat sich einen bisher noch nie gesehenen Zugriff auf iPhones und andere Apple-Geräte verschaffen können. Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Programm dank drei bisher unbekannten Software-Schwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen. Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

Es ist beispiellos, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte. Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen wurde und als eine Art Cyberwaffen-Händler gelte.

Aufgeflogen sei das Schadprogramm, als ein bekannter Menschenrechtler aus den Vereinigten Arabischn Emiraten Verdacht bei einer Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen in dem Land geschöpft habe, hieß es. Statt den Link anzuklicken, habe Ahmed Mansur die Sicherheitsforscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen «Pegasus».

«Pegasus ist die ausgeklügeltste Attacke, die wir je auf einem Endgerät gesehen haben», resümierte Lookout. Das Programm profitiere davon, dass mobile Geräte tief in den Alltag integriert seien. Zudem vereinten sie eine Vielzahl an Informationen wie Passwörter, Fotos, E-Mails, Kontaktlisten, GPS-Standortdaten. Die Spionage-Software sei modular aufgebaut und greife zu Verschlüsselung, um nicht entdeckt zu werden. Lookout lässt iPhone-Nutzer inzwischen mit einer App prüfen, ob ihr Gerät befallen wurde.

Das kanadische Citizen Lab fand auch Hinweise darauf, dass ein mexikanischer Journalist und bisher nicht näher bekannte Zielpersonen in Kenia mit Hilfe von «Pegasus» ausgespäht worden seien. Insgesamt blieb jedoch zunächst unklar, wie breit und wie lange sie eingesetzt worden sein könnte.

Ein Sprecher der aus Urherber vermuteten Firma NSO Group erklärte der «New York Times», man verkaufe nur an Regierungsbehörden und halte sich streng an Ausfuhrbestimmungen. Er wollte keine Angaben dazu machen, ob Software des Unternehmens in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Mexiko im Einsatz sei.

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen. Apple betonte, man empfehle den Nutzern immer, die neueste iOS-Version zu nutzen.

Sogenannte «Zero-Day»-Sicherheitslücken, die dem Anbieter einer Software nicht bekannt sind, werden von Geheimdiensten und kriminellen Hackern genutzt. Auch der Computer-Wurm «Stuxnet», der das iranische Atomprogramm sabotierte, griff mehrere solcher Lücken an. «Zero-Day»-Schwachstellen in iPhones werden teuer gehandelt und können auch eine Million Dollar kosten. Dass «Pegasus» gleich drei von ihnen nutzte, ist deshalb relativ ungewöhnlich.

Fr, 2016-08-26 05:45
Oppenau (dpa)

Das große Summen - Besuch bei zwei Profi-Imkern Von Wolf von Dewitz, dpa

Nach Rind und Schwein gilt die Biene als das drittwichtigste Nutztier der Menschen, auch Obstbauern sind angewiesen auf das kleine Insekt. Wie laufen denn die Geschäfte deutscher Profi-Imker? Ein Ortsbesuch.

Oppenau (dpa) - Es summt. Aus fünf Holzkästen in einem Garten im badischen Oppenau fliegen unzählige Bienen heraus, schwirren umher - in einem der Bäume, einem sogenannten Bienenbaum mit schier magischer Anziehungskraft auf die Insekten, ist das Summen besonders laut. Inmitten dieses Spätsommer-Idylls bei strahlend blauem Himmel steht Imkermeister Christoph Koch. «Meine Bienen», sagt der 58-Jährige mit zärtlichem Blick auf die Kästen. Dann verhärtet sich seine Miene. Es laufe nicht gut. «Dieses Jahr war deutlich schlechter als 2015.» Die Perspektiven seien düster, die Probleme gravierend.

Koch zählt laut Bundesverband der Erwerbsimker zu 2400 Menschen, die nach EU-Definition Vollzeit-Imker sind in Deutschland. Nimmt man Freizeit-Bienenfreunde und Nebenerwerbler hinzu, sind es gut 100 000 Imker hierzulande. Die Profis sind also deutlich in der Unterzahl.

Kochs Betrieb liegt in der Ortenau, einer für Bienen besonders günstigen Region in Deutschland: Es ist relativ warm, die Pflanzenvielfalt ist groß. In der zweiten Jahreshälfte bringen viele Imker ihre Bienen in die Ortenau, damit ihre von 50 000 auf 10 000 Insekten geschrumpften Völker gut durch den Winter kommen. «Die Toskana Deutschlands», sagt Lokalpatriot Koch sichtlich stolz.

Doch so schön und bienenfreundlich die Gegend im Schwarzwald auch sein mag, für Imker ist die Ortenau alles andere als ein Paradies. «Es wird immer schwieriger», sagt Koch. «Früher habe ich neben Honig auch Bienen verkauft, heute hingegen bin ich froh, wenn ich den Bestand erhalten kann.» Nach seiner Darstellung liegt das besonders an Pflanzenschutzmitteln, welche den Orientierungssinn der Bienen störten und die Populationen dadurch schädigten.

Das Wetter hat ihm in diesem Jahr übel mitgespielt. Es sei mitunter so feucht gewesen, dass der Honig nicht habe reifen wollen. «So schlimm war es noch nie», sagt Koch. Bei dem Dauerregen vergangener Monate seien die Zufahrtswege zu den Standorten so schlammig gewesen, dass er bisweilen nicht zu den Bienen durchkam. «Ich konnte den Honig nicht holen - die Bienen haben den Honig dann selbst aufgegessen», sagt der Imkermeister kopfschüttelnd. Verglichen mit 2015 habe er Honigeinbußen von etwa der Hälfte gehabt.

Mit seiner schlechten Laune wegen der miesen Ernte ist Koch nicht alleine - der Honigertrag sank in Deutschland verglichen mit 2015 laut Bienen-Fachzentrum Mayen um ein Sechstel auf 31,1 Kilo pro Bienenvolk. Allerdings war 2015 ein gutes Jahr, die Lager der Imker sind daher häufig noch gefüllt. Insgesamt gehe es der Branche nicht schlecht, meinen Experten - wobei die Situation regional sehr unterschiedlich sei.

Koch fährt bis zu 100 Kilometer weit, um an die Standorte für seine 200 Bienenvölker zu kommen. Vor einigen Jahren hatte er noch 450 Völker, damals mit zwei Mitarbeitern. Jetzt ist er allein im Betrieb, nur seine Frau hilft noch etwas aus. «Ich habe das alles etwas zurückgefahren», meint Koch.

700 Kilometer entfernt hat ein anderer Bienenfreund weniger Sorgenfalten. «Es läuft gut», sagt der Berliner Imkermeister Christoph Maaßen. «Wir wachsen stetig und vergrößern den Betrieb.» Die guten Geschäfte lägen auch daran, dass der Honigpreis gestiegen sei. «Früher hat billiger Honig aus Asien den Markt überschwemmt, inzwischen hat selbst China Importbedarf an Qualitätshonig.»

Es gebe zwar Widrigkeiten wie höhere Pestizide in der Landwirtschaft und Befall durch Schädlinge wie die Varroamilben, aber im Großen und Ganzen laufe es gut, sagt Maaßen. Der 27-Jährige gründete vor fünf Jahren in Berlin einen Imkerbetrieb, zunächst mit 100 Völkern, inzwischen sind es 300. In diesem Jahr habe er eine gute Ernte eingefahren. «Das relativ trockene Klima in Ostdeutschland kommt uns zugute - bei uns war es in den vergangenen Jahren im Sommer beständiger als in Süddeutschland.»

Die Nachfrage nach regionalem deutschen Honig steige. Und die Billigimporte aus Brasilien oder Mexiko? Kein Problem, sagt Maaßen. «Das ist wie beim Wein: Ob Tetrapack oder 30-Euro-Flasche, beide Produkte finden ihre Käufer, ohne sich Konkurrenz zu machen.»

Auch der badische Imker Koch bestätigt, dass die Nachfrage nach regionalem Honig hoch sei. Deutschland zählt zu den Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch des süßen Saftes, nur etwa ein Fünftel des Bedarfs an Honig kann durch deutsche Imker gedeckt werden. Würde mehr produziert werden, so könnte wohl mehr abgesetzt werden, meint Koch. «Aber: Wir können nun mal nicht mehr produzieren.»

