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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.10

Alles Käse?

Text: Tobias Mandt

Nicht immer sind Lebensmittel das, was sie verheißen. Neun Beispiele für Etikettenschwindel im Supermarkt

Analog-Käse
Fast schon ein Klassiker: Was wie Käse aussieht, ist in Wahrheit Pflanzenfett. Veganer haben sich jedoch zu früh gefreut. Der käseähnliche Geschmack und die Konsistenz werden durch Zusatzstoffe erzielt, die oft nicht rein pflanzlich sind – darunter tierische Eiweiße und Lab aus Kälbermägen. Analog-Käse wird vor allem in der Gastronomie und in Bäckereien verwendet, findet sich aber auch in manchen Fertiggerichten und in abgepackter Ware. „Käse“ darf die billig herzustellende Retortenmasse nicht genannt werden. Aber bei Fantasiebezeichnungen wie „Gratin-Mix“ sollte der Käufer einen genauen Blick auf die Zutatenliste werfen.

ESL-Milch
Klingt exotisch, ESL steht aber einfach für „extended shelf life“ – längere Haltbarkeit im Regal. Dieses Produkt ist längst Alltag in den Kühlregalen und darf als „Frischmilch“ oder „Vollmilch“ deklariert werden, obwohl sie spezielle Verfahren zur Haltbarmachung durchlaufen hat. Ungeöffnet bleibt ESL-Milch im Kühlschrank bis zu 20 Tage gut. In Geschmackstests schnitt sie teilweise deutlich schlechter ab als echte Frischmilch. Bei Aldi und Lidl gibt es die „traditionelle“ Frischmilch inzwischen überhaupt nicht mehr. Aber auch Marken wie Weihenstephan oder Landliebe und sogar einige Bioprodukte garantieren hier keine Frische. Eindeutig erkennbar ist die Mogelpackung kaum, Hinweise geben Zusätze wie „länger haltbar“, „maxi-frisch“ – oder das Haltbarkeitsdatum.

Formfleisch
Aus Fleischresten gepresste Schnitzel oder „Nuggets“ kommen im Kühlregal und in der Gastronomie vor, insbesondere in Fast-Food-Restaurants. Formfleisch muss eindeutig als solches gekennzeichnet sein.

„Frucht“-Joghurt
Der Joghurt steht stellvertretend für eine Vielzahl von Aroma-Schwindeln in Fertigprodukten. Fakt ist: Die weltweite Erdbeerernte würde für die Aromatisierung sämtlicher Erdbeerjoghurts gar nicht ausreichen. Deshalb muss das Labor nachhelfen. Vorsicht bei der Angabe „natürliche Aromen“: Die garantiert nur, dass das verwendete Aroma aus einem Naturstoff gewonnen wurde – das können aber auch Sägespäne oder Schimmelpilze sein. Weitere Falle: Ein „Fruchtjoghurt“ darf schon so heißen, wenn er einen Fruchtanteil von gerade einmal sechs Prozent aufweist.

Gel-Schinken
Statt echten Kochschinkens handelt es sich hier um Fleischstückchen, die mittels einer Masse aus Wasser, Stärke und Enzymen zusammengehalten werden. Der reine Fleischanteil beträgt durchschnittlich nur 60 Prozent. Zwar ist auch dieses Kunstprodukt wahrscheinlich nicht gesundheitsschädlich, der Konsument wird aber bewusst darüber im Unklaren gelassen, was er isst. Verbraucherschützer fordern daher ein Verbot der Bezeichnung „Schinken“ für  künstlich zusammengesetzte Fleischprodukte. In Fertiggerichten und abgepackter Ware ist „Gel-Schinken“ besonders verbreitet.

Schokoladenimitat
Die Füllung einiger „Schoko-“Kekse besteht aus billigem Kakaopulver, Kakaobutter und gehärteten Pflanzenfetten und nicht aus ganzen Kakaobohnen. Manchmal ist gar keine Kakaobutter enthalten. Sicher zu erkennen ist die Mogelpackung nur über die Zutatenliste.

