Es ist in diesen Zeiten nicht ganz leicht, den Optimismus zu bewahren. Das Coronavirus wartet mit immer neuen Varianten auf, die Politik reagiert noch immer nicht entschieden genug auf den Klimawandel, Kohle ist in Deutschland weiterhin der wichtigste Energieträger – und der Winter noch lang.

Was man alles bleiben lassen kann und welche Alternativen es gibt, hat unsere Autorin Kerstin Eitner schon in der Wochenauslese, unserem Freitags-Newsletter, zusammengefasst. Damit man nicht ganz untätig bleibt und das nächste Jahr schöner, nachhaltiger und gemeinschaftlicher wird, haben wir fünf gute Vorsätze für 2022 zusammengetragen. Wir möchten Sie aber nicht mit dem Offensichtlichen langweilen – natürlich dürfte Ihnen längst bekannt sein, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung besser für die Umwelt ist, dass Zugreisen solchen mit dem Flugzeug vorzuziehen sind, dass Sie Ihren Strom von Ökostromanbietern beziehen sollten und dass Ihr Geld bei einer umweltfreundlichen Bank aus einer Nachhaltigkeitsperspektive am besten aufgehoben ist. Hier also unsere Vorschläge, was Sie darüber hinaus noch tun können:

1. Teil der Lösung werden
Mischen Sie sich ein! Viele engagierte Projekte und Vereine sind auf die Mithilfe von Freiwilligen angewiesen. Auf der Suche nach dem richtigen Ort hilft die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen, auch auf den Seiten betterplace und Vostel findet man zum passenden ehrenamtlichen Engagement.

Nehmen Sie politischen Einfluss auf Europa: The 25 Percent bringt die Ideen junger Menschen für die Zukunft Europas zusammen, um sie Verantwortlichen bei der Europäischen Union vorzutragen. Auf der Plattform together.eu ruft das Europäische Parlament zur politischen Teilhabe auf, und mit der Europäischen Bürgerinitiative können Sie neue Gesetze vorschlagen. Für die gilt es dann eine Million Unterschriften zu sammeln, damit die Kommission dazu Stellung bezieht – behalten Sie also einen langen Atem.

Auch die Forschung braucht Unterstützung: Als Citizen Scientist können Sie Daten sammeln, Proben einschicken, Beweise fotografieren, Arten zählen oder Orte kartieren. Die Seite Bürger schaffen Wissen bietet einen Überblick über Forschungsprojekte, die auf Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen sind. Bei dem Projekt UndercoverEisAgenten des Alfred-Wegener-Instituts etwa können Landschaftsveränderungen auf Luftbildern aus Kanada kartiert und bewertet werden, das Auftauen des Permafrosts soll damit in Zukunft automatisch erkannt und vorhergesagt werden. Für das Projekt Kleiner Specht – große Rolle sucht Senckenberg nach Freiwilligen, die Kleinspechte mithilfe von Klangattrappen aufspüren und dokumentieren.

Sie engagieren sich bereits für ein Thema, das Ihnen am Herzen liegt, fühlen sich aber durch die Pandemie in Ihren Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt? Dann machen Sie sich fit im Online-Aktivismus. Die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung bietet dafür einen Workshop an – auch online – danach werden Ihnen Klicktivismus oder Slacktivismus keine Fremdwörter mehr sein.

2. Draußen aufräumen
Und haben Sie schon geploggt? „Plogging“ ist ein Kofferwort aus dem schwedischen Wort plocka (aufheben) und jogging. Erfunden hat es der Schwede Erik Ahlström, der sich über den vielen Müll in seiner Umgebung ärgerte und beschloss, auf seinen Joggingrunden fortan Tüten und Handschuhe mitzunehmen, um joggend aufzuräumen. Daraus hat sich eine internationale Bewegung entwickelt, vielerorts schließen sich Gruppen zu regelmäßigen Ploggingrunden zusammen. Wenn Ihnen Joggen nicht liegt, können Sie auch beim Wandern (pliking), Walking (plalking), Fahrradfahren (plycling) oder Schnorcheln (strawkling) Müll aufsammeln.

Sie wollen nicht nur nebenbei aufräumen, sondern einen Ort gänzlich von Plastikflaschen, Zigarettenstummeln und Verpackungsmüll befreien? Informieren Sie sich, ob Sie in Ihrer Nähe oder auch an ihrem Urlaubsort an einem Clean-Up teilnehmen können – viel wird das an Stränden gemacht, wo das Meer unseren Zivilisationsmüll anspült. Wer selbst einen organisieren möchte, findet etwa bei der Organisation Whale and Dolphin Conservation nützliche Tipps. Auch Let‘s Clean Up Europe bietet einen Leitfaden für Aufräumaktionen und führt eine Liste von Aktionen, denen man sich anschließen kann.

3. Nichts wegwerfen
Vielleicht achten Sie schon darauf, möglichst wenig Plastikmüll anzuhäufen. Aber auch der Bio- und Restmüll lässt sich reduzieren, und zwar äußerst sinnvoll. Werfen Sie zum Beispiel Orangenschalen nicht weg, denn aus ihnen lässt sich ganz einfach Reinigungsmittel herstellen: Legen Sie dafür die Schalen in ein Glas und füllen es bis zum Rand mit Reisessig. Zwei Wochen ziehen lassen, abseihen und den Essig mit etwas Wasser verdünnen – fertig ist der Orangen-Allzweckreiniger. Dieses Konzept lässt sich auf viele alltägliche Dinge übertragen: So können gebrauchte und getrocknete Minzteebeutel unangenehme Gerüche aus Schuhen entfernen, Nudelwasser eignet sich dank der enthaltenen Stärke als Spülmittel und Avocadokerne können bei der Haarpflege helfen.

