Fokus

Die
Retterin der
Meere

Sylvia Earle ist eine Legende der Ozeanforschung und kämpft für den Schutz der Meere. Wir haben sie gefragt, wie er gelingen kann und warum Tauchen auch ein Sport fürs Alter ist

Die legendäre Ozeanografin Sylvia Earle, 82, erforscht die Weltmeere seit über einem halben Jahrhundert und taucht im Alter immer noch selbst. Ökologischen und politischen Wandel bemerkt sie stets früh – und hautnah
Die legendäre Ozeanografin Sylvia Earle, 82, erforscht die Weltmeere seit über einem halben Jahrhundert und taucht im Alter immer noch selbst. Ökologischen und politischen Wandel bemerkt sie stets früh – und hautnah
Fokus
1 / 2

Die
Retterin der
Meere

Sylvia Earle ist eine Legende der Ozeanforschung und kämpft für den Schutz der Meere. Wir haben sie gefragt, wie er gelingen kann und warum Tauchen auch ein Sport fürs Alter ist

Text: Bastian Henrichs und Katja Morgenthaler

Foto: Jouk Oosterhof

Die legendäre Ozeanografin Sylvia Earle, 82, erforscht die Weltmeere seit über einem halben Jahrhundert und taucht im Alter immer noch selbst. Ökologischen und politischen Wandel bemerkt sie stets früh – und hautnah
Die legendäre Ozeanografin Sylvia Earle, 82, erforscht die Weltmeere seit über einem halben Jahrhundert und taucht im Alter immer noch selbst. Ökologischen und politischen Wandel bemerkt sie stets früh – und hautnah

Sie tauchte als erster Mensch allein in einer Kapsel tausend Meter hinab ins Meer, sie lief auf dem Boden der Tiefsee und lebte tagelang in einem Forschungslabor unter Wasser: Seit über sechs Jahrzehnten erforscht die US-Amerikanerin Sylvia Earle den Ozean. Die Jeanne d’Arc der Meere, wie manche sie nennen, hat zahlreiche Arten entdeckt und unzählige verschwinden sehen. Sie sagt: Beim Meeresschutz geht es auch um unsere Existenz. Ihren Optimismus hat sie sich auch mit 82 Jahren bewahrt

Es herrscht Chaos in Amsterdam. Das Sturmtief „Friederike“ braust vom Nordatlantik heran, entwurzelt Bäume, wirft Motorroller um und lässt Straßenbahnen stillstehen. Sylvia Earle, wie so oft auf Vortragsreise, landet drei Stunden später als geplant und kann sich deshalb vor unserem Interview kaum ausruhen. Doch keine Katastrophenstimmung bei ihr: Sie freut sich über Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke brechen und kurz das Zimmer fluten. Sie lobt das begrünte Dach unter dem Fenster, „gut für die Vögel“, und schaut für einige Sekunden einer Amsel zu. Während des Gesprächs wird sie sich bei einem Kaktus entschuldigen, den sie beim Gestikulieren berührt. Nichts scheint der Grande Dame der Ozeanforschung selbstverständlich. Und statt der geplanten zwei nimmt sie sich gleich vier Stunden Zeit. Für ihr Anliegen: den Schutz der Meere.

Frau Earle, Sie tauchen noch immer. Wir geben zu: Wir sind beeindruckt.

Tauchen kann man sein ganzes Leben lang. Es wird mit dem Alter schwieriger, wirklich athletischen Sport zu treiben wie Skifahren oder Wandern. Aber Tauchen – das geht, solange ich atme.

Wie würden Sie jemandem das Tauchen beschreiben, der noch nie unter Wasser war?

In dieser Welt, die in der Tiefe immer blauer und blauer wird, versucht man, andere Worte für blau zu finden. Es wird purpurblau, dann blauschwarz, und dann ist es dunkel. Aber nicht total dunkel, denn dort unten gibt es Lebewesen, die leuchten wie Glühwürmchen. Tauchen Sie nachts! Wenn Sie sich unter Wasser auf den Rücken drehen, können Sie die Sterne am Himmel sehen. Und dann drehen Sie sich wieder um und sehen all die Wesen da unten. Oben ein Universum und unten noch eins.