Seit fast einem halben Jahrhundert hat er Bienenvölker, mit 12 habe er die ersten zwei von seinem Vater geschenkt bekommen. «Mit 17 hatte ich daraus 70 gemacht», berichtet Koch. Wie lange geht es noch weiter für ihn? Allzu positiv blickt er nicht in die Zukunft, der Jahresumsatz seines Betriebs sank in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben von 200 000 Euro auf 100 000 Euro. Denkt er an Aufgabe? Unsinn, sagt er. «Was würde denn dann aus meinen Bienen?»

Fr, 2016-08-26 05:55
Mayen (dpa)

Das gute Geschäft mit Sortenhonigen

Mayen (dpa) - Sortenhonig ist für Imker ein gutes Geschäft - der Preis für Brombeer-, Edelkastanien- oder Weißtannenhonig kann doppelt so hoch sein wie für Mischhonige, etwa Blüten- oder Waldhonige. Imker stellen ihre Bienenstöcke so auf, dass die Insekten zu der gewünschten Pflanzenart in der Nähe fliegen - die Biene ist dabei «blütenstet», sie steuert so lange die gleiche Pflanzenart an, bis deren Bestand abgeerntet ist. Normalerweise fliegt die Biene bis zu einem Kilometer weit.

Damit deutsche Imker Sortenhonig verkaufen können, muss der Pollenanteil der Pflanze je nach Art bei 20 bis 80 Prozent liegen. Manche Pflanzen wie die Rubinie haben nur wenig Pollen - hat man also einen Anteil von 20 Prozent an den Gesamtpollen, liegt der Mengenanteil des zu Honig gewandelten Nektars deutlich höher.

Ausschließlich von Kastanienbäumen oder Brombeerbüschen kommt kein Honig - dies liegt daran, dass einzelne Bienen auch andere Pflanzen ansteuern, damit die Nahrungszufuhr möglichst breit abgesichert und der Fortbestand des Volkes somit sicherer ist.

Etwa 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs kommen übrigens aus dem Ausland. Die wichtigsten Importländer sind Mexio, die Ukraine, China und Argentinien. Innerhalb der EU stammt viel Honig aus Bulgarien, Spanien, Ungarn und Rumänien. Häufig wird der süße Saft aus diesen Ländern gemischt, wodurch der Geschmack und die Konsistenz gleich bleiben. Ausgezeichnet werden muss die Herkunft nicht - daher liest man oft die unbestimmte Bezeichnung «Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern» auf den Gläsern.

Geht doch!

Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Saures für Süßes – ein Pioniergesetz verbietet Naschereien, die Kinder mit Spielzeug locken

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Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Mit einem strengen Gesetz will Chile seine Kinder und Jugendlichen vor ungesunder Nahrung schützen: Seit Anfang Juli dürfen Süßigkeiten mit einer Spielzeug-Beigabe im ganzen Land nicht mehr verkauft werden. Überraschungseier von Ferrero und Kindermenüs von McDonald’s sind jetzt also illegal. Die Neuregelung legt außerdem fest, welche Lebensmittel als gesundheitsschädlich gelten. Alle, die pro 100 Gramm mehr als 400 Milligramm Salz, vier Gramm gesättigter Fettsäuren, 275 Kalorien oder zehn Gramm Zucker enthalten, müssen gut sichtbar mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein. An Schulen dürfen sie nicht verkauft oder beworben werden. Der Grund für das Gesetz: In Chile ist inzwischen jedes dritte Kind unter sechs Jahren übergewichtig. Hersteller und auch einige Kritiker der Süßigkeitenindustrie bezweifeln aber, dass ein Verbot die richtige Maßnahme ist, um eine gesündere Ernährung zu erreichen. Entscheidend sei die konsumierte Menge, eine bessere Aufklärung der Kinder und vor allem gute Vorbilder – zum Beispiel gesünderes Schulessen.

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Konsequent verfolgt San Francisco seine „Zero Waste“- Strategie: Die kalifornische Stadt verbietet ab Juli 2017 Kaffeebecher, Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen aus Styropor. Mit dem Bann dieser  Wegwerfprodukte will sie ihrem Ziel,  bis 2020 müllfrei zu sein, einen großen Schritt näherkommen. Inzwischen machen rund 100 US-Städte gegen Waren aus Schaumkunststoff mobil.

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Gentechnisch modifizierte Organismen dürfen in Russland künftig weder angebaut noch importiert werden. Einzige Ausnahme: Zu Forschungszwecken sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere erlaubt. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6500 Euro. Das beschloss die Staatsduma in dritter und abschließender Lesung.

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Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 900 Plastiktüten zählt das nordafrikanische Land zu den Negativ-Spitzenreitern. Doch seit Juli sind dort Kunststofftüten verboten – mit Ausnahme von Gefrier- und Müllbeuteln. Hierzulande soll eine Anfang Juli eingeführte Gebühr den Verbrauch drosseln.

 

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Konfliktfrei surfen

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Ausgerechnet die USA machen vor, wie man große Firmen an die kurze Leine nimmt – zumindest in punkto Konfliktrohstoffe. Der „Dodd-Frank Act“ verpflichtet börsennotierte Unternehmen, offenzulegen, ob Handys, Laptops oder Autos Mineralien enthalten deren Verkauf Kriege oder bewaffnete Kämpfe in der DR Kongo und deren Nachbarländern finanziert. Dass das seit 2010 geltende Transparenzgesetz für Gold, Tantal, Wolfram und Zinn Wirkung zeigt, belegt nun ein Report des „Enough Project“: Inzwischen gebe es im Kongo mehr als 160 Minen, die als „konfliktfrei“ gelten, ermittelte die US-Organisation. Auch EU-Bürger wollen keine „blutigen“ Produkte. Deshalb verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Rat derzeit über eine Sorgfaltsregelung. Wie verbindlich diese sein wird, ist bislang offen. „Die EU-Regeln dürfen nicht hinter die US-Standards zurückfallen, das wäre ein Armutszeugnis“, sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero. Selbst eine verpflichtende Regelung für Konfliktmineralien könne nur ein erster Schritt sein. Als nächstes müsse der verbindliche Schutz von Menschenrechten und Umwelt auf alle industriellen Bergbauprojekte wie die Förderung von Coltan, Kupfer und Kohle ausgeweitet werden.
ci-romero.de (Rohstoffkampagne)
stop-mad-mining.org

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Seit Jahren leiden die Mailänder unter Staus und schlechter Luft. Nun ergreift die Verwaltung der norditalienischen Metropole eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie will jedem Pendler, der künftig mit dem Rad zur Arbeit fährt, eine Pauschale von 25 Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen. Für das Anreizprogramm stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit. Die Fahrten sollen per App dokumentiert werden.

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Im Mai hat die britische Hauptstadt den größten schwimmenden Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Für 7,3 Millionen Euro wurden in der Themse 23.000 Paneele mit einer Kapazität von 6,3 Megawatt verankert. Der produzierte Strom soll die Wasseraufbereitungsanlagen in und um London versorgen. Der Vorteil der schwimmenden Sonnenkraftwerke: Sie sind leichter und billiger herzustellen als Anlagen an Land, werden durch das fließende Wasser konstant gekühlt und nehmen keinen Platz weg.