Dass sich viel vermeintlicher Abfall noch zu tollen Gerichten verarbeiten lässt, ist das Credo der Zero-Waste-Szene. Aus Karottenspitzen kann ein Pesto werden, Essiggurkensaft eignet sich zum Pökeln und braune Bananen zum Backen. Sie haben noch Berührungsängste? Inspiration gibt es in dem Kochbuch „Cooking Scrappy“ von Joel Gamorn, oder schreiben Sie sich ein zur Zero Waste Masterclass der Berliner Köchin Sophia Hoffmann, in der Sie in 41 Lektionen zahlreiche Tipps fürs abfallfreie Kochen erlernen.

4. Weniger Waschen
Es mag etwas kurios klingen, aber die meisten Menschen waschen sich zu oft: 16 Prozent der Deutschen waschen täglich ihr Haar, knapp 38 Prozent mehrmals pro Woche. Gesund ist das nicht, ganz im Gegenteil: Wäscht man sich zu oft die Haare, trocknen die Kopfhaut und die Haare zu schnell aus, weil der schützende Fettfilm immer wieder entfernt wird. Um dem entgegenzuwirken, fügen wir mit Conditioner synthetische Öle wieder hinzu – ein Teufelskreis. Die Lösung: Versuchen Sie, die Abstände zwischen den Haarwäschen zu vergrößern und statt Shampoo eine biologische Haarseife zu verwenden, denn viele Shampoos enthalten umweltschädliche Sulfate, Mikroplastik und Silikone. Letztere lassen das Haar glänzen und voll aussehen, aber nur, weil sie sich um das Haar herumlegen wie eine Frischhaltefolie. Wer noch einen Schritt weitergehen will, kann auch ganz auf Shampoo verzichten, „No Poo“ nennt sich dieser Trend. Stattdessen kann man Roggenmehl oder Heilerde zum Waschen verwenden – man muss sich allerdings auf eine Umstellungsphase gefasst machen, in der die Haare zunächst schlechter aussehen können.

Dass weniger mehr ist, gilt auch für unsere Kleidung, denn mit jedem Waschgang wird der ökologische Fußabdruck größer. Die Autorin Erin Rhoads schreibt in ihrem Buch „Waste not Everyday“, dass „der größte Teil der durch Mode verursachten Umweltbelastung entsteht, nachdem wir die Kleidung gekauft haben: 82 Prozent der Energie, die ein Kleidungsstück verbraucht, entfällt auf das wöchentliche Waschen und Trocknen.“ Ihre Empfehlung: Flecken gezielt entfernen, anstatt das ganze Kleidungsstück zu waschen. Und Gerüche lassen sich mit einem Spritzer verdünntem Wodka oder Zitronensaft entfernen.

5. Mehr Pflanzen
Bei Pflanzen gilt eine einfache Regel: Je mehr, desto besser – und zwar überall. In Ihrer Wohnung verbessern Pflanzen das Raumklima, je nach Eigenschaft eignen sie sich für unterschiedliche Räume. Bogenhanf gibt nachts Sauerstoff ab und eignet sich dadurch gut für das Schlafzimmer, Friedenslilien und Schwertfarne sind im Bad gut aufgehoben, da sie es feucht mögen und Schimmelsporen reduzieren können. Die Birkenfeige kann Formaldehyd aufnehmen, das aus Teppichen und Möbeln freigesetzt wird, was sie für das Wohnzimmer prädestiniert.

Auch im Garten sollte es möglichst grün sein. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Pflanzen aus der Nähe kommen und nicht quer über den Globus ins Gartencenter transportiert wurden. Eine Liste für ökologisches und regionales Saatgut hat der Naturschutzbund zusammengetragen. Je mehr Pflanzen, desto mehr CO2 bindet Ihr Garten. Und seien Sie nicht zu ordentlich: Auch Holzstapel speichern CO2, so lange sie verrotten, was viele Jahre dauern kann. Weniger Rasen mähen spart Strom oder Benzin und lockt Tiere an. Und wollen Sie Bienen eine Freude machen, pflanzen Sie gleich mehrere Blumen der gleichen Sorte in Büscheln oder Streifen. Denn Bienen besuchen immer nur eine Blumensorte pro Ausflug, Blütentreue nennt sich das. Helfen Sie ihnen also, ihre Ausbeute so üppig wie möglich zu machen.

Wer darüber hinausgehen will, kann sich außerdem in der Aufforstung engagieren. Wichtig ist aber, dass die Bäume so angepflanzt werden, dass sich daraus auch ein nachhaltiger Wald entwickeln kann. Citizens Forests etwa wendet die erprobte Methode des japanischen Ökologen Akira Miyawaki an und will ein deutschlandweites Netzwerk von Aufforstungsprojekten etablieren – erste Wälder sind bereits gepflanzt.

Ganz konkret um Weihnachtsbäume geht es in unserer Leseecke „O du Ökologische“ aus der Ausgabe 1.22 des Greenpeace Magazins. Im Schwerpunkt dreht sich alles um unsere Zukunft: die Kinder. Wir sagen, was eine enkeltaugliche Politik ausmacht und hören gut zu, wenn junge Menschen aus aller Welt erzählen, wie sie gegen Müll, Rassismus und den Klimakollaps kämpfen. Das Greenpeace Magazin erhalten Sie als Einzelheft in unserem Warenhaus oder im Bahnhofsbuchhandel, alles über unsere vielfältigen Abonnements inklusive Prämienangeboten erfahren Sie in unserem Abo-Shop. Sie können alle Inhalte auch in digitaler Form lesen, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen!

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