Jetzt abonnieren Magazinarchiv durchsuchen
Die Zeit drängt

Greenpeace Magazin Ausgabe 5.18

Die Zeit drängt

Text: Katja Morgenthaler und Bastian Henrichs Foto: Thorsten Futh

Peter Feindt, Vorsitzender des Rates für Biodiversität des Agrarministeriums, ist ein Mittler zwischen Wissenschaft und Politik. Im Interview erklärt er seinen Plan, die Landwirtschaft ökologischer zu gestalten – und wie mühsam es ist, die Agrarministerin davon zu überzeugen

Herr Feindt, Sie haben gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern einen Vorschlag für eine neue Agrarpolitik erarbeitet. Sie sagen: Der Status quo ist keine Option. Was ist das Problem?
Wenn wir weitermachen wie bisher, können wir die ökologischen Grundlagen, auf denen landwirtschaftliche Produktion basiert, nicht erhalten. Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft vieler ökologischer Systeme – und zugleich um die Zukunft der landwirtschaftlichen Produktion. Ich frage: Durchbrechen wir nicht gerade einige der Leitplanken, die wir brauchen, damit unsere Zivilisation nicht gefährdet wird? Ich mache mir Sorgen, weil wir die Probleme eigentlich kennen – die werden ja als solche auch nicht mehr bestritten. Aber wir müssen härter an kreativen Lösungen arbeiten.

Ihr Modell sieht weiterhin die viel kritisierten Flächenprämien vor, also Fördergelder, die an die Größe der Betriebe gekoppelt sind. Wer mehr besitzt, bekommt auch mehr?
Nein. Die Idee ist zwar, flächenbezogene Direktzahlungen beizubehalten. Sie sollen aber nicht mehr nur an die Größe der Fläche geknüpft werden, sondern an Umweltschutzmaßnahmen und an die Vielfalt der Landschaftsstrukturen auf den Betrieben.

Wie soll das funktionieren?
Wir nennen das die Landschaftsvielfaltsprämie. Auf Basis von Fernerkundungsdaten und eines mathematischen Algorithmus berechnen wir den Vielfaltswert für jede landwirtschaftliche Fläche. Wir können also sehen, wie viele Hecken dort stehen, ob es Teiche oder andere Kleinbiotope gibt. Je höher der ökologische Wert, desto mehr flächenbezogene Direktzahlungen gibt es dann. So schaffen wir unabhängig von der Größe des Betriebs einen Anreiz, für eine vielfältige Landschaft zu sorgen, in der Artenreichtum entstehen oder sich erhalten kann.

Wie sind die Reaktionen darauf?
Der Grundgedanke, Landschaftsvielfalt zu entlohnen, um die Voraussetzungen für biologische Vielfalt zu verbessern, kommt bei den Betrieben in der Landwirtschaft im Allgemeinen gut an. Fragen gibt es vornehmlich von Landwirten, die meinen, für ihr Überleben auf rein flächenbezogene Direktzahlungen angewiesen zu sein. (...)

Lesen Sie mehr in der neuen Ausgabe des Greenpeace Magazins 5.18 „Wahrer Reichtum“. Diese erhalten Sie ab sofort im Warenhaus, ab dem 10. August am Kiosk oder ab 32,50 Euro im Abo. Sie können das Greenpeace Magazin auch in unserer digitalen Version lesen: mit allen Inhalten der Print-Ausgabe, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Lesen!