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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.17

Der Saatgutretter

Wegweiser: Johannes Kotschi, 68, hat eine Open-Source-Lizenz für Saatgut auf den Markt gebracht: ein erster Schritt gegen die Privatisierung.
Tomaten, Kartoffeln, Weizen, Gerste – die Rechte am Saatgut vieler Sorten unserer Grundnahrungsmittel gehören großen Agrochemiekonzernen wie Monsanto, Dupont/Pioneer, Syngenta, Limagrain oder Winfield. Das Gemüsesaatgut ist in Europa sogar zu 95 Prozent in der Hand der fünf größten Konzerne. Doch den Ausverkauf der Nahrungsmittelgrundlage sieht die Öffentlichkeit mit weniger Sorge als etwa die Privatisierung von Wasser.

Das will der Agrarwissenschaftler Johannes Kotschi ändern. „Weltweit fehlt es an Vielfalt auf den Äckern“, sagt er. „Wir brauchen mehr regional angepasste Kulturpflanzen, die alle verwenden können und die auch ohne viel Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel auskommen.“ Daran haben einige Konzerne aber kaum Interesse, denn ihr zweites Standbein ist der Verkauf von Ackerchemie.

Darum hat Kotschi mit einigen Mitstreitern die Organisation Open Source Seeds gegründet und will nun den Saatgutmarkt aufmischen. Die Gruppe entwickelte eine Lizenz, die es Saatgutherstellern erlaubt, ihre Produkte vor der Einverleibung durch Patentierung zu schützen. Eine so lizenzierte Pflanze ist die gelbe Cocktailtomate Sunviva: Wer ihr Saatgut kauft, darf es anschließend beliebig weiterverwenden und auch verändern. Jeder, der die Frucht anbauen möchte, räumt zukünftigen Lizenznehmern die gleichen Rechte ein. So bleibt das Saatgut Gemeingut.

Doch wer entwickelt in Zukunft das Saatgut weiter, wenn nicht die großen Konzerne? Wenn es nach Johannes Kotschi geht, übernehmen lokale, gemeinwohlorientierte Pflanzenzüchter diese Aufgabe. Sein Ziel ist es, die Menschen von der Notwendigkeit eines öffentlich finanzierten Saatgutsektors zu überzeugen: „Die Gesellschaft muss bereit sein, für den Zugang zu Saatgut und für die Ackervielfalt zu bezahlen“, sagt er. Die Open-Source-Tomate ist dabei nur der erste Schritt.
opensourceseeds.org