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Das kollektive Königreich

Greenpeace Magazin Ausgabe 4.11

Das kollektive Königreich

Text: Andreas Unger

Bienen sind unentbehrlich, denn sie bestäuben beinahe alle Obst- und Gemüsesorten. Doch weltweit schrumpft die Anzahl der Völker. Dauereinsatz, Monokulturen, Pestizide und Parasiten setzen den faszinierenden Insekten zu   

Sie will dorthin, wo das Glück wohnt. Zwei Kilometer ist sie schon geflogen, rund 260-mal pro Sekunde schlagen ihre Flügel auf und ab. Auf ihrem Weg muss die Biene die Sonne und den Horizont im Auge behalten, Vögeln und Autos ausweichen. Endlich kommt das Ziel in Sicht, ein weißgefärbter Baum. Sie landet auf einem Blütenblatt, drückt sich am Griffel vorbei, der wie eine Säule vor ihr aufragt, klettert hinein in den Kelch, steckt den Rüssel in die Blütenröhre – und saugt den Nektar. Weil sich der Saft am Blütengrund befindet, bleibt an den Härchen der Arbeiterin beim Rein- und Rauskrabbeln Blütenstaub hängen. Mit diesem Pollen bestäubt sie die nächsten Blüten, die sie besucht. Im Vorbeikrabbeln sorgt die Biene so für den Fortbestand und die Erträge fast aller Obstarten, vieler 
Gemüsesorten, Beeren und Ölpflanzen wie Raps und Sonnenblumen. Ohne Bienen wäre unsere Vitaminversorgung gefährdet. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle schätzt ihre ökonomische Leistung weltweit auf rund 153 Milliarden Euro pro Jahr – das ist fast ein Zehntel der Weltnahrungsmittelproduktion. Nicht eingerechnet sind der Wert des Honigs und der Nutzen der Biene für das Ökosystem – sie befruchten auch Wildpflanzen und dienen Vögeln als Nahrung.

Helga Pausch, Bio-Imkerin im oberbayerischen Scheyern, geht über eine Wiese, die an ihren Hof grenzt, zu ihren Bienenstöcken. Sie bestehen aus übereinandergestapelten Kisten, in denen Rähmchen eingehängt werden. Diese nutzen die Bienen, um ihre Wachswaben zu bauen, in die sie wiederum Eier legen und Nektar füllen. Den Winter über hat Pausch die Bienen nicht gestört. Haben sie die Kälte ertragen? Haben sie das Futter gefunden? Hat sich eine 
Maus eingenistet und den Honig gefressen? Vorsichtig klopft Pausch an die Außenwand, es ertönt ein leises Heulen – das Volk lebt. Sie öffnet den Deckel und pustet mit einem Smoker Holzrauch auf die Oberkanten der Rähmchen, an denen die Waben hängen. Die Bienen ziehen sich vor dem vermeintlichen Feuer ins Innere zurück. Jetzt kann sie die Rähmchen herausziehen. In den mittleren Waben entdeckt die Imkerin die Brut, kreisförmig umgeben von Nektar und Pollen.

„Das sieht alles gut aus“, sagt Helga Pausch beruhigt. Auf die Stöcke der Völker, die den Winter gut überstanden haben, setzt die Imkerin je eine weitere Kiste, damit genug Platz für Brut und Honig da ist. Die kleineren, schwächeren Völker stört sie möglichst wenig.

Von Dezember bis Herbst schlüpfen Jungtiere aus den Waben. Aus befruchteten Eiern werden Arbeiterinnen, aus unbefruchteten Drohnen. In besonders großen Zellen wachsen junge Königinnen heran. Nicht das Erbgut, sondern die Fütterung macht den Unterschied: Eine neue Königin bekommt länger als ihre Artgenossinnen „Gelée Royale“, einen von den Arbeiterinnen erzeugter Saft, der dafür sorgt, dass die Stockmutter fruchtbar wird.

