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Biomasse

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Biomasse

Text: Christopher Piltz Foto: Fritz Beck

GPS-Steuerung, Roboter, Massenproduktion. Wie viel Technik braucht die Biobranche? Wie viel verträgt sie? Ein Besuch auf einem der größten ökologischen Betriebe Deutschlands

Bräuchte die Revolution der Landwirtschaft ein Symbol, es wäre an diesem Tag Ulf Peter Carstens’ Handy. Es klingelt pausenlos. Mitarbeiter rufen an und melden Probleme mit Traktoren, mit Saatgeräten, mit Erntemaschinen. Jetzt, am Nachmittag, bockt ein Ventil der Spinatsaatmaschine. Carstens greift seinen Werkzeugkasten und fährt vom Hof. Ackerweite zieht am Fenster vorbei, Windräder spitzen in die Höhe, vereinzelt stehen Gehöfte. Norddeutsche Idylle. Wenige Minuten später steht Carstens auf dem Feld. Zwanzig Hektar Spinat sollen hier gepflanzt werden, die Hälfte ist schon gesetzt. Dutzende Reihen ziehen sich über den Boden, Hunderte Meter lang. Der Abstand zwischen ihnen: exakt 25 Zentimeter. Eine Genauigkeit, die nur durch GPS-Signale möglich ist, die den Traktor steuern. Jeder Millimeter zählt, damit auch die Ernte präzise klappt. Damit keine Reihe verloren geht.

Carstens beugt sich über die Saatmaschine. Kurze Zeit später fährt der Traktor wieder, wie auf Schienen gleitet er über den Acker. Carstens’ Präzisionslandwirtschaft, sie läuft weiter. Und mit ihr seine Mission. Carstens arbeitet daran, zu vereinen, was in den Augen vieler nicht zusammenpasst: moderne Technik und ökologische Landwirtschaft. Hightech-Geräte halten Einzug in die Biobranche.

Vor fünf Jahren stieg Ulf Peter Carstens, 28, in die Leitung des Westhofs im Dithmarscher Land ein, einem der größten Biobetriebe Deutschlands. Seitdem er mit seinem Vater Rainer und dem dritten Betriebsleiter Paul Heinrich Dörscher den Hof führt, hat er den Fuhrpark komplett ausgetauscht. Pflüge und Saatmaschinen arbeiten, dank GPS, millimetergenau, die 15 Traktoren bleiben, ebenfalls dank GPS, selbständig in der Spur. Der Fahrer wird zum Supervisor, der den Vorgang überwacht und, am Ende einer Bahn, wendet. Carstens hat neue Anhänger gekauft, einen zweiten Karottenroder anfertigen lassen, drei Stapler. 140 Angestellte hat der Betrieb, 160 Saisonarbeiter helfen bei der Ernte. Auf tausend Hektar wachsen und reifen jedes Jahr 15.000 Tonnen Möhren, 1200 Tonnen Tomaten und 2,5 Millionen Blumenkohlköpfe. In der Wirtschaft wäre der Westhof ein mittelständisches Unternehmen. In der Ökobranche ist er ein Gigant.

Der Hof steht unweit der Nordseeküste, eingerahmt von Deichen. Der Boden hier ist fruchtbarer als an vielen anderen Orten Deutschlands, das Dithmarscher Land ist Europas größtes Kohlanbaugebiet und gilt als Deutschlands Gemüsegarten. In die ganze Republik werden Kohlköpfe, Möhren und Brokkoli aus der norddeutschen Tiefebene geliefert.

Und mittendrin zeigt ein einziger Hof, was Bio alles leisten kann – und vielleicht auch leisten muss. Denn Carstens sucht Antworten auf Fragen, die existenziell sind für die ökologische Landwirtschaft: Wie groß und technisiert können Biobetriebe sein – und wie sehr müssen sie es werden, um zukunftsfähig zu bleiben? Mehr noch: damit die gesamte Biobranche einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Denn die knapp fünf Prozent Bio-Anteil am Lebensmittelumsatz in Deutschland, Importware eingerechnet, sind da nach wie vor zu wenig. (...)

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