Guten Abend,

die MAKE SMTHNG Week 2018 beginnt am Black Friday, 23. November, also heute. Falls Sie in der Materie nicht so drinstecken: MAKE SMTHNG heißt übersetzt „mach was“, und der Black Friday, dem man kaum entrinnen kann, ist wie Halloween und Valentinstag ein aus den USA importiertes Geschäftsmodell. Er fällt auf den Tag nach Thanksgiving, jenem wichtigen Feiertag in den Vereinigten Staaten, zu dem sich am vierten Donnerstag im November traditionell die ganze Familie versammelt, um einen Truthahn zu verspeisen. So gestärkt stürzt sich das ganze Land tags darauf in eine beispiellose Rabattschlacht: Klamotten, Kosmetika, Schmuck, Unterhaltungselektronik – es wird gekauft, als gäbe es kein Morgen.

Konsumkritischen und umweltbewussten jungen Leuten, unter anderem bei Greenpeace, ging der Zwang zum Turbo-Shopping gegen den Strich. Da machen wir was, sagten sie sich und riefen besagte MAKE SMTHNG Week aus – mit Online-Challenge, Events, Maker Community und Tutorials. (Wenn das für Sie Fremdwörter sind, konsultieren Sie eine Suchmaschine Ihres Vertrauens.)

Werde kreativ!, lautet die Devise. Starte ein Leben ohne Plastikabfall, besuche ein Repair Café, lerne was über Upcycling, Slow Fashion oder Urban Gardening und gehe NICHT shoppen. Müll vermeiden, nähen, basteln, reparieren und gärtnern, statt was zu kaufen – dagegen ist prinzipiell rein gar nichts einzuwenden. Der Aufforderung, Teil einer Online-Community zu werden und alles, was man gemacht hat, sofort zu taggen und zu posten, muss man ja nicht folgen.

Ich sage es nur ungern, aber die Veranstaltung muss ohne mich stattfinden. Der Handarbeitsunterricht bei Fräulein Kaul – auf diese Anrede legte sie großen Wert – hat mich traumatisiert. Wie sich zeigte, bin ich für das Verfertigen von Schürzen, Topflappen und Tischsets mit Hohlsaumstickerei ebenso ungeeignet wie für das Basteln von Weihnachtsschmuck und Ähnlichem. Es half nichts, dass ich als Kind häufig Kleidung trug, die meine Mutter aus Gründen der Sparsamkeit genäht, geändert, gehäkelt oder gestrickt hatte. Erblich scheint Handarbeitstalent nicht zu sein. Nur im Auftrennen und Aufribbeln habe ich es zu wahrer Meisterschaft gebracht.

Der nun schon gar nicht mehr so neue Trend zum Selbermachen muss übrigens nicht zwingend mit Konsumabstinenz einhegrehen. Denn natürlich braucht der schaffensfreudige Mensch auch Material und Werkzeug. Dafür werden auf diversen Bastel- oder auch Maker-Plattformen passende Gerätschaften angeboten, zum Beispiel Nähmaschinen (fängt preislich so bei 100 Euro für Gebraucht- oder Discountermodelle an und hört bei 500 Euro für Markenmaschinen mit vielen Funktionen noch längst nicht auf) oder Plotter. Bitte was?

Plotter, so lerne ich, sind softwaregesteuerte Schneidemaschinen, die einen in eine neue Dimension des Machens katapultieren – für etwa 180 Euro (Einsteiger-Modelle) oder so von 290 Euro aufwärts (für Fortgeschrittene). Man kann sie mit selbst entworfenen, irgendwo heruntergeladenen oder in einem Plotter-Shop gekauften Motiven, sprich Computerdateien füttern, die sie dann auf Pappe oder einer speziellen Plotterfolie (ab ca. 37 Euro) präzise ausschneiden. Das Motiv wird mit einem handelsüblichen Bügeleisen oder einer Plotterpresse (rund 270 Euro) auf den Stoff oder auch auf Holz, Glas, Porzellan oder Tapeten appliziert. Klingt für mich wie der Thermomix des Bastelns, aber bitte, wer plotten will, der plotte.

Ach ja: Sollten Sie am morgigen Samstag weder Lebensmittel noch sonst irgendwas kaufen müssen oder wollen, könnten Sie wahlweise auch am Kauf-nix-Tag mitwirken. Denkbar einfache Teilnahmebedingung: nix kaufen. Dieser Buy Nothing Day stammt auch aus Nordamerika, genau genommen aus Vancouver, Kanada.

Ich für mein Teil werde die freie Zeit am Wochenende nutzen, um die verlorengegangenen Vokale in MAKE SMTHNG zu suchen und wieder einzufügen. Lst sch nfch bssr. 

Bastelst du noch oder plottest du schon? // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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