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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.17

Der Ökosurfer

Wegweiser: Rainer Uhl, 46, ist leidenschaftlicher Surfer und macht sich mit Gleichgesinnten in Europa und der ganzen Welt für saubere Strände und Flussufer stark.
„Alles ging los mit einer Mittelohrentzündung, die ich durch das dreckige Atlantikwasser beim Wellenreiten bekam“, sagt Rainer Uhl. Von da an habe er gewusst: Um sich auch in Zukunft mit gutem Gefühl in die Wellen werfen zu können, muss er etwas gegen den Müll im Meer tun. Denn ändert sich nichts, könnten laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums in gut dreißig Jahren in den Ozeanen mehr Plastikabfälle schwimmen als Fische. 2011 gründete Uhl deshalb in Hamburg die deutsche Gruppe der weltweit tätigen Surfrider Foundation.

Engagierte Surfer haben vor dreißig Jahren ihren Lieblingsstrand bei Malibu vor einer Müllflut gerettet und die Organisation in den USA ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Bewegung auch in Europa sehr aktiv: In 14 Ländern säubern Freiwillige Strände und versuchen mit Vorträgen und Workshops, vor allem junge Menschen für einen bewussteren Umgang mit dem Meer zu gewinnen.

In Deutschland gibt es inzwischen rund 150 Mitglieder. „Wir sind alle Oceanlover“, sagt Uhl, „das verbindet.“ Um mitzumachen, müsse man kein Surfer sein. Aber gerade viele Wellenreiter hätten durch ihren Sport eine enge Beziehung zur Natur. „Die wenigen, die sich gar nicht darum scheren, sollte mal ein Plastikstuhl in einer Welle treffen“, sagt Uhl. „Dann denken auch die um.“

Etwa vierzigmal pro Jahr durchkämmen Uhl und seine Mitstreiter die beliebtesten Surfspots an der Nord- und Ostsee sowie einige Flussufer. Am häufigsten finden sie Plastikverpackungen, Teile alter Fischernetze, Zigarettenstummel und Hundekotbeutel, ab und zu ist auch ein Handy dabei. Um zu wissen, welchen Müll das Wasser wo anschwemmt, erfassen die Sammler ihre Funde in Listen. „Bin ich zum Surfen am Strand, wandert mein Blick automatisch zu den Plastikflaschen und Zigarettenstummeln“, sagt Uhl. „Die hebe ich auf. Wären alle so aufmerksam, wäre das Müllproblem im Meer viel kleiner.“
initiativesoceanes.org/de/