Es gibt im Meer eine Menge Geschöpfe mit speziellen Fähigkeiten. Welche hätten Sie gerne?

Viele Meerestiere haben Superkräfte – und ich hätte sie gern alle. Ich hätte gern die Augen eines Fangschreckenkrebses, der ein enorm breites Licht- und Farbspektrum sehen kann. Ich hätte gern ein Seitenlinienorgan mit „Ferntastsinn“, wie es Fische haben. Dann könnte ich über meine Haut die Nähe anderer Lebewesen spüren. Ich würde auch gern verschiedene Farben oder Formen annehmen und mich vor jedem Hintergrund unsichtbar machen können wie ein Oktopus. Stellen Sie sich vor, im Wasser zu leben, wo Ihr Körpergewicht nicht zählt und Sie auf einem Finger stehen können. Jeder kann dort eine Ballerina sein.

Sie haben viel Zeit unter Wasser verbracht und sind dabei vielen ungewöhnlichen Lebewesen begegnet. Gab es Situationen, in denen Sie Angst hatten, vielleicht sogar um Ihr Leben?

Angst habe ich auf Schnellstraßen. Autofahren ist das Gefährlichste, was ich mache. Unter Wasser hat schon meine Ausrüstung versagt, ich wurde von Quallen erwischt, von kleinen Fischen gebissen und von Seeigeln gepikst. Wäre ich respektvoller und umsichtiger gewesen, hätte ich mich nicht zu weit vorgewagt, dann wäre das alles nicht passiert. Ich bin schon inmitten Hunderter Haie getaucht, das war nie ein Problem. Ich weiß natürlich, dass es gefährlich werden könnte, wenn ich etwas Dummes mache, aber normalerweise schwimmen Haie einfach weg, wenn man sich ihnen nähert. Nur gelegentlich wollen sie ihr Gebiet verteidigen. Dann darf man sie nicht herausfordern.

Wann sind Sie denn beim Tauchen zuletzt einer Gruppe von Haien begegnet? Es heißt, wo viele Raubfische sind, da geht es dem Ozean gut.

Ich tauche oft bewusst dort, wo sich Haie aufhalten. Aber heutzutage muss man das Tauchgebiet dafür sehr genau auswählen. Der Mensch hat viele Arten am oberen Ende der Nahrungskette nahezu beseitigt. Dadurch funktionieren die Ökosysteme nur noch an wenigen Stellen in gesunder, harmonischer Weise.

Kürzlich sagten Sie, dass Tauchen für Sie zu einem Luxus geworden sei, weil Sie so viel Zeit damit verbringen, für die Ozeane einzutreten. Wann sind Sie zur Aktivistin geworden?

In erster Linie bin und bleibe ich Wissenschaftlerin. Ich beobachte genau und kommuniziere, was ich sehe. Aber die Menschen sollen mitbekommen, was im Meer passiert. Ihnen muss vor Augen geführt werden, dass vieles, was die Ozeane schädigt, auf uns Menschen zurückzuführen ist. Ich habe das Privileg, über Jahrzehnte die Veränderungen beobachtet zu haben, und ich bin in der Lage, Ursache und Wirkung herzuleiten. So kann ich Aussagen darüber treffen, was wir unseren Ökosystemen – unserem Lebenserhaltungssystem, wie ich es gern nenne – antun.

Das Schicksal der Meere und jenes der Menschheit seien eins, ist Ihr Credo. Warum?

Wir bringen gerade den Ozean in große Gefahr: Die Hälfte aller Korallenriffe ist bereits abgestorben, neunzig Prozent der großen Fische sind verschwunden, das Meer versauert und wird wärmer, wir kippen tonnenweise Plastik hinein und Chemikalien. Mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, wird im Ozean produziert. Wenn wir den Organismen, die das bewerkstelligen, die Lebensgrundlage entziehen, gefährden wir also nicht zuletzt uns selbst.

Vor neun Jahren haben Sie erklärt, dass die kommenden zehn Jahre entscheidend seien für die Entwicklung der Ozeane in den nächsten zehntausend Jahren. Diese Zeit ist fast um. Wo stehen wir?

Tatsächlich wird es immer schwieriger, die Meere nachhaltig zu schützen. Aber es ist immer noch Zeit, nicht viel, aber genug, um unser Verhalten zu ändern.