Frankreich: Palmöl – teurer durch Steuer
Um den Konsum zu drosseln und so die verheerenden Umweltschäden des Plantagenanbaus zu mindern, will die französische Regierung Palmöl besteuern: Ab 2017 sollen 30 Euro pro Tonne fällig werden, bis 2020 wird sich die Abgabe verdreifachen. In Deutschland ist bislang keine Palmölsteuer geplant. Der „Save Wildlife Conservation Fund“ drängt die Politik hierzulande schon länger zu diesem Schritt. Anders als in Frankreich dürfte sogenanntes „nachhaltiges Palmöl“ allerdings nicht ausgenommen werden, sagt eine Sprecherin der Stiftung, da es dafür noch immer keine verlässlichen Zertifizierungen gebe.
zeropalmoel.de

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Saubere Profite

Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

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Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Fr, 2016-08-26 04:20
Rodewald (dpa)

Zwei Brüder machen Trecker zu Filmstars

Rodewald (dpa) - Die Brüder Tammo und Jörn Gläser machen Trecker, Mähdrescher und Maishäcksler zu Filmstars. Ausgehend von ihrer eigenen Leidenschaft für Landmaschinen haben die jungen Männer aus der Nähe von Hannover ein florierendes Unternehmen aufgebaut. Seit 2001 verkaufen sie zunächst Videokassetten und jetzt DVDs über das Internet. Die Hauptdarsteller sind Maschinen auf Äckern und Feldern in den USA, Australien, Nordirland oder in der niedersächsischen Provinz. «Uns fasziniert, dass die Elektronik in Landmaschinen kein überflüssiger Luxus ist, sondern alles seinen Sinn hat», sagte Jörn Gläser (28) bei Dreharbeiten in Rodewald im Kreis Nienburg. Sein zwei Jahre älterer Bruder Tammo schreibt die Texte zu den Filmen, die in fünf Sprachen übersetzt und europaweit vertrieben werden.

Fr, 2016-08-26 04:57
Berlin (dpa)

Lindner: Bis zu 30 Milliarden an Entlastung der Bürger möglich

Die Einnahmen des Staates und der Sozialkassen steigen seit Jahren kräftig an. Ob der Staatsbürger noch vor der Bundestagswahl 2017 etwas davon zurückbekommt, ist fraglich.

Berlin (dpa) - Der Staat kann die Bürger nach den Worten des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner in den nächsten Jahren mit 20 bis 30 Milliarden Euro entlasten. Lindner sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Entlastung durch Verzicht auf zusätzliche Einnahmen in den nächsten Jahren sei in dieser Größenordnung möglich, ohne dass die «Schwarze Null» und steigende Investitionen gefährdet wären». Er verwies darauf, dass selbst Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Entlastung von zwölf Milliarden Euro für möglich hält.

Schäuble will bis 2020 eine «Schwarze Null» halten, also ohne neue Schulden auskommen. Ausgaben und Einnahmen werden in dem Fall ausgeglichen gestaltet - mit Tendenz zum Haushaltsplus. Schäuble hatte angedeutet, dass die Steuerzahler künftig nicht stärker belastet werden sollen und die sogenannte Steuerquote ungefähr auf dem heutigen Niveau von 22 Prozent gehalten werden solle. Die Steuerquote setzt die Steuereinnahmen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Rückgang der Quote um 0,1 Prozentpunkte macht derzeit etwa drei Milliarden Euro pro Jahr aus. Über eine Legislaturperiode sind das 12 Milliarden Euro.

Nach den Vorstellungen Lindners sollten die Bürger aber nicht, wie Schäuble das wohl sieht, erst nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 entlastet werden, sondern noch in dieser Legislaturperiode. Nach der Wahl könnten die Überlegungen im Sande verlaufen, befürchtet Lindner. «Wenn in diesen Zeiten Sozialabgaben steigen und über Steuerentlastungen nur im Konjunktiv nachgedacht wird, dann stimmt etwas nicht.»

Lindner kritisierte: «Unser Land entwickelt sich zu einer Kleptokratie (Gesellschaft mit krankhaftem Drang zum Stehlen), weil der Staat sich durch den niedrigen Zins und die steigenden Sozialabgaben und die enorm steigenden Staatseinnahmen bereichert zulasten der Menschen.» Andererseits verzichte die Politik keineswegs auf Prestigeobjekte - etwa die Kaufprämie auf Elektroautos. «Aber für die private Vorsorge, das persönliche Vorankommen der Menschen, da gibt's überhaupt gar kein Gefühl mehr dafür.»

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte: «Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen und das Handwerk befürworte ich, aber dringend mit höheren Belastungen der großen Einkommen und Vermögen.»

Fr, 2016-08-26 05:00
Honolulu (dpa)

«Planet am Scheideweg»: Mehr Schutz für Meere und Elefanten Von Andrea Barthélémy, dpa

Tausende Naturschützer aus aller Welt treffen sich Anfang September auf Hawaii - Kräfte bündeln, um bedrohte Lebensräume zu erhalten, lautet ihr Motto.

Honolulu (dpa) - Der jüngste Fall ist erst wenige Tage alt: Versteckt zwischen Getreideflocken entdecken Zollbeamte am Flughafen in Kuala Lumpur 111 Kilogramm Elfenbein. Herkunftsort der Maschine ist Uganda. Mehr als 1100 Kilogramm afrikanisches Elfenbein haben die malaysischen Zollbehörden nach ihren Angaben insgesamt seit 2015 gefunden. Meist sind die geschmuggelten Stoßzähne, deren Verkauf durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) verboten ist, für China oder Thailand gedacht. Dort steigt mit wachsender Wirtschaftskraft die Nachfrage nach Elfenbein oder Rhinozeros-Hörnern, denen, zu Pulver zerstoßen, heilende Kräfte nachgesagt werden.

Kurz vor der nächsten Cites-Artenschutzkonferenz in Johannesburg wollen Naturschützer auf dem Weltnaturschutzkongress Anfang September auf Hawaii deshalb schon einmal wichtige Pflöcke einschlagen: Zum effektiveren Schutz afrikanischer Elefanten und Nashörner, aber auch für eine nachhaltige Nutzung der Meere, für mehr sanften Öko-Tourismus und den Erhalt der von Rodung bedrohten Urwälder.

Ein immens weites Themenspektrum steht also an für die etwa 6000 Teilnehmer, die sich, entsandt von Hunderten nationalen Umweltorganisationen, vom 1. bis 10. September in Honolulu treffen - darunter auch rund 170 Regierungsvertreter. Und für den erstmals in den USA veranstalteten Kongress der Weltnaturschutzunion (IUCN) hätte man kaum einen Ort finden können, der die Natur in all ihrer Pracht üppiger und farbenfroher feiert.

Doch die Probleme drängen: «Planet am Scheideweg» (Planet at the crossroads) lautet das Motto des Kongresses. «Kein IUCN Kongress zuvor hat an einem so entscheidenden Punkt in der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt gestanden», betont IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen auch mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels.

Eine Vielzahl von Forderungen und Vorlagen für politische Entscheider sollen deshalb in Honolulu erarbeitet werden: Von der strengeren Ahndung des Elfenbeinschmuggels über umweltbewusstere Palmöl-Produktion bis hin zur Aufnahme weiterer Tierarten auf die Rote Liste der gefährdeten Spezies. Schuppentiere, Haie und Rochen sollten demnach künftig noch mehr Schutz erhalten, so der derzeitige Entwurf.

Aus Sicht des Naturschutzbundes Deutschland muss der Kongress deutlich machen, dass es mit dem Artenschutz immer noch zu langsam vorangeht. «Dabei geht es nicht nur um einzelne Arten, sondern vor allem auch um den Erhalt von natürlichen Lebensräumen und Ökosystemen», sagt Nabu-Sprecherin Kathrin Klinkusch.

Will Gartshore vom WWF ergänzt: «Auf dem Kongress wollen wir die Hauptprobleme angehen, inklusive der Finanzierung, der Ausweisung großflächiger Schutzgebiete, des Kampfs gegen Wildtier-Handel und der Vorbereitung von Kommunen auf die künftigen Auswirkungen des Klimawandels.» Naturschützer, Regierungen und der private Sektor müssten dabei eng zusammenarbeiten.

Denn dass Klimawandel und menschliche Sorglosigkeit unserem Planeten einen Stempel aufdrücken, zeigt sich auch auf dem so paradiesisch anmutenden Hawaii, dessen Bewohner sich bereits an einen steigenden Meeresspiegel anpassen. Außerdem bringen bestimmte Chemikalien aus den Sonnencremes der Badegäste die heimischen Korallenriffe in Gefahr - eine eigene Arbeitsgruppe soll auf der Konferenz Lösungen hierfür aufzeigen.

À la Saison

Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

(Malus domestica)

Ohne ihn säßen wir noch im Paradies. Doch wir sollten Eva nicht gram sein. Den Apfel durften wir beim Auszug ja mitnehmen. Und der schmeckt einfach paradiesisch.