Einmal in ihrem Leben bricht die Königin zum Hochzeitsflug auf. Auf einer Lichtung warten bereits bis zu 6000 Drohnen darauf, sie im Flug in zehn bis dreißig Metern Höhe zu befruchten. Bis zu 20 von ihnen schaffen es, die Königin zu begatten, und sterben anschließend. Die anderen kehren zum Volk zurück und werden – wenn das Futter knapp wird – entweder ausgehungert oder in der „Drohnenschlacht“ vertrieben. Während ihres drei- bis fünfjährigen Lebens hat die Königin vor allem eine Aufgabe: Eier zu legen, bis zu 2000 Stück pro Tag. Das ganze Volk ist eine Familie: Alle Arbeiterinnen und Drohnen sind Halbgeschwister. Ein Volk ohne Königin und ohne junge Larven ist dem Tod geweiht – denn nur sie kann befruchtete Eier legen. Außerdem setzt sie ein Hormon frei, das ihr Volk zusammenhält und verhindert, dass die Arbeiterinnen Eier legen können. Der Bienenstaat, in dem oft mehr als 50.000 Arbeiterinnen und Drohnen auf engstem Raum zusammenleben, gleicht einer konstitutionellen Monarchie: Das ganze Volk richtet sich auf die Königin aus, aber es richtet sich nicht nach ihr.

Mehrmals am Tag kehrt die Nektar sammelnde Arbeiterin zum Flugloch ihres Stockes zurück. Dort braust es wie beim Start eines Formel-Eins-Rennens. Sie pumpt Nektar aus ihrer Honigblase, gibt ihn per Rüssel weiter an eine andere Biene und macht sich wieder auf den Weg. In ihrem vier bis sechs Wochen langen Leben sammelt die Biene in den Sommermonaten nicht nur Nektar. Mal besorgt sie Wasser, mal stopft sie eiweißreiche Pollen in die Taschen ihrer Mittelfüßchen, um damit die Brut zu füttern. Außerdem stellt sie aus Baumharz und Pollen Propolis her, eine antibiotisch wirkende Substanz, mit der sie die Behausung versiegelt und säubert. Doch bevor sie die Welt erkunden darf, hat jede geschlüpfte Arbeiterin Stubendienst. Sie muss die Waben reinigen, neue bauen, die Larven füttern, die Zellen verdeckeln und je nach Bedarf wärmen oder kühlen.

Wer dafür sorgt, dass der Dienstplan eingehalten wird, hat die Forschung bisher nicht ergründen können. Immerhin weiß man, wie die Arbeiterinnen ihren Kolleginnen mitteilen, wo sie einen guten Sammelplatz entdeckt haben. Sie tanzen eine Acht, deren Achse genau zwischen dem Stand der Sonne und dem Zielort liegt. Ein ausdauernder Schwänzeltanz signalisiert, dass die Biene eine besonders ergiebige Futterquelle gefunden hat. Um dorthin zu gelangen, hilft ihnen ihr guter Orientierungssinn. Bienen können sich geometrische Formen einprägen, haben ein Gespür für Erdmagnetismus und können – selbst bei bewölktem Himmel – mithilfe des Sonnenlichts navigieren.

Diese klugen und nützlichen Insekten haben Menschen schon immer fasziniert. Die alten Ägypter reichten den Göttern Honig als Weihegeschenk. Zeus, so heißt es, wurde schon als Baby mit Honig genährt. Aus Dankbarkeit soll er den Bienen ihren Stachel verliehen haben. Und Eros, der Gott der Liebe, soll seine Pfeile in Honig tauchen, bevor er sie abschießt.

Begeistert von den Bienen ist auch Albrecht Pausch, Helgas Mann. Bevor er Berufsimker wurde, war er Marketingmanager einer großen Computerchipfirma. Mehrere Monate im Jahr war er in Europa, der ehemaligen Sowjetunion, der Türkei und Südafrika unterwegs, lebte aus dem Koffer, sammelte Flugmeilen. Heute lässt er fliegen – und sammeln.

„Ich stelle mir ein Bienenvolk als einen einzigen Organismus vor, als ein geheimnisvolles, vielgestaltiges Tier“, sagt Pausch. Der Begriff „Volk“ taugt in seinen Augen nicht, um das enge Miteinander der Tiere zu beschreiben. Lieber spricht Pausch vom „Bien“, das ist ein altes Wort für die Gemeinschaft, in der sich Bienen organisieren. „Der Bien kann mehr als die Summe der Bienen“, weiß der Bio-Imker. „Zum Beispiel durch kollektives Muskelzucken oder Flügelschlagen die Temperatur im Stock auf konstant 35 Grad halten und so selbst einen harten Winter oder einen extrem heißen Sommer überstehen – wie ein gleichwarmes Tier.“ Offensichtlich haben die Bienen die Fähigkeit, die Arbeit tausender Artgenossinnen ohne zentrale Autorität zu koordinieren: „Im Bien gibt es kein zentrales Gehirn, aber eine kollektive Intelligenz.“