Besteht also doch weiterhin die Möglichkeit, dass sich der Ozean komplett erholt?

Es ist, als würden wir mit einer Axt auf einen Computer einschlagen und dann überrascht feststellen, dass er nicht mehr richtig funktioniert. Kann man das Computersystem reparieren? Ich weiß es nicht. An Land pflanzen wir Bäume, renaturieren Flüsse und hören auf, Vögel umzubringen, weil wir ihre Bedeutung im Kreislauf des Lebens erkannt haben. Im Ozean ist es fast überall anders. Wir respektieren die Fische nicht. Wir sollten uns aber die Fische als die Vögel des Meeres vorstellen.

Essen Sie deshalb keine Fische mehr?

Auch deshalb, ja, es war aber ein längerer Prozess. Anfangs habe ich noch Fisch gegessen, wenn ich in Gesellschaft war, mit meiner Familie, bei Freunden. Ich hätte mir selbst keinen Fisch gemacht, aber wenn ich bei einem netten Abendessen welchen serviert bekam, habe ich ihn auch gegessen. Heute lasse ich ihn auf dem Teller. Ich bekomme aber auch keinen mehr vorgesetzt. Meine Gastgeber wissen, wie beunruhigt ich über die gesamte Fischerei bin. Da gibt es immer noch Vorstellungen, was alles entnommen werden kann, ohne die Meere nachhaltig zu schädigen, die nicht mit der Realität in Einklang stehen.

Was können wir dagegen tun?

Sie haben die Wahl: Wenn Sie Thunfisch essen, sind Sie Teil des Problems. Wenn Sie einen wild gefangenen Kabeljau essen, sind Sie Teil des Problems. Und Sie sind Teil der Lösung, wenn Sie „nein, danke“ zu Kabeljau, Heilbutt und Hering sagen. Grundsätzlich gilt: Je älter ein Fisch ist, den wir verzehren, desto stärker müssen wir die Tonnen von Pflanzen und all die anderen Tiere am Beginn der Nahrungskette einkalkulieren, die er im Laufe seines Lebens gefressen hat. Ein Blauflossenthunfisch braucht zehn bis 14 Jahre, nur um auszuwachsen, Tiefseefische wie der Granatbarsch werden sogar erst mit etwa dreißig Jahren geschlechtsreif und wachsen ein Leben lang. Und Fisch zu essen, der älter ist als die eigenen Urgroßeltern, ergibt ökologisch überhaupt keinen Sinn.

Welcher Speisefisch ist denn bitteschön älter als unsere Urgroßeltern?

Granatbarsche. Die können bis zu 150 Jahre alt sein. Oder – auch wenn er nur ganz selten gegessen wird – der Grönlandhai. Diese Tiere können 400 Jahre alt werden. Vielleicht sollten wir diese alten Fische besonders respektieren. Sie sind wichtig für die Fischgesellschaft, die die Ökosysteme am Laufen hält.

Gibt es das – eine Fischgesellschaft?

Ja! Es gibt Kommunikation, Beziehungen, auch symbiotische, zwischen Fischen verschiedener Arten. In einer aktuellen Studie wurden Muränen und Zackenbarsche dabei beobachtet, wie sie zusammen jagen. Es läuft so: Der Zackenbarsch findet einen Fisch, der nach Mittagessen aussieht. Er schwimmt zur Muräne und signalisiert ihr mit bestimmten Bewegungen: Zeit zu jagen! Die Muräne kommt mit. Der Zackenbarsch wartet, während sie den Fisch aus seinem Versteck scheucht und – schnappt ihn. Dann teilen sie sich die Mahlzeit. Das ist nur ein kleines Beispiel. Sie können so etwas sogar im Aquarium beobachten. Sie setzen mehrere Fische hinein und zwei davon verbünden sich, sie bleiben zusammen. Als würden sie einander mögen.

Als Sie 2009 die Organisation „Mission Blue“ gründeten, gaben Sie als Ziel aus, bis 2020 zwanzig Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen. Davon sind wir weit entfernt. Waren Sie in dieser Sache zu optimistisch?

