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Darf man am globalen Thermostat schrauben?

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Darf man am globalen Thermostat schrauben?

Text: Frauke Ladleif

Ob das Abkommen von Paris zum Erfolg führt, ist noch längst nicht gewiss. Selbst wenn sich die Menschheit fortan enorm ins Zeug legt, wenn also alle Länder ambitionierte Pläne vorlegen und auch in die Tat umsetzen, wird sich das Klima weiter gefährlich verändern. Viele Wissenschaftler erwarten deshalb, dass bald mit technischen Mitteln bewusst ins Klima eingegriffen werden muss. Die Idee des „Geoengineering“, die schon vom Tisch zu sein schien, wird in Forschungskreisen wieder intensiv diskutiert. Dabei geht es um zwei ganz unterschiedliche Strategien. So könnte, um die Erwärmung zu bremsen, CO2 aus der Atmosphäre zurückgeholt und dauerhaft in Böden, Ozeanen oder im Holz lebender Bäume gelagert werden. Ab Mitte des Jahrhunderts, wenn die Dekarbonisierung der Wirtschaft weit fortgeschritten ist, würden dadurch sogar „negative Emissionen“ möglich. Tatsächlich hat der Weltklimarat IPCC eine solche Rückholaktion für CO2 bereits in seine Berechnungen für das 1,5-Grad-Ziel einbezogen. Doch die Technologien wären aufwendig, teuer – und kämen womöglich zu spät. Deshalb bringen Forscher immer öfter die zweite Strategie ins Spiel: eine Manipulation der Sonneneinstrahlung. Beim „Solar Geoengineering“ würden zum Beispiel Sulfate, also Salzpartikel, welche die Sonnenstrahlen reflektieren, in die Stratosphäre gespritzt. Befürworter argumentieren, die Weltgemeinschaft könnte so auf dem Weg zu negativen Emissionen Zeit gewinnen. Die Forschung zu den ökologischen Folgen steht noch am Anfang, und es gibt keinerlei Regeln für Eingriffe von solch globaler Bedeutung. Im Februar hat deshalb der Carnegie-Ethikrat, eine Denkfabrik in New York, ein unabhängiges Gremium ins Leben gerufen, das eine breite öffentliche Debatte über die ethischen Aspekte von Geoengineering einleiten und internationale politische Rahmenbedingungen für mögliche Einsätze entwickeln soll. Ein Interview mit Janos Pasztor, dem Direktor der Initiative, über die (un-)moralische Seite des Geoengineerings.

Herr Pasztor, Sie haben jahrelang als Klimaschützer nach Lösungen gesucht, den menschlichen Fußabdruck auf der Erde zu reduzieren. Nun möchten Sie die bewusste Manipulation am Klima auf die politische Agenda bringen. Warum?
Die Welt steckt in großen Schwierigkeiten. Viele Wissenschaftler sagen, dass das 1,5-Grad-Ziel nicht zu schaffen ist. Die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, ist zwar technisch machbar. Aber dafür müssten wir den Klimaschutz extrem beschleunigen, und wenn ich mir die politische Realität ansehe, bezweifele ich, dass das rechtzeitig passiert. Womöglich wird die Menschheit irgendwann Klimatechnologien nutzen müssen. Ich meine damit insbesondere Solar Geoengineering, mit dem die Sonneneinstrahlung durch das Verspritzen von Sulfaten vermindert werden könnte. Wir brauchen dafür einen Gesellschaftsvertrag, der regelt, wie wir diese Technologie mit dem größten Nutzen und den geringsten Folgen einsetzen.

Gerade das Solar Geoengineering ist umstritten. Kritiker befürchten ökologische Folgen, die zu internationalen Konflikten führen könnten. Warum befürworten Sie gerade diese Technik?
Ich möchte eines vorweg klarstellen: Weder bewirbt unser Gremium diese Technologie, noch ist es völlig dagegen. Die Gesellschaft muss über den Einsatz entscheiden. Zu Ihrer Frage: Es ist klar, dass wir den CO2-Ausstoß extrem reduzieren müssen – und wir müssen definitiv CO2 aus der Atmosphäre zurückholen. Aber das sind nur Teillösungen, nichts kann die Erderwärmung in ihrer Gesamtheit stoppen – zumal es noch massiver Forschung und Billionen an Dollar bedarf, bis diese Technologien zum CO2-Abbau großflächig eingesetzt werden können. Die Wirkung wiederum wird frühestens Ende des Jahrhunderts eintreten. Außerdem drohen Konflikte um Flächennutzung, Lebensmittelpreise oder Biodiversität, die durch natürliche Speicher wie Bewaldung entstehen könnten. Deswegen bringen Forscher Solar Geoengineering ins Spiel. Die Menschheit könnte damit nicht den Klimawandel aufhalten, aber zumindest den Planeten abkühlen, bis der Job erledigt ist, die Emissionen auf null zu senken. Die Technik wäre schon morgen mit bereits existierenden Flugzeugen einsatzbereit.

Aber wären die Risiken nicht zu groß?
Es wäre natürlich der dreckige Weg, ohne weitere Forschung. Aber (...)

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