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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.17

Euro-Vision

Text: Hanna Gieffers und Julia Lauter Foto: Florian Jaenicke

Sie erleben jeden Tag, wie das politische Herz der EU schlägt und spüren den Puls des Kontinents: die Praktikantinnen und Praktikanten der europäischen Institutionen in Brüssel. Oft sprechen sie mehrere Sprachen, haben Freunde in ganz Europa und füllen so die abstrakten Buchstaben „EU“ mit Leben. Jeden Donnerstagabend treffen sich viele von ihnen auf der Place du Luxembourg vor dem Europäischen Parlament, trinken und schwelgen in Utopien. Wir haben sie gefragt, von welchem Europa sie träumen

„Die EU muss ihre Erfolge besser kommunizieren“
Jessica Simoes: Luxemburgerin, 30, Praktikantin in der Europäischen Kommission, Pressedienst.
Ich lebe Europa. Meine Wurzeln sind portugiesisch, ich bin in Luxemburg aufgewachsen, studiere in Brüssel, mein Freund ist halb Engländer und halb Franzose – und zusammen haben wir einen Golden Retriever aus Deutschland adoptiert. Ich kann ohne ein Visum durch alle Mitgliedsstaaten reisen oder genauso günstig wie in meinem Heimatland im EU-Ausland telefonieren. Wenn ich im Urlaub bin, fallen mir überall die Plaketten „Von der EU finanziert“ auf. Doch ich weiß auch, dass nur wenige diesen positiven Blick auf Europa haben. Die Institutionen müssen menschlicher und besser kommunizieren, welch großartige Dinge sie bewegen. Denn jeder Bürger profitiert von der EU. Aber nur die wenigsten sind sich dessen bewusst.

„Mich begeistert die liberale Haltung der EU“
Klara Nadaradjane: Französin, 24, Praktikantin in der Europäischen Kommission, Pressedienst.

Die Europäische Union hilft ihren Bürgern dabei, individuelle Träume zu verwirklichen. Sie hat auch mir vieles ermöglicht. Durch das Schengen-Abkommen konnte ich in London studieren, in Glasgow leben und in Brüssel arbeiten. Würde ich meine Vision für die EU mit einer Stadt vergleichen, wäre Amsterdam meine Wahl. An diesem magischen Ort ist Toleranz das Leitprinzip, jeder kann seine persönliche Freiheit ausleben. Diese wundervolle Mischung führt dazu, dass die Menschen klare Ansichten entwickeln. Die absolute Freiheit erlaubt ihnen, ihre eigene Identität, eigene Werte und Grenzen aufzubauen. Auch ich will meine unverstellte, authentische Persönlichkeit leben. Die EU stärkt mich darin, indem sie für mich eine sichere Umgebung schafft. Ich bin sehr dankbar, auf einem Kontinent zu leben, der jeden Tag innovative Ideen und neue Initiativen hervorbringt.

„Einander zuhören ist das Fundament der EU“
Tom Vasseur: Niederländer, 25, Praktikant in der Europäischen Kommission, Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien.

Die Menschen in Europa verbindet das Gespräch. Verglichen mit dem individualistischen American Dream ist in Europa die Zusammengehörigkeit wichtiger. Man trifft sich nicht in Einkaufszentren, sondern in Pubs, Cafés, Parks oder, wie hier in Brüssel, auf öffentlichen Plätzen. Menschen aus ganz Europa kommen hier zusammen und teilen ihre Ideen und Meinungen. Dabei geht es um ein gemeinschaftliches Erleben, nicht um Konsum – es geht darum, einander zuzuhören. Das ist das Fundament der Union. Trotzdem wundert mich ihr schlechter Ruf nicht: Niemand mag sein Land wegen der Regierung. Die Faszination für die EU muss sich aus der Faszination für die Vielfalt Europas speisen. Dafür müssen die Menschen mehr an politischen Prozessen mitwirken können. Die europäischen Bürgerinitiativen sind ein gutes Beispiel, wie das gelingen kann. (...)

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