Guten Abend,

Mittwochabend um 22.58 war es so weit: kalendarischer Frühlingsanfang. Es fühlt sich vielleicht noch nicht überall so an, ist aber mental ein großer Schritt für die Nordhalbkugel – und lässt im Kopf prompt Ideen wie Frühjahrsputz und Ausmisten erblühen. Wo anfangen? Gleich mit Risikogebieten wie Keller oder Dachboden, oder lieber erst mal im Wohnbereich? Noch macht das kein Digitalknecht für uns, wir müssen also selbst ran.

Es ist ein bislang ungelöstes Rätsel, wieso sich Gegenstände aller Art von menschlichen Behausungen so unwiderstehlich angezogen fühlen wie Eisenfeilspäne von Magneten. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Wohnungen, von Häusern ganz zu schweigen, eher nicht zu Leere und Übersichtlichkeit tendieren, sondern traurigerweise zu Unordnung, Chaos oder gar Vermüllung. Das gilt insbesondere für Aufbewahrungsmöbel aller Art: Kisten, Kästen, Schubladen, Anrichten, Vertikos, Kleider-, Küchen-, Wohnzimmerschränke und natürlich auch Bücherregale.

Ja aber! Bücher aussortieren – ist das überhaupt erlaubt? Geht es nach den Verlagen, die sich derzeit wieder auf der Leipziger Buchmesse präsentieren, sind alle Neuerscheinungen grundsätzlich grandios, müssen umgehend gekauft und natürlich auch gelesen werden. Und geht es nach strengen Feuilleton- und Literaturmenschen, dann ist ein Kulturbanause, wer nicht alle Klassiker sowie viele Festmeter zeitgenössischer Belletristik und/oder Sachbücher besitzt.

Ich lese zwar gern und viel, möchte hier aber einen Warnhinweis aussprechen. Erliegt man dem Lockruf der Verlage, ist Gefahr im Verzug. Es drohen Zusammenrottungen von Büchern, die sich gern auch quer über ihren Artgenossen im Regal stapeln, samt daraus resultierender Unauffindbarkeit gesuchter Exemplare: „Musst du unbedingt lesen! Kann ich dir leihen. Mist, wo ist es denn bloß?“ Das kann zu innerfamiliärem Streit über den Verbleib des gesuchten Buches führen und in schweren Fällen zu der Notwendigkeit, eine Zweitwohnung anzumieten, wenn alle Wohn- und Nebenräume mit Bücherregalen vollgestopft sind.

Oder es heißt eben beherzt ausmisten. Denn nicht alles, was zwischen zwei Buchdeckeln steckt, ist genial, manches ist sogar grottenschlecht. Oder völlig veraltet (Ratgeber aus den Achtzigerjahren). Man kann also durchaus auch mal Bücher in die Altpapiertonne treten, aber bitte vorher den Einband entfernen, wegen des Leims. Keine Angst vor dem Verblöden! Ich sag’s nur ungern, aber durch das Lesen und Horten von Büchern wird niemand zwangsläufig zu einem besseren, klügeren oder sympathischeren Menschen.

Ausleihen oder tauschen statt kaufen (Share Economy!) wäre natürlich auch eine schöne Alternative. Ich kenne Leute, die regelrechte Lesezirkel betreiben. Außerdem empfiehlt sich ein Ausweis für die örtliche Leihbibliothek, der in Hamburg im Jahr etwa so viel kostet wie zwei gebundene Bücher. Bei akuter Faulheit oder weiten Wegen kann man dort auch e-Books herunterladen. Was übrigens für Vielleser gegenüber dem gedruckten Buch die umweltfreundlichere Variante sein kann, denn auch dieses hochgeschätzte Kulturgut ist noch längst nicht so öko, wie es sein könnte. Wenigstens verzichten heute immer mehr Verlage auf das Einschweißen von Neuerscheinungen in Plastik.

Bei der schmerzlichen Trennung von einem Buch hilft als erster Schritt vielleicht die Frage: „Kann ich mir vorstellen, es ein zweites Mal zu lesen?“ Falls nicht: Ab damit ins Antiquariat, zur Büchersammlung, ins Sozialkaufhaus oder in einen der öffentlichen Bücherschränke, die es vielerorts gibt (in Hamburg auch in manchen Bussen). Wer mag und vor ein klein wenig Aufwand nicht zurückschreckt, kann ein Buch auch per Bookcrossing auf die Reise schicken, als „moderne Form der Flaschenpost“, so der San Francisco Chronicle. Wie ja ausgelesene Reise- oder Urlaubslektüre ohnehin gern im Zug, Flugzeug, Hotelzimmer oder in der Ferienwohnung zurückgelassen wird.  

So. Das wäre geschafft. Eine ganze Kiste voll aussortiert, wer hätte das gedacht. Und nun zu den wirklich schwierigen Fällen. Keller, ich komme!

Bücherdämmerung // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Frühling ist auch in der Vogelwelt der Zeitpunkt für die Wohnungsgestaltung, um den Nachwuchs standesgemäß aufziehen zu können. Schenken Sie Ihnen eine Bleibe: unsere Halbhöhle ist dafür hervorragend geeignet. Jetzt eine Woche 20 Prozent reduziert.

image description
Greenpeace Warenhaus Button
Kräutersaat-Set
16,50 €
Kräutersaat-Set

Legen Sie sich Ihr eigenes Kräutergärtchen an – es lohnt sich: Mit ihrem Duft und ihrem Aroma verleihen Kräuter jedem Essen erst den richtigen Pfiff, und gesund sind sie obendrein.

Handkultivator Handkultivator Handkultivator
42,90 €
Handkultivator

Der packt alles! Ob Erde lockern, Unkraut ziehen oder Dünger unterheben: Unser massiver Handkultivator ist das optimale Werkzeug zum Beackern selbst schwerer Böden.

48,50 € 38,80 €

Kochbücher

Zum Nachkochen, Staunen und Schwelgen in alten Handschriften.