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Der helle Kontinent

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Der helle Kontinent

Text: Bill McKibben Foto: Mathieu Young

Südlich der Sahara boomt die Solarenergie, und aus einer Hoffnung wird Wirklichkeit: Günstige erneuerbare Energien verbessern das Leben der Menschen auf einem Kontinent, der das fossile Zeitalter einfach überspringt. Bill McKibben, US-Autor und Klimaaktivist, besuchte Start-ups in Ghana, Tansania und der Elfenbeinküste und traf Menschen, um die es heller wird

Die Gemeinde Daban in Ghana lebt vom Kakaoanbau. Sie liegt sieben Grad nördlich des Äquators, es ist immer heiß. Im Mai sprach ich dort mit einigen der Ältesten über die Elektrizität, die es in der Stadt seit einigen Monaten gab. Ein US-amerikanisches Start-up hatte ein solarbetriebenes Mikronetz in der Nähe installiert. Daban kann nun den Impfstoff gegen Gelbfieber sicher lagern, und die Einwohner können ihre Mobiltelefone zu Hause aufladen statt dafür zu Fuß in eine größere Stadt marschieren zu müssen. Während wir uns unterhielten, reichte mir einer der alten Männer einen kleinen Plastikbeutel mit Wasser, wie ihn Straßenverkäufer in ganz Westafrika anbieten – man beißt einfach eine Ecke ab und trinkt. Das Wasser war eiskalt und erfrischend. Ich brauchte einen peinlich langen Moment, um zu begreifen, warum er es mir mit so viel Vergnügen anbot: kaltes Wasser! Es gab genügend Strom für ein paar Kühlschränke – Kälte war an diesem heißen Ort zum ersten Mal möglich geworden.

Von Ghana aus reiste ich in die Elfenbeinküste und von dort nach Tansania, unterwegs lernte ich eine Vielzahl neuer Solarprojekte kennen, die meisten davon unter amerikanischer Führung. Einige – darunter auch Black Star Energy in Ghana, das Daban elektrifiziert hatte – installieren Mikronetze, Miniaturversionen des gigantischen Netzes, wie wir es kennen. Andere, wie Off Grid Electric in Tansania und der Elfenbeinküste, vermarkten Solarsysteme für zu Hause, die von einem Paneel auf dem Dach gespeist werden. Solche Anlagen liefern zwar nicht genügend Strom für einen Kühlschrank, wohl aber für ein paar Lichtquellen, ein Ladegerät für das Mobiltelefon und – falls der Haushalt sich das leisten kann – einen supereffizienten Flachbildfernseher.

Es gibt heute rund 1,2 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, fast so viele wie die Erde bevölkerten, als Thomas Edisons erste Glühbirne brannte. Mehr als die Hälfte von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara, die absolute Zahl von Afrikanern ohne Strom bleibt konstant. Die Weltbank prognostiziert, dass bei gleichbleibender Entwicklung in Subsahara-Afrika im Jahr 2040 immer noch eine halbe Milliarde Menschen keinen Strom haben könnten. Und dort, wo es welchen gibt, kann man sich nicht darauf verlassen: Der Weltbank zufolge traten Stromausfälle in Tansania 2013 so häufig auf, dass die ortsansässigen Unternehmen durch sie 15 Prozent ihres Jahresumsatzes einbüßten. Die Ghanaer nennen ihre flackernde Energie „dum/sor“: „aus/an“.

Die Versorgung Afrikas mit Strom ist eine der größten Entwicklungsaufgaben der Welt. Bis vor Kurzem glaubte man, dass der Kontinent sich auf dieselbe Art elektrifizieren würde wie der Rest des Planeten. „Man dachte, hier werde schließlich das Netz der USA gebaut“, sagt Xavier Helgesen, der Mitgründer und Geschäftsführer von Off Grid. „Aber die USA sind das reichste Land der Erde, und das war erst in den Vierzigerjahren komplett elektrifiziert – in einer Ära, als Kupfer für die Drähte, Holz für die Masten, Kohle und Kapital billig waren. Nichts davon ist mehr so billig, jedenfalls nicht hier.“

Doch mittlerweile ist Solarenergie günstig geworden, unter anderem weil der Preis für Solarpaneele gefallen ist, während die Effizienz von Glühlampen und Geräten sich dramatisch verbessert hat. 2009 hätten ein Radio, ein Handyladegerät und ein Solarsystem für täglich vier Stunden Licht und Fernsehen einen Kenianer rund 850 Euro gekostet, heute sind es knapp 300. (...)

Übersetzung: Kerstin Eitner

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