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Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

Beginnen wir ausnahmsweise bei Adam, Eva und dem Baum der Erkenntnis. Dass dieser ein Apfelbaum gewesen sein soll, steht in der Bibel nirgends. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der aus dem Wort „Frucht“ im Lauf der Jahrtausende „Apfel“ wurde, zeigt, dass dieser die Frucht schlechthin ist. Es gibt kein wichtigeres Kulturobst. Vom goldenen Zankapfel in Homers Ilias bis zum Reichsapfel als Emblem kaiserlicher Macht, von Martin Luthers Versprechen, im Angesicht des Weltuntergangs ein Apfelbäumchen zu pflanzen bis zu Schneewittchens Biss in ein vergiftetes Exemplar, von Wilhelm Tells Armbrustakrobatik bis zu Isaac Newtons von Fallobst inspiriertem Schwerkraft-gesetz, von René Magrittes Granny Smiths bis zu den Apple Records der Beatles und schließlich zum globalen Siegeszug als Firmenlogo einer kalifornischen Computermarke – ist die abendländische Geschichte ein gewaltiger Apfelstrudel. Unmöglich, sie ganz zu erzählen.

Dabei ist die Paradiesfrucht noch weit älter als das Alte Testament. Lange ging man davon aus, dass die ersten Äpfel um 3000 vor Christus im Baltikum wuchsen. Mithilfe von DNA-Analysen fanden Oxford-Forscher vor zehn Jahren jedoch heraus, dass Malus domestica seinen Ursprung wohl in Zentralasien hat. Sie fanden seinen Vorfahren, den Asiatischen Wildapfel, an den Hängen des Tienschan im Norden Chinas. Vielleicht schmecken Äpfel aus kühlerem Klima deshalb so gut.

Schon die Germanen machten daraus Mus und Met. Wie die Frucht nach Europa gekommen war, ist unklar. Der Ruf eines wundervollen Heilmittels eilte ihr voraus. Das englische Sprichwort An apple a day keeps the doctor away ist so berühmt, dass es sogar jenseits der anglophonen Welt oft unübersetzt zur Anwendung kommt. In vielen Fällen notgedrungen – wie Max Goldt einst mit dem Versuch deutlich machte, die Sentenz ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat „Ein Apfel am Tag und der Arzt fährt nach Prag“ entschuldigte er mit der Bemerkung, es sei erstaunlich, wie wenige Wörter sich auf Tag reimten. Immerhin erlaube das dem Mediziner eine sicher wohlverdiente Städtereise. Experten sagen übrigens, dass ein Apfel am Tag zwar keine Garantie ist, den Arzt dauerhaft an die Moldau zu verabschieden. Doch die Chancen stehen nicht schlecht –
so viel Gutes enthält die Frucht, vor allem Pektin, Vitamin C und Flavonoide.

Der wichtigste Grund für die Aura des Apfels, der schon Eva verfiel, ist natürlich sein Geschmack. Er hat eine aromatische Bandbreite von Zitronen- über Erdbeer- bis hin zu Walnussnoten. Abseits der fünf, sechs globalen Handelsmarken sorgen alte würzige Varietäten für Küchenglück. Interessanter als in Klassikern mit Kuchenteig, Zimt und Nelken verhält der Apfel sich zu den erdigen Komponenten von Wildbret, Blutwurst oder Roter Bete. Apfelsoße kontrastiert auf der Zunge perfekt zum Fett gegrillter Makrele. Und was wären Kohlsalat oder Rotkohl ohne die süße Säure? Zu Hartkäse mit roher Zwiebel passt das Kernobst ebenso wie zu Nüssen und dunklen Beeren. Unschlagbar ist es in Kombination mit Beifuß als Füllung der Weihnachtsgans.

Aber noch ist Sommer, die Ernte beginnt gerade erst. Bis der letzte Cox gepflückt ist, vergehen noch Monate. Die Frucht schlechtin ist – streng botanisch gesehen – übrigens eine Scheinfrucht! Niemand entlarvt das Blendwerk eleganter als die 2004 in Leipzig gegründete Satire-Organisation Front Deutscher Äpfel. Die FDÄ parodiert rechtsextreme Parteien und spielte mit der Wahl ihres Namens auf den damaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel an. Die Künstler und Aktivisten agitieren gegen eine Überfremdung des deutschen Obstbestands und fordern: „Südfrüchte raus!“ Jemand sollte ihnen sagen, dass auch der Apfel ein Ausländer ist. 

Frisch vom Baum gibt's Äpfel ab Septemberl

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Himmlische Himbeere

(Rubus idaeus)

Was haben glühende RAF-Terroristinnen und eiskalte Banker gemeinsam? Sie machen zu oft Ferien im Himbeerreich. Da wollen Sie auch hin? Ein Wegweiser.

 

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Himmlische Himbeere

Schokolade, Zigaretten, Marshmallows – für diese Schätze aus dem „Himbeerreich“ bedankt sich Gudrun Ensslin 1968 per Gefängnispost bei ihrem Verlobten und bestellt noch eine luxuriöse Feuchtigkeitscreme hinterher. Die üppige BRD-Warenwelt versüßt der Pfarrerstochter, die kurz darauf die RAF mitgründen wird, ihr Zellenleben. Das Dialektische daran ist Ensslins Haftgrund: Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. „Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten“, sinniert 2013 der Chauffeur Hans Helmut Hinz. Er meint aber keine konsumaffinen Linksterroristinnen, sondern bonusgetriebene Bankvorstände, deren Limousinen er durch die Finanzkrise kutschiert. Hinz ist eine Figur aus dem Theaterstück „Das Himbeerreich“. Dessen Autor Andres Veiel will uns ausdrücklich nicht sagen, dass Banker Terroristen sind. Aber eines wissen sie wohl so gut wie Bombenleger (und wir alle): Wo Himbeeren wachsen, wartet das Paradies.

Rubingleich funkeln die fragilen Früchte am stacheligen Strauch. Sie duften betörend, netzen die Fingerspitzen purpurn wie Theaterblut und zergehen sonnenwarm auf der Zunge – seit Jahrtausenden. Samenfunde in Steinzeitsiedlungen belegen, dass es sich um eine der ältesten Naschereien der Welt handelt. Die Himbeere ist echt „paläo“. Kultiviert wurde sie schon im alten Rom, wo sie als Heilpflanze auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche helfen sollte. Der Erfolg ist fraglich. Gesund ist die Himbeere aber durchaus. Sie enthält enorme Mengen Vitamin C, viel Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem und wirkt entgiftend sowie entzündungshemmend.

Die Römer nannten die Beere, die eigentlich eine Sammelsteinfrucht ist, Rubus idaeus – nach der Nymphe Ida. Einst soll die Tochter des kretischen Königs ein weinendes Kind in den Bergen gefunden haben, den jungen Göttervater Jupiter. Als sie ihm eine Himbeere pflückte, stach sie sich an den Dornen. Blut tropfte auf die ehedem weißen Früchte und färbte sie rot. Toll, diese antiken Sagen. Diese aber hat der französische Arzt Henri Leclerc 1925 für sein Buch „Les fruits de France“ dreist erfunden. Es ist auch eher öde, dass wohl der türkische Berg Ida Namenspate des Obstes war. Und „Himbeere“ kommt vom althochdeutschen Wort hintperi – Beere der Hirschkuh, vielleicht weil sie sich in lichten Wäldern so wohlfühlt.

In der Küche ist diese Frucht ein Naturtalent: Sie ist vollkommen, so wie sie ist. Ein paar gute Begleiter gibt es aber doch. Alles Cremige unterstreicht ihren Wohlgeschmack, Ziegenkäse steht im würzigen Kontrast dazu. Mit Pfirsich (Melba!), Mandel und Rosenwasser verträgt sie sich schwesterlich. Immerhin stammen sie alle aus der Großfamilie der Rosengewächse. Haselnüsse stehen ihr – traditionell in Linzertorte – ebenfalls gut. Auch dunkle Schokolade, Minze und – ja – Zucker, etwa in Marmelade, kann sie aushalten. Die Kerne mögen stören, sorgen aber auch für feine Holznoten. Nicht zuletzt harmoniert das berauschende Aroma reifer Himbeeren ausgezeichnet mit Alkohol, in Sekt etwa oder köstlichem Himbeergeist.

