Guten Abend,

wäre der Klimawandel ein Mensch, hätte er sich zu Silvester wahrscheinlich gemütlich zurückgelehnt und die Neujahrsansprache unserer Kanzlerin mit süffisantem Lächeln verfolgt. Die nämlich rief zum Handeln in Sachen Klimaschutz auf: „Also müssen wir auch alles Menschenmögliche unternehmen, um diese Menschheitsherausforderung zu bewältigen. Noch ist das möglich.“

Moment, fragt sich das staunende Publikum, ist nicht ebendiese Frau Merkel seit 2005 deutsche Bundeskanzlerin, und wurde sie nicht einst gar als „Klimakanzlerin“ bezeichnet? Und hatte sie nicht für das klitzekleine Klimapaket, das die Bundesregierung mit Ach und Krach im letzten Jahr präsentierte, mit den kleinmütigen Worten geworben, Politik sei das, „was möglich ist“? Ist das Mögliche also das Menschenmögliche? Auf Betreiben der Bundesländer wurde zwar ein bisschen nachgebessert, aber um klimapolitisch nun von der Kriech- auf die Überholspur zu kommen (da bitte kein Tempolimit!), muss noch allerhand passieren.

Vorerst heißt es beim Klima leider: Same procedure as last year. In Australien brennen die Buschfeuer weiter, seit Oktober schon. Die Zahl der Toten, Verletzten, Heimatlosen wächst, mehr als eine Milliarde Tiere sollen den Bränden sozusagen als Kollateralschäden zum Opfer gefallen sein. Mancherorts in Down Under steigen die Temperaturen immer mal wieder auf knapp unter 50 Grad. Der australische Premierminister Scott Morrison, der in dem Inferno ein ziemlich miserables Bild abgibt, hält stur an seinem Kohlekurs fest. Mit dabei: Signaltechnik für Kohlezüge von Siemens. Weswegen Firmenchef Joe Kaeser Post von Fridays for Future bekommen hat und diverse Siemens-Standorte in Deutschland heute Besuche der klimabewegten Jugend erhielten. Bis Montag will der Konzern über die Lieferung entscheiden.

Es ist übrigens eine schöne alte Tradition unter Australiens Konservativen, sich bei Klimaschutzverhandlungen mannhaft gegen alles zu wehren, was ihrer Meinung nach australischen Interessen schadet. Beim historischen Klimagipfel in Kyoto 1997 schaffte es die damalige Regierung unter Premier John Howard, für ihr Land die Erlaubnis zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen um acht Prozent gegenüber 1990 für den Zeitraum von 2008 bis 2012 herauszuschlagen. Auch beim letzten Klimagipfel in Madrid gehörte Australien wieder zu den Bremsern.

In Australien ist bereits eine gigantische Fläche abgebrannt, über zehn Millionen Hektar. Indonesien hat mit dem Gegenteil zu kämpfen, dort gibt es schwere Überschwemmungen und Erdrutsche infolge der heftigsten Monsunregenfälle seit 1866. Auf der Nordhalbkugel sind Phänomene zu beobachten, die im Winter normalerweise nicht auftreten: So sah sich Moskau gezwungen, im Dezember Schnee zu importieren, weil es ungewöhnlich warm war und nicht geschneit hatte – und ein Jahreswechsel ohne Schnee ist in Moskau undenkbar. Teile Westnorwegens verzeichneten frühlingshafte Temperaturen, die höchsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In dem Dorf Sunndalsora kletterte das Thermometer gar bis auf 19 Grad, das allerdings mit Föhnunterstützung. In den Alpen geht Skifahren vielerorts nur mit Einsatz von Schneekanonen.

Schneesturm war in Deutschland bislang auch nicht, dafür aber mal wieder Shitstorm. Schuld war ein Liedchen, gesungen im WDR 2 von einem Kinderchor auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Es enthielt unter anderem die Zeile „Meine Oma ist ‘ ne alte Umweltsau“. Eine erste Umdichtung war im November in einer Satiresendung auf WDR 5 gelaufen, ohne dass irgendwer groß Notiz nahm, aber diesmal geriet das Land in Wallung. Rechte Kreise, die sonst für ihre Hass- und Hetzreden oder -posts gern Meinungsfreiheit beanspruchen, wähnten es kurz vor dem Untergang. Es folgten: wüste Drohungen gegen den WDR, einzelne Mitarbeiter des Senders und den Chorleiter (ich kenne deren Inhalt nicht, vermute aber, dass sich „Umweltsau“ dagegen anhört wie ein Kosewort), eine Demo beim Sender mit Dachbesetzung und Transparenten, eine Sondersendung, ein empörter Ministerpräsident und eine Entschuldigung des Intendanten. Sonst noch was? Ich glaube, einem Land, in dem so viele Menschen keine anderen Sorgen haben, muss es sehr, sehr gut gehen. Na dann: Frohes neues Jahr.

Brandherde

Kerstin Eitner
Redakteurin

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