Greenpeace Magazin Ausgabe 6.98

"Die Schlupflöcher schließen"

Die 4. Internationale Klimakonferenz der Vereinten Nationen berät vom 2. bis zum 13. November in Buenos Aires darüber, wie die Beschlüsse des letztjährigen Klimagipfels von Kyoto umgesetzt werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei der Handel mit Emissionsrechten. Gerhard Berz, Chefmeteorologe der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, fordert von den Industriestaaten mehr Engagement beim Klimaschutz.

GPM: Was hat sich seit dem Klimagipfel von Kyoto getan?

Berz: Vor allem zeichnet sich ab, daß die globale Mitteltemperatur weiter steigt. 1998 wird das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werden.

Was muß geschehen, um diesen Trend endlich zu stoppen?

So makaber es klingt, aber offenbar müssen noch mehr und noch größere Naturkatastrophen – Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren – eintreten, um die große Politik zum Umdenken zu bewegen. Vor allem US-Politiker brauchen das anscheinend, um die Belange des Klimaschutzes beherzter zu vertreten.

Ihr Unternehmen ist an zahlreichen Firmen beteiligt, auch in der Automobilbranche. Sie könnten selbst mehr Druck machen.

Wir konfrontieren die Kollegen von der Automobilindustrie regelmäßig mit unseren Standpunkten für mehr Klimaschutz, und das stößt dort auch auf Resonanz. Andererseits können wir unseren Einfluß nicht beliebig ausdehnen.

In Buenos Aires sollen vor allem die Mechanismen für den Handel von Emissionsrechten diskutiert werden. Ist das der richtige Weg für einen effektiven Klimaschutz?

Für eine Übergangszeit kann das ganz hilfreich sein, aber langfristig sollten sich die Industriestaaten nicht von ihrer Verpflichtung freikaufen können, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken.

Was erhoffen Sie sich konkret von der Konferenz in Buenos Aires?

Vor allem müssen die Schlupflöcher geschlossen werden, die das Protokoll der Kyoto-Konferenz den Teilnehmern bisher noch bietet, um die Erfüllung der Klimaziele zu verzögern.