Es gibt auch schwarze, weiße, rosa und gelbe Sorten. Sobald Himbeeren zu sehr glänzen, ist aber Vorsicht geboten. Etwa in Hollywood. Seit 1981 verleihen Cineasten am Vorabend der Oscars den Antipreis „Goldene Himbeere“. Der Name der Plastiktrophäe spielt auf die Redewendung to blow a raspberry an: laut losprusten. Die so geehrten Schauspieler erscheinen selten persönlich. Im Jahr 2005 stellte sich Halle Berry aka Catwoman der Schmach und sprach die wahren Worte: „Wer kein guter Verlierer ist, kann kein guter Gewinner sein.“ So golden munden Niederlagen nur mit Himbeere. Liebe Banker, es ist nie zu spät, die eigene Leistung infrage zu stellen. Möge der Sommer himbeerreich sein.

Frisch vom Feld gibt's Himbeeren ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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Sagenhafter Spinat

„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2016-08-26 05:00
Berlin (dpa)

Besuchsverbot in Incirlik: Oppermann setzt Türkei Frist bis Oktober

Berlin (dpa) - Im Streit um das Verbot für Bundestagsabgeordnete, deutsche Soldaten im Nato-Stützpunkt Incirlik zu besuchen, hat SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann der Türkei eine Frist gesetzt. «Wenn bis Oktober keine deutschen Abgeordneten nach Incirlik fahren können, empfehle ich, das Mandat nicht zu verlängern, sondern auslaufen zu lassen», sagte Oppermann den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitag).

Deutsche «Tornado»-Jets fliegen von Incirlik aus Aufklärungsmissionen und unterstützen so den internationalen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Das Bundestagsmandat für den Anti-Terror-Einsatz läuft Ende des Jahres aus. Weil die Türkei Besuche deutscher Abgeordneter aus Verärgerung über die im Juni beschlossene Armenier-Resolution ablehnt, mehren sich im Parlament die Stimmen, die Soldaten abzuziehen. Nach «Spiegel»-Informationen prüft die Bundeswehr bereits alternative Standorte.

CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn kritisierte die Haltung der SPD. «Die Debatte über Abzug oder Verlegung steht jetzt nicht an», sagte Hahn der «Passauer Neuen Presse» (PNN/Freitag). «Wir sollten der Türkei jetzt noch Zeit geben, ihren Standpunkt zu überdenken.»

Aus Sicht des früheren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Harald Kujat, gehört die gesamte deutsche Beteiligung am Kampf gegen den IS auf den Prüfstand. «Der Einmarsch der türkischen Truppen in Nordsyrien in den vergangenen Tagen hat zu einer sehr komplizierten und gefährlichen Lage geführt», sagte er der «PNN». «Man muss sorgfältig abwägen, ob der außen- und sicherheitspolitische Ertrag das militärische Engagement rechtfertigt.» Kujat: «Ich bezweifele, dass wir in dieser Gemengelage mit den Aufklärungsflugzeugen noch viel zum Kampf gegen den IS beitragen können.»

Fr, 2016-08-26 05:00
Warschau (dpa)

Polens Außenminister Waszczykowski: Mehr Dialog mit Berlin und Paris Interview: Natalie Skrzypczak, dpa

Polen wünscht sich mehr Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich. Dem Dialogforum der drei Länder - dem Weimarer Dreieck - fehle es seit Jahren an Ideen, sagt Außenminister Waszczykowski. Diese will er nun liefern.

Warschau (dpa) - Vor 25 Jahren haben Deutschland, Frankreich und Polen das Weimarer Dreieck als Gesprächsforum gegründet. Die Jubiläumsfeier am Sonntag in Weimar sieht Polens Außenminister Witold Waszczykowski als Chance, der Zusammenarbeit der drei Länder neue Impulse zu geben. Im einem Interview der Deutschen Presse-Agentur fordert er die Bundesregierung auf, ihrer Verantwortung in Europa besser gerecht zu werden.

Frage: Sie haben im April gesagt, dass Sie das «Weimarer Dreieck» als Dialogforum für erschöpft halten. Wird das Treffen zum 25-jährigen Bestehen des Formats eine Abschiedsfeier?

Antwort: Wenn Sie fragen, ob das Dreieck sich erschöpft hat, können wir sagen, dass sich ein gewisser Aspekt seiner Funktion - als Dialogforum - erfüllt hat, weil es uns zur EU und in die Nato geführt hat. Ich möchte aber auch daran erinnern, was ich bereits im April betont habe, dass wir eine neue Etappe bei seiner Funktion brauchen. Leider kam in den letzten Jahren aus keiner der drei Hauptstädte eine Idee, wie wir unsere Zusammenarbeit in dem Format wirksam nutzen können, vor allem jetzt, da wir in EU und Nato sind. Ich hoffe, dass wir während des Treffens mit den Kollegen aus Frankreich und Deutschland darüber reden können, wie man den Dialog und die Zusammenarbeit des Dreiecks im Rahmen der Institutionen, in denen wir sind, wiederherstellen kann: Nato und EU.

Ich zähle darauf, dass es noch dieses Jahr nach fast fünfjähriger Pause, ein Gipfeltreffen des Weimarer Dreiecks mit den Präsidenten Polens und Frankreichs und der deutschen Kanzlerin geben wird. Das wäre nicht nur die symbolische Krönung des 25. Jubiläums des Dreiecks, sondern auch ein wichtiges Zeichen dafür, dass es eine wichtige Plattform der dreiseitigen Zusammenarbeit bleibt.

Frage: Das Jubiläumstreffen soll das Format also wiederbeleben?

Antwort: Ich hoffe, dass das Treffen in Weimar so einen neuen Impuls geben wird. Wir denken, dass das Dreieck gebraucht wird. An dem Dialog nehmen drei wichtige Länder teil, die nicht nur in ihren Regionen wichtige Positionen einnehmen: Deutschland, die größte Wirtschaft Europas, Frankreich, Atom-Großmacht und gleichzeitig sehr an der Situation in Südeuropa und Nordafrika interessiert, Polen wiederum ist das größte Land in Mittel- und Osteuropa. Von daher könnten sich unsere drei Perspektiven auf Europa und die umliegenden Regionen ergänzen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam im Rahmen des Dreiecks Vorschläge ausarbeiten könnten, die dann der EU und der Nato vorgelegt werden. Für uns ist es ein Instrument, das auch einen wichtigen Motor bei der Vorstellung neuer Initiativen darstellen kann. Dazu müssen wir das Format unserer bisherigen Zusammenarbeit aber neuen Bedingungen anpassen.

Frage: Können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?

Antwort: Während unseres Treffens am Sonntag will ich meinen Gesprächspartnern Vorschläge zur zukünftigen Zusammenarbeit im Rahmen des Dreiecks machen - sie reichen von regelmäßigen Konsultation vor dem Europarat oder dem Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen (ECFR) bis hin zu gemeinsamen Besuchen der Außenminister in Drittländern sowie dreiseitigen Projekten in Entwicklungs- und humanitärer Hilfe. In dem Kontext könnte das Dreieck auch eine wertvolle Ergänzung für das sogenannte Normandie-Format sein. Damit das Dreieck ein effektives und aktives Forum sein kann, ist auch die Berufung von Koordinatoren der Weimarer Zusammenarbeit in den Außenministerien der drei Länder erforderlich. Ihre Aufgabe wäre es, unsere Zusammenarbeit in ihrer Gesamtheit zu koordinieren. Ich hoffe auf eine positive Reaktion meiner Kollegen.

Frage: Ihr Vorgänger Radek Sikorski hat vor fünf Jahren eine deutsche Führungsrolle in Europa gefordert. «Deutsche Macht fürchte ich heute weniger als deutsche Untätigkeit», sagte er damals. Würden Sie sich diesen Satz zu eigen machen?

