Greenpeace Magazin

Ausgabe 5.18

An die große Glocke damit

Deutschland: Aldi Süd nimmt Ausbeuter-Erdbeere aus dem Regal

An die große Glocke damit

Als Menschenrechtsorganisation war Aldi Süd bisher noch nicht aufgefallen. Im Frühsommer nahm das Unternehmen Erdbeeren aus Spanien aus dem Regal, weil die Produzenten im Verdacht stehen, ihre „Geschäftspartner“ (vulgo: Pflücker) nicht nur finanziell zu übervorteilen (was im Übrigen auch Geschäftsgrundlage eines auf Niedrigstpreisen basierenden Discounterwesens ist) – sondern, verwerflicher noch, die Mitarbeiterinnen unwürdigen Arbeitsbedingungen und sexuellem Missbrauch auszusetzen. Das Online-Magazin Buzzfeed hatte in einer Reportage über die Zustände berichtet, worauf Aldi Süd sich öffentlich bestürzt zeigte und die Erdbeerregale leerte. Nun ist es ja leicht, sich über einen ertappten Supermarktriesen aufzuregen, allerdings werden auch Verbraucher nicht gezwungen, Erdbeeren zu einem Preis zu kaufen, bei dem selbst Menschen mit profunder Rechenschwäche einleuchtet, dass für denjenigen, der sie geerntet hat, nicht viel übrig bleiben kann. Dann lieber auf die nächste Saison warten und selber pflücken, das geht ja bei vielen Plantagen in Deutschland. Der Lohn: wunde Finger, Rückenschmerzen und das gute Gefühl, garantiert nur sich selbst ausgebeutet zu haben.
 

Italien: Bittere Früchte
Obst aus Süditalien kommt häufig auf kriminellem Weg in den Supermarkt, denn die Mafia mischt mit. Tausende Arbeitskräfte werden ausgebeutet, viele davon sind Migranten. Wir berichteten bereits vor Jahren, jetzt holte eine ARD-Dokumentation („Europas dreckige Ernte“) das Thema ins Hauptprogramm. Und siehe da: Der „Stern“ warnt seine Leser schon eindringlich davor, Obst aus der Region zu kaufen.  

Kenia: Fliegende Blumen
Bis heute gibt es kein offizielles Siegel, das faire Arbeitsbedingungen ausweist. Einigermaßen verlässlich ist das Fairtrade-Logo bei Produkten aus Afrika. Daher ein Verbrauchertipp: Wenn es gerade Blumen sein müssen, dann vielleicht ein Strauß aus Kenia, allen Transportweg-Bedenken zum Trotz. Die Löhne der Arbeiter auf den Fairtrade-Plantagen sind dort in den letzten Jahren gestiegen, ein Trend, den man weiter unterstützen sollte.

Honduras: Saubere Sneaker
Aufhorchen, Sportsfreunde! Wie wir von der Organisation CI-Romero erfuhren, hat sich der lange Kampf der Näherinnen einer Adidas-Zulieferfabrik in San Pedro Sula, Honduras, gelohnt. Seit sie eine Gewerkschaft gründeten, haben sich die Arbeitsbedingungen verbessert, Tarifverträge gibt es auch. Da könnte Adidas doch gleich in einem Nachbarbetrieb nachsehen. Dort gibt es laut CI-Romero trotz Tropenhitze keine Lüftung, das Akkord-Tagessoll sei unmenschlich hoch. Adidas antwortete auf unsere Nachfrage, die Vorwürfe prüfen zu wollen.