JJ1, Beppo, Bruno, Problembär. Der erste Braunbär, der seine Tatzen seit 1835 wieder auf deutschen Boden setzte, sammelte mehr Namen als Lebensjahre. Knapp 13 Jahre ist es nun her als er am 20. Mai 2006 die ersten drei Schafe im Ammergebirge riss, nur drei Tage später wurde sein Tod beschlossen. „Wenn die Experten sagen, das ist ein absoluter Problembär, da gibt es nur die Lösung, ihn zu beseitigen, weil einfach die Gefahr so groß ist“, äußerte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber auf seine ganz eigene Art. Tierschützer empörten sich, daraufhin wurden finnische Bärenjäger eingeflogen, die JJ1 lebend fangen sollten. Nach zwei Wochen reisten sie erfolglos wieder ab, ein anonymes Spezialteam wurde zusammengestellt, am Morgen des 26. Juni beendeten zwei Schüsse das junge Bärenleben.

Seither macht sich Bayern für Nachahmer bereit. Noch im Jahr 2006 richtete das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die Steuerungsgruppe „Wildtiermanagement/Große Beutegreifer“ mit dem Hauptaugenmerk Bär ein, ein Jahr später folgte ein Managementplan. Wenn der nächste Bär kommt, sollen sogenannte Bärenbeauftragte eine Eingreiftruppe zusammenstellen. Die offizielle Leitlinie lautete: „Die Sicherheit des Menschen hat Priorität vor dem Schutz der Bären.“ Mit der Einschränkung: „Das Entfernen von Bären aus der freien Wildbahn ist ultima ratio.“

Dass eine neue deutsche Bärenpopulation nicht unwahrscheinlich ist, zeigt eine Studie unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Demnach eignen sich in der Bundesrepublik 16.000 Quadratkilometer als Bären-Lebensraum, am wahrscheinlichsten ist es, dass Bären in den Alpenraum zurückkehren. Dahin könnten sie aus Nachbarstaaten wandern, in denen die Bären überlebt haben. Rund 17.000 Braunbären bewohnen vor allem den Norden und Osten Europas, 52 bis 63 davon leben ganz in der Nähe im Trentino, der italienischsprachigen Schwesterprovinz von Südtirol. Um die Jahrtausendwende hatten Wildtierbiologen dort sechs Weibchen und drei Männchen ausgesetzt. Sie müssen sich dort wohlgefühlt haben, denn sie vermehrten sich schneller als gedacht.

Von dort kam JJ1 nach Bayern und versetzte das ganze Land in Aufruhr, doch bei all dem Hohn, den Deutschland für seine Bären-Hysterie einstecken musste: Problembären gibt es auch woanders. In Rumänien, wo rund 6000 Braunbären durch die Karpaten streifen, wagen sich einige von ihnen in Städte vor und brechen auf der Suche nach Essen in Häuser ein. Und im Trentino kam es schon zu vereinzelten Bärenangriffen auf Wanderer. 2017 wurde eine der Angreiferinnen, die 14-jährige Bärendame KJ2, erschossen. Waren vor der Wiederansiedlung zwei Drittel der Bevölkerung für die Bären, so hat sich die Zahl mittlerweile umgedreht, die Wildnis ist ihnen nun doch ein bisschen zu wild geworden. Doch werden sie sich mit ihren neuen Nachbarn arrangieren müssen. Der Braunbär gilt in der Europäischen Union als Prioritäre Art und ist damit schutzbedürftig – auch, wenn er uns manchmal Angst macht.

Wo große Wildtiere nach Deutschland zurückkehren, stellt sich die Frage der Koexistenz. Weitere Porträts solcher Rückkehrer finden Sie in der Ausgabe des Greenpeace Magazins 2.19 „Tierrechte“. Das Heft thematisiert das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Das Greenpeace Magazin erhalten Sie als Einzelheft in unserem Warenhaus oder im Bahnhofsbuchhandel, alles über unsere vielfältigen Abonnements inklusive Prämienangeboten erfahren Sie in unserem Abo-Shop. Sie können alle Inhalte auch in digitaler Form lesen, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen!

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