Antwort: Vor einigen Jahren habe ich ähnlich gesprochen. Wir sind an einer wesentlichen Rolle Deutschlands in Europa und der EU interessiert, weil das deutsche Potenzial so groß ist, dass dem Land eine wichtige Rolle gebührt. Aber es hängt von Deutschland ab, wie es diese ausfüllen wird. Ob es ausschließlich im eigenen nationalen Interesse handelt oder auch Interessen anderer Länder berücksichtigt. Das ist die große Verantwortung Deutschlands. Leider entziehen sich die Deutschen dieser in vielen Fällen. Oft sehen wir die Absicht, ausschließlich das eigene Ziel zu verfolgen. Natürlich hat dazu jedes Land das Recht, aber manchmal würden wir in bestimmten Angelegenheiten eine gewisse Kompromissbereitschaft erwarten.

Frage: In welchen Situationen war Deutschland zuletzt egoistisch?

Antwort: Wir haben in den letzten Monaten über das Interesse an der Sicherheit der Nato-Ostflanke gesprochen. Aus Deutschland gab Verständnis aber auch Zweifel an der Stärkung der Ostflanke. Ich erinnere an eine Aussage von Außenminister Frank Walter Steinmeier, der die Anakonda-Übung in Polen infrage stellte - ob die Übung von Verteidigungsmanövern auf dem Gebiet der Ostflanke notwendig sei.

Ich erinnere an zweifelnde Stimmen bezüglich der Zusammenarbeit in der Energiewirtschaft. Da muss der Bau von Nordstream I oder Nordstream II erwähnt werden - Investitionen, die nicht auf wirtschaftlichen Kalkulationen basieren, sondern politisch motiviert sind. So etwas schadet der europäischen Solidarität. Und schließlich die Beziehungen zu Russland: Ist es wert, diese auf Kosten der Beziehungen zu Polen auszubauen? Nur sehr wenigen Deutschen ist bewusst, dass die wirtschaftlichen Bande zwischen Deutschland und Polen größer sind als zwischen Deutschland und Russland. Unsere Umsätze belaufen sich auf fast 100 Milliarden Euro. Das sind reale Mittel. Man sollte diese Beziehungen pflegen und weiterentwickeln.

Frage: In der Flüchtlingsfrage ist Deutschland im vergangenen Jahr alleine vorgeprescht. Würden Sie sagen, dass Angela Merkel mit Ihrer Flüchtlingspolitik gescheitert ist?

Antwort: Das muss Deutschland beurteilen. Ich dagegen denke, dass die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten vor allem in Bezug auf die Sicherheit des eigenen Landes, des Arbeitsmarktes und der Sozialpolitik bestimmt werden muss. Nicht alle in Europa können sich so eine Politik, wie Deutschland sie vorschlägt, leisten. Viele Länder, darunter auch Polen, haben sehr begrenzte Kapazitäten und Möglichkeiten.

Was in dem Zusammenhang euphemistisch «Umverteilung» genannt wird und wir als «Zwangsumsiedlung» bezeichnen, kann bei uns nicht akzeptiert werden. Wir haben als Land, als Nation schlechte Erfahrung mit dem Begriff der Umsiedelung. Wir wurden in der Vergangenheit umgesiedelt, ausgesiedelt mitunter nach Sibirien, unter Druck von Besatzern mussten wir oft auswandern. Wir können jetzt nicht anderen Nationen, die vor dem Krieg fliehend nach Europa gekommen sind, eine Zwangsumsiedlung nach Polen bescheren. Aus ideologischen und historischen Gründen ist das für uns nicht vertretbar. Polen darf nicht als Land gelten, das Zwangsumsiedlungen durchführt.

Frage: Ist es richtig, dass Deutschland bei der Abschreckung Russlands innerhalb der Nato eine der führenden Rollen einnimmt?

Antwort: Wir finden, dass Deutschland eine aktivere Rolle bei der Verteidigung der Nato-Staaten, vor allem der Ostflanke, einnehmen sollte. Es ist gut, dass Deutschland sich dazu entschieden hat, weil es ein Symbol der Solidarität unter Verbündeten ist. In puncto Sicherheit freue ich mich, dass wir dank Einsatz polnischer Diplomatie während des letzten Nato-Gipfels in Warschau Beschlüsse treffen konnten, die die Sicherheit unserer Region und damit des ganzen Bündnisses stärken. Das ist umso wichtiger, wenn man die Ereignisse in der Ostukraine und die Handlungen Russlands betrachtet.

Frage: Kann Deutschland noch mehr tun?

Antwort: Wir finden, dass nicht nur die Nato eigene Verteidigungskräfte haben sollte. Als Ergänzung zur Nato sollte die EU gewisse Anstrengungen vornehmen. Auch hier sollte Deutschland eine wesentliche Rolle einnehmen. Aber wir sehen derzeit keine Vorschläge von deutscher Seite. Deswegen stimmt uns die Entscheidung Deutschlands, bei der Aufrüstung der Nato-Ostflanke die Truppen in Litauen anzuführen, zufrieden.

ZUR PERSON: Witold Waszczykowski (59) übernahm mit Antritt von Polens nationalkonservativer PiS-Regierung im November 2015 das Amt des Außenministers. Der studierte Historiker und Diplomat war bereits Botschafter in Teheran, Polens Vertreter bei der Nato in Brüssel und Vize-Außenminister (2008-2010) unter Präsident Lech Kaczynski.

Fr, 2016-08-26 04:00
Teheran/Washington (dpa)

Iran und USA streiten über Zwischenfälle mit Kriegsschiffen

Die frostigen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind gerade leicht angetaut - da raucht es schon wieder. US-Marinesoldaten feuerten Warnschüsse in Richtung iranischer Kriegsschiffe ab. Keine große Aktion - aber unnötige Spannungen.

Teheran/Washington (dpa) - Das Aufeinandertreffen von Kriegsschiffen der USA und des Iran in der Straße von Hormus droht das Verhältnis zwischen beiden Ländern erneut zu belasten. Ein Pentagon-Sprecher bestätigte am Donnerstag (Ortszeit) in Washington, das von einem US-Schiff drei Warnschüsse abgefeuert wurden, als sich iranische Schiffe «in unsicherer und nicht professioneller Weise» näherten. Die US-Schiffe hätten sich in internationalen Gewässern befunden. Die Situationen seien jeweils durch das Verhalten der US-Marinesoldaten deeskaliert worden.

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums bezeichnete das Verhalten der iranischen Bootsbesatzungen als «unakzeptabel». «Wir müssen betonen, dass wir nicht wissen, was die Absichten der iranischen Schiffe waren», sagte sie. Die USA betrachteten diese Art von Aktionen als besorgniserregend. «Sie führen unnötigerweise zu Spannungen», sagte die Sprecherin.

Der Iran hatte zuvor eine komplette andere Sicht auf die Dinge kundgetan und die USA vor einem Eindringen in seine Hoheitsgewässer am Persischen Golf gewarnt. Jedes US-Schiff, dass in iranische Gewässer komme, werde zunächst gewarnt, sagte Verteidigungsminister Hussein Dehghan auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Falls das Eindringen aber als Invasion eingestuft werde, komme es zu einer Konfrontation, warnte der Minister nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim.

Am Vortag waren ein US-Kriegsschiff und iranische Schiffe in der Nähe der Straße von Hormus am Persischen Golf aneinandergeraten. Die Meeresenge verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Am Donnerstag hatte es weitere Zwischenfälle mit mindestens zwei weiteren US-Schiffen gegeben.

Wie schon bei früheren Zwischenfällen ging es angeblich um geografische Differenzen. Nach US-Angaben waren die eigenen Schiffe in internationalen Gewässern. Die Iraner behaupten, diese wären iranische Gewässer und damit sei die territorialen Integrität des Landes verletzt worden.

Im Januar diesen Jahres gab es einen ähnlichen Zwischenfall, der zur Festnahme von zehn US-Marinesoldaten führte. Das Problem wurde nach diplomatischen Verhandlungen zwischen den Außenministern der beiden verfeindeten Länder, Mohammed Dschawad Sarif und John Kerry, schnell gelöst.

Der Iran und die USA unterhalten seit mehr als 35 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die Chefdiplomaten beider Länder stehen aber wegen der Atomverhandlungen und der Lage in Syrien seit 2013 in regelmäßigem Kontakt.

