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Antreten!

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Antreten!

Text: Veronica Frenzel Foto: Fritz Beck

Alle reden vom Diesel, Mikael Colville-Andersen ist längst weiter. Der Däne mit kanadischen Wurzeln hat Radwegenetze für fast hundert Städte in der ganzen Welt entworfen. Und ist überzeugt: In der Stadt fährt man am besten Rad. Echt? In seiner Heimat Kopenhagen hat sich der Steve Jobs der urbanen Mobilität auf einen Wettbewerb eingelassen: E-Auto, U-Bahn und Fahrrad – womit kommt man nun wirklich am schnellsten und bequemsten von A nach B?

Als der Fahrradpapst das dunkle Parkhaus im Nordwesten der Kopenhagener Innenstadt betritt, schüttelt er sich erst mal demonstrativ. Autos, Garagen, Motoren – das sind seine Erzfeinde, das lässt er gern alle und laut wissen. Und obwohl er auf Twitter, wo ihm sogar Barack Obama folgt, immer wieder über die diplomatische Natur der Dänen schimpft, schiebt er dann in breitem nordamerikanischem Englisch sofort ein versöhnliches „Nicht falsch verstehen – ich habe nichts gegen Autos, ich fahre gern, nur nicht in der Stadt!“ hinterher. Wahrscheinlich will er einfach nur nett sein.

Denn genau in diesem Parkhaus soll es losgehen, unser Experiment aus dem Zukunftslabor der urbanen Mobilität: keine drei Kilometer Luftlinie zwischen der Parkgarage und Colville-Andersens Büro, hin, zurück und noch einmal hin, mitten am Tag, mit E-Auto, U-Bahn und schließlich – da freut er sich schon drauf – dem Fahrrad. Der Lobbyist als Tester, kann das überhaupt gut gehen? Mikael Colville-Andersen sagt, während wir zu dem Elektroauto eines Carsharing-Anbieters gehen, wenig überraschend: Ja. Genauer:
Also, ich bin kein Fahrrad-Nerd, Räder sind einfach das beste Werkzeug, um Städte lebenswerter zu machen. Meine Tochter war gerade vier geworden, da sagte sie mal zu mir: Papa, wann passt mir meine Stadt endlich? Da fragte ich mich: Passt die Stadt eigentlich zu mir? Die Antwort war: Nein.

Dies sei nur einer von zahlreichen Schlüsselmomenten, die ihn dazu bewegten, sich fortan einer lebenswerteren Stadt zu widmen. Ein anderes wichtiges Ereignis, so erzählt es der ehemalige Filmregisseur, während er sich an dem Renault Zoe mit 240 Kilometern Reichweite zu schaffen macht: als er auf seinem Flickr-Account das Foto einer Kopenhagener Radlerin in High Heels veröffentlichte. Menschen aus der ganzen Welt schrieben ihm: Wie kann man sich denn so auf den Pedalen halten? Da habe er verstanden, dass die Radwege der Stadt im Vergleich zu anderen Städten ziemlich gut ausgebaut seien. Colville-Anderson startete das Blog „Copenhagenize“, in dem er der Welt erklärt, was in der dänischen Hauptstadt gut läuft. Heute hat er noch eine Beratungsfirma mit demselben Namen – und keine Zeit mehr fürs Filmemachen.

Wenn eine Stadt uns beauftragt, listen wir alle Straßen und Kreuzungen und die jeweils notwendige Maßnahme in einem Handbuch auf. Auf der Grundlage bauen dann die Ingenieure die Stadt um.
Dass der Platz für die Radwege meist den Autofahrern genommen wird, sorge für Unmut, klar. Aber:
Eine Fahrspur für Autos ist durchschnittlich dreieinhalb Meter breit. Drei Meter reichen, da passt auch ein Bus noch locker drauf.
Und wo ein Bus locker draufpasst, sollte ein Elektroauto freie Fahrt haben, oder? Höchste Zeit für die erste Etappe unserer kleinen Rallye...
(...)

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