Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen
Als die Tiere den Teller verließen

Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Als die Tiere den Teller verließen

Text: Dirk Gieselmann

Eine sehr kurze Geschichte des Veganismus
Die Geschichte des Veganismus verlief auf zwei Wegen: auf dem der Liebe zum Tier und auf dem der Liebe des Menschen zu sich selbst. An einem Dienstag im April schien der kürzere von beiden, der egoistische, an sein Ende zu stoßen.

Zumindest muss das, was in einem Londoner Bistro namens „Coco di Mama“ in der Vitrine lag, für das letzte Kapitel jener Eigenliebe gehalten werden. Sie war buchstäblich zu Asche geworden. Ein halbes Dutzend gräulich-schwarzer Klumpen befand sich in der Auslage, verbrannt aussehende Etwasse, geformt wie die Notdurft eines mittelgroßen Hundes. Darunter stand auf einem Schild der Preis von 1,80 Pfund pro Stück und der Hinweis: „Schmeckt besser, als es aussieht!“ Es handelte sich um „holzkohle-aktivierte vegane Croissants“.

Diese seien, schrieb das Boulevardblatt „Mirror“ am Tag darauf, „tatsächlich echte Nahrungsmittel für echte Menschen“. Es folgte ein Interview mit der Frau, die als Erste ein Foto der Croissants getwittert hatte, es klang, als wäre sie in der Kantine eines Ufos gewesen. Aktivkohle, das muss man wohl erklären, wird seit einiger Zeit nicht nur in Luft- oder Wasserfiltern verwendet, sondern dient auch der Entgiftung des Körpers. Die „Detoxication“, kurz „Detox“, ist eine Spielart der pflanzenreichen Ernährung. Es gibt auch mit Aktivkohle angereicherte Smoothies, Säfte und Pillen. Sie sollen dem Körper Giftstoffe entziehen und so gegen Mitesser, Kater und Verstopfung helfen, Zähne zum Strahlen und Haare zum Glänzen bringen, kurz: den, der sie zu sich nimmt, gesünder und schöner machen, als er es ohne das alles je hätte sein können.

Doch die Geschichte des Veganismus reicht zu weit zurück, um ihn als bizarren Selbstoptimierungstrend abzutun, was angesichts der Kohlecroissants naheläge. Man muss den anderen, den längeren Weg betrachten, den der Liebe zum Tier. Dann wird man begreifen, dass er keine marottenhafte Ausstülpung eines Zeitgeistes ist, sondern sich, ganz im Gegenteil, zumeist gegen diesen zur Wehr setzte, allzu oft auf verlorenem Posten. (...)

Lesen Sie die Fortsetzung des Interviews im aktuellen Greenpeace Magazin. Bitte bestellen Sie hier die gedruckte Ausgabe. Sie können das Greenpeace Magazin auch auf Ihrem Tablet und Smartphone lesen. Alle Vorteile finden Sie hier.