Wenn Sie so wollen: Ja. Und doch kann ich vom Optimismus nicht lassen. Sie wissen, wie ein Hockeyschläger aussieht? So muss jetzt auch die Wachstumskurve der geschützten Gebiete verlaufen. Vor zwanzig Jahren war nicht einmal ein Prozent des Meeres geschützt. Jetzt sind es knapp vier Prozent. Das ist noch viel zu wenig. Aber die UN haben vor einigen Jahren ein realistisches Ziel entwickelt: zehn Prozent bis 2020. Darum geht es jetzt, das können wir noch schaffen. Und danach dürfen wir nicht aufhören. Dreißig Prozent bis 2030 und dann – irgendwann – vielleicht hundert. Wie viel Prozent Ihres Herzens würden Sie schützen, wenn Sie wollen, dass es weiterhin schlägt?

Das Meer als das Herz der Welt, dem hundertprozentiger Schutz gebührt: Ist die Menschheit schon so weit, das einzusehen?

Es gibt viel Entmutigendes, aber es gibt auch jede Menge Gründe für Optimismus. Vielleicht haben wir noch nicht die kritische Masse erreicht, aber heute reden die Leute immerhin darüber, wie wichtig Recycling und Rücksichtnahme auf die Tierwelt sind. Man kann zu einem Wirtschaftstreffen gehen und es wird über Umweltschutz geredet. Vor ein paar Wochen traf ich Enrique Peña Nieto, den Präsidenten von Mexiko, als er ein riesiges Meeresschutzgebiet einweihte. Und gerade komme ich aus Chile, wo ein Gebiet um die Osterinseln geschützt werden soll.

Einer, den das Thema gar nicht zu interessieren scheint, ist Donald Trump. Zu Jahresbeginn hat er neunzig Prozent der US-Küstengewässer für Ölbohrungen freigegeben. Ein Rückschlag?

Man kann sich von vielen Dingen entmutigen lassen. Aber wenn man mal einen Schritt zurückgeht und das große Ganze betrachtet, dann lässt sich ein positiver Trend erkennen: ein größeres Bewusstsein, mehr Anteilnahme, mehr Taten. Und am Ende: bessere Ergebnisse. Natürlich gibt es Einzelne wie den derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten oder gewisse Firmenchefs, die verleugnen, dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt. Meine Bitte wäre: Wählen Sie Leute, die das begriffen haben!

1990 haben Sie eine hohe Position bei der US-Ozeanografie- und Wetterbehörde NOAA übernommen. Warum sind Sie zwei Jahre später zurückgetreten? Glauben Sie nicht, dass Sie unmittelbar auf der politischen Ebene mehr für den Schutz der Meere hätten tun können als durch Ihr privates Engagement?

Ich war dort ja nur die Chefwissenschaftlerin. Ich konnte versuchen, Einfluss zu nehmen, aber wirklich Macht, eigenverantwortlich etwas zu ändern, hatte ich nicht. Das war frustrierend. Ich durfte nicht zu bestimmten Besprechungen gehen, weil die anderen schon wussten, was ich sagen würde.

Was denn?

Es ging um die Fischereiindustrie. Als Wissenschaftlerin der Behörde sagte ich: Wir können so nicht weitermachen, die Fische brauchen mehr Schutz. Aber die Entscheider hören auf die Industrie, die bestimmte Fangquoten will. Es geht nur darum, die finanziellen Ziele des nächsten Quartals zu erreichen, völlig losgelöst von dem, was die Natur bereitstellen kann. Wenn das nicht mehr genug ist, entfernen sich die Fischereiflotten immer weiter von den Küsten, bis die Fanggründe in der Hochsee erreicht sind. Dort bedient sich dann eine Handvoll Staaten an den globalen Allgemeingütern – mit einem riesigen CO2-Fußabdruck. Sie verbrauchen mehr Treibstoff und ziehen Millionen Tonnen Lebewesen aus dem Wasser, sodass deren Kohlenstoff frei wird. Gleichzeitig zerstören sie die „Maschine“, die Kohlendioxid einfängt, Sauerstoff erzeugt und so das System stabil hält.

Den Klimawandel sehen Sie als eine der größten Bedrohungen der Meere. Zum Tauchen, das Sie den Menschen ans Herz legen, reisen die meisten aber mit dem Flugzeug an – und befeuern ihn so.