Fr, 2016-08-26 02:55
Berlin (dpa)

Lindner: Entlastung der Bürger bis zu 30 Milliarden möglich

Berlin (dpa) - Der Staat kann die Bürger nach den Worten des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner in den nächsten Jahren um bis zu 30 Milliarden Euro entlasten. Lindner sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Entlastung durch Verzicht auf zusätzliche Einnahmen in den nächsten Jahren sei in dieser Größenordnung möglich, ohne dass die «Schwarze Null» und steigende Investitionen gefährdet wären. Er verwies darauf, dass selbst Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Entlastung von zwölf Milliarden Euro für möglich hält.

Nach den Vorstellungen Lindners sollten die Bürger nicht erst nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 entlastet werden, sondern noch in dieser Legislaturperiode. Er kritisierte: «Unser Land entwickelt sich zu einer Kleptokratie (Gesellschaft mit krankhaftem Drang zum Stehlen), weil der Staat sich durch den niedrigen Zins und die steigenden Sozialabgaben und die enorm steigenden Staatseinnahmen bereichert zulasten der Menschen.» Andererseits verzichte die Politik keineswegs auf Prestigeobjekte - etwa die Kaufprämie auf Elektroautos.

Fr, 2016-08-26 02:00
Berlin (dpa)

Ankara will bei Putschisten-Prozessen Europarat einbeziehen

Berlin (dpa) - Bei den geplanten Gerichtsprozessen wegen des gescheiterten Putschversuches in der Türkei wollen türkische Behörden frühzeitig den Europarat einbinden. Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjorn Jagland, sagte der «Welt» (Freitag): «Experten des Europarates werden sich in Kürze mit türkischen Behörden treffen, um sie dabei zu beraten, wie die Rechte der Angeklagten des Putschversuchs gewahrt werden können. Dies ist notwendig, damit sicher gestellt wird, dass die Prozesse gemäß europäischer Standards verlaufen, um zu verhindern, dass noch mehr Fälle gegen die Türkei beim Straßburger Gerichtshof landen.»

Die Türkei ist seit 1950 Mitglied der Staatenorganisation, die Beobachter entsenden kann, die umfangreich Zugang zu Gefängnissen und Dokumenten über Häftlinge bekommen müssen. Das Anti-Folter-Komitee des Europarats hatte nach früheren Besuchen wiederholt folterähnliche Gewalt in der Türkei angeprangert. In seinem jüngsten Bericht kritisierte es Polizeigewalt gegen Demonstranten bei Festnahmen während der Gezipark-Proteste 2013.

Im Streit zwischen der EU und Ankara über die angemessene Reaktion auf den gescheiterten Putschversuch forderte Jagland die Europäer zur Mäßigung auf: «Wir sollten mit den Türken sprechen und nicht über sie, und uns dabei auf die europäische Menschenrechtskonvention stützen». Dies gelte im übrigen nicht nur für die Türkei, sondern auch für andere Länder.

Fr, 2016-08-26 01:30
Berlin (dpa)

Großer Abendsegler und Großes Mausohr - lautlose Jäger in Gefahr Von Anja Sokolow, dpa

Forscher schätzen, dass jährlich etwa eine Viertelmillion Fledermäuse an Windrädern sterben. Doch es gibt noch mehr Gefahren für die nächtlichen Jäger. Die Internationale Fledermausnacht will aufklären.

Berlin (dpa) - Behutsam streicht Christian Voigt dem Großen Abendsegler über das Rückenfell. Das Fledermausmännchen zeigt seine spitzen Zähne, verhält sich aber ganz ruhig. Gleich werden Voigts Kollegen dem Tier einen kleinen GPS-Sender auf den Rücken kleben. Vier Tage lang soll der Große Abendsegler ihn mit sich tragen. «Wir wollen untersuchen, wie Fledermäuse auf die Lichtverschmutzung reagieren», erklärt Voigt.

Die Forscher statten die nachtaktiven Säuger zum einen hier, in einem brandenburgischen Kiefernwald, in dem es nachts richtig dunkel wird, mit Sendern aus. Außerdem bekommen Artgenossen in Berlin-Marzahn Messgeräte. Dort sind die Tiere wegen der vielen Hochhäuser und der Straßenbeleuchtung viel künstlichem Licht ausgesetzt.

«Abendsegler sind von der Lichtverschmutzung besonders betroffen, da sie in der Dämmerungsphase jagen und diese durch die künstliche Beleuchtung deutlich verlängert wird», erklärt der Verhaltensforscher, der mit seinen Kollegen die Flugpfade und Aktivitätsrhythmen der Tiere messen und Empfehlungen für eine wildtierfreundliche Beleuchtung in Städten erarbeiten will.

Die Daten aus dem Wald wollen die Wissenschaftler auch für ihre weitere Forschung zu Windkraftanlagen nutzen. Diese seien eine noch viel größere Gefahr. Voigt schätzt, dass an den mehr als 26 000 Windrädern in Deutschland jährlich mehr als 250 000 Fledermäuse sterben. Ruth Petermann vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält das für realistisch: «Es könnten allerdings auch 100 000 Fledermäuse mehr oder auch weniger sein, da es nur eine sehr grobe Hochrechnung ist.»

Der Trend, die Anlagen zunehmend auch in Wäldern aufzustellen, könnte die Zahlen erhöhen, fürchtet Voigt. Tödlich seien nicht nur Kollisionen mit den Rotorblättern: «Viele Tiere sterben auch durch die starken Luftdruckänderungen in der Nähe der Anlagen. Dadurch zerreißen die inneren Organe und die Fledermäuse verbluten innerlich.» In einer Pilotstudie fanden die Forscher heraus, dass vor allem Weibchen von den Anlagen angezogen werden. «Eine Erklärung dafür ist, dass die baumbewohnenden Tiere nach der Wochenstubenphase, in der sie ihre Jungen aufzogen, neue Quartiere suchen und die Anlagen fälschlicherweise für große, abgestorbene Bäume halten.»

Um das Risiko zu minimieren, bedarf es den Angaben zufolge nur kleiner Veränderungen beim Betrieb der Anlagen. Denn die Fledermäuse fliegen meist nur, wenn es nicht zu kalt und nicht zu windig ist. «Getötete Fledermäuse fehlen in einer Population schmerzlich, denn die Tiere vermehren sich nur sehr langsam», betont Voigt. Außerdem seien sie nützlich. Neben Mücken vertilgen sie auch massenweise Käfer und Raupen an Nutzpflanzen. «Sie vollbringen damit eine enorme Ökosystemdienstleistung, die Landwirte sehr schätzen sollten.»

Für Interessierte, die die Tiere aus nächster Nähe kennen lernen wollen, organisiert der Naturschutzbund (Nabu) am 27. und 28. August die Internationale Fledermausnacht. Bei Festen, Führungen und anderen Aktionen können die Besucher mehr über die lautlosen Jäger erfahren. Die Aktion ist Teil der «International Batnight» von Eurobats, einem Übereinkommen zum Schutz der Europäischen Fledermäuse.

In Deutschland kommen laut Bundesverband für Fledermauskunde etwa 25 von weltweit knapp 1400 bekannten Fledermausarten vor, die hierzulande alle streng geschützt sind. «18 von ihnen sind gefährdet bis vom Aussterben bedroht», sagt Mitgründer Marcus Fritze. Auch Nahrungsmangel und Wohnungsnot machten den Tieren zu schaffen. Pestizide reduzierten die Zahl der Insekten und somit die Nahrungsquelle. «Durch die Monokulturen in den Wäldern gibt es zudem zu wenige alte Höhlenbäume.» Auch Abriss und Sanierung von alten Gebäuden ohne Rücksicht auf den Artenschutz seien problematisch.

Der Nabu vergibt seit Jahren die Plakette «Fledermausfreundliches Haus» an Menschen, die den Nachtschwärmern etwa in Kellern oder auf Dachböden Quartiere bieten. Für Kirchgemeinden, die Tiere in Kirchtürmen leben lassen, gibt es ebenfalls Ehrungen. «Der Nabu hat inzwischen mehr als 2900 Häuser und über 900 Kirchtürme ausgezeichnet», berichtet Fledermausreferent Sebastian Kolberg.

