Guten Abend,

war Weihnachten jemals so nachhaltig wie dieses Jahr? Praktisch jedes Medium, das auf sich hält, Print, TV oder Online, gibt mehr oder weniger nützliche Tipps, wie das Fest umwelt- und klimafreundlicher gestaltet werden kann. Der britische Schriftsteller Charles Dickens soll Weihnachten in seiner derzeit existierenden Form als Konsumrausch sozusagen „erfunden“ haben, in späteren Jahren des ganzen Zinnobers aber auch überdrüssig geworden sein.

Was er zu den heutigen Auswüchsen sagen würde, wissen wir nicht, aber falls aus der Poets‘ Corner in der Westminster Abbey (wo Dickens gegen seinen Willen beigesetzt wurde, er hatte sich das eine Nummer schlichter gewünscht) ein Rumoren zu hören ist, könnte das am rotierenden Dickens liegen. Grund genug hätte er. Loriot hat es in seinem Klassiker „Weihnachten bei Hoppenstedts“ (auch dieses Jahr wieder am 24. Dezember um 13.50 Uhr in der ARD zu sehen), Heinrich Böll in seiner satirischen Erzählung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ auf den Punkt gebracht.

In unserem Zweipersonenhaushalt war allerdings auch früher nicht mehr Lametta, weil wir Weihnachten schon seit langer Zeit praktisch ignorieren: kein Geschenkeaus- und -umtausch, keine Nordmanntanne aus pestizidgetränkten Plantagen, kein Glitzerzeugs. Nicht aus ökologischen Gründen, sondern aus mangelnder Einsicht in die Sinnhaftigkeit des Ganzen. Sowie Faulheit, zugegeben.

Bitte, ich will hier niemandem was verbieten. Wer es tatsächlich schafft, ganz entspannt im Familien- oder Freundeskreis fröhliche Weihnachten ohne Stress und Streit zu verleben: Hut ab. Erst recht, wenn dafür auch noch Öko-Checklisten abgearbeitet werden, vom Baum über den Schmuck desselben, von Geschenken und Verpackung (kurze Werbeeinblendung: Unser Warenhaus ist da vorbildlich) bis zum Weihnachtsmenü ohne Gewissensbisse.

Es soll ja auch Leute geben, die zwar das ganze Brimborium vermeiden, aber gern was abgeben möchten von dem, was sie haben. Die Weihnachtszeit ist nicht nur für den Handel die umsatzstärkste Phase des Jahres, auch das Spendenaufkommen nimmt zu. Das ist nicht verwerflich, im Gegenteil. Am eigenen Wohnort oder in der Ferne, überall lässt sich Gutes tun, für die Freiwillige Feuerwehr, den Jugendsportclub, eine Senioren-, Obdachlosen- oder Flüchtlingsinitiative. Oder Organisationen, die sich für Wälder, Meere, Moore, Tiere, Pflanzen, Klimaschutz und andere Umweltthemen einsetzen. Die als Katastrophenhelfer oder Ärztinnen in aller Welt unterwegs sind. Die sich um Datenschutz und Bürgerrechte kümmern, Faktenchecks liefern, Abgeordneten und Lobbyisten auf die Finger schauen… Die Liste ist schier endlos.

Dieses Jahr haben Initiativen besondere Aufmerksamkeit verdient, die dem Gemeinwohl nützen, selbst aber bedroht sind, weil ihnen genau diese Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Mit Attac fing es an, der Bundesfinanzhof monierte die „Verfolgung politischer Zwecke“. Es folgten mit ähnlichen Begründungen Campact und schließlich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Letztere kann sich kurz vor Weihnachten immerhin über eine Aussetzung der Steuernachforderung freuen. Die genannten Organisationen sind nur Beispiele, auch andere kann es jederzeit treffen. So stellte die CDU die Gemeinnützigkeit der Deutschen Umwelthilfe in Frage, und auch Umweltorganisationen wie BUND und Greenpeace müssen immer wieder um ihren Status bangen. Ob ein-, zwei-, drei- oder mehrstellig, jeder Euro hilft letztlich der Zivilgesellschaft.

Apropos mehrstellig: Letzte Woche ist mir ein Fehler unterlaufen, den ein aufmerksamer Leser entdeckt hat (vielen Dank): Wir Deutschen schicken nicht eine Milliarde E-Mails pro Jahr, sondern pro Tag!

Auf dem Wunschzettel: Reichlich Zivilgesellschaft

Kerstin Eitner
Redakteurin

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