Greenpeace Magazin

Ausgabe 2.06

Editorial

Öl ins Feuer gießt in der Krise um das iranische Atomprogramm nicht allein das Mullah-Regime in Teheran.

Natürlich ist es inakzeptable politische Brandstiftung, wenn Präsident Ahmadinedschad, der mutmaßliche Atombombenbauer, Israel von der Landkarte tilgen will.

Es ist jedoch ebenso wenig akzeptabel, dass die atomaren Supermächte Russland und USA sowie China, Frankreich und Großbritannien ihre nuklearen Waffensysteme mit Milliarden perfektionieren und das Wort Abrüstung komplett aus ihrem Wortschatz gestrichen haben.

Denn laut Atomwaffensperrvertrag, auf den sie doch so pochen, ist die Abrüstung eine zwingende Verpflichtung, aber niemand schert sich darum – was ein klarer Vertragsbruch ist.

Auch im Denken und in der Sprache wird auf- statt abgerüstet: Wenn zum Beispiel Frankreichs Präsident Chirac damit droht, gegen Terroristen Atomwaffen einzusetzen (wie eigentlich?) und Angela Merkel nichts daran auszusetzen hat.

Oder wenn US-Präsident Bush, der den Irakkrieg politisch und moralisch längst verloren hat, eine Erstschlagdoktrin mit Atomwaffen vertritt.

Was nun? Die Krise könnte zu einer kritischeren Sicht auf die Atomkraft führen: Denn Länder, die über die Technologie für den Betrieb von Atomkraftwerken verfügen, haben auch das technische Know-how zum Bau der Bombe. Trotzdem verbreitet die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Internationale Atomenergiebehörde IAEA die Technik weiter in alle Welt.

60 Jahre nach Hiroshima und 20 Jahre nach Tschernobyl und etlichen weiteren Katastrophen bleibt uns nur ein Weg: Raus aus der Atomwirtschaft und mit Volldampf in die erneuerbaren Energien. Das ist die Zukunft, finden nicht nur Umweltschützer, sondern auch Investoren, wie die boomenden Aktienkurse beweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Jochen Schildt | Chefredakteur

P.S.: Unser Titel „Tu Was! 57 Tipps für eine bessere Welt“ hat offenbar nicht nur unseren Lesern, sondern auch der Redaktion des „stern“ gut gefallen. Anfang Februar erschien er mit einer nahezu Punkt für Punkt nachempfundenen Titelgeschichte unter der Überschrift „55 Tipps für eine bessere Welt“.

Wenn es um den Schutz der Umwelt geht, lassen wir gern abschreiben!