Überlebenswichtig ist diese sowohl bei der Futtersuche als auch beim Schwärmen. Thomas Seeley, Bienenforscher an der Cornell Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York, hat untersucht, wie die Bienen zu ihrer vielleicht wichtigsten Entscheidung gelangen: dem Umzug in ein neues Zuhause. Ist eine Königin geschlüpft, erwacht der Schwarmtrieb. Die alte Königin muss mit ein paar Getreuen ausziehen – das Volk teilt sich. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe fliegen einige Arbeiterinnen aus. Nach ihrer Rückkehr berichten sie ihren Kolleginnen mittels eines Schwänzeltanzes, für wie geeignet sie ihren Fundort halten. Daraufhin machen sich weitere Arbeiterinnen auf den Weg, um sich selbst ein Bild zu machen. Sobald sich 15 oder mehr Kundschafterinnen an einem Ort eingefunden haben, ist die Entscheidung gefallen. Gemeinsam kehren sie zu ihrem Volk zurück, schlagen aufgeregt mit den Flügeln und drücken sich fest gegen die anderen Bienen – das ist das Zeichen zum Schwärmen. Einmal haben Seeley und seine Kollegen ein Volk auf eine entlegene Insel gebracht und ihm dort unterschiedlich gute Behausungen zur Wahl angeboten. Fast immer fanden die Bienen den besten Platz – nicht durch eine Entscheidung von oben, sondern durch die Überzeugungskraft des getanzten Arguments.

Imker versuchen das Schwärmen allerdings zu verhindern. Die Bienentraube könnte schließlich Nachbarn belästigen oder unauffindbar bleiben, weil sie zum Beispiel in einer Baumkrone 
hängt. Imker und Bienen haben ein ambivalentes Verhältnis: Der Züchter verschreckt die Tiere mit Erschütterungen, schüchtert 
sie mit Rauchschwaden ein, raubt ihnen gut zwei Drittel ihrer Vorräte und ersetzt diese durch Zuckerwasser – einerseits. Andererseits hilft er ihnen dabei, durch den Winter zu kommen, 
bekämpft Schädlinge und zieht mit ihnen übers Land, von einer 
Blüte zur nächsten.

Albrecht und Helga Pausch besitzen 250 Völker mit mehr als zehn Millionen Bienen, die im Jahr gut zwölf Tonnen Honig sammeln. Die Pauschs vereinen Wirtschaftlichkeit und Bioland-Standards. Zwar ist konventionell erzeugter Honig in der Regel genauso gesund wie Honig mit Ökosiegel. Dennoch gibt es beträchtliche Unterschiede: Der Bio-Imker behandelt die Bienen und ihre Behausungen nur mit vollständig biologisch abbaubaren Substanzen. Wandernde Züchter, die nach Öko-Kriterien arbeiten, müssen konventionelle Anbaugebiete, die intensiv gespritzt werden, meiden. Das Wachs, mit dem neu eingehängte Rähmchen bestückt werden, muss besonders jung und rückstandsarm sein. Außerdem dürfen Bio-Imker keine unethischen Methoden anwenden. Die Bioland-Richtlinien verbieten es beispielsweise, die Flügel der Königin zu beschneiden, um sie am Davonfliegen zu hindern.

Entsprechend höher ist der Aufwand, den das Ehepaar Pausch treiben muss. Beispielsweise darf es die Milbe „Varroa destructor“ 
nur mit natürlichen Mitteln wie Ameisen- oder Milchsäure bekämpfen. Dieser Parasit ist einer der gefürchtetsten Feinde im Bienenstock, denn er nistet sich in die Brutzelle ein, sticht die Larve an und saugt sie aus. Dann legt er Eier, die mit der Biene schlüpfen. Die Milbe heftet sich auch an das erwachsene Tier. Die Bienen können den Parasiten auch nicht mehr durch das Schwärmen entkommen, weil die Imker dies verhindern. Um diesen oft für ganze Bienenvölker tödlichen Befall einzudämmen, setzen konventionelle Imker deshalb seit den späten 70er-Jahren Chemikalien ein. Damit eröffneten sie den typischen Teufelskreis: Die widerstandsfähigsten Milben überleben die Giftkeule und pflanzen sich fort.