Dann nehmen Sie ein Boot! Sie können Ausreden finden, aber es gibt Möglichkeiten. Wer es wirklich will, der findet einen Weg, ans Meer zu gelangen.

Sie selbst fliegen um die Welt, um für den Schutz der Meere zu werben. Wie gehen Sie mit diesem Dilemma um?

Ja, ich habe einen großen ökologischen Fußabdruck. Und es gibt keine echte Rechtfertigung dafür, außer alles zu tun, was mir möglich ist, um es wieder auszugleichen und für den Naturschutz einzutreten.

Nach allem, was Sie gesehen haben: Woraus ziehen Sie Ihren Optimismus, dass die Meere und damit auch der Planet ein gutes „Habitat“ für uns Menschen bleiben werden?

Wenn wir aufhören zu töten, kann es Erholung geben. Und manchmal können wir auch auf positive Art eingreifen. Im Hafen von New York gibt es das Eine-Milliarde-Austern-Projekt, bei dem Kinder und andere Stadtbewohner zusammen mit Wissenschaftlern Austern ansiedeln. Es soll dort wieder ein bisschen so werden wie früher, als Austern das Wasser filterten und so sauber hielten.

Sind es vor allem kleine Projekte, die helfen?

Alles hilft. Wenn die Leute wollen, dass es passiert, dann passiert es. Jeder kann Entscheidungen treffen, die die Welt zu einem besseren Ort machen. Ich habe mich entschieden, keine Tiere zu essen, weil sie mir lebendig deutlich lieber sind. Wenn man Teil der Lösung sein will, kann man es schaffen.


Vom Aqua-Chick zur Meeresikone

Ein Wendepunkt im Leben von Sylvia Earle, geboren am 30. August 1935 nahe Philadelphia, war das Forschungsprogramm Tektite II. Earle, die 1966 mit ihrer umfangreichen Promotionsstudie über Braunalgen im Golf von Mexiko bereits Aufsehen erregt hatte, wurde ausgewählt, eine Gruppe von fünf Frauen zu leiten, die zwei Wochen lang in einer 15 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Station vor den Jungferninseln lebten. Die Aquanautinnen bekamen als „Aqua-Chicks“ viel mediale Aufmerksamkeit. Earle nutzte die Gelegenheit und wurde zu einer gefragten Rednerin und Autorin, die schon früh auf die Gefahren durch Umweltverschmutzung und Überfischung hinwies.

Viel Beachtung erfuhr sie auch 1979, als sie in knapp 400 Metern Tiefe in einem Spezialanzug den Meeresboden der Tiefsee erkundete. Von da an trug sie den Spitznamen „Her Deepness“. Sie begann, gemeinsam mit ihrem Team Unterwasserfahrzeuge zu entwickeln und fuhr als erster Mensch allein in eine Tiefe von tausend Metern hinab. In den Neunzigerjahren wurde sie als erste Frau zur Chefwissenschaftlerin der Nationalen Ozeanografie- und Wetterbehörde (NOAA) der USA berufen, außerdem zur ersten „Heldin des Planeten“ im Time Magazine ernannt und zum ersten weiblichen „Explorer in Residence“ bei der National Geographic Society in Washington D.C.

Als sie 2009 den TED-Preis der gleichnamigen Innovationskonferenz in Monterey, Kalifornien, gewann, gründete sie mit dem Preisgeld in Höhe von einer Million Dollar die Organisation „Mission Blue“, der jeder Mensch ein neues Meeresschutzgebiet vorschlagen kann, um deren Realisierung und Pflege sich das Team dann bemüht. Weltweit gibt es bereits mehr als siebzig solcher „Hope Spots“.

2 / 2

 

Am Welttag der Ozeane diesen Freitag rufen die Vereinten Nationen dazu auf, sich die Bedeutung der Weltmeere für alle Bereiche des Lebens – wie Ernährungssicherheit, Klima, Biosphäre und Gesundheit – vor Augen zu führen. Also sämtliche Themen, die das Leben von Silvia Earle bestimmen. Das Interview mit der Grande Dame der Ozeane und weitere Geschichten zum Zusammenspiel von Mensch und Meer, gibt es auch in der aktuellen Ausgabe des Greenpeace Magazins 3.18 „Wir Seeleute“ zu lesen.