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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.18

Die Schulstifterin

Wegweiser: Jacqueline Flory, 41, macht Münchner Kinder zu Schulstiftern im Nahen Osten. Sie brauchte nur ein halbes Jahr von der Idee, syrischen Flüchtlingskindern in den Camps im Libanon zu helfen, bis zum Bau der ersten Schule dort. Jacqueline Flory ist von der schnellen Sorte. „Eigentlich ging es nur um die Fundgrube für vergessene Sachen an der Schule meiner Kinder“, sagt sie. Die war im Februar 2017 voller Winterkleidung. Die Arabisch-Übersetzerin bot an, Brauchbares bei ihrer nächsten Reise von München in die Bekaa-Ebene mitzunehmen. Das Interesse der anderen Eltern war geweckt. Und so erzählte Flory bei einer Elternbeiratssitzung vom Leben in Provisorien, ohne Rechte, vom Arbeitsverbot für erwachsene Flüchtlinge und von Kinderarbeit auf den Feldern.

Jacqueline Flory kennt die Region, sie hat dort gearbeitet, Freunde und Freundinnen gefunden. Eine von ihnen hat die Organisation „Alphabet“ gegründet und baut seit fünf Jahren Schulen für Flüchtlinge. Auch Flory findet Bildung besonders wichtig: „Eine ganze Generation von Kindern, die als Analphabeten aufwachsen – das müssen wir verhindern“, sagt sie, und der Elternbeirat sah das genauso. Im Juni 2017 wurde der Verein Zeltschule gegründet, mit Kuchenverkäufen und Spendenläufen Geld gesammelt. Im August reiste Flory in den Libanon, um mit den Bewohnern eines Camps das erste Schulzelt zu errichten. 8000 Euro kostet so ein Bau für bis zu 300 Schüler, bis zu 30.000 Euro im Jahr der Betrieb. Das Teuerste daran sei die Lebensmittelversorgung, sagt Flory. Denn: „Nur wenn die Familien versorgt sind, können sie es sich leisten, die Kinder nicht zur Feldarbeit zu schicken.“

Sieben Zeltschulen gibt es mittlerweile, alle in der Bekaa-Ebene, alle von Unterstützern des Münchner Vereins finanziert. Flory ist bei jedem Schulbau dabei und besucht die bestehenden Schulen regelmäßig. Mit Videos und Bildern, die sie den Kindern voneinander zeigt, will sie ein Band zwischen den syrischen und den Münchner Schülern knüpfen, Freundschaften entstehen lassen. „Es könnte klappen. Das war meine Motivation.“
zeltschule.de