Da besonders reinliche Bienen weniger anfällig sind, untersuchen Imker regelmäßig die Stockhygiene. Dafür nehmen Züchter eine Schablone mit einem rautenförmigen Ausschnitt und halten sie vor eine Wabe. Alle mit Larven belegten Waben innerhalb des Ausschnitts werden mit einer Nadel tot gestochen. Nach 24 Stunden wird gezählt, wie viele der Zellen die Bienen in der Zwischenzeit leer geräumt und geputzt haben. Die besonders sauberen Völker züchten die Imker weiter. Allerdings büßen Bienen dabei ihre Friedfertigkeit ein – je reinlicher sie sind, desto aggressiver sind sie auch.

Das Schwinden der Bienen wird seit Jahren in allen Teilen der Welt beobachtet. Vor allem in Nordamerika wütet ein massenhaftes Bienensterben. Seit einigen Jahren werden ganze Völker von einer 
rätselhaften Krankheit, der „Colony Collapse Disorder“ (CCD), heimgesucht. Allein 2007 und 2008 sind in den USA mindestens ein Drittel aller Bienenvölker verendet. Knapp die Hälfte der insgesamt 2,4 Millionen Bienenvölker touren fast das ganze Jahr durch das Land. Dabei bescheren ihnen die riesigen Monokulturen einen einseitigen Speisezettel und reichlich Agrargifte. Außerdem sind sie im Dauereinsatz: Ihr Arbeitsjahr beginnt in Kalifornien, wo sie 60 Millionen Mandelbäume bestäuben. Dann werden sie auf LKWs verladen und zu den Zitrusbäumen nach Florida gebracht. Es folgen Apfel- und Kirschplantagen im Norden und Blaubeeren im Osten des Landes.

Ausgelöst wird das Massensterben wahrscheinlich durch das Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Dazu gehören enormer Stress, die hohe Pestizidbelastung, Immunschwäche durch 
Mangel- oder Fehlernährung und Parasitenbefall. Hochgezüchtete Wanderarbeiterinnen sind gleich mehreren Gefahren ausgesetzt und deshalb besonders bedroht.

Aber auch hierzulande sind bereits massenhaft Bienenvölker gestorben. 2008 waren rund 700 Imker am Hochrhein in Aufruhr, weil ihre Bienen plötzlich verendeten – es war das schlimmste 
Bienensterben in der Region seit 30 Jahren. Landwirte hatten Maissaatgut ausgebracht, das mit dem Insektizid Clothianidin behandelt worden war. Der Wind wehte das Nervengift, das der Chemiekonzern Bayer herstellt, auch auf Löwenzahn-, Raps- und Obstblüten. Es reichert sich im Boden an und wird über die Wurzeln von den Pflanzen aufgenommen. Clothianidin schädigt auch die Brut und zerstört das Gedächtnis und den Orientierungssinn der Bienen. Sie können die Temperatur im Stock nicht mehr regulieren, zittern und sterben. Bayer schob den Saatgutherstellern 
die Verantwortung zu, zahlte dann für die 11.500 vernichteten Völker zwei Millionen Euro Entschädigung. Für den Konzern 
kein Problem: Im Jahr zuvor hatte Bayer allein mit diesem Gift 
237 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Ob auch von genmanipulierten Pflanzen Gefahr für Bienen ausgeht, ist umstritten. Für Imker können sie aber existenzbedrohend werden. Enthält Honig beispielsweise Pollen der genveränderten Maissorte MON810 des Agrokonzerns Monsanto, muss er als Sondermüll verbrannt werden. Denn MON810 ist hierzulande nur als Futter-, nicht aber als Lebensmittel zugelassen. Hobbyimker Karl-Heinz Bablok aus der Nähe von Augsburg wehrt sich derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das Land Bayern, das Gen-Mais in der Nähe seines Bienenhauses zu Forschungszwecken anbauen lässt. Das Gericht muss nun klären, ob Imker vor der Kontaminierung durch Gen-Pflanzen geschützt werden müssen.

Was passiert, wenn es nicht gelingt, den Verlust der Bienen einzudämmen, lässt sich schon heute in China beobachten. Dort gibt es Landstriche, in denen die Bienen in den 80er-Jahren ausgerottet wurden – wahrscheinlich durch den hemmungslosen Einsatz von Pestiziden. Bauern müssen ihre Obstbäume nun selbst bestäuben. Von jeder einzelnen Blüte bürsten sie Blütenstaub und lassen ihn zwei Tage lang trocknen. Danach klettern Arbeiter, oft Kinder oder Alte, auf die Kirsch- und Birnbäume, um die Blüten in Handarbeit zu bestäuben. Dafür benutzen sie Bambusrohre, an deren Enden in Blütenstaub getauchte Hühnerfedern stecken.

