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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.18

Die Wüste lebt

Text: Svenja Beller Foto: Jan Richard Heinicke

Seit einem Jahr blockiert Saudi-Arabien den Landweg nach Katar. Seitdem gelangen keine Lebensmittel mehr aus dem verfeindeten Nachbarland in den kleinen Wüstenstaat. Was dem Emirat bleibt, sind viel Gas und viel Geld. Letzteres investiert es in Importe und eine eigene Landwirtschaft. Welch absurden Aufwand die Katarer betreiben, um Tomaten, Salatköpfe und Kühe im Wüstenklima wachsen und gedeihen zu lassen, zeigt der Fotograf Jan Richard Heinicke in seiner Arbeit „Wasteland“

Beige und hell. So sind Jan Richard Heinickes Fotos, und so ist auch Katar, sagt er. Immer beige, immer hell. Im Sommer ist es mehr als vierzig Grad heiß. Wenn es regnet, dann so stark und plötzlich, als wolle das Wasser sofort im rissigen Boden verschwinden. Auf dass sich keiner an seinen Anblick gewöhne.

Es ist kein Ort, an dem Obst und Gemüse gedeihen – erst recht nicht in Massen. Lange importierte das Land mehr als neunzig Prozent der Lebensmittel. Doch im Juni 2017 stürmten panische Katarer die Geschäfte und packten ein, was sie konnten. Der große Nachbar Saudi-Arabien hatte Land-, Luft- und Wasserwege blockiert, andere Länder schlossen sich an – Katar drohte ausgehungert zu werden. Die offizielle Begründung lautete, das Land unterstütze den islamistischen Terrorismus. Internationale Beobachter glauben eher, dass den Saudis seine Nähe zum Iran nicht passt. Doch die Blockade traf das Emirat nicht so stark, wie es sich seine Gegner erhofft haben dürften: Katar führt nun einfach mehr Lebensmittel aus anderen Ländern ein, auch aus dem Iran, und baut überdies seine eigene Landwirtschaft massiv aus, womit es vor dem Boykott bereits begonnen hatte. Bis 2024 soll die Eigenerzeugung Katars mindestens sechzig Prozent des Lebensmittelbedarfs decken.

Jan Richard Heinicke, 27, interessiert das Wie. Der Fotostudent aus Hannover, der zuvor Stadtplanung studiert hat, beschäftigt sich schon seit Längerem mit der industriellen Landwirtschaft. Im vergangenen Jahr dokumentierte er für seine Arbeit „Die Gläserne Stadt“ in Südholland, wie das uniform glänzende Gemüse für unsere Supermärkte heranwächst. Statt Bauernhöfe, Äcker und Mistgabeln zeigen seine Bilder Kunstlicht, Schläuche und geometrische Pflanzreihen. „Durch die Loslösung von der Natur kann so eine Landwirtschaft in Gewächshäusern an jedem Ort betrieben werden“, erzählt er.

Zehn Tage lang reiste Heinicke Anfang des Jahres durch Katar. Er dokumentierte eine Landwirtschaft, die einen absurden technischen Aufwand betreibt, um die Wüste ergrünen zu lassen. Seine Bilder sind ruhig und distanziert, die leichte Überbelichtung sieht er als konsequente Wiedergabe der Realität. Bei seiner Recherche gab sich Heinicke vorsichtshalber als Stadtplaner aus: „Viele westliche Journalisten haben das Land verlassen, weil sie nicht frei arbeiten können.“ Ein heikles Thema ist das Wasser. Aus Mangel an Süßwasservorräten werden Meer- und Grundwasser unter hohem Energieaufwand entsalzt. Die meisten Anlagen sind gasbetrieben. Katar ist nicht nur das reichste Land der Welt, es ist auch das mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf.