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Alles muss raus!

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.09

Alles muss raus!

In Ostdeutschland werden seit Jahren Badeseen privatisiert und 
an Investoren verkauft. Meist bitten die neuen Besitzer Anlieger und 
Nutzer danach kräftig zur Kasse. In Brandenburg jedoch will sich 
der kleine Ort Am Mellensee den Ausverkauf seines Wahrzeichens 
nicht gefallen lassen. Der Protest zeigt Wirkung.
"Opa, Opa!“, ruft der kleine Philipp und stürmt auf Jochen Oehler zu, der im Schatten eines Apfelbaumes sitzt. Der Vierjährige fällt seinem Großvater in die Arme, reißt sich aber gleich wieder los. „Wir gehen paddeln!“, ruft der Junge. Er will raus auf den Mellensee, mit seinen Eltern. Vom Garten der Oehlers sind es nur wenige Meter bis zum Ufer.
Als Jochen Oehler so alt war wie sein Enkel heute, ist er auch durch diesen Garten gerannt, vorbei an den Obstbäumen, über die Feuchtwiese und hinüber zum Stichkanal, der das Grundstück mit dem See verbindet. „Im Sommer“, erinnert sich Oehler, „kauerte ich oft stundenlang auf dem Steg und schaute Dreistacheligen Stichlingen beim Nestbau zu.“ Die Tiere und Pflanzen im Garten und drüben am See haben Oehler schon immer fasziniert.
Inzwischen ist Oehler 66 Jahre alt und Professor für Verhaltensbiologie. Er lehrt und forscht an der Technischen Uni Dresden. „Ich bin geprägt von diesem Grundstück, von dieser Landschaft“, sagt Oehler. Noch heute fährt er mit seiner Frau jeden Freitag die 170 Kilometer aus Sachsen hierher, um das Wochenende am See zu verbringen. Der Mellensee, eine Oase in der brandenburgischen Steppe, ist seine Heimat – doch Jochen Oehlers Heimat soll nun verkauft werden. Das ist der Plan der Bodenverwertungs- und 
-verwaltungs GmbH (BVVG).
Der Staatsbetrieb mit dem sperrigen Namen privatisiert ehemals volkseigene Äcker, Wälder und Seen in den neuen Bundesländern. Bisher wurden rund 14.000 Hektar Seen und Teiche „verwertet“, wie es im Fachjargon heißt. 15 Millionen Euro flossen auf diese Weise in die Staatskasse. Weitere 15.000 Hektar, darunter der 270 Hektar große Mellensee, sollen noch verkauft werden. So will es das Treuhandgesetz.
Ein reicher Spekulant kauft den See – für Oehler eine schreckliche Vorstellung. Erst vor zehn Jahren hat er mit einer Handvoll engagierter Nachbarn den Verein „pro Mellensee“ gegründet. Unser See soll schöner werden – so lässt sich das Ziel des Vereins beschreiben: Mit wenig Geld und viel Einsatz legen die Mitglieder Wanderpfade an, basteln Schautafeln und suchen nach Wegen, die Wasserqualität zu verbessern. „Dass unser See verkauft werden soll, wurde uns erst vor zwei Jahren klar“, erzählt der Fischer Jochen Gebauer, der seit 37 Jahren in Mellensee lebt und wie Oehler zum Vorstand des Vereins gehört. Lesen Sie die Fortsetzung im aktuellen Greenpeace Magazin. Bitte bestellen Sie

 

 

 

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