Umweltschutzverbände setzten sich seit den 1980er Jahren verstärkt für Fledermäuse ein, deren Bestände zuvor durch intensive Land- und Forstwirtschaft sowie Insektizide stark minimiert worden waren. Kolberg: «Heute sind die Bestände in Deutschland einigermaßen stabil, wenn nichts getan wird, drohen sie aber wieder rückläufig zu werden.»

Wie viele Fledermäuse insgesamt in Deutschland leben, weiß niemand. Die nachtaktiven Jäger sind schwer zu beobachten. Die Bundesländer liefern laut Petermann zwar alle sechs Jahre Daten für den Nationalen Bericht nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. «Diese geben für die meisten Fledermausarten allerdings keine genaue Auskunft über die Größe der jeweiligen Population», so Petermann. Bisher seien nur für eine Art, das Große Mausohr, nach einem abgestimmten Konzept von Ehrenamtlern bundesweit Daten erhoben worden, die zuverlässige Aussagen zur Bestandsentwicklung ermöglichten. Das BfN sei bestrebt, das Fledermausmonitoring auszubauen.

Fr, 2016-08-26 01:26
Istanbul (dpa)

Türkische Armee attackiert Kurden in Nordsyrien

Istanbul (dpa) - Die türkische Armee hat am Donnerstagabend kurdische Stellungen in Nordsyrien mit Artilleriegranaten beschossen. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu vom frühen Freitagmorgen eröffneten die türkischen Streitkräfte das Feuer auf die Kurdenmiliz YPG. Unter Berufung auf Geheimdienstinformationen hieß es, die YPG habe sich nicht wie angenommen auf das Ostufer des Euphrats zurückgezogen, sondern habe versucht, Geländegewinne zu erzielen.

Ankara und Washington hatten von der Kurdenmiliz gefordert, ihre Einheiten in die Region östlich des Flusses Euphrat zu verlegen. Die Türkei hatte erklärt, sie werde ihren Militäreinsatz in Nordsyrien solange fortsetzen, bis die Kurden auf die andere Flussseite zurückgedrängt seien. Ankara will verhindern, dass die Kurden in Syrien ihr Herrschaftsgebiet weiter vergrößern und dort noch mehr Autonomie bekommen.

Anadolu hatte zuvor berichtet, US-Außenminister John Kerry habe seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu in einem Telefongespräch am Donnerstag versichert, die Verlegung der kurdischen Verbände sei im Gange.

Der Sprecher der US-geführten internationalen Koalition, John L. Dorrian, erklärte, der Großteil der Demokratischen Kräfte Syriens habe sich östlich des Euphrats zurückgezogen. Einige Einheiten seien jedoch zurückgeblieben, um zusammen mit Anwohnern Sprengfallen zu beseitigen und sicherzustellen, dass es keine IS-Schläferzellen gebe. Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein Bündnis, das von der Kurdenmiliz YPG dominiert wird.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Teile dieser Koalition hätten sich östlich des Flusses zurückgezogen. Die YPG selbst teilte mit, ihre Kräfte hätten die von ihr eingenommene Stadt Manbidsch westlich des Euphrats schon Mitte August an den lokalen Militärrat übergeben.

Die YPG ist in Syrien im Kampf gegen den IS der wichtigste Partner der internationalen Koalition. Die Kurden haben von den Extremisten im Norden Syriens mit Luftunterstützung der Koalition große Gebiete erobert und dort eine Selbstverwaltung ausgerufen. Zudem kontrollieren die Kurden den größten Teil der Grenze zur Türkei.

Fr, 2016-08-26 01:00
Berlin (dpa)

Experte Neumann warnt vor erhöhter Terrorgefahr durch IS

Berlin (dpa) - Nach den militärischen Niederlagen der IS-Terrormiliz in Syrien und im Irak rechnet der Terrorismusforscher Peter Neumann mit einer erhöhten Anschlagsgefahr. «Kurz- und mittelfristig könnte es im Westen zu mehr Terroranschlägen kommen», sagte Neumann den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Grund seien die nach Europa zurückkehrenden IS-Kämpfer. Er verwies dabei auf Studien, wonach zwischen 11 und 25 Prozent der Rückkehrer später Terroristen geworden seien. Neumann lehrt am Londoner King's College.

Angesichts der jüngsten Offensive der Anti-IS-Koalition im Norden Syriens sagte Neumann: «Es zeichnet sich das Ende der militärischen Präsenz des IS in seinem Kerngebiet in Syrien und im Irak ab. Die Terrormiliz hat dort massiv Territorium verloren. Es werden immer schlechtere und jüngere Kämpfer eingesetzt. Es ist ein Art 'Volkssturm' des IS», sagte Neumann.

Gegenwärtig hält sich nach den Worten von Neumann noch die Hälfte der ehemals 30 000 ausländischen Dschihadisten in beiden Ländern auf. «Diese Leute sind das Vermächtnis des IS. Viele dieser Kämpfer werden dorthin zurückgehen, von wo aus sie aufgebrochen sind: in die Türkei. Wir müssen daher mit einer weiteren Destabilisierung der Türkei rechnen», sagte er

Außerdem werde eine bedeutende Zahl dieser IS-Kämpfer in anderen Konflikten in der muslimischen Welt auftauchen, sagte Neumann. Denkbar sei auch, dass sie sich zu einem internationalen Terrornetzwerk zusammenschlössen, ähnlich Al-Kaida nach dem Konflikt in Afghanistan in den 1980er Jahren.

Do, 2016-08-25 22:24
Cupertino (dpa)

Mächtige Spionage-Software für iPhones entdeckt

Experten sprechen von der «ausgeklügeltsten Attacke», die sie je auf einem Gerät gesehen haben: Ein Spionage-Programm verschaffte sich dank Software-Schwachstellen weitreichenden Zugang zu iPhones. Ein Rückschlag für Apple, das mit der Sicherheit seiner Geräte wirbt.

Cupertino (dpa) - Eine neu entdeckte Spionage-Software hat drei iPhone-Schwachstellen ausgenutzt, um sich weitreichenden Zugriff auf die Geräte zu verschaffen. Nach Erkenntnissen von Sicherheitsforschern wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht. Experten zufolge steckt hinter dem Programm, das von ihnen «Pegasus» genannt wurde, ein Unternehmen aus Israel.

Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Spionage-Programm Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers aufzeichnen. Es ist außergewöhnlich, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte.

Aufgefallen sei das Schadprogramm, als der Menschenrechtler Ahmed Mansur Verdacht bei einer Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschöpft habe, erklärten die Experten. Statt den Link anzuklicken, habe er die Forscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen «Pegasus».

«Pegasus ist die ausgeklügeltste Attacke, die wir je auf einem Endgerät gesehen haben», resümierte Lookout. Das Programm profitiere davon, dass mobile Geräte tief in den Alltag integriert seien. Zudem vereinten sie eine Vielzahl an Informationen wie Passwörter, Fotos, E-Mails, Kontaktlisten, GPS-Standortdaten. Die Spionage-Software sei modular aufgebaut und greife zu Verschlüsselung, um nicht entdeckt zu werden.

Das kanadische Citizen Lab fand auch Hinweise darauf, dass ein mexikanischer Journalist und bisher nicht näher bekannte Zielpersonen in Kenia mit Hilfe von «Pegasus» ausgespäht worden seien. Insgesamt blieb jedoch zunächst unklar, wie breit sie eingesetzt worden sein könnte.

Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen wurde und als eine Art Cyberwaffen-Händler gelte. Ein Sprecher der Firma NSO Group erklärte der «New York Times», man verkaufe nur an Regierungsbehörden und halte sich streng an Ausfuhrbestimmungen. Er wollte keine Angaben dazu machen, ob Software des Unternehmens in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Mexiko im Einsatz sei.

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen.

Sogenannte «Zero-Day»-Sicherheitslücken, die dem Anbieter einer Software nicht bekannt sind, werden von Geheimdiensten und kriminellen Hackern genutzt. Auch der Computer-Wurm «Stuxnet», der das iranische Atomprogramm sabotierte, griff mehrere solcher Lücken an. «Zero-Day»-Schwachstellen in iPhones werden teuer gehandelt. Dass «Pegasus» gleich drei von ihnen nutzte, ist deshalb relativ ungewöhnlich.

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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