Guten Abend,

„Es ist verboten zu verbieten“ – diese Parole brasilianischer Künstler machten sich die Protestbewegungen von 1968 zu eigen. Das Verbot ist auch im 21. Jahrhundert nicht sonderlich populär. Es klingt nach Einschränkung und Bevormundung, nach Oberlehrer und Spaßbremse, mitunter sicher nicht zu Unrecht. Dennoch, eine Welt ganz ohne Ver- und Gebote kann und will ich mir nicht vorstellen. Mord, Totschlag, Raub, Diebstahl, Betrug und dergleichen sollen bitte immer verboten bleiben. Auch halte ich es für einen zivilitorischen Fortschritt, dass Sklaverei, Leibeigenschaft und Rassentrennung abgeschafft wurden, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr schlagen dürfen und Vergewaltigung auch in der Ehe strafbar ist. All das war mal erlaubt.

Sobald in einer Debatte das böse Wort „Verbot“ fällt, erhebt sich allerdings sofort großes Geschrei. Aber: Ist unser Leben schlechter geworden, seit weder Asbest noch DDT verwendet, Atommüll und Dünnsäure nicht mehr auf offener See verklappt oder Flüsse durch Chemieabwässer in Kloaken verwandelt werden dürfen? Hat das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants nicht Luft und Gesundheit verbessert und die Gurtpflicht im Auto sogar viele Menschenleben gerettet?

Geht es um gruselige Praktiken beim Umgang mit Tieren wie das Schreddern von Küken oder das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln, dann wäre wohl nicht nur ich sehr für das Eingreifen des Staates. Auch wird kaum jemand Einwände dagegen haben, dass das Schlachten von Hunden zur Fleischgewinnung hierzulande laut Gesetz nicht mehr erlaubt ist (übrigens erst seit 1986).

Natürlich bewirken Verbote nur etwas, wenn sie auch kontrolliert werden und Strafen nach sich ziehen. Beispiele: Paradies, Baum der Erkenntnis. Ruanda, Plastiktüten. Singapur, Kaugummi wegwerfen. Oder China – der Große Bruder sieht alles und vergibt Minuspunkte. Das hat schon fast Orwellsche Dimensionen. In Deutschland ist zwar theoretisch auch dies und jenes verboten, Telefonieren am Steuer, Zuparken von Radwegen, Radeln auf dem Gehweg, das Hinterlassen von Müll nach dem Grillen oder Hundekot beim Gassigehen, aber wenn keiner guckt, dann ist man eben so frei. Die Leute sollen mal nicht so spießig sein. Wir sind doch nicht in China!

Andererseits soll die Regierung umgehend was gegen Klimawandel, schlechte Luft, Plastikflut, Gülle auf den Feldern und Ausbeutung von Textilarbeiterinnen tun. Nur: wie? Denn wehe, es schlägt jemand vor, etwas per Gesetz zu regeln. Ökodiktatur!, schallt es von allen Seiten, und irgendwer verspricht schon bald ein paar schöne technische Innovationen, die jedwedes Problem einfach wegzaubern. Alle möchten gewaschen werden, aber bitte ohne Verwendung von Wasser.

Ähnliche Reflexe lassen sich höchstens noch mit dem Wort „Steuer“ auslösen. CO2-Steuer! Weiche, Satan! Auch wenn man mit „Bepreisung“ oder „Abgabe“ um den heißen Brei herumschleicht, hält das Wehklagen an. Wir haben zwar fürstlich gespeist, wollen aber die Zeche prellen. Da mag der Welterschöpfungstag, an dem wir rechnerisch alle Ressourcen der Erde für das Jahr aufgebraucht haben, immer weiter nach vorn rücken (2018 fiel er auf den 1. August, vor zwei Jahrzehnten noch auf Ende September), da mögen die Polkappen schmelzen, aber die Freiheit muss wohl grenzenlos sein, über den Wolken und auch sonst überall.

Mir scheint, viele Eltern verhalten sich kindischer als ihre Kinder. Die mögen vielleicht freitags nicht mehr zur Schule gehen, haben aber in der übrigen Zeit gut aufgepasst und wissen: So kann es nicht weitergehen. Los, fordern sie, erhebt Steuern! Schaltet die Kohlemeiler ab! Stellt den Verbrennungsmotoren ein Ultimatum! Und zwar ein bisschen pronto, wir wollen auch noch in Euer Alter kommen! Neben all den Freitagsdemos und Diskussionen nehmen die Kids auch noch Erziehungsaufgaben wahr. Ein Team der North Carolina State University hat herausgefunden, dass Kinder die Einstellung ihrer Eltern zum Klimawandel ändern können. Am besten klappt es offenbar bei Vätern und Töchtern. Ein wunderbares Langzeitprojekt. Aber könnte nicht jemand in der Zwischenzeit trotzdem schon mal ein paar Verbote erlassen?

Es ist erlaubt zu verbieten // Unsere Leseempfehlung zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redaktion

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