Greenpeace Magazin Ausgabe 6.98

"Dann müssen wir Stade abschalten"

Die Wiederzulassung von Brennelement-Transporten bleibt vorerst ungeklärt.

Die Neuorganisation der Transporte aus deutschen Kraftwerken zu französischen und englischen Wiederaufarbeitungsanlagen macht keine Fortschritte. Nach dem Skandal mit radioaktiv kontaminierten Transportbehältern hatte die abgewählte Umweltministerin Angela Merkel im Sommer gefordert, die Gesamtverantwortung für die Transporte abgebrannter Brennele-mente ins Ausland solle künftig von einem unabhängigen Unternehmen getragen werden. Merkel hatte dafür die Firma Nuclear Cargo Service (NCS) vorgeschlagen, eine Tochter der Deutschen Bahn AG, die bislang für die technische Seite der Bahntransporte zuständig war. Ende September erklärte NCS jedoch erneut, bei Atomtransporten keine zusätzliche Verantwortung zu übernehmen: „Wir holen die beladenen Behälter am Kraftwerkszaun ab und werden uns von dort aus keinen Meter weiter auf die Kraftwerksgelände bewegen“, sagte NCS-Sprecher Michael Adam. Michael Müller, Umweltexperte der SPD-Bundestagsfraktion, schätzt, daß der Fall im Umweltministerium frühestens nach Bildung der neuen Bundesregierung Ende Oktober wieder auf die Tagesordnung kommt. Unterdessen wird die Zeit für die Betreiber des Atomkraftwerkes Stade knapp. Bei der nächsten Jahreskontrolle müssen 30 verbrauchte Brennelemente ausgetauscht werden, in den Abklingbecken des Reaktors ist aber nur noch für sechs Brennelemente Platz. „Wenn die Transportfrage bis dahin nicht geklärt ist“, so Müller, „müssen wir Stade eben abschalten.“