Diese Arbeit ist nicht nur mühsam, sondern auch teuer: Müssten Obst, Gemüse, Gewürze und Nüsse weltweit von Menschenhand befruchtet werden, würde das bis zu 310 Milliarden Euro im Jahr kosten. Die Biene arbeitet gratis – und viel schneller.

Summende Multitalente
Den ausgeprägten Geruchssinn der Bienen machen sich auch 
Sicherheitsdienste zunutze: Schnüffelbienen werden mit einer Zuckerlösung auf die Sprengstoffsuche abgerichtet. Sobald die Tiere TNT-Geruch wahrnehmen, erwarten sie das Futter und strecken reflexartig die Zunge heraus. In Zuverlässigkeit und Lerngeschwindigkeit sind Bienen sogar Spürhunden überlegen.
Als Detektive anderer Art hat der Flughafen Hamburg die talen­tierten Insekten angesiedelt: Ihr Honig soll als Indikator für 
die Luft­qualität im Umkreis von zwölf Quadratkilometern dienen. Haben die von Bienen besuchten Pflanzen Schadstoffe aus 
Luft, Boden oder Wasser aufgenommen, lassen sich diese in Wachs und Honig nachweisen.
Dagegen wirkt das Projekt von Wissenschaftlern der Universität 
Harvard eher wie Science-Fiction: Informatiker, Biologen und 
Ingenieure entwickeln gemeinsam eine Roboterbiene. Eines Tages soll die „RoboBee“ so winzig wie eine echte Biene sein, Pflanzen bestäuben, Umweltdaten sammeln und in gefährlicher Um­gebung Überlebende suchen können.

Schnüffelbienen
www.youtube.com
(Suchwörter „bees“ und 
„explosives“)

Lufttester
www.airport.de/de/pressearchiv_2009_4373.html


Fliegende Roboter
www.robobees.seas.harvard.edu
(in engl.)

Bienen als Entwicklungshelferinnen
Ein Imker braucht kein eigenes Land und kaum Startkapital. Deshalb eignet sich die schnell aufzubauende Bienenzucht bestens, um die Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Dieses Potenzial haben inzwischen viele Träger und Organisationen erkannt, etwa das Kolpingwerk, die GLS Bank oder die Universität Würzburg. Die weltweit 
wichtigste Bienen-Entwicklungshilfe-Initiative heißt „Bees for Development“. Die in Wales ansässige kleine Nicht­regierungsorganisation bildet vor allem in Afrika und Asien angehende Imker aus und fort und hilft ihnen beim 
Vertrieb. Die 1993 gegründete NGO legt dabei großen Wert auf nachhaltige Arbeitsweise. Außerdem verschickt „Bees for Development“ in mehr als 130 Länder kostenlos Monatszeitschriften mit Neuigkeiten aus der Imkerwelt.
www.beesfordevelopment.org

Unersetzliche Nützlinge
Angesichts des Rückgangs der Bienenvölker suchen Forscher nach Alternativen: Um die aufwendige Hand­bestäubung zu vermeiden, versucht man in den USA, Blüten mit Flugzeugen, Hubschraubern oder Ventilatoren 
zu bestäuben – bislang mit zweifelhaftem Erfolg. Obst- und Gemüsebauern setzen auch andere Bestäuber 
ein, Hummeln eignen sich beispielsweise für Gewächshäuser. Um sie nicht kaufen zu müssen, versuchen 
die Landwirte, Hummeln und Wildbienen durch Nisthilfen anzulocken. Doch die Leistung der Honigbienen 
können die Wildinsekten schon rein zahlenmäßig nicht ersetzen, zumal sie selbst bedroht sind. Text: Andreas Unger Fotos: Dan Winters und Silke Wernet

Weitere Infos
Alison Benjamin/Brian McCallum: Welt ohne Bienen. Wie das Sterben einer Art 
unsere Zivilisation bedroht. Fackelträger Verlag 2009, 288 Seiten, 19,95 Euro
Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Spektrum Verlag 2007, 278 Seiten, 24,95 Euro
Das Geheimnis des Bienensterbens, DVD, Dokumentation von Mark Daniels, 2010
www.lwg.bayern.de/bienen (mit Tipps zu bienenfreundlichen Gärten)