Greenpeace Magazin

Ausgabe 4.10

Editorial

Wir lieben Lebensmittel, heißt der aktuelle Werbeslogan von Edeka, doch wenn man genauer hinschaut, ist es mit der Liebe nicht weit her:

Ob bei Edeka oder den anderen Handelsriesen, das reiche und günstige Angebot hat seine Schattenseiten: Tiefgefrorene Hähnchen für 1,99 Euro kommen direkt aus der Hölle. Weniger 
als eins von hundert hat ein schönes Leben, bevor es auf dem Grill landet. Aber so lange der Verbraucher zugreift, werden die Lebensmittelkonzerne und Supermärkte daran nichts ändern. Und die Politik ebenso wenig. Für uns ein Grund, die Vegetarier im Land auf den Titel zu heben.

Auf fleischlose Kost oder artgerechte Haltung zu achten, hat der Verbraucher selbst in der Hand. Den mangelnden Zutatenlisten von Lebensmitteln ist er ausgeliefert. Während sich in Großbritannien die Handelskette Tesco für die Ampelkennzeichnung stark macht, schieben sich Edeka, Aldi & Co. und die Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) gegenseitig die Verantwortung für klare Kennzeichnung zu. Bis heute verschleiert oder verschweigt das Kleingedruckte unappetitliche oder riskante Zutaten.

BEISPIEL: ZAPPELPHILLIPP-SYNDROM Obwohl Farbstoffe in Süßigkeiten bei Kindern neurologische Störungen auslösen können, werden diese nicht verboten. Ein kleiner Hinweis auf der Verpackung soll genügen.

BEISPIEL: PESTIZIDE Rund 450 Pestizide gelten als gesundheits- und umweltgefährdend, ein Drittel davon ist laut einer Greenpeace-Studie in der EU für die Lebensmittelproduktion zugelassen. Um Grenzwerte zu unterlaufen, werden darüber hinaus geringere Dosen verschiedener Wirkstoffe eingesetzt. Diese Chemie-Cocktails gehören nicht in unsere Nahrung.

BEISPIEL: AROMEN Ein Aroma darf auf der Verpackung als 
„natürlich“ bezeichnet werden, auch wenn davon nicht die Rede sein kann. Himbeer- oder Erdbeeraromen werden 
vollständig aus Holz gewonnen, ganz ohne Früchte. Das ist legaler Betrug!
Ich wünsche Ihnen – trotz allem – viel Spaß beim Blättern und viele neue Erkenntnisse beim Lesen Ihres Greenpeace Magazins. Und empfehlen Sie uns gern weiter.

Jochen Schildt
Chefredakteur