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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.18

Arrivederci Wachstumsdogma

Text: Kerstin Eitner

Als sich Aurelio Peccei, ein Manager aus Italien, und Alexander King, ein Chemiker aus Schottland, Ende der Sechzigerjahre erstmals treffen, klickt es sofort: Beide halten ungebremstes Wirtschaftswachstum für einen Irrweg und wollen mit Gleichgesinnten für eine nachhaltige Zukunft eintreten. Peccei war für italienische Firmen lange in China und Lateinamerika tätig, King arbeitet in Paris für die OECD. Im April 1968 organisieren sie eine Konferenz von rund dreißig Wirtschaftsexperten und Wissenschaftlern in Rom, mit Unterstützung von Fiat-Chef Giovanni Agnelli.

Gleich danach, am 8. April 1968, gründen sie mit vier Mitstreitern eine vorerst noch informelle Gruppe, den „Club of Rome“. Nach und nach stoßen Mitglieder aus weiteren Ländern dazu, eine formale Struktur entsteht. 1972 erscheint der erste Bericht an den Club of Rome als Buch – ein Paukenschlag. Für „Die Grenzen des Wachstums“ haben Dennis und Donella Meadows vom Massachusetts Institute of Technology und ihr Team verschiedene Szenarien mit der noch relativ neuen Methode der Computersimulation untersucht. Fazit: Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist die Umwelt binnen hundert Jahren ruiniert und die Weltwirtschaft bricht zusammen.

Trotz teilweise vernichtender Kritiken wird das Buch zum Bestseller. Und bewegt: Umweltschutz wird zum Thema – viele Menschen protestieren seit den Siebzigerjahren gegen verdreckte Flüsse, Luftverschmutzung oder Atomkraft, und die Aktivisten berufen sich immer wieder auf die Erkenntnisse des Clubs, der heute ein hoch angesehener Thinktank mit dreißig nationalen Gesellschaften ist. Der erste Bericht hat dazu beigetragen, den naiven Glauben der Fünfziger- und Sechzigerjahre an den Segen von Wachstum und technischem Fortschritt nachhaltig zu erschüttern.