Guten Abend,

das Kinderlied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ ließe sich auch auf die Erde umdichten: 1,7 Millionen Pflanzen- und Tierarten sind bislang bekannt, schätzungsweise 8,1 Millionen Arten noch gar nicht entdeckt. Ein Zensus aller Einzellebewesen unter dem blauen Himmelszelt ergäbe eine Zahl mit sehr, sehr vielen Nullen. Allein bei den Insekten, von denen eine Million Arten erfasst sind (und rund viereinhalb Millionen noch unbekannt), kämen laut Insektenatlas auf jeden Menschen etwa 1,4 Milliarden Tiere.

Wer nun darauf bedacht ist, „dass ihm“, wie es im Lied heißt, „auch nicht eines fehlet“, kommt aber leider oft zu spät. Rund 150 Tier- und Pflanzenarten sterben täglich aus. Wir schaffen das, indem wir ihre Lebensräume zugunsten von Siedlungsbau, Verkehrsachsen und Landwirtschaft zerstören oder zerschneiden, großflächig Gifte verteilen und obendrein auch noch das Erdklima verändern. Und das, obwohl wir uns doch noch bis Jahresende in der UN-Dekade für biologische Vielfalt befinden.

Unser Wirtschaften hat sicht- und hörbare Folgen: So haben wir laut NABU seit 1980 zehn Millionen Vogelbrutpaare verloren, die in der Agrarlandschaft leb(t)en. Eine von mehreren Ursachen ist der Rückgang bei den Insekten. Ein Drittel von ihnen ist vermutlich vom Aussterben bedroht. Das wiederum hat nicht nur Auswirkungen auf die Vogel-, sondern auch auf die Pflanzenwelt, denn 90 Prozent aller Wildblumen und drei Viertel aller Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ökosysteme sind leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen und schwer zu reparieren.

Und so schließt sich der Kreis, denn auch der Mensch ist Teil des Systems: „Wir müssen Artenvielfalt als Netz verstehen, das uns und unsere Lebensweise trägt“, hieß es in der Presseerklärung der Heinz Sielmann Stiftung zum Tag des Artenschutzes am 3. März. Ohne Insekten würde dieses Netz löchrig und unser Speiseplan recht eintönig werden, da die meisten Obst- und Gemüsesorten entweder verschwinden oder äußerst knapp und damit sehr teuer würden. Auch die Fleischerzeugung würde in Mitleidenschaft gezogen, weil Futterpflanzen für Rinder, Schweine und andere Tiere ebenfalls bestäubt werden müssen.

Die Fakten sind also sonnenklar. Trotzdem ist fraglich, ob das, was auf diversen politischen Ebenen diskutiert oder geplant wird – national, bei der EU, die mit der Ökologisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nicht recht vorankommt, und international im Rahmen der UN-Konvention über biologische Vielfalt – geeignet ist, den Artenschutz entscheidend voranzubringen (mehr dazu lesen Sie in der Online-Meldung von dieser Woche). In Umweltverbänden und Expertenkreisen herrscht da eher Skepsis. Und bedrucktes Papier allein wird nicht helfen, sondern nur beherztes Handeln. Also: Make Artenschutz great again!

Zumal auch der Klimawandel nicht wartet, bis die Staatengemeinschaft zu Potte kommt, sondern vielen Arten schon jetzt zusetzt. Dem Monarchfalter zum Beispiel, der den Winter in Mexiko verbringt und im Frühjahr wieder nordwärts Richtung USA und Kanada fliegt, wird es im Mittleren Westen zu heiß, was auch seine Lieblingsnahrung, die Seidenpflanzengewächse, verdorren lässt. In Mexiko dagegen stürmt es häufiger als früher. Diese Wetterextreme haben die Bestände bereits kräftig dezimiert. Möglich, fürchtet ein Professor der Universität von Kansas, dass es in zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren gar keine Monarchfalter mehr gibt. Noch bieten im Spätherbst die orange-schwarzen Überwinterer im mexikanischen Hochland ein einzigartiges Naturschauspiel, das viele Touristen anzieht und den Mexikanern als Rückkehr der Seelen Verstorbener gilt.

Auch den Hummeln, unverzichtbar als Bestäuber, machen in Europa und den USA Hitzewellen und Dürren zu schaffen. Nur wenige Arten können in kältere Regionen ausweichen. Andere Insekten, die wir weniger schätzen, sind hingegen auf dem Vormarsch. Die Asiatische Hornisse etwa, die vor allem bereits geschwächten Bienenvölkern gefährlich werden könnten, hat es schon bis nach Hamburg geschafft. Als Klimakrisengewinnlerin grüßt ferner: die eingereiste Tigermücke, die allerlei Tropenkrankheiten mitbringt. Dengue-Fieber, Malaria, Gelbfieber, Zika-Virus…und so weiter. Klimaschutz wäre also nicht nur Artenschutz, sondern auch Gesundheitsvorsorge.

Arten zählen

Kerstin Eitner
Redakteurin

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