Speiseeis
Wie bei Schokoladenprodukten werden auch hier zunehmend Butter und Milch durch Pflanzenfett und Aromen ersetzt. So besteht das bekannte Langnese „Cremissimo“ zu großen Teilen aus Kokosfett. Der Begriff „Eiscreme“ ist Produkten mit mindestens zehn Prozent Milchanteil vorbehalten.

Surimi
Kommerziell nicht verwertbarer Fisch wird püriert, geliert und mit einem Cocktail aus Zucker, Stärke und Geschmacksverstärkern versetzt. Die so erhaltene Paste lässt sich in jede beliebige Form pressen und findet sich zum Beispiel als „Garnele“ oder „Tintenfischring“ im Kühlregal. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat im Februar entschieden, dass Surimi nicht nur in der Zutatenliste, sondern auch in der Bezeichnung des Produktes genannt werden muss, wenn es im Produkt mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent enthalten ist.

„Vollkorn“-Brot
Vollkornbrot ohne volles Korn: Im Supermarktregal oder dem Angebot großer Bäckereiketten findet sich gelegentlich minderwertiges Mischbrot, das unter anderem mit Gerstenmalzsirup dunkel eingefärbt wurde. Laut Lebensmittelverordnung muss Vollkornbrot aber mindestens 90 Prozent Vollkornanteil enthalten.

Auf der Webseite der Verbraucherzentrale Hamburg (www.vzhh.de) findet sich unter dem Suchwort „Lebensmittelimitate“ eine Liste mit gefälschten Produkten

Kalorienbomben für Kinder
Im Supermarkt sind Kinder-Produkte leicht zu finden: Sie sind bunt, tragen meist einen Aufdruck, der sie gesund erscheinen lässt – und dazu gibt‘s jede Menge Sport- und Fußballaktionen. Dumm nur, dass meist genau diese Produkte zu viel Zucker oder zu viel Fett enthalten. Laut Nationaler Verzehrsstudie sind bereits 18,1 Prozent der Jungen und 16,4 Prozent der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren übergewichtig oder fettleibig – Tendenz steigend. Schuld daran ist nicht nur Bewegungsmangel, sondern vor allem falsche Ernährung und der übermäßige Konsum von Softdrinks. Verbraucherschützer und Kinderärzte fordern deshalb die Lebensmittel-Ampel – eine leicht verständliche Farbkennzeichung von Zucker-, Fett- und Salzgehalt.

Kraft Ketchup
Kinder lieben Ketchup – kein Wunder, denn es ist eine Süßigkeit! In einer 15-Milliliter-Portion steckt ein Stück Würfelzucker, in einer Flasche 33 Stück. Auf der „Ampel“ leuchtet Ketchup dunkelrot.  

Nestlé Lion
Die „Nestlé Cerealien Vollkorn Garantie!“ soll „helfen, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten“. Doch die Lion Cereals enthalten außer 34 Prozent Vollkorn auch 35 Prozent Zucker – was nicht so groß draufsteht.

Fanta World Südafrika
Die zahlreichen WM-Produkte passen gut zum Fernsehen – aber dabei verbrennt man weniger Kalorien als beim Fußballspielen. Die Südafrika-Fanta enthält 34 Stück Würfelzucker pro Liter. Eine grobe Unsportlichkeit.  

Ferdi Fuchs Feine Kleine
„Der tägliche Beitrag für die gesunde Ernährung“ steht auf der Packung der Sahne-Leberwurst. Auf der Fett-Ampel wäre sie rot. Und Zucker gehört eigentlich auch nicht rein.

Zott Monte Drink
Weil Zott diese „Zuckerbombe“ wie eine gesunde Zwischenmahlzeit bewirbt, erhielt sie den „Goldenen Windbeutel 2010“ – den Foodwatch-Preis für die dreisteste Werbelüge.

Danone Fruchtzwerge
Seit kurzem prangt ein Stempel auf der Packung: „Mit Experten für Kinderernährung weiterentwickelt“. Der Zuckergehalt wurde leicht reduziert – aber die Ampel würde noch immer rot zeigen.

Ehrmann Monsterbacke
„So wichtig wie das tägliche Glas Milch“ steht auf dem „Fruchtquark zum Quetschen“. Doch er enthält undefinierte Aromen – und noch mehr Zucker als der Monte Drink.