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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.17

Der Euroradler

Wegweiser: Candid Dauth, 28, fährt mit dem Rad auf den Spuren von ökologischen und sozialen Utopien durch Europa.
Für Fahrräder hat sich Candid Dauth nie besonders interessiert. Erst als ihm seine Mutter zum 18. Geburtstag ein Mountainbike schenkte, entdeckte er das Radfahren als gute Möglichkeit zu reisen. 60.000 Kilometer hat er seitdem quer durch Europa zurückgelegt, sein Sattel ist durchgesessen, das ganze Rad sieht mitgenommen aus. Für Dauth ist Radfahren mehr als nur Fortbewegung: „Wenn du alleine fährst, ist es wie Meditieren“, sagt er. 2013 stieß der Programmierer zufällig auf die Ecotopia Biketour: ein selbstorganisierter, bunter Pulk von Radfahrern, der seit 27 Jahren jeden Sommer auf verschiedenen Routen den europäischen Kontinent quert. Unterwegs besuchen die Teilnehmer soziale und ökologische Projekte, helfen bei Naturschutzaktionen und organisieren Workshops, in denen sie ihr Können und ihr Wissen teilen.

„Dieses Jahr fahren wir drei Monate lang von Straßburg nach Barcelona“, sagt Dauth, es ist seine fünfte Tour. 45 Menschen werden mitfahren, jeder bringt seine Fähigkeiten ein, Hierarchien gibt es nicht. Unterwegs wird gezeltet, Essen wird „containert“ und beim Bauern oder im Bioladen gekauft. „Wo wir genau langfahren, entscheiden die Kundschafter, die morgens Pfeile auf die Straße malen“, sagt Dauth.

Für die Verwaltung der Route hat er das Open-Source-Tool Facil Map programmiert. Auch hat er Bauteile dabei, um den Strom seines Dynamos zum Aufladen von Handys zu nutzen. Seit 2014 fährt der kleine Hund „Knödel“ im Anhänger mit, Dauth fand ihn in Bulgarien unter einer Mülltonne. „Auf der Tour hat man Zeit füreinander, keiner bringt Stress mit und man ist drei Monate mit denselben Menschen zusammen – so würde ich gerne das ganze Jahr über leben“, sagt er.
ecotopiabiketour.net

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