Guten Abend,

ich muss mich in aller Form entschuldigen. Zuallererst bei der Jugend von heute, die ich eventuell gelegentlich verdächtigt habe, sich außer für Shopping, das neueste Smartphone und viele Likes in digitalen Netzwerken für rein gar nichts zu interessieren. Klar, solche Leute gibt es, aber derzeit steht eher die (umwelt)politisch engagierte Sorte im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit.

„Schulstreik fürs Klima“ – so lautete die Überschrift dieses Newsletters am 12. Oktober letzten Jahres. Darin ging es um die schwedische Schülerin und Klimaaktivistin Greta Thunberg, und die hat es inzwischen, was mich sehr freut, zu einiger Berühmtheit gebracht mit ihrer Beharrlichkeit. Beim Klimagipfel in Polen trat sie auf, nach Davos zum Weltwirtschaftsforum ist sie gereist (natürlich mit dem Zug, Fliegen ist ja tabu, gewohnt wird bei -18 Grad im Zelt), und als Interviewpartnerin ist sie gefragt wie ein Popstar.

Vor allem aber hat sie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in zahlreichen Ländern inspiriert, es ihr gleichzutun und unter dem Motto „Fridays for Future“ Schule und Uni sausen zu lassen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Zum Beispiel am heutigen Freitag in Berlin, wo die Kohlekommission ihren Bericht vorlegen will. Wozu lernen, wenn wir vielleicht gar keine Zukunft haben?, fragen sie und sind zu Recht empört über die Tatenlosigkeit von Politik und Gesellschaft.

Es ist in der Tat schwer zu verstehen, wenn alle Warnlampen rot blinken – Permafrostböden und Gletscher tauen ab, die Meere erwärmen sich immer stärker, Naturkatastrophen häufen sich – und ausgerechnet aus jenen Berliner Ministerien, die am entschlossensten handeln müssten, so viel heiße Luft dringt, dass allein die schon für einen kräftigen Meeresspiegelanstieg reichen müsste.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) raunzt über die Tempolimit-Vorschläge seiner eigenen Expertenkommission zu Klimaschutz im Verkehr, das sei „gegen jeden Menschenverstand“ gerichtet, und sagt die geplante Arbeitssitzung besagter Kommission ab. Wie er die Klimaziele für den Verkehrssektor erreichen will, bleibt vorerst sein Geheimnis. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) möchte zwar die CO2-Emissionen des Agrarsektors, nicht aber den Viehbestand und den Fleischkonsum senken, was schwer nach Quadratur des Kreises klingt. Und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will beim Kohleausstieg vor allem Versorgungssicherheit, bezahlbaren Strom und einen „gesellschaftlichen Konsens“. Klingt irgendwie nicht nach konkretem Ausstiegsdatum.

So viel oder besser gesagt so wenig zu den „Reduktionsplänen“ der Ressorts, die eigentlich schon Ende letzten Jahres hätten vorliegen sollen, dann aber Aufschub bis zum Frühjahr bekamen. Eins muss man uns Deutschen lassen, im Verschieben macht uns so schnell keiner was vor. Flughäfen, Bahnhöfe, pünktliche Züge, Dieseldauerkrise, Digitalisierung, Klimaziele, bloß nix überstürzen.

Habe ich mich eigentlich schon bei Gisele Bündchen entschuldigt? Sollte ich je gedacht haben, dass sie als Supermodel zwar sehr attraktiv, aber vielleicht ein bisschen doof ist (habe ich nicht, aber FALLS es so gewesen wäre): Stimmt nicht. Sie ist UN-Sonderbotschafterin für Umweltschutz, engagiert sich für sauberes Wasser und gegen die Abholzung des für den Klimaschutz so wichtigen Regenwaldes und hat sehr deutlich die neue brasilianische Regierung kritisiert, von der sie dann prompt als „schlechte Brasilianerin“ bezeichnet wurde.

Wo ich schon mal dabei bin: Sorry, all Ihr Nutzer digitaler Netzwerke, falls ich Euch in Gedanken je als Hohlköpfe verunglimpft haben sollte. Ein untragbares Pauschalurteil. Viele von Euch sind gewitzt und kreativ, wie sich anhand der zurzeit auf Facebook und Instagram laufenden #10yearschallenge herausstellt. Statt Fotos von Euch selbst vor zehn Jahren postet Ihr Bilder von Umweltveränderungen – weggeschmolzene Eisflächen, abgestorbene Korallen, sowas.

Zum Schluss nach all den Entschuldigungen noch ein Glückwunsch: an alle Eltern, deren Töchter oder Söhne für das Klima demonstrieren, auch wenn sie Scherereien kriegen. Stolz können Sie auf Ihre Kinder sein. Sie wissen ja, nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Applaus für die Jugend von heute!

Kerstin Eitner
Redakteurin

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